Interdisziplinäres Projekt CINEMA ODYSSEY: Kino der Zukunft - Zukunft des Kinos

CINEMA ODYSSEY – Hat das Kino noch eine Zukunft? Ist es noch up-to-date? Handelt es sich bei Filmen vor allem um Abbilder technischer Entwicklung oder bilden sie doch gesellschaftlichen Zeitgeist ab?

Mit solchen und ähnlichen Fragestellungen haben sich Studierende des MA Medien und Gesellschaft  im Rahmen des interdisziplinär angelegten Projektes CINEMA ODYSSEY beschäftigt. Begleitet wird das Projekt von PD Dr. Sandra Nuy und Prof. Dr. phil. Sigrid Baringhorst aus den Forschungsbereichen Sozial- und Politikwissenschaft, Prof. Dr. Rainer Leschke aus der Medienwissenschaft und M.A. Laura Dorfer, M.A. Julia Müller und Prof. Dr. Joachim Eigler stellvertretend für die Wirtschaftswissenschaft der Universität Siegen.

Die Ergebnisse der einzelnen Projekte wurden im Rahmen eines fächerübergreifenden Workshops am 13. und 14. Juli 2017 präsentiert und miteinander in Verbindung gebracht. Weitere Infos und eine Programmübersicht finden Sie hier.

Die Ausarbeitungen der einzelnen Projektgruppen, Konzepte und Modelle zur Zukunft des Kinos sowie die Resultate des gemeinsamen Workshops finden Sie in den nächsten Wochen aufbereitet und ergänzend zu den bestehenden Inhalten auf dieser Internetseite. Gerne können Sie die Forschungsergebnisse zur Recherche oder als Gedankenanstoß für eigene Projekte nutzen. Bei Fragen oder Anregungen setzten Sie sich gerne mit uns in Verbindung.

 

Projektgruppen:

Projekt-Team Gruppenfoto

WORKSHOP: 13. & 14. Juli 2017 (Vorträge & Diskussion)

Die Forschungsergebnisse und Konzepte der Projektgruppen wurden im Rahmen eines zweitägigen Workshops präsentiert. Die öffentliche Veranstaltung bot die Gelegenheit, die verschiedenen Ansätze vor- und gegenüberzustellen sowie ausführlich zu diskutieren und somit der Interdisziplinarität des Projektes Rechnung zu tragen.

ORT: AR-NA 016 (Neuer Senatssaal), Universität Siegen, Adolf-Reichwein-Straße 2, 57068 Siegen

 

PROGRAMM:

Donnerstag, 13.07.
10:15 Begrüßung
10:30 – 11:15 Stückwerk #20s: Zum Potenzial des Varietés als Kinodispositiv der Zukunft
11:15 – 12:00 Kintopp auf Tour: Ein fahrendes Ladenkino als städtischer Begegnungsraum
12:15 – 13:00 Filmplus-Event: Das Saalkino als neues gesellschaftliches Kinoformat
14:00 – 14:55 Enter the Cinematrix: Die Spielstätte als innovativer Erlebnisraum
15:10 – 16:05 A million ways to…: Strategische Markenbildung und gezielte Nutzung von Kommunikationskanälen für Filmtheaterbetreiber
16:05 – 16:30 Diskussion
Freitag, 14.07.
10:15 – 11:05 Tatort im Visier: Das „Fremde“ als Handlungsthematik im Fernsehkrimi
11:05 – 11:55 Frames und „Re-Frames“: Die Anschlusskommunikation von Videos der „Deutschen Welle“ zur Flüchtlingskrise
12:25 – 13:15 Bewegende Bilder: Videoaktivismus als Antriebs-und Ausdrucksform sozialer Bewegungen im Kontext von Migration und Flucht
13:15 – 13:45 Abschlussdiskussion

 

Den Veranstaltungsflyer finden Sie hier zum Download:

Zur Geschichte und Zukunft des Kino-­Dispositivs

Die scheinbar derzeit drohende Marginalisierung des Kinos als gesellschaftlich bedeutendes und zugleich auch wirtschaftlich erfolgreiches Medium, beispielsweise aufgrund neuer Medienangebote wie Streamingdiensten und damit auch veränderter Nutzungspraktiken, ist längst nicht die erste Krise in der Geschichte des Kinos. Vielmehr unterlag diese seit jeher einer großen Wechselhaftigkeit und stetigem Wandel: Beginnend als Attraktion auf Jahrmärkten in der Mitte des 19. Jahrhunderts über Ladenkinos, die großen Kino-Paläste in den 20er Jahren sowie Provinz- und Programmkinos bis hin zum Kino-Sterben in den 70er Jahren – gefolgt vom Aufkommen der Multiplex-Kinos seit Ende des letzten Jahrhunderts.

In all diesen Phasen lassen sich nicht nur veränderte Architektur- und Geschäftskonzepte identifizieren, sondern auch inhaltlich-programmatische Wandlungen sowie veränderte Sozialformen erkennen. Durch eine Aufarbeitung der Geschichte des gesamten Kinodispositivs, d.h. aller genannter Ebenen und deren Interdependenzen, wird nun der Versuch unternommen, ausgehend von dieser medien- und kulturhistorischen Perspektive neue attraktive und zukunftsfähige Kinoformate zu entwerfen.

In den drei gebildeten Teams liegt der Fokus konkret auf den Dispositiven „Varieté-Kino“, „Ladenkino“ und „Saalkino“. Die Skizzierung der potenziellen Kinoformat-Innovationen hat schließlich einen Planspiel-Charakter. Die ProjektteilnehmerInnen treten also selbst als Akteure auf und versetzen sich in die Rolle von Filmverleihern, Kinobetreibern oder Programmkuratoren um ihre Konzepte auf Realisierbarkeit zu prüfen.

Kino neu gedacht – Trendforschung und Entwicklung von Geschäftsmodellinnovationen für Filmtheaterbetreiber

Durch die Abnahme der Besucherzahlen, insbesondere auch in den jüngeren Zielgruppen, stehen Filmtheaterbetreiber enormen Herausforderungen gegenüber. Das Auswertungsfenster „Filmtheater“ verliert, etwa durch technologische Entwicklungen, an Attraktivität und Exklusivität. Das Alleinstellungsmerkmal des Filmtheaters rückt zunehmend in den Hintergrund, beispielsweise durch Home Entertainment. Zudem ist das Kino zunehmend starker Konkurrenz von Seiten großer TV-Sender und ihrer attraktiven Serien-Angebote ausgesetzt. Zusätzlich wird Druck von den nachgelagerten profit windows ausgeübt, welche von der Entwicklung digitaler Produktions- und Vertriebstechnologien getrieben werden.

Die Teilgruppen setzen an dieser Problemstellung an und zielen darauf ab, Trends im Bereich der Bewegbildangebote und Bewegbildnutzung zu ermitteln. Darauf aufbauend werden sinnvolle Geschäftskonzepte entwickelt, um noch mehr Kunden zu akquirieren sowie den Ansprüchen der Zielgruppe auch zukünftig gerecht werden zu können.

Die Bearbeitung verlief in zwei Phasen. Zunächst eigneten sich die TeilnehmerInnen Grundlagen des Verwertungsfensters „Filmtheater“ und Trendidentifikation an. Anschließend wurden Fokusgruppeninterviews einerseits mit Kinogängern und andererseits mit Kinoverweigerern sowie Experteninterviews mit Filmbetreibern durchgeführt. Die durch die empirischen Studien gewonnenen Erkenntnisse dienten dann der Identifikation von Trends sowie der Entwicklung von innovativen Geschäftskonzepten.

Migration und Film

In Bezug auf Kinofilme lässt sich stets fragen, was diese über die Gegenwart, das Heute, aussagen. Das Kino kann als Spiegel der Gesellschaft und Filme als Reaktionen auf das aktuelle Geschehen gedeutet werden. Bis vor wenigen Jahrzehnten war das Kino der Ort, um mit Filmen eine breite Masse an Menschen zu erreichen. Nun erreichen auch Filme, die an anderen Orten abgespielt werden, große Aufmerksamkeit. Neue Orte des Kinos können das Wohnzimmer oder die Straßenbahn sein. Im Fernsehen oder auf mobilen Endgeräten können Spielfilme des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen und Videos auf YouTube von tausenden Menschen gleichzeitig verfolgt werden.

Wenn Kinofilme Zeitgeist abbilden, dann darf wohl ein Thema, denn kaum etwas hat uns in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gesellschaftlich so verändert und politisch bewegt, nicht fehlen: Migration und Flucht. Sollte Film tatsächlich eine Reaktion auf die Entwicklung in unserer Gesellschaft sein, so ist Migration von Film kaum zu trennen. Migration bewegt sich stetig weiter –  Film auch. Die Projektgruppe versucht Kino mit Migration zusammenzubringen, untersucht, wo beides aufeinander trifft. Die Studierenden haben sich mit  dem „Fremden“ im Film, Anschlusskommunikation auf dem first- und second-Screen zu Filmen, die Migration und Flucht thematisieren, und mit Antriebs- und Ausdrucksformen sozialer Bewegungen im Kontext dessen auseinandergesetzt.