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Was ist ein Engagement? Was sind Wohlfahrtsverbände?

Ich war kürzlich zu Gast in mehreren Sprachkursen auf den Niveaus B1 und B2. Das waren angenehme Treffen mit sehr netten Menschen. Für mich war dabei lehrreich, dass wir in unserem Forschungsprojekt Begriffe verwenden, die nicht selbstverständlich sind. Da dieses Blog nun vor allen Dingen der Kommunikation mit Interessierten an den Interviews dient, möchte ich in diesem Blogeintrag zwei Begriffe genauer erläutern: den Begriff des Engagements und den Begriff des Wohlfahrtsverbandes.

Zum Begriff des bürgerschaftlichen Engaments oder auch des Ehrenamtes – ich verwende die Begriffe im Text ohne Unterschiede zu machen, streng genommen ist das aber nicht dasselbe – möchte ich hier keine sonderlich akademische Definition vorschlagen. Ehrenämtler oder Engagierte sind Menschen, die ohne ein festes Entgelt oder eine feste Bezahlung eine Aufgabe übernommen haben und diese regelmäßig ausüben. Ein bürgerschaftliches Engagement ist es daher, da es für die Bürgerschaft ausgeübt wird, also eine gewisse Öffentlichkeit erreicht. Für unser Forschungsprojekt suchen wir entsprechend nicht Menschen, die zuhause freiwillig eine Aufgabe übernommen haben (etwa freiwillig für die Familie einkaufen). Sondern wir suchen diejenigen, die diese Aufgabe außerhalb ihres privaten Haushaltes übernehmen, etwa, indem sie ohne Bezahlung regelmäßig für eine bestimmte Gruppe die Einkäufe erledigen. Um diesen Begriff des Ehrenamtes bzw. des Engagements gibt es bereits sehr viel Forschung und auch eine enorme Aufmerksamkeit. Engagement wird oft gefordert. Viele glauben, dass das Zusammenleben besser und einfacher wird, wenn möglichst Viele etwas freiwillig für Andere tun. Das mag so sein – genau wissen wir das nicht. Aber deswegen forschen wir nicht über Ehrenamt und Engagement. Vielmehr stellen wir in den Interviews fest, wie viel Leidenschaft und Freude häufig mit dem Ehrenamt oder dem freiwilligen Engagement verbunden ist. Vielen freiwillig Engagierten ist ihr Engagement wichtig. Durch diese emotionale Bindung zum eigenen Tun entstehen meist spannende Erzählungen.

Ein Wohlfahrtsverband ist zunächst mal eine Organisation, in dessen Rahmen etwas für Andere getan wird (es geht also um Soziales). Wohlfahrtsverbände bieten in ihren Einrichtungen auch an, eine Aufgabe zu übernehmen. Manchmal vermitteln sie auch Engagementplätze. Wohlfahrtsverbände spielen aus vielerlei Gründen in Deutschland eine besondere Rolle für das Zusammenleben.

Die Menschen in den Sprachkursen hatten selbst einen Wohlfahrtsverband unmittelbar vor Augen, denn sie saßen in den Räumlichkeiten der Diakonie. Andere bekannte Wohlfahrtsverbände sind die Caritas, die AWO, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische (plus die vielen kleineren Vereine und Gruppen, die sich hierunter versammeln) oder die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. In diesem Forschungsprojekt interessiert uns Engagement, welches bei diesen Trägern ausgeübt wurde oder zumindest in Tätigkeitsfeldern, die auch von diesen Trägern bearbeitet werden, also etwa Kranken- oder Altenpflege, Kinder- und Jugendarbeit, Nachbarschaftsarbeit, …

 

Am Borsigplatz

Eine der vielen schönen Seiten unseres Forschungsprojektes ist die Möglichkeit, im Verlauf der Datenerhebung die unterschiedlichsten Städte Nordrhein-Westfalens kennenzulernen. Hierbei treffen wir auf ganz verschiedene Typen und Szenen. Davon soll in diesem Blog auch die Rede sein, insbesondere wenn – wie derzeit gerade – ein längerer Text auf sich warten lässt.

In dieser Woche waren wir etwa auf Erkundungstour in der Dortmunder Nordstadt. Dabei waren wir zufälligerweise für eine Wegstrecke mit einem potentiellen Multiplikator aus dem Wohlfahrtsbereich unterwegs. Dabei entwickelte sich folgender Dialog:

Multiplikator: Und hier kommen wir nun zum berühmten Borsigplatz. Hier wurde 1909 der Ballspielverein Borussia gegründet.

Wir: Ja, das ist uns bewusst. Wir haben dafür heute auch extra schwarz-gelbe Flyer mitgebracht.

Multiplikator: Das ist mir auch schon positiv aufgefallen. Aber wir sollten dem Thema schon mit dem notwendigen Ernst begegnen.

An dieser Stelle wird mal wieder deutlich, welche Gültigkeit noch immer die Bemerkung des britischen Fußballers und -trainers Bill Shankly hat, dass es beim Fußball um weit mehr geht, als nur um Leben und Tod.

(Ob wir auch in den anderen Fußballhochburgen des Landes Flyer in der stadttypischen Farbkombination mitbringen können, wissen wir nicht. Wir werden in der Regel nur eine schwarz-weiße Standardausführung haben – um im Bild zu bleiben: die Version Wattenscheid 09 – und bitten daher die vielen hilfsbereiten und netten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren um eine farbige/ farbenfrohe Weiterempfehlung.)