“Studenten bauen für Studenten” ist ein Kooperationsprojekt mit der RWTH Aachen. Der Lehrstuhl “Städtebau und Landesplanung” dort ist mit einem Forschungsprojekt (Prof. Rolf Westerheide) seit etwa 10 Jahren an der Weiterentwicklung der Universitè du Kasayi in Kananga (Kongo) mit zahlreichen Planungen und Projekten beteiligt.
In den letzten beiden Jahren hat der Fachbereich Architektur der Uni-Siegen an diesem Projekt teilgenommen.

Abschiedsfest bei Jean – Kinsahsa – Zurück in Deutschland

Liebe Leser und Leserinnen des Kongoblogs, die Geschichte ist noch nicht ganz zu Ende….

Wo waren wir… ich denke wir beginnen mit der Einweihungsfeier der zwei geschaffenen Gebäude: Wahnsinn was wir als Gruppe in so kurzer Zeit geschafft haben.
Ein letztes Mal der Weg zur Baustelle, nochmal Winken was das Zeug hält, kräftig Moyo rufen und die Schlaglöcher, den engen Körperkontakt im Auto aber vor allem die Umgebung genießen.
Auf der Baustelle angekommen macht sich eine komische Gefühlsmischung aus Abschiedstrauer und Vorfreude auf die Heimat, sowie der Stolz auf die geleistete Arbeit bemerkbar.
Auf einmal bricht Panik aus… der Gouverneur kommt und zwar bald, also müssen alle Schönheitsfehlerchen beseitigt, aufgeräumt aber vor allem was getan werden. Keiner steht hier rum, wenn der kommt.
Die Freude über seinen Besuch hielt sich bei allen in Grenzen, denn schließlich hatte der Mann uns kein wenig geholfen oder zumindest ehrliches Interesse gezeigt.
Naja, wichtige Menschen kommen selten allein und so kam er in Begleitung einer großen, genau so desinteresssierten Gruppe von unhöflichen Menschen, deren Handys unentwegt klingelten.
Hoffentlich ein wenig beschämt, verließ dieser die Baustelle wieder mitsamt Polizeischutz.
Danach stand ein Besuch der Bürgermeisterin aus, welche das Kontrastprogramm bilden sollte.
Eine unglaublich sympathische und durchaus am Projekt interessierte Frau.
Nach emotionalen Reden, Überreichung der Prämien für die Arbeiter, Geschenke für die Studenten und Auszeichnungen für uns durften sich alle Beteiligten mit ihrem Handabdruck im Putz der Stirnseite des Küchengebäudes verewigen. Die Bürgermeisterin voraus.
Nach ein paar kühlen Getränken hieß es Abschied nehmen, von den Studenten, den Arbeitern und vor allem den lieb gewonnenen Kinder, die uns täglich auf der Baustelle besucht und natürlich tatkräftig unterstützt haben.
Tränennasse, traurige Gesichter machten sich auf den Weg zu Jean, denn dort sollte es noch eine Abschiedsfeier für uns geben.
Es gab wie immer eine Menge Essen, Getränke und wie zu Beginn ein, zwei Ständchen vom Studentenchor.
Im Anschluss wurde zum Rhythmus einer Trommelgruppe barfuß im Mondschein getanzt bis alle müde in ihre Betten fielen.

Am nächsten Morgen hieß es bereit machen für den Flug. Es geht nach Kinshasa.
Als dann schliesslich alle Koffer gepackt, gewogen und Gepäck hin und her verteilt wurde, kam das Gepäck auf den Jeep und fuhr schon Mal los zum Flughafen.
Wir warteten, wie so oft, bis das Flugzeug über unsere Köpfe in Jeans Hof im Sturzflug Kananga anpeilte.
Das ist es. Jetzt geht’s los. Von Null auf Hundert wurden wir zum Flughafen verfrachtet wo einige liebe Menschen noch neben der Startbahn warteten bis wir tatsächlich abheben konnten.
Mit Zwischenlandung auf einer Kieslandebahn ging es schnell weiter zum eigentlichen Ziel.
Dort wurden wir ebenso liebevoll empfangen wie auch schon in Kananga und zu Jeans Haus (Ja, der Mann besitzt auch dort ein Haus) gebracht.
Platt von der Reise wurden nur noch die Quartiere bezogen und gemeinsam gegessen und schnell lagen alle auf ihren Schaumstoffmatten, brav unter ihren Mosquitonetzen.
Der nächste Tag sollte das Highlight für uns alle werden. Ein unvergesslicher Tag in Kinshasa.
Aber zunächstmal die Arbeit, dann das Vergnügen.
Also machten wir uns hübsch, warfen uns in die einzig sauber gebliebenen Sachen und fuhren zum Bildungsminister um von unserem Erfolg auf der Baustelle zu berichten.
Der Mann war begeistert und wir alle sehr stolz als wir die Bilder und die Entwicklungsstufen der letzten Wochen sahen. Das hatten wir gebaut. Jeden einzelnen Stein hatte jeder von uns einmal in seinen Händen. Wir haben geschwitzt, gelacht, geweint, geschuftet, manchmal keinen Fortschritt mehr gesehen und dann wieder gejubelt wenn das Ziel sichtbar wurde.
Es gab Sprachbarrieren, kulturell bedingte Meinungsverschiedenheiten, aber zuletzt hat alles gestimmt. Wir haben Hand in Hand gearbeitet und Freundschaften geschlossen.
Wir haben ein Studentenwohnheim mit Gemeinschaftsküche gebaut. In vier Wochen. Wahnsinn.
Die Begeisterung des Bildungsministers führte zu einem weiteren Vortrag in der Architekturfakultät von Kinshasa. Der war zwar nicht geplant aber wir alle waren so stolz dass wir gern weiter darüber berichten wollten.
Nach diesem Abstecher ging es zur deutschen Botschaft wo wir glücklicherweise die Chefin für Entwicklungshilfe antrafen.
Sie war interessiert und eigentlich auf dem Sprung aber nahm sich dann doch die Zeit unseren Vortrag zu hören.
Zuletzt gab sie uns allen noch das Angebot die Toilette zu benutzen, europäische Toiletten. Mit einer Klospülung und fließendem Wasser .
Jeder der die Toilette wieder verließ hatte mindestens ein so breites Grinsen auf den Lippen, wie bei dem Bildungsminister.

Sooo, nun aber zum Freizeitteil in Kinshasa.
Deshalb ging es auf vielfachen Wunsch einige Souvenirs zu kaufen auf einen Markt.
Es war Wahnsinn, unglaublich viele schöne Dinge, aber auch ziemlich anstrengend, wenn einem 10 Verkäufer hinterher rennen weil man an ihrem stand mal ein Teil länger als 2 Sekunden angeschaut hat. Die Ausbeute war Wahnsinn und einige machten sich Sorgen, wie sie ihre Mitbringsel noch unterbringen sollten.
Dem Europa-Erlebnis mit der Toilette sollte noch eine Krone aufgesetzt werden.
Wir fuhren zu einem echten Supermarkt, wo wir uns für ein Picknick eindeckten und nicht wussten was wir zuerst kaufen sollten.
Das Picknick fand auf Jeans Schiff statt.
So machten wir uns auf den Weg zum Hafen und stiegen auf das Boot, mit dem wir den Kongo entlangschipperten.
Links und rechts ein paar Kanus, voraus kein Eisberg, sondern Schilf und eine einsame Insel.
Am Ufer angelegt machten sich die ersten bereit und sprangen in das braune Wasser. Unter ihnen Ungewissheit, denn in diesem Fluss schwimmen sowohl Krokodile wie auch Nilpferde.
Aber das war den Abenteurern egal.
Abgekühlt und zufrieden, die anderen vollgestopft mit europäischem Essen konnten wir nun wieder den Hafen von Kinshasa anpeilen.
Nach einer kurzen Pause im Yachtclub mit Blick auf die Slums am Ufer (was ist das für eine verdrehte Welt), machten wir uns auf den Heimweg denn schließlich musste noch einiges, auf dem Markt ergattertes, eingepackt werden. Außerdem wollte jeder sich psychisch auf den Heimweg einstellen.

Abends nach dem Essen ging es dann zum Flughafen, wo sich ein letztes Mal chaotische Menschenmassen bewegten.
Schließlich stiegen wir nach ein wenig Ärger mit dem Zoll, wegen der Mitbringsel und Geldreste, mit zwei Stunden Verspätung in das Flugzeug, das wegen eines starken Gewitters nicht direkt starten konnte.
Die Zwischenlandung in Tripolis, wo der zweite Flieger schon auf uns wartete, gestaltete sich nochmal als Nervenprobe aber dann mit dem Gewissen in Deutschland zu landen, waren alle wieder munter.
Gelandet bei 6°C, starkem Wind und Schneeregen in Düsseldorf verließen wir ein letztes mal als super Gruppe, das Flugzeug in Richtung Familie.
Als die Gepäckstücke zusammengesammelt waren konnte der Armageddon-ähnliche Auftritt am Flughafen beginnen.
Die elektrische Tür öffnet sich und… wow, so viele Menschen. Alle weiß. Ein komisches Bild.
Jeder sieht Menschen, die er vermisst hat und alle sind glücklich sich in die Arme schließen zu können.

Jetzt einige Tage nach der Rückkehr fühlt sich die Reise schon so weit entfernt an. Die meisten von uns hat der Alltag wieder eingholt, aber diese unglaublichen Eindrücke und Erfahrungen wird wohl keiner von uns jemals vergessen

Resümee

So, pünktlich zu Ostern sind alle zurück, und geben sich lang vermissten Genüssen hin…..

Teilnehmer aus Siegen: Moritz Feldmann, Johanna Killa, Sahra Pallkischek, Jelena Willmann, Silas Landeck und die Betreuer Matthias Arnold, der als einziger Betreuer während der ganzen Kampagne im Kongo dabei war und so für Kontinuität im Gestehungsprozess sorgte, und Bernd Borghoff.

Das Abenteuer schimmert in den Berichten durch: Das Python-Essen, der gitarrenspielende Buschpilot, die Zwischenlandung auf der Schotterpiste der Diamantenstadt, der Sturzflug auf den Flughafen von Kinshasa, die Beschlagnahme des Handgepäcks, die Schifffahrt auf dem Kongo und das Bad an der Sandbank…….

Das abenteuerlichste aber ist, dass es tatsächlich gelungen ist in den gut 4 Wochen die beiden Gebäude fertig zu stellen – sagen wir mal im „ gehobenen Rohbaustandart“ für den Bereich Mitteleuropa. Küche, Essplatz, Vorratsraum und Schlafräume für 20 Studenten entstanden unter größten Schwierigkeiten: Kein Strom auf der Baustelle- Mörtel wurde mit der Hand gemischt, jedes Keilchen aus dem harten Tropenholz mit der Hand gesägt. Kein Wasser auf der Baustelle – jeder Tropfen wurde auf dem Kopf von den Frauen dort aus  dem Tal hoch zur  Baustelle getragen. Durch die „ Steinreihen“ hat jeder Student jeden Ziegelstein mindestens einmal in der Hand gehabt. Manchmal brauchte der LKW, der voller singender Arbeiter neues Material brachte eine halbe Stunde um den Rückwärtsgang endlich reinzukriegen und so die Baustelle zu beliefern……

Trotz aller Schwierigkeiten ein vorbildliches Gebäude: Nur Materialien von „Vor Ort“ wurden verwendet – Granit aus dem örtlichen Steinbruch für die Fundamente, die üblichen krummen Ziegel, die teilweise so schlecht gebrannt waren, dass sie beim Weiterreichen in der Steinreihe zerbröselten, als besonderes Experiment der Mauermörtel, der statt des Zementes, der etwa 10 mal so teuer ist wie in Deutschland als Bindemittel mit Maniokmehl gemacht wurde- von den Kongolesischen Frauen in großen Kesseln gekocht, und wenn man so will auch die als Stützen wieder verwendeten Eisenbahnschienen der Belgischen Staatsbahn.

Die Eignung von Maniok wäre revolutionär- vor Ort hat es gut funktioniert und ca. 7000 € gespart- im Langzeitversuch muss noch in den nächsten Jahren das Feuchtigkeitsverhalten untersucht werden, und: hoffentlich schmeckt der Mörtel den Termiten nicht.

Vorbildlich ist das Projekt auch wegen der Kooperation unserer mit den kongolesischen Studenten: Ein Fachbereich Architektur wird dort erst aufgebaut- die mitarbeitenden Kongolesen waren daher meist von anderen Fakultäten…hier wohl kaum denkbar.

Was bleibt zu tun? Erstellung eines detaillierten Erfahrungsberichtes, Prüfung des Maniokmörtels, Prüfung der Verwendung von gepressten Mauersteinen um die Energiekosten des Brennens zu vermeiden, Integration von Systemen zum Wassersammeln/ Grauwassernutzen, Trockentoiletten, Biogasanlagen….

Ich denke dass dieses vorbildliche Projekt gemeinsam mit den Freunden der RWTH-Aachen, die schon seit 10 Jahren in diesem Bereich arbeiten, fortgesetzt werden wird.

Bernd Borghoff

Die letzten Tage

Wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo Dustin her! Wahlweise mit 5-Personen-Flieger oder Motorrad… spielt keine Rolle, denn er ist da und versüßt uns die letzten zwei Tage in Kananga.

Aber fangen wir vorne an:
Der letzte Tag auf der Baustelle und es war einfach Klasse. Die Leute haben reingehauen als gäb’s keinen Morgen mehr und so… tadaaaaa… stehen zwei Gebäude (städtebaulich ein Pilotprojekt in Afrika…. Achja Pilot , haben wir schon erwähnt dass er Pilot ist?) annähernd so wie es sich der Autor gedacht hat an Ort und Stelle und leuchten in den Farben des Regenbogens inklusive Wellblechdach.
Noch ein wenig aufräumen, Materialüberschuss in den Busch werfen und los geht’s mit 1A-Werbefotos. Darüber freut sich eine Person nicht weniger als wir: Mit einem Grinsen von einem Ohr zum anderen wollte Jean die Küchentheke kaum noch verlassen, doch wir hatten andere Pläne.
Denn im Eifer des Gefechts sind zwei Worte gefallen : Spaghetti Bolognese – kein Scherz? WO?
Als Belohnung! Die hat aber lange auf sich warten lassen…

An dieser Stelle haben wir gedrängelt wie kleine Kinder die einen Lolli haben wollen. Wir geschmacksverwöhnten Deutschen wären am liebsten schon mal vorgelaufen zum Schauplatz europäischer Kochkunst. Einfach der Nase nach!
Doch nein, laut kongolesischen l´Knigge heißt es erst mal warten… dumdidumdumdummm…

Eine Stunde und zahlreiches Händeschütteln später saßen wir im Stuhlkreis in Jean’s Wohnzimmer… in Arbeitskleidung und Schuhen die Mama nicht mal vor die Tür stellen würde. Schlechtes Gewissen machte sich breit ( wie soll man jemals den Dreck aus dem Teppich bekommen? Deutsche Reinlichkeit). Und so warteten wir auf die Spaghetti und was kam stattdessen? Suppe – NEEEEIN!
Wo war die Bolognese? Damit scherzt man nicht. Entäuscht schauten wir mal wieder zu tief ins Pili Pili Glas und so standen uns zum zweiten mal in dieser Szene die Tränen in den Augen.
Und genau jetzt betrat er die Bühne… mit einer Hackfleischpackung, ein Geist in Weiß mit sympathischem amerikanischem Akzent.
Auch dauerte es nicht lange bis die 5 seitige Gitarre ausgepackt wurde und wir sowohl Countrysongs als auch französiche Kinderlieder, kongolesische Volkslieder und deutsche „Drinkingsongs“ getrallert wurden.

Wir wurden, früher als geplant, ausquartiert und dank dem wunderbaren Jean schlafen wir nun die zwei verbleibenden Tage in Kananga in seinem Gästehaus und co. …in wirren Mosquitonetzkonstruktionen (leider ohne lückenlose Abdichtung) und genügend Bier für den nötigen k.o.-Schlaf unter Holzfällern.
Also jetzt bei Gitarrenmusik und romantischen Lagerfeuergesang ein, zwei, drei, vier „petit quelque chose“ und dann auf die Schaumstofftücher (bei euch bekannt als Maratzen), damit morgen noch professionell geshooted werden kann.
Noch Fotos für die Presse und sachlich Interessierten… der Rest ist schon im Kasten.
Mit diesen Worten melden wir uns zurück.
Seid gespannt auf das Bonusmaterial aus Kinshasa.

Lagebericht!

Nach einer Woche Kontaktsperre gibt es eine Menge zu berichten.
Erst mal das geschäftliche. Die letzte Arbeitswoche hat begonnen und die Motivation auf der Baustelle ist so hoch wie das Gebäude: Ein Geschoss mit Wellblechdach, fast. Ist noch nicht ganz fertig.

Nein, ein kleiner Scherz, hier ist natürlich Bombenstimmung, das Richtfest war ein VOLLER Erfolg (mit selbstgebrannten Maniokschnaps… Maniok ist hier die Allzwecklösung) und nun geht’s in die Vollen. Das Wohngebäude ist fertiggestellt (Rohbau, wir wollen ehrlich sein) und das Küchengebäude nimmt stark Gestalt an. Bald kann’s los gehen mit Putz und Boden und anderen Feinarbeiten was für beste Werbefotos sorgen dürfte.

Das Wetter spielt auch super mit und alle liegen sich fröhlich in den Armen bis auf die Dachdecker… diese miesen Motzköpfe. Gut dass sie auf dem Dach sitzen und wir sie nicht sehen müssen…
Ansonsten herrscht auf der Baustelle reges Treiben, es heißt Erde schippen, Zement anmischen, Fenster montieren und Werkzeuge klauen (Bauarbeiterhumor eben).

Bauarbeiterhumor ist wichtig, darf sich aber nicht nur durchsetzen…also haben wir uns eine pädagogische Methode überlegt die Leistungsfähigkeit im Allgemeinen zu steigern. So schreiben wir jeden Tag eine Liste mit den Tageszielen und teilen die Arbeiter ein so, dass wir effektiv arbeiten können.
Zu Beginn und Ende eines jeden Arbeitstages wird eine Lagebesprechung mit kongolesischen Studenten, Arbeitern und uns Improvisationstalenten  einberufen.
So sehen wir was geschafft ist und können das von der to-do Liste streichen. Das steigert die Motivation und den Ehrgeiz fertig zu werden.
Bisher läuft alles nach Plan.

Wie ihr seht nimmt das Bauprojekt Form an und so können wir diesen Punkt auch getrost von der to-do Liste streichen, also nun zu den wesentlichen Dingen…

Geschichten die das Leben schreibt…
Die letzte Woche hatte es wieder einmal in sich…von Lila-Mädchen-Gewitter zu Autoralley über kongolesische Sandstraßen bis hin zu Fußmärschen durch die Sahara… aber fangen wir vorne an…

Es war einmal… die Sonne scheint und das Thermometer erreicht die 40°-Grenze… droht zu platzen… außerdem 90 % Luftfeuchtigkeit, 10% Schweiß…
Wir liegen am Pool und schlürfen unsere Cocktails… Chlorwasser… Chlor… ach ja Micropur…
Uuups, Tagtraum…. Zum Glück hat mich der Ziegel zurück in die Realität geholt… in der Steinkette versagt, wieder ein neuer Fleck am Knie.. hat ja gar nicht weh getan.
Gott sei dank ist gleich Mittagspause, wenn da nicht die zwei Schlangen wären, denen wir unser Lager überlassen mussten… frei nach dem Motto „leben und leben lassen“…

Neuigkeit der Woche… es gibt einen neuen Weißen im Kloster… alle fragen sich wer ist dieser Mann und vor allem was will er hier ? Spricht er deutsch… oh, hoffentlich nicht, dann lacht er jetzt gerade in sich…wir sollten uns schon mal wieder an die Situation gewöhnen dass die Menschen uns bald wieder verstehen, wenn wir laut denken…
Die Lösung des Rätsels ließ nicht lange auf sich warten. Der Mann ist Entwicklungshelfer, kommt aus Frankreich, spricht aber super deutsch… Mist!
… und ist sehr interessiert an unserem Projekt. Wieder einen neuen Freund gewonnen..

Nächster Programmpunkt.. die lang ersehnte Ankunft des Herrn Borghoff, nicht nur aus organisatorischen Gründen Highlight sondern auch aufgrund des Handgepäcks in Form von Schinkenwurst und Multivitamintabletten (ja, Micropur drei Wochen pur, killt jeden Geschmacksnerv).

An dieser Stelle, liebste Grüße an Herrn Borghoffs Fans, er lässt ausrichten „toute est bien et… ca va“…
Unser liebevoller Empfang mit selbst gebastelten „Willkommen in Kananga“-Banner ging leider unter im Trommelwirbel des ebenfalls erwarteten Gouverneurs.

Donc, womit wir uns außerdem beschäftigen, neben dem Mischverhältnis von Maniok und Sand, bzw. wo wir jetzt schnell Schaufeln auftreiben… hier ein Gedankenkatalog zur allgemeinen Belustigung:

  • Ersetzt Schwitzen den Drang zum Dschungelklobesuch?
  • Wird der Maniokbau halten, oder spült der Regen die Fugen komplett aus?
  • Welche Schlangen sind eigentlich giftig?
  • Habe ich heute schon meine Malarone genommen?
  • Wo genau kommt der Parasit jetzt her? Wasser? Oder Papaya?
  • Ob wir es wohl noch schaffen vor dem Gewitter zu duschen?
  • Wow, wir haben schon Strom!
  • Wie bekomme ich an den Beinen die selbe Bräune wie an meinen Armen?
  • Wie viel Uhr ist es? Und welcher Tag ist eigentlich?
  • Hast du heute schon in dein Tagebuch geschrieben?
  • Ob das wohl von der Versicherung übernommen wird?
  • Wer hat Guthaben? Wer hat Empfang?
  • Was krabbelt da mein Bein hoch?
  • Wow… was ist das? Hast du so was schon gesehen?
  • Wir haben einen neuen Mitbewohner… ach ja, wieder eine Fledermaus… nein.. eine Kakerlake… nein… Na, was denn dann? Eine Vogelspinne! Ahhh. Das ist neu.
  • Ob das Auto heute anspringt? Ich glaube Papa Daniel holt uns ab.
  • Wie viele Personen passen in einen Toyota Geländewagen? Ob wir die Aussenwette gewinnen?!
  • Hast du meine Arbeitshandschuhe? Nein, aber hast du den Hammer gesehen? Ja bei den Arbeitern. Mann, haben die kein eigenes Werkzeug?
  • Hat noch jemand Verbandszeug und Desinfektionsmittel… Oh, und Nadel und Faden…und eine Narkosespritze (nur ein Scherz, natürlich, wir wissen: “Unter 5 Stichen wird nicht betäubt)
  • Wir brauchen noch Leute für die Steinkette (neiiiiiiiiiiiiiiiiiin!!!)
  • Hat jemand Anti-Brumm dabei?
  • Ob sich das wohl pellt?
  • Hast du auch so Bläschen auf  den Schultern? Ja, ja die platzen von allein auf. Ach so…
  • Passen die Fenster in die Öffnungen?… in alle? Ja, aber bei den Türen müssen noch ein paar Steine mit der Machete rausgeschlagen werden.
  • Wie heißt der noch mal?
  • Wie weit die wohl Samstag noch gekommen sind?
  • Fahren wir jetzt erst ins Kloster oder zu Jean?
  • Kann ich vorher noch duschen… bitte?!
  • Hat es heute nacht geregnet?
  • Weißt du dass es Freitag abend ist und wir um 21 uhr schon im Bett liegen?!
  • Ist da schon micropur drin? Ja… auch schon zwei stunden…Womit wir wieder bei der Frage nach der Uhrzeit wären… und so schliesst sich der Kreis und der Bericht über die alltäglichen Dinge, die uns plagen, beschäftigen oder erfreuen.

Somit verbschieden wir uns und schicken liebste Grüße in die Heimat und müssen zugeben dass uns langsam die Sehnsucht in den Flieger plagt, natürlich nicht ohne Abstecher nach Kinshasa, der sicher auch noch ein eintrag Wert sein wird.

Küsschen und gute Nacht.

Endlich Wochenende!

Falsch gedacht. Denn am Samstag stand erstmal Arbeiten auf dem Programm. Den halben Tag geschwitzt, geschleppt, gequält, konnte es endlich gemütlich werden.

Wieder falsch gedacht. So ging es in die Stadt, Stoffe, Souvenirs und Affenköpfe kaufen. Aber das ist hier nicht so einfach, denn kaum aus dem Bus ohne Tür gestiegen, fallen wir hier als Gruppe Weißer aus dem Rahmen wie Lady Gaga bei der Queen. Nach 2 Stunden Aufruhr in der Stadt und ein Paar kaputter Flipflops, konnte zunächst Mal ein kühles Bier am Straßenrand gekippt werden. Abends wurden wir wieder beim Essen mit Open-Air Kino bei Jean verwöhnt. Müde und erschöpft machten wir uns auf den Heimweg… Auf kongolesisch, heißt 15 Leute im Geländewagen.

Sonntag Morgen begann mit Warten… Wie jeden Tag.
Bis es endlich losging zum Kananga Beach! Der In-Treff der Studenten und Schauplatz der Bacardi-Werbung. Gute Laune, trainierte Körper, laute Musik, tanzende Menschen und eine 2 Meter lange Schlange !

Abends konnten wir uns bei Jean entspannen…
Vorbei mit Erholung. Heute macht sich das kurze Wochenende bemerkbar. Langsam ist die Luft raus und Erschöpfung macht sich breit. Gäbe es nicht diese kleinen Highlights, die daran erinnern, wieso wir die ganzen Strapazen auf uns nehmen.
Heute also nach Stunden Schufterei in der Bullenhitze traten wir unsere Heimfahrt bauarbeiterstilecht auf unserem LKW an. Nase in den Fahrwind, Hände hoch bei den Abfahrten und Vorsicht mit dem Kopf, denn Baumkrone voraus!

Abenteuerliche Survivorgrüße

Tag 1000

Wir haben alle das Gefühl, schon eine Ewigkeit hier zu sein. So jagt ein Wunschgedanke den anderen: “War das gerade das Geräusch von einem frischen Apfel, wenn man hineinbeißt ? – Nein, das war nur die Kelle, die den Mörtel aus dem Eimer kratzt”

Aber an Obst mangelt es nicht. Die Ananas hier ist der Wahnsinn, nicht zu vergleichen mit unseren wässrigen… aber genug neidisch gemacht. Euch interessiert sicher eher die Klatschpresse.

Eine Unterhaltung vorgestern Abend. Es ist dunkel, wir haben und mit Beamer, Laptop und “Stiftung Deutscher Architekten”-Flagge ein eigenes Heimkino gebaut. Im Programm “Was nicht passt, wird passend gemacht”. Kongolesisches Grundprinzip.
“Irgendetwas hat mich angeflogen.” “Mich auch, es war riesig.”
Auf einmal eine neue Darstellerin im Film, eine 10cm große Gottesanbeterin. Film vorbei, die Gottesanbeterin ein Bein weniger… “Was ist das da ? Eine Schlange ?” “Wo ?” “Na, da neben dem Falter.” Ach, Du meinst unter den zwei giftigen Spinnen ?” “Ja, genau” “Nein, das ist nur ein Gecko”.

Nun sitzen wir hier und warten auf Bier,
die Lage ist ernst, damit Du das trinken nicht verlernst…
es kommt noch schlimmer. Der Tilman hat keine Zigaretten mehr im Zimmer.
Was ist das für Geld, dessen Geruch uns nicht gefällt ?
Das sind die Kongoscheine, sonst kriegen wir Getränke keine.

So warten wir noch immer, und der Durst wird immer schlimmer.
Getrunken wird heut’ nicht mehr, die Bierkästen bleiben leer,
so verzichten wir, das haben wir schon gelernt,
trinken kein Bier und grüßen den Bernd.

In diesem Sinne:
Wir freuen uns auf deutsche Mitbringsel lieber Herr Borghoff.
So wird geträumt von Strom und Licht, wann immer man es braucht,
Betonmischern und Baggern, Gerüste, die mehr aushalten als einen Arbeiter und 5 Steine, Autos, die auf Anhieb anspringen, Straßen, die nicht Schluchten ähneln, Toiletten, auf die man sich setzen kann oder einfach nur ein kaltes Mineralwasser.

Lasst es Euch gut gehen und genießt Euren Luxus,
wir denken an Euch und schicken das einzige was haben und ihr niiihiiicht… Sonne !

Update Sonntagabend

Der Sonntagabend, nachdem die Nachricht an den Vermittler Wöbking verschickt war, endete doch noch mit einem Highlight… So dachten wir.

Es gab den Allrounder Manoik “sowohl Lebensmittel, als auch Bauhilfsmittel” in Form von Fufubällchen. Erstmal war die abenteuerlustige Gruppe begeistert… ein Schnitt, ein Biss und alle verzogen die Gesichter. Das Nationalgericht schmeckt nach Erdbällchen, geTARNT als Klöße.

TARNEN, das können sich auch die Tiere ziemlich gut, so erfuhren wir von einer giftigen Schlange, die im Kloster SPAZIEREN geht.

SPAZIEREN gehen – das würden sich auch die Wolfshunde aus unserer Anlage nicht gefallen lassen. Jede NACHT werden wir geweckt von ihrem tödlich klingenden Spielen.

Die NÄCHTE beginnen hier zwar früher, bedingt durch den Sonnenuntergang um 19 Uhr und die Erschöpfung, jedoch auch, um uns mit einem sternklaren Himmel zu erfreuen. So sitzen wir abends zusammen mit vollgeschaufelten Bäuchen und genießen das Paradies auf Erden bei einem guten kalten SKOL.

Santé und Prost,
sprudelnde Grüße aus Kananga

Wochenende

Nach einer harten Arbeitswoche kam endlich das verdiente Wochenende mit viel Spiel, Spaß und Spannung… ohne Schokolade.

Samstag hieß es Trikots an und den Kongolesen zeigen, wie man mit Schuhen spielt. Was wir nicht wussten war, dass das Spiel einem Schlachtfeld glich, in jeder Hinsicht. Ergebnis 4:1 Frauenmannschaft, 3:0 Männermannschaft, jeweils… äm… nicht für uns.
Schließlich wollten wir, dass das Auto heil bleibt.

Nach dem Sieg unter Freunden und einer eiskalten Dusche (was anderes gibt’s hier auch nicht) ging’s weiter ins 5-Sterne-Restaurant mit, dank Stromausfall, romantischer LED-Taschenlampenbeleuchtung. Der Diskobesuch fiel in schale Bier.

Der Sonntag begann für uns vorbildliche Christen mit der heiligen Messe – mal anders. Leider gab es nicht genug Plastikgartenstühle für alle und so musste der Chor stehen.

Danach gab es wieder einmal zu viel zu essen…

Wie ihr merkt wird es nichts mit der Kongo-Diät, weil das Essen hier einfach zu lecker schmeckt.

Der Verdauungsspaziergang ins Paradies, ohne Krokodile allerdings mit traumhafter Aussicht auf den Fluss, endete mit der Ausbeute von 4 Fischen… auf dem Motor vorgebraten.

Und somit sagen wir Euch Lieben: Gute Nacht
und den Schlangen hier: Tulu Twipe

Erkenntnisse

Da sich die kongolesische Gelassenheit breit gemacht hat, haben wir beschlossen, nicht jeden Tag zu berichten, sondern eher ein wenig afrikanische Impressionen in Worte zu fassen.

Ein paar aktuelle Erkenntnisse:

  • ein Monsun kommt selten allein
  • Schlangen greifen nicht an, solange man sie auch nicht ärgert
  • Ameisenumzüge werden von Wachameisen seitlich geschützt und begleitet und von der Königin “auf einer Sänfte getragen” angeführt
  • auch ein Flussbett ist befahrbar
  • deutsche Bonbons können kongolesischen Kindern schaden
  • deutsche Fahrer tuen kongolesischen Autos nicht gut. Resultat: Platten und entgleiste Schiebetür
  • Körpersprache:
    • Hände in den Hüften = müde
    • Hände in den Hosentaschen = Boss
    • Hände am Gürtel = 50 cent

Liebe Grüße an die Schwestern:
Wir haben Euch nette Ehemänner ausgesucht.

Liebe Grüße an die Mamas:
Wie werden wir die Stockflecken wieder los ?

Liebe Grüße an die Papas und Brüder:
Prost !

In diesem Sinne, schwüle Grüße aus Kananga