Abstracts

Prof. Dr. Natka Badurina (Università degli studi di Udine)

D’Annunzio e la memoria (con)divisa

Come molti altri avvenimenti della storia del confine orientale, l’episodio fiumano di D’Annunzio si è dimostrato terreno fertile per rappresentazioni narrative estreme e diametralmente opposte. Sin dai contemporanei, tra cui alcuni diretti partecipanti dell’impresa e altri suoi osservatori o vittime, il mito e l’antimito coesistono senza incontrarsi, esibendosi su palcoscenici diversi e per pubblici ben separati. Il presente intervento cercherà di delineare sommariamente le due costruzioni narrative in uno sguardo diacronico sulle rappresentazioni letterarie italiane e croate dell’episodio fiumano; si soffermerà poi, in particolare, sulle loro posizioni dopo gli anni novanta del ventesimo secolo. Il nuovo quadro ideologico globale del dopo 1989, la convinzione dominante di vivere nel migliore dei mondi, il discorso pareggiante sui totalitarismi e quello generico sui diritti umani, hanno creato condizioni nuove per il ricordo delle lotte ideologiche del passato. La questione che ci si pone è se questo spostamento di prospettiva ha aiutato la comprensione della complessa natura dell’episodio fiumano rendendo possibile un avvicinamento delle sue opposte interpretazioni, oppure, al contrario, ha reso più difficile la nostra capacità di giudizio critico sui contrasti ideologici (fascismo, antifascismo, comunismo, anticomunismo) e fenomeni politici (narcisismo, populismo, nazionalismo, razzismo) che lo hanno segnato e che oggi, apparentemente, non sono più nostri.


Prof. Dr. Günter Berghaus (University of  Bristol)


Dr. Alida Bremer (Münster)


Prof. Dr. Elisabeth von Erdmann (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)


PD Dr. phil. Marijana Erstić (Universität Siegen)

‚Il fuoco‘ und ‚L’impresa di Fiume‘. Nicht nur filmische Wiederbelebung einer literarischen Pathosformel

Die innerhalb der zweiten Hälfte des 19. und der ersten Dekade des 20. Jahrhunderts propagierte Doktrin einer Autonomie der Kunst, jene vermeintliche Befreiung des Ästhetischen von der Zweckmäßigkeit, die für gewöhnlich mit der Bezeichnung „Theologie der Kunst“ versehen wird, war nicht nur elitär, hermetisch und im höchsten Maße autoreferenziell. Immer wieder bemühten sich ihre Vertreter, wie Charles Baudelaire und Oscar Wilde etc., auch um eine möglichst amoralische Attitüde ihrer Sujets, Werke, aber auch ihrer Selbstinszenierungen. Und bekanntlich barg diese programmatische Festlegung gerade in ihrem Jenseits von Gut und Böse liegenden Kern die Idee einer neuen Ästhetik, die sich zwar dem ‚Schönen‘, nicht mehr aber dem ‚Wahren‘ und ‚Guten‘ verpflichtet sah. Implizit zielte die außerhalb der ethischen und religiösen Kategorien sich bewegende Poetik des Ästhetizismus auf die Vorstellung eines reizbaren und elitären, das ‚Schöne‘ erschaffenden, vor allem aber genießenden Menschen ab, den Friedrich Nietzsche und seine diversen Interpreten als Gründer einer neuen Gesellschaft sahen. Der durch Huysmans, George, den jungen Hofmannsthal vertretene radikale Ästhetizismus, die wohl kategorischste Ausformung der l’art-pour-l’art-Bewegungen, propagierte zwar den hermetischen Rückzug von der immer stärker industrialisierten und von der Kategorie der ‚Massen‘ gekennzeichneten Welt in einen symbolischen Elfenbeinturm der Kunstkostbarkeiten. Gabriele D’Annunzio jedoch, der Weltentrücktheit, geschickte Medienausnutzung und politische Demagogie eindrucksvoll miteinander zu verschränken wusste, scheint sich nicht nur dieser ästhetizistischen Prämisse zu entziehen, sondern auch jene bekannte Feststellung Walter Benjamins zu bestätigen, die besagt, dass vor allem die technischen Reproduktionsmedien, Tageszeitungen, Photographie, Film die Dekadenzkultur mitinitiiert und gleichsam auch empfänglich für den politischen Missbrauch gemacht haben.

Doch welche Rolle spielen bei der Entwicklung dieser d’annunzianischen Variationen des Ästhetizismus die Medien, welche die Performanzen? Diesen Fragen wird im Vortrag anhand der Romans Il fuoco (1900) und anhand der Filme aus der Zeit der Fiumebesatzung nachgegangen.


Prof. Dr. Justus Fetscher (Universität Mannheim)


Prof. Dr. Walburga Hülk-Althoff (Universität Siegen)


Prof. Dr. Peter Gendolla (Universität Siegen)


Prof. Dr. Aleksandar Jakir (University of Split)


Prof. Dr. Dominique Kirchner Reill (University of Miami)


Dr. Tea Perinčić (Maritime and History Museum Rijeka / Pomorski i povijesni muzej Rijeka)


Prof. Dr. Ursula Renner-Henke (Universität Duisburg-Essen)


Dr. Laura Roman del Prete (Universität Siegen)


Prof. Dr. Claudia Salaris (Fondazione Echaurren Salaris, Rom)


Lea Katinka Sauer, M.A. (Universität Siegen / Université de Valenciennes)


Prof. Dr. Sabine Schrader (Leopold-Franzens-Universität Innsbruck)


Prof. Dr. Gregor Schuhen (Universität Koblenz-Landau)


Dr. Tanja Schwan (Universität Leipzig)


Prof. Dr. Ludwig Steindorff (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)


Prof. Dr. Gianluca Volpi (Università degli Studi di Udine)


Prof. Dr. Niels Werber (Universität Siegen)


Ass.-Prof. Dr. habil. Daniel Winkler (Universität Wien)

La Nave. D’Annunzio und das ‚römische‘ Mittelmeer

D’Annunzios Tragödie La nave (1908, UA Teatro Argentina in Rom), gilt nicht nur als seine letzte erfolgreiche Tragödie, sondern hat auch über das Sprechtheater hinaus  einen (irredentistischen) Ruhm erlangt, nicht zuletzt aufgrund von römisch-chauvinistischen Inszenierungsformen des Mittelmeers, die auf mythische Gründungsnarrative zurückgreifen. In gewisser Weise korreliert La nave – angesiedelt im Venedig des sechsten Jahrhunderts – so mit seiner vierteiligen monumentalen Gedichtsammlung Laudi del cielo, del mare, della terra e degli eroi (1903-33), als dass auch hier das Mittelmeer als Projektionsfläche für nationalistische und militaristische Phantasien dient, die vor dem Hintergrund der Grande Guerra und der Eroberung von Fiume, aber auch des aufkommenden italienischen Faschismus und Kolonialismus zu lesen sind (vgl. Teneo te, Africa, 1936).

La nave ist aber nicht nur in Hinblick auf diese ideologischen Implikationen interessant, sondern auch, weil das Stück mehrfach adaptiert wurde und auf vielfache Weise intermedial konnotiert ist: Hat Ildebrando Pizzetti, der später für Pastrones Cabiria (1913) tätig wird (Sinfonia del Fuoco), für die Theateraufführung des Stücks die Musik besorgt, so wird La nave 1918 kurz nach Kriegsende in der Scala zur ‚wagnerianischen‘ und ‚propagandistischen‘ Oper (mit Musik von Italo Montemezzi). Hinzukommen einschlägige Gedächtnisaufführungen (1938 in Venedig, zu D’Annunzios Tod) und eine Parodie des Stücks (Michele Depangher), aber auch zwei filmische Adaptionen durch die Turiner Ambrosio Film: ein Kurzfilm des D’Annunzio-erprobten Edoardo Bencivenga (1912) und v.a. die Monumentalfilmproduktion von 1921, die von D’Annunzios Sohn Gabriellino (mit Mario Roncoroni) stammt, dem der Film wohl anvertraut wurde, weil der Vater in Fiume anderweitig beschäftigt war.

Die intermedialen Transpositionen des Theatertexts erfolgen so im Rahmen zwei medialer Formen, die einerseits ästhetisch eng miteinander verwoben sind, andererseits einander diametral entgegenstehen: neigt sich die Karriere des italienischen melodramma deutlich seinem Ende entgegen, so verkörpert das Kino auch kommerziell eine zukunftsträchtige Form. Vor diesem Hintergrund will der Beitrag v.a. die Ambivalenzen des intermedialen Komplexes von La nave aufzeigen, die in Hinblick auf die Filmversion von 1921 besonders interessant erscheinen: Steht der Film einerseits ideologisch, ästhetisch und zeitlich eng mit den adriatischen Expansionsplänen Italiens und dem überwiegend nationalistischen Projekt des Monumentalfilms in Berührung, so ist er in Form der ersten Filmrolle der russisch-jüdischen Tänzerin und Schauspielerin Ida Rubinstein (als Basiliola) gleichzeitig mit der expressionistischen, sexuell liberalen und kosmopolitischen Moderne Europas verwoben.