10. Musikparodien

Von Stephan Moreau, Lisa Winkler und Petra Balazik

Musikparodien sind aus der Webvideo-Landschaft nicht mehr wegzudenken. Sobald zu einem erfolgreichen Song das dazugehörige Video erscheint, machen sich unzählige Parodisten ans Werk und erstellen ihre eigene Version. Hierbei ist der Kreativität keine Grenze gesetzt. Sei es aus parodistischer, technischer, oder künstlerischer Sichtweise, die Parodien erreichen ein sehr hohes Niveau, was sich häufig durch Klickzahlen im Millionenbereich auszeichnet. Die daraus entstehende Prominenz der Parodisten verhilft ihnen häufig zum eigenen Star-Status, der ‚Imitator‘ wird selbst zum Künstler. Im Folgenden werden ein paar aussagekräftige Beispiele analysiert und auf deren spezifische Besonderheiten eingegangen. Vor allem wird der Unterschied zwischen verschiedenen Formen der Musikvideoparodie erläutert.

Beispiel 1:


Views: 25.212.212 [Stand: 11.01.2014]

Sucht man auf Youtube nach einer Parodie des Songs bzw. des Videos zum Song ‚Wrecking Ball‘ von Miley Cyrus, stößt man direkt auf jene Version Bart Bakers, dessen Kanal sich durch zahlreiche Musikparodien auszeichnet. Seine Interpretation des viel diskutierten Musikvideos folgt im Setting, dem Styling und der verwendeten Requisiten der Ästhetik des Originalvideos, welche auf überspitzt dargestellte Weise Kritik an der Freizügigkeit der jungen Künstlerin, sowie der Dramaturgie des Videos übt. Auch der veränderte Text trägt dies definitiv mit, ebenso wie die Gastauftritte Steve-Os, besonders bekannt durch seine selbstverletzenden und gefährlichen Aktionen im Rahmen der Fernsehsendung ‚Jackass‘, und Ron Jeremys, eine Legende der Pornofilmindustrie. 2.

Beispiel 2:


Views: 14.162.104 [Stand: 11.01.2014]

Auch der Hit ‚Somebody that I used to know‘ von Gotye wurde von zahlreichen Parodisten der Internetgemeinde bedacht. Maßgeblich von der Version der Band Walking off the Earth angestoßen, findet sich unter den vielfältigen Variationen dieser Parodien jene auf dem Kanal von teddiefilms. Auch hier wird der Ästhetik des Originalvideos gefolgt, allerdings wird nicht dessen Inhalt zum Mittelpunkt des Interesses. Stattdessen zeigt sich eine Veränderung der Thematik, sodass nicht mehr der Musiker bzw. sein Werk Adressat der parodistischen Kritik ist, sondern in diesem Falle George Lucas (im Video dargestellt von einem ähnlich aussehenden Schauspieler), Schaffer der Star Wars-Filme, deren neuere Ausgaben, sowie diverse digitale Nachbearbeitungen in den Reihen der Fangemeinde harsche Kritik erfährt. Insoweit wäre es zu diskutieren, ob bzw. welche Form von Parodien hier vorliegt.

Beispiel 3:


Views: 3.701.631 [Stand: 11.01.2014]

An diesem dritten Beispiel zeigt sich eine andere Variante, über die Parodien erzeugt werden können: Nicht der Text, sondern die Ästhetik des Videos wird verändert. Es bedarf dazu häufig ein gewisses Hintergrundwissen, um den Sinn einer solchen Persiflage greifen zu können. Insbesondere, wenn der Text wie in diesem Falle eine spezifische Milieuprägung aufweist. „Chabos wissen, wer der Babo ist“ des Rappers Haftbefehl befasst sich mit der Stilisierung der eigenen Person, sowie der Bedrohung eines nicht weiter definierten „Du“, abgefasst in einer bunten Mischung unterschiedlicher Sprachen. Marti Schmitt, der Künstler hinter dem Kanal TheClavinover, übernimmt diesen Text Wort für Wort, enthebt ihn jedoch dem Settings des Gangster-Raps und steckt ihn stattdessen in die völlig kontrovers dazu stehenden Welten des Chansons von Max Raabe einerseits, sowie der klamaukhaften Blödeleien eines Bürger Lars Dietrichs andererseits.

Fazit

Musikparodien lassen sich grob  in zwei Hauptströme einteilen: Anhand der ersten beiden Beispiele wird deutlich, dass die Ästhetik des parodierten Musikvideos übernommen, der Songtext jedoch verändert wurde. Im Gegensatz dazu zeigt das dritte Beispiel ein verändertes Video mit gleichbleibendem Text. Beide Arten der Umsetzung funktionieren, da Musikparodien von der Bezugnahme zum Original und der überspitzen Darstellung des Gegenstande, sei es durch Text oder Video, leben und so ihre Wirkung entfalten können.