9. Let’s Play

Von Sabrina Visarius, Kristin Geiger, Kai Herrmann, Sarina Stork und Ina van der Biesen

Let’s Play ist englisch und bedeutet „Lass uns spielen!“. In solchen Videos werden Computerspiele von Youtubern gespielt und moderiert. Im Screencast-Modus ist dabei nur das Spiel sichtbar und was der Spieler macht, nicht jedoch der Youtuber selbst. Die ersten Let’s Play-Videos entstanden vermutlich ab dem Jahr 2007 und verbreiteten sich schnell im World Wide Web und insbesondere auf der Onlineplattform Youtube. Die Videos unterscheiden sich in ihrer Machart und Qualität erheblich, was dazu geführt hat, dass manche Youtuber durch ihre Professionalität einen extremen Kultstatus innerhalb der Spielecommunity erlangt haben, wie zum Beispiel Gronkh:

Beispiel 1:

„Gronkh“ ist einer der bekanntesten deutschen Vertreter von „Let’s Play“- Webvideos. Seine Videos veröffentlicht Gronkh vor allem auf YouTube, wo er mit über 2,5 Millionen Abonnenten eine enorme Popularität erreicht hat. Mit insgesamt 5000 Videos die sich mit unterschiedlichsten Videospielen von Minecraft, Deponia oder GTA beschäftigen, gibt er auf besondere Art und Weise Spielanleitungen, Strategietipps und Lösungsvorschläge. Gronkh überzeugt dabei vor allem durch seine raffinierten Wortspiele und besonders interessante Ideen.  Beispielhaft für Gronkh soll das oben aufgeführte „GTA V Online“ Let’s Play Video stehen.

Das Video besitzt eine Anzahl von knapp 580.000 Aufrufen, über 9000 Likes und über 200 Dislikes, was sich als einen starken Zuspruch für Gronkh interpretieren lässt. Das Intro des Videos macht Lust auf mehr: durch einen gezielt abgestimmten, sehr professionell wirkenden Einsatz von Gronkhs Logo, eigens entworfener Musik und einem eigenen Slogan wirbt Gronkh sehr gezielt für weitere Videos. Das Video setzt direkt nach dem Intro ein und überzeugt direkt durch Gronkhs unverwechselbare, tiefe, markante Stimme, die einen klaren Wiedererkennungswert besitzt. Mit gekonntem Wortwitz zieht Gronkh seine Zuhörer/Zuschauer in den Bann.

Gronkh bezieht den Zuschauer direkt in seine Überlegungen und Vorgehensweisen ein, indem er in der „Wir“-Person spricht. Das Video wirkt sehr authentisch, ungestellt und entspannt, da Gronkh keinerlei Schnitte verwendet und man in Echtzeit sein Vorgehen (Auswahl der Charaktere, lesen von Informationen) gespannt verfolgen kann. Gronkh erklärt im Spiel seine Vorgehensweise, lässt aber auch Pausen der Stille zu in denen man teilweise sein Dasein als Zuschauer vergessen könnte.

Meist stehen die einzelnen Videos nicht für sich, sondern bauen auf Fortsetzungen auf. Auf dies verweist Gronkh auch am Ende der meisten Videos. Danksagungen an den Zuschauer und das Ausbleiben von Werbung in einzelner Sache bleiben am Ende aus.

Beispiel 2:

Der YouTuber „DeadpoolsX“, kann insgesamt 460 Abonnenten und 210 erstellte Videos auf seinem Kanal verzeichnen. DeadpoolsX gehört in der  Let‘s Play- Szene zu den unbekannteren Spielern. Die im Unterschied zu Gronkh deutlich amateurhafte Ästhetik lässt sich auf verschiedenen Ebenen ausmachen, was auch die Anzahl der Aufrufe und Follower bestätigt. Anders als bei Gronkh werden die einzelnen Videos – wie auch das oben gezeigte Beispielvideo – meist negativ statt positiv bewertet (Bilanz: 44 Likes, 57 Dislikes).

Ähnlich wie bei Gronkh hat der YouTuber sich ein eigenes Intro konzipiert. Es dominieren verschiedene Zusammenschnitte aus verschiedensten Spielen, ein eigenes Logo und der Einsatz einer eigens konzipierten Tonspur. Nach dem Intro begrüßt DeadpoolsX direkt die Zuschauer. Auffällig ist in den gesamten Videos die Dominanz einer sehr schlechten Tonqualität (Kratzen, undeutliche Sprechweise). Was bei diesem YouTuber interessant ist: Er spielt das Spiel nicht alleine, sondern kommentiert und diskutiert es mit einem anderen User. Dabei sticht besonders die sehr umgangssprachliche Ausdrucksweise hervor, die anders als bei Gronkh, amateurhaft, wirr und unseriös scheint. Genauso wie seine Sprache wirken  die einzelnen Spielzüge sehr ungeplant und durcheinander. Dies vermittelt kein „Wir“-Gefühl, sondern eher Ausgrenzung und Abneigung. Die beiden YouTuber machen nicht-relevante  Aussagen, die nicht zum Spiel beitragen. Das Spiel steht eher für sich und wird kaum erklärt.

Wie bei Gronkh ist auch dieses Spiel in verschiedene einzelne Videos unterteilt, es gibt einige Fortsetzungen.

Beispiel 3:

Unser drittes Beispiel ist der englischsprachige Let’s Player „cobanermani456“, auch „Cobi“ genannt. Mit über 435.000 Channelabonnenten gehört er definitiv zu den erfolgreicheren Let‘s Playern. Unser Beispielvideo ist das mit Abstand beliebteste seiner Uploads und wurde über 14.000.000 Mal aufgerufen und von den Zuschauern überwiegend positiv bewertet (rund 21.000 Likes gegen 7.000 Dislikes). Cobis übrige Videos finden selten weniger als 30.000 Zuschauer. Insgesamt hat er bisher etwa 1.700 Videos via Youtube bereitgestellt. Er konzentriert sich dabei auf Nintendo-Spiele, besonders solche für den 3DS. Über eine eigene Facebookseite und Twitter hält er seine Fans auf dem Laufenden bzgl. Seiner Videos, sucht aber auch den aktiven Austausch und wirkt sehr nahbar.

In unserem Beispielvideo stellt er das neue Spiel „New Super Mario Bros. 2“ für den Nintendo 3DS vor, das erst am Tag des Videouploads veröffentlicht wurde. Das Video startet mit einem eigenen Intro, in dem er verschiedene Spielszenen aus seinen Let’s Plays zusammengeschnitten hat, gefolgt von einer kurzen Begrüßung. Wie auch beide bisherigen Let’s Play Beispiele, hat er ein eigenes Logo.

Cobi ist gut verständlich und auch Videoqualität ist gut, wenn man im Hinterkopf behält, dass das Spiel für ein Handheld-System entwickelt wurde, also von Haus aus kein großes Display vorliegt. Er reagiert auf das Spielgeschehen und kommentiert es, gibt dabei auch Spieletipps und Hintergrundinformationen. Beispielsweise weist er darauf hin, dass das vorliegende Spiel mehr Level hat als alle anderen Marioteile zuvor, diese dafür aber kürzer sind. In der Videobeschreibung bedankt er sich für’s Zuschauen und ruft zum liken und kommentieren auf.

Mehr zum Thema gibt es im Beitrag von Ina van der Biesen zum Vergleich von Sportkommentar und Let’s-Play-Videos.