2. Songcover

Von Lea Moch, Denise Lehmberg und Sarah Wehn

Songcover sind heutzutage aus dem Musikbusiness nicht mehr wegzudenken. Viele aktuelle Künstler covern Songs aus früheren Jahrzehnten, die teils längst vergessen sind und können damit große Erfolge verzeichnen. Im Kontext Webvideo ist um die Kategorie Songcover in den letzten Jahren ein richtiger Hype entstanden. Viele YouTube-User stellen regelmäßig ihre eigenen Cover von Charthits online und werden oftmals mit hohen Klickzahlen belohnt.

Definiert werden Songcover als „a new performance or recording of a previously recorded, commercially released (or unreleased) song, by someone other than the original artist or composer” (o. Autor 2014, o. S.).
Bereits kommerziell veröffentlichte oder teilweise auch unveröffentlichte Lieder werden also von einem anderen Künstler neu eingesungen und performt. Dabei wird ein Songcover oftmals als Wertschätzung des Originals verstanden. Ein Künstler covert einen Song, weil er ihn entweder als besonders gut oder besonders erfolgversprechend betrachtet. In einigen Fällen wird das Songcover sogar erfolgreicher als das Original. Beispiele hierfür sind Whitney Houstons „I Will Always Love You“, welches im Original von Dolly Parton stammt, oder Sinead O’Connors „Nothing Compares 2 U“, original interpretiert von Prince.

Im Jahre 2004 kam es zu einer interessanten Überschneidung von Original und Coverversion. „Dragostea din tei“ von O-Zone wurde nur wenige Wochen nach Erscheinen von der rumänischen Band Haiducii gecovert. Beide Versionen waren gleichzeitig in den Charts platziert, Haiducii in Italien sogar wesentlich erfolgreicher als das Original von O-Zone. Da Haiducii die Coverversion ohne Erlaubnis des Plattenlabels von O-Zone veröffentlichte, wurde die Band zu 10.000 Euro Strafe verurteilt, was dem Erfolg des Liedes jedoch keinen Abbruch tat.

In Deutschland gibt es für eben solche Fälle das Urheberrecht:

„Bearbeitungen oder andere Umgestaltungen des Werkes dürfen nur mit Einwilligung des Urhebers des bearbeiteten oder umgestalteten Werkes veröffentlicht oder verwertet werden. Handelt es sich um eine Verfilmung des Werkes, um die Ausführung von Plänen und Entwürfen eines Werkes der bildenden Künste, um den Nachbau eines Werkes der Baukunst oder um die Bearbeitung oder Umgestaltung eines Datenbankwerkes, so bedarf bereits das Herstellen der Bearbeitung oder Umgestaltung der Einwilligung des Urhebers“ (dejure.org Rechtsinformationssysteme GmbH 2014 ,o.S.).

Hier zeigt sich, dass Werke sehr explizit geschützt sind und ohne Einwilligung des Urhebers, der die tatsächliche schöpferische Leistung erbracht hat, sogar das Herstellen einer Bearbeitung eine Straftat darstellt. Die nachfolgenden Beispiele geben einen kleinen Einblick in die künstlerische Bandbreite von Songcovern.

Beispiel 1:

  • veröffentlicht am 28.06.2013

  • über 400 Tsd. Views
  • bei diesem Video handelt es sich um einen Re-Upload (Original ist nicht mehr auf dem offiziellen Channel vorhanden)
  • Walk Off The Earth-Channel: über 1,6 Mio. Abonnenten

Die Gruppe Walk Off The Earth erzielte mit ihrem Gotye-Cover „Somebody That I Used To Know“ in erster Linie durch die Bildkomponente einen hohen internationalen Bekanntheitsgrad. Es folgten zahlreiche TV-Auftritte und Remakes des Covers (in Deutschland u. a. von Joko und Klaas). Der Mann auf der rechten Seite erwarb dank seiner Performance Kultstatus.

Beispiel 2:

  • veröffentlicht am 09.05.2012

  • über 19,8 Mio. Views
  • über 350 Tsd. Abonnenten

Der YouTuber richtet sich zu Beginn des Beitrags direkt an den/die Zuschauer und kündigt das Songcover als „video of the week“ an. Er weist darauf hin, dass sich seine Interpretation des Partyhits „Sexy and I Know It“ von LFMAO deutlich vom Original unterscheiden wird – was sich letztendlich auch bewahrheitet. Die Verlinkung zu seinem Album, das im iTunes-Store erworben werden kann, lässt darauf schließen, dass sich das Hochladen von Coverversionen für Noah in gewisser Weise rentiert hat.

Beispiel 3:

  • veröffentlicht am 28.04.2010

  • über 51 Mio. Views
  • über 370 Tsd. Abonnenten

Bei Greyson Chance‘ Interpretation von Lady Gagas Song „Paparazzi“ handelt es sich um ein Live-Cover, das er als zweites Video auf seinem YouTube-Channel veröffentlichte. Es bescherte ihm eine so große Aufmerksamkeit, dass er u.a. in der „The Ellen DeGeneres Show“ auftreten durfte. Auch hier findet sich in der Infobox unterhalb des Videos der Hinweis auf sein Debüt-Album.

Beispiel 4:

  •  veröffentlicht am 12.03.2013
  • rund 45 ½ Mio. Views
  • Lindsey Stirling über 3,6 Mio. Abonnenten
  • Pentatonix über 5,7 Mio. Abonnenten

Das vorliegenden Video zeigt eine Kollaboration der bereits bekannten YouTuber Lindsey Stirling und Pentatonix. Im Gegensatz zu den zuvor aufgeführten Beiträgen, wurde der im Ursprung von der Band Imagine Dragons stammende Song „Radioactive“ im Studio neu eingespielt und in Form eines professionellen Musikvideos visualisiert. Die Besonderheit liegt hier u.a. in der stimmlichen Imitation von Instrumentenklängen. Am Ende des Videos richten die Musiker das Wort an den/die Zuschauer und verweisen u.a. auf weitere Clips. Das Cover ist ebenfalls auf iTunes verfügbar.

Weitere YouTuber, die durch Songcover(-Produktionen) berühmt wurden, sind u.a. Boyce Avenue, Kurt Hugo Schneider, Sam Tsui, Tyler Ward, Matty B Raps und Cimorelli. Doch ab wann ist ein Songcover ein Songcover? Reichen die sängerischen Darbietungen in Castingshows, bei denen die Nähe zum Original oftmals durch die Jury „eingefordert“ wird und das scherzhafte Mitsingen von Songs aus, um derartige Videos dem Genre „Songcover“ zuzuordnen? Urteilt selbst:

  • veröffentlicht am 11.04.2009

  • über 138 Mio. View
  • Live-Performance
  • professionelle Ausstattung (Studio, Kameras, Mikrofon etc.)
  • Kandidatin = Amateurin? (von Optik auf Leistung schließen)

  • veröffentlicht am 19.10.2006
  • über 19 Mio. Views
  • fast 29 Tsd. Abonnenten
  • Amateur-Ästhetik (Autofahrt, mindere Aufnahmequalität, kein separates Mikro etc.)
  • Kultstatus

Quellen:

dejure.org Rechtsinformationssysteme GmbH: § 23 Bearbeitungen und Umgestaltungen. Auf: dejure.org, 2014; URL: http://dejure.org/gesetze/UrhG/23.html (Stand: 31.05.2014).

o. Autor: Cover Version. Auf: Wikipedia.org, 25.05.2014; URL: http://en.wikipedia.org/wiki/Cover_version (Stand 31.05.2014).