8. How-to-Cook

Von Huyen-Ly Nguyen, Christin Klug und Verena Altenhoff

Auf YouTube kann man alles lernen. Die Videoplattform hat zu jeder Frage die passende Antwort. Es gibt nicht nur Videos, in denen man „Bügeln, Töpfern oder Zeichnen (vgl. Lehmann, 2011) lernen kann – YouTube ermöglicht es jedem, sein Talent oder Wissen der Öffentlichkeit zu präsentieren (vgl. den Beitrag zur Partizipationskultur). Als ein Beispiel für das Genre, werden im Folgenden How-to-Cook Videos näher untersucht.

In How-to-Cook Videos steht zunächst die Kochanleitung zu einem bestimmten Gericht im Vordergrund. Dieses Webvideo-Genre weist viele Parallelen zu den traditionellen Kochsendungen im Fernsehen auf. Als erster Fernsehkoch gilt Clemens Wilmenrod mit seiner Sendung „Bitte in zehn Minuten zu Tisch“ (1953). Damals stand das Kochen noch im Mittelpunkt. Mittlerweile gibt es etliche Kochshows, wie z.B. „Lafer! Lichter! Lecker“, in denen die Persönlichkeit der Köche eine bedeutende Rolle spielt, oder aber „Das Kochduell“, „Das perfekte Dinner“, „Die Küchenschlacht“ etc., wo es um den Wettbewerb geht (Rüschoff, 2009). Im Hinblick auf die How-to-Cook Videos auf YouTube ist interessant zu beobachten, inwieweit sich das Format verändert und eventuell weiterentwickelt hat. Was ist an diesem Webvideo-Genre so webspezifisch?

Videobeispiel 1:

Bei dem ersten Video handelt es sich um „Easy kochen mit Chris!“ von Tastemade Deutschland. In diesem Video können die Zuschauer lernen, wie man einen Fantakuchen zubereitet:

  • veröffentlicht am 18.04.2013
  • 13.832 Views
  • 58 Kommentare (Stand: 31.01.14)

Das Video erinnert sowohl in Form als auch Inhalt stark an die Kochshows aus dem Fernsehen. Der Koch befindet sich in einem Kochstudio, in dem er nicht nur im Sinne des „showing making“ zeigt, wie man den Fantakuchen bäckt, sondern gleichzeitig sich als Person in Szene setzt. Das wird beispielsweise in der Kameraeinstellung deutlich, die nicht nur den Fokus auf die Zutaten und die Hände legt, sondern auch ihn des öfteren in der Halbtotalen zeigt. Die Machart verweist auf eine professionelle Produktion.

Videobeispiel 2:

Im Gegensatz dazu, erscheint das folgende Video als amateurhaft:

  • veröffentlicht am 08.01.2012
  • 252.502 Views
  • 190 Kommentare (Stand: 31.01.14)

In diesem Video erklärt uns Ahmet wie man die türkische Spezialität Baklava zubereitet. Hier steht der Herstellungsprozess im Vordergrund.

Die beiden Videos sind typische Beispiele für How-to-Cook-Videos, die sich grundsätzlich am traditionellen TV-Format orientieren. Durch die Einbettung auf YouTube wird darüber hinaus ein diskursiver Austausch gefördert, der typisch für das Web-Format ist. Mithilfe der Kommentar-Funktion findet nicht nur eine Interaktion zwischen Rezipient und Produzent statt, sondern das Publikum kann auch untereinander diskutieren und Erfahrungen austauschen.

Wie wird das  „How-to-Cook“- Genre durch YouTube verändert?

Auf YouTube wird der Kreativität der User keine Grenzen gesetzt. So entwickeln sich aus How-to-Cook Videos z.B. solche „Extreme“:

  • veröffentlicht am 13.01.2011
  • 6.402.528 Views
  • 7.525 Kommentare (Stand: 31.01.14)

Das Video stammt von Swedish Meal Time, die seit 06.01.2011 Videos hochladen und über 781.615 Abonnenten verfügen (Stand: 31.01.2014). In diesem Beispiel „Meatball Massacre – Regular Ordinary Swedish Meal Time“ zeigt uns der Protagonist, wie man typisch schwedische Fleischbällchen zubereitet – auf seine ganz spezielle Art und Weise.

In dem Video erkennt man eine Verschiebung der Intention von traditionellen How-to-Cook- Videos, wo das Kochen und das fertige Gericht an sich im Vordergrund stehen, zu extremeren Formen, in der das Entertainment im Fokus steht. Es kann als eine Parodie sowohl von kulturellen Stereotypen, als auch von traditionellen TV-Kochshows und dem Webvideo-Genre „How-to“ gesehen werden (vgl. auch den Beitrag zu Filmparodien auf Youtube von Sabrina Visarius).