{"id":313,"date":"2017-08-24T14:56:45","date_gmt":"2017-08-24T12:56:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/cinema-odyssey\/?page_id=313"},"modified":"2017-08-24T14:59:04","modified_gmt":"2017-08-24T12:59:04","slug":"workshop-13-14-juli-2017-kommentar","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/cinema-odyssey\/workshop-13-14-juli-2017-kommentar\/","title":{"rendered":"WORKSHOP: 13. &amp; 14. Juli 2017 (Kommentar)"},"content":{"rendered":"<h3><strong>CINEMA ODYSSEY \u2013 Studierende und Dozierende diskutieren \u00fcber die Zukunft des Kinos<\/strong><\/h3>\n<p class=\"widget-title\">Im Rahmen eines zweit\u00e4gigen Workshops\u00a0unter dem Titel CINEMA ODYSSEY\u00a0haben\u00a0sich\u00a0Studierende\u00a0der Universit\u00e4t Siegen aus den F\u00e4chern\u00a0Medien-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaft mit der\u00a0Zukunft des Kinos\u00a0besch\u00e4ftigt.\u00a0Im Vordergrund standen dabei vor allem die interdisziplin\u00e4re Auseinandersetzung und der Austausch der verschiedenen Fachbereiche miteinander. Das Projekt als fester Bestandteil des Masterstudiengangs \u201eMedien &amp; Gesellschaft\u201c wurde wiederholt in der bereits zehnj\u00e4hrigen Geschichte dieses interdisziplin\u00e4ren Studienangebots\u00a0fakult\u00e4ts\u00fcbergreifend und mit einem gemeinschaftlichen Themenschwerpunkt durchgef\u00fchrt. Nie zuvor stand dabei allerdings der Film beziehungsweise das Kino als Thema im Mittelpunkt der studentischen Projektarbeiten. Im Rahmen von drei Seminaren wurden verschiedene Perspektiven zum Thema Kino eingenommen, Analysen durchgef\u00fchrt und zukunftsf\u00e4hige Konzepte erarbeitet, die dann in einem Workshop zur Disposition gestellt sowie durch konstruktive Diskussionen erg\u00e4nzt und miteinander verkn\u00fcpft wurden.<\/p>\n<p>Zum einen\u00a0wurden\u00a0bestehende\u00a0Kinobetriebe\u00a0in den Fokus genommen.\u00a0Diese stehen in der heutigen Zeit\u00a0aufgrund sinkender Zuschauerzahlen und wachsender, alternativer Zug\u00e4nge zu Unterhaltungsangeboten wie zum Beispiel Streaming-Plattformen zunehmend unter Druck.\u00a0Auf Basis empirischer Untersuchungen,\u00a0wie Experten- und Fokusgruppeninterviews,\u00a0entstanden konkrete Empfehlungen und\u00a0Konzepte\u00a0f\u00fcr\u00a0Kinobetreiber\u00a0zur attraktiveren Gestaltung der Spielst\u00e4tten\u00a0sowie effektiveren Kommunikations- und Marketingma\u00dfnahmen,\u00a0um langfristig ihren Erfolg in der Branche zu sichern. Des Weiteren erarbeiteten drei Teilgruppen Kinodispositive aus historischer Sicht. Sie identifizierten f\u00fcr das jeweilige Kinomodell spezifische Erfolgsfaktoren und versuchten diese im Rahmen eines modernen, zukunftsorientierten Kino-Konzepts wiederzubeleben. So entstanden Neu-Interpretationen des Variet\u00e9-, Laden- und Saalkinos, angepasst an die gesellschaftlichen, medialen und technologischen Bedingungen des 21. Jahrhunderts. Au\u00dferdem konzentrierten sich weitere Gruppen konkret auf die durch diverse Bewegtbild-Angebote vermittelten Inhalte und ihre Bez\u00fcge zu aktuellen, gesellschaftlich relevanten Themen wie Migration und Flucht. Dabei waren nicht nur Kino-Filme Ausgangspunkt ihrer Analysen, sondern ebenfalls Fernsehproduktionen sowie vor allem Videos\u00a0und\u00a0die entstehende Anschlusskommunikation auf der Plattform YouTube.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sentationen der Projekt-Gruppen, die angeschlossenen Diskussionen und die insgesamt interdisziplin\u00e4re Auseinandersetzung mit der Frage nach der Zukunft des Kinos haben einige durchaus fruchtbare Erkenntnisse und Ansatzpunkte f\u00fcr weitere \u00dcberlegungen hervorgebracht. Zun\u00e4chst wurde deutlich, welche unterschiedlichen Begriffsverst\u00e4ndnisse den jeweiligen Forschungen und Konzeptionen zugrunde liegen.\u00a0Konsens\u00a0bei allen\u00a0Teilnehmenden fand\u00a0die Idee eines erweiterten Kino-Begriffs.\u00a0Wer das Kino betrachtet, muss \u00fcber den abgedunkelten Saal mit samtbezogenen Sesseln hinausdenken.\u00a0Und auch der Ort des Kinos verschiebt sich:\u00a0Filme k\u00f6nnen nicht mehr nur in einem Raum, sondern auf mehreren Etagen, aber auch open-air\u00a0oder sogar auf mobilen Endger\u00e4ten\u00a0sowohl simultan als auch zeitlich versetzt\u00a0verfolgt werden. Wer seinen Film in der Vergangenheit tausenden Menschen zug\u00e4nglich machen wollte, musste\u00a0auf eine erfolgreiche Vermarktung durch Filmverleiher und Kinobetreiber setzen. Nun erreichen auch Spielfilme im Fernsehen und Internet,\u00a0auf\u00a0Streaming-Plattformen\u00a0oder sozialen Netzwerken,\u00a0\u00e4hnlich viele Zuschauer. Darauf m\u00fcssen Filmemacher, Filmverleiher und Kinobetreiber eingehen, wenn sie die Kinolandschaft von Morgen mitgestalten wollen.<\/p>\n<p>Zudem bleibt festzuhalten, dass es wohl nicht das eine Kino der Zukunft geben wird, sondern vielf\u00e4ltige Konzepte nebeneinander existieren k\u00f6nnen, wie auch schon bei der Betrachtung der Kino-Geschichte deutlich geworden ist. Setzen die unterschiedlichen Modelle ihren Fokus jeweils auf andere mediale Inhalte oder Zielgruppen, k\u00f6nnen sie auch ohne\u00a0Kannibalisierungseffekte\u00a0parallel bestehen. Viel schwieriger erschienen dagegen Ans\u00e4tze, die ein \u201eKino f\u00fcr alles und alle\u201c, das hei\u00dft f\u00fcr s\u00e4mtliche Formen der Unterhaltung sowie alle gesellschaftlichen und demografischen Gruppen, zu realisieren versuchten. Die zielgruppengerechte Ansprache und Erf\u00fcllung der Anspr\u00fcche\u00a0oder\u00a0Bed\u00fcrfnisse werden\u00a0dann zur zentralen Aufgabe. Viele Projektgruppen betonten auch den (schon in den Anf\u00e4ngen des Kinos elementaren) Eventcharakter als konstitutives Merkmal f\u00fcr das Kino-Erlebnis der Zukunft. Die Film-Rezeption ist somit nur Teil eines gro\u00dfen Ganzen, erg\u00e4nzt um gastronomische\u00a0Angebote, M\u00f6glichkeiten zur sozialen Interaktion mit anderen Besuchern oder eine weiterf\u00fchrende Auseinandersetzung mit filmbezogenen Inhalten, etwa im Rahmen von Ausstellungen. Auch eine Mobilisierung des Kinos in Anlehnung an die alten Wanderkinos und damit verbunden ein st\u00e4rkerer Fokus auf Aspekte\u00a0wie Kultur, Bildung und Inhalte\u00a0mit regionalem Bezug fand als Kontrast zum eher massenkompatiblen, popkulturellen Standard-Kino Anklang. Zudem wurden M\u00f6glichkeiten zur erweiterten Kommunikation &#8211; etwa durch\u00a0second- oder\u00a0third-screen-Angebote &#8211; rund um die eigentliche Filmrezeption diskutiert, um die Potenziale der im Umfeld sozialer Netzwerke zu beobachtenden Ph\u00e4nomene von Anschlusskommunikation, wie zum Beispiel regem Meinungs- und Erfahrungsaustausch oder dem Verkn\u00fcpfen mit gesellschaftlich aktuellen Debatten, auch im Zusammenhang mit Kino\u00a0zu nutzen.\u00a0Insgesamt wurden zwar diverse technische Neuerungen wie auch\u00a0Augmented\u00a0Reality als wichtige Erfolgsfaktoren f\u00fcr das zuk\u00fcnftige Kino eingestuft, jedoch herrschte in der Diskussion Einigkeit dar\u00fcber, dass Technik allein nicht das Potenzial besitzt, das Fortbestehen des Mediums Kino im harten Wettbewerb mit anderen medialen Angeboten und Freizeitaktivit\u00e4ten zu sichern. Neben dem Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis sind vor allem auch die zuk\u00fcnftigen Inhalte selbst von gro\u00dfer Relevanz.<\/p>\n<p>Hier zeigte sich ein weiterer Ber\u00fchrungspunkt vieler der ausgearbeiteten Konzepte und auch der verschiedenen Disziplinen. In Hinblick auf den hohen Stellenwert von qualitativ wertvollem und zielgruppengerechtem Inhalt sowie zun\u00e4chst \u00fcberhaupt dessen fachkundiger Auswahl\u00a0ergibt\u00a0sich ein deutlicher Bedarf an kompetentem Fachpersonal. Dieses neuartige Berufsbild scheint folglich im Umfeld des Kinos an Bedeutung zu gewinnen. N\u00f6tig werden somit qualifizierte\u00a0ProgrammkuratorInnen, zum Beispiel studierte FilmwissenschaftlerInnen, die anlassgerechte Inhalte \u00fcberhaupt ausw\u00e4hlen und zusammenstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die gemeinsame Auseinandersetzung mit dem Thema CINEMA ODYSSEY: Kino der Zukunft &#8211; Zukunft des Kinos hat gezeigt, dass es bei der interdisziplin\u00e4ren Arbeit durchaus Schwierigkeiten im Zusammenspiel der einzelnen Disziplinen geben kann. So liegen den Forschungen teils verschiedene Begriffsverst\u00e4ndnisse zugrunde und die Produktion von Erkenntnissen l\u00e4uft unterschiedlich ab. Schlussfolgerungen und Ergebnisse werden damit ma\u00dfgeblich von Methoden und Vorannahmen bestimmt. Trotzdem ist es essenziell, die einzelnen Disziplinen und Ans\u00e4tze nicht als v\u00f6llig kontr\u00e4re Positionen zu verstehen, sondern die \u00fcberwiegenden Vorteile einer interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit herauszustellen. Die verschiedenen Zug\u00e4nge bieten einander eine gute Erg\u00e4nzung\u00a0und helfen beispielsweise, Interdependenzen zwischen technologischen, sozialen und kulturellen Entwicklungen aufzuzeigen. Die Zusammenarbeit von Medien-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaft hat sich in diesem Fall als durchaus fruchtbare Verbindung erwiesen und soll Ansto\u00df f\u00fcr weitere \u00dcberlegungen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>CINEMA ODYSSEY \u2013 Studierende und Dozierende diskutieren \u00fcber die Zukunft des Kinos Im Rahmen eines zweit\u00e4gigen Workshops\u00a0unter dem Titel CINEMA ODYSSEY\u00a0haben\u00a0sich\u00a0Studierende\u00a0der Universit\u00e4t Siegen aus den F\u00e4chern\u00a0Medien-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaft mit der\u00a0Zukunft des Kinos\u00a0besch\u00e4ftigt.\u00a0Im Vordergrund standen dabei vor allem die interdisziplin\u00e4re Auseinandersetzung und der Austausch der verschiedenen Fachbereiche miteinander. 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