Alle Beiträge von Andreas Kewes

Forschungsprojekt vor der Sommerpause

Mittlerweile kristalisieren sich immer mehr maßgebliche Sichtweisen heraus, mit denen uns wiederholt über ein Engagement bzw. ein Engagementende erzählt wird. Und wenn es soweit ist, dann kann man vorläufige Forschungsergebnisse auch mit anderen Kolleginnen und Kollegen besprechen. So auch in unserem Fall: Wir haben viel Papier produziert und uns fernab des heimischen Barrios in Hannover ein Feedback eingeholt.

Was bleibt? Zunächst mal ganz sinnbildlich die Notwendigkeit zum aufräumen und sortieren:

Nach dem Workshop ist vor der Arbeit
Nach dem Workshop ist vor der Arbeit

In der Phase nach den Ferien geht es mit neuen Erhebungen weiter, Interessierte sind weiterhin eingeladen, sich zu melden. So haben wir vor, uns im Rahmen der Aktionswoche des bürgerschaftlichen Engagements 2016 zu beteiligen und dort auch Termine anzubieten.

Während des kommenden DGS-Kongresses Ende September in Bamberg haben wir dann die Möglichkeit, den Freiwilligensurvey 2014 weiter zu diskutieren und eine bereits bestehende umfangreiche wissenschaftliche Debatte fortzusetzen (Debattenbeiträge gibt es unter anderem hier, hier, hier und hier). Hierzu wird es eine Ad-Hoc-Gruppe am Freitag Vormittag geben.

Was gibt es Neues?

Wenn ein Blog so lange keinen Eintrag aufweist, dann kann das zwei Gründe haben: Es gibt nichts zu erzählen oder es gibt keine Zeit, um die Neuigkeiten mal aufzuschreiben. In unserem Fall ist es der zweitgenannte Grund: wir waren schlicht zu sehr in der Offline-Welt unterwegs, haben Gespräche geführt, uns Gedanken über die verschrifteten Interviews und Diskussionen gemacht und neue Kontakte gesucht.

Mittlerweile diskutierten und diskutieren wir erste Überlegungen, so etwa beim jüngsten Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft, wo wir Überlegungen zu Migrationserfahrungen im Engagement bei Wohlfahrtsverbänden diskutierten. In einem Workshop an der Uni Siegen haben wir insbesondere mit Mitgliedern der Feuerwehr diskutiert, ob sich unsere Beobachtungen aus dem wohlfahrtsstaatlichen Engagement auch auf die Feuerwehren und Rettungsdienste übertragen ließen. Im Juni steht in Hannover eine größere Diskussion von Zwischenergebnissen in einem internen Workshop an, für welchen wir sehr spannende Diskussionspartnerinnen und -partner gewinnen konnten. Und im September wollen wir auf dem Soziologiekongress in Bamberg unsere Überlegungen zum Strauß der Erfahrung in Engagements mit den Kolleginnen und Kollegen diskutieren, die am Freiwilligensurvey 2014 gearbeitet haben und mit einer ganz anderen Brille auf bürgerschaftliches Engagement schauen.

Daneben freuen wir uns weiterhin über Unterstützung bei unserer Datenerhebung. Wenn Sie gerne selber von Ihren Erfahrungen berichten wollen oder mit anderen Engagierten eine Gruppendiskussion veranstalten wollen, sprechen Sie uns gerne an!

Wer macht eigentlich weiter? Gruppendiskussionen mit Engagierten

In den vergangenen Monaten haben wir Menschen gesucht, die ein bürgerschaftliches  Engagement beendet haben. Mit diesen konten wir ausführliche und sehr interessante Interviews führen. Solche Leute suchen wir immer weiter!

In einem weiteren Arbeitsschritt wollen wir nun mit Menschen sprechen, die in ihrem Engagement weiter gemacht haben. Weil wir noch mehr über die alltägliche Arbeit im Engagement wissen wollen, führen wir daher in den kommenden Wochen Diskussionen mit ganzen Gruppen Engagierter.

Wenn Sie das nun lesen, dann haben wir eine Anfrage an Sie, vorrausgesetzt,  Sie engagieren sich aktuell und wollen unsere Forschung dennoch/ gerade deswegen unterstützen: Eventuell üben sie Ihr Ehrenamt mit anderen Ehrenamtlichen gemeinsam aus, z. B. in einer Besuchsgruppe oder in einem Familientreff.

Falls dem so ist, freuen wir uns über eine Einladung zu einem Gruppentreffen. Während eines Gruppentreffens könnten Sie und Ihre Gruppe uns ca. eine Stunde über den Alltag Ihrer Engagementarbeit erzählen. Uns interessieren die „alltäglichen“ Dinge: Welche Arbeit machen Sie konkret? Wie sprechen Sie sich untereinander ab? Wie organisieren Sie Veränderungen? Gibt es auch mal Streit?

Wenn Sie uns hierzu erzählen können und wollen, dann schreiben Sie uns unter andreas.kewes[at]uni-siegen.de.

Sommerpause! – Arbeitspause?

Während es draußen heiß aber angenehm ist, haben wir uns an der Universität Siegen in den Transkripten und ersten Analyseideen vergraben. Daher ist auch dieser Blog in den vergangenen Wochen so verweist – es gibt mächtig viel Text zu lesen…

EMOM-Arbeitsmaterialien

Lesen meint in diesem Zusammenhang vereinfacht ausgedrückt, dass wir die verschrifteten Interviews lesen, uns markante Passagen herausnehmen, diese wiederholt lesen und dann mit anderen markanten Passagen aus anderen Interviews abgleichen. So entwickelt sich dann nach uns nach eine Idee, was in den verschiedenen Interviews ähnlich oder wiederholt auftaucht, was sozusagen typisch ist für das von uns untersuchte Phänomen oder was vielleicht nur in einem Interview auftauchte. Über derartige Vergleiche lassen sich dann erste Verallgemeinerungen erstellen und an diesen Verallgemeinerungen werden wir nach der Sommerpause wieder ansetzen und neue Interviews anfragen.

Und weil in der Sommerzeit auch Ferienzeit ist, sind nicht immer alle Teammitglieder zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Da bekommen die vielen Ordner und Papiere eine ganz andere Bedeutung für das gemeinsame Auswerten…

Andreas via Skype 2

Zurück ins Feld

Auch wenn der letzte Beitrag ankündigte, jetzt die ersten Interviews auszuwerten, geht es doch wieder zurück ins „Feld“. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen, aber jetzt werden aufgrund erster Ideen und Ergebnisse weitere Erfahrungen und Erzählungen gesucht, welche die bisherigen Erkenntnisse ergänzen oder vertiefen. Auswertung und die Erhebung neuer Interviews gehen also Hand in Hand und laufen für die kommenden Wochen parallel.

Wir suchen wieder nach Menschen, die uns ihre Geschichte über ihr bürgerschaftliches Engagement erzählen wollen. Wir interessieren uns für Erzählungen zu einem Engagement, welches aus unterschiedlichsten Gründen heute nicht mehr ausgeübt wird. Wichtig ist uns, dass dieses Engagement im Bereich der Wohlfahrtspflege geleistet wurde. Das heißt: entweder bei einem der klassischen großen Träger der Freien Wohlfahrtspflege oder aber in einem Arbeitsbereich, der die Fürsorge für Andere und deren Wohlergehen im Blick hat. Nicht gemeint sind Engagements im Sportverein oder im Kulturbereich.

Besonders interessiert uns, ob es Besonderheiten der Engagementbeendigung gibt, wenn die ehemaligen Engagierten einen Migrationshintergrund haben bzw. dieser ihnen zugeschrieben wird.

Sollten Sie sich mal im Wohlfahrtsbereich engagiert haben und dies heute nicht mehr tun, aber Interesse haben, davon zu erzählen, dann melden Sie sich bitte bei uns. Wir können gerne ein erstes unverbindliches Vorgespräch vereinbaren.

Interviews führen wir an einen für Sie passenden Termin durch. Wir kommen in Ihre Stadt. Angaben zu Ihrer Person, Ihrer Tätigkeit und Ihren Kontaktpersonen im Engagement werden gemäß des Datenschutzes und der wissenschaftlichen Standards anonymisiert.

Was ist ein Engagement? Was sind Wohlfahrtsverbände?

Ich war kürzlich zu Gast in mehreren Sprachkursen auf den Niveaus B1 und B2. Das waren angenehme Treffen mit sehr netten Menschen. Für mich war dabei lehrreich, dass wir in unserem Forschungsprojekt Begriffe verwenden, die nicht selbstverständlich sind. Da dieses Blog nun vor allen Dingen der Kommunikation mit Interessierten an den Interviews dient, möchte ich in diesem Blogeintrag zwei Begriffe genauer erläutern: den Begriff des Engagements und den Begriff des Wohlfahrtsverbandes.

Zum Begriff des bürgerschaftlichen Engaments oder auch des Ehrenamtes – ich verwende die Begriffe im Text ohne Unterschiede zu machen, streng genommen ist das aber nicht dasselbe – möchte ich hier keine sonderlich akademische Definition vorschlagen. Ehrenämtler oder Engagierte sind Menschen, die ohne ein festes Entgelt oder eine feste Bezahlung eine Aufgabe übernommen haben und diese regelmäßig ausüben. Ein bürgerschaftliches Engagement ist es daher, da es für die Bürgerschaft ausgeübt wird, also eine gewisse Öffentlichkeit erreicht. Für unser Forschungsprojekt suchen wir entsprechend nicht Menschen, die zuhause freiwillig eine Aufgabe übernommen haben (etwa freiwillig für die Familie einkaufen). Sondern wir suchen diejenigen, die diese Aufgabe außerhalb ihres privaten Haushaltes übernehmen, etwa, indem sie ohne Bezahlung regelmäßig für eine bestimmte Gruppe die Einkäufe erledigen. Um diesen Begriff des Ehrenamtes bzw. des Engagements gibt es bereits sehr viel Forschung und auch eine enorme Aufmerksamkeit. Engagement wird oft gefordert. Viele glauben, dass das Zusammenleben besser und einfacher wird, wenn möglichst Viele etwas freiwillig für Andere tun. Das mag so sein – genau wissen wir das nicht. Aber deswegen forschen wir nicht über Ehrenamt und Engagement. Vielmehr stellen wir in den Interviews fest, wie viel Leidenschaft und Freude häufig mit dem Ehrenamt oder dem freiwilligen Engagement verbunden ist. Vielen freiwillig Engagierten ist ihr Engagement wichtig. Durch diese emotionale Bindung zum eigenen Tun entstehen meist spannende Erzählungen.

Ein Wohlfahrtsverband ist zunächst mal eine Organisation, in dessen Rahmen etwas für Andere getan wird (es geht also um Soziales). Wohlfahrtsverbände bieten in ihren Einrichtungen auch an, eine Aufgabe zu übernehmen. Manchmal vermitteln sie auch Engagementplätze. Wohlfahrtsverbände spielen aus vielerlei Gründen in Deutschland eine besondere Rolle für das Zusammenleben.

Die Menschen in den Sprachkursen hatten selbst einen Wohlfahrtsverband unmittelbar vor Augen, denn sie saßen in den Räumlichkeiten der Diakonie. Andere bekannte Wohlfahrtsverbände sind die Caritas, die AWO, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische (plus die vielen kleineren Vereine und Gruppen, die sich hierunter versammeln) oder die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. In diesem Forschungsprojekt interessiert uns Engagement, welches bei diesen Trägern ausgeübt wurde oder zumindest in Tätigkeitsfeldern, die auch von diesen Trägern bearbeitet werden, also etwa Kranken- oder Altenpflege, Kinder- und Jugendarbeit, Nachbarschaftsarbeit, …

 

Auswertungsphase gestartet

Mittlerweile sind die ersten Interviews geführt – den Gesprächspartnerinnen und -partnern hierfür noch mal ein herzliches Dankeschön. Einige Interviews konnten sogar bereits verschriftet werden, sodass wir nun parallel in die Auswertung eingestiegen sind. Auswertung meint das sehr genaue Lesen der Verschriftlichungen und das Vergleichen einschläger Passagen zwischen den Interviews. Ausgewertet werden die Interviews vom gesamten Forschungsteam. Dabei wirft die Auswertung auch Fragen auf, die sich vielleicht nur mit neuem Interviewmaterial, etwa spezifischen Erfahrungen in einem speziellen Engagementbereich, beantworten lassen.

Daher geht die Suche nach Interviewpartnern weiter, in neuen Städten mit neuen Ansprechpartnern und Multiplikatoren. Vielleicht stoße ich ja in diesem Kontext auch auf Sie.

Am Borsigplatz

Eine der vielen schönen Seiten unseres Forschungsprojektes ist die Möglichkeit, im Verlauf der Datenerhebung die unterschiedlichsten Städte Nordrhein-Westfalens kennenzulernen. Hierbei treffen wir auf ganz verschiedene Typen und Szenen. Davon soll in diesem Blog auch die Rede sein, insbesondere wenn – wie derzeit gerade – ein längerer Text auf sich warten lässt.

In dieser Woche waren wir etwa auf Erkundungstour in der Dortmunder Nordstadt. Dabei waren wir zufälligerweise für eine Wegstrecke mit einem potentiellen Multiplikator aus dem Wohlfahrtsbereich unterwegs. Dabei entwickelte sich folgender Dialog:

Multiplikator: Und hier kommen wir nun zum berühmten Borsigplatz. Hier wurde 1909 der Ballspielverein Borussia gegründet.

Wir: Ja, das ist uns bewusst. Wir haben dafür heute auch extra schwarz-gelbe Flyer mitgebracht.

Multiplikator: Das ist mir auch schon positiv aufgefallen. Aber wir sollten dem Thema schon mit dem notwendigen Ernst begegnen.

An dieser Stelle wird mal wieder deutlich, welche Gültigkeit noch immer die Bemerkung des britischen Fußballers und -trainers Bill Shankly hat, dass es beim Fußball um weit mehr geht, als nur um Leben und Tod.

(Ob wir auch in den anderen Fußballhochburgen des Landes Flyer in der stadttypischen Farbkombination mitbringen können, wissen wir nicht. Wir werden in der Regel nur eine schwarz-weiße Standardausführung haben – um im Bild zu bleiben: die Version Wattenscheid 09 – und bitten daher die vielen hilfsbereiten und netten Multiplikatorinnen und Multiplikatoren um eine farbige/ farbenfrohe Weiterempfehlung.)

 

Warum suchen wir insbesondere ehemalige Engagierte mit Migrationshintergrund?

Die letzten Beiträge haben die Erhebungsmethode, das Engagement und das Abbrechen behandelt. Nun bleibt weiterhin zu klären, warum wir schwerpunktmäßig Menschen mit Migrationshintergrund befragen wollen. Was ist hier unsere Absicht und was erwarten wir?

Zunächst sind wir uns bewusst, dass wir hier mit einer Setzung, einem Konstrukt arbeiten. Konstrukte gibt es im sozialen Alltag immer wieder, weil sie Komplexitäten handhabbar machen sollen. Der Begriff des Migrationshintergrundes ist zum Beispiel ein Begriff des statistischen Bundesamtes, der sich mittlerweile seit über 10 Jahren auch außerhalb der Statistik in der Kommunikation durchgesetzt hat. In unserem Forschungsteam verwenden wir den Begriff mit einer gewissen Skepsis. Viele Multiplikatoren melden sich bei uns zurück und fragen, ob nicht auch die Migration aus Berlin oder Bayern ins Ruhrgebiet eine Migration sei – und tatsächlich stimmt das ja auch.

Wir gehen nicht davon aus, dass es notwendigerweise eine Differenz im Handeln gibt, je nachdem, woher ein Mensch kommt. Wir denken nicht, dass die Menschen nur anhand eines Merksmals beschreibbar sind. Vielmehr gehen wir davon aus, dass diese Merkmale auch in sich wieder total divers sind. Wie gesagt, häufig sind Merkmale eben Zuschreibungen von Anderen, ohne dass sie für die Person Geltung haben, die so beschrieben wird. Aber genau an diesem Sachverhalt lohnt es sich, weiterzuforschen: Wir beforschen bürgerschaftliches Engagement als Zugang zu einer Bürgergesellschaft im Rahmen einer Migrationsgesellschaft. Nicht allen Menschen ist der Zugang zum Status des (Staats)Bürgers gleich möglich. Wer also etwas über die Migrationsgesellschaft erfahren will, der muss die unterschiedlichen Geschichten in ihr erheben und rekonstruieren, um dann anschließend auch profunde Aussagen über (möglicherweise unerwartbare) Zusammenhänge von biografischen Erfahrungen und Engagementhandeln machen zu können.

Was ist eigentlich ein Engagementabbruch und warum interessieren wir uns dafür?

Manchmal werden wir gefragt, was wir den eigentlich damit meinen, wenn wir Engagementabbrüche beforschen. Was soll ein Abbruch sein? Bisher wurden in den Interviews ganz unterschiedliche Formen und Motive genannt: Unzufriedenheit aufgrund einer fehlenden materiellen Anerkennung, Ausgrenzung (auch aufgrund von Herkunft, Glaube und Aussehen), Ende eines Engagementangebots, der Verdacht, als EngagierteR bloß Lückenbüßer zu sein sowie die Unzufriedenheit mit der professionellen Begleitung der eigenen Arbeit. Hinter diesen Erzählungen liegen sicherlich noch weitere und auch komplexere Erfahrungen – eine abschließende Definition, was ein Abbruch genau ist, haben wir also nicht. Deswegen erwarten wir in den Interviews nicht immer wieder die gleichen Geschichten. Vielmehr wollen wir in unserer Forschungsarbeit verschiedene typische Verläufe und Konstellationen des Abbrechens herausarbeiten. Und was machen wir damit?

Das Thema Engagement ist in vielerlei Hinsicht seit Jahren Gegenstand politischer und öffentlicher Behandlung. Andere Forscherinnen und Forscher interessieren sich dabei insbesondere für die Motivationen, mit denen sich Menschen für eine Sache freiwillig und unentgeltlich engagieren. Wir finden diesen Aspekt ebenfalls sehr interessant, wollen aber mit der Untersuchung von Abbrüchen auch etwas ganz anderes verstehen. Uns interessiert, wie in dem Prozess der Beendigung eines Engagements eigentlich die persönlichen Auseinandersetzungen zwischen Engagierten und ihren Engagementstellen aussehen, welche Sicht die Engagierten auf ihre Aufgabe (noch) haben und durch was eine Veränderung erzielt wurde? Oftmals fokussieren sozialwissenschaftliche Studien bloß eine Motivstruktur bei den Engagierten selbst, wenn sie erklären wollen, warum es ein freiwilliges Engagement gibt. Uns ist diese Sichtweise – verkürzt gesagt – zu einfach, weil sie lediglich Einzelne und deren jeweilige Ausstattung mit verschiedenen Kompetenzen und Handlungsressourcen betrachtet.

Neben dieser theoretischen Perspektive gibt es aber auch eine ganz praktische: Wem kommt unser neu gewonnenes Wissen zugute? Wir sind sehr darum bemüht, Wissen, welches im Austausch mit Akteuren der Praxis entsteht, auch direkt wieder in die Praxis zurück zu geben. Deswegen betreiben wir diesen Blog und deswegen wollen wir auch im Verlauf des Forschungsprojektes kleinere Workshops mit Akteuren aus der Praxis veranstalten. Insgesamt geht es uns weniger darum, den Einsatz von Engagierten im Wohlfahrtsbereich zu optimieren und die durchschnittliche Dauer eines Engagements zu verlängern. Vielmehr geht es uns um eine Diskussion gegenseitiger Betrachtungen, Wertschätzungen und Ansprüche.

Nachtrag 11.12.2014: Mittlerweile wurden mehrere Interviews geführt, bei denen sich kein einheitlicher Verlauf der Beendigung eines Engagements gezeigt hat. Statt des harten Begriffs „Abbruch“ wäre es entsprechend sinnvoller, in Zukunft von Engagementbeendigung zu sprechen, auch wenn dies vielleicht den Gegenstand der Engagement-Unterbrechung nicht wirklich zu fassen vermag. Aber an diesen Überlegungen zeigt sich die Sinnhaftigkeit der hier beworbenen und reflektierten Forschung: Es gibt diverse Formen der Unterbrechung und Beendigung von Engagement, wie sie aber miteinander in Verbindung stehen und durch was sie jeweils konkret gekennzeichnet sind, das ist noch wenig reflektiert.