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Projektabschluss und Publikationsliste

Das Forschungsprojekt zum abgebrochenen bürgerschaftlichen Engagement in Wohlfahrtsverbänden ist abgeschlossen. An dieser Stelle noch mal recht herzlichen Dank an alle, die uns auf dem Weg zu unseren Ergebnissen mit Rat, Wissen und ihren Erzählungen weitergeholfen haben!

Im letzten Blogpost haben wir darauf hingewiesen, dass die Ergebnisse veröffentlicht werden. Diese Arbeit hat sich über zwei Jahre hingezogen und ist nun abgeschlossen. Wir haben Teile der Ergebnisse in einen Aufsatz zusammengefasst und (vorwiegend) in einem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht – eine übliche Arbeitsweise in der Wissenschaft. Diese Journale sind wichtig für die Akzeptanz der Ergebnisse, weil die Aufsätze in der Regel durch Kolleginnen und Kollegen begutachtet werden, so auch häufig in unserem Fall. Eine Buchpublikation unserer Ergebnisse ist (noch) nicht geplant.

Die Ergebnisse können bis auf eine Ausnahme online nachgelesen werden, zwei Aufsätze sind kostenfrei zu lesen (Open Acess), die anderen nur für Angehörige von Organisationen mit entsprechenden Zugangsmöglichkeiten:

  • Munsch, C., Kewes, A. (2019): Anders als gedacht. Migrationsspezifische Kategorisierungen in Narrationen über beendetes bürgerschaftliches Engagement. In: Soziale Passagen 11 (1), S. 99-118. online hier.
  • Kewes, A., Munsch, C. (2019). Should I Stay or Should I Go? Engaging and Disengaging Experiences in Welfare-Sector Volunteering. In: Voluntas. First online. Open Access.
  • Kewes, A., Munsch, C. (2019). Engagementabbrüche in Wohlfahrtsverbänden: Welche Rolle spielt ein „Migrationshintergrund“? In: Hilse-Carstensen, T., Meusel, S., Zimmermann, G. (Hrsg.): Freiwilliges Engagement und soziale Inklusion. Springer VS, Wiesbaden, S. 27-40. online hier.
  • Kewes, A., Munsch, C. (2018). „Was haben Sie für schöne, warme Hände.“ Resonanzerfahrungen als eigensinnige Selbstbildung von und am Sozialen im wohlfahrtsstaatlichen Engagement. In: Zeitschrift für Sozialpädagogik 16 (4), S. 401-421.
  • Kewes, A., Munsch, C. (2018). (Kein) Widerspruch im Engagement. Beobachtungen zum kritischen Potential bürgerschaftlich Engagierter in Wohlfahrtsverbänden. In: Soziale Passagen 10 (1), S. 85-104. Open Acess.

Forschungsprojekt nähert sich dem Ende

Das Forschungsprojekt geht langsam dem Ende entgegen. Wir haben aus den Interviews und Gruppendiskussionen viel über bürgerschaftliche Engagements im Wohlfahrtsbereich gelernt. Diese Erfahrungen wollen wir in den kommenden Wochen mit Kolleginnen und Kollegen sowie allen Interessierten teilen.

Da wir vor drei Jahren einen Ausgangspunkt genommen haben bei der Frage, ob Migration bei der Engagementbeendigung eine wichtige Rolle spielt, diskutieren wir unsere Ergebnisse am 10. und 11. Mai in Kiel und vom 22. bis 24. Juni in Olten (Schweiz). Kurz gesagt: Wir hatten es uns anders vorgestellt. Unsere Ergebnisse ergänzen den Diskurs über engagierte „Migrant_innen“ aber um eine wichtige Facette jenseits von „Migration spielt eine Rolle“ und „Migration spielt keine Rolle“.

Einen Überblick über wesentliche Ergebnisse bieten wir dann bei einem Symposium an der Universität Siegen am 21. Juli 2017. Weitere Infos zu diesem Termin folgen auf diesem Blog in Kürze.

Was ist ein Engagement? Was sind Wohlfahrtsverbände?

Ich war kürzlich zu Gast in mehreren Sprachkursen auf den Niveaus B1 und B2. Das waren angenehme Treffen mit sehr netten Menschen. Für mich war dabei lehrreich, dass wir in unserem Forschungsprojekt Begriffe verwenden, die nicht selbstverständlich sind. Da dieses Blog nun vor allen Dingen der Kommunikation mit Interessierten an den Interviews dient, möchte ich in diesem Blogeintrag zwei Begriffe genauer erläutern: den Begriff des Engagements und den Begriff des Wohlfahrtsverbandes.

Zum Begriff des bürgerschaftlichen Engaments oder auch des Ehrenamtes – ich verwende die Begriffe im Text ohne Unterschiede zu machen, streng genommen ist das aber nicht dasselbe – möchte ich hier keine sonderlich akademische Definition vorschlagen. Ehrenämtler oder Engagierte sind Menschen, die ohne ein festes Entgelt oder eine feste Bezahlung eine Aufgabe übernommen haben und diese regelmäßig ausüben. Ein bürgerschaftliches Engagement ist es daher, da es für die Bürgerschaft ausgeübt wird, also eine gewisse Öffentlichkeit erreicht. Für unser Forschungsprojekt suchen wir entsprechend nicht Menschen, die zuhause freiwillig eine Aufgabe übernommen haben (etwa freiwillig für die Familie einkaufen). Sondern wir suchen diejenigen, die diese Aufgabe außerhalb ihres privaten Haushaltes übernehmen, etwa, indem sie ohne Bezahlung regelmäßig für eine bestimmte Gruppe die Einkäufe erledigen. Um diesen Begriff des Ehrenamtes bzw. des Engagements gibt es bereits sehr viel Forschung und auch eine enorme Aufmerksamkeit. Engagement wird oft gefordert. Viele glauben, dass das Zusammenleben besser und einfacher wird, wenn möglichst Viele etwas freiwillig für Andere tun. Das mag so sein – genau wissen wir das nicht. Aber deswegen forschen wir nicht über Ehrenamt und Engagement. Vielmehr stellen wir in den Interviews fest, wie viel Leidenschaft und Freude häufig mit dem Ehrenamt oder dem freiwilligen Engagement verbunden ist. Vielen freiwillig Engagierten ist ihr Engagement wichtig. Durch diese emotionale Bindung zum eigenen Tun entstehen meist spannende Erzählungen.

Ein Wohlfahrtsverband ist zunächst mal eine Organisation, in dessen Rahmen etwas für Andere getan wird (es geht also um Soziales). Wohlfahrtsverbände bieten in ihren Einrichtungen auch an, eine Aufgabe zu übernehmen. Manchmal vermitteln sie auch Engagementplätze. Wohlfahrtsverbände spielen aus vielerlei Gründen in Deutschland eine besondere Rolle für das Zusammenleben.

Die Menschen in den Sprachkursen hatten selbst einen Wohlfahrtsverband unmittelbar vor Augen, denn sie saßen in den Räumlichkeiten der Diakonie. Andere bekannte Wohlfahrtsverbände sind die Caritas, die AWO, das Deutsche Rote Kreuz, der Paritätische (plus die vielen kleineren Vereine und Gruppen, die sich hierunter versammeln) oder die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. In diesem Forschungsprojekt interessiert uns Engagement, welches bei diesen Trägern ausgeübt wurde oder zumindest in Tätigkeitsfeldern, die auch von diesen Trägern bearbeitet werden, also etwa Kranken- oder Altenpflege, Kinder- und Jugendarbeit, Nachbarschaftsarbeit, …