{"id":20,"date":"2020-05-11T12:40:54","date_gmt":"2020-05-11T10:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/?page_id=20"},"modified":"2022-07-04T12:51:21","modified_gmt":"2022-07-04T10:51:21","slug":"fingierte-epitexte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/fingierte-epitexte\/","title":{"rendered":"Fingierte Epitexte"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Projektleiter: <a href=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/team\/prof-dr-thomas-wegmann\/\">Prof. Dr. Thomas Wegmann<\/a> (Innsbruck)<br>Wissenschaftliche Mitarbeiterin: <a href=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/team\/anna-obererlacher-m-a\/\">Anna Obererlacher, M.A.<\/a> (Innsbruck)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Arbeitspaket \u201efingierte Epitexte\u201c befasst sich mit Texten von Autor*innen deutschsprachiger Gegenwartsliteratur, die Epitexte bzw. epitextuelle Elemente \u2013 wie Interviews oder Gespr\u00e4che \u2013 f\u00fcr ihre Poetik produktiv machen, mit ihnen (auto)fiktionale Texte mit eigenem Paratext-Apparat gestalten und so das \u201aBeiwerk\u2018 zum eigenst\u00e4ndigen Werk transformieren, das mit literarischen Mitteln den Stellenwert des Autors bzw. der Autorin reflektiert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Forschungsvorhaben stehen mindestens drei Frage- und Problemstellungen im Fokus. Zum einen, inwiefern die Fiktionalisierung des Autors, der Autorin in den untersuchten Texten als Reaktion auf die literaturbetriebliche Nachfrage nach Autor*innenschaft zu lesen ist,<a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/fingierte-epitexte\/#fing-FN\">\u00b9<\/a> und weiters, in welcher Beziehung dazu das vors\u00e4tzlich ambivalente Verh\u00e4ltnis von fiktionalen und faktualen Elementen und Hinweisen der \u00e4sthetischen \u00dcberschneidung von Text und Paratext steht. Abschlie\u00dfend ist zu hinterfragen, ob diesbez\u00fcglich Analogien zu paratextuellen Strategien um 1800 (Stichwort \u201aHerausgeberfiktion\u2018) bestehen.<a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/fingierte-epitexte\/#fing-FN\">\u00b2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Als Textkorpus eignen sich besonders Interviewromane, die den Epitext \u201aInterview\u2018 f\u00fcr ihr fiktionales Programm produktiv machen und die gattungsgeschichtlich damit auf einer Traditionslinie von den imagin\u00e4ren Gespr\u00e4chen Lukians \u00fcber die Kunstdialoge der Romantik bis zu den&nbsp;<em>Erfundenen Gespr\u00e4chen<\/em>&nbsp;Hugo von Hofmannsthals zu verorten und mit Genre-Traditionen wie dem Dialog, den Toten- und G\u00f6ttergespr\u00e4chen wie auch dem journalistischen Interview in Verbindung zu setzen sind. Dazu z\u00e4hlt paradigmatisch und von der Forschung viel diskutiert etwa Wolf Haas\u2019 <em>Wetter vor 15 Jahren<\/em>;<sup><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/fingierte-epitexte\/#fing-FN\">\u00b3<\/a><\/sup> aber auch Clemens J. Setz\u2019&nbsp;<em>Bot<\/em>&nbsp;(2018) sowie John von D\u00fcffels&nbsp;<em>KL \u2013 Gespr\u00e4ch \u00fcber die Unsterblichkeit<\/em>&nbsp;(2015).<\/p>\n\n\n\n<p>Weiters werden medial vom Buch abweichende Spielformen fiktiver und fiktionaler Interviews wie die von Alexander Kluge mit Helge Schneider f\u00fcr das Fernsehen audiovisuell inszenierten Interviews und zugleich Konzepte des \u201eNew Journalism\u201c bzw. \u201eBorderline-Journalismus\u201c im Grenzbereich zwischen Fakt und Fiktion bzw. Journalismus und Literatur ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus finden Texte Ber\u00fccksichtigung, die die Mechanismen, folglich die Produktions-, Distributions- und Rezeptionsbedingungen des Literaturbetriebs \u2013 und somit auch die Stellung des Autors bzw. der Autorin darin \u2013 auf vielf\u00e4ltige Weise reflektieren und motivisch wie verfahrenstechnisch literarisch verarbeiten. Sei es in Gestalt eines autofiktionalen Narrativs wie Thomas Glavinics&nbsp;<em>Das bin doch ich<\/em>&nbsp;(2007), eines gendertheoretischen Sujets wie Marlene Streeruwitz\u2019&nbsp;<em>Nachkommen<\/em>&nbsp;(2014), einer metafiktionalen Genreparodie wie Bodo von Kirchhoffs&nbsp;<em>Schundroman<\/em>&nbsp;(2002) oder einer Literaturbetriebssatire wie Klaus Modicks&nbsp;<em>Bestseller<\/em>&nbsp;(2015).<\/p>\n\n\n\n<p>Es sind dies Texte, die nach dem faktualen Status von Paratexten im Allgemeinen und dem von auktorialen Epitexten im Besonderen fragen, nach ihrem aktuellen Stellenwert im literarischen Feld und dem damit im Zusammenhang stehenden Glauben an die Authentizit\u00e4t von Interviews und Autor*innenschaft \u2013 w\u00e4hrend sie sich selbst zwischen Fakt und Fiktion bewegen. Nicht zuletzt erm\u00f6glichen sie dabei einen Diskurs \u00fcber mediale Repr\u00e4sentationsformen, ihre Konventionen und Grenzbereiche. Der Autor bzw. die Autorin, so die Hypothese, bringt nicht nur Fiktionen hervor, die Autor*innenschaft selbst konstituiert sich ma\u00dfgeblich \u00fcber kulturelle Fiktionen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/fingierte-epitexte\/#top\">\u2191<\/a><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\" id=\"fing-FN\">Fu\u00dfnoten:<\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">1. Zipfel, Frank: \u201eAutofiktion\u201c, in: Dieter Lamping (Hg): <em>Handbuch der literarischen Gattungen<\/em>. Stuttgart 2009, S. 31\u201336; Wagner-Egelhaaf, Martina (Hg.): <em>Auto(r)fiktion. Literarische Verfahren der Selbstkonstruktion<\/em>. Bielefeld 2013; Krumrey, Birgitta: <em>Der Autor in seinem Text. Autofiktion in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur als (post-)postmodernes Ph\u00e4nomen<\/em>. G\u00f6ttingen 2015; Pottbeckers, J\u00f6rg: <em>Der Autor als Held. Autofiktionale Inszenierungsstrategien in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur<\/em>. W\u00fcrzburg 2017.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">2. Wirth, Uwe: <em>Die Geburt des Autors aus dem Geist der Herausgeberfunktion. Editoriale Rahmung im Roman um 1800: Wieland, Goethe, Brentano, Jean Paul und E.T.A. Hoffmann<\/em>. M\u00fcnchen 2008.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">3. Jaumann, Michael: \u201e\u201aAber das ist ja genau das Thema der Geschichte!\u2018 Dialog und Metafiktion in Wolf Haas\u2019&nbsp;<em>Das Wetter vor 15 Jahren<\/em>\u201c, in: J. Alexander Bareis (Hg.): <em>Metafiktion<\/em>. Berlin 2010, S. 203\u2013225; Schaffrick, Matthias: \u201eDas Interview als Roman. Das Wetter vor 15 Jahren von Wolf Haas\u201c, in: Torsten Hoffmann\/Gerhard Kaiser (Hgg.): <em>Echt inszeniert. Interviews in Literatur und Literaturbetrieb<\/em>. Paderborn 2014, S. 417\u2013429.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/fingierte-epitexte\/#top\">\u2191<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Wegmann (Innsbruck)Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Anna Obererlacher, M.A. (Innsbruck) Das Arbeitspaket \u201efingierte Epitexte\u201c befasst sich mit Texten von Autor*innen deutschsprachiger Gegenwartsliteratur, die Epitexte bzw. epitextuelle Elemente \u2013 wie Interviews oder Gespr\u00e4che \u2013 f\u00fcr ihre Poetik produktiv machen, mit ihnen (auto)fiktionale Texte mit eigenem Paratext-Apparat gestalten und so das \u201aBeiwerk\u2018 zum eigenst\u00e4ndigen Werk transformieren, &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/fingierte-epitexte\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Fingierte Epitexte<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":420,"featured_media":0,"parent":13,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-20","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/20","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/users\/420"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=20"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/20\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2347,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/20\/revisions\/2347"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/13"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=20"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}