{"id":21,"date":"2020-05-11T12:40:54","date_gmt":"2020-05-11T10:40:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/?page_id=21"},"modified":"2022-07-04T12:51:42","modified_gmt":"2022-07-04T10:51:42","slug":"performative-epitexte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/performative-epitexte\/","title":{"rendered":"Performative Epitexte"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/files\/2020\/05\/Kritzolina_Die-deutschsprachige-Schriftstellerin-Ann-Cotten-bei-Fokus-Lyrik-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-266\" title=\"Ann Cotten bei Fokus Lyrik in Frankfurt 2019 (wikimedia commons)\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/files\/2020\/05\/Kritzolina_Die-deutschsprachige-Schriftstellerin-Ann-Cotten-bei-Fokus-Lyrik-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/files\/2020\/05\/Kritzolina_Die-deutschsprachige-Schriftstellerin-Ann-Cotten-bei-Fokus-Lyrik-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/files\/2020\/05\/Kritzolina_Die-deutschsprachige-Schriftstellerin-Ann-Cotten-bei-Fokus-Lyrik-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>Projektleiter:<br><a href=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/team\/prof-dr-joerg-doering\/\">Prof. Dr. J\u00f6rg D\u00f6ring<\/a><\/strong> <strong>(Siegen)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wissenschaftliche Mitarbeiterin:<br><a href=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/team\/nora-manz-m-a\/\">Nora Manz, M.A.<\/a> (Siegen)<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Als performativer Epitext sollen hier alle Formen spontan-m\u00fcndlicher Selbstmitteilung von Autor*innen im Rahmen \u00f6ffentlicher Lesungen verstanden werden: d.s. auktoriale Sprechakte vor, w\u00e4hrend und nach der Werklesung, z. B. auch solche im Rahmen eines Publikums- oder Moderatorengespr\u00e4chs als fester Lesungsbestandteil, d.h. mit ausdr\u00fccklichem Bezug zu dem Teil der Autor*innenschaftsperformanz, der aus der Lesung des eigenen Werkes besteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Arbeitspakt geht von der Annahme aus, dass der erstaunliche Resonanzerfolg, der dem Veranstaltungstyp der Dichterlesung im literarischen Leben der Gegenwart beschieden ist, nicht zuletzt auf diesen spezifischen Auff\u00fchrungsverbund aus Werkvortrag mit performativem Epitext zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Der empirisch bezeugte Umstand, dass es derzeit so gut wie \u00fcberhaupt keine Dichterlesungsformate gibt, die g\u00e4nzlich ohne performativen Epitext auskommen, hat unsere arbeitsleitende Hypothese zur Folge, dass die Autor*innenlesung als integrale Praxisform \u00fcberhaupt nur verst\u00e4ndlich wird, wenn man sie als unaufl\u00f6sliches Ineinander von Werkvortrag und performativen Epitext untersucht. Dazu gibt es au\u00dfer zwei Pilotstudien des Siegener Antragstellers<a href=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/performative-epitexte\/#Perf-FN\">\u00b9<\/a> nahezu keine Forschung f\u00fcr den deutschsprachigen Literaturraum.<a href=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/performative-epitexte\/#Perf-FN\">\u00b2<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das Arbeitspaket will diese Praxisform vor allem am Beispiel der Lyriklesung untersuchen, weil dabei der Anteil des performativen Epitextes ersichtlich ganz besonders gro\u00df ist. Nicht selten \u00fcbersteigt er umf\u00e4nglich die Dauer des Werkvortrags. Die Lyriklesung erscheint auch deshalb ein besonders gl\u00fccklicher Fall f\u00fcr die Analyse der praxiskonstitutiven Anteile performativer Epitexte, weil Lyrik unter allen Literaturgattungen aufgrund ihrer sprachlichen Pr\u00e4gnanz und Inkommensurabilit\u00e4t die gr\u00f6\u00dfte \u201aZumutung\u2018 f\u00fcr die ihr Zuh\u00f6renden darstellt. Wie ist es zu erkl\u00e4ren, dass eine steigende Anzahl von Besucher*innen etwas so Unwahrscheinliches tut, n\u00e4mlich daf\u00fcr Geld auszugeben, sich ein ihnen zuvor unbekanntes Gedicht vom Autor oder der Autorin exakt einmal vorlesen zu lassen (und das sie dann auch nicht zwingend zuhause nachlesen)?<\/p>\n\n\n\n<p>Das Arbeitspaket geht von der Hypothese aus, dass erst der performative Epitext aus dem Munde des Autors bzw. der Autorin, gleichsam als Antidot, die Zumutung eines Werkvortrags von Gedichten kommensurabel macht. Das impliziert ein stark gewandeltes Anforderungsprofil f\u00fcr Lyrikschaffende, da die Praxisform der Lesung f\u00fcr die gegenw\u00e4rtigen Lyriker*innen \u00f6konomisch erwiesenerma\u00dfen mittlerweile weit wichtiger als der Verkauf von B\u00fcchern ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hypothese, die sich aus den Pilotstudien und der Anforschungsphase ergeben hat und die das Arbeitspaket zu \u00fcberpr\u00fcfen sich vornimmt, lautet: Der performative Epitext im Rahmen von Lyriklesungen hat Instruktionscharakter und formuliert eine H\u00f6r-Vorschrift, -Hinsicht oder Stimulans, die den Besucher*innen der Gedichtlesung ein auktorial verb\u00fcrgtes Interpretament zum Verst\u00e4ndnis des Werks offeriert oder die H\u00f6renden in Auslegungsspannung versetzt. Der ungerahmte Werkvortrag allein scheint derzeit kein Garant mehr, die Zuh\u00f6renden in solche Auslegungsspannung zu versetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/performative-epitexte\/#top\">\u2191<\/a><\/p>\n\n\n\n<h6 class=\"wp-block-heading\" id=\"Perf-FN\"><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/h6>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">1. D\u00f6ring, J\u00f6rg\/Pa\u00dfmann, Johannes: \u201eLyrik auf YouTube. Clemens J. Setz liest \u201aDie Nordsee\u2018 (2014)\u201c, in:<em> Zeitschrift f\u00fcr Germanistik, N.F. XXVII (2017), H. 2<\/em>, S. 329\u2013347 sowie D\u00f6ring, J\u00f6rg: \u201eMarcel Beyer liest. Gedicht und performativer Epitext\u201c, in: Christian Klein (Hg.): <em>Marcel<\/em> <em>Beyer<\/em>. Stuttgart 2018, S. 73\u201393.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-small-font-size\">2. Deutlich andere Akzente setzen: Benthien, Claudia: \u201e\u201aPerformed Poetry\u2018. Situationale Rahmungen und mediale \u201e\u00dcber-Setzungen\u201c zeitgen\u00f6ssischer Lyrik\u201c, in: Uwe Wirth (Hg): <em>Rahmenbr\u00fcche \u2013 Rahmenwechsel<\/em>. Berlin 2013 (= Wege der Kulturforschung 4), S. 287\u2013309, Utler, Anja: <em>\u201emanchmal sehr mitrei\u00dfend\u201c. \u00dcber die poetische Erfahrung gesprochener Gedichte.<\/em> Bielefeld 2016 und Bers, Anna\/Trilcke, Peer (Hgg.): <em>Ph\u00e4nomene des Performativen in der Lyrik. Systematische Entw\u00fcrfe und historische Fallbeispiele<\/em>. G\u00f6ttingen 2017. F\u00fcr den internationalen Zusammenhang einschl\u00e4gig ist Novak, Julia: <em>Live Poetry. An Integrated Approach to Poetry in Performance<\/em>. Amsterdam\/New York 2011 (= Internationale Forschungen zur Allgemeinen und vergleichenden Literaturwissenschaft 153).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/epitexte\/projekt\/performative-epitexte\/#top\">\u2191<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Projektleiter:Prof. Dr. J\u00f6rg D\u00f6ring (Siegen) Wissenschaftliche Mitarbeiterin:Nora Manz, M.A. (Siegen) Als performativer Epitext sollen hier alle Formen spontan-m\u00fcndlicher Selbstmitteilung von Autor*innen im Rahmen \u00f6ffentlicher Lesungen verstanden werden: d.s. auktoriale Sprechakte vor, w\u00e4hrend und nach der Werklesung, z. 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