Vorwort: PRÄSENZ DIGITAL GESTALTEN

Der Begriff „Digitalisierung“ ist zum Mantra unserer gegenwärtigen  politischen und akademischen Diskussionen geworden. Das hat ihm nicht gut getan. Denn je häufiger er verwendet wird, desto unklarer wird, was damit eigentlich gemeint ist; desto ungehinderter wachsen Hoffnungen und Ängste.

Und nun summen also auch wir, die Universität Siegen und ihre Hochschuldidaktik, das Mantra mit? Wenn wir uns mit dem Programm „Präsenz digital gestalten“ der allgemeinen Unbestimmtheit anschließen wollten, ließen wir es besser gleich. Doch schon der Titel soll zeigen, dass es diesem Projekt um klare Konturen und definierbare Ziele geht. Wir wollen die Universität nicht ins world wide web hinein auflösen. Es geht uns nicht um „Moocs“ oder andere Hypes. Kern von Studium und Lehre an der Universität Siegen sind und bleiben Seminare, Vorlesungen, das gemeinsame Arbeiten vor Ort. Denn hier finden der Austausch und die Weiterentwicklung von Ideen in einer Form und Intensität statt, die sich nicht ersetzen lassen – weder für Studierende noch für Lehrende.

Dass wir diese Präsenz nun aber „digital gestalten“ wollen, liegt in der Einsicht begründet, dass die klassischen Lehr- und Lernformen auch ihre Mängel haben. Denn manches, was viel Zeit kostet, lässt sich auch anders erarbeiten, lernen und üben als in begrenzten Zeiten an festgelegten Orten. So kann die Entlastung der Lehrveranstaltungen von reiner Informations- und Wissensvermittlung Freiräume schaffen, in denen auf Grundlage anderweitig erworbenen Wissens diskutiert, geforscht, Neues entdeckt werden kann. Wenn Lern- und Lehrformen vielfältiger werden, muss das die Lehrveranstaltungen vor Ort nicht verdrängen, sondern kann sie bereichern.

Glücklicherweise fangen wir mit der Entwicklung einer digital gestalteten Lehre nicht bei null an. Ein erster Blick auf schon Bestehendes oder Begonnenes zeigt, dass sich dank vieler Einzelinitiativen schon manches in der Universität Siegen geändert hat, Studium und Lehre bereits digitaler sind als viele glauben. Die vorliegende Sammlung schon vorliegender Projekte beeindruckt durch deren Menge, deren Vielfalt und die positive Resonanz, die sie schon gefunden haben. Doch das soll erst ein Anfang sein. Diese Sammlung wird nicht zwischen Buchdeckel gebunden, sondern wird weiter wachsen, wenn und weil sie neue Ideen und Initiativen anregt.

Ich danke allen, die sich für die „digital gestaltete Präsenz“ schon eingesetzt haben, die sich dafür interessieren – und lade alle anderen Mitglieder unserer Universität ein, es ihnen gleichzutun.

Prof. Dr. Michael Bongardt
Prorektor für Studium, Lehre und Lehrerbildung

VW Bongardt (PDF)