{"id":1022,"date":"2012-12-11T23:44:24","date_gmt":"2012-12-11T21:44:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1022"},"modified":"2012-12-11T23:44:24","modified_gmt":"2012-12-11T21:44:24","slug":"zu-weihnachten-konsumkritikteil-1von-thomas-hecken11-12-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2012\/12\/11\/zu-weihnachten-konsumkritikteil-1von-thomas-hecken11-12-2012\/","title":{"rendered":"Zu Weihnachten Konsumkritik(Teil 1)von Thomas Hecken11.12.2012"},"content":{"rendered":"<p>Der Papst sagt es jedes Jahr zur gleichen Zeit<!--more-->In der Adventszeit herrscht nicht nur der \u00e4ltere Brauch, am Sonntag eine Kerze anzuz\u00fcnden, sondern auch die neuere Angewohnheit, sich samstags in die Einkaufszone zu begeben. Fast genauso beliebt ist die Sitte, bedenklich den Kopf \u00fcber diesen Konsumrausch (und wie die Metaphern sonst lauten m\u00f6gen) zu sch\u00fctteln.<\/p>\n<p>Der Papst h\u00f6chstpers\u00f6nlich l\u00e4sst es sich nicht nehmen, in seinen Weihnachtsansprachen wieder und wieder die Konsum-Fixierung zu kritisieren. Letztes Jahr meldete die Deutsche Presseagentur zur p\u00e4pstlichen Ansprache w\u00e4hrend der Christmette: \u00bbIn seiner Predigt rief er zur Abkehr von Gewalt und Materialismus auf. \u203aHeute ist Weihnachten zu einem Fest der Gesch\u00e4fte geworden, deren greller Glanz das Geheimnis der Demut Gottes verdeckt.\u2039\u00ab Kaum einer wird ihm da widersprechen wollen. Selbst die absurde Gleichsetzung von \u00bbGewalt\u00ab und \u00bbMaterialismus\u00ab, die von der routinierten Presseagenturkraft bedenkenlos vorgenommen wird, st\u00f6rt eigentlich niemanden.<\/p>\n<p>Wieso auch? Schlie\u00dflich folgt bei den wenigsten, die diese bedenklichen Worte h\u00f6ren und selbst manches gegen das gl\u00e4nzende Kauftalmi einzuwenden haben, die entsagungsvolle Besinnung auf die Werte der Askese. Nicht einmal katholische Marketingleute wollen den Schritt vom Wort zum Nichtstun wagen und vergreifen sich deshalb an der Botschaft selbst: \u00bbDen Advent in seiner urspr\u00fcnglichen spirituellen Bedeutung zu erleben \u2013 das w\u00fcnschen sich heute immer mehr Menschen\u00ab, annonciert vivat.de in diesen Tagen unter der \u00dcberschrift \u00bbDu bist das Licht der Welt\u00ab und hat daf\u00fcr das richtige Angebot parat, den \u00bbAdventskalender Papst Benedikt XVI\u00ab f\u00fcr tats\u00e4chlich bescheidene 3,95 Euro: \u00bbHinter den 24 T\u00fcrchen dieses Adventskalenders verbergen sich besinnliche Impulse zum Advent von Papst Benedikt XVI. Er ermutigt uns, die Zeit des Wartens wieder neu zu erlernen. Dabei stimmt Benedikt XVI. nicht in die \u00fcblichen Klagen \u00fcber den Weihnachtskonsum ein, sondern regt dazu an, echte Adventsfreude an jedem der 24 Tage zu entdecken.\u00ab<\/p>\n<p>Glanz und Elend der Konsumkritik lassen sich kaum besser fassen. Zum einen ihr immenser Erfolg, ihre Durchsetzung zum Gemeinplatz (selbst katholischen Devotionalienverk\u00e4ufern f\u00e4llt das bereits auf). Die Konsumkritik ist nicht nur keiner politischen oder weltanschaulichen Richtung fest zuzuordnen, weil sie \u00fcberall zu Hause ist \u2013 sie kann sogar im allt\u00e4glichen Gespr\u00e4ch ganz unpolitisch daherkommen, als selbstverst\u00e4ndliche Meinung und unzweifelhaft richtige Haltung, die man nur erw\u00e4hnt, wenn man auf \u203agrelle\u2039 Verhaltensweisen trifft. Diese kann man dann zumeist kritisieren, ohne f\u00fcrchten zu m\u00fcssen, auf Widerspruch zu sto\u00dfen (von vivat.de einmal abgesehen). Denn das geh\u00f6rt zum Erfolg dieser Form der Kulturkritik heute dazu und beschreibt ihn vielleicht am besten: Es liegen keine Standards, keine bekannten Argumente und Formulierungen der Konsumapologie bereit.<\/p>\n<p>Ganz anders der Standard der Konsumkritik: Da gibt es nicht nur den selbstverst\u00e4ndlichen Gegensatz von \u00bbDemut\u00ab und \u00bbMaterialismus\u00ab, den Konservative beseelt auf den Lippen f\u00fchren, bevor sie den Mercedes aus der Garage holen. Viel wichtiger in unserer unchristlichen Zeit: Jener Kontrast von Kreativit\u00e4t und Konsum, kommerziellen Produkten und wertvoller Kunst, wie er fast allen Mitb\u00fcrgern mit Abitur zur zweiten Natur geworden ist. Diese Form der Kulturkritik bringt zwar auch schon lange keine originellen Abwandlungen mehr hervor, dies ist aber auch gar nicht n\u00f6tig, wie die H\u00e4ufigkeit ihrer Verwendung zeigt.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite jedoch die ungeheure Erfolglosigkeit dieser weltlichen Form der Materialismuskritik: Die besonnenen Worte bleiben zumeist ohne jede Konsequenz. Weder besitzen sie Einfluss auf die H\u00e4ufigkeit des Warenkonsums noch auf das Tempo des Verbrauchs. Konsumiert werden lediglich andere Dinge. Daf\u00fcr braucht es offenkundig \u00fcberhaupt keine Argumente, schon gar keine zur Widerlegung der Konsumkritik. Vivat.de h\u00e4tte also besser geschwiegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen allerdings noch diese Folgenlosigkeit der Konsumkritik begr\u00fcnden. Dazu bald mehr im zweiten Teil von \u00bbZu Weihnachten Konsumkritik\u00ab. Bis zum Fest ist ja noch ein wenig Zeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Papst sagt es jedes Jahr zur gleichen Zeit<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1277,1309,1315,1816,2337,2514,2589],"class_list":["post-1022","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-konsumkritik","tag-kritik","tag-kultur","tag-pop","tag-thomas-hecken","tag-weihnachten","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1022"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1022\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1022"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1022"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1022"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}