{"id":1029,"date":"2012-12-12T11:36:36","date_gmt":"2012-12-12T09:36:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1029"},"modified":"2012-12-12T11:36:36","modified_gmt":"2012-12-12T09:36:36","slug":"kulturwissenschaft-und-warenasthetikam-beispiel-von-david-wagners-roman-vier-apfelvon-robert-grunenberg12-12-12","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2012\/12\/12\/kulturwissenschaft-und-warenasthetikam-beispiel-von-david-wagners-roman-vier-apfelvon-robert-grunenberg12-12-12\/","title":{"rendered":"Kulturwissenschaft und Waren\u00e4sthetikAm Beispiel von David Wagners Roman \u00bbVier \u00c4pfel\u00abvon Robert Grunenberg12.12.2012"},"content":{"rendered":"<p>\u203aFiktionswert\u2039<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">1. Forschungen zur Waren\u00e4sthetik<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren haben sich in der soziologischen, ethnologischen und kulturwissenschaftlichen Forschung die Begriffe \u203aMaterial Turn\u2039 und \u203aMaterial Culture\u2039 etabliert.<a title=\"\" href=\"#_edn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Neben Alltagsgegenst\u00e4nden und Gebrauchsobjekten richtet sich das Interesse dieses Forschungszweiges auf die Bereiche des Konsums und der Massenproduktion von Waren, auf Praktiken des Kaufens sowie Formen der Warenpr\u00e4sentation und Werbung. Orte wie Kaufh\u00e4user, Schaufenster und Superm\u00e4rkte z\u00e4hlen zu den Untersuchungsgegenst\u00e4nden,<a title=\"\" href=\"#_edn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> immer wieder geht es um das Ph\u00e4nomen der Ware und deren spezifische \u00c4sthetik.<\/p>\n<p>Die Bezeichnung \u00bbWaren\u00e4sthetik\u2039 geht auf den Philosophen Wolfgang Fritz Haug zur\u00fcck, der sie 1971 in die kultursoziologische und philosophische Debatte einf\u00fchrte.<a title=\"\" href=\"#_edn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> Von einem konsumkritischen Standpunkt aus beruft sich Haug auf Karl Marx\u2019 Unterscheidung zwischen dem \u00bbGebrauchswert\u00ab und \u00bbTauschwert\u00ab von Waren. Gebrauchswert meint den praktischen Nutzen aus Material- und Herstellungsqualit\u00e4t f\u00fcr den Konsumenten, Tauschwert den \u00f6konomischen Nutzen aus Marktprozessen f\u00fcr den Produzenten.<a title=\"\" href=\"#_edn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> Haug zufolge wird die Ausbeutung der Konsumentenschaft durch einen illusionistischen Gebrauchswert bzw. durch ein \u00bbGebrauchswertversprechen\u00ab bef\u00f6rdert, das von gewinnorientierten Produzenten initiiert wird, um den Konsumenten bewusst zu t\u00e4uschen.<a title=\"\" href=\"#_edn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Diese marxistisch gepr\u00e4gte Perspektive folgt der \u00dcberzeugung, dass die Bed\u00fcrfnisse, W\u00fcnsche und Begierden von Konsumenten nicht aus sich selbst heraus entstehen, sondern die Motivationsstrukturen des Konsums einer Nachfrage entspringen, welche zu allererst von der Produzentenschaft generiert wird.<a title=\"\" href=\"#_edn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Haugs \u00bbKritik der Waren\u00e4sthetik\u00ab nach ihrer Erscheinung 1971 im Zuge der weltweiten Studentenbewegung umfangreich rezipiert und positiv aufgenommen wurde,<a title=\"\" href=\"#_edn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> zeichnet sich in den letzen Jahren eine Entwicklung ab, in der Konsumtion und Waren auch von anderen Gesichtspunkten her analysiert werden. Trotz der offensichtlichen Probleme, die mit dem Aufkommen einer globalisierten Konsumgesellschaft entstanden sind, herrscht in der soziologischen, ethnologischen und kulturwissenschaftlichen Forschung inzwischen die \u00dcberzeugung, dass Konsumg\u00fcter nicht nur unter kritischen, sondern auch affirmativen Gesichtspunkten zu untersuchen seien.<a title=\"\" href=\"#_edn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a> Besonderen Antrieb erh\u00e4lt die Diskussion im deutschsprachigen Raum durch das 2011 von Heinz Dr\u00fcgh et al. herausgebene Buch \u00bbWaren\u00e4sthetik. Neue Perspektiven auf Konsum, Kultur und Kunst\u00ab. Dr\u00fcgh bezieht sich einerseits auf die durch Haugs \u00bbKritik der Waren\u00e4sthetik\u00ab ausgel\u00f6ste Diskussion, erweitert und differenziert diese aber deutlich um zwei wesentliche Sto\u00dfrichtungen: Zum einen geht es um die soziokulturellen und psychologischen Wirkungsm\u00f6glichkeiten von Waren, zum anderen um deren spezifische \u00e4sthetische und poetologische Eigenschaften. Die von Dr\u00fcgh zusammengefassten \u203aneue Perspektiven\u2039 schlie\u00dfen dabei vor allem an die aus dem Bereich der \u203aMaterial Culture\u2039 zusammengetragenen Diskurse an.<\/p>\n<p>Im Zentrum dieser Diskussion steht die Annahme, dass Waren Objekte seien, in die kulturelle Bedeutungen und Praktiken eingingen und die deshalb f\u00fcr die Ausbildung kultureller, sozialer und psychologischer Identit\u00e4ten konstitutiv seien.<a title=\"\" href=\"#_edn9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a> Ein zentraler Forschungsbereich der \u203aMaterial Culture\u2039 sind die symbolischen Eigenschaften von Artefakten. Insbesondere geht es um die Frage, wie in Alltagsgegenst\u00e4nden, Gebrauchsobjekten und Waren semantische Qualit\u00e4t einerseits historisch w\u00e4chst und andererseits strategisch konstruiert wird. F\u00fcr den Anthropologen Arjun Appadurai ist die Bedeutung von Objekten sowohl ihren Formen, ihren Funktionen als auch besonders ihren sozialen Praktiken eingeschrieben.<a title=\"\" href=\"#_edn10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a> Es geht also allgemein um die Transferkan\u00e4le zwischen Menschen und Objekten und speziell um das kommunikative Austauschpotenzial symbolischer Objekteigenschaften.<a title=\"\" href=\"#_edn11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> Zwar werden viele Artefakte von Individuen und kleineren Personengruppen geschaffen, jedoch schlie\u00dft diese Produktion immer auch eine Reproduktion sozialer und kultureller Begebenheiten ein \u2013 spezifische Werte und Denkkulturen, die in einer materiellen Form vorliegen. Die Analyse ihrer semiotischen Codes geh\u00f6rt zum Hauptaufgabenbereich der \u203aMaterial Culture\u2039.<a title=\"\" href=\"#_edn12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>\u00c4hnlich \u00e4u\u00dfert sich Roland Barthes \u00fcber das Verh\u00e4ltnis von Dingen und Zeichen, deren Zusammenwirken die Wertsch\u00e4tzung von Konsumg\u00fctern begr\u00fcnde. Er bemerkt, dass der Wert eines Konsumguts weniger aus den Eigenschaften des Dings selbst als vielmehr aus seiner semiotischen Qualit\u00e4t erw\u00e4chst.<a title=\"\" href=\"#_edn13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a> Sp\u00e4testens die Theorien der Postmoderne bestimmten die westlich-abendl\u00e4ndische Kultur als eine Konsumgesellschaft, in der Konsumenten weniger aus den praktischen gebrauchsorientierten Merkmalen der G\u00fcter, sondern vielmehr aus deren \u00fcbergeordneten Inhalten und Zeichen Nutzen ziehen.<a title=\"\" href=\"#_edn14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> Vor diesem Hintergrund hat sich inzwischen eine eigenst\u00e4ndige wissenschaftliche Str\u00f6mung herausgebildet, welche die Soziologin Eva Illouz als \u203asemiotische Kulturforschung\u2039 bezeichnet.<a title=\"\" href=\"#_edn15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a> Auch Illouz h\u00e4lt fest, dass im Zentrum des Konsums weniger der praktische Nutzen von Gebrauchsgegenst\u00e4nden als vielmehr ihre symbolische Bedeutung stehe. Konsumg\u00fcter seien aber nicht nur als kulturelle Bedeutungstr\u00e4ger zu verstehen,<a title=\"\" href=\"#_edn16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a> sondern gew\u00e4hrten Konsumenten ihrerseits Zugang zu emotionalen Erfahrungen und beg\u00fcnstigten dadurch die Ausbildung und Aufrechterhaltung von Individualit\u00e4t.<a title=\"\" href=\"#_edn17\"><sup><sup>[17]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der Konsum von Waren dient demnach heute nicht mehr nur der Befriedigung allt\u00e4glicher Bed\u00fcrfnisse, sondern ist vielmehr zu einem Ritual des \u00f6ffentlichen und gemeinschaftlichen Lebens geworden, durch das Identit\u00e4t nicht nur gewandelt, sondern auch neu geschaffen wird.<a title=\"\" href=\"#_edn18\"><sup><sup>[18]<\/sup><\/sup><\/a> Grundlegend f\u00fcr diese Auffassung waren die Untersuchungen der Anthropologin Mary Douglas. Sie postuliert, dass der Akt des Konsums Signale an unsere Mitmenschen sendet und somit Aussagen \u00fcber unsere Bed\u00fcrfnissen und Pr\u00e4ferenzen zul\u00e4sst. Diese Art der Kommunikation mittels Wareng\u00fctern ist eng verbunden mit der Ausbildung eines kollektiven Wertesystems, das die Chance f\u00fcr die Vergewisserung von Gemeinsamkeiten bereith\u00e4lt, aber auch Wettbewerb, Status-Ungleichheit und soziale Distinktion beg\u00fcnstigt: Konsum k\u00f6nne gegenseitiges Verst\u00e4ndnis zwischen Individuen f\u00f6rdern, genauso gut k\u00f6nne Konsum aber auch Zeichen setzen, welche die sozialen Unterschiede von Individuen in der Gesellschaft markieren.<a title=\"\" href=\"#_edn19\"><sup><sup>[19]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dass neben hochkulturellen Ph\u00e4nomenen auch allt\u00e4gliche Dinge zur Formierung von gesellschaftlichen Identit\u00e4ten f\u00fchren, ist in der Kulturforschung weitgehend anerkannt.<a title=\"\" href=\"#_edn20\"><sup><sup>[20]<\/sup><\/sup><\/a> Die Behauptung, Waren und Konsumg\u00fcter bes\u00e4\u00dfen wie z.B. ein Gem\u00e4lde oder ein literarischer Text einen \u203aFiktionswert\u2039, f\u00fchrt hingegen oftmals noch zu Unverst\u00e4ndnis oder sogar Ablehnung. Wolfgang Ullrich Prognose, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis \u00bballt\u00e4gliche Produkte als hochkulturelle Leistungen, ja als fiktionale Gebilde und Meisterwerke \u00e4sthetischen Scheins wahrgenommen\u00ab w\u00fcrden,<a title=\"\" href=\"#_edn21\"><sup><sup>[21]<\/sup><\/sup><\/a> ist deshalb riskant.<\/p>\n<p>Nach Colin Campbell wird der Konsum von Tr\u00e4umen und Fantasien angetrieben, die das Individuum mit der Frage konfrontierten, was es eigentlich sein wolle.<a title=\"\" href=\"#_edn22\"><sup><sup>[22]<\/sup><\/sup><\/a> Auch Campbell merkt an, dass die moderne Konsumkultur gerade nicht materialistisch sei, denn sie bringe Dinge hervor, die \u00fcber sinnstiftendes Potenzial verf\u00fcgten und besonders f\u00fcr die Fantasie eine bedeutende Rolle spielten.<a title=\"\" href=\"#_edn23\"><sup><sup>[23]<\/sup><\/sup><\/a> Durch ein ausgekl\u00fcgeltes Produktmanagement<a title=\"\" href=\"#_edn24\"><sup><sup>[24]<\/sup><\/sup><\/a> werden den Waren und Konsumg\u00fctern Fiktionalisierungsstrategien eingeschrieben, die es dem Konsumenten erm\u00f6glichen, die Beschr\u00e4nktheit der eigentlichen Pers\u00f6nlichkeit zu vergessen und von einem anderen, wenn nicht sogar neuen Leben zu tr\u00e4umen.<a title=\"\" href=\"#_edn25\"><sup><sup>[25]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wolfgang Ullrich spricht in diesem Zusammenhang vom \u203aM\u00f6glichkeitssinn\u2039 der Waren, der einem Individuum die Chance auf eine idealisierte Rolle in einer alternativen Biographie verhei\u00dft und als Stoff bezeichnet werden k\u00f6nne, welcher der \u00dcberh\u00f6hung des eigenen Lebens dient.<a title=\"\" href=\"#_edn26\"><sup><sup>[26]<\/sup><\/sup><\/a> \u00c4hnlich der Wirtschaftstheoretiker Birger Priddat: Es es die Aufgabe von Konsumg\u00fctern, eine \u203aWelterweiterung\u2039 zu bewirken, weshalb sie als \u00bb\u00fcberzeugende Geschichten\u00ab oder sogar als \u00bbeine Form der Literatur oder Kunst\u00ab gestaltet sein m\u00fcssten.<a title=\"\" href=\"#_edn27\"><sup><sup>[27]<\/sup><\/sup><\/a> Nicht zuletzt spricht Wolfgang Ullrich deshalb auch von einer \u00d6konomie der Waren, die als \u203aProduktion von Tr\u00e4umen\u2039 bezeichnet werden k\u00f6nne.<a title=\"\" href=\"#_edn28\"><sup><sup>[28]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Viele der genannten Autoren und deren Ans\u00e4tze versammeln Dr\u00fcgh et al. in ihrem Band zur \u203aWaren\u00e4sthetik\u2039. Dabei formieren die dargelegten \u203aneuen Perspektiven\u2039 eine Haltung, die sich dem Ph\u00e4nomen Waren\u00e4sthetik eher affirmativ n\u00e4hert. Hierauf reagierte Peter Jehle 2011 in Wolfgang Fritz Haugs Zeitschrift \u00bbDas Argument\u00ab mit einer kritischen Besprechung. Er monierte, dass die Beitr\u00e4ger in Dr\u00fcghs Band die Untersuchungen zu Waren\u00e4sthetik und Kulturindustrie von ihrer sozialistischen Perspektive, die Haugs Kritik noch fundieren w\u00fcrde, s\u00e4uberten. Nach Jehle wird der Begriff \u203aWaren\u00e4sthetik\u2039 durch den Verlust einer kritischen Betrachtungsform zu einer konturlosen Kategorie, die alle m\u00f6glichen Aspekte von Konsum, Kultur und Kunst aufsaugt.<a title=\"\" href=\"#_edn29\"><sup><sup>[29]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Mag Jehles Feststellung korrekt sein, dass die Autoren in Dr\u00fcghs Band an die Stelle marxistisch gepr\u00e4gter Analysen eine postmoderne, multi-disziplin\u00e4re Ausrichtung setzen. Umgekehrt k\u00f6nnte Jehle entgegengehalten werden, dass Haugs Darstellung in einer eindimensionalen Perspektive auf die vielseitigen Aspekte von Konsum und Waren verharrt. Nicht bestritten werden soll freilich, dass Haugs kritische Auseinandersetzung mit Konsum und Warenkultur gro\u00dfe Bedeutung besitzt, weil sie \u00fcber eine reflexionsf\u00f6rdernde Distanz \u00a0zum dominanten System kapitalistischer Konsumkultur verf\u00fcgt. Gleichwohl gilt es bei allen kritischen Einw\u00e4nden den Blick zu weiten und mit Dr\u00fcgh et al. auch andere Aspekte des Konsums und der Warenformen aufzuzeigen.<a title=\"\" href=\"#_edn30\"><sup><sup>[30]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Als Fazit l\u00e4sst sich festhalten, dass bei der postmodernen Warenkultur eine Verschiebung stattgefunden hat, die durch eine Abkehr von Gebrauchs- und Statuswert hin zum Emotions- und Fiktionswert der Produkte gekennzeichnet ist.<a title=\"\" href=\"#_edn31\"><sup><sup>[31]<\/sup><\/sup><\/a> In welcher Weise sich dieses Potenzial von Waren offenbaren kann, wird im Folgenden an mehreren Passagen eines fiktionalen Werks, David Wagners Roman \u00bbVier \u00c4pfel\u00ab (Berlin 2009), \u00a0\u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">2. \u00bbVier \u00c4pfel\u00ab \u2013 Narratologische Aspekte<\/p>\n<p>Dass es sich bei David Wagners \u00bbVier \u00c4pfel\u00ab nicht nur um einen literarischen Text, sondern um eine diskursive Auseinandersetzung mit den Motiven \u203aSupermarkt\u2039, \u203aWaren\u2039 und \u203aKonsum\u2039 handelt, wird bereits an der Form des Textes deutlich: Mit seinen zahlreichen Fu\u00dfnoten erinnert der Text an einen wissenschaftlichen Beitrag. An \u00fcber 50 Stellen integriert Wagner erg\u00e4nzende Informationen in den Basistext, die manchen Sachverhalt und manche Begebenheit faktisch n\u00e4her erl\u00e4utern oder anekdotisch ausschm\u00fccken. \u00bbVier \u00c4pfel\u00ab erinnert jedoch nicht nur an einen wissenschaftlichen Beitrag, sondern wegen der vielen notizhaften Kapitel auch an Tagebucheintr\u00e4ge oder an den essayistischen Stil der Kolumne.<\/p>\n<p>Die Abschnitte behandeln vordergr\u00fcndig die Motive Supermarkt, Waren und Konsum, aber auch andere Themen wie den Liebeskummer, das heimliche Hauptthema von Wagners Erz\u00e4hlung. In \u00fcber 140 kurzen Kapitel berichtet ein m\u00e4nnlicher Protagonist\u00a0 \u2013 der hier als P. bezeichnet werden soll, weil sein Name im Text unerw\u00e4hnt bleibt \u2013 vom Einkauf in einem Berliner Supermarkt. Um es mit den Begriffen G\u00e8rard Genettes zu sagen, handelt es sich bei P. um eine homodiegetische Erz\u00e4hlinstanz, die sowohl der Ich-Erz\u00e4hler als auch die Hauptfigur der \u203ahistoire\u2039 ist. Neben den Begebenheiten im Supermarkt, die von der Architektur, den Waren, den Verk\u00e4ufern und K\u00e4ufern handeln, schildert P. Sachverhalte, die zum Zeitpunkt des Einkaufs in der Vergangenheit oder in der Zukunft liegen. Diese Unterbrechungen des Erz\u00e4hlfadens sind beispielhaft f\u00fcr den gesamten Text. Abwechselnd wird der Erz\u00e4hlstrang losgelassen und wieder aufgegriffen, so dass trotz der kurzen \u203aerz\u00e4hlten Zeit\u2039 eines Nachmittags der Eindruck epischer Breite entsteht.<a title=\"\" href=\"#_edn32\"><sup><sup>[32]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Neben den r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Exkursen in seine Kindheit schildert P. ausgiebig seine verflossene Liebe zu L.<a title=\"\" href=\"#_edn33\"><sup><sup>[33]<\/sup><\/sup><\/a> Im Gegensatz zum Erz\u00e4hler P., der als Hauptfigur allgegenw\u00e4rtig ist, tritt L. nie als Figur in Erscheinung, sondern bleibt immer nur eine Imagination. Obwohl sie nur als gedanklicher Einschub offenbar wird, f\u00e4llt ihr neben P. die zweite Hauptrolle zu. Diesen Einsch\u00fcben geht immer eine Begegnung mit einer Ware oder einem anderen im Supermarkt befindlichen Objekt voraus, die Erinnerungen und Gedanken an L. triggern. Diese Funktion der Waren greift jedoch nicht nur im Zusammenhang mit L., sondern dient an zahlreichen Textstellen als zentraler poetologischer Mechanismus. Waren erzeugen \u00fcber die Imagination der Konsumenten einen Fiktionsraum, der nicht blo\u00df \u00e4sthetische Qualit\u00e4t besitzt, sondern ebenfalls identit\u00e4ts-, gemeinschafts-, und kulturstiftende M\u00f6glichkeiten bereitstellt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3. Supermarkt \u2013 Ort des Konsums<\/p>\n<p>Zwar sind es zuallererst Waren, denen in David Wagners Text eine \u00e4sthetisierende Funktion zugeteilt wird, doch kann auch der Supermarkt als poetologischer Ort analysiert werden, der den M\u00f6glichkeitsraum von Konsumenten erweitert oder ver\u00e4ndert.<a title=\"\" href=\"#_edn34\"><sup><sup>[34]<\/sup><\/sup><\/a> In diesem Sinne kann Einkaufen im Supermarkt als Form der Selbstreflexion und Selbstbestimmung begriffen werden \u2013 der Supermarkt als Ort, an dem Konsumenten \u00fcber ihre eigenen W\u00fcnsche, Erwartungen und Charaktereigenschaften nachdenken. Und nicht nur das, der Supermarkt ist in Wagners Roman auch der Ort, der eine ganze Reihe von gesellschaftlichen, psychologischen und \u00e4sthetischen Aspekten b\u00fcndelt: \u00bbDer Supermarkt ist ein Museum der Dinge und Marken, die sich gehalten haben, ja der zeitgen\u00f6ssische Ausstellungsraum \u00fcberhaupt [&#8230;] [,] sein Wachsabguss [w\u00e4re] eines der genauesten und detailliertesten Abbilder der vergangenen Zeit, denn hier steht und liegt ja das, womit und wovon wir leben.\u00ab (S. 96)<\/p>\n<p>P. spricht dem Supermarkt nicht nur zu, alle entscheidenden Kultur- als Konsumgegenst\u00e4nde versammeln, sondern parallelisiert die Institutionen \u203aSupermarkt\u2039 und \u203aMuseum\u2039. Wie ein Museum die als Hochkultur geadelten Objekte und K\u00fcnstler einer Zivilisation in Vitrinen, auf Sockeln und an W\u00e4nden inszeniert, stellt der Supermarkt die umsatzst\u00e4rksten Waren und begehrtesten Marken in feierlicher Manier in Regalen, auf Podesten und hinter den Scheiben von K\u00fchlvitrinen aus.<\/p>\n<p>Mit dem Eintritt in den Supermarkt beginnt die Erz\u00e4hlung. Bereits nach wenigen Schritten liegt P. eine gro\u00dfz\u00fcgige Verkaufsfl\u00e4che zu F\u00fc\u00dfen, in deren Mitte sich ein \u00bbgro\u00dfes, gut ausgeleuchtetes Stillleben [&#8230;] aus \u00c4pfeln, Birnen, Pfirsichen und Bananen, Gurken, M\u00f6hren, Paprikaschoten und Tomaten\u00ab (S. 8) pr\u00e4sentiert. Wie in einer Museumsaustellung, bei denen Kuratoren eines ihrer \u203aMeisterwerke\u2039 strategisch so positionieren, dass sie die Besucher in den Ausstellungsraum lenken, wird P. durch die malerische Pr\u00e4sentation von Obst und Gem\u00fcse zu Beginn seines Einkauferlebnisses festlich begr\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Die F\u00fclle und Pracht der komponierten Warenauswahl, die P. beim weiteren Durchschreiten des Supermarktes entgegentritt, reicht von frischgepressten S\u00e4ften \u00fcber Bl\u00e4tterteigpasteten bis hin zu K\u00e4ser\u00e4dern, so dass er kurze Zeit sp\u00e4ter verk\u00fcndet: \u00bbich bin im Paradies\u00ab (S. 11). Neben dieser affirmativen Haltung zur reizvollen Erlebniswelt \u203aSupermarkt\u2039 zeigen sich bei P. jedoch auch \u00c4u\u00dferungen mit emanzipatorischem Unterton, wenn er z.B. bemerkt: \u00bbich sehe einen Trickfilm der Handelswege und Warenstr\u00f6me, in dem alle Produkte einen Schweif hinter sich herziehen, wie kleinste Teilchen in einer Nebelkammer. Auf den Regalen findet sich die halbe Welt, wer hier einkauft, darf kein Globalisierungsgegner sein\u00ab (S. 63). Dieser Sachverhalt erm\u00f6glicht P. einerseits das Vergn\u00fcgen, \u00bbMail\u00e4nder Salami\u00ab und \u00bbT\u00fcrkische Feigen\u00ab zu essen, anderseits bereiten ihm diese Gen\u00fcsse wegen des \u00f6kologischen Fu\u00dfabdrucks ein schlechtes Gewissen.<\/p>\n<p>Noch nachdenklicher klingt es, wenn P. sich fragt: \u00bbWarum kaufe ich blo\u00df immer wieder ein?\u00ab Dass Konsum in der Konsumgesellschaft eine lebensnotwendige Praxis ist, die individuelle Selbstverwirklichung und soziales Miteinander erst m\u00f6glich macht, wei\u00df auch P. Zwar tr\u00e4umt er von dem Tag, an dem er alles besitzen w\u00fcrde, jedoch f\u00fcrchtet er diesen Tag, weil es dann nichts mehr zu kaufen g\u00e4be (S. 90, Fn. 28). Eine \u00e4hnlich ambivalente Einstellung aus bewundernden, ironischen und entlarvenden Blicken auf den Konsum zeigt sich in P.\u2019s Beschreibungen neuester Marketingstrategien, die sich in markanten Brandingkonzepten sowie in ausgekl\u00fcgelten Sound- und Duftdesigns von Konsumg\u00fctern oder aber auch in der Verkaufsraumarchitektur ausdr\u00fccken. So bemerkt P., dass die troph\u00e4enartige Pr\u00e4sentation der Fische an der Frischfischtheke, die zus\u00e4tzlich von Meeresrauschen und M\u00f6wengeschrei begleitet wird, zwar eine \u00bbromantische Vorstellung vom Fischfang\u00ab evoziere, aber auch \u00fcber die \u00bbmit Medikamenten verseuchten Fischfarmen\u00ab hinweg t\u00e4uschen solle (S. 41).<\/p>\n<p>Sei es die Pr\u00e4sentation und Vermarktung der G\u00fcter oder die Bandbreite des Interieurs\u00a0 \u2013 zusammenfassend l\u00e4sst sich feststellen, dass P.\u2019s Auseinandersetzung mit dem Supermarkt ambivalente und widerspr\u00fcchliche Sichtweisen verhandelt. Der Supermarkt ist ein Ort der Reflexion, der sowohl die pers\u00f6nlichen Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche spiegelt als auch gesellschaftliche und kulturelle Zusammenh\u00e4nge abbildet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">4. Waren\u00e4sthetik<\/p>\n<p>Bei den Waren in Wagners Roman handelt es sich sowohl um nat\u00fcrlich bzw. handwerklich gefertigte als auch um industriell gefertigte Produkte, die sich ihrerseits in Lebensmittel, Alltagsprodukte und Lifestyleprodukte unterscheiden lassen. Dass der Buchtitel den Apfel herausstellt, hat sicherlich etwas mit der symbolischen Bedeutung des Apfels als paradiesisches Objekt der Begierde zu tun; bereits im Paratext macht sich das \u00fcbergeordnete Programm \u2013 n\u00e4mlich die Konsumbegierde \u2013 geltend. Im Laufe des Romans wird der Apfel aber unter verschiedenen Gesichtspunkten diskutiert. Waren sind im Roman ambivalente und sogar widerspr\u00fcchliche Dinge, die eine Vielzahl semiotischer Eigenschaften einschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Dass es sich bei dem Gut Apfel schon lange nicht mehr um eine urspr\u00fcngliche Gabe der Natur handelt, wird gleich zu Beginn des Romans deutlich, als P. bei der Suche im Obstregal immer die am wenigsten k\u00fcnstlich erscheinenden \u00c4pfel w\u00e4hlt. Die Hoffnung aber, ein solcher Apfel sei nat\u00fcrlicher gewachsen als die anderen, wird von P. selbst gar nicht geteilt. N\u00fcchtern stellt er fest, dass es heute keine Z\u00fcchter, sondern Produktdesigner sind, die gerade die vollkommene K\u00fcnstlichkeit der Apfeloberfl\u00e4che zugunsten einer nat\u00fcrlichen K\u00fcnstlichkeit ersetzen, um den Eindruck zu erwecken, der Apfel sei gerade erst von einer \u00bbnaturbelassenen Streuobstwiese gepfl\u00fcckt worden\u00ab (S. 8). In dieser inszenierten L\u00e4ndlichkeit und der bewussten Ausstellung eines Makels verbergen sich Klassiker der \u00e4sthetischen Gestaltungstheorie: Das Prinzip der \u203aPatina\u2039 und das aus Japan stammende Sch\u00f6nheitskonzept des \u203aWabi-Sabi\u2039, welches Alt und Neu sowie das Vollkommene und Gebrochene zu einem \u00e4sthetisch Ganzen verbindet.<a title=\"\" href=\"#_edn35\"><sup><sup>[35]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>P. greift schlie\u00dflich zu \u00c4pfeln, die ihre \u00bbPerfektion nicht tarnen\u00ab (S. 8), und stellt beim Wiegen des Obstes fest, dass seine vier \u00c4pfel zusammen exakt 1000 Gramm wiegen, was ihn unweigerlich daran erinnert, dass selbst aus einem nat\u00fcrlichen Gut ein serielles Massenprodukt geworden ist, dessen Form und Gewicht passgenau justiert werden kann (S. 10). Es scheint so, als ob P. lieber zu diesen perfekten \u00c4pfeln greift, um sich selbst zu beweisen, dass er den Marketingtrick der \u203ak\u00fcnstlichen Nat\u00fcrlichkeit\u2039 der Warenoberfl\u00e4che durchschaut hat. Trotzdem entspricht der Apfel in solch einer k\u00fcnstlich konstruierten Nat\u00fcrlichkeit tats\u00e4chlich mehr P.\u2019s Verbraucherwunsch als die oben beschriebene \u00bbApfelelite\u00ab oder etwa der \u00bbgiftgr\u00fcne Modeapfel vergangener Jahrzehnte\u00ab, die ihm beide eher wie die \u00bbIdee eines Apfels\u00ab vorkommen (S. 29). P. bevorzugt weniger die Aura eines solchen \u00bbKulturapfels\u00ab als die eines \u203aNaturapfels\u2039, der ihn an das halbverschrumpelte Obst auf den Regalbrettern seiner Gro\u00dfmutter oder an die kleinen verwurmten \u00c4pfel aus dem Garten erinnert\u00a0 (S. 21, 78f.).<\/p>\n<p>Die Szene ist nicht nur wegen der ambivalenten Blickpunkte interessant, sondern auch weil der Apfel in diesen Textpassagen als Objekt diskutiert wird, das eine Aussage \u00fcber einen bestimmten Zeitgeschmack zul\u00e4sst. War es w\u00e4hrend der 1990er Jahre der hochstilisierte, allseits gr\u00fcne \u203aArchitektenapfel\u2039, so ist es nach der Jahrtausendwende ein patinierter Apfel, der den Eindruck von idyllischer L\u00e4ndlichkeit evozieren soll (S. 75). P. nimmt an, dass die Formen, derer sich eine Kultur zu einer bestimmten Zeit bediene, immer im Einklang mit ihrem geistigen Klima st\u00fcnden (S. 115). Der gegenw\u00e4rtige Trend, Waren einen authentischen Charakter zu verleihen, setzte zwar bereits in den 1980er Jahren ein, doch scheint es so, als ob gerade im digitalen Zeitalter, in dem Materialit\u00e4t ewig konservierbar scheint, ein Nostalgie-Bed\u00fcrfnis nach G\u00fctern vorherrscht, die den Konsumenten eine Aura von Handwerklichkeit, Tradition und Authentizit\u00e4t erfahren lassen.<a title=\"\" href=\"#_edn36\"><sup><sup>[36]<\/sup><\/sup><\/a> Durch eine mit Makel versehene oder auf Nat\u00fcrlichkeit getrimmte Oberfl\u00e4che der Ware oder des Verpackungsdesigns werden G\u00fcter in der Masse seriell gefertigter Produkte \u203asingularisiert\u2039 und gleichsam individualisiert, so dass sie \u00fcber die Erinnerung an \u203aalte Zeiten\u2039 eine emotionale Teilnahme beim Konsumenten erzeugen. \u00c4hnlich ergeht es P.:<\/p>\n<p>\u00bbManchmal passiert es, da\u00df ich Mitleid mit \u00fcberkommenen oder veralteten Produkten habe, Mitleid, das eigentlich unangebracht ist, weil ich ja gar nicht sicher sein kann, ob hinter einer betont hinterw\u00e4ldlerisch, selbstgebastelt oder dilettantisch wirkenden Verpackung nicht ein raffinierter Marketingtrick steht. Manche Produkte sehen aus, als stammten sie von einem Kirchen- oder Wohlt\u00e4tigkeitsbasar, was sie zwischen all den massiv beworbenen Superprodukten authentisch und sympathisch wirken l\u00e4\u00dft \u2013 so wie das Joghurt, auf dem einfach nur \u203aJoghurt\u2039 steht, oder die Pl\u00e4tzchen, die angeblich von Nonnen im letzten Kloster ihres Ordens nach uraltem Rezept gebacken und mit handgeschriebenen Etiketten beklebt worden sind.\u00ab (S. 95, Fn. 30)<\/p>\n<p>Anders als beim Apfel jedoch entsteht der Singularisierungs-Effekt als authentisches und traditionsreiches Produkt bei diesen Waren prim\u00e4r durch ein stilisiertes Verpackungsdesign. Trotzdem liegt genau in solchen Merkmalen ein \u00e4sthetischer Mehrwert und eine Portr\u00e4tfunktion, die, wie P. feststellt, dabei helfe, den \u00bbGeisteszustand unserer Kultur auch an Flaschen- und Dosenformen\u00ab (S. 115) von Produkten ablesen zu k\u00f6nnen. Dass ein Verpackungsdesign, das meist in Begleitung eines entsprechenden Markenimages in Erscheinung tritt, einen R\u00fcckschluss auf die kulturelle Identit\u00e4t einer bestimmten Zeit erlaubt, ist keine neue Erkenntnis. Sp\u00e4testens seit Alois Riegls 1901 ver\u00f6ffentlichtem Aufsatz \u00fcber die sp\u00e4tr\u00f6mische Kunst-Industrie gelten Alltags- und Kunstgegenst\u00e4nde als Ausdrucksformen einer spezifischen Denkkultur.<a title=\"\" href=\"#_edn37\"><sup><sup>[37]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">4.1 Rhetorik der Ware<\/p>\n<p>Wie in der Einleitung bereits festgestellt, fungieren \u203aWaren\u2039 als Zeichen, in die ein breites Spektrum an semiotischen Chiffren eingeschrieben ist. Dass Waren neben ihrer Verweisfunktion als Zeichen auch Fiktionspotenzial haben, soll an dieser Stelle noch einmal hervorgehoben werden. Ferner wird davon ausgegangen, dass Waren einem Fetischisierungsprozess unterliegen, der einer Systemlogik folgt, die vergleichbar der von hochkulturellen Ph\u00e4nomenen ist. So wie ein Kunstwerk durch eine individuelle und kollektive Rezeptions\u00e4sthetik ikonisiert wird, k\u00f6nnen Objekte der Warenwelt einen entsprechenden Fetischcharakter erfahren.<a title=\"\" href=\"#_edn38\"><sup><sup>[38]<\/sup><\/sup><\/a> Dieser Prozess wird in der Dingtheorie als \u203ade-commoditization\u2039<a title=\"\" href=\"#_edn39\"><sup><sup>[39]<\/sup><\/sup><\/a> bezeichnet, was man als \u00bbErl\u00f6sung der Dinge von ihrem Warencharakter\u00ab \u00fcbersetzen kann.<a title=\"\" href=\"#_edn40\"><sup><sup>[40]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Von solch einer Funktionstransformation, bei der es zu einer Verschr\u00e4nkung von Produktdesign und bildender Kunst kommt, berichtet P., w\u00e4hrend er die Regale der Drogerieabteilung abf\u00e4hrt. Beim Anblick der Artikel erinnert er sich an eine Klob\u00fcrste aus Venedig, deren Design mit ihrem \u00bbsehr langen, sanft schwanenhalsgeschwungenen und versilberten Griff\u00ab so aufwendig gestaltet war, dass die B\u00fcrste selbst zu einem Kunstobjekt wurde (S. 94f.). In diesem Fall wird die Ware zu einem hoch\u00e4sthetisierten Gebrauchsobjekt, das durch seine extreme Gestaltungsform seinen eigentlichen Gebrauchszweck auf selbstreflexive und fiktionale Merkmalen verlagert. Doch muss es nicht einmal eine \u00fcberspitzte oder manierierte Warenform sein, die einen Imaginationsprozess evoziert. Im Kontext der \u203aDingtheorie\u2039 betont Dorothee Kimmich, dass Dinge ergo Waren aufgrund ihrer Komponenten Materialit\u00e4t, Form und Funktion f\u00fcr Affekt- und Symbolaufladungen besonders empf\u00e4nglich und bedeutsam seien. Sie stellen ein \u00fcberaus kompliziertes und nicht immer deutbares Zeichensystem dar.<a title=\"\" href=\"#_edn41\"><sup><sup>[41]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>In ihrer sichtbaren Erscheinung aus Oberfl\u00e4che, Materialit\u00e4t und Form sind Waren auch durch ein hohes Ma\u00df an visuellen und bildhaften Qualit\u00e4ten gekennzeichnet. Die Rhetorik von Waren basiert als Zeichen mehr auf bildlicher Kommunikation und weniger auf sprach-logischen Aussagen, die eindeutigere Bedeutungszuweisungen erm\u00f6glichen. Ihr Aussagecharakter ist bedeutungsoffener und ergibt sich oftmals erst in einem bestimmten Kontext. Gerade weil Waren als ikonografische Zeichen einen gr\u00f6\u00dferen Raum an Imagination einfordern, k\u00f6nnen diese als fiktional bezeichnet werden. Wie ein Bild fungieren Waren als Projektionsfl\u00e4che, bei der die Fantasien und Tr\u00e4ume des individuellen Konsumenten die Bedeutungsoffenheit kontextbezogen erg\u00e4nzen. Umkehrt st\u00e4rkt und erweitert das Warenzeichen die Individualisierung von Konsumenten. Auch Eva Illouz verkn\u00fcpft die Rezeption von Waren\u00e4sthetik mit ausgepr\u00e4gter Imaginationsleistung und kreativem Potenzial, die eine emotionale Anteilnahme beim Konsumenten evozierten, was wiederum identit\u00e4tsbildende Prozesse beg\u00fcnstige.<a title=\"\" href=\"#_edn42\"><sup><sup>[42]<\/sup><\/sup><\/a> Imagination st\u00fctzt und verl\u00e4sst sich, ihrer Meinung nach, auf Wahrnehmungen, Gef\u00fchle und Emotionen, um etwas Absentes pr\u00e4sent zu machen.<a title=\"\" href=\"#_edn43\"><sup><sup>[43]<\/sup><\/sup><\/a> Ferner stellt sie fest, dass es sich bei der Konsumentenimagination um einen bestimmten Fall von \u203afiktionaler Imagination\u2039 und um \u203afiktionale Emotion\u2039 handele.<a title=\"\" href=\"#_edn44\"><sup><sup>[44]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Genau dies soll im Folgenden an Wagners Text gezeigt werden: Dass Waren als Zeichen fungieren, die beim Konsumenten Absentes evozieren k\u00f6nnen \u2013 und dass Imagination in Bezug auf Waren sowohl retrospektiv und vision\u00e4r operiert, das hei\u00dft vergangenheits- und zukunftgerichtetes Denken ausl\u00f6sen kann. Um dies zu belegen, wird zun\u00e4chst herausgearbeitet, welche Waren und Konsumpraktiken bei P. Erinnerungen evozieren. Daraufhin wird die Art dieser Erinnerungen bestimmt (ob es sich f\u00fcr P. um positiv, negativ oder wertneutral besetzte Erinnerungen handelt), um nachzuweisen, in welcher Weise sie zur Ausbildung und Versicherung seiner Identit\u00e4t beitragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a04.2 Waren und Erinnerung<\/p>\n<p>Dass Erinnerungen eine zentrale Rolle in P.\u2019s Schilderungen des Supermarkt spielen, zeigt sich an zahlreichen Textpassagen, in denen P. aus einer nostalgischen und romantischen Perspektive in die Vergangenheit blickt. Sei es der Gedanke an die Kindheit, der durch \u00bbFischst\u00e4bchen\u00ab und \u00bbSchuhcreme\u00ab, oder die Erinnerung an die Zweisamkeit mit L., die durch \u00bbStrumpfhosen\u00ab oder \u00bbZahnpasta\u00ab erweckt wird,\u00ad es sind stets Waren, die P. in einen sehns\u00fcchtigen Zustand versetzen. Sie erm\u00f6glichen ihm ein regelrechtes Nostalgieerlebnis, das auch die Erfahrung von Authentizit\u00e4t und Identit\u00e4t mit einschlie\u00dft, weil Erinnerungen ihm immer auch der Selbstvergewisserung der eigenen Biografie dienen. Wobei hier zu beachten ist, dass es sich durchaus um Konstruktionen einer idealisierten, stilisierten Vergangenheit handeln kann. In diesem Sinne kann z.B. die Passage gelesen werden, in der P., w\u00e4hrend er sich zwischen \u00bbWeingummis\u00ab und \u00bbLakritzschnecken\u00ab in der S\u00fc\u00dfigkeitenabteilung befindet, von seiner Kindheitserinnerung an den kleinen Lebensmittelladen aus der Nachbarschaft spricht. Schwelgend erinnert sich P., dass ihn der freundliche Verk\u00e4ufer Weidmann stets mit patroullierender Geste empfing, sobald er den Laden betrat, und mit seiner Etikettierpistole, die aussah wie eine Weltraumwaffe, Preisschilder auf die Arme klebte (S. 144). Eva Illouz beschreibt solche Imaginationsvorg\u00e4nge als Hervorbringung einer authentischen wie und nostalgischen Bedeutung einer Vergangenheit.<a title=\"\" href=\"#_edn45\"><sup><sup>[45]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Neben diesen Imaginationsleistungen macht P. deutlich, dass Erinnerung selbst als eine Ware betrachtet werden kann, die konsumierbar ist, auch wenn sie gar nicht erlebt wurde: \u00bbIch w\u00fcrde mir gerne mehr Erinnerungen kaufen, gern auch Erlebnisse, an die ich mich dann erinnern k\u00f6nnte, ohne sie je gehabt zu haben\u00ab (S. 61). Ihm schweben nicht Alltagsprodukte vor Augen, die Gedanken an besondere Begebenheiten ausl\u00f6sen, sondern Erinnerungen in Reinform. Noch deutlicher wird dieser Sachverhalt, wenn P. \u00e4u\u00dfert: \u00bbW\u00e4re doch sch\u00f6n [&#8230;], wenn ich jetzt an einen Stand k\u00e4me, an dem es Fr\u00fcherger\u00fcche und Urlaubsd\u00fcfte zu kaufe g\u00e4be, Sommertag in der Provence, Sylter Salzluft, Bergwiese im Voralpenland, Gro\u00dfmuttermief, Mittelstufenklassenzimmer nach dem Sportunterricht, Kartoffelkellermuff, Babyduft und erster Freund \/ erste Freundin mit Pubert\u00e4tsaroma.\u00ab (S. 85)<\/p>\n<p>Bei diesem Bed\u00fcrfnis wird erkennbar, dass eine absente Erinnerung, die nicht unbedingt dem eigenen Erleben entstammt und nicht mit der eigentlichen Biografie verwachsen sein muss, dazu dienen soll, die eigene Vergangenheit zugunsten einer anderen zu rekonstruieren, wenn auch nur f\u00fcr einen Augenblick. Es handelt sich um eine Ware, die k\u00fcnstliche Vergangenheiten erfahrbar macht. Das Absente, das in die Gegenwart geholt wird, erscheint als Erinnerung an eine Vergangenheit, dabei handelt es sich g\u00e4nzlich um eine Illusion. Dass dieses Spiel mit der eigenen Biografie und Identit\u00e4t f\u00fcr P. eine reizvolle Vorstellung ist, dr\u00fcckt sich nicht nur im \u203aUmbau\u2039 der Vergangenheit, sondern gerade in der Neupositionierung der Zukunft aus.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">4.3 Waren und Zukunft<\/p>\n<p>Waren enthalten nicht nur die M\u00f6glichkeit, die Vergangenheit wiederzubeleben und nach eigenen Pr\u00e4ferenzen umzuordnen, sondern im gleichen Ma\u00dfe die Chance, die Zukunft der jeweiligen Konsumenten zu beeinflussen. Dies geschieht ebenfalls \u00fcber eine Imaginationsleistung, die den K\u00e4ufer glauben l\u00e4sst, der Konsum einer Ware gestalte seine Identit\u00e4t um oder f\u00fchre sogar zur Ausbildung neuer Identit\u00e4tsmerkmale. Dieses vision\u00e4re oder zukunftsgerichtete Imaginationspotenzial von Waren hebt auch P. hervor, wenn er von der fiktionalen Wirkungsmacht eines \u00bbSpringseils\u00ab oder \u00bbEis-Crushers\u00ab spricht, durch die er von einem g\u00e4nzlich anderem Leben tr\u00e4umen kann.<\/p>\n<p>P. ist durchaus bereit, sein Leben neu zu ordnen: \u00bbDie Illusion, vielleicht doch noch ein anderes Leben f\u00fchren zu k\u00f6nnen, hege ich also immer noch.\u00ab (S. 91) Die Frage, ob so eine Rundumerneuerung des Lebens durch Waren m\u00f6glich ist, wirft P. explizit auf: \u00bbVor einiger Zeit habe ich hier [im Supermarkt] einen elektrischen Eis-Crusher gesehen und mich sofort, reflexhaft, gefragt, ob sich mein Leben durch den Kauf eines solchen Ger\u00e4tes nicht v\u00f6llig \u00e4ndern m\u00fc\u00dfte. Bis kurz davor hatte ich zwar nicht gewusst, da\u00df mir ein Eis-Crusher fehlte, schon aber sah ich L. und mich mit Mojitos in der Hand auf dem Deck einer Yacht, sah uns unter Palmen, sah uns auf einer riesigen Dachterasse und auch an einem Strand, der neue Eis-Crusher wie ein Talisman des sch\u00f6nen Lebens immer mit auf dem Bild.\u00ab (S. 88)<\/p>\n<p>Die Beschreibung des Tagtraums, der durch den Konsum eines ausgefallenen K\u00fcchenger\u00e4ts erzeugt wird, erinnert in seiner Bildlichkeit an eine schillernde Plakatwerbung, wie man sie zum Beispiel bei einem modischen Rumcocktail-Produkt erwarten w\u00fcrde. Dass es bei dieser Beschreibung zu einer Verschr\u00e4nkung von situativer Imagination und stilisierter Werbe\u00e4sthetik kommt, \u00e4ndert jedoch nichts an dem hohen Fiktionswert, den der Eis-Crusher f\u00fcr P. besitzt. Obwohl P. bislang nicht einen Mangel an diesem Ger\u00e4t versp\u00fcrt hat, spendet ihm bereits der Anblick und die M\u00f6glichkeit des Konsums eine eindrucksvolle Illusion eines \u203asch\u00f6nen Lebens\u2039 zwischen Exotik, Jugend und Luxus.<\/p>\n<p>Diese \u00bbAngebote zur Lebensverbesserung\u00ab (S. 91), wie sie P. bezeichnet, m\u00fcssen nicht zwangsl\u00e4ufig eine nachhaltig identit\u00e4tsstiftende Funktion erf\u00fcllen, sondern k\u00f6nnen als Projektionsobjekte, \u00e4hnlich einer Fernsehsendung oder einem Popsong, einen momentanen Lebensstil kultivieren oder hilfreich dabei sein, um einen angestrebten Lebenszustand zu erreichen. In diesem Sinne erkl\u00e4rt P.: \u00bb[I]ch freue mich \u00fcber die Energie und Zuversicht, die so unverhohlen aus diesen Produkten sprechen. Sie machen mich glauben, f\u00fcr kurze Zeit jedenfalls, alles w\u00fcrde immer besser\u00ab (S. 91f.). Diese positive Kraft, wie sie P. beschreibt, regt die Imagination von Konsumenten an und kann in regelrecht euphorische Tagtr\u00e4ume \u00fcbergehen. So ein Erlebnis schildert P. bei der Begegnung mit einem weiterem Lifestyle Produkt \u2013 einem digitalen Springseil \u2013, das ihn zu einer lebhaften Fantasie anregt:<\/p>\n<p>\u00bbNoch bevor ich es [das Springseil] durch die transparente Blisterverpackung n\u00e4her gemustert hatte, sah ich mich schon in professioneller Sportbekleidung, die ich gar nicht besitze, verschwitzt im Keller eines Hauses, das ich gar nicht kenne, im \u00dcbungsraum trainieren, sah mich in einem engen T-Shirt, unter dem sich meine Bauchmuskeln wie Heizrippen abzeichneten, mit muskul\u00f6sen Oberschenkeln und Waden, wie ich sie gar nicht habe, hinauf in einen hellen Wohnbereich kommen, sah mich, mir selbst nur ganz entfernt \u00e4hnlich, in einem v\u00f6llig anderen Leben und h\u00f6rte mich zu einer mir unbekannten blonden Frau, die in einer offenen, amerikanischen K\u00fcche stand, Hallo Liebling sagen. Diese meine Gattin, die nichts, aber auch gar nichts mit L. gemeinsam hatte und mich auch Liebling nannte, fragte dann, ob ich nicht einen Teller Gazpacho essen wolle. Ja, sagte ich in dieser Phantasie, und schon im n\u00e4chsten Augenblick sah ich uns beide halbnackt auf der K\u00fcchenarbeitsfl\u00e4che liegen, erstaunt, da\u00df ich weder wu\u00dfte, wann wir geheiratet hatten, noch woher wir uns kannten und in welchem Jahr wir in dieses Haus gezogen waren. Viel schlimmer, ich wu\u00dfte nicht einmal, welches der beiden Autos mir geh\u00f6rte, die ich, w\u00e4hrend wir da auf der Arbeitsfl\u00e4che lagen, durch das K\u00fcchenfenster in der Einfahrt stehen sah. \u00dcberhaupt keine Erinnerung mehr zu haben geh\u00f6rte zu dieser Phantasie, in der ich meiner viel zu laut st\u00f6hnenden Frau, deren Namen ich ebenfalls nicht wu\u00dfte, die Jogginghose nicht einmal ganz herunterzog, auch sie war ja gerade erst vom Sport zur\u00fcck, sie sagte noch: Pa\u00df auf, es die Kaschmirtrainingshose, ich aber achtete nur darauf, ob sie, diese gutaussehende, nach frischgepre\u00dftem Apfelsaft riechende Frau, kurz vor ihrem Orgasmus nicht vielleicht meinen Namen wisperte oder schrie, ich h\u00e4tte doch gern gewu\u00dft, wie ich hei\u00dfe und wer ich eigentlich bin.\u00ab (S. 54f.)<\/p>\n<p>Die von P. geschilderte Fantasie gleicht in ihrer bildlichen Narration einer Art Kopfkino. \u00c4hnlich einer hochstilisierten amerikanischen Lifestyle-Fernsehsendung entwickelt P. eine eindringliche Bild\u00e4sthetik, die durch magazinhaften Hochglanz gekennzeichnet ist. Die erz\u00e4hlerische Lebendigkeit des fiktiven Erlebnisses ist \u00fcberaus hoch, so dass die Darstellung sehr realistisch und glaubhaft wirkt. Diese Imaginationsleistung von P. bringt eine eigenst\u00e4ndige (wenn auch klischeehafte) Bild\u00e4sthetik hervor, womit P.\u2019s Rolle als Erz\u00e4hler an dieser Stelle um die Funktion eines Produktdesigners erweitert wird. Indem P. seine Imagination zu einem Produkt in dieser Art darlegt, reproduziert er nicht nur seine subjektive Assoziation, sondern produziert gleichzeitig eine g\u00e4nzlich neue Lesbarkeit, die in ihrer fiktionalen und narrativen Suggestion zu einem Image- oder Werbekonzept wird, wie es ein Markenmanager sich w\u00fcnschen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Laut Wolfgang Ullrich muss der Fiktionsraum eines Produktdesigns so angelegt sein, dass die Ware, \u00bb\u00e4hnlich wie der Text im Buch, einen inneren Film in Gang setzt, dem Konsumenten ein ihm sympathisches Rollenangebot macht oder ihm dazu verhilft, sich und seine Situation intensiver und interessanter zu erleben.\u00ab<a title=\"\" href=\"#_edn46\"><sup><sup>[46]<\/sup><\/sup><\/a> Diese Forderung nach Narration kann die im Text verhandelte Ware bei P. erf\u00fcllen. Seine Assoziationen zum \u203aSpringseil\u2039 sind von narrativer Qualit\u00e4t. Zudem er\u00f6ffnet das \u203aSpringseil\u2039 einen Fiktionsraum, der reizvolle \u203aRollenangebote\u2039 macht, so dass die M\u00f6glichkeit entsteht, die eigene Identit\u00e4t zu idealisieren. In diesen imaginierten Transformationsmomenten liegt ein grenz\u00fcberschreitendes Potenzial. Denn durch die lebhaften und emotionsgeladenen Assoziationen werden fantastische R\u00e4ume geschaffen, die oftmals in kontr\u00e4rem Verh\u00e4ltnis zur Realit\u00e4t stehen: Die imaginierte Pers\u00f6nlichkeitserweiterung wird zu einer liminalen Erfahrung. Dem estnischen Literaturwissenschaftler Juri Lotman folgend, liegt genau in solchen \u00dcberschreitungen r\u00e4umlich-topologischer wie semantischer Gegens\u00e4tze eine narrative und poetologische Qualit\u00e4t.<a title=\"\" href=\"#_edn47\"><sup><sup>[47]<\/sup><\/sup><\/a> In diesem Sinne kann man sich P.\u2019s Springseil-Begegnung als ein vielseitig \u00e4sthetisches Erlebnis einordnen, das durch einen hohen Grad an medialer Selbstreflexivit\u00e4t markiert ist, bei dem Text- und Warenproduktion verschr\u00e4nkt werden. Der Text wird selbst zum Produzenten eines Warenimages, das sich durch literarische und poetologische Qualit\u00e4ten wie Fiktion, Narration und Ereignishaftigkeit auszeichnet. Entsprechend wird der Leser nicht nur zum Rezipienten eines Textes, sondern gleichzeitig zum Konsumenten eines Warenimages.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">4.4 Waren und Liebe<\/p>\n<p>Neben dem psychologischen und \u00e4sthetischen Mehrwert, den Waren spenden k\u00f6nnen, erf\u00fcllen sie zudem eine soziale Funktion. Konsumobjekte und -erfahrungen k\u00f6nnen als Knotenpunkte verstanden werden, an denen die unterschiedlichsten Beziehungen zwischen dem Ich und anderen Menschen zusammenlaufen. Soziale Beziehungen schlie\u00dfen eine andauernde emotionale Auseinandersetzung mit ein, damit diese aufrecht erhalten bleiben. Eva Illouz bemerkt hierzu, dass soziale Beziehungen durch Waren zum Teil mit organisiert und ausgehandelt w\u00fcrden. Ferner legt sie nahe, dass Waren und Emotionen gerade deshalb miteinander verflochten seien. Es seien Emotionen, die eine zentrale Rolle dabei spielten, dass Konsumobjekte aus dem Kreislauf des Warentauschs heraustreten und eine pers\u00f6nliche Bedeutung in einem Netzwerk sozialer Beziehungen annehmen k\u00f6nnen.<a title=\"\" href=\"#_edn48\"><sup><sup>[48]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Waren und Konsum tragen aber nicht nur zur Ich-Ausbildung bei. Durch die Entscheidung f\u00fcr ein bestimmtes Gut werden \u203aIch\u2039-konstituierende Signale gesetzt, die von Mitmenschen gelesen und entsprechend bewertet werden.<a title=\"\" href=\"#_edn49\"><sup><sup>[49]<\/sup><\/sup><\/a> Vor diesem Hintergrund erscheint ein von P. geschildertes Szenario als \u00fcberzeugendes Gedankenspiel: Zwei Einkaufswagen im Supermarkt sto\u00dfen gegeneinander, in denen genau die gleichen Lebensmittel liegen wie im jeweils anderen. Die vollkommene \u00dcbereinstimmung der Warenauswahl gilt f\u00fcr P. als Indiz f\u00fcr den perfekten Partner (S. 13).<\/p>\n<p>Am Ende seines Supermarktaufenthaltes fragt er sich, ob er die Kassiererin \u00bbnicht mit einer Auswahl besonders ausgefallener Produkte beeindrucken\u00ab und sogar mit einer \u00bbau\u00dfergew\u00f6hnlichen, magischen Zusammenstellung von Lebensmitteln dazu bringen [k\u00f6nnte], aufzustehen, alles liegen zu lassen und mit [ihm] durch die Schiebet\u00fcr zu verschwinden?\u00ab (S. 151) Eine Komposition von Waren wird zum Sinnbild einer ganzen Pers\u00f6nlichkeit, die bei einer idealen Zusammenstellung eine absolute Rhetorik erh\u00e4lt, so dass seelenverwandte Konsumenten zu einander finden k\u00f6nnen. Auch wenn diese Art der Partnerfindung zun\u00e4chst romantisiert erscheint, hat sie eine historische Grundlage im neuzeitlichen Hochzeitsportr\u00e4t, bei dem symbolisch aufgeladene Gegenst\u00e4nde in Tafelbildern verwendet wurden, um den sozialen Status sowie pers\u00f6nliche Charaktereigenschaften und famili\u00e4re Traditionen sinnbildlich zu vermitteln.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass P. den perfekten Partner auf diesem Weg nicht finden kann, wirkt mit Blick auf eine andere Textstelle, in der der perfekte Partner als Ware im Supermarkt angepriesen wird, besonders spannungsreich. In dieser Passage berichtet P. von Glasregalen mit der Aufschrift \u00bbM\u00c4NNER\/FRAUEN IM ANGEBOT\u00ab, hinter denen der \u203aideale Partner\u2039 zum Kauf lagert. Die Waren-Partner erf\u00fcllen jeden Kundenwunsch, seien es k\u00f6rperliche oder geistige Eigenschaften; die M\u00f6glichkeit besteht, den erinnerungslosen Kreaturen ein gemeinsames Vorleben mit romantischen Urlaubs- oder Hochzeitserinnerungen aufzuspielen (S. 35ff.).<\/p>\n<p>Ob ein solcher Zustand erstrebenswert ist, bei dem die romantische Partnersuche zugunsten von perfekt zugeschnittenen Lebensgef\u00e4hrten in Form von Waren ersetzt wird, wird von P. nicht explizit verneint. Er bemerkt lediglich n\u00fcchtern: \u00bbEtwas in mir glaubt noch immer, da\u00df sich mit einer zweiten gro\u00dfen Liebe alles l\u00f6sen und dann f\u00fcgen k\u00f6nnte. Leider kann ich diese gro\u00dfe Liebe hier im Supermarkt nicht kaufen [&#8230;]\u00ab (S. 129). Zweifellos k\u00f6nnen Waren jenen Mangel an Liebe und Zweisamkeit, den P. erf\u00e4hrt, nicht ersetzen. Vielmehr soll der Warenkonsum, wie Eva Illouz sagt, zur Kultivierung von sozialen Beziehungen einen Beitrag leisten. Der Romantext suggeriert zwar durch seine h\u00e4ufigen Reminiszenzen an die vergangene Liebesbeziehung, dass P., w\u00e4hrend er durch die Wareng\u00e4nge l\u00e4uft, vielleicht doch noch auf L. treffen k\u00f6nnte. Am Ende jedoch verl\u00e4sst er den Supermarkt, ohne ihr in natura begegnet zu sein. P. findet keine Ware, die ihm L. zur\u00fcckbringt. Ein \u203aHappy End\u2039, bei dem Waren Liebe stiften k\u00f6nnen, gibt es bei David Wagner nicht.<\/p>\n<p>&#8211; Weitere Texte von Robert Grunenberg finden Sie auf seiner <a title=\"Website Robert Grunenberg\" href=\"http:\/\/artwow.wordpress.com\/tag\/robert-grunenberg\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Website<\/a><\/p>\n<div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Vgl. Daniel Miller: \u00bbMaterial Culture and Mass Consumption\u00ab, Oxford 1987. Ders. (Hg.): \u00bbMaterial Cultures\u00ab. Chicago 1998. Vgl. auch Jules D. Prown, \u203aMaterial\/Culture\u2039. In: David W. Kingery (Hg.), \u00bbLearning from Things. Method and Theory of Material Culture Studies\u00ab, Washington 1996. Vgl. auch Arjun Appandurai, \u00bbThe Social Life of Things: Commodities in Cultural Perspective\u00ab, Cambridge 1986.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> Vgl. Dorothee Kimmich, \u00bbWaren im Exil: \u203aDas Papiermundst\u00fcck\u2039 von Siegfried Kracauer und einige Bemerkungen zu Indizien der \u00c4hnlichkeit\u2039\u00ab. In: Heinz Dr\u00fcgh, Christian Metz und Bj\u00f6rn Weyand (Hg.), \u00bbWaren\u00e4sthetik. Neue Perspektiven auf Konsum, Kultur und Kunst\u00ab, Frankfurt\/M. 2011, S. 212-213.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> Vgl. Wolfgang Fritz Haug, \u00bbKritik der Waren\u00e4sthetik\u00ab, Frankfurt\/M. 1971, S. 28; 48.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">[4]<\/a> Vgl. Heinz Dr\u00fcgh, \u203aEinleitung Waren\u00e4sthetik. Neue Perspektiven auf Konsum, Kultur und Kunst\u2039. In: Ders. (Hg.), \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, Frankfurt\/M. 2011, S. 10.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">[5]<\/a> Vgl. Ebenda.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\">[6]<\/a> Vgl. Eva Illouz, \u203aEmotionen, Imagination und Konsum: Eine neue Forschungsaufgabe\u2039, In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg.), \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 48.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Vgl. Peter Jehles vergleichende Besprechung von Haugs und Dr\u00fcghs B\u00e4nden zur Waren\u00e4sthetik. In: Wolfgang Fritz Haug (Hg.): \u00bbDas Argument\u00ab, Nr. 292, 2011, S. 446-449.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Vgl. Heinz Dr\u00fcgh, \u203aEinleitung Waren\u00e4sthetik. Neue Perspektiven auf Konsum, Kultur und Kunst\u2039. In: Ders. (Hg.), \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, Frankfurt\/M. 2011, S. 15.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> Vgl. Ebenda, S. 15.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Vgl. Arjun Appadurai: \u00bbThe Social Life of Things. Commodities in Cultural Perspective\u00ab, Cambridge 1986, S. 5.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> McCracken bemerkt zum Forschungsbereich der Material Culture: \u00bbThe field of material culture has established a detailed understanding of the symbolic properties that adhere to objects of human manufacture. It has surveyed the range, the depth, and the many communicative uses of these properties, and we are now in possession of a thorough record of how material culture makes culture material\u00ab. In: Grant McCracken: \u00bbCulture and Consumption\u00ab, Bloomington 1988, S. 31.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> Aus einer poststrukturalistischen Perspektive wird argumentiert, dass Objekte aber nicht nur kulturell produziert werden, sondern dass Individuen durch die Objekte selbst erst konstruiert werden. So definiert Christopher Tilley \u203aMaterial Culture\u2039 als geteilte Konstruktion von Bedeutung: \u00bb[&#8230;] although material culture may be produced by individuals, it is always a social production [&#8230;]. In regarding material culture as socially produced, an emphasis is being placed on the construction of human meaning as a product of shared systems of signification. The individual does not so much construct material culture or language, but is rather constructed through them.\u00ab Vgl. Christopher Tilley: \u203aInterpreting Material Culture\u2039. In: Ian Hodder (Hg): \u00bbThe Meaning of Things: Material Culture and Symbolic Expression\u00ab, Hammersmith 1989, S 188-93, hier S. 189.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> Vgl. Roland Barthes: \u00bbDie Sprache der Mode\u00ab, Frankfurt\/M. 1985, S. 261.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> Vgl. Max Hollein: \u00bbShopping. Kunst und Konsum im 20. Jahrhundert\u00ab, Ostfildern 2002, S. 13.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref15\">[15]<\/a> Vgl. Eva Illouz: \u203aEmotionen, Imagination und Konsum: Eine neue Forschungsaufgabe\u2039. In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 50.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref16\">[16]<\/a> Vgl. Ebenda, S. 50. Vgl. auch Raymond Williams\u2019 erg\u00e4nzende Bemerkung, dass die Kultur der Werbung Konsumg\u00fctern zus\u00e4tzliche kulturelle Bedeutung, G\u00fcltigkeit und Aura des Geistes verleihen w\u00fcrde. Vgl. Ders.: \u00bbCommunications\u00ab, Harmondsworth 1980.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref17\">[17]<\/a> Vgl. Eva Illouz: \u203aEmotionen, Imagination und Konsum: Eine neue Forschungsaufgabe\u2039. In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 50.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref18\">[18]<\/a> Vgl. Max Hollein: \u00bbShopping. Kunst und Konsum im 20. Jahrhundert\u00ab, Ostfildern 2002, S. 13.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref19\">[19]<\/a> Vgl. Mary Douglas and Baron Isherwood: \u00bbThe World of Goods: Towards an Anthropology of Consumption\u00ab, London 1996, S. 43-45.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref20\">[20]<\/a> Vgl. Heinz Dr\u00fcgh: \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 27.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref21\">[21]<\/a> Wolfgang Ullrich: \u203aUnter der Dusche\u2039. In: \u00bbMerkur\u00ab 2008, S. 512-517.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref22\">[22]<\/a> Vgl. Colin Campbell: \u00bbThe Romantic Ethic and The Spirit of Modern Consumerism\u00ab, Oxford 1987.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref23\">[23]<\/a>\u00a0 Colin Campbell: \u203aI shop therefore I know what I am: The Metaphysical Basis of Modern Consumerism\u2039. In: Karin M. Ekstr\u00f6m und Helene Brembeck (Hg.): \u00bbElusive Consumption\u00ab, Oxford 2004, S. 27-44, hier S. 40 ff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref24\">[24]<\/a> Laut Eva Illouz lassen sich in der Forschung zahlreiche Belege daf\u00fcr finden, dass die Werbung eine zentrale Rolle dabei spielt, Gebrauchsg\u00fctern eine Bedeutung und Symbole zuzuweisen, indem sie unzusammenh\u00e4ngende Signifikate und Signifikanten miteinander verbindet und diese Verbindungen unabl\u00e4ssig wieder aufbricht und neu kombiniert. Vgl. Eva Illouz: \u203aEmotionen, Imagination und Konsum: Eine neue Forschungsaufgabe\u2039. In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 56. \u2013 Der Begriff \u203aCue-Management\u2039 bezeichnet ein Experten-Team aus\u00a0 u.a. Akustikern, Psychologen und Neurobiologen zur Herstellung von Markenprodukten. \u2013 Walter Benjamin hat vor langer Zeit schon darauf hingewiesen, dass die Werbung Traumwelten erschaffen w\u00fcrde, die dem modernen Individuum eine Vielzahl von Identit\u00e4ten, Surrogaterfahrungen und Emotionen anbietet. Vgl. Walter Benjamin: \u00bbIlluminationen\u00ab, Frankfurt\/M. 1977.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref25\">[25]<\/a> Vgl. Wolfgang Ullrich: \u00bbHabenwollen. Wie funktioniert die Konsumkultur?\u00ab, Frankfurt \/M. 2006, Vgl. S. 30.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref26\">[26]<\/a> Vgl. Ebenda, S. 45.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref27\">[27]<\/a> Birger Priddat: \u203aMoral als Kontext von G\u00fctern. Choice and Semantics\u2039. In: Peter Koslowski und Birger Priddat (Hgg.): \u00bbEthik des Kosums\u00ab, M\u00fcnchen 2006, S. 9-22, hier S. 11.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref28\">[28]<\/a> Vgl. Wolfgang Ullrich: \u00bbHabenwollen\u00ab, S. 30.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref29\">[29] <\/a>Vgl. Peter Jehles bereits erw\u00e4hnte Besprechung, S. 447.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref30\">[30]<\/a> Vgl. Heinz Dr\u00fcgh: \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 15.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref31\">[31]<\/a> Vgl. Gerhard Schulze: \u00bbDie Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart\u00ab, Frankfurt\/M. 1992, S. 427.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref32\">[32]<\/a> Anmerkung: Die Darstellung von Handlungsabl\u00e4ufen ist durch eine ambivalente Mischung aus Dehnungen und Raffungen gekennzeichnet. Manche Vorg\u00e4nge und Objekte werden von P. ausf\u00fchrlich dargelegt und erl\u00e4utert, \u00e4hnlich einer Packungsbeilage, andere werden massiv gestaucht, wie z.B. beim Zeitvergleich mit der \u203aMenschheitsgeschichte\u2039 auf S. 154.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref33\">[33]<\/a> Die Abk\u00fcrzung L. wird vom Erz\u00e4hler eingef\u00fchrt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref34\">[34]<\/a> Vgl. Hans Peter Hahn: \u203aKonsumlogik und Eigensinn der Dinge\u2039. In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg.): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 102. Vgl. auch Constance Classen und David Howes: \u203aThe Museum as Senscape: Western Sensibilities and Indigenious Artifacts\u2039. In: Elizabeth Edwards, Chris Gosden, Ruth B. Phillips (Hg.): \u00bbSensible Objects: Colonialism, Museums, and Material Culture\u00ab, London 2006, S. 199-222.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref35\">[35]<\/a> Vgl. u.a. Leonard Koren: \u00bbWabi-Sabi f\u00fcr K\u00fcnstler, Architekten und Designer. Japans Philosophie der Bescheidenheit\u00ab, T\u00fcbingen 2000.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref36\">[36]<\/a> Vgl. Volker Fischer: \u00bbNostalgie: Geschichte und Kultur als Tr\u00f6delmarkt\u00ab, Luzern 1980.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref37\">[37]<\/a> Vgl. Alois Riegl: \u00bbDie sp\u00e4tr\u00f6mische Kunst-Industrie nach den Funden in \u00d6sterreich-Ungarn dargestellt\u00ab, Wien 1901.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref38\">[38]<\/a> Vgl. Hartmut B\u00f6hme: \u00bbFetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne\u00ab, Hamburg 2006.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref39\">[39]<\/a> Vgl. Igor Kopytoff: \u203aThe Cultural Biography of Things: Commoditization as process\u2039. In: Arjun Appadurai (Hg.): \u00bbThe Social Life of Things\u00ab, Cambridge 1986, S. 73-77.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref40\">[40]<\/a> Vgl. Heinz Dr\u00fcgh: \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 25.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref41\">[41]<\/a> Vgl. Dorothee Kimmich, \u203aWaren im Exil\u2039. In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg.): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 216.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref42\">[42]<\/a> Vgl. Eva Illouz: \u203aEmotionen, Imagination und Konsum: Eine neue Forschungsaufgabe\u2039. In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 79.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref43\">[43]<\/a> Vgl. Ebenda, S. 78.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref44\">[44]<\/a> Vgl. Ebenda, S. 79.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref45\">[45]<\/a> Vgl. Eva Illouz: \u203aEmotionen, Imagination und Konsum: Eine neue Forschungsaufgabe\u2039. In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 75.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref46\">[46]<\/a> Wolfgang Ullrich: \u203aPhilosophen haben die Welt immer nur verschieden interpretiert \u2013 ver\u00e4ndern Produktdesigner sie auch?\u2039 In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg.): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 118.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref47\">[47]<\/a> Vgl. Jurij Lotman: \u203aK\u00fcnstlerischer Raum, Sujet und Figur\u2039. In: J\u00f6rg D\u00fcnne und Stephan G\u00fcnzel (Hg.): \u00bbRaumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaft\u00ab, Frankfurt 2006.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref48\">[48]<\/a> Vgl. Eva Illouz: \u203aEmotionen, Imagination und Konsum: Eine neue Forschungsaufgabe\u2039. In: Heinz Dr\u00fcgh (Hg): \u00bbWaren\u00e4sthetik\u00ab, S. 62-63.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref49\">[49]<\/a> Vgl. Zygmunt Bauman: \u00bbFreedom\u00ab, Minneapolis 1988, S. 63.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u203aFiktionswert\u2039<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[511,1309,1315,1327,1816,2011,2462,2501,2589],"class_list":["post-1029","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-david-wagner","tag-kritik","tag-kultur","tag-kulturwissenschaft","tag-pop","tag-robert-grunenberg","tag-vier-apfel","tag-warenasthetik","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1029"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1029\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}