{"id":1086,"date":"2012-12-21T19:13:18","date_gmt":"2012-12-21T17:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1086"},"modified":"2012-12-21T19:13:18","modified_gmt":"2012-12-21T17:13:18","slug":"sophistication-als-asthetische-strategie-im-popdiskurs-rezension-zu-nadja-geer-sophistication-zwischen-denkstil-und-posevon-andre-menke21-12-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2012\/12\/21\/sophistication-als-asthetische-strategie-im-popdiskurs-rezension-zu-nadja-geer-sophistication-zwischen-denkstil-und-posevon-andre-menke21-12-2012\/","title":{"rendered":"Sophistication als \u00e4sthetische Strategie im Popdiskurs Rezension zu Nadja Geer, \u00bbSophistication. Zwischen Denkstil und Pose\u00abvon Andr\u00e9 Menke21.12.2012"},"content":{"rendered":"<div>\n<p>Distinktion im Quadrat<!--more --><\/p>\n<p>Seit L\u00e4ngerem schon kann ein gewisses Unbehagen gegen\u00fcber bestimmten Schreib- und Denkformen des Popdiskurses festgestellt werden. Dieses Unbehagen resultiert aus der widerstreitenden Wahrnehmung, dass Pop einerseits der Gedanke eines Angriffs auf den traditionellen Bildungskanon zugrunde liegt und deshalb auf den ersten Blick einer dehierarchisierenden, emanzipatorischen Geste verpflichtet scheint, sich jedoch andererseits im gleichen Moment nicht weniger exklusive Grenzziehungen auch dort etablieren, wo die programmatische Aufhebung dieser Grenzen suggeriert wurde.Das gefl\u00fcgelte Wort von \u203across the border, close the gap\u2039, das seit nunmehr \u00fcber vier Jahrzehnten durch Pop- und Postmodernediskussionen schwirrt, wird angesichts dieser gegenl\u00e4ufigen Tendenzen fraglich: Keineswegs kann davon die Rede sein, dass der intellektuelle Popdiskurs notwendigerweise eine solche Wirkung aus\u00fcbt, so sehr auch das noch zur Mythen- und Rezeptionsgeschichte dieses Diskurses geh\u00f6rt.<\/p>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<div>\n<p>Die im Sommer 2012 erschienene Dissertation von Nadja Geer r\u00e4umt nun mit diesen Vorstellungen auf und gibt dem Unbehagen einen klingenden Namen: \u203aSophistication\u2039. Geer, Journalistin, Literaturwissenschaftlerin und Mitherausgeberin der Zeitschrift \u00bbPop. Kultur und Kritik\u00ab, \u00fcbernimmt den Begriff der \u203asophistication\u2039 von dem amerikanischen Literaturwissenschaftler Joseph Litvak, der ihn 1997 zur Kennzeichnung einer Haltung des \u00bbunending, invidious, high-stakes game of middle-class self positioning and selfpromotion\u00ab einf\u00fchrte.<a title=\"\" href=\"#_edn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p>Litvaks Ansatz \u00fcbertr\u00e4gt Geer in seinen wesentlichen Z\u00fcgen auf den deutschen Popdiskurs und fasst unter der Bezeichnung \u203asophistication\u2039 die \u00bbVerfeinerung des Geschmacks und der Kritik [\u2026], die in den 1980er-Jahren in einer neuartigen Popmusikkultur sichtbar wurde\u00ab (S. 10) und in deren Folge sich ein \u00bbneuer Denkstil\u00ab (ebd.) herausbildete. Orientierungsgr\u00f6\u00dfe dieses Denkstils ist nicht l\u00e4nger ein ausschlie\u00dflich bildungsb\u00fcrgerlicher Kanon, sondern ebenso sehr die popul\u00e4re Kultur. Signifikant sei dabei jedoch f\u00fcr den deutschsprachigen Raum, wie die Autorin einleitend zu bedenken gibt, dass sich \u2013 anders als in den USA und Gro\u00dfbritannien \u2013 der \u00bbDiskurs \u00fcber Pop nie v\u00f6llig [verselbstst\u00e4ndigte], sondern [\u2026] an den hochkulturellen und kulturkritischen Diskurs gekoppelt [blieb]. Der Konnex kam nicht \u00fcber die Inhalte zustande, die verhandelt wurden, sondern \u00fcber die Form, in der \u00fcber die Inhalte gesprochen und geschrieben wurde.\u00ab (S. 11)<\/p>\n<p>Analog zu Bourdieus \u00dcberlegungen zur \u00bbF\u00e4higkeit des richtigen Sehens\u00ab (ebd.) im Rahmen der b\u00fcrgerlichen Kunstbetrachtung lasse sich feststellen, dass die Popintelligenz einen \u00bbalternativen Bildungskanon\u00ab (ebd.) etabliert, dem seinerseits bestimmte Zugangsvoraussetzungen wie \u00bbbildungsorientiertes Spezialwissen\u00ab (S. 14) zugrunde liegen. Die damit ins Bild gesetzte Exklusivit\u00e4t des Popdiskurses und die zur Erreichung und Aufrechterhaltung dieser Exklusivit\u00e4t eingesetzten Verfahren und Strategien sind es, denen das Hauptinteresse von Geers Arbeit gilt und die sie anhand werkbiografischer Studien zu Rainald Goetz, Max Goldt, Thomas Meinecke, Christian Kracht und Diedrich Diederichsen herausarbeitet.<\/p>\n<p>Geers starke These ist, dass \u203asophistication\u2039 eine \u00bb\u00e4sthetische Taktik [ist], die von ihrem Wesen her undemokratisch ist, da sie nicht kommunizieren, sondern sich prim\u00e4r darstellen will\u00ab (S. 16). Im Zentrum von Geers Studie stehen dementsprechend nicht die Artefakte der Popkultur, sondern die \u00bbPopkommunikation\u00ab (S. 25) selbst als eine \u00bb\u00e4sthetische Strategie im Kontext eines Diskurses\u00ab (S. 30), als dessen signifikantestes performatives Merkmal Geer den Stil der \u203asophistication\u2039 bestimmt.<\/p>\n<p>In methodischer Hinsicht gibt Geer an, in einer Kombination der litvakschen und bourdieuschen Ans\u00e4tze ihrem Problem aus einem \u00bbsoziologischen und aus einem psychosexuellen Blickwinkel\u00ab (S. 15) nachgehen zu wollen. Letzterer Perspektive liegt die Pr\u00e4misse zugrunde, dass \u00bbdie Darstellung des sch\u00f6nen Geistes als lustbesetzt angesehen wird\u00ab (ebd.), womit im Anschluss an Litvak der \u00bbGedanke eines inneren Zusammenhangs zwischen Gender, Sexualit\u00e4t, Schreibstil und Geschmack\u00ab (ebd.) etabliert wird. Eine weitere Dimension von Geers Analyse bildet au\u00dferdem der Begriff des Performativen bzw. der Performanz, \u00fcber den \u203asophistication\u2039 als \u00bbinszeniertes Wissen\u00ab (S. 30) abermals an eine Machtebene anzudocken trachte: \u00bbRhetorisch, autopoetisch und anti-teleologisch ausgerichtet, f\u00fchrt die \u203aSophistication\u2039 den intellektuellen Selbstentwurf Pop auf\u00ab (ebd.), lautet die von Geer deutlich ge\u00e4u\u03b2erte Einsch\u00e4tzung zu den Mitteln, mit denen die Vertreter der \u203asophistication\u2039 \u00bbDiskursmacht\u00ab (ebd.) anstrebten.<\/p>\n<p>Die Problemlage, die Geer auf diese Weise einleitend darstellt, wirkt nachvollziehbar und verst\u00e4ndlich, und auch die theoretischen Elemente, die sie zur Bearbeitung dieser Problemlage versammelt, wirken stimmig. Dennoch kann bei Lekt\u00fcre der ersten drei\u00dfig Seiten mitunter etwas Verwirrung aufkommen, ger\u00e4t doch die Einf\u00fchrung unterschiedlicher Begriffe, Einfl\u00fcsse und Blickwinkel, die den Komplex \u203asophistication\u2039 erhellen sollen, etwas verstreut. \u203aSophistication\u2039 erscheint bei Geer zwar als eine hochinteressante, aber auch recht disparate Ansammlung unterschiedlicher Momente.<a title=\"\" href=\"#_edn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> Gerade die \u00dcbernahme des \u203asophistication\u2039-Begriffs von Litvak h\u00e4tte hier \u2013 wenn der Begriff denn als Fachterminus gebraucht wird \u2013 noch einmal eine eingehendere Diskussion und Kontextuierung verdient (wenngleich seine Leistungsf\u00e4higkeit bei der Anwendung auf den deutschen Popdiskurs au\u00dfer Frage steht).<\/p>\n<p>Angesichts des ansonsten sehr klaren Aufbaus der Arbeit \u2013 grundlegende Begriffe, Konzepte und Thesen werden in einem einleitenden Kapitel bzw. in \u00fcberleitenden Exkursen und Pr\u00e4zisierungen funktionsgeschichtlich vorstellt, ehe die dort etablierten Konzepte schlie\u00dflich in st\u00e4rker textanalytisch orientierten Kapiteln auf die Untersuchung von literarischen Habitus \u00fcbertragen werden \u2013 h\u00e4tte man sich als Leser zum Ende des einleitenden Theoriekapitels noch einmal eine konzentrierte Aufstellung gew\u00fcnscht, die genau benennt, was unter \u203asophistication\u2039 verstanden wird und welche Einflussgr\u00f6\u00dfen als relevant betrachtet werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">1. \u00c4ltere Kultiviertheit und neuere Pop-Strategien<\/p>\n<p>Deutlicher erscheint die historische Linie, die Geer zieht und die das Buch grob in zwei gro\u00dfe Abschnitte unterteilt. Ehe Geer n\u00e4mlich ausf\u00fchrlicher auf die konkreten Formen der \u203asophistication\u2039 selbst zu sprechen kommt, stellt sie in einem R\u00fcckgriff das Konzept der \u00bbKultiviertheit\u00ab als einen historischen Vorl\u00e4ufer der \u203asophistication\u2039 vor. Das Konzept der Kultiviertheit erfasst Geer ma\u00dfgeblich als eine Reaktion auf die Verunsicherungen der Moderne und der sich daraus ableitenden \u00bbKulturkrise\u00ab, die die Ausbildung eines speziellen Typus des b\u00fcrgerlichen Individuums, des \u203akultivierten\u2039 (und zumeist konservativen) Menschen, beg\u00fcnstigte. Zum Selbstverst\u00e4ndnis der \u203aKultivierten\u2039 geh\u00f6rte dabei das Sich-Absondern von der Masse ebenso wie der Gedanke einer Sch\u00f6nheit der geschlossenen Form, die den kultivierten Menschen wiederum von denjenigen abhebe, die zu dieser Form der Verfeinerung nicht f\u00e4hig scheinen.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese sich in verschiedener Weise Ausdruck verschaffende Haltung der Kultiviertheit werden von Geer exemplarisch die Autoren Rudolf Borchardt (1877-1945), Friedrich Reck-Malleczewen (1884-1945) und Friedrich Sieburg (1893-1964) herangezogen. \u00c4hnlich wie diese \u2013 hier sieht Geer den \u00fcbergreifenden Verbindungspunkt in den Haltungen \u2013 seien auch die neueren Popautoren in \u00bbAbwehrschlachten\u00ab gegen (historisch variabel bestimmbare) \u00bbBarbaren\u00ab (S. 46) begriffen, nur h\u00e4tte sich im Falle der heutigen \u203asophistication\u2039-Anh\u00e4nger die Ausgangslage noch einmal verkompliziert: Ihre Abgrenzungsspiele richteten sich gem\u00e4\u03b2 der zu Anfang vorgestellten Positionierungsabw\u00e4gungen sowohl gegen den \u00bbKulturbegriff des B\u00fcrgertums\u00ab als auch gegen die \u00bbVulgarit\u00e4t der Popkultur\u00ab (S. 17).<\/p>\n<p>Ein solches \u00bbVabanquespiel\u00ab (ebd.) erfordert entsprechend angepasste Mittel. Zu den h\u00e4ufig wiederkehrenden Techniken jener \u00bbSemiotik der Distinktion\u00ab (S. 16, 17, 132) als literarischer Seite der \u203asophistication\u2039 lassen sich in diesem Sinne nicht nur eine \u00bbReferenzinflation\u00ab (S. 20) bei gezielter Nicht-Nennung der Quellen und eine sich dar\u00fcber etablierende Insiderkommunikation z\u00e4hlen, wie Geer einleitend treffend an einer Musikkritik Diedrich Diederichsens demonstriert, sondern auch das rhetorische Mittel der \u203adesophistication\u2039, durch das das Wissen der gegnerischen Partei desavouiert werden soll.<\/p>\n<p>Die im Einklang mit Litvak ge\u00e4u\u00dferte Feststellung, dass es sich bei der \u203asophistication\u2039 um eine \u00bbau\u00dfengesteuerte[ ] Haltung\u00ab handelt, die sich \u00bbletztendlich nur im Verh\u00e4ltnis zu etwas definieren l\u00e4sst\u00ab (S. 24), kann in diesem Sinne auch eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr das k\u00e4mpferische Vokabular geben, das im Kontext der vorgestellten Debatten immer wieder aufscheint, arbeitet Geer doch deutlich heraus, wie sehr der \u00bbjunge Popdiskurs [\u2026] sich von Feinden umzingelt\u00ab und deshalb gezwungen sah, sich \u00bbbest\u00e4ndig neu [zu] positionieren\u00ab (S. 138).<\/p>\n<p>An prominenter Stelle st\u00f6\u00dft man in den Debatten im Umfeld der 1980er Jahre auf den Begriff der \u00bbStrategie\u00ab, der, als flexible \u00bbKommunikationsstrategie\u00ab (S. 27) gewendet, wesentlich zur Verkomplizierung des in Frage stehenden Diskurses beitrug \u2013 eine Verkomplizierung, die sich mit jedem Anziehen der \u00bbSophistikationsschraube\u00ab (ein Ausdruck von Rainald Goetz) fortsetzte. Die Identifikation der sich so herausbildenden \u00bbGegengegenkultur\u00ab<a title=\"\" href=\"#_edn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> und ihres Denkstils \u00bbjenseits von orthodoxer Protest- und Mainstreamkultur\u00ab (Dirk Frank) ist zwar mittlerweile kein Novum mehr, als neu darf allerdings die Deutlichkeit gelten, mit der Geer die so vorgestellten Haltungen der \u00bbPop-Intellektuellen\u00ab<a title=\"\" href=\"#_edn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> nun erstmals ausf\u00fchrlich unter einem gemeinsamen Begriff in den Blick nimmt und auf ihre jeweilige Funktion und Performanz in den literarischen Manifestationen hin befragt \u2013 als mehr oder minder direkte Transformation der \u00bbKulturtechnik des Posing von der Tanzfl\u00e4che in die Magazine und B\u00fccher\u00ab:<\/p>\n<p>\u00bbSophistication\u2039 ist auch im Text relational, genau wie als \u00e4sthetische Taktik der Selbstinszenierung. Bildung, Haltung, Geschmack, Luxus, Idiosynkrasie, Unproduktivit\u00e4t, das Theatralische, das Abwerten der anderen bei gleichzeitigem Aufwerten der eigenen Position: All das k\u00f6nnen nicht nur Strategien der Selbstpositionierung im allt\u00e4glichen Pop sein, sondern auch literarische Strategien.\u00ab (S. 141)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">2. Thomas Meinecke<\/p>\n<p>Die Illustration dieser Thesen an einzelnen Beispielen gelingt Geer in den anschlie\u00dfenden Analysekapiteln auf beeindruckende Weise. Hier zeigt sich schlie\u00dflich genauer, welche Elemente die \u203asophistication\u2039 als \u00bb(literarisches) Programm\u00ab bzw. als \u00bbText\u00ab (vgl. S. 131ff. bzw. 141ff.) konstituieren und wie die untersuchten Autoren ihre jeweilige Form von \u203asophistication\u2039 ausbilden, weisen doch die f\u00fcnf herangezogenen Autoren durchaus Unterschiede in ihren Verfeinerungs- und Abgrenzungstechniken auf.<\/p>\n<p>So deutet Geer den bei Thomas Meinecke zentralen Begriff der Lekt\u00fcre vorrangig als eine \u00bbBeobachtung der Beobachtung\u00ab (S. 163), in deren Verl\u00e4ngerung die f\u00fcr die \u00bbPop-Persona\u00ab Meinecke zentrale Frage laute: \u00bbWie darf ich sein, wenn die Anderen so sind?\u00ab (S. 164) Das schon erw\u00e4hnte Mittel der \u203adesophistication\u2039 spiele bei Meinecke eine herausgehobene Rolle, indem er deutlich markiere, dass nicht mitreden kann, wer nicht \u00fcber das entsprechende Wissen verf\u00fcgt. Sehr konkret wird Geer schlie\u00dflich, wenn es um einzelne rhetorische Strategien geht, mit denen der Autor seine eigene Position herstellt. Dazu z\u00e4hle etwa die \u00dcbernahme von Begriffen aus anderen Theorien und ihre Anwendung auf Pop-Ph\u00e4nomene, um eigentliche Trivialit\u00e4ten mit einer besonderen \u00bbSexyness\u00ab auszustatten (vgl. S. 170), ebenso wie die \u00bb(sprachliche) Pose\u00ab, der Hang zum \u00bbSloganismus\u00ab (ebd.) und \u00bbmetonymisches Denken\u00ab als das \u00bbVerkn\u00fcpfen von weit auseinanderliegenden Lebens- und Theoriebereichen\u00ab (S. 177).<\/p>\n<p>Einen Unterschied sieht Geer allerdings zwischen Meineckes \u00bbstrategischen und narzisstischen Kommentare[n] zu Pop\u00ab (S. 173) und seinen Romanen, die f\u00fcr sie stellenweise durchaus \u00bbgesellschaftskritisch\u00ab (ebd.) gelesen werden k\u00f6nnen, so etwa im Hinblick auf Meineckes Engf\u00fchrung des Subversionsgedankens der Pop-Theorie mit dem der Queer-Theory (als Unterwanderung einer \u00bbnormativen Sexualit\u00e4t und stabiler Identit\u00e4tskonzepte\u00ab hier wie als \u00bbUnterwanderung eines hegemonialen Kunst- und Kulturbegriffs\u00ab dort, vgl. S. 174). Gleichzeitig aber lasse Meinecke auch hier nicht von der Selbstpositionierung qua Wissensvorsprung, worin Geer noch einmal eine bedeutende Parallele zu fr\u00fcheren Formen der Distinktion und eine Best\u00e4tigung ihrer Grundthese sieht:<\/p>\n<p>\u00bbDie \u203asophistication\u2039 hebt die Bildungsschranke nicht auf, sie verschiebt sie nur [\u2026]. Die \u203aKennerschaft\u2039, einstmals Zeichen eines b\u00fcrgerlichen Wissensvorsprungs, ist auch f\u00fcr die \u203asophistication\u2039 vonn\u00f6ten. Da die \u203asophistication\u2039 umfangreiches Spezialwissen voraussetzt, arbeitet sie genauso gegen eine offene Gesellschaft an wie die traditionellere Kultiviertheit. \u203aSophistication\u2039 tritt mit einem avantgardistischen Gestus die T\u00fcren des Bildungsb\u00fcrgertums ein, verteidigt dabei aber mit gro\u00dfer Raffinesse und sehr undemokratisch die eigene \u203aharte T\u00fcr\u2039.\u00ab (S. 174f.)<\/p>\n<p>Die \u00bbharte T\u00fcr\u00ab des Pop, von der Meinecke an anderer Stelle spricht, bliebe also auch und gerade dort bestehen, wo die Agenda scheinbar eine andere ist. Diese Lesart muss gewiss nicht erzwungen werden, zugleich setzt sie sich aber deutlich ab gegen eine verbreitete Rezeptionsweise, die gerade das subversive, identit\u00e4ts- und gesellschaftskritische Moment bei Meinecke betont. F\u00fcr eine gewisse Irritation, so mag bereits an dieser Stelle angedeutet sein, sorgen allerdings Geers beharrliche Hinweise auf die \u00bboffene Gesellschaft\u00ab und den undemokratischen Charakter der \u203asophistication\u2039 \u2013 so sehr man ihr intuitiv zustimmen will, vermisst man als Leser doch die Hinf\u00fchrung auf diese Kategorie und eine Pr\u00e4zisierung dessen, was denn im Gegensatz dazu \u203ademokratischere\u2039 Schreibformen w\u00e4ren, so denn dieser Kontrast stets bem\u00fcht wird.<a title=\"\" href=\"#_edn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Auf diesen Einwand wird sp\u00e4ter zur\u00fcckzukommen sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3. Max Goldt<\/p>\n<p>\u00a0Nicht weniger, wenngleich auf andere Weise distinguiert erscheint Geer die Prosa Max Goldts, dessen \u203asophistication\u2039 aus einer \u00bbpseudo-naiven Weltwahrnehmung und einem unverwechselbar leichten und verhaltenen Sprachstil\u00ab (S. 179) resultiere. Auch seine Texte seien gekennzeichnet durch eine \u00bbraffinierte Intertextualit\u00e4t\u00ab, allerdings komme bei ihm eine \u00bbluxuri\u00f6se, \u00fcberpointierte Selbstbez\u00fcglichkeit\u00ab (ebd.) ins Spiel. So gelinge es Goldt auf einmalig \u203asophisticatete\u2039 Weise, \u00bbsich einerseits \u00fcber popkulturelle Bildung zu mokieren und sich gleichzeitig selbst darin zu positionieren\u00ab (S. 182), unter anderem wiederum durch die demonstrierte F\u00e4higkeit, \u00bballes in einen popmusikalischen Kontext stellen zu k\u00f6nnen, so er denn will\u00ab (ebd.) \u2013 selbst wenn er inhaltlich im selben Atemzug dagegen wettert. Auch die Zusammenf\u00fchrung unterschiedlicher Wissensgebiete wird bei Goldt ausf\u00fchrlich praktiziert, und auch hier gelte: \u00bbJe abstruser dann die Montage [\u2026] in der Literatur ausf\u00e4llt, umso dezidierter \u203asophisticated\u2039 ist diese.\u00ab (S. 184)<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie bei Meinecke gesteht Geer auch hier zu, dass \u00bbPopliteraten, die \u203asophisticated\u2039 sind, [\u2026] gesellschaftskritisch [agieren] und zwar auf mehreren Ebenen: Einerseits durch ihre Kon- und Paratexte, anderseits durch die Art, wie sie ihr heterogenes Wissen platzieren. Die Gesellschaftskritik ist es, die den Humus f\u00fcr die \u203asophistication\u2039 und den Witz bildet. \u00dcber das Einbringen eines neuen, alternativen Wissens soll der hegemoniale Bildungsb\u00fcrgerdiskurs subvertiert und kritisiert werden.\u00ab (S. 185f.) Was Goldt dabei allerdings als zus\u00e4tzliche Ebene in seine Form der \u203asophistication\u2039 einflicht und was ihn letztlich von Autoren wie Rainald Goetz oder Thomas Meinecke unterscheide, sei das Bewusstsein um und die gleichzeitige Kritik an der \u00bbundemokratischen Struktur des Popdiskurses\u00ab (S. 186). Dadurch aber, und auch durch den von Goldt vertretenen Blickwinkel der Homosexualit\u00e4t und einer \u203aqueeren sophistication\u2039, vollziehe sich die Konstitution des Autorensubjekts Goldt im Text selbst: \u00bbSexualit\u00e4t und Stil kommen in der Pose zusammen.\u00ab (S. 190)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">4. Christian Kracht<\/p>\n<p>Noch einmal verschieden davon stellt Geer die Text- und Inszenierungsstrategien von Christian Kracht dar, der sich in besonderer Weise fasziniert zeige von \u00bbTechniken des Sich-Entziehens\u00ab und \u00bbSemiotiken des Uneindeutigen\u00ab (S. 199), was in der Rezeption nicht selten f\u00fcr Verwirrung sorge und Gef\u00fchle des Vorbehalts erzeuge. Diese Vorbehalte seien jedoch gleichsam Effekt markant gesetzter Verschiebungen sowohl auf Ebene der Texte als auch der Selbstdarstellung des Autors, die Kracht zu seiner Variante der \u203asophistication\u2039 ausbilde (und die Geer unter Berufung auf Moritz Ba\u00dfler am Beispiel von Krachts Herausgebert\u00e4tigkeit f\u00fcr das Magazin \u00bbDer Freund\u00ab illustriert): \u00bbInsofern Kracht [\u2026] den Vorbehalt nicht nur als Autor und Herausgeber kultiviert, sondern eigentlich immer und in jeder Form und dar\u00fcber hinaus auch mehr oder minder leichte Vorbehalte bei anderen bewirkt, k\u00f6nnte man die Behauptung aufstellen, dass es sich bei diesem \u203aHerausgeber-Camp\u2039 um eine spezifische Darstellung von \u203asophistication\u2039 handelt.\u00ab (S. 198f.)<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie Rainald Goetz arbeite zwar auch Kracht mit allerlei rhetorischen Mitteln, um verschiedene Wissensgebiete in einen Topf zu werfen \u2013 sinnf\u00e4llig bei beiden schon durch ihre \u00bbaus der Hochkultur gefischte[n]\u00ab (S. 199) \u00dcberschriften von Reportagen oder Szenen, im Falle Krachts etwa: \u00bbEt in Arcadia Ego \u2013 Ein Besuch in Djibouti 2003\u00ab \u2013, allerdings bleibe Kracht weit mehr im Uneindeutigen stehen als Goetz: \u00bbSubtile Kritik durch ein ganzes Labyrinth von Verweisen in der \u00dcberschrift und danach kein offen kritischer Satz mehr: Das ist die Form der spitzfindigen \u203asophistication\u2039, die Kracht vorf\u00fchrt\u00ab (ebd.). Die \u00bbSophistikationsschraube\u00ab kommt hier abermals zum Einsatz.<\/p>\n<p>Kracht zeige sich insgesamt stark beeinflusst von der \u00bbprovozierende[n] Haltung der Hip-Intellektuellen der 1980er Jahre\u00ab (S. 207) und der Technik des \u00bbRe-Modeling\u00ab, \u00fcber die \u00bbNicht-Identische[s] als Identisches\u00ab (ebd.) erscheine und die er auf die Inszenierung des Selbst \u00fcbertrage (und damit nicht selten den angestrebten T\u00e4uschungseffekt bei der Kritik erzielt). In den sp\u00e4teren literarischen Texten Krachts dr\u00fccke sich dieses Re-Modeling u.a. in hoch\u00e4sthetisierten Pastiches aus \u2013 am Beispiel von \u00bbIch werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten\u00ab etwa: \u00bb\u00dcbernahme einer Atmosph\u00e4re [\u2026], \u00dcbernahme eines Tons, \u00dcbernahme bestimmter W\u00f6rter, die einen literarischen Vintagelook erzeugen sollen: \u203a[D]as aufflatternde Rebhuhn h\u00e4tte ich schie\u00dfen sollen, allein, ich sah es zu sp\u00e4t\u2039\u00ab (S. 211) \u2013, so dass Geer Kracht abschlie\u00dfend \u00bbeindeutig in der subversiven Tradition des Pop und des Camp\u00ab (S. 214) verortet<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">5. Poptheorie und Demokratie<\/p>\n<p>Der Weg zur \u00e4sthetischen Haltung der jeweiligen Autoren ist zugegebenerma\u00dfen nicht immer leicht. Zeichnen sich bereits Meinecke, Goldt und Kracht durch eine je eigene Kompliziertheit aus, zeigt sich an den Kapiteln zu Rainald Goetz und Diedrich Diederichsen, die die Reihe der Textanalysen er\u00f6ffnen bzw. beschlie\u00dfen, noch einmal besonders deutlich, welcher Dechiffrierungsaufwand mitunter vonn\u00f6ten ist, den Argumentationsmustern der Genannten folgen zu k\u00f6nnen. Das mag hier tats\u00e4chlich bisweilen auch am Ton des Ausgangsmaterials liegen, den Geer im Falle Diederichsens als eine \u00bbMischung aus flamboyanter Kompliziertheit, \u203asophistication\u2039 und echtem Sophismus\u00ab (S. 217) bestimmt und in dessen Vollzug sich eine Form von sophistication etabliert, die \u00bbin ihrer Eminenz agonal\u00ab (S. 218) sei,<a title=\"\" href=\"#_edn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> so dass die Kapitel in ihrem Verst\u00e4ndlichkeitsgrad trotz aller Bem\u00fchungen der Autorin, Klarheit walten zu lassen, zuletzt etwas variieren. Auch aber mag die zunehmende Verkomplizierung der Tatsache geschuldet sein, dass Geers Diskussion gegen Ende hin stark auf das politische Moment der Poptheorie abzielt, das gerade bei Diederichsen eine wichtige Stellung einnimmt, deren Entfaltung f\u00fcr den Leser aber wiederum nicht immer leicht zu nachzuvollziehen ist.<\/p>\n<p>Ganz diesem politischen Punkt verpflichtet liest sich auch Geers zehnseitiges Fazit, in dem sie zwar noch einmal ihre wichtigsten Punkte verdichtet in Erscheinung treten l\u00e4sst, der Diskussion um die politischen Gehalte der \u203asophistication\u2039 im Anschluss an das Diederichsen-Kapitel aber klar den Vorzug gibt. So bestimmt Geer abschlie\u00dfend das \u00bbChangieren zwischen Stil und Pose\u00ab als dasjenige Merkmal, das pars pro toto stehe f\u00fcr den \u00bbZwiespalt, der die Popintellektuellen in Deutschland generell auszeichnet: \u00dcbersteigerter Individualismus \u2013 und damit ein [sic] traditionell eher dem Konservatismus zugerechnete Haltung \u2013 auf der einen Seite, linkes Denken auf der anderen\u00ab (S. 237). Die Folge sei, \u00bbdass bestimmte Denkstile [\u2026] an die Stelle politischen Handelns treten\u00ab (S. 241), was in einem \u00bbSelbstwiderspruch\u00ab resultiere, aus dessen Aporie sich \u00bbweder die konservativen Revolution\u00e4re noch die Pop-Linken der 1990er-Jahre befreien konnten\u00ab, wie Geer zusammenfasst:<\/p>\n<p>\u00bbObgleich in \u203ahohem Ma\u00df der Angriff gegen jenen Hautgo\u00fbt der alten Bildungskultur von egalit\u00e4ren, ja revolution\u00e4ren Antrieben gespeist\u2039 ist, hat die \u203asophistication\u2039 eine neue Form der popaffinen Intelligenz eingef\u00fchrt, deren Botschaft nicht das Medium, sondern der Stil ist und die jetzt, wegen dieser Grundlosigkeit des eigenen Schreibens, die allergr\u00f6\u00dften Probleme hat, sich im gesellschaftlichen Gef\u00fcge der Bundesrepublik zu verorten.\u00ab (S. 241f.)<\/p>\n<p>Jene \u203aegalit\u00e4ren, ja revolution\u00e4ren Antriebe\u2039, auf die Geer hier mit Thomas Hecken verweist,<a title=\"\" href=\"#_edn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> bilden zwar einen der Grundbausteine in der Geschichte der Popkultur, gerade deshalb jedoch sollte ihnen argumentativ mehr Raum zugestanden werden und h\u00e4tte man diesen Punkt auch vorher bereits st\u00e4rker entwickeln m\u00fcssen. Dies l\u00e4sst zugleich auch den deutlichsten Kritikpunkt hervortreten, den man gegen Geers Arbeit richten kann: Dreh- und Angelpunkt ihrer Kritik ist, dass die \u203asophistication\u2039 \u00bbkeinerlei aufkl\u00e4rerischen Ansatz\u00ab vertrete und \u00bbvom Wesen her undemokratisch\u00ab (S. 28) sei, wie Geer \u00fcber die L\u00e4nge des Buches mehrfach betont und auch in ihrem Fazit konsequent herausstellt. Nicht zuletzt aus dem Vorangegangenen ist zwar sofort begreiflich, was damit gemeint ist und kritisiert wird \u2013 die Diskrepanz zwischen der von den Texten bzw. ihren Verfassern ausgestellten Agenda der Dehierarchisierung bzw. der nach wie vor als emanzipatorisch verstandenen Subversionspolitik auf der einen Seite und ihrer letztlichen Performanz in sowohl politischer wie semiotischer Hinsicht auf der anderen Seite \u2013, allerdings wirkt der Vorwurf des \u00bbUndemokratischen\u00ab (vgl. z.B. auch S. 207) in diesem Zusammenhang in der Tat etwas in der Luft schwebend.<\/p>\n<p>Dies liegt weniger an seinem Gehalt als an der Art und Weise, wie er in den Text integriert ist, wird doch der literarische Gegenbegriff (oder m\u00f6gliche Gegenbegriffe) zur \u203asophistication\u2039 nur implizit er\u00f6rtert und treten darum die das Fazit dominierenden Gro\u00df-Begriffe in eine gewisse Unsch\u00e4rfe gegen\u00fcber den jeweils klaren Einzelargumenten. So erscheinen Geers Angriffe auf die \u203asophistication\u2039 \u2013 wie bereits angedeutet \u2013 zwar nicht \u00fcberraschend, aber doch mit einer nur sporadischen Etablierung der Position der Kritik, wie sich dementsprechend auch noch einmal in der stark die politischen Implikationen hervorhebenden Zusammenf\u00fchrung am Schluss zeigt:<\/p>\n<p>\u00bbSieht man sowohl die Kultiviertheit als auch die \u203asophistication\u2039 \u2013 sofern sie sich im \u00f6ffentlichen Raum manifestieren \u2013 als eine Form der Kulturpolitik an, dann muss man konstatieren, dass sie nicht als kulturelle Grundlagen von Integration taugen, sondern neue Bildungsmauern aufbauen, w\u00e4hrend sie die alten einrei\u00dfen.\u00ab (S. 244)<\/p>\n<p>Dass \u00bbDehierarchisierung in der Kultur [\u2026] nicht zwangsl\u00e4ufig zu einer demokratischeren Kultur [f\u00fchrt]\u00ab (ebd.) und dass Pop und \u203asophistication dementsprechend \u00bbnicht per se intellektuelle Mittel zur demokratischen Ver\u00e4nderung der Gesellschaft\u00ab (S. 245) sind, sieht Geer daher vollkommen korrekt, allein die Hinf\u00fchrung zu dieser Feststellung und zu dem in der Arbeit eingenommenen kritischen Standpunkt \u2013 den Geer in positiver Weise ganz zum Schluss zumindest indirekt dahingehend andeutet, dass man \u00bb[a]us einer traditionell aufkl\u00e4rerisch-humanistischen Perspektive betrachtet\u00ab sagen k\u00f6nne, \u00bbdass es sich bei der ontologisierten Pose um die optimale Scheinhaltung des Popdiskurses handelt\u00ab (S. 245) \u2013 h\u00e4tte zu Anfang deutlicher und ausf\u00fchrlicher ausfallen k\u00f6nnen. Implizit sind nat\u00fcrlich all diese Punkte in Geers Argumentation aufgehoben \u2013 und schlie\u00dflich auch mit entsprechenden Referenzen versehen<a title=\"\" href=\"#_edn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a> \u2013, aus Sicht des Lesers aber h\u00e4tte eine ausf\u00fchrlichere Diskussion angesichts der Zentralstellung dieser Hintergr\u00fcnde f\u00fcr die Argumentation einen Gewinn bedeutet.<\/p>\n<p>Es sind dabei nicht einmal weitergehende Spekulationen gefordert, allein einige deutlicher aufkl\u00e4rende Abschnitte w\u00fcrden das Bild erhellen, wo eine \u00bboffene Gesellschaft\u00ab gleich an mehreren Stellen den zentralen Kontrast bildet (welche Literatur w\u00e4re es etwa, die als \u203akulturelle Grundlage von Integration\u2039 eher taugt anstatt ihr entgegenzustehen? Was m\u00fcsste dann noch verworfen werden?). Klar ist, dass Geer hier die Vertreter der \u203asophistication\u2039 an ihrem eigenen Anspruch bemisst und an ihrem \u00bbimplizite[n] Politikbegriff\u00ab, der \u00bbin seiner Exklusivit\u00e4t politikuntauglich\u00ab sei (vgl. S. 242) \u2013 die Frage ist aber auch, inwieweit dieser Punkt \u00fcberhaupt f\u00fcr alle diskutierten Positionen gleich relevant ist.<\/p>\n<p>Auch wirkt es angesichts der in Frage stehenden Textgesten zwar \u00e4u\u00dferst erfrischend und direkt, wenn Geer der \u00bbagitatorischen Dampfplauderei\u00ab des fr\u00fchen Thomas Meinecke vorh\u00e4lt, dass sie \u00bbnur so lange funktioniert, bis jemand mal wirklich nachfragt, was der Unsinn denn eigentlich bedeuten soll\u00ab (S. 141), um damit einer manchmal vielleicht etwas vorschnellen Apologetik einen Riegel vorzuschieben und auf die Machart des Textes zu verweisen, allerdings verleiht die Bestimmtheit, mit der diese und \u00e4hnliche \u00c4u\u00dferungen im Text auftauchen, der Studie streckenweise einen zu kategorischen Charakter. Hier h\u00e4tte dem Eindruck nach eine etwas st\u00e4rker relativierende oder induktive Herangehensweise dem Text ein ausgewogeneres Gesicht verliehen (deutlich wird allerdings, dass Geer keine Gesamtinterpretation der behandelten Texte leisten will \u2013 daf\u00fcr w\u00e4re ihre Lesart in der Tat zu selektiv).<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite erstaunt es dann umso mehr, wenn bisweilen etwas unerwartet Umschw\u00fcnge hin zur Wertsch\u00e4tzung gesellschaftskritischer Z\u00fcge auftreten oder (im Diederichsen-Kapitel) davon die Rede ist, dass Diederichsens Denken in der Appropriation des Begriffs der Pose \u00bbwieder seine ganze \u00dcberzeugungskraft\u00ab (S. 230) entfalte. Und nicht zuletzt hat Geer vor kurzem auf dieser Website noch einmal deutlicher hervorgehoben, dass die \u203asophistication\u2039 des deutschsprachigen Popdiskurses diesem ein gewisses Alleinstellungsmerkmal verleihe und ihm dar\u00fcber auch eine nicht zu leugnende Anziehungskraft eigne \u2013 warum diese also \u00bbdesophistizieren\u00ab wollen, so Geers Frage dort.<a title=\"\" href=\"#_edn9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dies m\u00f6gen haarspalterische Details sein, die der intrikaten Janusk\u00f6pfigkeit des Konzepts \u203asophistication\u2039 bzw. den konstatierten Aporien im Zusammenhang mit seiner Anwendung ebenso geschuldet sein k\u00f6nnen wie auch schlicht und einfach Missverst\u00e4ndnissen der Lekt\u00fcre des Rezensenten, die aber eventuell in einer etwas deutlicheren Zusammenf\u00fchrung oder Unterscheidung der unterschiedlichen Momente und Potenziale von \u203asophistication\u2039 h\u00e4tten ausger\u00e4umt werden k\u00f6nnen. Hier kommt noch einmal der bereits zu Anfang erw\u00e4hnte Kritikpunkt zum Tragen: So \u00fcberzeugend und nachvollziehbar Geers Lekt\u00fcren sind, muss man die einzelnen Elemente, die \u203asophistication\u2039 schlie\u00dflich als Begriff qualifizieren sollen, doch genau herauslesen und zusammensetzen, um zu einem abschlie\u00dfenden Gesamtbild zu kommen. Hier h\u00e4tte \u2013 siehe oben \u2013 eine nochmals pr\u00e4zisierende Aufstellung und abw\u00e4gende Zusammenf\u00fchrung (anstelle der gegen Ende stark sich wiederholenden Position von der Wiedereinsetzung der Kulturhegemonie \u00fcber den Pop-Geschmack), die auch die literarischen Positionen der anderen diskutierten Autoren miteinbezogen h\u00e4tte, kl\u00e4rende Wirkung gehabt.<a title=\"\" href=\"#_edn10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">6. Fazit<\/p>\n<p>Insgesamt ist Nadja Geer mit \u00bbSophistication. Zwischen Denkstil und Pose\u00ab eine durchweg informative, gut lesbare Studie gelungen, die die mittlerweile etablierte akademische Begleitung des Popdiskurses um eine wichtige und kritische Perspektive erweitert und deren St\u00e4rke vor allem in einer \u00fcberzeugenden Ausgangsthese und in konzentriert durchgef\u00fchrten Einzelanalysen liegt, die von einem gemeinsamen Begriffsvorschlag zusammengehalten werden. Die Analysen k\u00f6nnen allesamt \u00fcberzeugen, auch und gerade in der Deutlichkeit, mit der die Texte bisweilen ihres sprachlichen Ballasts entledigt werden und mit der eine Vielzahl von Details der Haltung, die ansonsten funktionslos bleiben w\u00fcrden, in die Interpretation miteinbezogen werden.<\/p>\n<p>Gew\u00fcnscht h\u00e4tte man sich einzig und allein, manchmal etwas ausf\u00fchrlicher bei bestimmten Einzeltexten zu bleiben \u2013 so ger\u00e4t der werkbiografische Durchgang mitunter recht z\u00fcgig und weisen die Unterkapitel, die diesen Durchgang strukturieren, einen bereits deutlich auf das eingef\u00fchrte Deutungsmuster hinlenkenden Zug auf. Ein etwas induktiveres Vorgehen und eine etwas kleinschrittigere Entwicklung der Schlussfolgerungen aus dem Material heraus h\u00e4tte hier noch etwas mehr Lesegewinn bringen k\u00f6nnen. Gerade in dieser Bestimmtheit zeigt Geer sich jedoch als profunde Kennerin der Materie, die sich ihrem Material textsensitiv und auf anspruchsvolle Weise n\u00e4hert.<\/p>\n<p>Geers Nachzeichnung der Genese der \u203asophistication\u2039 aus verschiedenen \u00e4sthetischen Haltungen des 20. Jahrhunderts \u2013 von der Kultiviertheit \u00fcber den Dandyismus bis hin zu \u203acamp\u2039 und deutschem Pop \u2013 bietet noch einmal einen so gelungenen wie kurzweiligen Durchgang durch die Entstehungszusammenh\u00e4nge des deutschsprachigen Popdiskurses, dessen mitunter eloquent verschraubte Wendungen Geer in nachvollziehbarer Weise darlegt. Materialn\u00e4he und Schl\u00fcssigkeit der sich daran anschlie\u00dfenden Einzelanalysen zu den Pop-Autoren lassen dabei leicht \u00fcber die Tatsache hinwegsehen, dass in den Abschnitten zur Kultiviertheit und ihren Vertretern streckenweise ein stark narrativer Gestus eingenommen wird und die Haltungen der dort vorgestellten Autoren stark \u00fcber Kommentare aus der Sekund\u00e4rliteratur erschlossen werden. Die Idee, \u203asophistication\u2039 in eine Traditionslinie zur Kultiviertheit zu stellen, erscheint dennoch bemerkenswert, weil gerade so unvermutete Ber\u00fchrungspunkte aufscheinen.<\/p>\n<p>Diese Ann\u00e4herung h\u00e4tte abschlie\u00dfend auch noch einmal einen interessanten Vergleichspunkt aus aktueller Sicht bilden k\u00f6nnen, zumal im Abschnitt zu den \u203akultivierten\u2039 Autoren beispielsweise mit Botho Strau\u00df bereits ein prominenter zeitgen\u00f6ssischer Kommentator herangezogen wird, dessen Gestus schon einmal in die N\u00e4he eines der diskutierten \u203aPopliteraten\u2039 ger\u00fcckt wurde.<a title=\"\" href=\"#_edn11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> Wenngleich beide Parteien sich gegen eine solche Engf\u00fchrung wohl vehement verwahren w\u00fcrden (zumindest im Falle des Einen findet sich die Aversion gegen den Anderen bereits verbrieft),<a title=\"\" href=\"#_edn12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a> k\u00f6nnten hier doch weitere interessante Lekt\u00fcren warten.<\/p>\n<p>Was den engeren Bereich der modernen Pop-Autoren angeht, w\u00e4re es dar\u00fcber hinaus interessant, m\u00f6gliche weitere Formen der \u203asophistication\u2039 im Umkreis des Popdiskurses zumindest anzudeuten und zu fragen, ob es sich bei der \u203asophistication notwendigerweise um eine ja\/nein-Logik handelt. Zwar macht Geer klar, dass sie in der \u203asophistication\u2039 per se ein undemokratisches Moment sieht, doch wie schon ihre vorgelegten Analysen zeigen, variieren die jeweiligen Ausgestaltungen bei \u00e4hnlichem Grundimpetus von Autor zu Autor, womit auch unterschiedliche Abstufungen denkbar werden. Interessant und lohnenswert w\u00e4re es darum zu fragen, wie weitere Ausgestaltungen dieser Haltungen im aktuellen Umfeld des Popdiskurses aussehen und welche F\u00e4rbungen der \u203asophistication\u2039-Begriff dabei annimmt. M\u00f6glicherweise finden sich in Nachfolge der (oder parallel zu den) diskutierten, wohl bereits \u203akanonischen\u2039 Autoren des Popdiskurses Fortschreibungen, die sich \u2013 \u00e4hnlich wie das bereits auch f\u00fcr die \u203aMarke\u2039 Popliteratur als solche gelten mag \u2013 nicht mehr in der reinen Haltungs-Exerzise ergehen m\u00fcssen, sondern die sophistication in \u203amilderen\u2039 Formen in ihren Text integrieren und\/oder reflektieren.<\/p>\n<p>Ebenso k\u00f6nnte man noch einmal nach der Rolle von Frauen und weiblichen Positionen im Pop fragen. So werden im Text zwar Erz\u00e4hlungen von Karen Duve und Silvia Szymanski als Kontrast zum \u203am\u00e4nnlichen Dagegensein\u2039 herangezogen und finden entsprechende kritische Einlassungen der Journalistin Heike Bl\u00fcmner zu den \u00bbPenisfechterei[en]\u00ab (Bl\u00fcmner) im Popdiskurs ebenso Erw\u00e4hnung, allerdings finden sich kaum positiv formulierte Positionen. Diese Abwesenheit mag aber zugleich schon Kommentar genug sein zu der implizierten Diskursdominanz der Autoren, deren zus\u00e4tzliche Idiosynkrasie in Verl\u00e4ngerung dieser Dominanz ihren Teil dazu beigetragen haben mag, \u00bbdass aus Pop in Deutschland bisher keine Kultur wurde und schon gar keine popul\u00e4re\u00ab (S. 26), wie Geer schneidend in einem fr\u00fcheren Zusammenhang formuliert.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt sei die besondere Erkl\u00e4rungsleistung von Geers Band auch noch einmal aus der Perspektive des Auslandsgermanisten thematisiert, die der Autor dieser Zeilen zeitweilig einnimmt. Diese Leistung w\u00e4re dahingehend zu bestimmen, dass Geer die Hintergr\u00fcnde des deutschen Popdiskurses in einer Weise beleuchtet, die das durchaus Eigent\u00fcmliche auch in denjenigen Rezeptionszusammenh\u00e4ngen begreiflich macht, denen der deutsche Popdiskurs beinahe notwendig fremd erscheinen muss. Zumindest im skandinavischen Kontext scheint es denn auch eher die Regel als die Ausnahme zu sein, bei der Erw\u00e4hnung entsprechender Diskursbezeichnungen (oder auch -etikettierungen) immer sogleich erkl\u00e4ren zu m\u00fcssen, dass \u203aPopliteratur\u2039 in ihrem speziellen deutschen Zuschnitt nicht automatisch mit \u203apopul\u00e4rer Literatur\u2039 gleichzusetzen ist.<a title=\"\" href=\"#_edn13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a> Ob die verbreiteteren Verst\u00e4ndnisalternativen, nach denen Pop in erster Linie entweder mit (im quantitativen Sinne) \u203apopul\u00e4r\u2039 oder (qualitativ wertend) mit \u203atrivial\u2039 assoziiert wird, die besseren sind, sei dahingestellt, allerdings zeigt sich in diesem Kontrast noch einmal deutlich die Eigenheit des hier vorgestellten Diskurses.<\/p>\n<p>Noch etwas ist an Geers Besch\u00e4ftigung mit diesem Diskurs markant: W\u00e4hrend vor einigen Jahren zeitweilig der Eindruck entstehen konnte, als habe der Popdiskurs seinen Zenit \u00fcberschritten und ein gewisser \u00dcberdruss insbesondere an Bezeichnungen wie \u203aPopliteratur\u2039 sp\u00fcrbar war, kommt diese Vokabel bei Geer auf mittlerweile selbstverst\u00e4ndliche Weise vor, tritt jedoch insgesamt zur\u00fcck gegen\u00fcber einer st\u00e4rker konzeptuell ausgerichteten Bezeichnung von Pop, deren Manifestationen sich folglich nicht notwendigerweise in einem bestimmten Genre ersch\u00f6pfen, sondern als Teil eines umfassenderen (und anhaltenden) Diskurses betrachtet werden m\u00fcssen. K\u00f6nnen die Urspr\u00fcnge dieses Diskurses zwar klar in den 1980er Jahren verortet werden, sind seine Weiterf\u00fchrungen trotz bisweilen anderslautender Kommentare und wiederholter \u203aTodesanzeigen\u2039<a title=\"\" href=\"#_edn14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> jedoch l\u00e4ngst nicht darauf beschr\u00e4nkt \u2013 das zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass die jeweils aktuellsten literarischen Beispiele in Geers Text allesamt aus den letzten Jahren stammen.<\/p>\n<p>Der andernorts hervorgehobenen Archivfunktion oder der Tendenz zur lebensnahen Repr\u00e4sentation von Alltag und Popsozialisation als Charakteristika einer Popliteratur lie\u00dfe sich so Geers These zur Seite stellen, dass \u00bb[e]in Merkmal reflektierter Popliteratur in Deutschland\u00ab dann ebenso die \u00bbliterarische Repr\u00e4sentation eines alternativ erworbenen symbolischen Kapitals inklusive der dazugeh\u00f6rigen \u00e4sthetisch-politischen Haltung\u00ab (S. 144) w\u00e4re \u2013 mit anderen Worten: \u203asophistication\u2039 im Text. Diese Idee ist bei Geer nicht nur \u00fcberzeugend dargelegt, sondern es gelingt ihr auch zu zeigen, dass anhand konkreter Analysen von Haltungen und Schreibweisen dem eine Zeit lang geschm\u00e4hten Popdiskurs auch und gerade dann noch in einzelnen thematischen Studien nachgegangen werden kann, wenn sich die gr\u00f6\u00dfte Aufregung um bestimmte Reizvokabeln gelegt hat \u2013 und dass eine informierte Lekt\u00fcre Elemente des Pop-Denkens auch dort identifizieren kann, wo mancher den in Frage stehenden Autoren etwas vorschnell eine Abkehr von Pop-Denkweisen attestiert hatte.<\/p>\n<p>Geers Band, der gleichzeitig den Auftakt der neuen Reihe \u00bbWestw\u00e4rts. Studien zur Popkultur\u00ab bildet, gibt so (zusammen mit einigen anderen Publikationen der letzten Jahre) zuletzt auch noch einmal einen deutlichen Beleg f\u00fcr die Verankerung eines Forschungsfeldes und die Etablierung eines Zugriffs, der den Popdiskurs als Zweig der zeitgen\u00f6ssischen Kultur und als Analyseobjekt kritisch wahr- und ernstnimmt, ohne ihm unbedingt das Wort reden zu wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Vgl. Joseph Litvak, Strange Gourmets: Sophistication, Theory, and the Novel, Durham\/London 1997, S. 16.<\/p>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[2]<\/a> Deutlich wird dies insbesondere auch noch einmal dann, wenn \u203asophistication\u2039 im weiteren Verlauf u.a. auch als verfeinerte Sensibilit\u00e4t im Sinne von camp bestimmt wird oder Theoreme Giorgio Agambens oder sp\u00e4ter Erving Goffmans in Zusammenhang mit dem \u203asophistication\u2039-Begriff gebracht werden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[3]<\/a> Vgl. Dirk Frank, Die Nachfahren der \u00bbGegengegenkultur\u00ab. Die Geburt der \u00bbTristesse Royale\u00ab aus dem Geiste der achtziger Jahre, in: Heinz Ludwig Arnold &amp; J\u00f6rgen Sch\u00e4fer (Hrsg.), Pop-Literatur (= text+kritik Sonderband X), M\u00fcnchen 2003, S. 218-233.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">[4]<\/a> Eine eher skizzenhafte Miniatur dieses Begriffs entwarf auch schon einmal Carsten Rohde, Die Pop-Intellektuellen. Eine kleine Ph\u00e4nomenologie, in: \u00c4sthetik &amp; Kommunikation, 35. Jg. H. 126 (2004), S. 71-74.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">[5]<\/a> So f\u00fchrt Geer zwar in Anlehnung an \u00e4hnlich gestimmte \u00dcberlegungen zu avantgardistischen Kunstformen schon fr\u00fch den Gedanken ein, dass \u00bbbestimmte \u00e4sthetische Taktiken per se undemokratisch sein k\u00f6nnen\u00ab (S. 16), allerdings bleibt es zun\u00e4chst bei dieser punktuellen Nennung. F\u00fcr Geers Referenz an dieser Stelle vgl. Anna Schober, Ironie, Montage, Verfremdung. \u00c4sthetische Taktiken und die politische Gestalt der Demokratie, M\u00fcnchen 2009. Geer nimmt diesen Punkt erst am Ende ihrer Argumentation (dann allerdings in einer \u00fcberzeugenden Analogiebildung) wieder auf, vgl. S. 243f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\">[6]<\/a> Die Wendung von der \u203aagonalen Eminenz\u2039 formuliert Geer in Anlehnung an Karl Heinz Bohrer, Kein Wille zur Macht, in: Ders. &amp; Kurt Scheel (Hrsg.), Merkur, 61. Jg. H. 8\/9 (2007), Kein Wille zur Macht &#8211; Dekadenz, S. 659-668.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\">[7]<\/a> Vgl. Thomas Hecken (Hrsg.), Der Reiz des Trivialen. K\u00fcnstler, Intellektuelle und die Popkultur, Opladen 1997.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\">[8]<\/a> Im Hinblick auf das Argument des nicht automatischen Zusammenhangs von Dehierarchisierung bzw. Demokratisierung der Kultur und einer demokratischeren Kultur verweist Geer beispielsweise auf Winfried Fluck, Emergence or Collapse of Cultural Hierarchy? American Culture Seen From Abroad, in: Peter Freese (Hrsg.): Popular Culture in the United States, Essen 1994, S. 49-74.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\">[9]<\/a> Nadja Geer, Pop-Denken: Gegenwartsfetischismus oder R\u00fcckkoppelungseffekt?, in: pop-zeitschrift.de, Oktober 2012.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\">[10]<\/a> Verwiesen sei hier allerdings noch einmal auf die erhellende Parallele zwischen den Strategien der \u203asophistication\u2039 und anderer avantgardistischer \u00c4sthetiken, wie Geer sie unter Verweis auf die bereits genannte Untersuchung Schobers aufzeigt und die schlie\u00dflich auch Geers Wortgebrauch einer \u203aSemiotik der Distinktion\u2039 qualifiziert: \u00bbDie Ursache f\u00fcr die innere Gespaltenheit des Pop-Subjekts liegt in der Semiotik der Distinktion, die sich die Zeichenwelt des Kunstsystems und damit deren Unvorhersehbarkeit aneignet. In ihrer Analyse der \u00e4sthetischen Taktiken der Avantgarde und Neo-Avantgarde beschreibt Anna Schober, wie neo-avantgardistische Gruppierungen \u203ain den von ihnen verbreiteten Erz\u00e4hlungen\u2039 die \u203aM\u00f6glichkeit des \u00e4sthetischen Eingriffs in eine Gewissheit\u2039 verwandeln und somit die \u203aUnkontrollierbarkeit der eigenen Verfahren und Handlungen\u2039 \u00fcberspielen. Die \u203asophistication\u2039 als \u00e4sthetische Taktik des Popdiskurs [sic] funktioniert ebenfalls so: In die Rolle von Neo-Avantgardisten schl\u00fcpfend, verwandeln die Popintellektuellen in den von ihnen verbreiteten Erz\u00e4hlungen die M\u00f6glichkeit des \u00e4sthetischen Eingriffs in eine Gewissheit, nicht ohne dabei die von ihnen entwickelte \u00e4sthetische Taktik der \u203asophistication\u2039 f\u00fcr die eigene Gruppenkommunikation zu nutzen \u2013 ausschlie\u00dflich f\u00fcr die interne Kommunikation. Damit polarisiert die \u203asophistication\u2039 und widersetzt sich einer offenen politischen Diskussion.\u00ab (S. 243f.)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\">[11]<\/a> J\u00f6rg Magenau, Vom Nachtwind zugewehte T\u00fcren. Der Schriftsteller als M\u00f6nch und Melancholiker: Zur neuen \u00c4hnlichkeit der Schreibans\u00e4tze von Botho Strau\u00df und Rainald Goetz, in: taz, 23.11.2009.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\">[12]<\/a> Vgl. http:\/\/www.umblaetterer.de\/2011\/08\/29\/30-jahre-feuilleton-rainald-goetz\/#comment-5332 (17.12.2012)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\">[13]<\/a> Zumindest f\u00fcr Schweden scheint es kein direktes Pendant zu geben. F\u00fcr das Beispiel Norwegens vgl. auch Stefan Krankenhagen, Warum gibt es keine norwegische Popliteratur?, in: Ingrid Simmonn\u00e6s, Martina Schmode &amp; John Ole Askedal (Hrsg.), 20 Jahre Deutsch-Norwegisches Studienzentrum in Kiel, Kiel 2007, S. 73-84.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\">[14]<\/a> Zur Analyse des Zusammenhangs zwischen Feuilletondiskurs und Popliteratur vgl. Eckhard Schumacher, Das Ende der Popliteratur. Eine Fortsetzungsgeschichte (Teil 2), in: Olaf Grabienski, Till Huber &amp; Jan-No\u00ebl Thon (Hrsg.), Poetik der Oberfl\u00e4che. Die deutsch-sprachige Popliteratur der 1990er Jahre, Berlin u.a. 2011, S. 53-67.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliografischer Nachweis:<\/strong><\/p>\n<p>Nadja Geer<br \/>\nSophistication. Zwischen Denkstil und Pose<br \/>\nG\u00f6ttingen: V &amp; R unipress 2012<br \/>\n[= Westw\u00e4rts. Studien zur Popkultur, Bd. 1]<br \/>\nISBN 978-3-89971-976-5<br \/>\n267 Seiten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage andr\u00e9 menke\" href=\"http:\/\/sprak.gu.se\/kontakta-oss\/doktorander\/menke-andre\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Andr\u00e9 Menke<\/a> ist Doktorand am Institut f\u00fcr Sprachen und Literaturen der Universit\u00e4t G\u00f6teborg<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Distinktion im Quadrat<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[172,520,1309,1315,1613,1816,1873,2175,2589],"class_list":["post-1086","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-andre-menke","tag-denkstil","tag-kritik","tag-kultur","tag-nadja-geer","tag-pop","tag-pose","tag-sophistication","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1086","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1086"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1086\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1086"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1086"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1086"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}