{"id":1117,"date":"2013-01-15T19:18:30","date_gmt":"2013-01-15T17:18:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1117"},"modified":"2013-01-15T19:18:30","modified_gmt":"2013-01-15T17:18:30","slug":"occupy-und-popkulturvon-annett-scheffel15-1-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/01\/15\/occupy-und-popkulturvon-annett-scheffel15-1-2013\/","title":{"rendered":"Occupy und Popkulturvon Annett Scheffel15.1.2013"},"content":{"rendered":"<p>Die Stimmung im Zuccotti-Park<!--more--><\/p>\n<p>Als blo\u00dfe Worth\u00fclse spukte die Rebellion seit den 1990ern umher \u2013 wie ein schwacher Geist alter Zeiten. Das Gesicht Che Guevaras auf T-Shirts und Postern, die gestreckte Faust als Symbol der schwarzen B\u00fcrgerrechtsbewegung im Hip-Hop-Videoclip oder nietenbesetzte Punk-Lederjacken waren dabei weniger ernstgemeinter Ausdruck von Auflehnung als leere popkulturelle Gesten.<\/p>\n<p>Als Reaktion auf Finanz- und Schuldenkrisen ist nach 2008 in vielen L\u00e4ndern eine deutliche Repolitisierung der Gesellschaft wahrzunehmen. Politischer Protest ist von einer Randerscheinung wieder zum Massenph\u00e4nomen geworden \u2013 zu einer gro\u00dfen Bewegung. \u00dcberall auf der Welt demonstrierten seit 2011 Menschen, besetzten Pl\u00e4tze, organisierten Aktionen. Die Occupy-Wall-Street-Proteste wurden in Amerika zum vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt dieser wachsenden Begeisterung f\u00fcr gesellschaftlichen Aktivismus.<\/p>\n<p>\u201aTo occupy\u2018 bedeutet \u201abesetzen\u2018. Und eben damit nahm die Bewegung ihren Anfang: Am 17. September 2011 blockierten Demonstranten den Zuccotti-Park in Manhattan, in dem dann eine Zeltstadt errichtet wurde. Hier wurden Diskussionen, Workshops und Aktionen organisiert und von hier aus marschierten die Demonstranten immer wieder in gro\u00dfen Mengen durch die Stadt. Das Besondere am Konzept von Occupy war seine Ausrichtung als \u201edual power movement\u201c (Klein\/Maron 2012). Die Protestaktionen konzentrierten sich von Beginn an nicht nur auf den Widerstand gegen bestehende Ordnungen, auf M\u00e4rsche und Blockaden. Sie beinhalteten auch den Anspruch, eigene Werte und Institutionen \u2013 wie die dezentrale Organisation und den konsensbasierten Entscheidungsprozess \u2013 im Occupy-Camp auszugestalten, die der Vorstellung einer gerechten Gesellschaft im 21. Jahrhundert entsprechen. Occupy zielt auf die Artikulation von Unmut und gleichzeitig auf die kollektiv-solidarische Erweiterung ihrer Handlungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Diese Verbindung beider Wirkungsweisen, so Mitorganisator Yotam Marom, sei etwas, das vielen Bewegungen in der Vergangenheit gefehlt habe, die eine Wirkungsweise der jeweils anderen meist vorgezogen h\u00e4tten. Im Gegensatz dazu h\u00e4tten die Beteiligten der Occupy-Bewegung verstanden, dass Beides im Grunde untrennbar sei: \u201eFighting has to be done in a way that represents the values of the world we want to create.\u201c (Ebd.) Die Besetzung des Zuccotti-Parks stellt demnach gleichzeitig direkten Widerstand und die Vorf\u00fchrung von Alternativen dar. Diese doppelte Ausrichtung l\u00e4sst sich auf das Gef\u00fchl zur\u00fcckf\u00fchren, sofort selbst handeln zu m\u00fcssen, um den geforderten Ver\u00e4nderungen den Weg zu ebnen.<\/p>\n<p>Wenn man die Occupy-Bewegung und die mit ihr einhergehende Repolitisierung deshalb auch als kulturelle Erscheinung versteht, erscheint es sonderbar, dass in die Debatte die Popkultur noch nicht im vollen Ma\u00dfe mit einbezogen wurde. Nat\u00fcrlich h\u00f6rte und las man von Popmusikern, wie Kanye West, Tom Morello oder auch Rufus Wainwright, die dem Occupy-Camp im Zuccotti-Park einen Besuch abstatteten oder dort ein kleines Konzert gaben. Jenseits dieser Solidarisierungsbekundungen der K\u00fcnstler taucht die Popkultur als Faktor in all den Kommentaren und Analysen aber erstaunlich wenig auf \u2013 obwohl sie doch sonst stets als erstes befragt wird, wenn es um neue soziale oder kulturelle Bewegungen geht. Ob B\u00fcrgerrechtsbewegung, Punk-Ethos oder Globalisierungsproteste \u2013 Pop ist seit seinen Anf\u00e4ngen im 20. Jahrhundert Inspiration, Hintergrund und Ausdrucksgeste derlei gesellschaftlicher Entwicklungen gewesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Bewegung der Vielen \u2013 Occupy und seine kollektive Identit\u00e4t<\/p>\n<p>Bei genauerer Betrachtung werden rasch auch einige Schnittstellen sichtbar, die die Entwicklungen in der Popkultur der Nullerjahre mit wichtigen Prinzipien und Methoden der Occupy-Bewegung verbindet. Zun\u00e4chst einmal f\u00e4llt sowohl in der Popmusik der letzten Jahre als auch bei Occupy Wall Street die Betonung einer kollektiven Identit\u00e4t auf. Popmusiker verwenden das \u201aWir\u2018 als Solidarisierungsmittel. Occupy verwendet eine \u00e4hnliche Rhetorik: \u201a99 Percent\u2018. Die New Yorker Protestbewegung ist, wie viele Popsongs, auf Gemeinschaft angelegt, die sich nach und nach aus dem Krisenbewusstsein herauskristallisiert. Die drohende Apokalypse, die in der Popmusik der letzten Jahre heraufbeschworen wird, ist mit der wachsenden sozialen Armut, Massenarbeitslosigkeit und Privatschuldenbelastung in das reale Leben vieler Amerikaner geschwappt.<\/p>\n<p>Dieses Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl \u00e4u\u00dfert sich auf Seite der Popkultur wiederum in einer abnehmenden Bedeutung des Autors als fester Referenzpunkt. Zwar spielt die Pr\u00e4senz von K\u00fcnstlern im Werkkomplex immer noch eine Rolle, nicht aber im klassischen Sinne eines konkreten, alleinigen Urhebers. In der gegenw\u00e4rtigen Sample- und Mashup-Kultur der Popmusik ist der tats\u00e4chliche Ursprung eines Songs oder eine einzelne Quelle oft gar nicht mehr auszumachen. Auch hier funktioniert mittlerweile vieles nach dem Prinzip einer kollektiven Sch\u00f6pfung. Dieses Schwarmprinzip, das aus der Netzkultur stammt, hat sich also sowohl auf die Popkultur als auch auf die Protestbewegung ausgeweitet. Das vernetzte Handeln ersetzt in allen Bereichen einzelne Gesten.<\/p>\n<p>Auch die Do It Yourself-Kultur \u2013 urspr\u00fcnglich im Zuge der Punkbewegung entstanden \u2013 hat durch die Entwicklungen des World Wide Web neue Kraft bekommen und wirkt sich auch auf die Occupy-Philosophie aus: eigene Kommunikationsplattformen, selbstst\u00e4ndige Berichterstattung, improvisierte Zeltst\u00e4dte und spontan organisierte Aktionen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der performative Charakter der Occupy Wall Street-Proteste, die ihre Medienwirksamkeit in gewisser Weise aus popkulturellen Gesten bezieht.<\/p>\n<p>Das \u201aSchauspiel\u2018 der Demonstranten kann dabei als eine Mischung gesehen werden, die die kriegerische Aktion eines klassischen, schwarzverh\u00fcllten Stra\u00dfenk\u00e4mpfers mit der friedlichen Prozession \u2013 einer \u201aLove Parade\u2018 im weitesten Sinne \u2013 verbindet. Die milit\u00e4rische Semantik der Proteste \u2013 Besetzung, M\u00e4rsche, Stra\u00dfenumz\u00fcge \u2013 wird durch eine strikte Gewaltlosigkeit und eine fast rituelle Feststimmung ad absurdum gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Konzerte und Drum Circles verliehen dem Geschehenen im Zuccotti-Park ein Art Festivalstimmung. Die Feststellung, dass Occupy Wall Street das postmoderne \u00c4quivalent zu Woodstock sei, w\u00e4re wahrscheinlich zu weit gegriffen. Fest steht allerdings, dass Woodstock und Occupy Elemente des Protests mit denen ausgelassener Happenings verbinden. Vielleicht k\u00f6nnte man behaupten, dass sie sich vor allem durch die Gewichtung dieser Elemente unterscheiden: Bei Woodstock war die politische Komponente angenehmer Nebeneffekt, bei Occupy ist es der Spa\u00dffaktor. Beide neigen jedenfalls in ihrer Au\u00dfenwirkung zu einer mystischen Verkl\u00e4rung. Der Reiz des Geheimnisvollen, des diffusen Charakters, spielt f\u00fcr Occupy eine gro\u00dfe Rolle, weil sich die mediale Aufmerksamkeit zun\u00e4chst in einem gro\u00dfen R\u00e4tselraten ersch\u00f6pfte. Die prinzipielle Unergr\u00fcndlichkeit der Bewegung macht einen Gro\u00dfteil ihrer Magie aus: \u201eIt was difficult to get a read on what the occupations were, so it was difficult to write them off.\u201c (Madrigal 2011) In vielerlei Hinsicht funktioniert popkulturelle Legendenbildung \u00e4hnlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Occupy f\u00fcr alle! &#8211; Demokratisierungsmechanismen<\/p>\n<p>Ebenso wie die Popkultur in den 1950ern enthalten die Prinzipien der Occupy-Bewegung eine v\u00f6llig neue Idee von Demokratie: die bedingungslose Horizontalit\u00e4t. Dr\u00fcckt sich der demokratische Charakter im Pop seit damals vor allem \u00fcber seine massenhafte Verf\u00fcgbarkeit und einen gleichberechtigten Zugang zur Kultur aus, erreicht das Prinzip der Basisdemokratie mit Occupy Wall Street eine ganz andere Qualit\u00e4t. Indem die Bewegung auf eine F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit und Hierarchien verzichtet, hebt sie sich deutlich von der sechzigj\u00e4hrigen Poptradition ab, in der Bewegungen, Str\u00f6mungen und Trends immer nach einer zentralen Figur verlangt hatten \u2013 nach einem Gesicht f\u00fcr die Musik und einem Vorbild zum Aufschauen. Was Bob Dylan f\u00fcr die B\u00fcrgerrechtsbewegung war, war Johnny Rotten f\u00fcr den Punk und Kurt Cobain f\u00fcr den Grunge.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Organisation der Occupy-Bewegung sind solche Hierarchien hinf\u00e4llig geworden. Weder brauchen noch wollen ihre Anh\u00e4nger einen politischen Redef\u00fchrer oder einen musikalischen Stellvertreter. Einen konkreten Soundtrack gibt es ebenso wenig wie \u201adie Stimme\u2018 der Bewegung. Occupy \u2013 das sind viele. \u201eF\u00fcr Occupy\u201c, meint Mark Greif (2012), \u201eh\u00e4tte eine solche Personalisierung die Travestie der Bewegung bedeutet.\u201c Trauen k\u00f6nne man aber nur noch der Anonymit\u00e4t, wie die Netzaktivisten von Anonymous zeigen. Dieses Schwarmprinzip verdankt die Bewegung weniger den popkulturellen Entwicklungen als vielmehr ihrem Ursprung im Netz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eThis Land is your Land\u201c &#8211; Occupy und Popmusik<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Proteste in New York spielte Musik eine gro\u00dfe Rolle. Rapper wie Talib Kweli, Questlove und Immortal Technique traten auf, ebenso Rockmusiker wie Tom Morello und Jeff Mangum, aber auch altbekannte Gesichter der musikalischen Gesellschaftskritik: Pete Seeger, Joan Baez, David Crosby und Graham Nash. Die Integration von Musik in die Proteste ist von der Maxime der Selbstbem\u00e4chtigung gepr\u00e4gt, die Occupy auf die Stra\u00dfe hinaus trug. Auf die Stra\u00dfe zu gehen bedeutet nicht nur die Politik mitbestimmen zu wollen, sondern eben auch das eigene Leben in die Hand zu nehmen und es von den Rationalisierungsprozessen eines \u201ageordneten Daseins\u2018 abzukoppeln. Musik als Spektakel, Kunstform und Party ist deswegen geeignetes Mittel zum Protest. Das Spa\u00dfprinzip wird zum St\u00f6rfaktor in einem vereinheitlichten \u00f6ffentlichen Raum, der nur auf eine m\u00f6glichst effektive Konsumatmosph\u00e4re geeicht ist.<\/p>\n<p>Dieser kreative statt konfrontative Charakter der Occupy Wall Street-Proteste richtet sich gegen die Anspr\u00fcche einer Leistungsgesellschaft. Der musikalische Aspekt \u2013 die Konzerte, Performances und Gesangsch\u00f6re im Zuccotti-Park \u2013 hat zun\u00e4chst keinen unmittelbaren Sinn in gesellschaftspolitischer Hinsicht. Musik signalisiert aber \u2013 und das ist ihre urspr\u00fcngliche Kraft \u2013, dass es Alternativen zu einem rein zweckbestimmten Protest gibt. Und dass die Diskussion politischer und sozialer Fragen nicht unbedingt auf der Grundlage von durchdachten Argumenten funktioniert, sondern eben auch \u00fcber Gemeinschaftsgef\u00fchl und Stimmung. Der Wille zur Mitbestimmung wird durch kreative, lustvolle Aktionen zum Ausdruck gebracht.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4senz von Popmusikern im Zuccotti-Park besa\u00df verschiedene Hintergr\u00fcnde. Die Mehrzahl der Musiker, von denen viele schon jahrelang politisch aktiv sind, solidarisierte sich mit den Demonstranten, gab als Zeichen der Unterst\u00fctzung kleine Konzerte und beteiligte sich an Aktionen. Andere wiederum machten eher den Anschein, als wollten sie die Bewegung f\u00fcr ihre Zwecke vereinnahmen. Das Erscheinen Kanye Wests etwa wurde von vielen Seiten als heuchlerischer Akt gesehen, der weniger politisches Engagement anstrebte als eine Image-Aufwertung durch den aktuellen Protest-Trend. Die Kritik bezog sich dabei auf den extremen Widerspruch zwischen dem Widerstand gegen eine entfesselte Finanzwelt und dem Rapper, der bekannt daf\u00fcr ist, Reichtum und Luxus auch oft in absurder \u00dcbertreibung zur Schau zu stellen. Andere wie Medienmogul Russell Simmons oder Hip-Hop-Schwergewicht Jay-Z versuchten unter Verwendung des Namens Occupy Festivals zu organisieren oder Slogan-T-Shirts zu verkaufen, was eine heftige Diskussion \u00fcber die drohende wirtschaftliche Vermarktung der \u201aMarke Occupy\u2018 ausl\u00f6ste.<\/p>\n<p>Die Musiker, die im Occupy-Camp auftraten, um ihre politischen Unterst\u00fctzung zu bekunden, interpretierten sowohl alte, traditionelle Protestsongs der Folk-Musik als auch eigene St\u00fccke, von denen einige sogar als direkte Reaktionen auf die aktuellen Ereignisse entstanden. Der Rapper Talib Kweli, selbst geb\u00fcrtiger New Yorker und bekennender Anh\u00e4nger des politischen und sozialkritischen Conscious Rap, pr\u00e4sentierte dem Publikum im Zuccotti-Camp am 7. Oktober seinen frisch geschriebenen Song \u201e<a title=\"Talib Kweli\" href=\"http:\/\/vimeo.com\/30173499#at=0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Distraction<\/a>\u201c, in dem es hei\u00dft: \u201eSkip the religion and politics, head straight to the compassion. Everything else is a distraction.\u201c Mitgef\u00fchl, fordert er, solle bei all den Ablenkungen der Informationsgesellschaft wieder an erster Stelle stehen.<\/p>\n<p>Neben Kweli traten vor allem viele altbekannte amerikanische Protestmusiker im Camp auf und solidarisierten sich mit der Bewegung ihrer Nachfolger. Joan Baez interpretierte die bereits 1925 geschriebene, sozialkritische Folk-Ballade \u201e<a title=\"Joan Baez singt Joe Hill\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mh1z-E5RDhM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Joe Hill<\/a>\u201c, die die Geschichte des gleichnamigen Wanderarbeiters, Gewerkschaftsaktivist und Arbeiterf\u00fchrer erz\u00e4hlt. In dem Lied, das durch Baez\u2019 und Pete Seegers Auftritt auf dem Woodstock-Festival gro\u00dfe Bekanntheit erlangte, hei\u00dft es, \u00fcberall dort, wo sich Arbeiter organisieren und ihre Rechte lautstark verteidigen, sei auch der Geist des toten Joe Hill \u2013 eine Vorstellung, die ihr mystisches Pathos auf die Occupy-Protest \u00fcbertragen sollte. Dazu trug auch Graham Nash bei, der gemeinsam mit David Crosby seinen 1969 komponierten sozialkritischen Song \u201e<a title=\"Nash und Crosby\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-PO1WNrlY1E\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Teach Your Children<\/a>\u201c im Zuccotti-Park vortrug. \u201eThis is a song that I wrote 40 years ago, but that\u2019s still true today\u201c, rief Nash der applaudierenden Menge zu, bevor er das Lied anstimmte. Eher auf Provokation als auf die Beschw\u00f6rung des amerikanischen Geistes setzten hingegen Sean Lennon und Rufus Wainwright, die Madonnas \u201eMaterial Girl\u201c performten.<\/p>\n<p>Ebenfalls im Oktober, einige Tage nach Kweli, trat der Rage Against the Machine-Gitarrist Tom Morello in New York auf. Morello, der schon jahrelang politisch aktiv ist und sich unter anderem f\u00fcr Gewerkschaften einsetzt, hatte bereits 2002 zusammen mit seinen Bandkollegen und Serj Tankian, dem S\u00e4nger von System of a Down, die gemeinn\u00fctzige politische Organisation \u201eAxis of Justice\u201c gegr\u00fcndet \u2013 als Reaktion auf das von George Bush gepr\u00e4gte Schlagwort \u201aAchse des B\u00f6sen\u2018. \u201eAxis of Justice\u201c veranstaltet seitdem musikalische Protestaktionen, koordiniert ein wachsendes Netzwerk aus Aktivisten und produziert eine monatliche Radiosendung. Auch Morello setzte auf die legendengepflasterte Geschichte der amerikanischen Protesttradition und <a title=\"Morello Song\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=iNQL0z9XSc4\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sang<\/a> mit Woody Guthries \u201eThis Land is your Land\u201c das wohl bekannteste Protestlied der Folk-\u00c4ra. Das Lied entwickelte sich sp\u00e4ter zu einer Art Occupy-Hymne und verkn\u00fcpfte die Ereignisse der Gegenwart mit den Wurzeln der politischen Popmusik im Folk.<\/p>\n<p>Morello initiierte au\u00dferdem zur Wiederaufnahme der New Yorker Proteste nach der Winterpause am ersten Mai 2012 die Musik-Performance \u201e<a title=\"website guitararmy\" href=\"http:\/\/occupyguitarmy.tumblr.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Guitarmy<\/a>\u201c, bei der Demonstranten in Form einer \u201aOpen Source\u2018-Band gemeinsam bekannte Protestlieder einstudierten und dann Gitarre spielend durch Manhattan zogen. Die Aktion entstand wie viele andere ihrer Art unter der Organisation der \u201e<a title=\"website music working group\" href=\"http:\/\/www.nycga.net\/groups\/music-working-group\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Music Working Group<\/a>\u201c, einer konsensgesteuerten Arbeitsgruppe innerhalb der General Assembly, der Hauptversammlung von Occupy. Die Gruppe, die aktuell aus rund 60 Mitgliedern besteht, unterst\u00fctzt Musikproduktionen und -konzerte, die sich f\u00fcr die Werte und Prinzipien der Bewegung engagieren. Eine weitere musikorientierte Non-Profit-Organisation gr\u00fcndete sich unter dem Titel \u201eMusic for Occupy\u201c , die im Mai 2012 die Compilation \u201eOccupy This Album\u201c ver\u00f6ffentlichte, deren Erl\u00f6se der Bewegung zugutekommen. Die CD besteht aus 78 Occupy-inspirierten Songs von u.a. Mogwai, Yoko Ono, Patti Smith, Yo La Tengo, Ladytron, Tom Morello, Debbie Harry, Amanda Palmer, Willie Nelson und Micheal Moore.<\/p>\n<p>Parallel zu den Protesten im Herbst 2011 wurden bereits \u00fcber tausend Musiker auf der Website \u201eOccupy Musicians\u201c aufgelistet, die sich offen f\u00fcr die Bewegung einsetzten \u2013 neben den bereits erw\u00e4hnten finden sich dort Namen wie Lou Reed, Laurie Anderson, Roy Harper und Amanda Palmer von The Dresden Dolls. Die <a title=\"website occupymusicians\" href=\"http:\/\/www.occupymusicians.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Internetseite<\/a> sollte die M\u00f6glichkeit bieten, auf weiteren Protestveranstaltungen musikalische Beitr\u00e4ge zu initiieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Au\u00dferdem erschien im M\u00e4rz 2012 \u2013 sechs Monate nach Beginn der Wall Street-Demonstrationen \u2013 mit Bruce Springsteens Album \u201eWrecking Ball\u201c eine der ersten unmittelbaren Reaktionen auf dem Musikmarkt. Springsteen hatte die Arbeiten am Album bereits 2009 unter dem Eindruck der verheerenden Auswirkungen der Finanzkrise begonnen. Wie schon auf \u201eThe Rising\u201c, der Platte zur amerikanischen Stimmung nach 9\/11, versucht Springsteen die Gem\u00fctslage seines Landes musikalisch widerzuspiegeln. Auf \u201eWrecking Ball\u201c beschimpft er die \u201eBad Banker\u201c als \u201eFat Cats\u201c und bringt die Wut der Occupy-Protestanten auf die Wall Street mit dem Lied \u201eDeath to my Hometown\u201c auf den Punkt: \u201eSend the robber barons straight to hell \/ The greedy thieves who came around \/ And ate the flesh of everything they found \/ Whose crimes have gone unpunished now \/ Who walk the streets as free men now.\u201c<\/p>\n<p>Der Song \u201eWe Take Care Of Our Own\u201c, ein Appell zur Selbsterm\u00e4chtigung, wurde im Fr\u00fchling auch auf Protestaktionen gesungen. In einem Interview mit dem \u201eRolling Stone\u201c sagte Springsteen (2012): \u201eThe song\u2019s chorus is posed as a challenge and a question. Do we take care of our own?\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Im Kreis der Wissenden \u2013 Popkulturelle Zeichensysteme<\/p>\n<p>Immer wieder fielen w\u00e4hrend der Proteste in New York symboltr\u00e4chtige Gesten, Riten und Bilder ins Auge. So entwickelten die vielen jungen Kreativen, die sich f\u00fcr die Bewegung engagierten, schnell Motive und Logos f\u00fcr die Occupy-Bewegung. Diese fanden etwa auf Plakaten Verwendung oder vermehrt auch als T-Shirt-Prints. Die Slogans und Symbole als modische Statements der Zugeh\u00f6rigkeit zu einer bestimmten Gruppe erinnerten stark an Band-T-Shirts, mit denen Musikfans ihre Anh\u00e4ngerschaft f\u00fcr alle sichtbar zur Schau stellen. Man denke nur an all die Metallica- oder ACDC-Shirts oder das ber\u00fchmte Rolling-Stones-Logo mit der herausgestreckten Zunge, das heute noch auf der Brust von jungen wie alten Leuten prangt. Immer transportierten die T-Shirt-Prints auch gewisse Lebensstile, Einstellungen und Werte.<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen war auch bei den Occupy\u2011Demonstrationen zu beobachten. Spr\u00fcche wie \u201aI am the 99%\u2018 oder nur auch Abk\u00fcrzungen wie \u201a#OWS\u2018 zierten die T-Shirts ebenso wie Bilder der Guy-Fawkes-Maske, Symbol der Internet-Aktivisten von Anonymous, oder der Schablonendruck eines Polizisten, aus dessen Pfefferspraydose Herzen kommen. Die Pfefferspray-Attacke gegen Demonstranten hatte vorher f\u00fcr viel Emp\u00f6rung gesorgt. Das T-Shirt wurde also gleichzeitig zur Leinwand der Au\u00dfendarstellung einzelner und zur Vermittlung von gemeinsamen Forderungen.<\/p>\n<p>Auch das Handzeichenvokabular der Besetzer erinnerte an die spezifischen Gesten verschiedener popkultureller Str\u00f6mungen, besonders aber an Hip-Hop-Praktiken: Die gehobene ausgestreckte Hand als Zeichen der Zustimmung beziehungsweise ihr Senken bei anderer Meinung verweist auf Handbewegungen bei Hip-Hop-Jams oder -Konzerten, auf denen die Rapper ihr Publikum dazu aufrufen, die Arme im Takt der Musik ausgestreckt nach oben zu werfen. Gleiches gilt f\u00fcr die nach oben deutenden Zeigefinger, als Symbol f\u00fcr den Wunsch nach mehr Lautst\u00e4rke. Auch das Handzeichen, das bei den General Assemblies zur Forderung nach einem neuen Thema verwendet wurde, \u00e4hnelt stark dem \u201amagischen Dreieck\u2018 aus beiden Handfl\u00e4chen und Daumen, das Jay-Z h\u00e4ufig bei Auftritten und Fotoshootings zeigt. Die Kenntnis der spezifischen Handzeichen vermittelt \u00e4hnlich wie in den Urspr\u00fcngen der Hip-Hop-Gangs Zugeh\u00f6rigkeit zum Kreis der Wissenden. Mark Greif (2012) betonte, dass ebendiese Handzeichen im Zusammenspiel mit dem \u201eHuman Mircrophone\u201c der Occupy-Bewegung eine eigene Qualit\u00e4t gaben und sie so auch zu einer Art Marke machten.<\/p>\n<p>Auch das Veranstalten der sogenannten Drum Circles im Zuccotti-Park verweist auf eine lange popkulturelle Tradition. Drum Circles bestehen aus einer unbegrenzten Gruppe von Menschen, die improvisiert zusammen verschiedene Schlaginstrumente spielen. Das Konzept ist bewusst daf\u00fcr ausgelegt, auch Nichtmusiker an das Erleben musikalischer Gemeinschaftserlebnisse heranzuf\u00fchren und wurde in der Popkultur von vielen Str\u00f6mungen aufgegriffen, darunter die Hippie-Bewegung der 1960ern und auch die in den 1970ern beginnende Hip-Hop-Gegenkultur in der Bronx.<\/p>\n<p>Es geht, wie oft betont wurde, bei den Drum Circles nicht in erster Linie um das Musizieren, sondern vielmehr um das Kommunizieren untereinander und um den Aufbau eines Gruppenbewusstseins. In einem Artikel \u00fcber die Drum Circles schreibt Mark Greif (2011) in der \u201eOccupy! Gazette\u201c, die spontanen, polyrhythmischen Aktionen seien ein zentrales Charakteristikum der neuen sozialen Bewegungen, weil sie f\u00fcr 40 Jahre alternativer Kulturgeschichte stehen: \u201eradical feminism and eco-anarchism, not just as enter\u00adtainment or spiritual practice.\u201c Sie seien gleichzeitig eine zum Mitmachen anstiftende Methode, die die neuen offenen Strukturen der Occupy-Bewegung ohne Worte befruchtet. Musik wird also im Sinne des Occupy-Gedankens als gemeinschaftlicher friedlicher Protest eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Peace and No Future &#8211; R\u00fcckbez\u00fcge auf die Popgeschichte<\/p>\n<p>Die Stimmung im Zuccotti-Park erinnerte vor allem viele \u00e4ltere Teilnehmer wegen der leidenschaftlichen Einsatzbereitschaft der Demonstranten an die Zeit der Anti-Vietnam-Proteste in den 1960ern. So schreibt Mark Rudd (2011) \u00fcber seine pers\u00f6nlichen Erfahrungen in der \u201eOccupy! Gazette\u201c:<\/p>\n<p>\u201eI\u2019ve been thinking a lot about mass movements [\u2026] since 1965, when, as an 18 year-old freshman at Columbia, I got swept up into the anti-Vietnam War movements. The young people already educating themselves on the war and protesting it were the coolest kids around and I wanted to be one of them. What made them so attractive was not only their intelligence, but that they were on fire with moral outrage. That\u2019s exactly the same feeling I get from Occupy Wall Street.\u201c<\/p>\n<p>Neben augenscheinlichen Verbindungen mit historischen Protestbewegungen gibt es allerdings auch einige schwerwiegende Unterschiede. Zun\u00e4chst einmal ist Occupy ein vornehmlich von \u00f6konomischen und damit einhergehenden sozialen Bedingungen hervorgerufener Widerstand. Die gro\u00dfen popkulturellen, politischen Jugend- und Protestbewegungen seit den 1950ern hatten sich im Gegensatz dazu eher auf libert\u00e4re, antirassistische, friedensbewegte, feministische oder \u00f6kologische K\u00e4mpfe konzentriert. Weitere Unterschiede sind die breiter angelegte demografische Zusammensetzung der Demonstranten, das Prinzip der Horizontalit\u00e4t und die Ausrichtung als \u201edual power movement\u201c.<\/p>\n<p>Trotz ihrer Einzigartigkeit in vielerlei Hinsicht l\u00e4sst sich nicht von der Hand weisen, dass die Occupy-Bewegung ideengeschichtlich von fr\u00fcheren popkulturellen Str\u00f6mungen teils stark beeinflusst ist. Besonders auff\u00e4llig sind hier \u00c4hnlichkeiten zur Punk-Bewegung. Die Zukunftslosigkeit als Grundthema etwa haben beide gemeinsam. Die Beschreibung des typischen Occupy-Demonstranten als \u201eGraduate with no Future\u201c in Paul Masons Buch \u201eWhy It\u2019s Kicking Off Everywhere \u2013 The New Global Revolutions\u201c erinnert stark an die \u201eNo Future!\u201c-Parolen der 1970er. In gewisser Weise kann auch die Punk-Attit\u00fcde insofern auf Occupy \u00fcbertragen werden, als sich ihre Teilnehmer weigern, Teil eines Systems zu sein, das ungerecht, ungleich und heuchlerisch ist, und ihre W\u00fcrde durch bestimmte Handlungen und Lebensweisen einfordern.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich griffen die Punks der 1970er auf ganz andere L\u00f6sungskonzepte zur\u00fcck: Auch wenn sie sich stets als entschiedene Gegner der Zust\u00e4nde sahen, galt bei ihnen im Gegensatz zu den Occupy-Aktivisten politisches Engagement als \u201eHippieschei\u00dfe\u201c: \u201eBiertrinken in der \u00d6ffentlichkeit war schlie\u00dflich auch Protest und wurde von Spie\u00dfern aller Couleur auch so empfunden\u201c (van der Buchholz 2001: 138). Diese \u201aI Don\u2019t Care\u2018-Haltung wandelte sich erst mit den Hausbesetzungen in den 80ern zu militantem Widerstand.<\/p>\n<p>Die wohl wichtigste Gemeinsamkeit von Punk und Occupy aber liegt nicht in der kritischen Haltung an sich, sondern in einer gewissen Gleichzeitigkeit von Kampfansage und Zurschaustellung der eigenen Verwundbarkeit. Ebenso wie der Protest der Occupy-Bewegung war auch der Protest der Punks ein Kampf derjenigen, \u201edie wussten, dass sie zu den Schw\u00e4cheren, zu den Verlierern geh\u00f6ren w\u00fcrden\u201c (B\u00fcsser 2000: 102). W\u00e4hrend die Punks ihren K\u00f6rper durch zerrissene Kleidung und Piercings \u201eals \u00f6ffentlich inszenierte Wunde\u201c einsetzten (ebd.), stellen die Occupy-Anh\u00e4nger ihre Leidensgeschichten auf dem Tumblr-Blog \u201eWe Are the 99 Percent\u201c zu Schau. Ihre Verletzlichkeit zeigt sich dort auf bekritzelten Pappschildern, mit denen sie sich fotografieren. Der Blog bietet ein Portrait der verschuldeten, desillusionierten und vor allem entw\u00fcrdigten amerikanischen Mittelschicht. So beschreibt es auch Marco Roth (2011: 26): \u201estripped of dignity, tormented by the anxieties over how to care for themselves and their families\u201c \u2013 ihrer W\u00fcrde beraubt, gepeinigt, \u00e4ngstlich seien sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Zweckentfremdung und Selbstaneignung \u2013 Situationismus und Antifolk<\/p>\n<p>Ebenso wie der Situationismus den Punk und viele weitere linksalternative popkulturelle Bewegungen beeinflusst hat, spielte er auch eine gewisse Rolle f\u00fcr die Occupy-Bewegung. Das Werk des wichtigsten Situationisten und Gesellschaftstheoretikers Guy Debord gilt als wichtige intellektuelle Inspiration f\u00fcr Occupy. So behauptet etwa Kalle Lasn, der mit dem jahrelangen antikapitalistischen Aktionismus seines \u201eAdbusters\u201c-Magazin einer der Initiatoren der Wall-Street-Besetzung war, in fast jedem seiner vielen Interviews, er sei stark gepr\u00e4gt von Guy Debord und seiner Situationistischen Internationale.<\/p>\n<p>Letztere war eine von Debord 1957 gegr\u00fcndete, linksradikal orientierte Gruppe von K\u00fcnstlern und Intellektuellen. Die Praktiken des sogenannten \u201aadbustings\u2018 \u2013 Namensgeber des Magazins \u2013 geht auf eine von der Gruppe entwickelte k\u00fcnstlerische Technik zur\u00fcck: \u201aD\u00e9tournement\u2018. Durch die Zweckentfremdung von Filmsequenzen, Bildern und Texten, die von der Warenkultur pausenlos hervorgebracht werden, sollen deren Inhalte parodistisch kommentiert werden. \u201aAdbuster\u2018, die meist aus der Street Art-Szene stammen, verfremden nach diesem Prinzip Werbung im \u00f6ffentlichen Raum.<\/p>\n<p>Auch der Aktionismus vieler Occupy-Anh\u00e4nger folgt der Maxime der Zweckentfremdung. Unter dem Motto \u201aOccupy Pop Culture\u2018 \u2013 \u201aBesetze die Popkultur\u2018 \u2013 wandeln Aktivisten popkulturelle Inhalte in Symbole des Widerstands um. So wurden etwa Szenen aus Kultfilmen wie \u201eRambo\u201c oder \u201eRobocop\u201c von kreativen Occupy\u2011Aktivisten so bearbeitet, dass sie als Protestaufruf fungierten, und \u00fcber das Internet verbreitet. Diese Technik des \u201aD\u00e9tournement\u2018 sei, wie Natasha Lennard (2012) befindet, ein effektiver Akt der Zur\u00fcckeroberung: \u201e [It\u2019s] a cheeky \u2018fuck you\u2019 to late capitalism: We will take your products [and] spit them back at you.\u201d<\/p>\n<p>Ein gutes Beispiel f\u00fcr die Effektivit\u00e4t der Zweckentfremdung ist die Guy Fawkes-Maske, die urspr\u00fcnglich f\u00fcr die Verfilmung des dystopischen Comics \u201eV for Vendetta\u201c (2005) entworfen und von einer Hollywood-Requisite zum Symbol des modernen politischen Netzaktivismus wurde. Die Maske, die auf den katholischen Offizier Guy Fawkes zur\u00fcckgeht, der 1605 eine Revolution gegen den englischen K\u00f6ning anzetteln wollte, indem er versuchte das Parlament in die Luft zu sprengen \u2013 die sogenannte \u201eSchie\u00dfpulververschw\u00f6rung\u201c \u2013, hat eine eigene, von ihrem Ursprung ganz unabh\u00e4ngige Wirkungskraft entwickelt.<\/p>\n<p>Weiterhin ist die Occupy Wall Street-Bewegung von einer j\u00fcngeren popkulturellen Str\u00f6mung gepr\u00e4gt: der weit verzweigten Antifolk-Szene, die im New York der 1980er und 1990er Jahre entstand. Beeinflusst vom Punk und seiner DIY-Kultur, besteht sie aus einem eng verkn\u00fcpften Netzwerk aus K\u00fcnstlern und kann durch musikalische Unbek\u00fcmmertheit, Witz, Provokation und ein sensibles H\u00e4ndchen f\u00fcr inszenierten Dilettantismus charakterisiert werden. Martin B\u00fcsser (2004: 116) beschreibt die Szene als ein Kollektiv von K\u00fcnstlern, \u201edie noch einmal alle Tugenden des alten Independent- und Do-It-Yourself-Gedankens wiederbelebt hat und genau wegen der damit verbundenen Direktheit und Integrit\u00e4t vielleicht als die erste ernstzunehmende musikalische Underground-Bewegung des neuen [Jahrtausends] gelten darf.\u201c Wie auch die Konzerte im Zuccotti-Park war die Antifolk-Szene in ihren Anf\u00e4ngen von klassischen Folkliedern gepr\u00e4gt, geht aber seit 2000 eigene, experimentellere Wege.<\/p>\n<p>Die Underground-Bewegung hat aber nicht in erster Linie mit der R\u00fcckkehr authentischer Rockmusik zu tun. Vor allem geht es, wie in der Poetry Slam-Szene, \u201eum Selbstaneignung, um das offene Mikrophon f\u00fcr alle, also um einen radikal demokratischen Ansatz.\u201c (Ebd.) Dieser Anspruch, m\u00f6glichst viele aktiv teilhaben zu lassen, verbindet Antifolk-Musiker wie Beck, Regina Spektor und Adam Green mit den Prinzipien der Occupy-Bewegung. Zwar sind ihre Texte nicht konkret politisch, doch erz\u00e4hlen sie durchaus vom \u00dcberlebenskampf in einem gescheiterten \u201aLand of the Free\u2018. Die Thematisierung von Mangel, finanzieller Not und gesellschaftlicher Entfremdung ist immer auch verbunden mit dem Stolz auf ein nichtmaterielles Wertesystem, das ja auch viele Occupy-Demonstranten im Sinn haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Das Ende des Hipsters als unpolitisches Subjekt oder die Revolution als leere Geste?<\/p>\n<p>Immer wieder erhoben sich w\u00e4hrend der Occupy-Proteste kritische Stimmen gegen\u00fcber den Demonstranten, die, so die Kritiker, keineswegs geeignete Repr\u00e4sentanten f\u00fcr eine \u201aRevolution von unten\u2018 w\u00e4ren. Eben weil viele Zuccotti-Aktivisten junge, gut gebildete, technikaffine Menschen waren, forderten sie die H\u00e4me der Beobachter heraus, die die Ernsthaftigkeit der Bewegung mit dem Verweis auf ihre elektronischen \u201aGimmicks\u2018 herabzuw\u00fcrdigen versuchten (Sloty 2011: 13). Von Emp\u00f6rten mit MacBooks war die Rede und einer verarmten Mittelschicht gekleidet in hippe American-Apparel-Shirts. Viele h\u00e4tten auch nur an den Protesten teilgenommen, weil es f\u00fcr sie eine Art \u201acooles\u2018 New Yorker Happening darstelle und alle ihre Freunde auch dabei waren.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich bestand ein gro\u00dfer Teil der Demonstranten aus Menschen, die um ihre Zukunft f\u00fcrchteten, sich f\u00fcr ihre Ausbildung hoch verschuldet hatten oder Berufe mit unsicherer Besch\u00e4ftigung aus\u00fcbten \u2013 Freiberufler, Zeitarbeiter und Selbst\u00e4ndige. Jedoch die Allerwenigsten geh\u00f6rten wirklich zur Bev\u00f6lkerungsschicht des Prekariats \u2013 zumindest nicht zu seinem entkoppelten Teil (Die \u201aentkoppelte Zone\u2018 des Prekariats ist ein von Klaus D\u00f6rre eingef\u00fchrter Begriff zur Unterscheidung von tats\u00e4chlich prek\u00e4ren Lebensverh\u00e4ltnissen und dem Teil des \u201aintegrierten\u2018 Prekariats, das Erwerbst\u00e4tige umfasst, die zwar in keinem abh\u00e4ngigen Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnis stehen, aber gleichwohl durch tempor\u00e4re oder unregelm\u00e4\u00dfige Arbeit in ihrer Existenz bedroht sein k\u00f6nnen \u2013 das hei\u00dft Selbst\u00e4ndige, Freiberufler, Gewerbetreibende.). So beschimpfte etwa Brandan O\u2019Neill (2011) in einer britischen Tageszeitung die Occupy-Bewegung als \u201egathering of angry actors, graphic designers and various other hipsters\u201c und \u201egaggle of rich kids\u201c. Es drehe sich bei den Demonstrationen, so O\u2019Neill, nur um m\u00f6glichst verr\u00fcckte Forderungen, ironische Plakatspr\u00fcche und \u201asuper-coole\u2018, selbstbedruckte Slogan-Shirts.<\/p>\n<p>Auch wenn dieses Urteil deutlich zu hart ausf\u00e4llt, ergeben sich beim Blick auf die Hintergr\u00fcnde der Bewegung durchaus Widerspr\u00fcche, die nicht unerw\u00e4hnt bleiben d\u00fcrfen. Denn die Demonstranten, die dort auf der New Yorker Wall Street ihrem Unmut zum Ausdruck brachten, waren ebendiese jungen Menschen, die Beobachter der letzten Jahre noch als typische Mitglieder einer postmodern unpolitischen Generation beschrieben hatten: die sogenannten Hipster. Junge Menschen einer urbanen Mittelschicht also, die ihr subkulturartiges Szenebewusstsein oft exzentrisch zur Schau stellen und sich daf\u00fcr auf der Suche nach Andersartigkeit teils ironisch und wahllos bei den Subkulturen des 20. Jahrhunderts bedienen. Den oft in kreativen Berufen arbeitenden Hipstern wird vorgeworfen, durch das permanente Zitieren nur noch sinnentleerte Zeichen zu produzieren und somit das Ende jeder Kreativit\u00e4t zu markieren: \u201eWe&#8217;ve reached a point in our civilization where counterculture has mutated into a self-obsessed aesthetic vacuum. So while hipsterdom is the end product of all prior countercultures, it\u2019s been stripped of its subversion and originality.\u201c (Haddow 2008)<\/p>\n<p>Die westliche Zivilisation, so glauben viele Kritiker der Popkultur des 21. Jahrhunderts, sei mit den Hipstern an ein Ende der gegenkulturellen Bewegungen gelangt, die seit 1945 den jeweiligen Status quo permanent hinterfragt hatten. In der Gegenwart gebe es f\u00fcr Jugendkulturen kein revolution\u00e4res Potenzial mehr. Denn nachdem Punk kommerzialisiert worden war und Hip Hop seinen urspr\u00fcnglichen sozialkritischen Impuls verloren hatte, seien alle vormals dominanten gegenkulturellen Str\u00f6mungen ineinander verschmolzen. \u201eNow, one mutating, trans-Atlantic melting pot of styles, tastes and behavior has come to define the generally indefinable idea of the \u2018Hipster\u2019 [\u2026] \u2013 a culture lost in the superficiality of its past and unable to create any new meaning.\u201c (Ebd.) Der Vorwurf der Oberfl\u00e4chlichkeit bezieht sich dabei vor allem auf die k\u00fcnstliche Aneignung verschiedener Stile aus verschiedenen Jahrzehnten, die in ihrer Gesamtheit mittlerweile in die Massenkultur \u00fcbergegangen sind \u2013 in den \u201eMainstream der Minderheiten\u201c, von dem Holert und Terkessidis sprechen.<\/p>\n<p>Sind diese Hipster von gestern \u2013 narzisstische Konsumenten ohne politische Agenda \u2013 also wirklich die Demonstranten von heute? Thomas Assheuer (2011) jedenfalls schrieb in der \u201eZeit\u201c \u00fcber die Demonstranten im Zuccotti-Park: \u201eEs sind vor allem junge Leute, die aussehen, als seien sie direkt aus dem Herzen der postmodernen Coolness, aus den Szene-Caf\u00e9s und Retro-Clubs, auf die Stra\u00dfe gestolpert.\u201c<\/p>\n<p>Oder ist es so, wie viele junge New Yorker behaupten, und Occupy kennzeichnet wiederum das Ende des Hipsters als unpolitisches Subjekt? Occupy also als das Ende vom Ende der Gegenkulturen? Hat die Bewegung die Kraft, auch Orte und Symbole des Hipstertums neu mit politischen Themen zu besetzen? So zumindest interpretiert es ein junger Aktivist, der in einer hippen Bar im New Yorker Trendbezirk Williamsburg eine General Assembly leitete: \u201eI think hipsterdom is dead. I think Occupy marks the end of it.\u201c (Estes 2011)<\/p>\n<p>Die Frage ist, ob Occupy Wall Street tats\u00e4chlich eine M\u00f6glichkeit bietet, dem endlosen ironischen Treiben ein Ende zu bereiten und aus rebellischen Kleidungsstilen wieder rebellisches politisches Handeln zu machen. Oder ob der Protest wieder nur zum \u201eweiteren Posten im Lifestyle-Katalog\u201c (J\u00f6rg H\u00e4ntzschel bei Greif 2012) wird. Mark Greif hat eine durchaus positive, wenn auch nicht ganz endg\u00fcltige Antwort gefunden:<\/p>\n<p>\u201eIm Zuccotti-Park r\u00fcckte ein Segment der Jugend wieder in den Blick, das wir einfach nicht beachtet hatten: die Leute n\u00e4mlich, von denen die Hipster ihre Motive geklaut haben, Leute wie die anarchistischen Fahrradboten. Pl\u00f6tzlich sehen die Kinder in den Malls in Illinois oder sonst wo Bilder von tats\u00e4chlich rebellischer Jugend, nicht nur von \u201arebellischen\u2018 Konsumenten.\u201c (Ebd.)<\/p>\n<p>Wie so oft in der Geschichte der Popkultur ist auch bei der Occupy-Bewegung das politische Potenzial als gesellschaftlicher Einflussfaktor vor allem auf symbolischer Ebene zu suchen. Aber auch ein solches symbolisches Widerstandsmoment kann mit beachtlichen gesellschaftlichen Folgen einhergehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<div>Assheuer,\u00a0Thomas (2011): Fr\u00fchling in Amerika. In:<a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2011\/41\/Anti-Wall-Street-Proteste\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Die Zeit <\/a>vom 06.10.2011.<\/div>\n<div>B\u00fcsser, Martin (2000): Rebel in Society. Der Aufstand des Punk aus dem Geist der Pubert\u00e4t. In: Testcard #9.<\/div>\n<div>\n<div title=\"\">B\u00fcsser, Martin (2004): Bildet Netzwerke! Antifolk. Zur\u00fcck zum Do-It-Yourself. In: Testcard #12.<\/div>\n<div title=\"\">Estes, Adam Clark (2011): Occupy Williamsburg Welcomes the End of the Hipster. In: <a title=\"estes in atlantic wire\" href=\"http:\/\/www.theatlanticwire.com\/national\/2011\/12\/occupy-williamsburg-welcomes-end-hipster\/46163\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Atlantic Wire<\/a> vom 14.12.2011.<\/div>\n<\/div>\n<div>Greif, Mark (2011): Drum Circle History and Conflict. In: In: <a href=\"http:\/\/www.nplusonemag.com\/GAZETTE-2.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Occupy! Gazette #2<\/a>, vom 14.11.2011, S. 38.<\/div>\n<div>\n<div>Greif, Mark (2012): Alles h\u00e4ngt davon ab, was am 1. Mai passiert. Interview von J\u00f6rg H\u00e4ntzschel. In: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 28.04.2012, S. 7.<\/div>\n<\/div>\n<div>Haddow,\u00a0Douglas (2008): Hipster. The Dead End of Western Civilization. In: <a href=\"www.adbusters.org\/magazine\/79\/hipster.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Adbusters #79<\/a>, vom 29.07.2008.<\/div>\n<div>Klein; Naomi\/Marom, Yotam (2012): Why Now? What&#8217;s Next? Naomi Klein and Yotam Marom in Conversation About Occupy Wall Street. In: <a href=\"http:\/\/www.thenation.com\/article\/165530\/why-now-whats-next-naomi-klein-and-yotam-marom-conversation-about-occupy-wall-street\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Nation <\/a>vom 09.01.2012.<\/div>\n<div>Lennard, Natasha (201): Occupy Pop Culture: A Lesson in d\u00e9tournement. In: <a title=\"natasha lennard in salon\" href=\"http:\/\/www.salon.com\/2012\/03\/08\/occupy_pop_culture_a_lesson_in_detournement\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Salon<\/a> vom 08.12.2012.<\/div>\n<div>\n<div>Madrigal,\u00a0Alexis (2011b): Why Occupy? In: <a title=\"The Atlantic\" href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/technology\/archive\/2011\/12\/why-occupy\/248727\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Atlantic<\/a> vom 01.12.2011.<\/div>\n<div>O\u2019Neill,\u00a0Brendan (2011):\u00a0 The Teenage Moralism of the Occupy Wall Street Hipsters almost Makes Me Ashamed to be Left-wing. In: <a href=\"http:\/\/blogs.telegraph.co.uk\/news\/ brendanoneill2 \/100108713\/the-teenage-moralism-of-the-occupy-wall-street-hipsters-almost-makes-me-ashamed-to-be-left-wing\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Telegraph<\/a> vom 03.10.2011.<\/div>\n<div>Roth, Marco (2011): The 99 Percent. Letters of Resignation from the American Dream. In: Occupy! Gazette #1 vom 21.10.2011.<\/div>\n<div>Rudd, Mark (2011): Dear Owsers. In: <a href=\"http:\/\/www.nplusonemag.com\/OCCUPY-GAZETTE.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Occupy! Gazette #1<\/a> vom 21.10.2011, S. 7.<\/div>\n<div>Sloty,\u00a0Ingar (2011): Die Occupy-Bewegung in den USA. In: Z. Zeitschrift f\u00fcr marxistische Erneuerung, Nr. 88, Dezember.<\/div>\n<div>Springsteen, Bruce (2012): Interview von Jon Stewart. In: <a href=\"http:\/\/www.rollingstone.com\/music\/news\/cover-story-excerpt-bruce-springsteen-20120314\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rolling Stone<\/a> vom 29.03.2012.<\/div>\n<\/div>\n<div>van der Buchholz, Helmut (2001): Punk. Ein Fall f\u00fcr den Denkmalschutz. In: Testcard #10.<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>&#8211; Annett Scheffel, geb. 1986, ist freie Journalistin und schreibt u.a. f\u00fcr das Feuilleton der \u201eS\u00fcddeutschen Zeitung\u201c, \u201eDie Zeit\u201c und \u201eRolling Stone\u201c \u00fcber Popkultur, Film, Gesellschaft, Netzkultur und urbanes Leben. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihr Masterstudium \u201eKulturjournalismus\u201c an der UdK Berlin beendete sie 2012 mit einer Arbeit \u00fcber den Zusammenhang von Occupy und Popkultur, die hier auszugsweise zu lesen ist. Mehr zum Thema findet man auch auf ihrem Blog <a title=\"blog scheffel\" href=\"http:\/\/polipopular.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">polipopular<\/a><\/div>\n<div><\/div>\n<div>Kontakt: annett.scheffel@web.de<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stimmung im Zuccotti-Park<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[196,1309,1315,1698,1816,1845,2067,2589],"class_list":["post-1117","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-annett","tag-kritik","tag-kultur","tag-occupy","tag-pop","tag-popkultur","tag-scheffel","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1117","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1117"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1117\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1117"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1117"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1117"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}