{"id":1258,"date":"2013-02-14T21:38:56","date_gmt":"2013-02-14T19:38:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1258"},"modified":"2013-02-14T21:38:56","modified_gmt":"2013-02-14T19:38:56","slug":"personae-des-popein-mediales-dispositiv-popkultureller-analysevon-holger-schulze14-2-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/02\/14\/personae-des-popein-mediales-dispositiv-popkultureller-analysevon-holger-schulze14-2-2013\/","title":{"rendered":"Personae des PopEin mediales Dispositiv popkultureller Analysevon Holger Schulze14.2.2013"},"content":{"rendered":"<p>B\u00fchnenhaftigkeit medialer Existenz<!--more--><\/p>\n<p>\u00bbPopular culture no longer applies to me\u00ab (Art Brut 2005: Track 10). So sangen Art Brut, genauer: ihr S\u00e4nger Eddie Argos in ihrem Song<em> Bad Weekend<\/em>, aus dem Jahr 2005. Obwohl jedes Popprodukt einen solchen Zeitstempel aufgepr\u00e4gt tr\u00e4gt, so f\u00fchrt dieser Satz doch die Pop-Geste schlechthin vor: Die Geste eines grandiosen Verwerfens und Sch\u00f6pfens in einem. Verachtung und Selbsterh\u00f6hung: eine Unterscheidung wird gef\u00e4llt. Pop prozessiert in Distinktionen. <em>Ich bin deeper als Du. Ich bin mehr Indie als Du. Ich bin weniger kredibil als Du.<\/em> Anno 2012 etwa reinszeniert in Kraftklubs <em>Eure M\u00e4dchen<\/em>.<\/p>\n<p>[iframe id=&#8220;http:\/\/www.clipfish.de\/embed_video\/?vid=3712103&amp;as=0&amp;butcolor=13242924&#8243; align=&#8220;center&#8220;] <em>Kraftklub: Eure M\u00e4dchen (2012)<\/em><\/p>\n<p><br class=\"clear\" \/>Historisch l\u00e4sst diese gro\u00dfe Geste sich zur\u00fcckverfolgen zur Habitusform der Dekadenz und des Dandys: die Geste eines verw\u00f6hnten, in Genuss schwelgenden Heranwachsenden. Ganz da in seinem (viel seltener: <em>ihrem<\/em>) eigenen Begehren. Beharren auf Narzissmen und Idiosynkrasien \u2013 ganz entgegen vermeintlich zwingender Forderungen eines \u00bberwachsenen\u00ab oder \u00bbrichtigen\u00ab Lebens. <em>Der Ernst des Lebens<\/em> wie die deutschen Ideal ihr zweites Album aus dem Jahr 1981 tauften. Ein Album, das das erste war, das bei einer gr\u00f6\u00dferen Plattenfirma erschien. Ideal erschienen nicht mehr bei <em>Innovative Communications \/ Deutsche Austrophon<\/em> des Elektronikers Klaus Schulze; sondern nun bei <em>WEA \u2013 Warner-Elektra-Atlantic<\/em>, einem der vier sprichw\u00f6rtlich gro\u00dfen Plattenverlage, den sogenannten \u203aMajors\u2039: ein Wort wie aus einer l\u00e4ngst vergangenen Antike. Die Person auf Ideals Plattenh\u00fclle zeigt den Ernst des Lebens: W\u00e4hrend der kopflose Anzugtr\u00e4ger auf ihrem Debutalbum 1980 sich in vorauseilender Begeisterung noch seine Krawatte bindet \u2013 springt er auf dem zweiten Album ganz leistungsbereit, unternehmungslustig, in karrieristischer Nicht-Verschlurftheit, Nicht-Hippietum, naturbekokst und <em>in need for speed<\/em> \u00fcber die H\u00fcrde: elegant im Schersprung ohne die Latte zu rei\u00dfen. Die Aktentasche ruhig bei Fu\u00df.<\/p>\n<div id=\"attachment_1271\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-387116-1356297552-5672.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1271\" class=\"wp-image-1271 \" title=\"Ideal: Ideal (1980)\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-387116-1356297552-5672-300x295.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-387116-1356297552-5672-300x295.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-387116-1356297552-5672.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1271\" class=\"wp-caption-text\">Ideal: Ideal (1980)<\/p><\/div>\n<div id=\"attachment_1272\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-357148-1121526632.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-1272\" class=\"wp-image-1272 \" title=\"Ideal \u2013 Der Ernst des Lebens (1981)\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-357148-1121526632-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-357148-1121526632-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-357148-1121526632-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-357148-1121526632-100x100.jpg 100w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/02\/R-357148-1121526632.jpg 340w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-1272\" class=\"wp-caption-text\">Ideal \u2013 Der Ernst des Lebens (1981)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Person \u2013 obwohl kein vordergr\u00fcndig erkennbares Mitglied von Ideal \u2013 ist charakteristisch f\u00fcr den Umgang des Pop mit Abbildungen seiner Protagonisten: ein stilisierter, globalisierter Personenkult, der in den letzten Jahren anhand von Begriffen wie <em>\u203aStarsystem\u2039, \u203aCelebrity\u2039 oder \u203aProminenz\u2039<\/em> diskutiert wurde an Beispielen der Filmindustrie, der Yellow Press und Netz- sowie TV-Formaten (vgl. etwa Decker 2005). Dieser Beitrag unternimmt dagegen den Versuch, dieser Vielfalt detailfreudiger Kasuistiken \u2013 die sich mal kulturkritisch und -pessimistisch, mal campy und weird geben \u2013 ein dispositivtheoretisches Modell vorzuschlagen: ein begriffliches und analytisches Instrumentarium, das den spezifischen Formen der Performanz, der Narration und des Mediengebrauches, die die Popkultur pr\u00e4gen, angemessen sein soll (vgl. hierzu auch: Klein\/Mart\u00ednez 2003). Mein Artikel hat drei Teile: im ersten Teil erkunde ich zwei spezielle<em> Dispositive des Pop<\/em>: die <em>mediale B\u00fchne<\/em> und die <em>mediale Erz\u00e4hlung<\/em>; dieses <em>mediale Erz\u00e4hlen des Pop<\/em> wird im zweiten Teil n\u00e4her bestimmt: anhand exemplarischer Elemente dieses Erz\u00e4hlens wird die <em>mediale Persona im Pop<\/em> als emergentes, drittes Dispositiv entwickelt; zum Abschluss m\u00f6chte eine beispielhafte Dispositiv-Analyse vorlegen \u2013 anhand zweier Videoclips, von Johnny Cash und von den Gorillaz.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Dispositive des Pop<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">(1) Die mediale B\u00fchne: Eminente Performanz<\/p>\n<p>In einer Popkultur zu leben hei\u00dft, auf medialen B\u00fchnen sich darzustellen. Die mediale B\u00fchne (vgl. Schulze 2012, 2013) als solche ist das erste Dispositiv, das den Pop pr\u00e4gt. Den Begriff des Dispositivs gebrauche ich in seiner Ausdeutung durch Rolf Gro\u00dfmann (Gro\u00dfmann 2008), der den musikwissenschaftlich gebr\u00e4uchlichen Begriff der <em>Auff\u00fchrungspraxis<\/em> kritisierte, er sei zu stark auf menschliche Akteure verengt und anthropozentrisch ontologisierend. Als Alternative schlug er vor, den theoriehistorisch breiter verankerten, subtileren und versatileren Begriff des Dispositivs zu nutzen. Gro\u00dfmann beruft sich auf die klassisch-filmwissenschaftliche Definition von Jean-Louis Baudry (Baudry 1970, 1975). Baudry hatte das Dispositiv ganz auf die Apparatur des Kinofilmes und seiner Projektion, Produktion und Perzeption durch ein Subjekt zugeschnitten; mit dem Ziel, die \u00bbeffets id\u00e9ologiques\u00ab, die ideologischen Effekte, die in dieser Apparatur liegen, zu untersuchen. Weitergedacht wurde das Dispositiv der Apparate in Michel Foucaults Reformulierungen (Foucault 1977\/2003) als Machtstruktur in den Dingen; und schlie\u00dflich in Giorgio Agambens Deutungen (Agamben 2006) im Sinne von <em>affordances<\/em>, Angebotscharakteren (Gibson 1977, 1979). An diese Begriffsgeschichte schlie\u00dfe ich an, wenn ich Gro\u00dfmanns Materialit\u00e4t der medial-apparativen Auff\u00fchrung weiterdenke in die Vielfalt medialer Darstellungsformen der Gegenwart.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Jede<em> mediale B\u00fchne<\/em> ist dann ein solch ein Dispositiv der Auff\u00fchrung des Pop: Facebook-pages, Talkshows, twitter-accounts, Musikvideos, <em>acceptance speeches<\/em> oder Moderationen bei Preisverleihungen. An diesen Orten ereignet sich Pop auf eminente Weise: auf B\u00fchnen mit spezifischen Auff\u00fchrungssituationen aktualisiert sich das Arsenal von Handlungen, Figuren, Situationen und Artefakten des Pop in seiner spezifischen Performanz. Die mediale B\u00fchne des Pop kann vieles sein: die stage eines Club- oder Open Air-Konzerts, der Dancefloor eines House-Clubs oder Open Air Raves; B\u00fchne werden auch gleicherma\u00dfen prominente wie verhasste und unaufh\u00f6rlich genutzte Stra\u00dfen, Vorpl\u00e4tze, Flohm\u00e4rkte oder ganze Stadtteile pop-notorischer St\u00e4dte; und nat\u00fcrlich sind alle aktuell weit ausstrahlenden Sendeformate als B\u00fchnen des Pop anzusehen: ob radiophon, television\u00e4r, schriftmagazinisch, datenbankbasiert oder in heute noch undenkbaren Formaten.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Mit dem Begriff des <em>Dispositivs einer medialen B\u00fchne<\/em> kann eine etwas naive Kultur- und Medienkritik an jedweder Performanz in der Popkultur zur\u00fcckgelassen werden \u2013 bei Liebhabern des Kulturpessimismus. In einer Popkultur zu leben bedeutet, die B\u00fchnenhaftigkeit medialer Existenz nicht nur notgedrungen sich einzugestehen \u2013 sondern sie als grundlegend, lustvoll, ja erkenntnis- und gl\u00fccksbringend anzunehmen und aufzusuchen: Performanz ist die eminente kulturelle Form des Pop. Zu beobachten etwa bei einem Auftritt der S\u00e4ngerin Karin Dreijer Andersson alias Fever Ray bei ihrem Auftritt 2010, um den Preis <em>Dance Artist, \u00c5rets Dans<\/em> im schwedischen G\u00f6teborg entgegenzunehmen:<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[iframe id=&#8220;http:\/\/www.youtube.com\/embed\/ymCP6zC_qJU&#8220; align=&#8220;center&#8220;]<br \/>\n<em>Karin Dreijer Andersson, Acceptance Speech \u2013 P3 Guld Award Show G\u00f6teborg\/Schweden (15. Januar 2010)<\/em><\/p>\n<p>Gekleidet in eine stilvolle rote Gaze-Burka der Haute Couture kommt eine <em>Elephant<\/em> <em>Man<\/em>-artige, hautfarbene Maske als deformiertes, zerst\u00f6rtes Gesicht zum Vorschein: als Dankesrede erlaubt sie nur ein hilfloses Keuchen, \u00c4chzen und St\u00f6hnen, moribund und leidend. Die kulturhistorisch topisch beklagte <em>Verlogenheit<\/em> oder <em>Falschheit<\/em> \u00f6ffentlicher Selbstdarstellung auf Theater-, Film- oder Netzb\u00fchnen, all die Posen und Affektiertheiten, die lustvoll genossenen Selbstwiderspr\u00fcche werden vor dem Hintergrund eines Dispositivbegriffs der medialen B\u00fchne deutlich erkennbar als Auff\u00fchrungen genau <em>f\u00fcr<\/em> diese B\u00fchnen. Alle Kulturkritik daran, mindestens so alt wie das antike Theater, alle Kritik an mangelnder Authentizit\u00e4t muss schlichtweg als ein Kategorienfehler angesehen werden. Die <em>eminente Performanz<\/em> als solche wird verkannt.<\/p>\n<p>Denn die Popkultur liebt diese medialen B\u00fchnen: potenziell jede Person, die sich performativ als herausragend zeigt, kann hier zur beeindruckenden Persona, zur Protagonistin werden: S\u00e4ngerinnen und Politiker, Sportlerinnen oder T\u00e4nzer; Straft\u00e4terinnen und Journalisten, Unternehmerinnen und Autoren, Wissenschaftlerinnen und K\u00fcnstler, Schauspieler oder Regisseurinnen, Programmiererinnen und K\u00fcchenchefs. Dabei zeigen diese Protagonistinnen sowohl ihre Liebe zu wie auch ihren Hass auf die B\u00fchnen des Pop: Jede Hymne auf die B\u00fchnenexistenz kann bald schon gefolgt werden von ihrer symbolhaften Schm\u00e4hung und Verweigerung. Wer mediale B\u00fchnen so sehr liebt, der genie\u00dft darin sich selbst als eine Persona seiner selbst: als stilisierte Figur oder Maske \u2013 die in jedem Akt des Handelns und der Sprache nur von sich selbst erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">(2) Die mediale Erz\u00e4hlung: Exaltierte Abgrenzung<\/p>\n<p>Auf medialer B\u00fchne zeichnet sich die mediale Persona des Pop vor allem durch ihre spielerische Freude an Selbst\u00fcber- und -untertreibung aus: durch lustvollen Exhibitionismus und Selbstbest\u00e4tigung im Widerhall durch Viele. Splatterhaft-kreischende Pornographie ist hier ebenso Stilmittel wie die beinerne Askese der Weltverachtung: beides sind lediglich Erz\u00e4hlformen, die eine mediale Persona sich w\u00e4hlt. Die Stimme solcher Protagonistinnen schallt durch diese \u00bbper-son\u00ab, die Maske, hindurch und zeigt sich. Denn der performative Stolz einer Pop-Persona besteht nicht darin, <em>nur eine einzige Person<\/em> darzustellen; sondern einen ganzen Schwarm von Masken und Rollen, Habitusformen und Stilebenen intensiv zu leben und auszuf\u00fcllen: jede einzelne Persona in aller Dramatik, ja Melodramatik, bis hin zu <em>queerer<\/em> \u00dcberspanntheit und in vollem <em>drag<\/em> auszuspielen. Dieser Reichtum an Lebens- und Darstellungsm\u00f6glichkeiten, aus erz\u00e4hlerischer und performativer F\u00fclle, der eine Pop-Persona ausmacht, er begr\u00fcndet die exaltierte Abgrenzung, die sich daraus ergibt. Oder wie Rainald Goetz anno 2007 in seinem Weblog zu jener Zeit schrieb: \u00bbKeine sch\u00f6nere Art von Zustimmung zur eigenen Bem\u00fchung und den Resultaten gibt es, als die Ablehnung durch die, die man selber f\u00fcr totale Deppen h\u00e4lt.\u00ab (Goetz 2007: 3. April)<\/p>\n<p>Hierin zeigt sich das Gemeinsame von drei Figuren, die gerne in \u00dcberschneidung betrachtet werden: dem <em>Dandy<\/em>, der <em>Diva<\/em> und dem (Pop-)Star (vgl. etwa Hawkins 2009, Bronfen &amp; Straumann 2002, Dyer 1980\/1998) \u2013 zwischen David Bowie, Jim Morrison, Diamanda Galas, Brian Eno, Boy George, Bj\u00f6rk, Billy Corgan, Antony Hegarty, Emily Haines, Karen O. Dandy, Diva und Star, Diese drei charakteristischen und herausragend stolzen medialen Personae betonen jeweils unterschiedlich ihre eigene, exaltierte Abgrenzung von zeitgen\u00f6ssisch geltenden Normalismen (Link 1997).<\/p>\n<p>Deutlich zeigt sich das poptypische Oszillieren zwischen Dandy- und Diventum wohl an den folgenden Song- und Albumtiteln eines britisch-irischen S\u00e4ngers: <em>Irish Blood, English Heart. You are the quarry! You have killed me. I have forgiven Jesus. First of the Gang to die. The Youngest was the Most Loved.<\/em> Die Pop-Persona Morrissey lebt in ihren Songs und Auftritten und Videos besonders deutlich durch und aus der F\u00fclle ihrer Masken: ihrer luxurierenden Empfindungen und Gedanken. Gerade weil sie darin vor allem ihre eigene Niederlage, Selbstaufgabe, die Minderwertigkeit und gesellschaftliche Nutzlosigkeit unaufh\u00f6rlich betont. Exaltierte Abgrenzung von der Norm euphorischer Selbsterh\u00f6hung kann somit in Selbsterniedrigung am besten erfolgen. Durch Kapitulation: \u00bbDas sch\u00f6nste Wort in deutscher Sprache\u00ab, wie Tocotronic oder ihr S\u00e4nger Dirk von Lowtzow, einst kundtaten.<\/p>\n<p>Die folgenden Zeilen wurden denn auch \u2013 in besonders exaltierter Abgrenzung \u2013 nicht gesungen sondern gesprochen, auf der B-Seite einer Single mit dem Titel <em>Sag alles ab<\/em>: \u00bbViel mehr als das ordin\u00e4re Scheitern ist die Kapitulation vor allem dies: Ein Zerfall. Ein Fall. Eine Befreiung. Eine Pracht. Eine Hingabe. Die endg\u00fcltige Unterwerfung. Die gr\u00f6\u00dfte aller Niederlagen. Und gleichzeitig unser gr\u00f6\u00dfter Triumph.\u00ab (Tocotronic 2007a: Seite B) Es ist diese Erz\u00e4hlung von exaltierter Abgrenzung, von arroganter Freude am Abgelehntwerden (von jenen, die wiederum selbst h\u00f6chst ablehnungsw\u00fcrdig sind), die die Protagonisten solcher Erz\u00e4hlungen auch zu Heroen und Heroinen der Genderverschiebung gemacht hat.<\/p>\n<p>Denn wer eine Vielfalt an \u00fcberspannten Personae in sich zu vereinen versucht \u2013 wie etwa Brian Joseph Burton alias DJ Dangermouse oder Richard D. James alias Aphex Twin \u2013 der oder die missachtet aktuell geltende Kategoriengrenzen: Epochen und Kontinente, Schichten und Rassen, Geschlechter und Charaktere \u2013 das alles will mit Chuzpe, mit Aplomb und Verve zusammengeworfen sein.<br \/>\n<br class=\"clear\" \/>[iframe id=&#8220;http:\/\/player.vimeo.com\/video\/47535879?title=0&amp;byline=0&amp;portrait=0&amp;color=ff0d15&#8243; align=&#8220;center&#8220;]<br \/>\n<em>Von S\u00fcdenfed alias Mouse on Mars &amp; Mark E. Smith: Fledermaus Can&#8217;t get It (2007)<\/em><\/p>\n<p>Der <em>Dandy<\/em> verbindet dies in seiner Performance: Momente dekadenten (Selbst-)Genusses mit dezidierter, teils asketischer Entsagung des vulg\u00e4ren Konsums seiner Zeit; die <em>Diva<\/em> dagegen scheint eben diese Entsagung sogar hochm\u00fctig zum Kern ihrer elit\u00e4ren \u00dcberlegenheit hochzustilisieren. Die Raumverdr\u00e4ngung einer Diva auf medialen B\u00fchnen ist dabei eindeutig gr\u00f6\u00dfer als die eines Dandys. <em>Popstars<\/em> schlie\u00dflich mischen diese Verhaltensweisen und entwickeln eine Persona sui generis. Eine solche Pop-Persona aus sich zu machen ist nichts anderes als eine Omnipotenzphantasie aufzuf\u00fchren: lustvoll gew\u00e4hlt im Bewusstsein, sich selbst niemals verlieren zu k\u00f6nnen \u2013 sondern immer und ausschlie\u00dflich nur sich selbst begegnen zu k\u00f6nnen; den eigenen Neigungen und Idiosynkrasien. Eine Pop-Persona, die idealerweise schon zu Lebzeiten zur Ikone wird \u2013 als perfekte Projektionsfl\u00e4che und Personalit\u00e4tstraining der Adoleszenz: James Dean, Marilyn Monroe, Elvis, Michael Jackson, Madonna, Kurt Cobain, Lady Gaga. Ego in Kategoriendrift. Noch in gr\u00f6\u00dften Selbstwiderspr\u00fcchen ist eine Pop-Persona stets sie selbst.<\/p>\n<p>Popstars m\u00fcssen also weder Diva noch Dandy werden \u2013 die Neigung hierzu besteht aber. Denn die Intensit\u00e4t und Intimit\u00e4t dieses exaltierten Selbstverst\u00e4ndnisses braucht ein Medium: das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Medium des Pop \u2013 auf gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher B\u00fchne. Der gro\u00dfe Auftritt. Was aber erz\u00e4hlt die exaltierte Abgrenzung genau? Erz\u00e4hlt sie nur, wie Morrissey etwa: \u00bbThere is no such \u2013 thing in life as normal!\u00ab (Morrissey 2006: Track 4)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die mediale Erz\u00e4hlung des Pop<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">(1) Elemente medialen Erz\u00e4hlens: Aboutness jenseits der Sprache<\/p>\n<p>Eine mediale Erz\u00e4hlung ist keine verbale Erz\u00e4hlung. Sie bedient sich einer potenziell immer neu erweiterbaren Vielfalt von Objekten, Artikulationsformen und Artefakten. Diese Vielfalt an Gegenst\u00e4nden und Materialit\u00e4ten, durch die erz\u00e4hlt wird, sie wird verbunden durch ihre <em>aboutness<\/em> (Danto 1981): sie werden sowohl als affizierende, begeisternde, auch fetischisierbare Materialit\u00e4ten pr\u00e4sentiert \u2013 und zugleich nimmt diese Pr\u00e4sentation eine besondere Bedeutung an im Kontinuum zeitgleicher oder historischer Artikulationsformen des Pop.<\/p>\n<p>Auf einer medialen B\u00fchne des Pop propagiert jede einzelne Artikulation (in Dingen oder Worten oder Handlungen) das gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Narrativ \u2013 je dezidierter und alternativloser umso wirkm\u00e4chtiger. Sprache ist im Rahmen medialer Erz\u00e4hlungen also kein Haupttr\u00e4ger der Narration \u2013 eher im Gegenteil. Die Lyrics von Popsongs entstehen vielmehr <em>heteronom<\/em> in Abh\u00e4ngigkeit zur grundlegenden Musik, einer Performance und medialen B\u00fchne.<\/p>\n<p>Frank Zappa etwa, der Vorsokratiker unter den Popkomponisten, konnte Lyrics schreiben, die im Kern nichts anderes waren als dienstbare Kl\u00e4nge, mit denen ein Mund durch Sprechgesang einen Song begleiten kann: trotz aller nonkonformistischen Semantik, inklusive misandrischer und misogyner Untert\u00f6ne (Zappa 1990). Worte im Pop erf\u00fcllen \u2013 wie in diesem Beispiel \u2013 eine begleitende Funktion. Sie entstehen oft nachgeordnet und eingeflochten, ganz zuletzt im Prozess der Genese eines Songs. Neben Instrumentation, Songtitel, Plattencover, B\u00fchnenkost\u00fcm oder auch Makeup, entstehen auch sie im Wechselschritt mit allem anderen.<\/p>\n<p>Das meiste an solcher Pop-Performance erz\u00e4hlt wortlos: die Kleidung auf der B\u00fchne; die Gestaltung von Plattenh\u00fcllen durch Hausgraphiker; die Songtitel in den Playlists. Sie alle erz\u00e4hlen weniger durch Semantik als durch stilistische Wahl, durch poetische Funktion. Was erz\u00e4hlt zum Beispiel diese Serie aus sechs Albumtiteln und Plattenh\u00fcllen: <em><a title=\"Discografie Blumfeld\" href=\"http:\/\/www.discogs.com\/artist\/Blumfeld\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ich-Maschine (1992), L\u2019\u00e9tat et moi (1994), Old Nobody (1999), Testament der Angst (2001), Jenseits von Jedem (2003), Verbotene Fr\u00fcchte (2006)<\/a>.<\/em><\/p>\n<p>Diese Serie ist eine Erz\u00e4hlung: eine Erz\u00e4hlung von Individuation und Reifung, fast ein Bildungsroman, \u00fcber vierzehn Jahre hinweg. Der Bezug auf einen titelgebenden Sonderling in einer Kafka-Erz\u00e4hlung bleibt zwar unerw\u00e4hnt, jedoch sp\u00fcrbar. Nicht nur Pop-Produkte allein aber erz\u00e4hlen \u2013 sondern jeder einzelne (Nicht-)Auftritt erz\u00e4hlt medial, durch Dinge: jedes Paparazzi-Foto, jedes Ger\u00fccht, jede Homestory und jeder Blogeintrag, jeder Tweet oder Facebook-Status wird zum Bestandteil der medialen Erz\u00e4hlung einer Pop-Persona. Solches Konzept des Erz\u00e4hlens hat mit auktorialen Erz\u00e4hlformen des 19. Jahrhunderts wenig gemein. Das Handeln erz\u00e4hlt hier in allen Kontexten und Situationen, auf allen denkbaren kleineren oder gr\u00f6\u00dferen medialen B\u00fchnen.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung einer Pop-Persona erz\u00e4hlt also durch<em> all diese<\/em> medialen Manifestationen ihrer Existenz. Sie erz\u00e4hlen \u2013 in einem nicht-trivialen, nicht-linearen Sinne \u2013 wie erw\u00e4hnt durch Kleidung, visuelle Gestaltung, Versprecher oder Wutausbr\u00fcche, Talkshowauftritte und vor\u00fcbergehende romantische Partner, die Wahl eines Songtitels, auch durch den gew\u00e4hlten Regisseur eines Musikvideos und durch die Plattform, auf der dieses Musikvideo zuerst gezeigt wird. Die Autorschaft medialer Erz\u00e4hlungen ist somit noch weiter und noch weitaus unbeherrschbarer verteilt als in allen anderen und vertrauten Formen kollaborativer Autorschaft in Teams und Agenturen. Die Persona im Zentrum fungiert hier bestenfalls noch als k\u00fcnstlerische Leiterin ihrer selbst \u2013 manchmal aber auch nur noch als ein dankbarer, publikumstauglicher Erz\u00e4hlanlass f\u00fcr neue Produktionen und Projekte.<br \/>\n<br class=\"clear\" \/>[iframe id=&#8220;http:\/\/www.youtube.com\/embed\/YKR-PuGhh1Q&#8220; align=&#8220;center&#8220;]<br \/>\n<em>Nina Hagen in der Talkshow Club 2 des ORF 2, 9. August 1979<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">(2) Die mediale Pop-Persona: Apodiktische Existenzrahmung<\/p>\n<p>Mediale Personae singen und erz\u00e4hlen also von sich selbst: in medialen Erz\u00e4hlungen jenseits oder doch am Rande der Schriftkultur. Sie bespielen das Dispositiv der medialen B\u00fchne \u2013 als Teil dieses medialen Dispositivs. Oder wie der Autor Thomas Palzer einmal sagte, in seinem H\u00f6rst\u00fcck <em>Journal intime<\/em>, LP: \u00bbEs fing an, glaub\u2019 ich, weil ich dachte, irgendwann Mal beim Abh\u00f6ren, irgendwie beim H\u00f6ren von H\u00f6rspielen, dass ich dachte: die Leute wollen eigentlich lieber \u2013 Musik machen; sie machen es \u00fcber den Umweg der ganzen abendl\u00e4ndischen Geistesgeschichte: Warum machen sie nicht gleich Musik?\u00ab (Palzer 1996)<\/p>\n<p>Was erz\u00e4hlt also diese Musik im engeren Sinne? Was erz\u00e4hlen Popsongs als mediale Erz\u00e4hlungen \u00fcber das Dispositiv einer Persona? Ich werde im Folgenden weder versuchen noch behaupten, das Sprechen \u00fcber Popsongs ganz neu erfinden zu wollen. Aber ich m\u00f6chte auf ein h\u00f6chst charakteristisches und vielleicht ma\u00dfgebliches Sprechen hinweisen, das Pop-Personae als Dispositive offenbaren: das Sprechen \u00fcber das eigene Leben, die eigene Performanz, das Leben auf den B\u00fchnen des Pop. Anhand von drei Beispielen aus dem historischen ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.<\/p>\n<p>Mike Skinner etwa, britischer Rapper und Produzent und alle Mitglieder von The Streets, performte seine exaltierte Abgrenzung in jenem Jahrzehnt wie folgt, textlich: \u00bbThe thing that\u2019s got it all fucked up now is camera-phones. How the hell am I supposed to be able to do a line in front of complete strangers, when I know they\u2019ve all got cameras?\u00ab (The Streets 2006: Track 7) Mike Skinner erz\u00e4hlt sich als Drogenkonsument; strukturell verkokst wie \u00fcblich im medial-publizistischen Komplex der Agenturen und Produktionsteams: Handykameras, diese neue Errungenschaft der 2000er Jahre, sind hierf\u00fcr (vor allem in Verbindung mit sozialen Netzwerken) eine bedrohliche und die koksende Persona verunsichernde Tatsache. Wie ver\u00e4ndern diese Handybilder meine mediale Erz\u00e4hlung?<\/p>\n<p>Eine ganz andere Geschichte von sich selbst erz\u00e4hlte Damon Albarn in jenen Jahren; der S\u00e4nger von Blur, zu Zeiten der Bush-Blair\u2019schen Irak\/Afghanistankriege in einer seiner vor\u00fcbergehenden Bands, The Good, The Bad And The Queen singt lieber von einer: \u00bbFriday night in the Kingdom of Doom. Ravens fly across the room. All in now there\u2019s a noise in the sky following all the rules and not asking why. Drink all day \u2018cos the country\u2019s at war; you\u2019ll be falling on the palace floor. I can\u2019t be anymore than I see in the flood get washed away.\u00ab (The Good, The Bad And The Queen 2007: Track 4) Er erz\u00e4hlt vom Kriegszustand, vom Trinken und dem fraglosen Regeln befolgen; und von einer Flut. Im Hintergrund dieser Erz\u00e4hlung h\u00f6ren wir noch die Jubelrufe von <em>Cool Britannia!<\/em>, ein Slogan, mit dem es New Labour unter Blair sogar fast gelungen war, sowohl Blur als auch Oasis als seine Unterst\u00fctzer zu gewinnen: in der R\u00fcckschau ein absurdes Theater neoliberal-esoterischen Wahns der 1990er Jahre.<\/p>\n<p>Die letzte kleine Erz\u00e4hlung stammt von James Murphy vom New Yorker LCD Soundsystem jener Jahre, der singt und spricht: \u00bbI don\u2019t know, I don\u2019t know, oh, where to begin when we\u2019re North American. But in the end we make the same mistakes all over again. Come on North Americans: We are north american scum! We\u2019re from North America!\u00ab (LCD Soundsystem 2007: Track 3) Gleichfalls \u2013 wie Albarns Erz\u00e4hlung \u2013 gepr\u00e4gt vom Ansehensverlust der Bushjahre und eines <em>War against Terror<\/em>, der nach wie vor unsere Gegenwart als Geisel der Sicherheitskontrollen, \u00dcberwachungskameras und Vorratsdatenspeicherung h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Eine ganz poptypische Pose der Selbsterniedrigung und des Dennoch, eben der exaltierten Abgrenzung: <em>Nat\u00fcrlich bin ich, sind wir nichts anderes als nordamerikanischer Abschaum; und wir sind auch noch stolz darauf, bauem immer wieder den gleichen Schei\u00df!<\/em> Diese drei Ausz\u00fcge aus Lyrics der 2000er Jahre erz\u00e4hlen \u2013 jenseits der wortw\u00f6rtlichen Erz\u00e4hlungen \u2013 von in sich gebrochenen, wei\u00dfen, m\u00e4nnlichen Songwritern und Textern und Produzenten. Abgesehen von diesen konkreten Beispielen \u2013 ich k\u00f6nnte andere w\u00e4hlen \u2013 stilisieren diese Texte aber nicht nur. Sie erz\u00e4hlen vor allem auch \u00fcber die Selbstwahrnehmung, das Selbsterleben als \u00f6ffentliche Figur, als mediale Persona.<\/p>\n<p>Die mediale Persona des Pop (und das hei\u00dft in diesem Fall: des idealtypisch wei\u00dfen, westlichen, wohlhabenden und m\u00e4nnlichen Pop) der 2000er Jahre ist \u00fcberrascht und irritiert: sie kann nicht mehr ohne weiteres lines ziehen; sie kommt nicht \u00fcber den Irakkrieg unter New Labour hinweg; sie wird von Fans gerne f\u00fcr britisch gehalten. In allen diesen drei Ausz\u00fcgen \u2013 und mehr w\u00e4ren zu zitieren \u2013 pr\u00e4sentieren sich auch mediale Erz\u00e4hlungen als Selbsterz\u00e4hlungen. Die eigene Existenz wird in einer gesteigerten Interpretation auf den Punkt gebracht und eben in einer exaltierten Abgrenzung inszeniert. <em>I am what I am. This is my life: eine apodiktische Existenzrahmung. We\u2019re never stop living that way.<\/em><\/p>\n<p>Diese <em>Existenzrahmung<\/em>, die Popmusik immer auch f\u00fcr ihre H\u00f6rerinnen und H\u00f6rer bedeutet, beginnt in diesen medialen Selbsterz\u00e4hlungen. Die Persona rahmt sich selbst in ihren Produkten; und wir, begeisterte H\u00f6rer, Fans, nehmen dieses Angebot an und lassen unsere Existenzen vielleicht davon mitrahmen. So werden Pop-Personae zu Vorbildern im performativen und k\u00f6rperlichen Sinne.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte hierzu auch die ganz <em>grands r\u00e9cits<\/em> der klassischen Weltpop-Personae zitieren k\u00f6nnen wie Lady Gaga, Madonna, Bj\u00f6rk, Michael Jackson oder Prince; doch entsteht die Existenzrahmung nicht durch die Gr\u00f6\u00dfe der Verkaufszahlen. Mediale Personae erleben und singen sich gerade in ihren kleinen, mutma\u00dflich lakonischen allt\u00e4glichen Handlungen. In Verwechslungen, Erwartungen und Begehren.<\/p>\n<p>Mike Skinner noch einmal, aus dem gleichen Song: \u00bbWhen you&#8217;re a famous boy, it gets really easy to get girls: It\u2019s all so easy you get a bit spoilt. But, when you try to pull a girl, who is also famous too: It feels just like when you wasn\u2019t famous\u00ab (The Streets 2007: Track 7) Die Fama, das Ger\u00fccht um medialer Personae, sie tr\u00e4gt zur Existenzrahmung ganz entschieden bei. Die Gr\u00f6\u00dfe einer Persona belegte sich nicht zuletzt auch im assimilieren, transformieren und verk\u00f6rpern solcher Projektionen.<br \/>\nMediale Personae \u00e4hneln darin den Figuren der Commedia dell\u2019Arte, sie sind Hanswurste und Columbinen, Pantalones. Anno 1998 wird die Commedia dell\u2019Arte der Gegenwart denn auch von Rainald Goetz wie folgt erz\u00e4hlt, in seinen Frankfurter Poetik Vorlesungen <em>\u00c4sthetische Praxis. Praxis Dr. Wirr:<\/em><\/p>\n<p>\u00bbMan sieht Till Schweiger und Edmund Stoiber, Arabella Kiesbauer, Georg Kofler, J\u00f6rg Heider und den gro\u00dfen Lindenstra\u00dfen-Darsteller Georg Schr\u00f6der, neben Peter Handke, der an dem Abend einen Lebenswerk-Bambi bekommen sollte, oder noch sch\u00f6ner nat\u00fcrlich: schon bekommen hat. Aus der Hand, wir sehen die Aufzeichnung, diesen bewegenden Moment, seines Freundes Hubsi Burda. Applaus brandet auf, Sloterdijk verneigt sich \u2013 und Bernd Eichinger, der gro\u00dfe Amerikaner, steigt jetzt aus dem Bus, so l\u00e4ssig es geht, die Waffe R\u00f6ssners am Kopf.\u00ab (Goetz 1999: 257) Die mediale B\u00fchne ist ein solcher Verst\u00e4rker, ein Vergr\u00f6\u00dferungsglas der jeweiligen Eigenheiten. Oder wie Goetz schreibt: \u00bbDie B\u00dcHNE ist eine LUPE.\u00ab (Goetz 1999: 257)<\/p>\n<p>Durch diese Lupe sieht das Duo Die Zimmerm\u00e4nner \u2013 ihr vorletztes Album erschien 1984, Titel: <em>Goethe<\/em>; ihr letztes, <em>Fortpflanzungssupermarkt<\/em>, erst 23 Jahre sp\u00e4ter, 2007 \u2013, diese Zimmerm\u00e4nner also, Timo Blunck und Detlef Diederichsen, viele mediale Personae gegenw\u00e4rtig stolzieren. Personen, die ihre Existenz nicht nur durch mediale Pop-Erz\u00e4hlungen rahmen, sondern auch durch Pop-Design, -Politik und -Ergonomie.<\/p>\n<p>Diese Gruppe von Menschen \u2013 zu denen vermutlich nicht wenige Leserinnen und Leser dieses Artikels, wohl auch sein Autor, mehr oder weniger geh\u00f6ren \u2013 besingen die Zimmerm\u00e4nner denn auch wie folgt, in sarkastischer Affirmation im Song Nirwana: \u00bbDu willst einen Porsche mit Elektroantrieb und ein ergonomisches Bett. Ein Leichtmetallrad. Ein Beet mit Salat. Und endlich einen perfekt regierten Staat. Du willst einen iPod f\u00fcr Deinen Nintendog. Eine Araukarie f\u00fcrs Bad. Deine Kindheit zur\u00fcck. Deinen Anteil vom Gl\u00fcck. Und vom K\u00e4sekuchen der Liebe ein St\u00fcck. Du willst, dass die Bl\u00f6dm\u00e4nner anfangen zu schweigen. Dass Pure Vernunft endlich siegt\u00ab (Die Zimmerm\u00e4nner 2007: Track 8) P<em>ure Vernunft darf niemals siegen<\/em> lautete bekannterma\u00dfen der Titel einer Albumerz\u00e4hlung von Tocotronic: Widerstand gegen den von den Zimmerm\u00e4nnern karikierten, wei\u00dfen Faschismus kalifornischer Vernunft-Ideologie (Barbrook\/Cameron 1995) \u2013 herausragend im Apple-Konzern, der letzthin immer mehr in seiner Ideologiehaftigkeit begriffen wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Zwei Dispositiv-Analysen<\/p>\n<p>Das Dispositiv der Pop-Persona zeigt sich in Handlungen und in Dingen: in Sprechhandlungen und in audiovisuellen Artefakten. Ein historisch eminentes Genre ist dabei das Musikvideo. Dinge und Handlungen bespielen diese herausragende mediale B\u00fchne. Zwei Beispiele f\u00fcr mediale Erz\u00e4hlungen m\u00f6chte ich an dieser Stelle zeigen und untersuchen; Beispiele f\u00fcr eine Dispositiv-Analyse des Pop.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">(1) Johnny Cash: Hurt<\/p>\n<p>Was sehen wir in diesem Musikvideo? Wir sehen \u2013 und h\u00f6ren \u2013 einen Lebensr\u00fcckblick. Hurt war die letzte Single der medialen Persona Johnny Cash, vielleicht ihr gr\u00f6\u00dfter Welterfolg in den Charts, ein Jahr vor ihrem Tod. Produziert hat diesen Song wie auch die letzten Alben von Cash, Produzent Rick Rubin als American Recordings, so der Name von Rubins Label \u2013 in den 1980ern hatte Rubin das Hip Hop-Label Def Jam Recordings mitgegr\u00fcndet und f\u00fcr die Beastie Boys gedeejayt.<br \/>\n<br class=\"clear\" \/>[iframe id=&#8220;http:\/\/player.vimeo.com\/video\/3104201?byline=0&amp;portrait=0&amp;color=ffffff&#8220; align=&#8220;center&#8220;]<br \/>\n<em>Johnny Cash\/Trent Raznor\/Mark Romanek: Hurt (1994\/2003)<\/em><\/p>\n<p>Die mediale Videob\u00fchne wurde inszeniert von Mark Romanek aus Chicago; f\u00fcr Madonna, David Bowie, Michael und Janet Jackson sowie f\u00fcr Trent Reznors Nine Inch Nails hatte dieser elegant-stilisierte dystopische Szenarien entworfen: im Platinschimmer gerundeter Armaturen begegneten sich Stilisierung und die Rebellion dagegen.<\/p>\n<p><em>I hurt myself today<\/em><br \/>\n<em> to see if I still feel<\/em><br \/>\n<em> I focus on the pain<\/em><br \/>\n<em> the only thing that\u2019s real<\/em><\/p>\n<p>Medial wird uns hier erz\u00e4hlt von der Persona Cash und ihrer Erkrankung des \u00e4u\u00dferen Nervensystems; die ihrer eigenen Geschichte begegnet im <em>House of Cash Museum<\/em> in Nashville, ein Mausoleum zu ihren Ehren, seit einiger Zeit schon geschlossen. Cash versch\u00fcttet Wein auf einem \u00fcppig gedeckten Tisch; seine Preise, seine alten Filme, Filmauftritte sind zu sehen. Der R\u00fcckblick auf ein Leben, seine Frau June Carter Cash bei ihm, die noch vor ihm sterben sollte; an uns zieht sein Leben vorbei. Am Ende des Videos schlie\u00dft Cash die Abdeckung des Pianos, woraufhin die Einblendung erscheint: \u00bbSongwriter: Trent Reznor\u00ab Die mediale Erz\u00e4hlung, die uns hier so sehr ergreifen und ber\u00fchren kann, sie beruht ganz auf einer Coverversion; einem Lied, dass Reznor (geboren 1965) in seinem Indie-Erfolgsalbum <em>The Downward Spiral<\/em> von 1994 zum ersten Mal produziert und selbst interpretiert hatte.<\/p>\n<p>Die mediale B\u00fchne, die Cash hier bereitet wurde und die er als mediale Persona wie gewohnt souver\u00e4n f\u00fcllt, wird von ihm bespielt anhand der Vorlage einer anderen medialen Persona: ein ganz gew\u00f6hnlicher Vorgang der theatralen Interpretation und der bestm\u00f6glichen Verk\u00f6rperung. Die mediale Persona Cash verk\u00f6rpert Reznors Lied Hurt weitaus besser, stimmiger und in seiner Gebrochenheit konsistenter als Trent Reznor dies je h\u00e4tte tun k\u00f6nnen. Seine exaltierte Abgrenzung wie auch die Rahmung seiner eigenen Existenz im House of Cash erf\u00fcllen diesen Song mit Leben. Cashs Kunst der Performanz wird hier eminent sp\u00fcrbar.<br \/>\nWas in popul\u00e4rer Kultur gern als inauthentisch gescholten wird, geschieht im Schauspiel Tag f\u00fcr Tag: der \u00dcbertrag, die inkorporierende Aneignung fremder Texte und fremder Handlungsanweisungen \u2013 um diese m\u00f6glichst \u00fcberzeugend in actu darzustellen. Diese Nutzung fremder Texte, Artefakte, Libretti oder Skripte ist ebenso Teil medialer B\u00fchnenpraxis. Reznors Text ist nunmehr integraler, indetifikatorisch zentraler Teil von Cashs medialer Erz\u00e4hlung. Cash ist <em>Hurt<\/em>.<\/p>\n<p><em>everyone I know<\/em><br \/>\n<em> goes away in the end<\/em><\/p>\n<p><em>and you could have it all<\/em><br \/>\n<em> my empire of dirt<\/em><\/p>\n<p><em>I will let you down<\/em><br \/>\n<em> I will make you hurt<\/em><\/p>\n<p>Zusammengefasst: Die Pop-Persona Cash erz\u00e4hlt durch Trent Reznors Song, in der Studioproduktion durch Rick Rubin und der Musikvideoinszenierung durch Mark Romanek seine eigene mediale Erz\u00e4hlung des Mannes in Schwarz mit der Dornenkrone. Eine stimmige Verk\u00f6rperung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>(2) Gorillaz: Feel Good Inc.<\/em><\/p>\n<p>Hingegossen in rotem Licht liegt das Publikum vor der Band. Die vermeintlichen Zeichentrickfiguren \u2013 perfekte mediale Personae \u2013 der Gorillaz werden begleitet von den drei Rappern von De La Soul und sp\u00e4ter ebenfalls begleitet und abgel\u00f6st von Madonna im ABBA-Loop, begleitet und umtanzt von jugendlichen T\u00e4nzern und T\u00e4nzerinnen. Die medialen Erz\u00e4hlungen dieser drei K\u00fcnstler oder Bands werden auf der eminenten medialen B\u00fchne des Grammys-Awards miteinander verflochten: die K\u00fcr jeder gro\u00dfen US-Preisverleihung.<br \/>\n<br class=\"clear\" \/>[iframe id=&#8220;http:\/\/www.youtube.com\/embed\/lwxccVAl5A8&#8243; align=&#8220;center&#8220;]<br \/>\n<em>Gorillaz Featuring De La Soul &amp; Madonna, Feel Good Inc. \u2013 Hung Up (2005\/Grammy Awards 8. Februar 2006)<\/em><\/p>\n<p>Eine Zeichentrickfigur ist immer stilisiert. Die medialen Pop-Personae der Gorillaz k\u00f6nnen darum anomale und ins exaltierte Extrem gesteigerte K\u00f6rperformen und Handlungen zeigen \u2013 was handels\u00fcblichen Pop-Personae oft unm\u00f6glich scheint, sichtbar am trainiert-meditiert-hypernormalisierten Beispiel Madonna. Die menschlichen Personae auf dieser B\u00fchne erscheinen formatierter und klischierter als die animierten Personae: sie k\u00f6nnen sich Freiheiten erlauben, sie inszenieren gro\u00dfartig ihre eminente Performance. Die mediale Erz\u00e4hlung der Gorillaz allerdings pr\u00e4sentiert vergleichsweise offen die Produzenten im Hintergrund, Damon Albarn und Tank Girl-Zeichner Jamie Hewlett. W\u00e4hrend die Personae Madonna und De la Soul ihre Integrit\u00e4t durch Kontrollwahn- und Mastermind-Posen bekr\u00e4ftigen m\u00fcssen, ist bei den Gorillaz klar, wie gestaltet, produziert und kalkuliert sie sind. Genau darum k\u00f6nnen sie sich rebellischer zeigen. Die Menschen sind zu brav.<\/p>\n<p>Als allzu-brave Betriebs-Personae arbeiten sie sich ab an ihrer K\u00fcnstlerbiographie und ihren Medienkampagnen. De la Soul inszenieren sich auf medialer B\u00fchne als b\u00f6se Geister, obwohl sie schon l\u00e4nger nicht mehr als stilvolles, schlechtes Gewissen des Rap respektiert werden. Die Madonna-Persona dagegen muss sich exzessiv als S\u00e4ngerin\/T\u00e4nzerin immer wieder auf sich selbst zur\u00fcckbeugen im ABBA-Loop, der in den Clubs der gay community nie vergessen war. Ihre mediale Erz\u00e4hlung \u2013 nunmehr in mauve-farbenem Spandexbody, mauve-farbener Corsage, hautfarbenen Strumpfhosen, Stra\u00dfohrh\u00e4nger \u2013 beugt sich zur\u00fcck zu ihren eigenen Anf\u00e4ngen, zwanzig Jahre zuvor in wei\u00dfen oder schwarze Bustiers, <em>Like a Virgin, Like a Prayer<\/em> propagierte, dann die Mutterschaft Madonnas mainstreamf\u00e4hig machte, ein Ray of Light, gar patriotisch-kritisch sich geb\u00e4rden wollte, American Life \u2013 und nunmehr ein antikisierendes Tableau begehrender K\u00f6rper auf offener B\u00fchne zeigt, am Ende ihres vierten Lebensjahrzehnts.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Charisma, die freieste Unverstricktheit und Unkorrumpiertheit zeigen also die medialen Personae der Trickfiguren. Exaltiert und apodiktisch bieten sie eine Existenzrahmung f\u00fcr uns an. Regulatorien und Disziplinierungen der Popkontrolle \u00fcberspringen sie, was dialektischer Weise nun einmal ebenso von ihnen erwartet. Sie verk\u00f6rpern bestm\u00f6glich die Rolle der Rebellen. Ich erinnere mich, wie genau diese Rolle des geskripteten Outlaws Kurt Cobain an den Rand des Suizids brachte: Schon Wochen zuvor lief er vor seinen frenetisch applaudierenden Fans umher, \u00e4ffte sie nach, ver\u00e4ppelte ihr Applaudieren: <em>\u00bbWas seid denn Ihr f\u00fcr Trottel!? Ich sing hier von Ha\u00df und Leid, Blut und Galle, und das findet Ihr auch noch sch\u00f6n! Ich nicht.\u00ab<\/em><\/p>\n<p>Es sind die mutma\u00dflich menschlichen Personae, die als leicht manipulierbare Muppets erscheinen. Streberhaft passen sie sich ein in den Show-Algorithmus des Grammy-Awards. Die animierten Personae rebellieren: sie f\u00fchren ihre offensichtliche Stilisierung vor, leicht konsumierbar, und zeigen im gleichen Moment deren Ablehnung. Oder wie eine deutsche, exaltiert und abgrenzungsfrohe Persona einst deklamierte, 1989, im <em>Prolog<\/em> zum <em>Haus der L\u00fcge<\/em> der Einst\u00fcrzenden Neubauten:<\/p>\n<p><em>Meint ihr nicht:<\/em><br \/>\n<em> wir k\u00f6nnten unterschreiben<\/em><br \/>\n<em> auf dass uns ein bis zwei Prozent geh\u00f6ren<\/em><br \/>\n<em> und Tausende uns h\u00f6rig sind<\/em><\/p>\n<p><em>Meint ihr nicht:<\/em><br \/>\n<em> wir k\u00f6nnten uns im \u00c4ther braten lassen<\/em><br \/>\n<em> und bis zum letzten Tropfen<\/em><br \/>\n<em> im Verpackungshandel fronen<\/em><\/p>\n<p><em>Wir k\u00f6nnten, aber \u2014<\/em><\/p>\n<p>Woraufhin infernalischer L\u00e4rm erklingt, nahe dem Wei\u00dfen Rauschen.<\/p>\n<p><em>Meint ihr nicht:<\/em><br \/>\n<em> Wir k\u00f6nnten unsere Z\u00fcge<\/em><br \/>\n<em> zigtausendfach, in falschen Farben<\/em><br \/>\n<em> weltbewegend scheinen lassen<\/em><\/p>\n<p><em>Meint ihr nicht:<\/em><br \/>\n<em> wir k\u00f6nnten es signieren<\/em><br \/>\n<em> vielleicht sogar auch resignieren<\/em><br \/>\n<em> und dieses Land<\/em><br \/>\n<em> gleich Eintagsfliegen<\/em><br \/>\n<em> nur noch auf und ab und ab und auf bespielen<\/em><br \/>\n<em> um sp\u00e4ter dann zur\u00fcckzukehren<\/em><br \/>\n<em> ganz aufgedunsen<\/em><br \/>\n<em> l\u00e4ngst vergessen<\/em><br \/>\n<em> nur noch kleine Kreise ziehen<\/em><\/p>\n<p><em>Wir k\u00f6nnten, aber \u2014<\/em><\/p>\n<p>White Noise. White Light.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Gegen die mediale Erz\u00e4hlung<\/p>\n<p>Was bleibt einer Persona des Pop also noch zu tun? Prozessiert das Dispositiv Pop besser mit animierten Musikern, mit Vocaloids und virtuellen, gerenderten Schauspielern?<br \/>\n<br class=\"clear\" \/>[iframe id=&#8220;http:\/\/www.youtube.com\/embed\/deC2uxu0XA4&#8243; align=&#8220;center&#8220;]<br \/>\n<em>Miku Hatsune: Melt (2011)<\/em><\/p>\n<p>Welche Formen exaltierter Abgrenzung w\u00e4ren noch zu zeigen? Welche Existenzrahmung kann Pop heute bieten? Eine Variante m\u00f6chte ich zum Abschluss erz\u00e4hlen und zeigen. Was passiert, wenn die Selbsterz\u00e4hlung eminenter Performance selbst zum Gegenstand einer exaltierten Abgrenzung eben davon wird? Wenn der Erfolg der eigenen Performance kaum mehr eminent, sondern erwartet und \u00f6de ist? Dann bietet allein der Nichterfolg eine Exaltation, die sich wiederum als Selbsterz\u00e4hlung darstellen l\u00e4sst: Kapitulation. Wenn das Produkt Pop so gut funktioniert \u2013 auch in deutscher Sprache und bei aller Klage um Digitalisierung und Urheberrechtsverletzungen, die eher Transformations-Schmerzen der Gesellschaft anzeigen als Rechtsverletzungen; wenn die mediale Selbsterz\u00e4hlung so geschmiert und aggregiert funktioniert wie nie, dann lohnt es sich, ein noch dekadenteres, albernes Spiel mit ihr und ihren Markt(ing)gesetzen und -routinen zu treiben, die auch eine Band wie Tocotronic im Schraubstock halten. Zur ersten Single (Titel wie zuvor erw\u00e4hnt: <em>Sag Alles Ab<\/em>) ihres 2008er Albums erschien kein Video; zum ersten Video allerdings, <em>Kapitulation<\/em>, erschien nie eine Single. Der obsessive Synergiezwang der Werbemittel, der so \u00fcblichen medialen Erz\u00e4hlung in Produkten wurde entkoppelt. Die Medien senden so f\u00fcr sich hin. Und ebenso kontraintuitiv erschien darum auch statt des \u00fcblichen Pressetextes und Waschzettels zum Album ein \u00bbgesprochenes Manifest\u00ab als B-Seite der ersten Single: ein Pastiche, in marktun\u00fcblich deklamatorischer Form aus Phrasen und Slogans des Albums kompiliert: eine wahrhaft <em>mediale Erz\u00e4hlung<\/em>. Depressiv und dandyesk sieht die Persona auf sich selbst; wundert sich \u00fcber die Leichtigkeit ihrer Verbreitung; und handelt wider sie, verschwenderisch. \u00bbFuck it!\u00ab<\/p>\n<p><em>Kapitulation<\/em><br \/>\n<em> Das sch\u00f6nste Wort in deutscher Sprache<\/em><\/p>\n<p><em>Ka-pi-tu-la-tion<\/em><\/p>\n<p><em>Wie T\u00f6ne die Tonleiter hinauf<\/em><br \/>\n<em> So gleiten die Silben die Zunge hinab<\/em><\/p>\n<p><em>Viel mehr als das ordin\u00e4re Scheitern<\/em><br \/>\n<em> Ist die Kapitulation vor allem dies :<\/em><\/p>\n<p><em>Ein Zerfall<\/em><br \/>\n<em> Ein Fall<\/em><br \/>\n<em> Eine Befreiung<\/em><br \/>\n<em> Eine Pracht<\/em><br \/>\n<em> Eine Hingabe<\/em><\/p>\n<p><em>Die endg\u00fcltige Unterwerfung<\/em><br \/>\n<em> Die gr\u00f6\u00dfte aller Niederlagen<\/em><br \/>\n<em> Und gleichzeitig unser gr\u00f6\u00dfter Triumph.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit der Gitarre in der Hand<\/em><br \/>\n<em> Und dem Lorbeerkranz auf der Stirn<\/em><br \/>\n<em> Sind wir tief in die Unterwelt gereist<\/em><br \/>\n<em> Und auf die allersch\u00f6nste Weise daraus hervorgegangen<\/em><\/p>\n<p><em>Unser Besuch in der Vorh\u00f6lle<\/em><br \/>\n<em> war die Vorraussetzung f\u00fcr das Gelingen unserer Vorhaben.<\/em><\/p>\n<p><em>Der Ausbruch aus der Festung<\/em><\/p>\n<p><em>Monatelang sind wir herumgestolpert<\/em><br \/>\n<em> Komat\u00f6s, doch auf den Beinen<\/em><\/p>\n<p><em>Drau\u00dfen auf den Wiesen und Feldern<\/em><br \/>\n<em> Sind wir durch den frischen Tau geschlurft<\/em><br \/>\n<em> Fl\u00fcchtig und ungehorsam<\/em><br \/>\n<em> Wir staunten und waren voller Gl\u00fcck<\/em><br \/>\n<em> Und wir wussten:<\/em><\/p>\n<p><em>Keinesfalls w\u00fcrden wir uns wieder ihren Blicken aussetzen<\/em><br \/>\n<em> Wie die W\u00f6lfe im Gehege<\/em><br \/>\n<em> Oder die Stars in der Manege<\/em><br \/>\n<em> Wir m\u00fcssten nie wieder zeigen was wir konnten<\/em><br \/>\n<em> Und m\u00fcssten nie wieder sagen was wir dachten<\/em><\/p>\n<p><em>Wir w\u00fcrden nur die K\u00e4lte sp\u00fcren<\/em><br \/>\n<em> Wie sie uns an den Kopf greift<\/em><\/p>\n<p><em>Wir w\u00fcrden unsere eigene Nutzlosigkeit genie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p><em>Wir w\u00fcrden uns in Luft aufl\u00f6sen<\/em><\/p>\n<p><em>Wir w\u00fcrden einfach atmen<\/em><\/p>\n<p><em>Kapitulation<\/em><\/p>\n<p><em>Die absolute Niederlage<\/em><br \/>\n<em> Die endg\u00fcltige Unterwerfung<\/em><br \/>\n<em> Die totale Hingabe<\/em><\/p>\n<p><em>Dadurch werden wir so stark lieben k\u00f6nnen<\/em><br \/>\n<em> Und so stark geliebt werden<\/em><br \/>\n<em> Dass wir wie Imitationen des jeweils anderen werden<\/em><\/p>\n<p><em>Alles was einmal unser war wird von uns abfallen<\/em><br \/>\n<em> Aber auch alle Sorgen<\/em><br \/>\n<em> Alle Qualen<\/em><\/p>\n<p><em>Wir werden uns gegen uns selbst verschw\u00f6ren<\/em><br \/>\n<em> Wie alle Geister dies tun<\/em><\/p>\n<p><em>Viel mehr noch<\/em><br \/>\n<em> Wir werden Krieg gegen uns selbst f\u00fchren<\/em><\/p>\n<p><em>Wenn wir am Boden sind,<\/em><br \/>\n<em> werden wir einfach liegen bleiben<\/em><br \/>\n<em> Das wird unserer gr\u00f6\u00dfter Trost sein<\/em><\/p>\n<p><em>Wir werden die Augen schlie\u00dfen<\/em><br \/>\n<em> Und ein Feuerwerk in der Nacht sehen<\/em><\/p>\n<p><em>Alles in uns<\/em><br \/>\n<em> Um uns<\/em><br \/>\n<em> Und um uns herum<\/em><br \/>\n<em> wird explodieren<\/em><\/p>\n<p><em>Alle T\u00fcren werden durch Zauberhand ge\u00f6ffnet werden<\/em><br \/>\n<em> Und kein Wille wird triumphieren<\/em><\/p>\n<p><em>Wir werden irre sein<\/em><br \/>\n<em> Wir werden zornig sein<\/em><br \/>\n<em> Und wir werden den Leugnern in ihre Gesichter spucken<\/em><br \/>\n<em> Wir werden im Besitz der magischen Formel sein:<\/em><br \/>\n<em> FUCK.IT.ALL.<\/em><\/p>\n<p><em>Kapitulation ist alles<\/em><br \/>\n<em> Und wir alle m\u00fcssen kapitulieren<\/em><\/p>\n<p><em>Wir werden viele sein.<\/em><br \/>\n<em> Jeder einzelne von uns.<\/em><br \/>\n<em> Und wir werden unter euch sein.<\/em><\/p>\n<p><em>Niemand von uns wird \u00fcber einen anderen sagen k\u00f6nnen:<\/em><br \/>\n<em> Er sei dies oder das.<\/em><\/p>\n<p><em>Wir werden uns gegenseitig ein Fanal sein.<\/em><br \/>\n<em> Und wir werden mit der ganzen Welt in Verbindung stehen:<\/em><br \/>\n<em> Mit Menschen, Tieren, Pflanzen und Mineralien.<\/em><\/p>\n<p><em>In uns werden Stimmen laut werden<\/em><br \/>\n<em> Und f\u00fcr uns im Chor singen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein neues Lied, ein neues Gl\u00fcck.<\/em><br \/>\n(Tocotronic 2007a)<br \/>\n<br class=\"clear\" \/>[iframe id=&#8220;http:\/\/www.youtube.com\/embed\/ek12dmwli5M&#8220; align=&#8220;center&#8220;]<br \/>\n<em>Tocotronic: Ein gesprochenes Manifest (2007)<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Quellen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Agamben, Giorgio (2006): Che cos&#8217;\u00e8 un dispositivo? edizioni nottetempo Roma (dt.: Was ist ein Dispositiv? diaphanes verlag Z\u00fcrich und Berlin 2008).<br \/>\nAphex Twin (1999): Windowlicker, Warp Records Sheffield.<br \/>\nBae\u00dfler, Berit, Medienpersonen als parasoziale Beziehungspartner. Ein theoretischer und empirischer Beitrag zu personazentrierter Rezeption, Nomos, Baden-Baden 2009.<br \/>\nRichard Barbrook &amp; Andy Cameron (1995): The Californian Ideology. A critique of West Coast cyber-libertarianism, in: Hypermedia Research Centre at the University of Westminster London (Online: http:\/\/www.hrc.wmin.ac.uk\/theory-californianideology.html; dt.: Die kalifornische Ideology, in: Telepolis, 15. Februar 1997; http:\/\/www.heise.de\/tp\/r4\/artikel\/1\/1007\/1.html)<br \/>\nBaudry, Jean-Louis (1970): Cin\u00e9ma: effets id\u00e9ologiques produits par l&#8217;appareil de base, in: Cin\u00e9thique 7-8, S. 1-8, Paris 1970.<br \/>\nBaudry, Jean-Louis (1975): Le dispositif: approches m\u00e9tapsychologiques de l&#8217;impression de r\u00e9alit\u00e9, in: Communications 23, Psychanalyse et cin\u00e9ma, \u00c9ditions de Seuil Paris, 1975 (in engl. \u00dcbersetzung: Camera Obscura, Fall 1976 (\u00fcbersetzt von Jean Andrews &amp; Bertrand August; wieder in: Rosen, P. (ed.): 1986. Narrative, Apparatus, Ideology. New York: Columbia University Press. Baudry (1986b).<br \/>\nElisabeth Bronfen &amp; Barbara Straumann (2002): Diva. Eine Geschichte der Bewunderung, Schirmer und Mosel Verlag M\u00fcnchen.<br \/>\nArt Brut (2005): Bang Bang Rock and Roll, Fierce Panda Records London.<br \/>\nJohnny Cash \/ Trent Reznor \/ Mark Romanek (2003): Hurt, American Recordings Los Angeles.<br \/>\nJohnny Cash (2002): American Recordings IV: The Man Comes Around, American Recordings Los Angeles.<br \/>\nDanto, Arthur C. (1981): The Transfiguration of the Commonplace. A Philosophy of Art, Harvard University Press Cambridge\/Massachusetts .<br \/>\nDecker, Jan-Oliver (2005): Madonna: Where\u2019s that Girl? Starimage und Erotik im medialen Raum, Kiel.<br \/>\nDyer, Richard (1980\/1998): Stars. BFI Publishing London.<br \/>\nEinst\u00fcrzende Neubauten (1989): Haus der L\u00fcge, Freibank Hamburg &amp; Some Bizarre London.<br \/>\nFoucault, Michel (2003): Dits et Ecrits. Schriften in vier B\u00e4nden, Band 3: 1976-1979, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 2003, S. 392-395.<br \/>\nGibson, James Jerome (1977): The Theory of Affordances. In Perceiving, Acting, and Knowing, Hillsdale\/New Jersey.<br \/>\nGibson, James Jerome (1979): The ecological approach to visual perception. Houghton Mifflin, Boston.<br \/>\nGoetz, Rainald (1999): \u00c4sthetische Praxis. Praxis Dr. Wirr, Johann Wolfgang Goethe Universit\u00e4t Frankfurter Poetik Vorlesungen, 28.4. \/ 5.5. \/ 12.5. \/ 19.5. \/ 26.5.1998, in: ders., Abfall f\u00fcr alle, Suhrkamp Verlag Frankfurt am Main 1999 (passim)<br \/>\nGoetz, Rainald (2007): Klage, in: Vanity Fair Online, Cond\u00e9 Nast Berlin 3. April 2007, http:\/\/www2.vanityfair.de\/extras\/rainaldgoetz\/?p=70<br \/>\nThe Good, The Bad and The Queen (2007): The Good, The Bad and The Queen, Parlophone Records London.<br \/>\nGorillaz (2005): Demon Days, Parlophone Records London.<br \/>\nGorillaz Featuring De La Soul &amp; Madonna (2006): Feel Good Inc. \u2013 Hung Up, Grammy Awards , Staples Center in Los Angeles, 8. Februar.<br \/>\nGro\u00dfmann, Rolf (2008): \u201cVerschlafener Medienwandel,\u201d in: Positionen \u2013 Beitr\u00e4ge zur Neuen Musik (2008), H. 74 \u2013 Dispositiv(e), S. 6-9.<br \/>\nHawkins, Stan (2009): The British Pop Dandy. Masculinity, Popular Music and Culture: Ashgate Popular and Folk Music Series London.<br \/>\nHerczeg, Stefan (2007): Malorama, K\u00f6ln 2001-2007, (Online: http:\/\/www.malorama.de)<br \/>\nHorton, Donald\/Wohl, R. Richard (1956): Mass Communication and Para-Social Interaction. Observations On Intimacy at a Distance. In: Psychiatry 19. S. 215-229.<br \/>\nIdeal (1981): Der Ernst des Lebens, WEA Musik GmbH Hamburg.<br \/>\nIdeal (1980): Ideal, Innovative Communications \/ Deutsche Austrophon Diepholz.<br \/>\nKlein, Christian; Mart\u00ednez, Mat\u00edas (2009): Wirklichkeitserz\u00e4hlungen. Felder, Formen und Funktionen nicht-literarischen Erz\u00e4hlens, in: dies. (Hgg.): Wirklichkeitserz\u00e4hlungen. Felder, Formen und Funktionen nicht-literarischen Erz\u00e4hlens. Stuttgart, S. 1-13.<br \/>\nLCD Soundsystem (2007): Sound Of Silver, DFA Records New York City.<br \/>\nLink, J\u00fcrgen (1997): Versuch \u00fcber den Normalismus. Wie Normalit\u00e4t produziert wird, Goettingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht.<br \/>\nMorrissey (2006): Ringleader of the Tormentors, Sanctuary Records.<br \/>\nPalzer, Thomas (1996): Journal intime, LP&#8216;. Regie: Karl Bruckmaier, Bayrischer Rundfunk M\u00fcnchen 1996.<br \/>\nThe Streets (2006): The Hardest Way To Make An Easy Living, Locked On Records London.<br \/>\nSchulze, Holger (2012): Intimit\u00e4t und Medialit\u00e4t. Anthropologie der Medien, AVINUS-Verlag Berlin.<br \/>\nSchulze, Holger (2013): The Medial Persona. Tectonics of the Medial Imaginarium, in: Eva L. Wyss (ed.): Mediatization of Love, Passion and Intimacy, John Benjamins Publishing Company Amsterdam and New York (in print)<br \/>\nVon S\u00fcdenfed (2007): Tromatic Reflexxions, Domino Records London.<br \/>\nSchweizer, K.\/Klein, K.-M., Medien und Emotion; in: B. Batinic\/ M. Appel (Hgg.), Medienpsychologie, Springer Vlg., Heidelberg 2008, S. 149-175.<br \/>\nTocotronic (2005): Pure Vernunft darf niemals siegen, L&#8217;Age D&#8217;Or Hamburg.<br \/>\nTocotronic (2007a): Sag alles ab, Universal Music \/ Vertigo \/ Buback Berlin\/Hamburg.<br \/>\nTocotronic (2007b): Kapitulation, Universal Music \/ Vertigo \/ Buback Berlin\/Hamburg 2007.<br \/>\nZappa, Frank (1990): The Real Frank Zappa Book. With Peter Occhiogrosso, Simon &amp; Schuster Inc. New York.<br \/>\nDie Zimmerm\u00e4nner (1982): 1001 Wege um Sex zu machen ohne daran Spa\u00df zu haben, ZickZack Records Hamburg.<br \/>\nDie Zimmerm\u00e4nner (1984): Goethe, ZickZack Records Hamburg.<br \/>\nDie Zimmerm\u00e4nner (2007): Fortpflanzungssupermarkt, ZickZack Records Hamburg.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Holger <a title=\"homepage schulze\" href=\"http:\/\/www.soundstudieslab.org\/author\/admin\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schulze<\/a> ist Gastprofessor f\u00fcr Sound Studies an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fchnenhaftigkeit medialer Existenz<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[892,1014,1149,1309,1315,1320,1486,1759,1816,2364,2589],"class_list":["post-1258","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-gorillaz","tag-holger-schulze","tag-johnny-cash","tag-kritik","tag-kultur","tag-kulturkritik","tag-mediale-buhne","tag-personae-des-pop","tag-pop","tag-tocotronic","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1258"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1258\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}