{"id":1412,"date":"2013-03-10T16:27:20","date_gmt":"2013-03-10T14:27:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1412"},"modified":"2013-03-10T16:27:20","modified_gmt":"2013-03-10T14:27:20","slug":"zur-poetik-der-pop-literaturteil-2-burroughs-fiedler-brinkmann-von-marcus-s-kleiner10-03-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/03\/10\/zur-poetik-der-pop-literaturteil-2-burroughs-fiedler-brinkmann-von-marcus-s-kleiner10-03-2013\/","title":{"rendered":"Zur Poetik der Pop-LiteraturTeil 2: Burroughs, Fiedler, Brinkmann von Marcus S. Kleiner10.03.2013"},"content":{"rendered":"<p>Positionen der 1960er und beginnenden 1970er Jahre<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><small>[Teil 1: <a title=\"kleiner pop-literatur teil eins\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/02\/16\/zur-poetik-der-pop-literaturteil-1-kleine-literaturvon-marcus-s-kleiner16-02-2013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kleine Literatur<\/a>]<br \/>\n<\/small><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong><br \/>\nWilliam S. Burroughs:<\/strong> <strong>\u201eKosmonaut des Inneren Raums&#8220;<\/strong><a id=\"anker1\" href=\"#_edn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Lebt die Popkultur seit ihren Anf\u00e4ngen von ihren mythisch-verkl\u00e4rten Legenden und Heroen sowie deren permanenter Reproduktion in der Popkulturindustrie<a title=\"\" href=\"#_edn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>, so sind William S. Burroughs und die wesentlich mit ihm assoziierte <em>Cut up-Methode<\/em>, bei ihm v.a. bezogen auf Literatur<a title=\"\" href=\"#_edn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> und Tonbandaufnahmen, selbst zu einem gegenkulturellen Mythos geworden.<a title=\"\" href=\"#_edn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Fahrer (2009: 9) erl\u00e4utert das Grundprinzip des <em>Cut up<\/em> wie folgt: \u201eEin literarisches, filmisches, bild- und tonk\u00fcnstlerisches Verfahren: Man nehme einen Text\/eine Filmrolle\/ein Bild\/ein Tonst\u00fcck, zerschneide dieses Material vertikal sowie horizontal und klebe die St\u00fccke in verw\u00fcrfelter Reihenfolge auf \u2013 fertig ist der Cut up\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> (vgl. Burroughs 1993: 84f.; Burroughs 1994: 33ff.).<a title=\"\" href=\"#_edn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Die erste eigenst\u00e4ndige Cut up-Publikation stellt, wie Fahrer (2009: 47) betont, die Anthologie \u201eMinutes to Go\u201c aus dem Jahr 1960 dar (Burroughs\/Beils\/Gysin\/Corso 1960).<\/p>\n<p>Die sog. <em>Cut up-Autoren<\/em><a title=\"\" href=\"#_edn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> \u2013 Burroughs kann als der international Erfolgreichste und Bekannteste bezeichnet werden \u2013, deren wesentliche Bezugspunkte Montagetechniken in der Kunst und im Film sind, w\u00fcrden, entgegen dieser Einsch\u00e4tzung von Fahrer, das Verfahren des <em>Cut up<\/em> allerdings nicht als k\u00fcnstlerisch bezeichnen, sondern als eine experimentelle Technik der Bearbeitung von unterschiedlichstem Medienmaterial, mit dem Ziel, allt\u00e4gliche Wahrnehmungs-, Kommunikations- und Verstehensweisen zu erweitern<a title=\"\" href=\"#_edn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a>, zu ersch\u00fcttern bzw. zu dekontextualisieren. Literarisch geht es darum, mit literarischen Konventionen der Textproduktion formal und inhaltlich zu brechen. Es werden u.a. Kontingenz, Delinearit\u00e4t, Verzicht auf Kausalit\u00e4t und Chronologie in die Textproduktion eingef\u00fchrt, um sich damit gegen die \u201eintentional determinierten Collage- und Montageformen\u201c (Ullmaier 2003: 138) zu richten. Ein <em>Cut up<\/em> ist eine zufallssuchende und \u201ezufallzulassend[e] Schnitt\u00e4sthetik\u201c (vgl. ebd.), die die Wahrnehmung von Text und Welt produktiv irritieren soll, durch die daraus resultierende \u201eAushebelung jeglicher narrativer Gesetze und durch eine Multiplizierung der Signifikationsm\u00f6glichkeiten\u201c (Fahrer 2009: 11), ein fragmentarisch-assoziatives Offenlegen der Mehrdeutigkeit von Sprache(n), die die offiziellen Sprachsysteme <em>autorit\u00e4r unterdr\u00fccken<\/em> und in zwanghafte \u201eWort-Reiz-Reaktionsketten\u201c (ebd.: 33) <em>sperren<\/em>. <em>Cut ups<\/em> fokussieren sich hingegen auf die Materialit\u00e4t von Sprache sowie der von ihnen verwendeten Medien. Hierzu tr\u00e4gt v.a. auch die grundlegende Intertextualit\u00e4t der <em>Cut up<\/em>-Texte bei, denn Eigentexte sind in dieser Tradition literarischer Produktion h\u00e4ufig wesentlich Fremdtexte bzw. deren Arrangement und Verfremdung.<a title=\"\" href=\"#_edn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Leitend ist hier das Prinzip, mit dem Text, gegen den Text. Mit Blick auf die konstitutive Intermedialit\u00e4t von <em>Cut up<\/em> zudem: mit dem Bild gegen das Bild, mit den T\u00f6nen gegen die T\u00f6ne, mit Texten gegen Bilder, mit Bilder gegen Texte, mit Texten gegen T\u00f6ne, mit Text-Bildern gegen Tonwelten etc.<\/p>\n<p>Das Problem dieser \u00e4sthetischen Strategie besteht allerdings darin, dass alle <em>Cut ups<\/em>, die das Konkrete (z.B. Worte, Texte, Bilder, akustisches Material) dekontextualisieren, im Akt der Rezeption zumeist vor dem Hintergrund der vertrauten Sinnmuster aufgefasst werden \u2013 dies gilt auch f\u00fcr die schlichte Feststellung des Nicht-Verstehens, also dem Ausbleiben von produktiven bzw. bildenden Sinnverst\u00f6rungen. Es stellt sich hier die Frage, unter welchen Bedingungen die Rezeptionssituationen von<em> Cut ups<\/em> Bildungsprozesse ausl\u00f6sen, die das Gelesene oder Gesehene oder Geh\u00f6rte nicht als blo\u00dfe Irritation zur\u00fcckweisen oder als reine Unterhaltung nicht konstruktiv ernstnehmen, vielmehr sich eigensinnig auf die<em> Cut ups<\/em> einlassen und die eigenen Sinnmuster dadurch produktiv irritieren lassen. Der Zusammenhang zwischen Produktions- und Rezeptions\u00e4sthetik wird in der Tradition des <em>Cut up<\/em> kaum reflektiert, sondern sich als wechselseitig bedingend und idealtypisch gelingend vorausgesetzt. Poetische Reflexionen sind grunds\u00e4tzlich produktions\u00e4sthetisch fokussiert.<\/p>\n<p>Die poetischen \u00dcberlegungen von Burroughs fokussieren sich auf zehn Motivkreise: Burroughs (1994: 29, 31) versteht <em>Cut up<\/em> als angewandte Medienkritik bzw. Kommunikationsguerilla<a title=\"\" href=\"#_edn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a>, die sich gegen die Hegemonie gesellschaftlicher Machtzentren sowie der Massenmedien und deren <em>hypnotischen<\/em> Wirklichkeitsverzerrungen und -f\u00e4lschungen wendet. Das subversive Potential der durch <em>Cup up<\/em> produzierten Gegenwirklichkeit, die bewusst anti-rational ist, besteht v.a. in der Produktion von Illusion, denn \u201eIllusion ist eine revolution\u00e4re Waffe\u201c (ebd.: 27).<a title=\"\" href=\"#_edn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Eine Illusion ist f\u00fcr Burroughs kein pathologischer Zustand, sondern eine produktive sowie letztlich nicht eindeutig kontrollierbare Sinnes- und Sinntransformation. Notwendig hierzu ist die Existenz von subkulturellen Institutionen wie der \u201eUntergrundpresse\u201c (ebd.: 31; vgl. dazu auch Brinkmann 1983: 383, 392).<\/p>\n<p>Diese Form der Kommunikationsguerilla stellt v.a. eine Arbeit an der Sprache dar, um die M\u00f6glichkeiten und Grenzen der Sprache und die Voraussetzungen des Verstehens zu entschl\u00fcsseln, weil die herrschende Sprache, die Sprache der Herrschenden ist.<a title=\"\" href=\"#_edn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> <em>Cut ups<\/em> arbeiten mit der Sprache gegen die Sprache und ihren <em>dominant-legitimen<\/em> Sprachgebrauch durch (alternative) Sprach-Techniken bzw. Techniksprachen. Burroughs wendet sich also prim\u00e4r gegen die gesellschaftlich gesteuerte sowie kontrollierte Sprachproduktion und Sprachpraxis.<\/p>\n<p>Dieser Ansatz von Burroughs kann als mediale Fortf\u00fchrung der Ans\u00e4tze der sprachkritischen Moderne zu Beginn des 20 Jahrhunderts verstanden werden, die ihren <em>Ausgangspunkt<\/em> in der Zeit um 1900 mit dem <em>Chandos-Brief<\/em> (1902) von Hugo von Hofmannsthals (1957) nahm, mit seiner Kritik an der Sprache als Ausdrucksmittel bzw. der Kritik der Erkenntnis- und Ausdrucksm\u00f6glichkeiten der \u201eSprache der Dinge\u201c (ebd.: 373) sowie der Sprache als subjektiver Erkenntnisform, die f\u00fcr die Unerkennbarkeit der Wahrheit verantwortlich ist. Zudem mit Fritz Mauthners (1999) Schrift \u201eBeitr\u00e4ge zu einer Kritik der Sprache\u201c (1901\/02), als einer Nietzsche reflektierenden Quelle der Sprachskepsis von Hofmannsthal, seiner Kritik an der \u201eLogokratie\u201c und dem \u201eWortaberglauben\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> bzw. der <em>Sprachabh\u00e4ngigkeitsthese<\/em> sowie seine Forderung, dass Vernunftkritik grunds\u00e4tzlich Sprachkritik sein muss.<a title=\"\" href=\"#_edn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Das nicht aufl\u00f6sbare Problem hierbei, dass Sprachkritik immer mit sprachlichen Mitteln formuliert werden muss, kann Burroughs zwar nicht l\u00f6sen, allerdings versuchen seine <em>Cut ups<\/em> diese technisch-medial zu transformieren.<\/p>\n<p>Der sprachkritische Impetus bleibt ein wiederkehrendes Thema der Popliteratur bis zur Gegenwart. Hierbei wandelt sich die erkenntnistheoretische und sprachphilosophische Debatte des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts zunehmend zu einer medienkulturellen. Die viel zitierte Aussage im <em>Chandos-Brief<\/em> \u2013 \u201edie abstrakten Worte [&#8230;] zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> (Hofmannsthal 1957: 372) \u2013 hat etwa 2010 eine popul\u00e4rkulturelle Modifikation erfahren. Im Roman \u201eAxolotl Roadkill\u201c der 1992 geborenen Autorin Helene Hegemann (2010), l\u00e4sst sie ihre 16-j\u00e4hrige Protagonistin <em>Mifti<\/em>, deren Leben sich um die Berliner Szene, Sex, Drogen, Zeitreflexionen, Verweigerungshaltung etc. dreht, feststellen: \u201eMir zerfallen die Worte im Mund wie schlechte Pillen.\u201c Dieser schnell zum Bestseller gewordene, von der Literaturkritik umfangreich und kontrovers diskutierte sowie bis zum Februar 2011 in 15 Sprachen \u00fcbersetze Deb\u00fctroman von Hegemann, l\u00f6ste zudem eine rege Plagiatsdebatte aus, denn die Autorin hatte an zahlreichen Stellen Fremdtexte verarbeitet, ohne diese als solche auszuzeichnen.<a title=\"\" href=\"#_edn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Literarische Wunderkinder unter Plagiatsverdacht gab es auch schon vor der Debatte um Sampling als literarische Kulturtechnik. Barthes (1964: 86) weist etwa auf den Fall der franz\u00f6sischen Schriftstellerin <em>Minou Drouet<\/em> (1956, 1959) hin, die in den 1950er Jahren internationale Aufmerksamkeit von der Literaturkritik, f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichungen von Gedichten und Briefen erhielt, und f\u00fcr kurze Zeit zu einer Pers\u00f6nlichkeit des kulturellen Lebens Frankreichs aufstieg, sie machte etwa Musik mit Jacques Brel, spielte neben Michel Serrault 1958 die Hauptrolle im Film \u201eClara et les m\u00e9chants\u201c (Raoul Andr\u00e9) und zeichnete sich durch eine bewegende Lebensgeschichte aus. Gleichzeitig gab es aber kurz nach dem Erscheinen ihrer Werke eine heftige Debatte um die Authentizit\u00e4t ihrer Werke bzw. entstand eine intensive Plagiatsdebatte.<a title=\"\" href=\"#_edn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die <em>Erregungsdispositive<\/em><a title=\"\" href=\"#_edn18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> Hegemann, aber auch <em>Drouet<\/em> unter den Bedingungen des <em>Pr\u00e4-Digitalen-Zeitalters<\/em>, sind mit Blick auf Burroughs v.a. hinsichtlich der Bedingungen (gegen)kultureller Produktion und den Themenfeldern Autorschaft sowie Originalit\u00e4t\/Kopie\/F\u00e4lschung von Bedeutung.<a title=\"\" href=\"#_edn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Theison (2011) hebt hier, mit Blick auf Hegemann, hervor: \u201eEntscheidend ist: Wie bewerten wir geistiges Eigentum? Zurzeit existieren parallel zwei literarische Kulturen. Einerseits die klassische, mit Autoren, Verlagswesen und Zeitungsrezensionen, andererseits die Netzkultur, die auf Copy\/Paste setzt, auf gemeinschaftliches, vernetztes Schreiben. Beides ist legitim, setzt aber jeweils ein v\u00f6llig anderes Verst\u00e4ndnis von geistigem Eigentum voraus. Hegemanns Fall ist deshalb so interessant, ja geradezu paradigmatisch, weil die Autorin meint, beide Kulturen miteinander verbinden zu k\u00f6nnen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Interessant in Bezug zu Burroughs, abgesehen von Sujets wie Sex- und Drogenexzessen, und mit Blick auf die <em>Cut up<\/em>-Methode, ist also die Haltung der Autorin zum Schreiben, zu Copyright, Autorschaft und Authentizit\u00e4t im digitalen Zeitalter. Geistiger Diebstahl ist f\u00fcr sie letztlich ein Zeitgeistph\u00e4nomen, und das (mehr oder weniger) referenzlose Sampeln sowie Mixen von Fremdtexten in Eigentexte, eine aktuelle Kulturtechnik. Theison (ebd.) betont, dass ein grunds\u00e4tzliches Problem der Literaturkritik darin besteht, \u201eein klassisches Autorenbild entworfen\u201c zu haben, \u201e,die junge, geniale Autorin\u2018, ,das Sprachrohr einer Generation\u2019, ,der gro\u00dfe Stellvertreter-Roman\u2018. Alles Begriffe, die ganz klassisch auf Eigentum, Erfindung, Originalit\u00e4t oder Authentizit\u00e4t setzen. Und pl\u00f6tzlich erfahren wir, dass die Autorin zur anderen Kultur geh\u00f6ren m\u00f6chte: Sie kopiert, klaut und sagt, das sei ganz normal, das spiegle das Jahrzehnt wider \u2013 was mit der klassischen Autorenschaft nicht kompatibel ist.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auch <em>Cut ups<\/em> zeichnen sich durch ein Desinteresse f\u00fcr die Autorit\u00e4t von Ursprungstexten aus und sind ausschlie\u00dflich auf das Resultat der Schneideprozesse und deren permanente Ver\u00e4nderung fokussiert.<a title=\"\" href=\"#_edn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Mit Blick auf die Person Burroughs ist man aber wiederum mit dem Problem konfrontiert, dass seine Medialisierung und Stilisierung als (Kult)Autor, dem Autorfunktion aufl\u00f6senden <em>Cut up<\/em>&#8211; und <em>Fold in<\/em>-Schreibverfahren entgegen schreibt.<\/p>\n<p>Dieses Schreibverfahren ist mit der Absage an die<em> Autorfunktion<\/em> verbunden, gegen die Vorstellung von einem exklusiven sozialen Sch\u00f6pfersubjekt gerichtet und der Auffassung, dass es <em>Urtexte<\/em> bzw. <em>Originale<\/em> gibt (<em>Motivkreis 2<\/em>). Vielmehr sollte man bei der Verwendung von <em>Cut up<\/em>-Techniken zum <em>kulturrevolution\u00e4ren Jedermann<\/em> werden (vgl. Burroughs 1994: 23).<a title=\"\" href=\"#_edn23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Schriftsteller <em>schaffen<\/em> nicht im emphatischen Sinne, sondern bringen Texte in Form: \u201eWas tut ein Schriftsteller denn anderes, als vorgegebenes Material zu sortieren, redigieren &amp; arrangieren?\u201c (Burroughs 2004: 148). Diese Haltung spielt im Kontext der deutschen Popliteratur Ende der 1990er und in den 2000er Jahren eine konstitutive Rolle.<\/p>\n<p>Zentral f\u00fcr seine Kommunikationsguerilla und die Absage an die <em>Autorfunktion<\/em> ist das Konzept der <em>Sprache als Virus<\/em><a title=\"\" href=\"#_edn24\"><sup>[24]<\/sup><\/a> (vgl. u.a. Burroughs 1994: 7ff., 73)<a title=\"\" href=\"#_edn25\"><sup>[25]<\/sup><\/a>, durch das die Vorstellung von Sprache als ein rationales Konstrukt, aber auch die Behauptung, dass die Beziehung von Wortlaut und Begriffsvorstellung allein auf sozialer Konvention beruht, kritisch durch die (intermediale) <em>Gegensprache<\/em> der <em>Cut ups<\/em> und <em>Fold ins<\/em> infiziert bzw. das System der <em>offiziellen<\/em> und <em>legitimen<\/em> Sprache geschw\u00e4cht werden soll.<a title=\"\" href=\"#_edn26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> Sprach(r\u00fcck)gewinn ist aus dieser Position (Gegen)Machtgewinn. Zum Konzept von <em>Sprache als Virus<\/em> geh\u00f6rt f\u00fcr Burroughs die Auffassung von der menschlichen <em>Stimme als Waffe<\/em><a title=\"\" href=\"#_edn27\"><sup>[27]<\/sup><\/a>. Bilder und Bildcollagen sind in der Tradition des <em>Cut up<\/em> nicht mit Schnittverfahren hergestellt und stellen zumeist <em>Paratexte <\/em>zu den <em>Cut ups<\/em> dar.<\/p>\n<p><em>Sprache als Virus<\/em> richtet sich gegen die kulturelle Hegemonie, die v.a. in der <em>kulturellen Grammatik<\/em> einer Gesellschaft begr\u00fcndet ist. <em>Kulturelle Grammatik<\/em> ist die Gesamtheit aller Regeln (Wert- und Normsysteme, kulturelle, politische, religi\u00f6se, \u00f6konomische Wissensformen, Verhaltensregeln, Interaktionsrituale, \u00e4sthetische Codes usw.), durch die gesellschaftliche Wirklichkeit, auf der Makro- und Mikroebene, als System von Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnissen produziert und reproduziert wird \u2013 bewusst und unbewusst. Soziale Wirklichkeit ist, gem\u00e4\u00df dieser Position, eine Wirklichkeit von Zeichen, die etwas bedeuten und Wirklichkeit in einem Prozess der Bedeutungsproduktion konstituieren \u2013 dieser Prozess wird zumeist von der Dominanzkultur bestimmt. Sie ist die Instanz, die die jeweils aktuelle soziale Wirklichkeit als <em>normal<\/em> und die beste aller m\u00f6glichen Gesellschaftsformen erscheinen l\u00e4sst sowie bei den Gesellschaftsmitgliedern Konsens dar\u00fcber <em>herstellt<\/em>, sie als unhinterfragte <em>Ordnung der Dinge<\/em> manifestiert. Gesellschaftliche Vermittlungsagenturen der kulturellen Grammatik sind etwa Schule oder Universit\u00e4ten, Vereinssitzungen oder Wahlveranstaltungen. Die Reaktualisierung und Inszenierung kultureller Grammatik dient der Darstellung und Selbstvergewisserung von sowie der Partizipation an Macht- und Herrschaftsverh\u00e4ltnissen. Kulturelle Grammatik ist zugleich unsere soziale Haut und das zentrale soziale Band, durch das Gesellschaft als Gesellschaft sowie die Sozialit\u00e4t des Menschen m\u00f6glich werden \u2013 Ordnungssystem gesellschaftlicher und individueller Wirklichkeit (vgl. autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe\/Luther Blissett\/Sonja Br\u00fcnzels 2001: 14-43).<\/p>\n<p>Hegemoniale Legitimationsdiskurse, die in und durch die Medien gef\u00fchrt werden, m\u00fcssen durch die \u201eAnstiftung zu einer subversiven kommunikativen Praxis\u201c (autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe\/mittlerer neckar 1994b: 143; vgl. 1994a: 10f.), etwa durch <em>Cut up<\/em> und <em>Fold in<\/em>, unterlaufen, gest\u00f6rt bzw. in Frage gestellt werden. Diese Praxis stellt keine materielle, milit\u00e4rische Gegenmacht zu bestehenden gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnissen dar, sondern eine kommunikative bzw. semiologische, der es um Formen, Bedingungen, M\u00f6glichkeiten und Grenzen subversiver politischer Praxis geht und so zur Erweiterung linker Politikformen beitragen will. Kommunikationsguerilla soll zur Kritik und Subversion gesellschaftlicher Herrschaftsverh\u00e4ltnisse in ihrer vermeintlichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit beitragen. Subversion bedeutet hierbei einerseits Problematisierung der Legitimit\u00e4t kultureller Hegemonie und ihrer gesellschaftlichen Normalisierung sowie andererseits Raum f\u00fcr Utopien einer anderen gesellschaftlichen Wirklichkeit zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Das Konzept der <em>Sprache als Virus<\/em> stellt vor diesem Hintergrund den Kampf gegen Identit\u00e4t und Identifizierung, gegen das Einheitliche und Ganze dar (<em>Motivkreis 4<\/em>): \u201eDas Identisch-sein impliziert immer die ausschlie\u00dfliche Identit\u00e4t von etwas, sein Zweck ist st\u00e4ndige Konditionierung: so sein und bleiben. Jeder Akt des Bezeichnens setzt ein Identisch-sein als gegeben voraus\u201c (Burroughs 1994: 74). Zudem richtet sich die <em>virale Sprache<\/em> von <em>Cut up<\/em> und <em>Fold in<\/em> auf die Dekonstruktion von einmaligen, unhintergehbaren Definitionen und eindeutigen Bestimmungen: \u201eDer bestimmte Artikel <strong>DERDIEDAS<\/strong>. DERDIEDAS impliziert die Einmaligkeit von etwas: DER Gott, DAS Universum, DER Weg, DAS Richtige, DAS Falsche. [&#8230;] Der bestimmte Artikel DERDIEDAS wird gestrichen und durch den unbestimmten Artikel <strong>EIN <\/strong>ersetzt [Hervorhebung im Original \u2013 MSK]\u201c (ebd.: 75). Dar\u00fcber hinaus soll die <em>virale Gegensprache<\/em> dazu beitragen, das Denken in bin\u00e4ren Oppositionen aufzul\u00f6sen und scheinbar konstitutiv voneinander Getrenntes durch ein Denken des Differenzen aufl\u00f6senden <em>Und<\/em> ersetzen (vgl. ebd.).<\/p>\n<p>Dem Ganzen, Einheitlichen, Identischen, Definierten und Bestimmten setzt Burroughs ein kontinuierliches <em>Werden<\/em> (<em>Motivkreis 5<\/em>) entgegen, einen Glauben an die Ver\u00e4nderbarkeit der vermeintlichen Wesenheiten der Sprache durch die <em>virale Sprache<\/em> und ihrer Technisierung und Medialisierung. Zur Umsetzung der Kommunikationsguerilla bedarf es der intermedialen Selbst\u00fcberschreitung von Literatur \u2013 dies gilt gleichsam f\u00fcr die akustische und visuelle Welt: \u201eORDNE NEU DAS WORT UND BILD AUF ANDEREN GEBIETEN ALS SCHREIBEN [Hervorhebung im Original &#8211; MSK]\u201c (Burroughs 1993: 87).<\/p>\n<p>In diesem Kontext spielt die Idee der <em>Sinn-Aleatorik<\/em> eine zentrale Rolle, um Assoziationssperren und soziale Sinnfixierungen zu \u00fcberwinden: \u201e<em>sie werden feststellen dass sich die willk\u00fcrlichen einsch\u00fcbe<\/em> [der <em>Cut ups<\/em> bei Tonaufnahmen \u2013 MSK] <em>in vielen f\u00e4llen in den text einf\u00fcgen und ihr kombiniertes band erstaunlichen sinn ergibt<\/em> [Hervorhebung im Original &#8211; MSK]\u201c (Burroughs 1983: 167). Werdensprozesse sind niemals abgeschlossen, verweisen kontinuierlich \u00fcber sich hinaus, sind permanente Grenz\u00fcberschreitungen, rastlos unterwegs, ohne Zielpunkt und eindeutigen Identit\u00e4tsort: \u201e<em>warum hier haltmachen warum irgendwo haltmachen<\/em> [Hervorhebung im Original &#8211; MSK]\u201c (ebd.: 170).<a title=\"\" href=\"#_edn28\"><sup>[28]<\/sup><\/a> Sinn sollte etwas sein, dass sich im Experimentieren mit Sprache (vgl. Burroughs 2004: 149), T\u00f6nen oder Bildern ereignet bzw. ereignen kann, nicht von vorn herein in den Objekten, die adressiert werden, definitiv enthalten sein.<\/p>\n<p>Diese adressierte <em>Sinn-Aleatorik<\/em> soll zu einer <em>Entlimitierung von Literatur<\/em>, zu ihrer Transformation und Transgression beitragen (<em>Motivkreis 7<\/em>): \u201eAlles Schreiben besteht im Grunde aus Abschnitten. Eine Collage von Worten, gelesen, geh\u00f6rt, mitgeh\u00f6rt. Was noch? Der Gebrauch der Schere macht den Vorgang deutlich und unterwirft ihn der Erweiterung und Ver\u00e4nderung. Klare, klassische Prosa l\u00e4sst sich g\u00e4nzlich aus neu geordneten Abschnitten komponieren. Das Zerschneiden und Neuordnen einer Seite geschriebener W\u00f6rter f\u00fchrt eine neue Dimension ins Schreiben ein, die den Schreibenden in den Stand setzt, Bilder in eine Cinerama-Variation zu verwandeln. Bilder ver\u00e4ndern Sinn unter der Schere Geruch Bilder zu Klang Sehen zu Klang Klang zu Bewegung\u201c (Burroughs 1993: 86). Popul\u00e4re Kulturen und Popkulturen sind, um die vorausgehenden \u00dcberlegungen von Burroughs aufzunehmen, immer Kulturen der Collage, des Schnitts, der <em>Bastardisierung<\/em>, intermediale Liaisons und Bricolagen, kurz, Werdensprozesse \u2013 dies verbindet alle von Popul\u00e4ren Kulturen und Popkulturen verwendeten Medien.<\/p>\n<p>Im Zentrum einer collagenartigen <em>Entlimitierung von Literatur<\/em> und dem damit verbundenen intermedialem Befreien von Assoziationssperren, stehen Sampling und Mixing als konstitutive (literarische) Kulturtechniken \u2013 verbunden mit einer gewissen <em>Entsubjektivierungstendenz <\/em>in der Argumentation von Burroughs<a title=\"\" href=\"#_edn29\"><sup>[29]<\/sup><\/a>, weil derjenige, der etwa akustische <em>Cut ups<\/em> macht, das Mixen, Cutten und Sampeln sowie das Produzieren von kontingenten Assoziationen, letztlich den Aufnahme- und Schnittmaschinen \u00fcberlassen soll: \u201e<em>ein tonbandger\u00e4t ist ein externer teil des menschlichen nervensystems<\/em> [&#8230;]<em> sie sind ein programmiertes tonbandger\u00e4t das aufnimmt und wiedergibt wer programmiert sie <\/em>[&#8230;]<em> sie brauchen sich das nicht anzuh\u00f6ren\u00a0\u00a0 sie k\u00f6nnen ihre wiedergabe selbst programmieren <\/em>[&#8230;] [Hervorhebung im Original &#8211; MSK]\u201c (Burroughs 1983: 171).<a title=\"\" href=\"#_edn30\"><sup>[30]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Durch die Umsetzung des vorausgehend Skizzierten soll eine grunds\u00e4tzliche Ver\u00e4nderung von Denken, Wahrnehmen und Sprachgebrauch stattfinden, ein <em>Break on through, <\/em>durch den Grauschleier der Wirklichkeit bzw. Kontrollgesellschaft: \u201e<em>die physiologische befreiung zu der sie gelangen wenn sie die wortprinzipien gesteuerter gedankenverbindungen erst einmal durchbrochen haben wird sie ihren zielen n\u00e4her bringen<\/em> [&#8230;] <em>die unsichtbaren br\u00fcder fallen in die gegenwart ein\u00a0\u00a0 je mehr leute wir dazu bekommen <\/em>[&#8230;]<em> desto brauchbarer werden experimente und erweiterungen\u00a0 <\/em>[&#8230;]<em> ein grauer schleier lag zwischen ihnen und dem was sie sahen oder h\u00e4ufiger nicht sahen\u00a0\u00a0 dieser graue schleier waren die von einem kontrollger\u00e4t aufgenommenen und konservierten worte ist dieser schleier entfernt sehen sie klarer und sch\u00e4rfer als jene die sich hinter dem schleier befinden<\/em> [&#8230;] [Hervorhebung im Original &#8211; MSK]\u201c (Burroughs 1983: 169).<a title=\"\" href=\"#_edn31\"><sup>[31]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der poetische Bezugsrahmen f\u00fcr die Techniken des <em>Cut up <\/em>und <em>Fold in<\/em>, den Burroughs in den ersten neun Motivkreisen skizziert, stellt, formallogisch betrachtet, eine inkonsequente Intentionalit\u00e4t dar, gerade durch die Aspekte des <em>Break on through<\/em> und der Fokussierung einer, wenn auch unbestimmten, Gegenwirklichkeit, die den grundlegenden Perspektiven der <em>Aleatorik<\/em>, <em>Entlimitierung<\/em> und des Werdens widerspricht, indem ein <em>richtiges Leben<\/em> und <em>authentische Wirklichkeit<\/em>, zumindest implizit, postuliert werden. Das Werden und die intendierte Aufl\u00f6sung aller Identit\u00e4tsformen, werden somit in gewisser Weise statisch und definitiv. Diskursiv ist dieser Widerspruch im Bezugsrahmen von Burroughs nicht aufl\u00f6sbar.<\/p>\n<p>Die Arbeit am <em>Break on through<a title=\"\" href=\"#_edn32\"><strong><sup>[32]<\/sup><\/strong><\/a><\/em> und an der Beseitigung des <em>Grauschleiers<\/em> der Wirklichkeit, setzen Basisdemokratie und neue Formen der Kollektivit\u00e4t voraus: \u201eCollagen sind f\u00fcr jedermann da. Jeder kann Collagen herstellen. Dies ist experimentell in dem Sinn, dass es damit <em>etwas zu tun <\/em>gibt. Schreib jetzt, schreib gleich [Hervorhebung im Original &#8211; MSK]\u201c (Burroughs 1993: 85). Diese Basisdemokratie des <em>Cut up<\/em> ist vergleichbar mit der positiven Bedeutung von Kollektivit\u00e4t und den niedrigschwelligen M\u00f6glichkeiten des Mitmachen-K\u00f6nnens in der Popkultur \u2013 wie sie etwa in den beiden Songs \u201eCome together\u201c (Auf: The Beatles. Abbey Road. Apple\/Parlophone\/EMI 1969) und \u201eKommt zusammen\u201c (<em>2 Raumwohnung<\/em>. Auf: Kommt zusammen. Goldrush\/Sony Music 2001) emphatisch zum Ausdruck gebracht werden.<a title=\"\" href=\"#_edn33\"><sup>[33]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><em>Cut up<\/em> und <em>Fold in<\/em>, als \u00e4sthetische Strategien und Kommunikationsguerilla, sind f\u00fcr Burroughs insgesamt Bildungsmedien und Techniken des kulturellen <em>Empowerment<\/em>, die die Wirklichkeit durch die <em>subversive<\/em> Arbeit an der Narrativierung und Diskursivierung medienkulturell ver\u00e4ndern wollen. Die beiden Konzepte verdeutlichen aber auch, dass Popul\u00e4re Kulturen und Popkulturen, Medien \u00fcbergreifend, wesentlich Kulturen des Schnitts sind.<\/p>\n<p>Die poetische Position von Burroughs steht in Korrespondenz mit Adornos (1997a: 27) Forderung, \u201e\u00fcber den Begriff durch den Begriff hinauszugelangen\u201c \u2013 das Gleiche gilt f\u00fcr Fiedler und Brinkmann. Adorno geht es, sehr vereinfachend gesagt, um die Dekonstruktion der <em>Metaphysik<\/em> bzw. der Grundfeste des abendl\u00e4ndischen Denkens seit Platon. Adornos Versuch der Dekonstruktion, der an dieser Stelle nicht eigens entwickelt werden kann, ist mit dem Problem konfrontiert, das aus einem Denken, in diesem Fall Adornos, das in der Metaphysik grundgelegt ist, nicht ausgeschert, dieses System aber gleichsam durchschaut und immanent kritisiert, also <em>de-konstruiert<\/em> werden kann. <em>Dekonstruktion<\/em> bedeutet f\u00fcr Adorno, dass insofern \u00fcber keine andere Sprache als die der klassischen Metaphysik verf\u00fcgt werden kann, deren Begriffe zu \u00fcbernehmen und Schicht f\u00fcr Schicht im Gebrauch so abzutragen sind, dass die metaphysischen Implikationen m\u00f6glichst vermieden werden. Dieser Ansatz von Adorno kann letztlich aber nur durch die totale Dekonstruktion aller Inhalte der abendl\u00e4ndischen <em>Ideengeschichte<\/em> verwirklicht werden, um zu einem \u201eanderen [neuen \u2013 MSK] Genus des Denkens\u201c (Adorno o.J.: 274) zu gelangen. Dieser <em>(Total)Dekonstruktion<\/em> w\u00fcrden Begriffe wie Tradition, kulturelles Ged\u00e4chtnis, kulturelle Identit\u00e4t, Wahrheit, Geschlecht, Humanit\u00e4t etc., die als soziales bzw. historisches Band einer Gesellschaft dienen, zum <em>Opfer<\/em> fallen. Ob dieses Projekt in seiner Radikalit\u00e4t \u00fcberhaupt zu realisieren ist, bleibt daher fraglich. Die grundlegende Intention, die in dieser Forderung von Adorno zum Ausdruck kommt, ist der Versuch, ausgehend von einem umfassend kritischen Durcharbeiten des sozial Wirklichen, zu dessen konstitutiver Ver\u00e4nderung zu gelangen. Diese Ver\u00e4nderung kann aber nur gelingen und Nachhaltigkeit erzielen, wenn sie in einer spezifischen Terminologie verfasst wird, die die Sinn- und Bedeutungsschichten dieser projektierten Wirklichkeit anschlussf\u00e4hig kommunizieren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ist Adornos Arbeit am Denken, Sprechen und Schreiben der Wirklichkeit erkenntnistheoretisch fokussiert, so ist sie bei Burroughs ausschlie\u00dflich als \u00e4sthetische Strategie konzipiert, weil er Philosophie und Wissenschaft als Produzenten des <em>Grauschleiers <\/em>der Wirklichkeit betrachtet bzw. betrachten w\u00fcrde. <em>Cut up<\/em> als die wilde \u201eSch\u00f6nheit der Chance\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn34\"><sup>[34]<\/sup><\/a>, als M\u00f6glichkeit der Kritik und Ver\u00e4nderung, auch von konkreten \u201eFormatgrammatiken oder Mediensprachen\u201c (Ullmaier 2003: 143), um so eine Medien \u00fcbergreifende Alternative zu traditionellen Schnittverfahren anzubieten \u2013 deren formallogischem Widerspruch dabei allein \u00e4sthetisch begegnet werden kann. Diese Haltung verbindet wiederum Burroughs und Adorno, denn auch f\u00fcr Adorno ist letztlich die autonome Kunst die einzige M\u00f6glichkeit zu einem anderen Genus des Denkens und Wahrnehmens zu kommen \u2013 dem <em>Cut up<\/em> und <em>Fold in<\/em> schreibt Burroughs, entgegen seiner Rhetorik der Dekonstruktion von Identit\u00e4t, Einheit, Originalit\u00e4t oder Werk, Autonomie zu.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">\u00a0 <strong>Leslie A. Fiedler: \u201eAngriff aufs Monopol\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die beiden viel diskutierten Aufs\u00e4tze \u201eDie neuen Mutanten\u201c (Fiedler 1983) und \u201e\u00dcberquert die Grenze, schlie\u00dft den Graben\u201c (Fiedler 1994) aus den 1960er Jahren, stellen ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine thematisch-motivische und intermediale \u00d6ffnung von Literatur dar, durch die <em>jede Art<\/em> von Literatur als Literatur betrachtet werden kann. F\u00fcr Fiedler ist Literatur stets Gebrauchsliteratur, die einen bestimmten Zweck verfolgt, sonst nichts, v.a. aber eins nicht ist, Kunst (vgl. Fiedler 1994: 33, 36).<a title=\"\" href=\"#_edn35\"><sup>[35]<\/sup><\/a> Literarisch betrachtet geh\u00f6rt sie damit in die gleiche Kategorie wie Kochb\u00fccher, Lexika, Bedienungsanleitungen oder Reisef\u00fchrer. Diese literarischen Formen rufen beim Leser Reaktionen hervor, die prim\u00e4r in der Form der Zweckfokussierung grundgelegt sind, nicht in ihrer \u00e4sthetischen Form. Genau darauf l\u00e4uft aber die Literatur letztlich, seit den antiken Poetiken, hinaus. F\u00fcr Aristoteles (1994) und Horaz (1986) z.B. sind Schauder und Schrecken oder Lachen und Weinen selbstverst\u00e4ndliche sowie notwendige Effekte von Literatur, k\u00f6rperliche Reaktionen also, die im Wirkungskalk\u00fcl des jeweiligen Mediums geradezu <em>apriorisch<\/em> angelegt sind.<\/p>\n<p>Diese Form der Kontinuit\u00e4t im Feld kultureller, hier literarischer, Produktion, zeigt an, dass Geschichtsschreibungen des Kulturellen andere Ordnungskategorien als z.B. Gattungen oder Epochen erfordern, die das kulturelle Material stofflich und historisch festlegen wollen. Das kulturelle Material, etwa Literatur, Musik oder Film, steht in einem best\u00e4ndigen Dialog mit der Kulturgeschichte, ist niemals <em>bei sich<\/em> selbst oder <em>in <\/em>den jeweiligen Ordnungskategorien, sondern \u00fcberschreitet sich permanent intertextuell, intermedial und interkulturell. Insofern m\u00fcsste eine Literaturgeschichtsschreibung sich selbst auf eine Geschichtsschreibung des Intertextuellen, Intermedialen und Interkulturellen hin \u00fcberschreiten, also konstitutiv <em>Anders-Werden<\/em>.<a title=\"\" href=\"#_edn36\"><sup>[36]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Hiermit verbunden ist die \u201eZur\u00fcckweisung des Glaubens an Kontinuit\u00e4t und Fortschritt der Kultur\u201c, von der Fiedler (1983: 19) spricht, die Traditionsindifferenz der Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur, ihr Anti-Humanismus und ihre Verweigerung gegen einen unbedingten Vernunftglauben sowie den Glauben an die literarische Kultur als ein Produkt des Humanismus. Hingegen dominiert eine <em>Anti-\u00c4sthetik<\/em>, die Suche nach dem <em>Dauer-Anti<\/em> (Anti-Lyrik, Anti-Roman, Anti-B\u00fcrgerlich usw.) gegen alles und jeden, auch gegen sich selbst.<a title=\"\" href=\"#_edn37\"><sup>[37]<\/sup><\/a> Diese Haltung schafft eine Ortlosigkeit an Orten, an denen sie stattfindet, aufgeschrieben und gelesen wird, ohne selbst an diesen Orten verortbar zu sein. Gleichzeitig \u00f6ffnet sie hierbei aber R\u00e4ume, die nicht utopisch, sondern <em>heterotop<\/em> sind.<a title=\"\" href=\"#_edn38\"><sup>[38]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die zuvor skizzierte Perspektive von Fiedler kann zur Relativierung der Rede vom <em>medialen Apriori der Medientechnik<\/em> verwendet werden und stellt dieser ein <em>mediales Apriori der Medienwirkungen<\/em> zur Seite, ohne das Ersteres nicht gedacht werden kann und in dem Letzteres seine Ausdrucks- und Inszenierungsgrenzen findet. Beide <em>Aprioris<\/em> sind indifferent gegen\u00fcber konkreten Inhalten und auf das Zusammenspiel von Differenz und Wiederholung bezogen.<\/p>\n<p>Dieser form\u00e4sthetischen und medientheoretischen Positionierung, stellt Fiedler eine politische und wahrnehmungstheoretische zur Seite. Die Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur schreibt gegen gesellschaftliche sowie kulturelle Denk- und Bildverbote; stellt ein exotisches Terrain undomestizierter W\u00fcnsche und einen Schutzwall gegen die b\u00fcrgerliche Moral dar.<\/p>\n<p>In seinem Aufsatz \u201eDie neuen Mutanten\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn39\"><sup>[39]<\/sup><\/a> (Fiedler 1983) aus dem Jahr 1964 wendet sich Fiedler entsprechend drastisch gegen alle \u00e4sthetischen Vor-Schriften f\u00fcr die Literatur, gegen Regulierungsbestrebungen, die die Literatur seit ihren Anf\u00e4ngen begleiten, etwa in Form der Kanonbildung bzw. der damit verbundenen normativen Differenzierung von <em>hoher<\/em> und <em>niederer<\/em> Literatur, die letztlich keinen objektiven Kriterien folgt, sondern an die Geschmackspr\u00e4ferenzen der jeweiligen Literaturhistoriker r\u00fcckgebunden ist und in vermeintlich entindividualisierter Form kanonisiert bzw. zu einem pr\u00e4skriptiven <em>Kanon der Gebote<\/em> wird.<a title=\"\" href=\"#_edn40\"><sup>[40]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Argumentation von Fiedler unterl\u00e4uft sich allerdings in einer Hinsicht selbst, weil sie der zur\u00fcck gewiesenen <em>Limitierung<\/em> von Literatur eine <em>Entlimitierung <\/em>entgegensetzt, die wiederum als charakteristisch f\u00fcr die <em>neue<\/em> US-amerikanische Literatur der 1950er sowie 1960er Jahre bezeichnet und als Ma\u00dfstab f\u00fcr aktuelle Literaturproduktion ausgewiesen wird. Aus der Negation entsteht eine Position \u2013 das Gleiche gilt f\u00fcr Burroughs und Brinkmann. Ungeachtet dieses formallogischen Widerspruchs, der im Referenzrahmen des Denkens von Fiedler nicht \u00fcberwunden werden kann, adressiert Fiedler mit diesem <em>Entgrenzungspl\u00e4doyer<\/em> ein <em>neues<\/em> inter- bzw. transmediales kulturelles Feld, das f\u00fcr Popul\u00e4re Kulturen und Popul\u00e4re Medienkulturen repr\u00e4sentativ ist und in dieser kulturellen Formation ihren Ausgang mit der Popkultur der 1950er Jahre nimmt. Diese Begrenzung der Entgrenzung ist unverst\u00e4ndlich und entgegen der Argumentation von Fiedler, dass die Produktionen popul\u00e4rer Kultur grundlegend offen sind, sich grunds\u00e4tzlich selbst \u00fcberschreiten und transformieren.<\/p>\n<p>F\u00fcr jede literarische Epoche ist, so Fiedler weiter, Offenheit und Blindheit bzw. Ignoranz kennzeichnend \u2013 \u00fcber den <em>blinden Fleck<\/em> seiner Argumentation und \u00fcber die <em>Blindheit <\/em>der Popul\u00e4ren Kulturen spricht er allerdings nicht. In seinem Aufsatz fokussiert er sich auf das, wof\u00fcr die amerikanische Kultur in den 1960er Jahren mit Blick auf die Literatur blind ist: Zum einen f\u00fcr die politische Dimension dieser Literatur, ihre \u201eHaltung zur Zeit\u201c (ebd.: 17), die mehr darstellt, als ein reproduzierendes und affirmatives Verh\u00e4ltnis zur Wirklichkeit, etwa mit Blick auf die B\u00fcrgerrechtsbewegung, und somit ein revolution\u00e4res Potential besitzt \u2013 diese \u00dcberh\u00f6hung ist der historischen Situation geschuldet, in der Fiedler schreibt, und geh\u00f6rt zum Gr\u00fcndungsmythos der Rede von der Subversivit\u00e4t Popul\u00e4rer Kulturen. Zum anderen f\u00fcr den gegenwartsdiagnostischen Charakter der Literatur bzw. ihren Fokus auf das Zeitgen\u00f6ssische, dessen Klima Fiedler (1994: 15) als apokalyptisch, antirational, offen romantisch und sentimental beschreibt. Zudem tr\u00e4gt sie wahrnehmungstheoretisch betrachtet, zu einer Sch\u00e4rfung des Bewusstseins und zu einer <em>neuen Sensibilit\u00e4t<\/em> bei, stellt eine Art <em>Sinnesschulung<\/em> dar. Die Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur ist f\u00fcr Fiedler auch ein Medium \u00e4sthetischer Reflexion, in der \u201eradikale Wandlungen der Literatur in vereinfachter Form reflektiert werden\u201c (ebd.: 17).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus besitzt die Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur einen futuristisch-utopischen Charakter, sie ist eine die Zukunft antizipierende Literatur, der es um die produktive Erschlie\u00dfung der Zukunft, um \u201eProjektionen des Wirklichen\u201c bzw. \u201eErkundung, Besitznahme oder Planung des M\u00f6glichen\u201c (ebd.) in der Gegenwart geht.<a title=\"\" href=\"#_edn41\"><sup>[41]<\/sup><\/a> In diesem Kontext hebt Fiedler einerseits die Bedeutung der Science Fiction-Literatur als Medium der \u201e,Extrapolation\u2018 der Zukunft\u201c (ebd.: 18) in der Gegenwart hervor, andererseits deren audiovisuellen Selbst\u00fcberschreitungen in Fernsehserien und Filmen, \u201ewo die zugrundeliegende Bildwelt gl\u00fccklich mit elektronischer Musik verwoben [&#8230;] und der Wortanteil auf ein Minimum reduziert\u201c (Fiedler 1994: 27) wird. Das Medium Literatur ist aus dieser Perspektive selbst schon f\u00fcr Fiedler in den 1950er und 1960er Jahren nur noch ein \u00dcbergangsmedium, das intermedial im Raum audiovisueller Medienkulturen <em>aufgehoben<\/em> wird und dort seinen gr\u00f6\u00dften Einfluss erlangt. Insofern stellen die beiden hier diskutierten Aufs\u00e4tze von Fiedler nicht die <em>Gr\u00fcndungsdokumente<\/em> einer neuen literarischen Epoche dar, sondern vielmehr deren <em>Grabrede<\/em>, verbunden mit einer knappen Skizze ihrer intermedialen Transformation.<\/p>\n<p>Als Medium <em>aisthetischer<\/em> Bildungsprozesse dienen in der Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur neben Science Fiction, wie Fiedler hervorhebt, die Sexualit\u00e4t und Pornographie<a title=\"\" href=\"#_edn42\"><sup>[42]<\/sup><\/a> \u2013 auch dies kann durchaus als Ausdruck einer Reflexion auf die kulturgeschichtliche Situation der 1960er Jahre aufgefasst werden. In der Literatur, die Fiedler fokussiert, findet sich eine gesteigerte Bedeutung von Sexualit\u00e4t, verbunden mit der Suche nach einer direkten, obsz\u00f6nen Sprache der Sexualit\u00e4t, einer Hinwendung zur Pornographie, einer Arbeit an einer \u00c4sthetik der Sexualit\u00e4t und Porno-\u00c4sthetik, das Gestalten eines literarischen Pendants zur sexuellen Revolution, ein Schreiben f\u00fcr die Befreiung aus dem <em>Gef\u00e4ngnis<\/em> traditioneller Liebesideologien, die Aufl\u00f6sung des Monopols der Heterosexualit\u00e4t als Leitgeschlechtlichkeit, die Affirmation und Legitimation von Homosexualit\u00e4t und <em>Camp<\/em>. \u201eDie Standardformen heterosexueller Kopulation, normal oder ,poetisch\u2018 vermittelt, sind verflucht altmodisch, wenn nicht gar ein bisschen l\u00e4cherlich; wir fordern Fellatio, Analverkehr und Flagellation, um sicherzugehen, dass wir Pornographie vor uns haben und keine Liebesgeschichte\u201c (ebd.: 29). An dieses <em>Pl\u00e4doyer<\/em> f\u00fcr eine demonstrative, realistische und tabulose Literatur, die sexuelle und pornographische Themen behandelt, schlie\u00dft sich allerdings ein von Fiedler nicht weiter verfolgter Hinweis an: Die massenkulturelle Thematisierung und Sichtbarkeit von Pornographie f\u00fchrt letztlich zu ihrem Ende, denn f\u00fcr Fiedler (ebd.) ist die Idee der Pornographie im Wesentlichen eine \u201eArt masturbatorischer Tr\u00e4umerei im Verborgenen\u201c. Die gegenw\u00e4rtig mediale <em>Dauersichtbarkeit<\/em>, <em>Dauerthematisierung<\/em> und <em>Dauerverf\u00fcgbarkeit<\/em> von Pornographie bzw. pornografischer Inhalte (vgl. u.a. Hilkens 2010; Grimm\/Rhein\/M\u00fcller 2010; Gernert 2010), v.a. derer im Internet, l\u00e4sst einerseits auch gegenw\u00e4rtig die These plausibel erscheinen, dass maximale Sichtbarkeit (popul\u00e4r-)kultureller Ph\u00e4nomene zu deren Habitualisierung und Verallt\u00e4glichung f\u00fchren, der von ihnen ausgel\u00f6ste <em>Schock des Realen<\/em> verschwindet und deren Normalisierung zu ihrer grunds\u00e4tzlichen Transformation beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Vergleicht man andererseits den Gro\u00dfteil der Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur in ihrem Schreiben \u00fcber Sexualit\u00e4t und in ihren <em>pornographischen Dimensionen<\/em> bzw. der literarisch-demonstrativen Sexualit\u00e4tsdarstellung, erscheint diese Literaturproduktion sehr <em>harmlos<\/em>, wenn man sie etwa mit Texten der <em>pornographischen Avantgarde<\/em> im Werk von Marquis de Sade (vgl. u.a. 2006, 2008), dem 1899 erschienenen Roman \u201eDer Garten der Qualen\u201c von Octave Mirbeau (2009), dem 1907 erschienenen Roman \u201eDie elftausend Ruten\u201c von Guillaume Apollinaire (1985) oder mit dem \u201eObsz\u00f6nen Werk\u201c von George Bataille (1977) kontrastiert.<\/p>\n<p>Allerdings k\u00f6nnte man hier argumentieren, dass die literarischen, k\u00fcnstlerischen und filmischen <em>Porno-Avantgarden<\/em> das Feld demonstrativer Pornographiedarstellung ge\u00f6ffnet haben und der Verdienst der Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur darin besteht, demonstrative Sexualit\u00e4t und pornographische Dimensionen von Sexualit\u00e4t als Alltagswirklichkeiten inszeniert zu haben, wodurch eine Habitualisierung von Sexualit\u00e4t und Pornographie im Alltag ausgehen sollte. Hierbei handelte es sich um einen affirmativen Umgang mit diesen Themen, der kulturkritisch im Verh\u00e4ltnis zur b\u00fcrgerlichen Sexualmoral war, nicht aber aus der Perspektive des Feminismus.<a title=\"\" href=\"#_edn43\"><sup>[43]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Fiedler konstatiert nicht nur eine grundlegende Transformation und Transgression der Literatur, sondern mit ihr auch die des schreibenden Subjekts. Ein Hierarchieverh\u00e4ltnis von Text und Autor existiert f\u00fcr Fiedler nicht, beide Instanzen sind unteilbar miteinander durchdrungen. Aus diesem Durchdrungensein entsteht ein <em>neuer<\/em> Subjekttypus: \u201eK\u00fcnstlerisch [&#8230;] ist der Ausblick auf die radikale Verwandlung des Homo Sapiens (unter Wirkung des technischen Fortschritts und der \u00dcbertragung traditionell menschlicher Funktionen auf Maschinen) in etwas anderes: das Auftreten von \u2013 um in der Sprache der Science-Fiction zu sprechen &#8211; ,Mutanten\u2018 unter uns.\u201c Fiedler bezieht sich mit dieser Bezeichnung u.a. auf die <em>Beatniks<\/em> und auf neue jugend- bzw. popkulturelle Akteure seiner Zeit.<\/p>\n<p>Die <em>neuen Autoren<\/em>, Fiedler nennt u.a. <em>On the Road<\/em> (1957) von Jack Kerouac (1998), The <em>Temple of Gold <\/em>von William Goldman (1957) oder <em>The Clockwork Orange<\/em> (1962) von Anthony Burgess, lehnen jede Form von Definition ihrer T\u00e4tigkeit ab: Ob sie Literatur produzieren oder nicht, interessiert sie nicht. Sie stehen auch in keinem pr\u00e4formierten Dialog mit der literarischen Tradition und weisen ihre Fixierung durch die <em>Autor-Funktion<\/em> emphatisch zur\u00fcck. Leben und Schreiben sind untrennbar miteinander verbunden, der Fokus ihres Schreibens und Lebens ist die Gegenwart, ihr Ziel ist es, eine \u00c4sthetik der Existenz zu entwerfen, die auf einer anderen Wahrnehmung der Gegenwart aufbaut. Der Begriff <em>Cool<\/em> kennzeichnet das Wesen ihres Lebensstils.<a title=\"\" href=\"#_edn44\"><sup>[44]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Fiedler (1983: 19) bezeichnet die Underground-\/Beat-\/Pop-Literaten dar\u00fcber hinaus als \u201eneue Irrationalisten\u201c.<a title=\"\" href=\"#_edn45\"><sup>[45]<\/sup><\/a> Sie finden ihre historischen Vorbilder u.a. in der \u201eIdee einer antirationalen Anti-Literatur\u201c, die die k\u00fcnstlerischen Avantgarden des 20 Jh. entwickelt haben, etwa der Dadaismus oder der Surrealismus. Sprache wird <em>ver-r\u00fcckt<\/em> verwendet, ihr wird ein anderer Rhythmus, Sound, eine Dynamik gegeben: \u201eEindringen der Anti-Sprache in die Welt der mittleren Generation, und zwar auf der Verst\u00e4ndnisebene der Massenkultur [&#8230;]\u201c (ebd.: 22).<a title=\"\" href=\"#_edn46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Sie selbst sind zumeist wesentlich massenkulturell sozialisiert und adressieren massenkulturelle Rezeptionsweisen in ihren Produktionen. Ihre literarische Sprache formen sie hierbei v.a. durch den Bezug zur Sprache der Musik und des Films.<a title=\"\" href=\"#_edn47\"><sup>[47]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Als dialektisches Problem des kulturellen bzw. literarischen Schaffens hebt Fiedler (ebd.: 23) hervor, dass \u201edurch wiederholten Gebrauch akzeptiert, wird Anti-Sprache zu Sprache, und mit der Gelegenheit zur \u00dcbertreibung schwindet auch alle Lust daran.\u201c Die kulturelle Normalisierung und Aneignung der Sprache der Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur, d.h. ihr <em>Massenkultur-Werden<\/em>, entfremdet diese von sich selbst und fordert sie gleichzeitig heraus, anders zu werden.<\/p>\n<p>Fiedler (1994: 18) hebt entsprechend einerseits hervor, dass die Literatur ein Mode- und Zeitgeistph\u00e4nomen ist, wodurch sie notwendig wandelbar und wandlungsbed\u00fcrftig wird. Den Roman bezeichnet er (ebd.) in diesem Kontext als die erste \u201eForm der Pop-Literatur, die sich bewusst war, dass ihre Lebenszeit [&#8230;] notwendigerweise kurz sein w\u00fcrde.\u201c Der Roman stellt f\u00fcr Fiedler also ein \u00dcbergangsmedium dar.<a title=\"\" href=\"#_edn48\"><sub>[48]<\/sub><\/a> Andererseits ist die Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur f\u00fcr ihn (ebd.: 20) ein Rettungsversuch des Mediums Buch, in Zeiten seiner zunehmenden Bedeutungslosigkeit, \u201eund deswegen muss der wirklich neue Roman anti-k\u00fcnstlerisch und anti-seri\u00f6s sein.\u201c Die eigensinnigen Ziele der Literatur sind f\u00fcr Fiedler (1994: 35ff.) das Erm\u00f6glichen von Tr\u00e4umen und Visionen, wodurch im Akt der Produktion und Rezeption ein <em>Mehr-an-Leben<\/em> bzw. ein <em>Anders-werden<\/em> von Leben entstehen kann. Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur ist daher f\u00fcr Fiedler wesentlich <em>heterotop<\/em>. An anderer Stelle spricht er (ebd.: 34) entsprechend von der Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur als \u201eReise oder Pilgerfahrt zu transzendenten Zielen\u201c.<\/p>\n<p>Als <em>Leuchtt\u00fcrme <\/em>bzw. Underground-\/Beat-\/Pop-Literaten <em>avant la lettre<\/em> bezeichnet Fiedler (ebd.: 20f.) den Autor und Jazz-Musiker Boris Vian und William S. Burroughs. Vian schlie\u00dft mit seinen Romanen, Fiedler spricht v.a. \u00fcber \u201eIch werde auf Eure Gr\u00e4ber spucken\u201c, die Grenze zwischen hoher und niederer Kultur, Kunstroman und Pop-Literatur. In dieser <em>\u00dcberbr\u00fcckung <\/em>bzw. <em>Grabenschlie\u00dfung<\/em> von Hoch- und Popkultur sieht Fiedler die wesentliche Aufgabe des gegenw\u00e4rtigen Romans.<\/p>\n<p>Fiedler (1994: 37) rahmt seine \u00dcberlegungen durch ein <em>Lob<\/em> Popul\u00e4rkultureller Medien \u2013 hier v.a. mit Blick auf die audiovisuellen Medien: \u201e[&#8230;] dass Tr\u00e4ume selbst produziert und auf Fernsehschirme geworfen oder mit Laserstrahlen projiziert werden k\u00f6nnen in einer Lebendigkeit, die den Visionen der Heiligen nicht nachsteht.\u201c Wie kaum jemand vor ihm hat Fiedler Popul\u00e4re Medienkulturen als genuine Bildungsmedien aufgefasst.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">\u00a0<strong>Rolf Dieter Brinkmann: \u201eSin eben nur W\u00f6rter, du verstehst?\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSammle das Material.\/Wie immer. Stell das Material anders zusammen.\/ [&#8230;] Was bleibt zuletzt? Das selbstbewusste Ich. Von Parasiten besetzt? Dann die Aufgabe ,sie auszur\u00e4uchern.\/ [&#8230;] W\u00f6rter wie Schimmelpilze ,Schmarotzer des Bewusstseins\u2018.\u201c (Brinkmann 1987: 182)<\/p>\n<p>Zwei poetische Grundpositionen von Brinkmann werden in diesem Zitat deutlich: einerseits seine Selbsteinordnung in die <em>Cut up<\/em>-Tradition<a title=\"\" href=\"#_edn49\"><sup>[49]<\/sup><\/a>, die etwa in seine Collagen- und Materialb\u00e4nden deutlich wird, andererseits seine Sprachkritik, mit Anspielung auf den <em>Chandos<\/em>-Brief (Hofmannsthal 1957)<a title=\"\" href=\"#_edn50\"><sup>[50]<\/sup><\/a>, und die daraus resultierende Feststellung, dass die Ausbildung einer eigensinnigen Ich-Identit\u00e4t durch die Sprache <em>seiner<\/em> Gegenwart be- bzw. verhindert wird.<a title=\"\" href=\"#_edn51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> Dar\u00fcber hinaus arbeitet Brinkmann daran, das im vorausgehenden Abschnitt skizzierte <em>poetische Programm<\/em> von Fiedler umzusetzen. Dies wird etwa hinsichtlich seiner thematisch-motivischen und intermedialen \u00d6ffnung von Literatur deutlich, aber auch in seiner, mit wenigen Ausnahmen wie etwa Gottfried Benn, Zur\u00fcckweisung der literarischen Traditionen und Konventionen in Deutschland.<\/p>\n<p>Meine Perspektive der Auseinandersetzung mit Brinkmann (1980: 60) orientiert sich an der Grundhaltung seines Gedichtes \u201eZwischen den Zeilen\u201c aus \u201eLe Chant du Monde (1963-1964): \u201eZwischen | den Zeilen | steht nichts | geschrieben. Jedes Wort | ist schwarz | auf wei\u00df | nachpr\u00fcfbar.\u201c Der Oberfl\u00e4chen\u00e4sthetik von Brinkmann werde ich daher mit einer Oberfl\u00e4chenhermeneutik begegnen oder, um es mit einem\u00a0 Begriff von Ernst Jandl (1985: 321) auszudr\u00fccken: ich betreibe \u201e<em>oberfl\u00e4chen\u00fcbersetzung <\/em>[Hervorhebung im Original \u2013 MSK]\u201c der Arbeiten von Brinkmann. Das Oberfl\u00e4chliche wird dabei, weder von Brinkmann noch Jandl und mir, als banal aufgefasst, sondern als eigensinnige \u00e4sthetische Erscheinung und Erfahrung, die keiner <em>klassisch-hermeneutischen<\/em> Tiefenanalyse bedarf.<a title=\"\" href=\"#_edn52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> Der Sinn der Oberfl\u00e4che ist <em>auf <\/em>der Oberfl\u00e4che, genauer <em>in<\/em> ihren Verweisen und Materialisierungen von Verweisen, denn die popul\u00e4rkulturelle bzw. popkulturelle Oberfl\u00e4che ist wesentlich ein Verweisraum, niemals identisch mit sich selbst, auch nicht in deren (Re-)Diskursivierung.<a title=\"\" href=\"#_edn53\"><sup>[53]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Beginnen werde ich meine Rekonstruktion der poetischen Position von Brinkmann, um einen direkten Anschluss an die zuvor skizzierten Positionen von Fiedler zu erhalten, mit seiner Verteidigung des \u201e\u00dcberquert die Grenze, schlie\u00dft den Graben\u201c-Aufsatzes von Fiedler, wie ihn Brinkmann (1994) in \u201eAngriff aufs Monopol. Ich hasse alte Dichter\u201c aus dem Jahr 1968 pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt seiner Verteidigung Fiedlers ist die Feststellung der folgenlosen Dauerkrise des Kulturbetriebs, die letztlich reine Rhetorik bzw. ein \u201eErregungsdispositiv\u201c (Metelmann\/Cigale 2010) ist, das durch seine kontinuierliche \u00dcberpr\u00e4senz narkotisierende Wirkung hinsichtlich der kulturellen Produktion bzw. Kreativarbeit besitzt und letztlich nur Bestandsbewahrung der Tradition bzw. Klassiker adressiert. Fiedler geht, so Brinkmann, einen Schritt weiter und stellt das, was l\u00e4ngst schon bekannt sein sollte, deutlich und als unhintergehbar heraus, n\u00e4mlich, \u201edass das europ\u00e4isch-abendl\u00e4ndische Kulturmonopol gebrochen ist\u201c (Brinkmann 1994: 65). Fiedler wird somit in seinem Angriff auf das \u201eKulturmonopol des Abendlandes\u201c (ebd. 69) als Bedrohung f\u00fcr alle etablierten Autoren, die, aus der Perspektive von Brinkmann, nicht mehr bereit sind, beweglich zu sein, zu experimentieren, sich auf die Ver\u00e4nderungen der Gegenwart einzulassen, sich neu zu erfinden und aufs Spiel zu setzen, die im Literaturbetrieb angekommen sind. Daraus folgt zudem der <em>Wille<\/em> zu einer <em>autorit\u00e4ren<\/em> Formung der Leser bzw. die Forderung an diese, durch den etablierten Literaturbetrieb, verbunden mit einer Verhinderung des Entstehenlassens von neuen Autoren-Generationen, die sich dem <em>Kanon der literarischen Gebote<\/em> verweigern: \u201eDiese Atmosph\u00e4re latenter, aber wirksamer H\u00f6righaltung von Lesern und den j\u00fcngeren, noch sch\u00fcchternen Autoren, die sich nun schon so lange h\u00e4lt, ist daf\u00fcr verantwortlich zu machen, dass f\u00fcr deutsche Literatur der Ofen aus ist. Das Bewusstsein der auf jene arrivierten Autoren folgenden Generationen wird ja andauernd kastriert\u201c (ebd.: 70). Deutsche Literatur der Gegenwart und vieles aus der literarischen Tradition bedeuten Stillstand bzw. <em>Tod<\/em>, diejenigen, die diese Literatur(en) als un\u00fcbertreffbare Kulturg\u00fcter (wissenschaftlich oder journalistisch) vermitteln, sind genauso leblos wie diese: \u201e<em>Die Toten bewundern die Toten<\/em>\u201c (ebd.: 77). Ein gro\u00dfer <em>Toten-<\/em> und <em>Grabpflegerverein<\/em> ist f\u00fcr Brinkmann, darauf wird in diesem Text nicht explizit eingegangen, die <em>Gruppe 47<\/em> und deren Bestreben, den literarischen Nachkriegskanon in Deutschland (mit) zu bestimmen. So wird die Bedeutung der von Brinkmann als Pop-Romane gewerteten Texte, wie \u201eNaked Lunch\u201c (1959) von William S. Burroughs oder \u201eCome back, Dr. Caligari\u201c von Donald Barthelme (1964), von der deutschen Literaturkritik, die dem <em>Kunst-Diktat<\/em> der abendl\u00e4ndischen Tradition folgt, in ihrer Neuheit und Eigensinnigkeit totgeschwiegen (ebd.: 67). Pop ist f\u00fcr Brinkmann hingegen ein <em>Epochenstil<\/em> angloamerikanischer Pr\u00e4gung, der au\u00dferhalb der abendl\u00e4ndisch-europ\u00e4ischen Tradition steht (ebd.: 72) und diese abgel\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Verbunden mit dieser Diagnose scheint bei Brinkmann, der in den 1960er Jahren zu den neuen deutschen Literaten und Traditionsverweigerern z\u00e4hlt, die latente <em>Sehnsucht<\/em> nach einer literarischen <em>Pop-Generation<\/em> im Sinne der amerikanischen Beat-\/Underground-Szene.<a title=\"\" href=\"#_edn54\"><sup>[54]<\/sup><\/a> Zur Ausbildung einer eigensinnigen Pop-(Literatur-)Tradition<a title=\"\" href=\"#_edn55\"><sup>[55]<\/sup><\/a> m\u00fcssten die Grenzen und Gr\u00e4ben zwischen Tradition und Gegenwart, aus der Sicht von Brinkmann, allerdings noch vertieft und auf keinen Fall \u00fcberbr\u00fcckt werden \u2013 ganz im Gegensatz zur Haltung von Fiedler. Hiermit stellt Brinkmann den Pop-Kontext, in dem er sich selbst befindet, wodurch er seine eigene <em>Qualifikation<\/em> als neuer, nicht traditionsh\u00f6riger Autor auszeichnet, heraus. Brinkmann sieht sich selbst als Teil der neuen Generation, \u00fcber die Fiedler aus der sympathisierenden Distanz des Literaturwissenschaftlers schreibt, ihr aber nicht angeh\u00f6rt. Diese Zuordnung Brinkmanns zur Pop-Generation erfolgt etwa durch Musik-Hinweise, wie etwa auf \u201eThe Doors\u201c und die damit verbundene <em>akribisch<\/em>-archivarische Auflistung von Details zu ihrer Musik, wenn er erw\u00e4hnt, dass er sie parallel zu Schreiben h\u00f6rt. Brinkmann lebt <em>im<\/em> Pop und <em>lebt<\/em> Pop.<a title=\"\" href=\"#_edn56\"><sup>[56]<\/sup><\/a> Verbunden damit stellt er sich die Frage, ob er lieber weiter und deutlicher auf die Musik h\u00f6ren oder weiterschreiben sollte. Diese intermediale Konfrontation wird offen gelassen (vgl. ebd.: 66, 70). Allerdings lobt Brinkmann die Arbeit der Musiker, im Vergleich zu den <em>schlampigen<\/em> und <em>faulen <\/em>Gegenwartsdichtern, wie etwa Helmut Hei\u00dfenb\u00fcttel und Martin Walser. Musiker sind, im Unterschied zu Schriftstellern, so Brinkmann, stets auf der H\u00f6he medienkultureller und medientechnischer Entwicklungen, die sie in ihre Produktion von Musik konstitutiv einbinden und das musikalische Material davon mitformen lassen.<a title=\"\" href=\"#_edn57\"><sup>[57]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Den Pop-Begriff versteht Brinkmann (ebd.: 71) als \u00dcbergangsbegriff, dezidiert anti-k\u00fcnstlerisch und intermedial<a title=\"\" href=\"#_edn58\"><sub>[58]<\/sub><\/a>: \u201e[&#8230;] und zwar ist unter Pop [&#8230;] nicht die seinerzeitig aufgekommene Arbeitsrichtung der Malerei eines Wesselmann, Warhol etc. zu verstehen, vielmehr jene Sensibilit\u00e4t, die den sch\u00f6pferischen Produkten jeder Kunstart \u2013 Schreiben, Malen, Filmen, Musikmachen \u2013 die billigen gedanklichen Alternativen verweigert: hier Natur \u2013 da Kunst und hier Natur \u2013, da Gesellschaft, woraus bisher alle Problematik genommen wurde.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn59\"><sup>[59]<\/sup><\/a> Pop ist f\u00fcr Brinkmann prim\u00e4r eine besondere Haltung zur Gegenwart, ein ver\u00e4ndertes Selbstverst\u00e4ndnis der Welt gegen\u00fcber, eine neue Form von Sensibilit\u00e4t und Subjektivit\u00e4t, die den Fokus auf das Innere des Menschen richtet, um es von der <em>kulturellen Hegemonie<\/em> fremdbestimmter W\u00f6rter und Bilder, die das Wahrnehmen, Empfinden und Denken bestimmen, zu <em>befreien<\/em>. Hierzu dient, wie etwa bei Burroughs, die explizite Thematisierung u.a. von Drogen, Filmen, Musik und Sexualit\u00e4t, als Dokumentation von Erfahrungsberichten (vgl. Brinkmann 1983: 384). Diese Themen sind nicht <em>an sich<\/em> Pop, sondern sie m\u00fcssen im Kontext von Popul\u00e4ren Kulturen und Popul\u00e4ren Medienkulturen popularisiert bzw. popul\u00e4r-medial geformt und vermittelt werden, um popul\u00e4rkulturelle Aneignungs- sowie Bildungsprozesse zu erm\u00f6glichen, das Popul\u00e4re und Pop als solches <em>identifizierbar<\/em> zu machen. Einen exklusiven Zugang zu diesen neuen Erfahrungswelten verschafft die neue (anglo)amerikanische Literatur der Gegenwart, sie ist f\u00fcr Brinkmann <em>Augen \u00f6ffnend<\/em> wie ein Drogen-Trip (vgl. Brinkmann 1994: 74), verk\u00f6rpert musterg\u00fcltig \u201edie spezifisch zeitgen\u00f6ssige Sensibilit\u00e4t\u201c (ebd.: 75).<\/p>\n<p>Amerika, ab Mitte der 1950er Jahre, ist f\u00fcr Brinkmann entsprechend das Vorbild f\u00fcr die Ver\u00e4nderungs- und Gestaltungskraft von Pop sowie seine Kompetenz als Bildungsmedium, v.a. im Feld von Literatur und literarisch gelenkter Wirklichkeitswahrnehmung \u2013 aber auch mit Blick auf die Musik<a title=\"\" href=\"#_edn60\"><sup>[60]<\/sup><\/a>: \u201eDen Poeten und ,Junkies\u2018 verdanken wir den Hinweis, dass die ,neue\u2018 Welt, die der ,neue\u2018 Mensch der zweiten H\u00e4lfte des 20 Jahrhunderts bewohnen soll, nur entdeckt werden kann, durch die Erkundung des inneren Raums: durch ein Abenteuer des Geistes, die Erweiterung der psychischen M\u00f6glichkeiten des Menschen\u201c (ebd.: 76; vgl. auch Brinkmann 1983: 384).<\/p>\n<p>In \u201eDer Film in Worten\u201c hebt Brinkmann (1983: 394f.) entsprechend die Befreiung des Schreibens von Stil- und Rollenvorgaben bei den jungen amerikanischen Autoren hervor, das dazu notwendige Ineinandergreifen von Literatur und Leben, deren wechselseitige Einflussnahme und Ver\u00e4nderung, wie dies etwa im Kontext der Sexualit\u00e4t deutlich wird. (1983: 396): Sprachformen werden hier, so Brinkmann (ebd.: 396) zu Verhaltensformen und umgekehrt. Entsprechend lehnt Brinkmann die aus seiner Sicht regressiven Schreibformen, wie etwa den Roman, die Erz\u00e4hlung und Lyrik, denn diese festgefahrenen Formen lassen weder eine Ver\u00e4nderung der Literatur noch des Lebens zu.<\/p>\n<p>Brinkmann (1994: 77) schlie\u00dft seine Verteidigung von Fiedler mit der These, dass Kultur, hier Literatur, sich konstant und konstitutiv auf die Gegenwart<a title=\"\" href=\"#_edn61\"><sup>[61]<\/sup><\/a> beziehen sowie sich an ihr abarbeiten, durch sie Form gewinnen muss.<\/p>\n<p>Die poetischen \u00dcberlegungen von Brinkmann lassen sich, aufbauend auf seiner <em>Fielder-Verteidigung<\/em>, in elf Motivkreise unterteilen: Ein zentraler Bezugspunkt ist die Auseinandersetzung mit Formen der und Formungen durch die pop- sowie popul\u00e4rkulturelle Wahrnehmung von Wirklichkeit<a title=\"\" href=\"#_edn62\"><sup>[62]<\/sup><\/a>, aus der eine neue <em>Sensibilit\u00e4t<\/em> der Gegenwart gegen\u00fcber resultieren soll, verbunden mit der Bewusstwerdung einer neuen pop-\/popul\u00e4rkulturellen Subjektivit\u00e4t.<a title=\"\" href=\"#_edn63\"><sup>[63]<\/sup><\/a> Popkultur, weniger die von ihm stark kritisierte Popul\u00e4rkultur, soll somit der Weg zur <em>Umkodierung<\/em> von Fremd- und Selbstwahrnehmung sein, etwa durch die allt\u00e4gliche Bilderflut und die ver\u00e4nderten literarischen Vorstellungsmuster (<em>Motivkreis 1<\/em>). Themen, die in diesem Motivkreis relevant sind, sind etwa die Bedeutung von Medienwechseln bzw. Medienver\u00e4nderungen, aus denen Wahrnehmungsver\u00e4nderungen resultieren und die \u201edie abgerichtete Reflexionst\u00e4tigkeit [zersetzen]\u201c (vgl. Brinkmann 1983: 381). Hierzu tr\u00e4gt v.a. die Verallt\u00e4glichung und positive Oberfl\u00e4chlichkeit pop-\/popul\u00e4rkultureller Wahrnehmungen bei: \u201eLosgel\u00f6st von vorgegebenen Sinnmustern wendet sich die Imagination dem N\u00e4chstliegenden, Greifbaren zu und entschl\u00fcpft durch ein Loch in der Zeit: Break on through to the other side, The Doors, 2. Minuten, 25 Sekunden, 27.1.69. Dem Anwachsen von Bildern = Vorstellungen (nicht von W\u00f6rtern) entspricht die Empfindlichkeit f\u00fcr konkret M\u00f6gliches, das realisiert sein will [Hervorhebung im Original \u2013 MSK]\u201c (Brinkmann 1983: 391).<\/p>\n<p>Die Aufgabe der Literatur hierbei ist es, sich intermedial zu \u00fcberschreiten und zu transformieren, \u201eVorstellungen zu projizieren\u201c, sich der filmischen Darstellung von Wirklichkeit, im Modus filmischer Wahrnehmung von Wirklichkeit an zu n\u00e4hern. Literatur muss Bilder reicher werden und sich dadurch gegen die \u201eReproduktion abstrakter, bilderloser syntaktischer Muster\u201c richten (Brinkmann 1983: 381). An anderer Stelle spricht Brinkmann <strong>(<\/strong>1997: 114) von der Wirklichkeitswahrnehmung als \u201eKodakempfindung\u201c. Musterg\u00fcltig wird dies in der neuen amerikanischen Literatur vorgef\u00fchrt (vgl. ebd.: 381), die eine neuen Sensibilit\u00e4t der Gegenwart gegen\u00fcber aufweist und v.a. Technikkompetenz beweist, den \u201eGebrauch von Technik zur Radikalisierung von Phantasie\u201c (ebd.) enth\u00e4lt, und Medien als Vermittler und Verst\u00e4rker von Pop und Pop-Botschaften\/-\u00c4sthetiken sowie die Bedeutung von Technik f\u00fcr die Aktivierung eines Beat-\/Underground\/Pop-Feelings herausstellt \u2013 hier pr\u00e4sentiert Brinkmann wiederum eine klassische, an McLuhan orientierte, medienkulturwissenschaftliche Argumentation.<\/p>\n<p>Medientechnik bewertet Brinkmann (1983: 382) grunds\u00e4tzlich positiv, sie erm\u00f6glicht ein \u201ebefreiteres Dasein\u201c und kann durch ihre Nutzung transformatorische Bildungsprozesse im Sinne von Kokemohr erm\u00f6glichen, die klassische Kulturagenturen, wie der deutsche Literaturbetrieb, seiner Gegenwart und die Literaturkritik verhindern (vgl. Brinkmann 1997: 34).<a title=\"\" href=\"#_edn64\"><sup>[64]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Eine Umsetzung seiner poetischen Auseinandersetzung mit dem Thema Wahrnehmung findet sich v.a. in seinen Material- und Collagenb\u00e4nden. Die <em>Komposition<\/em> dieser B\u00e4nde, ihre intermediale sowie Sinn und Sinne dekontextualisierende Form, ist gegen die Lekt\u00fcre gerichtet, sie sind an vielen Stellen schlicht unlesbar und versuchen diskursive Sinnsetzung aufzul\u00f6sen. Die <em>Lekt\u00fcre<\/em> wird zumeist durch die Bilder und Bildcollagen in diesen Texten gelenkt, andererseits durch markante Formulierungen, die den Charakter von Thesen haben, ohne dass es irgendeine Form von Begr\u00fcndung dazu geben w\u00fcrde. Alles ist fragmentarisches Eindrucksmanagement und chaotische Ausdrucksform. Hierdurch vermittelt Brinkmann andererseits, vorausgesetzt, man l\u00e4sst sich darauf ein, eigensinnig zwischen Text und Leser: Der Leser sucht sich in den Collagen- und Materialb\u00e4nden (textuelle und visuelle) Schnappsch\u00fcsse heraus, die ihn ansprechen bzw. interessieren, ohne dabei vom Autor bewusst gelenkt zu werden bzw. werden zu k\u00f6nnen. Die Rezeption wird, wie die Collagen- und Materialproduktion, zu einer Schnappschusshaltung, die Augen zu Suchmaschinen, Brennweiten, Objektiven.<a title=\"\" href=\"#_edn65\"><sup>[65]<\/sup><\/a> Zudem l\u00f6st Brinkmann, auch wenn seine Name als Ordnungsfunktion auf dem Buchcover pr\u00e4sentiert wird, er namentlich und bildlich in den B\u00e4nden auftaucht, die Autorfunktion durch Collage und Cut-up auf.<a title=\"\" href=\"#_edn66\"><sup>[66]<\/sup><\/a> Von der literarischen Leichtigkeit seiner Vorbilder, wie z.B. Frank O\u2019Hara oder Allen Ginsberg, entfernt sich Brinkmann, abgesehen von seiner Lyrik, deutlich. Das Gleiche gilt f\u00fcr sein poetisches Programm, wenn man dieses etwa mit dem von Jack Kerouac (1996: 381-382) vergleicht.<a title=\"\" href=\"#_edn67\"><sup>[67]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Brinkmanns poetischen Positionen zum Zusammenhang von <em>aisthesis<\/em> und \u00c4sthetik sind unmittelbar mir seiner Sprachkritik verbunden (<em>Motivkreis 2<\/em>). Sprache, v.a. die deutsche, fasst er als grunds\u00e4tzlich defizit\u00e4r und regressiv auf. Das zentrale Anliegen seiner Sprachkritik besteht entsprechend darin, aus der offiziellen Sprache auszuscheren, um zu einer alternativen Ausdrucks-, Darstellungs- und Erkenntniswirklichkeit zu gelangen \u2013 genau wie es sich Burroughs zur Aufgabe machte.<\/p>\n<p>Die Notwendigkeit dieser Dekonstruktion der Sprache besteht darin, dass Wirklichkeit f\u00fcr Brinkmann v.a. eine sprachlich wahrgenommene und angeeignete Wirklichkeit ist, die sich vor jede Wahrnehmung von Wirklichkeit <em>stellt<\/em>. Seine Sprachkritik, v.a. aber deren performative Umsetzung in seinen Texten, will zum <em>Leben<\/em> in der Sprache und durch die Sprache durchdringen<a title=\"\" href=\"#_edn68\"><sup>[68]<\/sup><\/a>: \u201eVor lauter Abfassung von W\u00f6rtern wird nichts mehr gesehen. Und die Reflexion \u00fcber W\u00f6rter produzierte weitere W\u00f6rter und Begriffe bis zum total blinden Begriffsfetischismus [&#8230;] (noch einmal, ich rede damit nicht f\u00fcr eine neuerliche Betonung des ,Inhalts\u2018, die finde ich genau so doof und v.a. langweilig!) &#8230; warum sich in ,W\u00f6rtern\u2019 tot stellen? [&#8230;] anstatt auf W\u00f6rter oder S\u00e4tze und Begriffe so lange draufzuschlagen, bis das in ihnen eingekapselte Leben (Dasein, einfach nur: Dasein) neu daraus aufspringt in Bildern, Vorstellungen, dem synthetischen Leuchten, in einer sinnlichen \u00dcberf\u00fclle [Hervorhebung im Original \u2013 MSK]\u201c (Brinkmann 1983: 399).<a title=\"\" href=\"#_edn69\"><sup>[69]<\/sup><\/a> Sprache be-\/verhindert das <em>unverstellte<\/em> Sehen bzw. Wahrnehmen von Wirklichkeit, Begriffe sind <em>blind<\/em>, die \u201eGegenwart [wird] von Blindbegriffen erledigt [&#8230;]\u201c (Brinkmann 1987: 66).<a title=\"\" href=\"#_edn70\"><sup>[70]<\/sup><\/a> Eine begriffliche Wahrnehmung von Wirklichkeit, zumindest auf der Grundlage der deutschen Sprache (seiner Gegenwart), scheint es f\u00fcr Brinkmann nicht zu geben. Dieser performative Selbstwiderspruch, also die M\u00f6glichkeit der Einsicht Brinkmanns in dieses scheinbare Wesensgesetz der Sprache, wenngleich er sich dieser Sprache dazu bedient, wird bei Brinkmann nicht aufgel\u00f6st. Gleichwohl begegnet er diesem Widerspruch einerseits mit der Adressierung einer Lebendigkeit von Denken, Wahrnehmen und Sprechen diesseits der aktuellen (deutschen) Sprache, einen Beweis daf\u00fcr sieht er in den Texten der neuen amerikanischen Szene. Andererseits durch die Verbilderung der Sprache bzw. durch einen <em>Sinn- und Bedeutungsexorzismus<\/em>, den die Text-\/Bildcollagen seiner Material- und Collagenb\u00fccher erzeugen sollen.<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr Brinkmann (1999b: 7) v.a. die mangelnde Sinnlichkeit der Sprache, die aus dieser ein destruktives Medium macht: \u201e[&#8230;] die graue westdeutsche Gegenwart und Sprache, die nun wirklich so negativ und hassvoll aufgeladen ist [&#8230;] (,Dead Language\u2018: Deutsch) \u2013 und mit dieser Sprache machen sich die Leute alle gegenseitig fertig.\u201c Seine Sprachkritik inszeniert Brinkmann stets in einer performativen Krisenrhetorik: Sprache verdinglicht Wirklichkeit, <em>t\u00f6tet <\/em>damit aus der Perspektive von Brinkmann alles Lebendige.<a title=\"\" href=\"#_edn71\"><sup>[71]<\/sup><\/a> W\u00f6rter f\u00fchren zum <em>Ersticken<\/em> (vgl. Brinkmann 1987: 67; 1999b: 45, 56) von Lebendigkeit, zum Nicht mehr Ausdr\u00fccken k\u00f6nnen, machen verr\u00fcckt, erzeugen Angst, verunsichern, stellen permanent Forderungen auf und kommunizieren best\u00e4ndig Erwartungen (vgl. Brinkmann 1999b: 20). H\u00e4ufig spricht er von \u201eWort- und Bild-Geh\u00e4ngte[n]\u201c (Brinkmann 1987: 114). Sprache erscheint Brinkmann (1999b: 190) insgesamt als ein Gef\u00e4ngnis (vgl. Brinkmann 1987: 70), betont immer wieder die Opazit\u00e4t und Destruktivit\u00e4t von Sprache, beschreibt Sprache als <em>Zombie<\/em>.<a title=\"\" href=\"#_edn72\"><sup>[72]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Im Kontext seiner Kritik am Zusammenhang von Sprache und Denken, lehnt er den \u201eZwang zur Identifizierung\u201c (Brinkmann 1987: 410) ebenso ab, wie ein Denken in bin\u00e4ren Oppositionen (ebd.: 229), die Aufl\u00f6sung von Welt in <em>Entweder-Oder-Optionen<\/em>, die mit \u201eterroristisch[en] Oberbegriff[en]\u201c operiert (Brinkmann 1999b: 141).<\/p>\n<p>Aus dieser Haltung resultiert h\u00e4ufig in den Texten von Brinkmann eine Konfrontation von Text basierter, visueller und akustischer Wahrnehmung von Wirklichkeit, ohne dass dieses Spannungsfeld letztlich zugunsten einer <em>aisthetischen <\/em>Akzentsetzung verbindlich aufgehoben wird. Allerdings weisen seine wiederholte Kritik des \u201eendlose[n] Verbalisieren\u201c (Brinkmann 1997: 145) und die wichtige Bezugsrahmen von, aus seiner Perspektive, <em>guter<\/em> Popmusik, wie etwa <em>The Doors<\/em> oder <em>The Velvet Underground<\/em>, darauf hin, dass er die Sinneswelten von Bild und Ton eindeutig pr\u00e4feriert. Dar\u00fcber hinaus erscheinen ihm, wie er wiederholt hervorhebt, Wortfluchten im Traum als geeignete, subversive Gegenstrategien, als Leitbilder f\u00fcr seine Sprachkritik: \u201e<span style=\"text-decoration: underline\">Ich kehrte in den wortlosen Traumzustand zur\u00fcck. \u00dcberhaupt nicht mehr an ein Wort zu denken<\/span> [Hervorhebung im Original \u2013 MSK]\u201c (Brinkmann 1987: 82).<\/p>\n<p>Es geht Brinkmann (vgl. u.a. 1988: 46) hier wesentlich um die Artikulation der unmittelbaren Wahrnehmung von Wirklichkeit im Sehen und Be-greifen-wollen aus einem <em>unverstellten Inneren<\/em><a title=\"\" href=\"#_edn73\"><sup>[73]<\/sup><\/a> heraus, um Gegenwart nicht mehr als verst\u00fcmmelt, leer, \u00f6de, regressiv zu erleben, oder als einen durchgehenden Non-Stop-Horror-Trip der Sinne und Empfindungen. Die Sinnfixierung der Sprache erscheint ihm gerade (1987: 95) als Bedingung f\u00fcr deren Sinnlosigkeit: \u201eOhne Sinn hei\u00dft hier verst\u00fcmmelt in W\u00f6rtern\u201c (Brinkmann 1987: 95).<\/p>\n<p>Als Fazit seiner Sprachkritik kann festgehalten werden: \u201e[&#8230;] \/keine Aussicht auf Ver\u00e4nderung so lange Ver\u00e4nderung ein Wort bleibt\/und ein Wort ist verkrampfter Muskel, he? \/ [&#8230;] [Hervorhebung im Original \u2013 MSK]\u201c (Brinkmann 1987: 66).<\/p>\n<p>Die ersten beiden Motivkreise, neue (popul\u00e4r-\/popkulturelle) Formen der Wahrnehmung und Sprachkritik, resultieren bei Brinkmann aus seiner Auseinandersetzung mit der Gegenwart (<em>Motivkreis 3<\/em>). Popul\u00e4re Kulturen und Popkulturen werden von ihm entsprechend als (alternative) Gegenwartskulturen verhandelt. Insofern versucht Brinkmann die offizielle Gegenwart (Dominanzkultur) durch die inoffizielle (Popul\u00e4re Kultur\/Popkultur) zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>So beginnt f\u00fcr Brinkmann (1983: 382) auch <em>die<\/em> bzw. <em>seine<\/em> Geschichte in der Gegenwart, die f\u00fcr ihn wiederum mit spezifischen Ph\u00e4nomenen der Popkultur beginnt: \u201eDie neue amerikanische Literatur wie die gesamte neue kulturelle Szene in den USA, f\u00e4ngt in der Gegenwart an, mit zeitgen\u00f6ssischem Material, und hat keine alteingenisteten, verinnerlichten Muster, keine heimeligen, liebgewordenen Vorurteile zu verlieren, wenn sie sich auf die Gegenwart einl\u00e4sst.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn74\"><sup>[74]<\/sup><\/a> Die vorausgehende Kulturgeschichte, zumindest die deutsche, erscheint aus seiner im Folgenden skizzierten <em>Kritik an der abendl\u00e4ndisch-europ\u00e4ischen Kultur <\/em>(s. Motivkreis 4) als <em>Tr\u00fcmmer-<\/em> bzw. <em>Totengeschichte<\/em>, von der er seine Geschichte der Gegenwartskultur grundlegend unterschieden wissen will.<a title=\"\" href=\"#_edn75\"><sup>[75]<\/sup><\/a> Eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart existiert aus dieser Perspektive f\u00fcr Brinkmann nur in der Negation bzw. der Differenz, weil die popul\u00e4re Gegenwartskultur eigensinnige Ausdrucks- und Darstellungsformen erschafft, die nur aus der Gegenwart und sich selbst heraus verstanden werden k\u00f6nnen. Hiermit lehnt Brinkmann nicht nur lineare Kulturgeschichtsmodelle ab, sondern letztlich auch, durch seine Gegenwartsfixierung, die Zeithorizonte von Vergangenheit und Zukunft. Wirklichkeit ist also ab den 1950er Jahren ein Changieren von Gegenwart zu Gegenwart. Auf interkulturelle Unterschiede geht er hierbei nicht ein. Letztlich stellt Brinkmann hiermit der Opazit\u00e4t von Vergangenheit, die er radikal ablehnt, die Opazit\u00e4t der Gegenwart gegen\u00fcber, die er frenetisch bejaht. Diese Haltung bricht aber in den Texten von Brinkmann (1983: 399) hin und wieder auf, d.h. hinsichtlich des Willens, dass die ver\u00e4nderte Gegenwart, die popul\u00e4r- und popkulturelle Gegenwart ein Zukunftsmodell wird: \u201eDie Gegenwart stellt nur einen Sinn in ihrem Begriff dar, der \u00e4u\u00dferst profan ist und daher radikal: n\u00e4mlich, Zukunft werden zu wollen.\u201c<\/p>\n<p>Aus seiner Sprachkritik resultierend, stellt die Sprache das gr\u00f6\u00dfte Hindernis zur Umgestaltung der Gegenwart dar: \u201e[&#8230;] dass das gegenw\u00e4rtige System, ich meine damit eigentlich alle die kleinen allt\u00e4glichen Lebenssachen so sehr zwanghaft mit Bedeutungen festgelegt sind, dass man sie selber gar nicht mehr richtig gebrauchen kann, ohne eine Menge Verkrustungen und Erstarrungen und Panzer beiseite zu schaffen [&#8230;]\u201c (Brinkmann 1999b: 26). Die Gegenwart ist aus der Perspektive von Brinkmann (vgl. u.a. 1987: 335) voll mit falschen bzw. erstarrten Bedeutungen sowie mit toten Worten und Gedanken, die jedes Gef\u00fchl f\u00fcr die Bedeutung von Gegenwart ausl\u00f6schen.<\/p>\n<p>Vergleichbar mit Burroughs Versuch eines \u201eBreak thru in the Grey Room\u201c und Fiedlers (1994: 34) Beschreibung der Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur als \u201eReise oder Pilgerfahrt zu transzendenten Zielen\u201c, gibt es bei Brinkmann den Versuch einer Adressierung einer unmittelbaren Befindlichkeit, eines nicht rational-diskursiven, sondern \u00e4sthetischen Schreibens in Richtung einer anderen Wirklichkeit\u00a0 bzw. Gegenwart \u2013 letztlich eine Umsetzung von Adornos (1997a: 27) Forderung \u201e\u00fcber den Begriff durch den Begriff hinauszugelangen\u201c.<\/p>\n<p>Weiterhin veranschaulichen Brinkmanns Collagen-\/Materialb\u00fccher, diesseits von Gegenwartskritik und (popkultureller) Gegenwartsaffirmation, dass Gegenwart bzw. Wirklichkeit nur als eine Gegenwart bzw. Wirklichkeit von W\u00f6rtern und Bildern wahrnehmbar, konstitutiv medial vermittelt und selbst durch und durch medial verfasst ist. Ein <em>Diesseits<\/em> der Medien ist weder anzuschreiben noch wahrnehmbar oder darstellbar.<\/p>\n<p>Im Kontext seiner Auseinandersetzung mit der Gegenwart, spielt seine Kritik an der abendl\u00e4ndisch-europ\u00e4ischen Kultur (<em>Motivkreis 4<\/em>) eine konstitutive Rolle: \u201eAufgekl\u00e4rtes Bewusstsein, auf das europ\u00e4ische Intellektuelle so lange stolz Monopolanspr\u00fcche erhoben haben, nutzt allein nichts, es muss sich in Bildern ausdehnen, Oberfl\u00e4che werden [&#8230;]\u201c (Brinkmann 1983: 382). Bildlichkeit und Oberfl\u00e4chen\u00e4sthetik bzw. die konkrete Sinnlichkeit von Oberfl\u00e4chen setzt Brinkmann gegen die (vermeintliche) Tiefe literarischer und diskursiver Sinntiefen bzw. die Unsinnlichkeit abendl\u00e4ndischen Denkens: \u201eEs ist tats\u00e4chlich nicht einzusehen, warum nicht ein Gedanke die Attraktivit\u00e4t von Titten einer 19j\u00e4hrigen haben sollte, die man gerne fasst [&#8230;]\u201c (ebd.: 384).<\/p>\n<p>In diesem Kontext fordert Brinkmann (ebd.: 383) ein Aufgeben der klassischen Kategorien der Literaturkritik und ihrer Kanonisierung verbindlicher literarischer Standards. Demgegen\u00fcber fordert er die Produktion einer offenen, riskanten Literatur, die sich nicht an den deutschen <em>Kanon literarischer Gebote<\/em> orientiert, bei der nichts fest steht und alles Wagnis ist. Zur <em>Wildheit<\/em> und Eigensinnigkeit der popul\u00e4ren Gegenwartsliteratur geh\u00f6rt es f\u00fcr Brinkmann (1999b: 141) auch, sich gegen Ordnung in Texten und deren Einordnung zu widersetzen, Texte gegen die Vereinnahmung durch Hermeneutik zu produzieren: \u201eForm hei\u00dft im Abendland immer Zwang, eine Stilisierung des Wahrgenommenen, Erlebten, &#8211; aber wenn die Form zuf\u00e4llig gehandhabt wird, kommt Schwung in die alte klapprige Kiste Literatur, und macht dadurch klar, dass es bei keinem Buch darauf ankommt, bei keinem Gedicht darauf ankommt, ob es sich um Literatur handelt oder nicht.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn76\"><sup>[76]<\/sup><\/a> Auffallend ist allerdings, dass Brinkmann die Entformung seiner Texte sehr konsequent und formalistisch betreibt \u2013 das gilt auch f\u00fcr die <em>Cut ups<\/em> von Burroghs.<\/p>\n<p>Auch einen Fortschrittsgedanken im literarischen Feld weist Brinkmann zur\u00fcck, weil es in der Literatur f\u00fcr ihn keinen Fort- oder R\u00fcckschritt geben kann, sondern nur (popul\u00e4r-\/popkulturelle) Gegenwartsintensit\u00e4ten oder (hochkulturelle) Gegenwartsleerheiten. Auch dies ist formallogisch ein R\u00fcckschritt hinter seine Zur\u00fcckweisung eines Denkens in bin\u00e4ren Oppositionen.<\/p>\n<p>Die Ignoranz des offiziellen deutschen Literaturbetriebs gegen\u00fcber der aktuellen Popmusikkultur seiner Zeit, ist f\u00fcr Brinkmann (vgl. 1983: 386) ein wesentlicher Grund f\u00fcr die Unsinnlichkeit der deutschen Gegenwartsliteratur. In dieser Einstellung enthalten ist zugleich die implizite Forderung, dass das, was sich als Pop-Literatur versteht, eine intensive F\u00fchlung zur Popmusikkultur ihrer Zeit besitzen muss und das Schreiben von Literatur durch eine eigensinnige Musikalit\u00e4t leiten zu lassen.<\/p>\n<p>Seine Kritik an der abendl\u00e4ndisch-europ\u00e4ischen Kulturtradition kommt auch in seiner Abwertung von Philosophie und Philologie zu \u201eViehlosophie\u201c und \u201eViehologie\u201c zum Ausdruck (Brinkmann 1999b: 21). Als Vieh bezeichnet man gew\u00f6hnlich das domestizierte landwirtschaftliche Nutztier. In Analogie zu diesem Wortsinn und \u00fcbertragen auf den Kontext der Brinkmann\u2018schen Kritik, sind dann Philosophie und Philologie f\u00fcr ihn nicht mehr als domestizierte Formen des Denkens, die n\u00fctzlich, aber nicht in der Lage sind, den Kontext ihrer N\u00fctzlichkeit zu verlassen, \u00fcber diesen hinaus zu f\u00fchren. So geschieht, aus der Perspektive von Brinkmann (1987: 107), \u201edie Abrichtung der Intellektuellen durch Blindbegriffe, komplizierte Leerformeln und S\u00e4tze.\/Akademisches Gefasel, nicht nachpr\u00fcfbare Behauptungen [Hervorhebung im Original \u2013 MSK].\u201c<\/p>\n<p>Als Fazit seiner (1980: 186) Kritik an der abendl\u00e4ndisch-europ\u00e4ischen Tradition, kann festgehalten werden: \u201eMan muss vergessen, dass es so etwas wie Kunst gibt! Und einfach anfangen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn77\"><sup>[77]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Eigensinnigkeit der neuen amerikanischen Literatur setzt diese Forderung genau um (<em>Motivkreis 5<\/em>). Diese Literatur ist vielstimmig und richtet sich gegen einheitliche Sinnsetzung, stellt ein literarisches Pl\u00e4doyer f\u00fcr Einfachheit, Konkretion und Sinnlichkeit dar: \u201eDie Frage nach der Bedeutung er\u00fcbrigt sich \u2013 die Erz\u00e4hlung ist einfach ,da\u2018, sie ist ihr eigenes Argument\u201c (Brinkmann 1983: 391; vgl. auch Brinkmann 1999b: 40, 69f.). Sie zeichnet sich durch ein Desinteresse an den gro\u00dfen Themen und Stoffen, durch Alltagsfixierung aus, von der aus man dann zur Diskussion der gro\u00dfen Themen gelangen kann, aber genauso, wie sie sich aus dem gelebten Alltag heraus stellen, von dort aus nachgefragt werden und durch die Wirklichkeit ver\u00e4ndernd gestaltet werden kann im Medium Literatur. Genau dies ist Brinkmanns (1999a: 160) Auffassung von Dichtung: \u201eVer\u00e4nderung durch W\u00f6rter ist Dichtung.\u201c<\/p>\n<p>Besonders geeignet zur Umsetzung dieser Forderung, d.h. des Fazits zum <em>Motivkreis 4<\/em>, ist die Intermedialit\u00e4t von Popul\u00e4ren Medienkulturen bzw. das, was man als <em>Bastard-Pop<\/em> (<em>Motivkreis 6<\/em>) bezeichnet: \u201eDas hei\u00dft: dass es eine Bewegung ist, die nicht mehr haupts\u00e4chlich durch Literarisierung bestimmt wird, doch auch keineswegs Literarisches ausschlie\u00dft. Vermischungen finden statt \u2013 Bilder, mit W\u00f6rtern durchsetzt, neu arrangiert zu Bildern und Bild-(Vorstellungs-)zusammenh\u00e4ngen, Schallplattenalben, aufgemacht wie B\u00fccher &#8230; etc.\u201c (Brinkmann 1983: 137).<\/p>\n<p>An dieser positiven Haltung gegen\u00fcber der produktiven Eigensinnigkeit v.a. von Popkulturen, die f\u00fcr Brinkmann einzig in der Lage sind, die Gegenwart grundlegend zu transformieren, \u00e4ndern auch Pop-kritische \u00c4u\u00dferungen in einigen seiner Texte nichts, wie etwa die Rede von der \u201ebescheuerte[n] Pop-Musik\u201c oder dem \u201ePop-Hokuspokus\u201c (Brinkmann 1997: 76, 325). In Brinkmanns Collagen-\/Materialb\u00fccher kann deutlich gezeigt werden, dass die These seiner zunehmenden Abwendung von Pop in den 1970er Jahren relativiert werden muss, denn seine radikale Kritik an Popul\u00e4rer Kultur in Form von Fernsehen, Werbung, Illustrierten, Kitsch etc. spart einen wesentlich Aspekt aus, die Popmusik. Diese hat f\u00fcr ihn bis zu seinem Tod immer einen <em>gegenkulturellen<\/em> Wert, dient als Stimmungsmodulator des Alltags und als Kommentar zur eigenen Lebenswirklichkeit bzw. sozio-kulturellen Situation, ist durch und durch Bildungsmedium.<\/p>\n<p>Die (Medien)Kritik an bestimmten Erscheinungen der Popul\u00e4ren (Medien)Kultur seiner Zeit inszeniert Brinkmann in einer ebensolchen Krisenrhetorik, wie seine Sprachkritik: \u201e[S]ollte ich die Gesamtatmosph\u00e4re der Leute, wie sie auf mich wirken, charakterisieren, dann muss ich sagen: das Stra\u00dfenbild ist beherrscht von Leuten, Oberfl\u00e4chen, Kleidungen, Sprechweisen, Bewegungen die doof und irre anspruchsvoll sind, das ist westdeutsch, alle flach und leer geb\u00fcrstet durch TV, Illustrierte, importierte Bedeutungen, Nach\u00e4ffereien [&#8230;]\u201c (Brinkmann 1999b: 8).<a title=\"\" href=\"#_edn78\"><sup>[78]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Zeitungen, Illustrierte, Radio und Fernsehen kommunizieren \u201eWortkloaken\u201c (Brinkmann 1987: 76); produzieren eine sekund\u00e4re Wirklichkeit, durch die die Alltagswirklichkeit wahrgenommen wird; dressieren jeden Tag Angstbereitschaft; zeichnen sich durch Sensationalisierung und Skandalisierung aus; machen aus Erkenntnis ein Wiedererkennen der immer gleichen Stereotype, die sie inszenieren; verseuchen das Kollektivbewusstsein; stiften Volksverdummung und manipulieren die Massen (ebd.: 91, 226, 231).<a title=\"\" href=\"#_edn79\"><sup>[79]<\/sup><\/a> Fernsehen verspr\u00fcht ein \u201ePestlichtgeflacker\u201c (Brinkmann 1999a: 141), ist ein \u201eFernsehwrack\u201c (Brinkmann 1997: 158), bei dem nichts passiert, alles statisch ist, wenngleich es Bewegung inszeniert (vgl. Brinkmann 1980: 166). Alltagswirklichkeit passt sich immer mehr der Popul\u00e4ren Medienwirklichkeit an, Alltagserleben wird durch den Filter Popul\u00e4rer Medienerz\u00e4hlungen wahrgenommen und kommentiert, nicht die eigenen Erlebnisse werden nacherz\u00e4hlt, sondern die Medienerlebnisse (vgl. Brinkmann 1999b: 175): \u201e[&#8230;] (die Filme werden immer bunter, die Stra\u00dfen immer farbloser) [&#8230;]\u201c (Brinkmann 1999a: 178).<\/p>\n<p>Intermedialit\u00e4t ist f\u00fcr Brinkmann eine wesentliche Eigenschaft von popul\u00e4ren Medienkulturen (<em>Motivkreis 7<\/em>). Immer wieder hebt Brinkmann (vgl. u.a. 1999b: 58, 137, 140\/1) etwa hervor, dass Schreiben der \u00c4sthetik des Films angeglichen werden sollte. Gedichte m\u00fcssten zu \u201eMomentaufnahmen\u201c und \u201eSchnappsch\u00fcssen\u201c werden, das situativ, \u201ewas gerade da ist, was f\u00fcr ein Gef\u00fchl, was f\u00fcr ein Gegenstand, was f\u00fcr ein Raum, was ich gelesen habe\u201c, darstellen und somit zu poetischen ready mades werden, nicht lyrisch sein, um somit \u201eein ,unritualisiertes Sprechen\u2019\u201c zu leisten, einen klaren, sinnlichen Eindruck, der an der Umgangssprache und am Alltag orientiert ist (Brinkmann 1999b: 44, 48, 49): \u201eEs gibt kein anderes Material als das, was allen zug\u00e4nglich ist und womit jeder t\u00e4glich umgeht, was man aufnimmt, wenn man aus dem Fenster guckt, auf der Stra\u00dfe steht, an einem Schaufenster vorbeigeht, Kn\u00f6pfe, Kn\u00f6pfe, was man gebraucht, woran man denkt und sich erinnert, alles ganz gew\u00f6hnlich, Filmbilder, Reklamebilder, S\u00e4tze aus irgendeiner Lekt\u00fcre oder aus zur\u00fcckliegenden Gespr\u00e4chen, Meinungen, Gefasel, Gefasel, Ketchup, eine Schlagermelodie, die bestimmte Eindr\u00fccke neu in einem entstehen l\u00e4sst, z. B. wie jemand seinen Stock schwingt und dann zuschl\u00e4gt, Zeilen, Bilder, Vorg\u00e4nge, die dicke Suppe, die wem auf das Hemd tropft\u201c (Brinkmann 1980: 186).<\/p>\n<p>Literarische Texte sollten f\u00fcr Brinkmann stets Mixe aus popul\u00e4r-\/popkulturellem Material sein, wie etwa Postkarten, Filme, B\u00fccherzitate, Illustrierte oder Zeitungsnachrichten einbeziehen, sich von diesen transformieren zu lassen.<\/p>\n<p>Intermedialit\u00e4t und Bastardisierung erm\u00f6glichen popkulturelle Bildungsprozesse (<em>Motivkreis 8<\/em>). Seine eigene intellektuelle Sozialisation beschreibt Brinkmann (1999b: 39, 41, 171) als gepr\u00e4gt von seiner intensiven Auseinandersetzung mit der angloamerikanischen Popul\u00e4rkultur und Popkultur, die ihm v.a. Wahrnehmungs- und Alltagskompetenz vermittelt, ein anderes Denken und Wahrnehmen erm\u00f6glicht. Klassische europ\u00e4ische Bildungsvorstellung und -inhalte werden von Brinkmann hingegen als irrelevant zur\u00fcckgewiesen und best\u00e4ndig die Dominanz der neuen popul\u00e4r-\/popkulturellen Medienbildung herausgestellt. Diese transformatorischen Bildungsprozesse f\u00fchren Brinkmann zu einem popkulturellen <em>Mehr<\/em> an Leben und Erleben: \u201eRocknRoll-Lieder als Erinnerung und Hinweis auf konkretes allt\u00e4gliches Leben, RocknRollmusik als Intensivierung des allt\u00e4glichen Lebens, Musik am Morgen statt Arbeit am Morgen (das ist wohl poesie, realistisch ist das nicht, das wei\u00df ich auch, aber diese Realit\u00e4t kann sofort sein!).\u201c<\/p>\n<p>Diese Intermedialit\u00e4t des <em>Bastard-Pop<\/em> zeigt den Weg zur Kritik an der <em>Autorfunktion<\/em> an (<em>Motivkreis 9<\/em>). Das literarische Vorbild hierf\u00fcr stellt die <em>neue amerikanische Literatur<\/em> dar, die die autorit\u00e4re Subjektform Schriftsteller bzw. Autor durch ihre Vielstimmigkeit und intermediale \u00dcberschreitung grundlegend ver\u00e4ndert (Brinkmann 1983: 386). Ihr geht es darum, den Weg von der klassischen Sinnfixierung der Literatur zu einer neuen Sinnlichkeit der Literatur zu gehen, zu einer Art literarischer Gegenwartsempathie, aus der neue Sinnformen resultieren. Spontaneit\u00e4t und alle sinnirritierenden Sinnlichkeiten, wie etwa Wahn und Halluzinationen, erm\u00f6glichen, dieses Programm umzusetzen (vgl. ebd.: 390).<\/p>\n<p>Brinkmann (1987: 106) versteht sich selbst entsprechend nicht als Schriftsteller, sondern als jemand, der Worte und Bilder herstellt, um die Gegenwart zu erkunden und sich seine Existenz klar zu machen: \u201eIch will durch diese Gegenwart gehen, und ich gehe auch da durch, ich habe keine andere Zeit als die Zeit, in der ich lebe, und da will ich wissen, in welchem Zustand ich lebe, in welchen Augenblicken, und was diese Augenblicke enthalten, welche sinnlichen Eindr\u00fccke, und was sie enthalten [&#8230;]\u201c (1997: 162; vgl. auch ebd.: 229).<\/p>\n<p>Wie viele andere Pop-Literaten auch, hebt Brinkmann (1999a: 7) hervor, dass er sich f\u00fcr die Literatur als \u00e4sthetisches Ausdrucksmedium entscheiden musste, weil er kein Talent f\u00fcr die Musik und das Songschreiben hat, verbunden mit Willen zur Musikalisierung von Literatur: \u201eIch h\u00e4tte gern viele Gedichte so einfach geschrieben wie Songs. Leider kann ich nicht Gitarre spielen, ich kann nur Schreibmaschine schreiben, dazu nur stotternd, mit zwei Fingern.\u201c<\/p>\n<p>Neue Gegenwartsautoren m\u00fcssen f\u00fcr Brinkmann zu ihren eigenen Worten stehen und eine eigene Sprache finden, sich gegen den Abrichtungscharakter, der in den tradierten Ausdrucksformen steckt, wenden, gegen den Zwang zur objektiven Bedeutsamkeit.<\/p>\n<p>Mit der Zur\u00fcckweisung der <em>Autorfunktion<\/em> und mit ihr der Konzepte von Einheit, Identit\u00e4t, Authentizit\u00e4t und Originalit\u00e4t, \u00f6ffnet sich der literarische Raum f\u00fcr eine situative <em>Sinn-Aleatorik <\/em>und alltagsorientierte Zufalls-Kombinatorik (<em>Motivkreis 10<\/em>), die allererst die spezifische Intensit\u00e4t und Sinnlichkeit neuer literarischer Ausdrucksformen erm\u00f6glicht (vgl. Brinkmann 1983: 386), ihr Material aus dem Diesseits des literarischen Kanons bezieht, aus \u00e4sthetisch Stigmatisiertem und Banalisiertem (vgl. ebd.: 393).<\/p>\n<p>Auch die Ich-Identit\u00e4t sieht Brinkmann als einen <em>Sprachk\u00f6rper <\/em>an, die nur durch alternative Ausdrucks- und Darstellungswelten ver\u00e4ndert werden kann (<em>Motivkreis 11<\/em>), um zu einem intertextuellen und intermedialen Stimmen-\/Bilder-\/Text-Sample zu werden (vgl. u.a. Brinkmann 1987: 257ff.), der sich gegen die stereotypen Ich-Formen der Gegenwart richtet: \u201eWie? Da begriff ich, wie Eitelkeit, Mode, Aufmachung die K\u00f6rper erstickte und taub machte. Aber Leben? Wie? Was daran m\u00f6gen, wenn man \u00fcberall die Steuerung sah, den Hundertsten, Tausendsten Aufguss einer Form?\u201c (Brinkmann 1997: 147).<\/p>\n<p>Das Ich als Sprachk\u00f6rper ist stets mit rigiden Ausdrucksgrenzen und Sprachlosigkeiten konfrontiert: \u201e[&#8230;] es | gibt zu vieles | was ich nicht | sagen kann\u201c (Brinkmann 1980: 37). Daraus folgt, dass das Ich zun\u00e4chst und zumeist etwas im Werden begriffenes ist, ein Aufschub, eine Leerstelle. In diesen Kontext geh\u00f6rt auch die Zur\u00fcckweisung einer Schreibens auf der Grundlage der Imagination und Reflexion, also aus dem Inneren heraus, das einen rationalen <em>Bildungsfilm <\/em>im Schreiben abspult (vgl. ebd.: 64). Die Notwendigkeit der Ausbildung einer eigenen Sprache zur Konstitution einer nicht fremd bestimmten Identit\u00e4t besteht f\u00fcr Brinkmann (1999a: 53, 63) darin, dass er die deutsche Sprache nicht als seine Sprache versteht, sich in ihr und ihren unsinnlichen Ausdrucksm\u00f6glichkeiten fremd f\u00fchlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> \u201eMeine Funktion als Schriftsteller ist die eines Kartographen, eines Erforschers neuer Bewusstseinslagen, oder [&#8230;] eines ,Kosmonauten des Inneren Raums\u2018 [&#8230;] \u201c (Burroughs 2004: 147).<\/p>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Unter Mythos verstehe ich mit Barthes (1964: 85f.) eine Aussage, \u201eein Mitteilungssystem, eine Botschaft\u201c, \u201ekein Objekt, kein Begriff oder eine Idee\u201c, sondern \u201eeine Weise des Bedeutens, eine Form\u201c. Zentral hierbei ist f\u00fcr Barthes (ebd.): \u201eDer Mythos wird nicht durch das Objekt seiner Botschaft definiert, sondern durch die Art und Weise, wie er diese ausspricht. Es gibt formale Grenzen des Mythos, aber keine inhaltlichen.\u201c Das Mythische ist f\u00fcr Barthes hierbei nicht auf M\u00fcndlichkeit und Schriftlichkeit beschr\u00e4nkt, sondern kann ebenso etwa alles Bildliche oder soziale Institutionen, wie den Sport, als \u201eTr\u00e4ger der mythischen Aussage\u201c auffassen. Meine Rede vom Pop-Mythos bezieht sich auf die verschiedenen Formen archetypischer Sinnkonstruktionen. Dazu z\u00e4hlen Geuen und Rappe (2001: 8) \u201edie zahlreich anzutreffenden Todes- und Erl\u00f6sungsmotive, archaische K\u00f6rper- und Ekstaseerfahrungen, Bricolagen mit religi\u00f6sen und pseudoreligi\u00f6sen Symbolen und schlie\u00dflich die Tendenz zur Selbstmythisierung des Pop, wie man am Ph\u00e4nomen der Beatles sehen kann. Nicht zuletzt geh\u00f6ren auch die in der Regel medial vermittelten Biographien sowie das Starwesen im Allgemeinen zum Beziehungsfeld Pop und Mythos. Und schlie\u00dflich wird, wie das Beispiel Berlin zeigt, auch der geografische Raum, in dem sich Pop ereignet, zum mythischen Ort.\u201c Auf eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit dem Mythos verzichte ich an dieser Stelle, weil dies f\u00fcr meinen Argumentationszusammenhang nicht weiter relevant ist.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Vgl. v.a. die sog. <em>Cut up<\/em>-Trilogie <em>The Soft Machine<\/em> (1961), <em>The Ticket That Exploded<\/em> (1962) und <em>Nova Express<\/em> (1964). Fahrer (2009: 32) betont in diesem Kontext: \u201eDiese drei Texte erteilen den literarischen Gepflogenheiten eine endg\u00fcltige Absage, mit dem Fehlen von Plot, Story, Charakter, Setting, Thema; dem Fehlen eigentlicher jeglicher Struktur, was durch die Schnitttechnik bis auf die Syntaxebene dringt. Auch inhaltlich \u00fcberschreitet die Trilogie Grenzen in ihrer Verkn\u00fcpfung von Sex, Gewalt und Macht in expliziten und d\u00fcsteren Motiven, von denen der ,Orgasm Death\u2018, das Erh\u00e4ngen junger M\u00e4nner, um sich an der Erektion des Opfers zu erg\u00f6tzen, als eines der ausdruckst\u00e4rksten gelten kann.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Vgl. zum <em>Ursprungsmythos<\/em> des <em>Cut up<\/em> als literarischen Verfahren in den Jahren 1958\/59 u.a. Gysin (1978).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Fahrer (2009: 96) nennt drei \u201eProduktionsphasen eines Cut-up\u201c: \u201eMaterialauswahl (Select), Schnitt (Cut) und Arrangement (Paste)\u201c. Als Variation der <em>cut-up<\/em>-Methode nennt Burroughs (2004: 148) die\u00a0 <em>fold-in<\/em>-Methode: \u201eDie fold-in Methode bereichert die Textherstellung um die M\u00f6glichkeit der R\u00fcckblende, wie sie im Film benutzt wird, &amp; gestattet es dem Schriftsteller, sich auf einer Zeitspur vor &amp; zur\u00fcck zu bewegen \u2013 Zum Beispiel: ich nehme Seite 1 und falte sie in Seite 100; den daraus resultierenden Text f\u00fcge ich als Seite 10 ein \u2013 Beim Lesen von Seite 10 blendet der Leser also zeitlich vor zur Seite 100 und zur\u00fcck zu Seite 1 [&#8230;] [Hervorhebung im Original \u2013 MSK].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Im Zentrum meiner Auseinandersetzung stehen die Texte \u201eDie Zerschneide-Methode (1963)\u201c (Burroughs 1993), \u201eDie Zukunft des Romans (1965)\u201c (Burroughs 2004), \u201eDie unsichtbare Generation (1967)\u201c (Burroughs 1983) und \u201eDie elektronische Revolution (1971)\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> \u201eTechnik und Ideologie entz\u00fcnden gemeinsam die Bewegung, die in der subkulturellen Szene verschiedener L\u00e4nder zwischen 1959 und 1975 an Virulenz gewinnt. An die 20 Autoren und Autorinnen f\u00fchlen sich dieser ,Cut-up-Connection\u2018 verbunden: Aus den USA William S. Burroughs, Brion Gysin, Jan Herman und Mary Beach, aus Frankreich Claude P\u00e9lieu, aus England Jeff Nuttall, aus Deutschland Carl Weissner, J\u00fcrgen Ploog, J\u00f6rg Fauser, Udo Breger, Walter Hartmann, Hadayatullah H\u00fcbsch und Rolf Dieter Brinkmann, aus \u00d6sterreich Karl Kollmann und Gerhard Hanak \u2013 um hier nur die prominentesten zu nennen\u201c (Fahrer 2009: 9). Ihre Zuordnung von Autoren zum Feld des <em>Cut up<\/em> w\u00e4hlt die gleichen Kriterien, wie ich sie f\u00fcr meine Thematisierung der Pop-Literatur in diesem Kapitel zugrunde lege: \u201e1.) Werke, die sich selbst als Cut-up bezeichnen, sei es in Titeln, Autorenvorreden oder im Text, 2.) Werke, die Paratexte wie Buchumschl\u00e4ge, wissenschaftliche Aufs\u00e4tze oder Bibliographien als Cut-up definieren, und 3.) Werke, die deutliche Anzeichen der Schnitttechnik aufweisen, wie Schnittmarkierungen oder eine rekonstruierbaren Urtext\u201c (ebd.: 25).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Zur Bedeutung des Konzepts der <em>Erweiterung<\/em> f\u00fcr die Kunst und das Medienschaffen in den 1960er und 1970er Jahren vgl. Ullmaier (2001: 62ff.).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> F\u00fcr Burroughs (1985: 21) sind <em>Cut up<\/em>-Autoren, ebenso wie alle kulturell-k\u00fcnstlerisch Produzierenden, notwendig <em>Diebe<\/em>; Schreiben entsprechend, wie jede andere kulturell-k\u00fcnstlerische Produktion auch, <em>legitimer Diebstahl<\/em>: \u201eEverything belongs to the inspired and dedicated thief. [&#8230;] He must assure himself of the quality of the merchandise and ist suitability for his purpose before he conveys the supreme honor and benediction of his theft. Words, colors, light, sounds, stone, wood, bronze belong to the living artist. They belong to anyone who can use them. [&#8230;] Steal anything in sight.\u201c Kein kulturell-k\u00fcnstlerisch Schaffender ist aus dieser Perspektive jemals <em>bei <\/em>und <em>in sich<\/em>, sondern Durchdrungen von <em>Anderen<\/em> und <em>Anderem<\/em>, ist konstitutiv Viele: \u201e[&#8230;] cut up Rimbaud and you are in Rimbaud\u2019s place\u201c (Burroughs 1978a: 31). Lydenberg (1987: 45) beschreibt die Sprache selbst als eine umfassende Zitationsmaschine: \u201e[&#8230;] that it is always language that speaks within a network of infinite and anyonymous citations.\u201c Gysin (1978: 34) weist zudem alle Besitz- bzw. Urheberanspr\u00fcche an der Sprache zur\u00fcck: \u201eYou\u2019ll soon see that words don\u2019t belong to anyone.\u201c Diese Position korrespondiert wiederum mit dem Slogan \u201eDas Wissen der Menschheit geh\u00f6rt der Welt\u201c, das zum Motto der <em>Open Source<\/em>-Bewegung im Film \u201eStartup\u201c (2000, Peter Howitt) vom Protagonist und genialem Softwareentwickler <em>Milo<\/em> (gespielt von Ryan Phillippe) verk\u00fcndet wird. Auch <em>Milo<\/em> befindet sich im Kampf gegen gesellschaftliche Machtzentren, hier in Form des Software-Moguls <em>Gary Winston<\/em> (gespielt von Tim Robbins), der deutliche Parallelen zu Bill Gates aufweisen soll.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Die Ans\u00e4tze der Kommunikationsguerilla k\u00f6nnen allgemein als Versuch der aktionsbasierten St\u00f6rung allt\u00e4glicher Medienkommunikationen und Medieninszenierungen bzw. gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse sowie als elektronischer Widerstand gegen gesellschaftliche und mediale Hegemonie verstanden werden. Kommunikationsguerilla \u00fcbt <em>zivilen <\/em>und <em>sozialen Ungehorsam<\/em> aus. Kritik kann aus dieser Perspektive nicht allein bzw. nur sehr eingeschr\u00e4nkt diskursiv erfolgreich sein, sondern muss prim\u00e4r in eine Praxis \u00fcberf\u00fchrt werden. Diese soll die unterstellten <em>Aporien<\/em>, <em>Widerspr\u00fcche<\/em> und <em>Repressionsmechanismen<\/em> der Medienkommunikationen und Medieninszenierungen sowie gesellschaftlicher Kommunikationen durch spezielle Methoden und Praxen anschaulich machen. Die Guerilla-Metapher bezieht sich dabei auf das Agieren aus dem <em>Verborgenen<\/em>, auf lokale und punktuelle Angriffe auf das herrschende System. Das Guerilla-Selbstverst\u00e4ndnis als Kleinkrieg gesellschaftlich marginalisierter bzw. unterdr\u00fcckter Gruppen gegen die gesellschaftlichen Machtzentren, wird auf die Bereiche Information, Kommunikation und Medien \u00fcbertragen. Gesellschaft kann insofern als <em>Netzwerk narrativer Texte<\/em>, als Struktur oder <em>Grammatik<\/em> von Regeln und Kommunikationen bezeichnet werden. Kommunikationsguerilla ist dar\u00fcber hinaus ein <em>Patchwork<\/em> aus Prinzipien, Taktiken und Praxen, \u00fcber die subversiv in gesellschaftliche Kommunikationsprozesse eingegriffen und konkrete symbolische Intervention ge\u00fcbt werden kann (vgl. zum \u00dcberblick \u00fcber die Aktionen und Akteure der Kommunikationsguerilla autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe\/Luther Blissett\/Sonja Br\u00fcnzels 2001). Zur Notwendigkeit der Konstitution einer Gegen\u00f6ffentlichkeit notiert Burroughs (1983: 174): \u201e<em>die einzige m\u00f6glichkeit diese unerbitterliche aufnahme und wiedergabe spirale <\/em>[&#8230;]<em> zu unterbrechen ist gegenaufnahme und wiedergabe <\/em>[Hervorhebung im Original &#8211; MSK].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Die befreiende Kraft der Illusion und deren Wirklichkeit ver\u00e4ndere Kraft scheinen u.a. auch <em>Guns N\u2019 Roses<\/em> zum Motto der Titelgebung ihres dritten und vierten Studioalbums \u201eUse Your Illusion I &amp; II\u201c (Geffen\/Universal 1991) gemacht zu haben.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> \u201eDER ERSTE WATERGATE-SKANDAL PASSIERTE IM GARTEN EDEN Am Anfang war das Wort und das Wort war Gott und ist bis auf den heutigen Tag ein R\u00e4tsel geblieben. [&#8230;] Am Anfang wovon eigentlich war dieses Wort, mit dem alles anfing? Am Anfang der Geschichtsschreibung. Man nimmt allgemein an, dass das gesprochene Wort vor dem geschriebenen kam. Ich schlage vor, die Sache anders zu sehen: das gesprochene Wort, so wie wir es kennen, kam nach dem geschriebenen Wort [Hervorhebung im Original &#8211; MSK]\u201c (Burroughs 1994: 5).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> \u201e,Im Anfang war das Wort.\u2018 Mit dem Worte stehen die Menschen am Anfang der Welterkenntnis, und sie bleiben stehen, wenn sie beim Wort bleiben. Wer weiter schreiten will, auch nur um den kleinwinzigen Schritt, um welchen die Denkarbeit eines ganzen Lebens weiter bringen kann, der mu\u00df sich vom Worte befreien und vom Wortaberglauben, der mu\u00df seine Welt von der Tyrannei der Sprache zu erl\u00f6sen versuchen\u201c\u2028 (Mauthner 1999: 27). Dar\u00fcber hinaus spiegelt sich Mauthners Forderung, dass die Sprache an der Wirklichkeit zu bewerten ist und nicht die Wirklichkeit an der Sprache, in der Wirklichkeitsentzerrenden und \u2013umformenden Intention von Burroughs Techniken des <em>Cut up<\/em> und <em>Fold in.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Vgl. zur (literarischen) Sprachkritik der Moderne u.a. Schiewe (1998); Heimb\u00f6ckel (2003) \u2013 das 20. Jahrhundert wird insgesamt von philosophischen und literarischen Positionen und Texten zur Sprachkritik und -skepsis dominiert. Im Unterschied zum <em>Lord Chandos<\/em>, der als Resultat <em>seiner<\/em> grundlegenden Sprachskepsis dem Schreiben entsagt und in <em>seinem<\/em> Brief die \u201emoderne Gebrochenheit des Bewusstseins und die Problematik der Entfremdung von der Welt der Dinge als radikale Sprachkrise beschreibt\u201c (Vietta 1992: 148), setzt Burroughs auf (intermediale) Gegenproduktion, die die Sprache, als das \u201eHaus des Seins\u201c (Heidegger 1994: 310) <em>aus-<\/em> und <em>umbaut<\/em>, ohne dabei <em>umzuziehen<\/em>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> Im Zusammenhang lautet diese Passage: \u201e[D]ie abstrakten Worte, deren sich doch die Zunge naturgem\u00e4\u00df bedienen muss, um irgendwelches Urteil an den Tag zu geben, zerfielen mir im Munde wie modrige Pilze. [&#8230;] Es zerfiel mir alles in Teile, die Teile wieder in Teile, und nichts mehr lie\u00df sich mit einem Begriff umspannen\u201c (Hofmannsthal 1957: 342).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Einen \u00dcberblick \u00fcber die Debatte bietet das Rezensionsforum \u201eLiteraturkritik.de\u201c (http:\/\/www.literaturkritik.de\/public\/online_abo\/forum\/forumfaden.php?rootID=120 &#8211; zuletzt aufgerufen am 23.05.2012) und das Kulturmagazin \u201ePerlentaucher.de\u201c (http:\/\/www.perlentaucher.de\/buch\/33565.html &#8211; zuletzt aufgerufen am 03.03.2011). Als authentische Wunderkinder werden in diesem Artikel <em>Philipp Melanchton<\/em>, <em>Torquato Tasso<\/em>, <em>Blaise Pascal<\/em>, <em>Arthur Rimbaud<\/em> und <em>Norbert Wiener<\/em> genannt. Die Zitation von Gr\u00f6\u00dfen der Kulturgeschichte zur Konstitution des <em>Mythos Wunderkind<\/em> einerseits und als Legitimationsstrategie der eigenen, gesellschaftlich aber sanktionierter Handlungsweise, w\u00e4hlt auch Hegemann zur Rechtfertigung ihres Schreibverfahrens \u2013 bei ihr dienen dazu etwa die literarischen Autorit\u00e4ten <em>Johann Wolfgang von Goethe<\/em> und <em>Thomas Mann<\/em>. Vgl. zu den \u201eneue[n] Wunderkind-Romane[n]\u201c Becker (2011).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Der in Frankreich intensiv und \u00f6ffentlich diskutierte <em>Fall Drouet<\/em> schaffte es in Deutschland am 15. Februar 1956 auf die Titelseite des <em>Spiegel<\/em> (Vgl. in dieser Ausgabe auch den ausf\u00fchrlichen Artikel zum Thema, \u201eMinou Drouet \u2013 Das ferngelenkte Wunderkind\u201c, S. 42-47). Der <em>Fall Drouet<\/em> weist hierbei zahlreiche Verbindungen zu dem <em>Fall Hegemann<\/em> auf.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> Den Begriff \u201eErregungsdispositiv\u201c entlehne ich Metelmann\/Cigale (2010).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Die Diskussion der Frage nach der \u00e4sthetischen Originalit\u00e4t und Authentizit\u00e4t von Werken kultureller Produktionen, ist seit Andy Warhol im Kontext der Popul\u00e4ren Kultur, st\u00e4rker aber noch im Feld der Popkultur, darauf fokussiert, sich von diesen Werkzuschreibungen grunds\u00e4tzlich zu distanzieren und identizit\u00e4tsbezogene \u00c4sthetiken zu problematisieren sowie sie mit <em>Bastard-<\/em>\u00c4sthetiken zu konfrontieren. Ein aktuelles Beispiel hierzu findet sich etwa in der deutschen Popmusik: \u201eKeine Meisterwerke mehr | Die Zeit ist l\u00e4ngst schon reif daf\u00fcr | Was wir niemals zu Ende bringen | Kann kein Moloch je verschlingen | Kann kein Hummer | In die Zange nehmen | Kein Wind in alle Welt vertreiben | Und in feinstem Unvernehmen | Werden wir ohne Reue weiter\u2026 | Und aus tausenden Ger\u00fcchten | Werden wir die Zweifelshefe z\u00fcchten | Die uns alle n\u00e4hrt | Dann gibt es | Keine Meisterwerke mehr | Keine Meisterwerke mehr | Keine Meisterwerke mehr\u201c (Tocotronic \u2013 Keine Meisterwerke mehr. Auf: Schall und Wahn. Vertigo Berlin\/Universal 2010).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> Vgl. hierzu auch die medienwissenschaftliche Auseinandersetzung mit \u201eOriginalkopien\u201c (Fehrmann\/Linz\/Schumacher\/Weingart 2004) und die Diskussion der Fragen, ob sich die Differenz zwischen Original und Kopie im digitalen Zeitalter, durch <em>Praktiken des Sekund\u00e4ren<\/em>, wie z.B. Sampling oder Computersimulation, aufgel\u00f6st hat; und, ob die Urheberrechtsbestimmungen, hinsichtlich ver\u00e4nderter medialer Bedingungen, modifiziert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> In der Popmusikkultur hingegen sind, zun\u00e4chst als illegale Urheberechtsverst\u00f6\u00dfe bewertete Techniken der Entwendung und Rekombinaton von heterogenem musikalischem Material, als Grundlage zur Produktion <em>eigener <\/em>Musik, mittlerweile, v.a. bedingt durch die dominante Rolle des Internets im Medienkulturalltag, im <em>Mainstream<\/em> der Popmusikindustrie angekommen und dienen h\u00e4ufig auch als legitime Marketingtools: die Remixtechniken und (fr\u00fchere) Bootlegkulturen <em>Bastard Pop<\/em> bzw. <em>Mash-up<\/em> (vgl. zu <em>Mash-up<\/em> und Burroughs, Schneiderman 2006). Die <em>Mash-up-Technik<\/em> ist aber nicht nur auf Musik beschr\u00e4nkt, sondern kann zur collagenartigen Zusammenf\u00fchrung unterschiedlichstem Medienmaterials genutzt werden (vgl. M\u00fchlbauer 2002; R\u00f6ttgers 2004). Zur Intermedialit\u00e4t bzw. intermedialen Traditionslinie des <em>Cut up<\/em> schreibt Burroughs (2004: 147): \u201eWenn das Schreiben noch eine Zukunft haben soll, muss es mindestens einmal die unmittelbare Vergangenheit aufarbeiten und sich mit Techniken vertraut machen, wie sie Malerei, Musik &amp; Film schon seit geraumer Zeit anwenden [&#8230;].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Vgl. zu Plagiat und F\u00e4lschung in der Wissenschaft, Kunst und Literatur u.a. Reulecke (2006); Theison (2009).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Im Kontext der Kommunikationsguerilla spricht man in diesem Kontext, das w\u00fcrde auch auf Burroughs Kritik der Autorfunktion zutreffen, von <em>kollektiver Identit\u00e4t<\/em>. F\u00fcnftens, das Konzept der kollektiven Identit\u00e4t und der multiplen Namen. Ein kollektiver bzw. multipler Name ist ein Name, der von potentiell jedem verwendet werden kann. Diese <em>Fokussierung<\/em> auf eine kollektive Identit\u00e4t soll einerseits die Aufmerksamkeit ausschlie\u00dflich auf die Sache, f\u00fcr die sich das Kollektiv engagiert, lenken und nicht auf die charismatische bzw. narzisstische Individualit\u00e4t einzelner Personen. Hierdurch wird nicht nur diskursiv Kritik an allen Konzepten von Subjektivit\u00e4t, Identit\u00e4t und Individualismus ge\u00fcbt, sondern zudem versucht, diese Kritik als konkrete Handlungsm\u00f6glichkeit in der sozialen Praxis umsetzbar zu machen. Andererseits kann diese kollektive Identit\u00e4t gemeinschaftsbildend wirken, das Bewusstsein einer globalen Gemeinschaft derer ausbilden, die sich gemeinsam f\u00fcr eine bestimmte Sache einsetzen und somit die Trennung von Individuum und Gesellschaft, zumindest zeitweise, aufheben (vgl. autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe\/Luther Blissett\/Sonja Br\u00fcnzels 2001: 38, 42).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref24\"><sup>[24]<\/sup><\/a> Vgl. zur vielschichtigen Metaphorik des Wortes Virus Mayer\/Weingart (2004). Vgl. zur Sprache als Virus auch Brinkmann (1988: 86): \u201e,Im Anfang war das Wort?\u2019 \/Ich m\u00f6chte wissen, was das f\u00fcr ein Wort war.\/Im Anfang war das Wort Schei\u00dfe?\/( ,Im Anfang war etwas ganz anderes, und diese Idioten sind dann gekommen und haben das Wort genommen, und einer hat\u2019s aufgeschrieben , und seitdem ist alles darin eingesperrt .\u2018) \/\u201aJetzt ersticken sie an den W\u00f6rtern.\u2018\/\/\u2019Gibt viele,die nur so wandernde Wortkloaken sind.\u201c\/\/Und das ist das wortlose Grauen, das mich in der Gegenwart so oft bef\u00e4llt.\/\/\/ [Hervorhebung im Original \u2013 MSK]\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref25\"><sup>[25]<\/sup><\/a> Cramer (2002) weist auf einen interessanten Verwertungszusammenhang des Konzepts von der Sprache als Virus, au\u00dferhalb der <em>Cut up<\/em>-Tradition, hin: \u201eZur selbsterf\u00fcllenden Prophezeiung wurde der Satz, dass Sprache ein Virus sei, sp\u00e4testens, als Laurie Anderson 1979 den Song ,Language is a Virus (from Outer Space)\u2018 f\u00fcr ihre Performance ,United States Live\u2018 schrieb und 1986 von Nile Rodgers in einer hitparadentauglichen Disco-Version f\u00fcr den Konzertfilm ,Home of the Brave\u2018 produzieren lie\u00df, ein Film, in dem der zweiundsiebzigj\u00e4hrige Burroughs \u00fcbrigens als Andersons Tango-Tanzpartner auftritt.\u201c Dar\u00fcber hinaus erw\u00e4hnt Fahrer (2009:113): \u201eEr [William S. Burroughs &#8211; MSK] inspirierte Bandnamen wie <em>Soft Machine<\/em> und <em>Steely Dan<\/em>; Musiker wie David Bowie, die <em>Mediengruppe Telekommander<\/em> und der Beatle Paul McCartney entwickelten ihre Songtexte teils mit Cut-up-Verfahren [&#8230;] [Hervorhebung im Original \u2013 MSK].\u201c Vgl. zu diesem Zusammenhang auch Beyer (1995).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> Cramer (2002) hebt, erg\u00e4nzend zum in diesem Kapitel entfalteten Bezugsrahmen, als weitere Grundlage des Konzepts von der <em>Sprache als Virus<\/em> hervor: \u201eOrigin\u00e4r ist Burroughs\u2019 Virus-Theorie trotzdem nicht. Ihre Urspr\u00fcnge liegen, was Burroughs nicht verhehlt, in Okkultismen und Parawissenschaften wie der satanistischen Theosophie des Aleister Crowley, den ,General Semantics\u2018 von Alfred Korzybski, die der Menschheit mentale Heilung bringen wollten, in dem ihr ein marionettenartiges ,strukturales Differential\u2018 Fehlidentifikationen von Gegenst\u00e4nden mit Begriffen aufzeigt, [&#8230;] sowie Lafayette Ron Hubbards zugleich von Crowley und Korzybski beeinflussten ,Dianetik\u2018- und Scientology-Doktrinen, denen es zentral um die ,Kl\u00e4rung bzw. L\u00f6schung von Engrammen\u2018, dem Unterbewusstsein als W\u00f6rter eingeschriebene Traumata, ist; eine Lehre, der nicht nur der Ex-Scientologe Burroughs, sondern zeitweilig auch John Cage und Morton Feldman [&#8230;] anhingen und die Burroughs in seiner Sprachvirentheorie explizit er\u00f6rtert.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> Interessant w\u00e4re in diesem Zusammenhang die Diskussion der medienwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem performativen Ph\u00e4nomen der Stimme und hier v.a. mit ihrem \u201eSubversions- und Transgressionspotenzial\u201c, im Vergleich zur Bedeutung der \u201eStimme als Waffe\u201c im Verst\u00e4ndnis von Burroughs: \u201eDie (Sprech-)Stimme ist nicht nur Medium und Vehikel von Sinn, sondern handelt in ihrer immer auch unkontrollierbaren Eigendynamik den Vorgaben der Rede oftmals zuwider. Die Stimme entzieht sich ihrer bruchlosen semiotischen, medialen oder instrumentellen Dienstbarkeit, und dies gerade auch in denjenigen Zusammenh\u00e4ngen, in denen die Stimme professionell als Instrument ausgebildet und genutzt wird, wie bei Schauspielern, Rednern oder S\u00e4ngern\u201c (Kolesch\/Kr\u00e4mer 2006: 11). Die Stimme als ein eigensinniges popliterarisches Medium spielt etwa im Kontext von <em>Spoken Word<\/em> und <em>Poetry Slam<\/em> Slam eine gewichtige Rolle. Nicht zu vergessen, die zunehmende Bedeutung von literarischen H\u00f6rb\u00fcchern (vgl. zur medienkulturwissenschaftlichen Erforschung der Bedeutung der Stimme Vgl. u.a. G\u00f6ttert (1998); Institut f\u00fcr Neue Musik und Musikerziehung (2003); Epping-J\u00e4ger\/Linz (2003); Felderer (2004); Kolesch\/Kr\u00e4mer (2006a); Dolar (2007); Kolesch\/Pinto\/Schr\u00f6dl (2008); Kittler\/Macho (2008). Die eigensinnige Bedeutung des Auditiv-Akustischen hebt Burroughs (1983: 166) auch an anderer Stelle hervor: \u201e<em>was wir sehen wird weitgehend bestimmt durch das was wir h\u00f6ren<\/em> [Hervorhebung im Original &#8211; MSK]\u201c (vgl. zur Bedeutung Auditiver Medienkulturen u.a. auch Schr\u00f6ter\/Vollmar 2012).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref28\"><sup>[28]<\/sup><\/a> Vgl. hierzu das <em>On The Road<\/em>-Motiv in der Popul\u00e4ren Kultur und Popkultur, etwa bei den <em>Beatniks<\/em> (s. Kerouac 1998); in der Country Music (etwa <em>John Denver<\/em>) oder bei Singer-Songwritern (u.a. <em>Jason Collett<\/em>); bei Band-Tourgeschichten (wie Leicher\/Schreiner 2008); bei Filmen im Stil von Jim Jarmuschs Down By Law (Deutschland\/USA 1986) u.v.m. Brinkmann (1999a: 5-7) w\u00e4hlt Burroughs Frage <em>\u201ewarum hier haltmachen warum irgendwo haltmachen\u201c<\/em> als bestimmendes Motiv seiner \u201eVorbemerkung\u201c zur Gedichtsammlung \u201eWestw\u00e4rts 1 &amp; 2\u201c: \u201eDie Geschichtenerz\u00e4hler machen weiter, die Autoindustrie macht weiter, die Arbeiter machen weiter, die Regierungen machen weiter, die Rock\u2019n\u2019Roll-S\u00e4nger machen weiter, die Preise machen weiter, das Papier macht weiter [&#8230;].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref29\"><sup>[29]<\/sup><\/a> Diese These erinnert einerseits an McLuhans (1992: 17ff.) Thesen vom <em>Medium als Botschaft<\/em> und den <em>Medien als K\u00f6rperausweitungen<\/em> des Menschen, aber auch, daraus resultierend, an die These von der Medientechnik als <em>Apriori <\/em>von Geschichte und Gesellschaft (vgl. u.a. Kittler 1986, 1993, 2003). Das Gleiche gilt auch f\u00fcr Fiedler und Brinkmann.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> In einem Brief an Felice Bauer aus dem Jahr 1913 beschreibt Kafka sein Verh\u00e4ltnis zur Literatur, vergleichbar dem Verh\u00e4ltnis von Burroughs zum Aufnahmeger\u00e4t, als existentielle Identifikation mit dem Ausdrucksmedium: \u201eIch habe kein literarisches Interesse, sondern bestehe aus Literatur, ich bin nichts anderes und kann nichts anderes sein.\u201c Die Rede von Pop-Literatur als Archiv und den Pop-Literaten als Archivisten geht in dieselbe Richtung (vgl. Ba\u00dfler 2002; Degler\/Paulokat 2008).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> In die gleiche Richtung gehen Songs wie \u201eBreak on through\u201c (Auf: The Doors. <em>Elektra<\/em> 1967) von <em>The Doors<\/em> oder \u201eGrauschleier\u201c (Auf: Monarchie und Alltag. <em>EMI<\/em> 1980) von <em>Fehlfarben<\/em>. Aber auch, um den Bezug zur <em>Kleinen Literatur<\/em> von Kafka, in der Lesart von Deleuze\/Guattari (1976), wieder herzustellen, seine Aussage in einem Brief an Milena Jesensk\u00e1 aus dem November 1920: \u201eDieses Wahrreden ist also kein sehr gro\u00dfes Verdienst, es ist ja auch so wenig, ich suche nur immerfort etwas Nicht-Mitteilbares mitzuteilen, etwas Unerkl\u00e4rbares zu erkl\u00e4ren, von etwas zu erz\u00e4hlen, was ich in den Knochen habe und was nur in diesen Knochen erlebt werden kann\u201c (Kafka 1995: 296). Auch Burroughs versteht sich als ein <em>Sprach- und Medienk\u00f6rper<\/em>. Dar\u00fcber hinaus versucht er durch die Techniken des <em>Cut up<\/em> das offiziell Nicht-Mitteilbare und Unerkl\u00e4rliche zum Sprechen zu bringen bzw. diesem Gegenwirklichkeiten entgegenzusetzen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref32\"><sup>[32]<\/sup><\/a> Diese <em>Break on through<\/em>\u2019-Haltung ist aber nicht nur eine das \u00c4u\u00dferliche betreffend, also <em>exoterisch<\/em>, sondern gleichwohl eine Bewegung bzw. <em>Reise<\/em> ins Innere des Menschen, verbunden mit einer Bewusstseinsformung, d.h. <em>esoterisch<\/em>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref33\"><sup>[33]<\/sup><\/a> Die Forderung nach einer Aufhebung zwischen der Trennung von Produzenten und Rezipienten erinnert an Brecht. In seinem Vortrag \u201eDer Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede \u00fcber die Funktion des Rundfunks\u201c, aus dem Jahre 1932, fasst Brecht (1997: 147f.) seine Forderungen pointiert zusammen: \u201eDer Rundfunk ist aus einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln. Der Rundfunk w\u00e4re der denkbar gro\u00dfartigste Kommunikationsapparat des \u00f6ffentlichen Lebens [&#8230;], wenn er es verst\u00fcnde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuh\u00f6rer nicht nur zu h\u00f6ren, sondern auch sprechen zu machen und nicht zu isolieren, sondern ihn in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk m\u00fcsste demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den H\u00f6rer als Lieferanten organisieren.\u201c Die soziale Hauptfunktion des Rundfunks, das Gleiche gilt f\u00fcr die intermedialen <em>Cut ups<\/em>, darf es also nicht sein, <em>Stellvertreter<\/em> unterschiedlicher gesellschaftlicher Institutionen zu sein oder prim\u00e4r als Unterhaltungsinstitution zu fungieren.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref34\"><sup>[34]<\/sup><\/a> Anspielung auf den Song \u201eDie Sch\u00f6nheit der Chance\u201c von <em>Tomte<\/em> (Auf: Hinter all diesen Fenstern. Grand Hotel Van Cleef\/Indigo 2003).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref35\"><sup>[35]<\/sup><\/a> In vergleichbarer Emphase schreibt Brinkmann (2004: 111) in seinem Gedicht \u201eVanille\u201c, aus dem Jahr 1969: \u201eUnd meine Tr\u00e4ume sind leere Schuhkartons (weil man die Schuhe schlie\u00dflich an den F\u00fc\u00dfen hat) so leer wie ein Germanistisches Institut, wenn alles darauf weiter besteht, hier handle es sich um Kunst\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> Diese Position steht in impliziter Korrespondenz zur Forderung des <em>Anders-Denkens<\/em> bei Foucault und Deleuze. Deleuze (1992b: 169) betont: \u201eDas Denken denkt seine eigene Geschichte (Vergangenheit), jedoch um sich von dem zu befreien, was es denkt (Gegenwart), um schlie\u00dflich ,anders denken\u2018 zu k\u00f6nnen (Zukunft).\u201c Foucault (1997a: 15) hebt hervor: \u201eEs gibt im Leben Augenblicke, da die Frage, ob man anders denken kann, als man denkt, und anders wahrnehmen kann, als man sieht, zum Weiterschauen oder Weiterdenken unentbehrlich ist.\u201c F\u00fcr Deleuze und Foucault handelt es sich hierbei nicht nur um eine reflexive Figur bzw. ein ausschlie\u00dflich erkenntnistheoretisches Problem, sondern auch um die konkreten M\u00f6glichkeiten der praktisch-pragmatischen Realisation, der existentiellen <em>Einholung<\/em> \u2013 diese Perspektive steht in unmittelbarer Verbindung zur Intention, die Burroughs mit den Techniken des <em>Cut up<\/em> und <em>Fold in<\/em> anvisiert.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref37\"><sup>[37]<\/sup><\/a> Eine Ironisierung dieser <em>Anti-Dauer-Haltung<\/em> zu allem und jedem, die nicht auch <em>Anti<\/em> hinsichtlich allem und jedem ist, formuliert <em>Der Junge mit der Gitarre<\/em> in seinem Song \u201eHallo Worum Geht\u2019s, Ich Bin Dagegen\u201c (Auf: Dagegen Ltd&#8230;Edel Records 2002): \u201e[&#8230;] gegen flache plattit\u00fcden, gegen norden gegen s\u00fcden, gegen atomare r\u00fcstung, gegen frauen ohne br\u00fcstung, gegen mobbing und schikane, gegen, wehrdienst f\u00fcr die fahne, ich bin kontra aus prinzip und selbst gegen dieses lied | Hallo, worum geht\u2019s ich bin dagegen, Hallo, worum geht\u2019s ich bin dagegen, gegen alles gegen jeden ich bin absolut dagegen, Hallo, worum geht\u2019s ich bin dagegen | alle ja sager sind gegner, jeder skeptiker ein freund, heute nacht hab ich von farben nur im negativ getr\u00e4umt, jede seite der medallie schau ich an und will sie sehen, siehst du nur die eine seite werd ich gegen\u00fcber stehn, gegen\u00fcber stehn, gegen\u00fcber stehn, gegen\u00fcber stehn [&#8230;] [Hervorhebungen im Original &#8211; MSK].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref38\"><sup>[38]<\/sup><\/a> Vgl. zu meinem Verst\u00e4ndnis von Medien und <em>Heterotopie<\/em> bzw. Medien als <em>Heterotopien<\/em> Kleiner (2006).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref39\"><sup>[39]<\/sup><\/a> Unter einem <em>Mutanten<\/em> versteht man ein genetisch (meist durch \u00e4u\u00dfere gezielte Eingriffe oder auch z.B. durch einen bio\/chemischen Unfall) ver\u00e4ndertes Lebewesen, bei dem sich die \u00e4u\u00dfere Erscheinung wie aber auch charakterliche Eigenschaften leicht bis extrem ver\u00e4ndern. So treten mit der k\u00f6rperlichen Mutation oftmals auch B\u00f6sartigkeit, Dominanz niederer Instinkte und teilweise sogar Gotteswahn auf. Eine Mutation ist eine dauerhafte Ver\u00e4nderung des Erbgutes. Fiedlers Verwendung des Begriffs <em>Mutant <\/em>im Kontext der Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur als <em>Mutanten-Literatur<\/em> deutet darauf hin, dass er dieser Literatur, die traditionelle Funktion und das kanonisierte Wesen der Literatur nachhaltig zu ver\u00e4ndern und vielf\u00e4ltige, unkontrollierbare Literaturformen entstehen zu lassen \u2013 die negative Bedeutung wird hier ausgeblendet.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref40\"><sup>[40]<\/sup><\/a> Vgl. zur Kanondebatte in der Musik(wissenschaft) u.a. Helms\/Phleps (2008).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref41\"><sup>[41]<\/sup><\/a> Diese Aspekte <em>neuer Literatur<\/em> werden im Titel des Materialbandes \u201eErkundungen f\u00fcr die Pr\u00e4zisierung des <span style=\"text-decoration: underline\">Gef\u00fchls<\/span> f\u00fcr einen Aufstand\u201c von Brinkmann (1987) aus den 1970er Jahren angedeutet und ihnen wird in diesem Materialband eine konkrete literarische Form gegeben.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref42\"><sup>[42]<\/sup><\/a> Unter Pornografie verstehe ich im Allgemeinen die explizite, detaillierte und\/oder schwerpunktm\u00e4\u00dfige (mediale bzw. medialisierte) Inszenierung von nicht simulierten sexuellen Interaktionen \u2013 ob im professionellen Feld oder in dem der Medienamateure. Bei Pornografie dominiert das Prinzip der maximalen Sichtbarkeit: Nahaufnahme interagierender Genitalien. Ziel ist hierbei die Stimulation des Publikums (Schaulust, Voyeurismus, Phallozentrismus).<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref43\"><sup>[43]<\/sup><\/a> Neben demonstrativer Sexualit\u00e4t wird von Fiedler (1983: 29ff.) v.a. der exzessive Drogenkonsum als standardisierte kulturelle Praktik der Underground-\/Beat-\/Pop-Literaten beschrieben. Die amerikanischen Beat-\/Underground-\/Pop-Literaten, wie auch William S. Burroughs, sowie Fiedler und Brinkmann w\u00fcrden auf die rhetorische Frage von Foucault (1998: 187) \u2013 \u201eGlauben wir nicht, dass man zur Macht nein sagt, indem man zum Sex ja sagt [&#8230;].\u201c \u2013 dem Zeitgeist der sexuellen Revolution entsprechend, mit einem unbedingten <em>Ja <\/em>antworten. Dabei \u00fcbersehen sie, wie Foucault diese \u00dcberlegung beendet: \u201e[&#8230;] man folgt damit vielmehr dem Lauf des allgemeinen Sexualit\u00e4tsdispositivs.\u201c Die vermeintliche Befreiung von der Repression ist f\u00fcr Foucault also vielmehr ein Weg, sich noch st\u00e4rker an die gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnisse zu binden bzw. sich ihnen noch umfassender zu unterwerfen \u2013 dies im Glauben emanzipatorisch zu handeln und Wahrheit \u00fcber sich selbst zu erlangen: \u201eMit der Schaffung dieses imagin\u00e4ren Elements ,Sex\u2018 hat das Sexualit\u00e4tsdispositiv eines seiner wesentlichsten inneren Funktionsprinzipien zustande gebracht: das Begehren nach Sex: ihn zu haben, zu ihm Zugang zu haben, ihn zu entdecken, ihn zu befreien, ihn diskursiv zu artikulieren, seine Wahrheit zu formulieren. Das Sexualit\u00e4tsdispositiv hat ,den Sex\u2018 als begehrenswert konstituiert. Und dieser ,Begehrens-Wert\u2018 des Sexes bindet jeden von uns an den Befehl, ihn zu erkennen, sein Gesetz und seine Macht an den Tag zu bringen\u201c (ebd. 186).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref44\"><sup>[44]<\/sup><\/a> Vgl. zur Kulturgeschichte des <em>Cool<\/em> Poschardt (2002).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref45\"><sup>[45]<\/sup><\/a> Zum Zusammenhang von Popkultur und Alter(n) merkt Fiedler (1983: 20) an: \u201eDie neuen Irrationalisten [&#8230;] sind bereit, die Verl\u00e4ngerung der Jugendzeit bis ins Grab zu bef\u00fcrworten [&#8230;].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Fiedler blendet hierbei aber aus, dass die Form der Popkultur, auf die er sich bezieht, nicht die Massenkultur seiner Zeit darstellt, und andererseits diese von ihm adressierte Popkultur generell nicht mit Massenkultur gleichgesetzt werden kann.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref47\"><sup>[47]<\/sup><\/a> F\u00fcr Fiedler (1983: 25) stellt Burroughs als <em>Super-Irrationalist<\/em> den wesentlichen Bezugspunkt f\u00fcr die <em>neuen literarischen Irrationalisten<\/em> dar: \u201eBurroughs ist der erste Prophet der nach-m\u00e4nnlichen, nach-heroischen Welt, und seine Nachahmer bev\u00f6lkern den Mittelraum der literarischen Szene, um die es hier geht. Denn The Naked Lunch ist mehr als es scheint. Es ist kein blo\u00dfer Essay in halluzinatorischer, von Heroin und Homosexualit\u00e4t inspirierter Pornographie, sondern ein alptraumhafter Vorblick auf die nach-humanistische Sexualit\u00e4t in Form der Science Fiction\u201c (vgl. auch Fiedler 1994: 26).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref48\"><sup>[48]<\/sup><\/a> Eine an McLuhan (1992) erinnernde medienhistorische Formulierung \u00e4u\u00dfert Fiedler (1994: 19) mit der Behauptung, dass kein \u201eMedium der Kommunikation verschwindet, einfach weil ein neues und wirksameres erfunden worden ist.\u201c Bei <em>Medienumbr\u00fcchen<\/em> bleiben auch f\u00fcr Fiedler Medienfunktionen historisch \u00e4lterer Medien in historisch neuen Medien pr\u00e4sent. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen \u00e4ltere Medien, wie etwa das Buch, jederzeit zu Konjunkturmedien werden, wie dies etwa beim popliterarischen Boom Ende der 1990er Jahren in Deutschland der Fall war, obwohl das Buch schon seit einigen Jahrzehnten nicht mehr das Leitmedium oder ein attraktives Medium der Popul\u00e4ren Kultur ist. Eine zweite medienhistorische These pr\u00e4sentiert Fiedler (ebd.) im gleichen Kontext: \u201eEin Kommunikationsmedium muss, wenn es aus der Mode ger\u00e4t, zu einer Form der Unterhaltung werden [&#8230;]\u201c. Das Ergebnis dieser Transformation stellt f\u00fcr Fiedler die Underground-\/Beat-\/Pop-Literatur dar.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref49\"><sup>[49]<\/sup><\/a> Vgl. zur Bedeutung von Burroughs und der <em>Cut up-Tradition<\/em> f\u00fcr die deutsche Pop-Literatur der <em>ersten Generation<\/em> u.a. auch die Passagen \u00fcber Burroughs im Roman \u201eRohstoff\u201c (1984) von J\u00f6rg Fauser (2009).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref50\"><sup>[50]<\/sup><\/a> Vgl. repr\u00e4sentativ f\u00fcr viele implizite Anspielungen auf den <em>Chandos<\/em>-Brief in den Texten von Brinkmann (1987: 22): \u201e\/W\u00f6rter ,der bl\u00f6de und verbl\u00f6dende Begriff vom zoon politikon\/ verschimmeltes Abendland)) (Hervorhebung im Original \u2013 MSK)\u201c. Auch mit Blick auf die Werke der gro\u00dfen Dichter, den \u201elebende[n] Tote[n]\u201c, spricht Brinkmann (1980: 185) von <em>Vermoderungsprozessen<\/em>, hier dieser in Antiquariaten. Sie sind tot und unbrauchbar zur Erneuerung der Literatur. Hiermit kommt nochmals die zentrale Bedeutung der Sprache f\u00fcr Brinkmann zum Ausdruck. Das Material zur Kritik und Dekonstruktion dieses Diktats der Sprache bezieht Brinkmann ausschlie\u00dflich aus der Popkultur und Popul\u00e4ren Kultur\u00a0 bzw. der popul\u00e4ren Medienkultur seiner Zeit. Seine mitunter sehr heftige Kritik an der Popul\u00e4ren Kultur kann auch als Einsicht in deren letztlich doch begrenzten M\u00f6glichkeiten zur Umsetzung der von ihm intendierten radikalen Sprachkritik verstanden werden. Aber auch wiederholte Bez\u00fcge zur Sprachkritik von Fritz Mauthner durchziehen die Texte von Brinkmann (1999b: 140f): \u201eWiderspr\u00fcche gibt es nur in der Sprache [&#8230;]\u201c (vgl. hierzu Mauthner 1922: 138).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> Ich fokussiere mich auf Zusammenfassungen einiger zentraler Texte von Brinkmann, die einerseits an die poetischen Positionen von Burroughs und Fiedler anschlie\u00dfen, diese andererseits zugleich fort- und umschreiben bzw. an die <em>deutschen Verh\u00e4ltnisse<\/em> anpassen. Im Zentrum hierbei stehen folgende Texte\/B\u00e4nde: \u201eStandphotos. Gedichte 1962-1970\u201c (1962-1970\/1980); \u201eAngriff aufs Monopol. Ich hasse alte Dichter\u201c (1968\/1994); \u201eDer Film in Worten\u201c (1969\/1983); \u201eErkundungen f\u00fcr die Pr\u00e4zisierung des Gef\u00fchls f\u00fcr einen Aufstand\u201c (1971-1973\/1987); \u201eSchnitte\u201c (1972-1973\/1988); \u201eRom, Blicke\u201c (1972-1973\/1997); \u201eWestw\u00e4rts 1 &amp; 2\u201c (1975\/1999a); und \u201eBriefe an Hartmut\u201c (1974-1975\/1999b). Brinkmann formuliert bis zur Gegenwart f\u00fcr das, was Pop-Literatur in Deutschland genannt wird, neben angloamerikanischen Positionen, die Weg weisende poetische Position. Auch im Vergleich zu Burroughs und Fiedler entwirft Brinkmann ein viel expliziteres poetisches Modell.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> Es gibt auch keine tiefere Bedeutung von Worten, alles Sinnhafte befindet sich auf der Oberfl\u00e4che ihrer Aussagen und Kombinationen (vgl. Brinkmann 1999b: 58). Sprache kann f\u00fcr Brinkmann (1988: 149) daher nicht tief gehen: \u201e[&#8230;] (sprachen W\u00f6rter, die auf der Oberfl\u00e4che der K\u00f6rper zerplatzten\/ [&#8230;]\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref53\"><sup>[53]<\/sup><\/a> In seinem Aufsatz \u201eDer Film in Worten\u201c (Brinkmann 1983: 388) hebt er nochmals die Ver\u00e4nderungskraft von Pop als Oberfl\u00e4chen\u00e4sthetik hervor: \u201eDie Beschr\u00e4nkung auf die Oberfl\u00e4che f\u00fchrt zum Gebrauch der Oberfl\u00e4che und zu einer \u00c4sthetik, die allt\u00e4glich wird.\u201c Dieser Analyseansatz steht in Korrespondenz mit einer forschungspragmatischen These von Hegel (1988: 25) in seiner \u201eVorrede\u201c zur \u201ePh\u00e4nomenologie des Geistes\u201c: \u201eDas Bekannte \u00fcberhaupt ist darum, weil es bekannt ist, nicht erkannt. Es ist die gew\u00f6hnlichste Selbstt\u00e4uschung wie T\u00e4uschung anderer, beim Erkennen | etwas als bekannt vorauszusetzen, und es sich ebenso gefallen zu lassen; mit allem Hin- und Herreden kommt solches Wissen, ohne zu wissen wie ihm geschieht, nicht von der Stelle [Hervorhebung im Original \u2013 MSK].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref54\"><sup>[54]<\/sup><\/a> Die deutsche Band <em>Tocotronic<\/em> formuliert auf ihrem Deb\u00fctalbum \u201eDigital ist besser\u201c (Lado 1995): \u201eIch m\u00f6chte Teil einer Jugendbewegung sein | Ich m\u00f6chte Teil einer Jugendbewegung sein | Ich m\u00f6cht mich auf euch verlassen k\u00f6nnen | Ich m\u00f6cht mich auf euch verlassen k\u00f6nnen | und jede unserer Handbewegungen | hat einen besonderen Sinn | weil wir eine Bewegung sind\u201c. Eine Ironisierung dieses popkulturellen Willens zur Generationsbildung, hier mit Blick auf die sog. \u201eHamburger Schule\u201c, formulieren Tocotronic auf dem Album \u201eNach der verlorenen Zeit\u201c (Lado 1995) in ihrem Song \u201eIch bin neu in der Hamburger Schule\u201c: \u201eIch bin neu in der Hamburger Schule | und ich kenn mich noch nicht so gut aus. | Ich bin grade in die erste Klasse gekomm\u2018 | und ich wei\u00df noch nichts genau. | Ich bin neu in der Hamburger Schule | und bin grade erst weg von zuhaus. | Die Lehrer sind alle ganz nett hier | und die meisten meiner Mitsch\u00fcler auch. |\u00a0 [&#8230;] | Ich bin neu in der Hamburger Schule | und lern kein Griechisch und kein Latein. | Und trotzdem scheint mir die Hamburger Schule | \u2018ne Eliteschule zu sein. |\u00a0 [&#8230;] | Vielleicht werde ich nie meinen Abschluss machen, | denn hier gibt es ja immer Applaus\u201c. Der amerikanische Rock-Journalist Lester Bangs, der selbst zu einem <em>Mythos<\/em> der Popkultur, hier des Popjournalismus, stilisiert wurde, so etwa beim Chefredakteur des Musikmagazins INTRO, Thomas Venker (2009), der sich wiederum selbst in die Reihe dieser Art des Popjournalismus stellt und damit ihre Verl\u00e4ngerung dieser Generation anstrebt, \u00e4u\u00dferte sich sehr kritisch zu diesem Pop-Generationswillen. Neben Bangs (vgl. u.a. 2008), werden in dieser Ahnenreihe des Popjournalismus noch Hunter S. Thompson (vgl. etwa 2009) und Richard Melzer (vgl. z.B. 2000) genannt. Eine vergleichbare Stimmung wie Lester Bangs beschreibt auch die deutsche Band <em>Fehlfarben<\/em> auf ihrem 1980er Album \u201eMonarchie und Alltag\u201c (EMI) im Song \u201eDas war vor Jahren\u201c: \u201eDie M\u00e4dels stellen den Jungen nach im Glanz der Neonreklame, | Du siehst dich so wie du bist | ,du h\u00f6rst nur noch auf den neuen Namen | Und wir tanzten bis zum Ende zum Herzschlag der besten Musik | jeden Abend, jeden Tag | wir dachten schon das ist der Sieg | ,das war vor Jahren | Die Coca Cola-Sonne scheint auf\u00b4s neue auf den Glanz unserer Republik | es gibt bei uns Leute die finden das schick [&#8230;]\u201c. Die Antworten von Lester Bangs und den Fehlfarben ist deutlich: Von Pop-Generationen wird nichts bleiben, au\u00dfer sentimentaler Vergangenheitsbeschw\u00f6rung und pr\u00e4tenti\u00f6ser Nostalgie, weil letztlich alles immer bereits zu sp\u00e4t ist (vgl. Br\u00f6ker 2007). Dies widerspricht dem <em>popkulturellem Aufbruchspathos<\/em> von Burroughs, Fiedler und Brinkmann, formuliert eine <em>Posthistoire-Diagnose<\/em>, obwohl etwa \u201eMonarchie und Alltag\u201c zur (vermeintlichen) Aufbruchsstimmung der <em>Neuen Deutschen Welle<\/em> (NDW) Anfang der 1980er Jahre gez\u00e4hlt und dabei v.a. auf den Hit \u201eEs geht voran (Geschichte wird gemacht)\u201c reduziert wurde.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref55\"><sup>[55]<\/sup><\/a> Den Begriff Pop-Literatur verwendet Brinkmann (vgl. u.a. 1999b: 26, 44) nur selten in seinen Texten.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref56\"><sup>[56]<\/sup><\/a> Vgl. z.B. Brinkmann (1994: 70f.) zur Beschreibung des Raumes, in dem er sich zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Artikels befindet.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref57\"><sup>[57]<\/sup><\/a> In diesem Kontext erw\u00e4hnt Brinkmann (ebd.: 72f.) die Studien von Herbert Marshall McLuhan als wegweisende Analysen der (Popul\u00e4ren) Medienkulturgesellschaft \u2013 ohne konkreten Verweis auf einzelne seiner Arbeiten.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref58\"><sup>[58]<\/sup><\/a> An anderer Stelle zieht Brinkmann (1983: 384) aus dieser Zuschreibung einen Hinweis f\u00fcr Popforschung im weitesten Sinne: \u201eNeues, das auf verschiedenen Gebieten sich andeutet, verlangt einen Blick aufs Ensemble, da im Ensemble erst sich ablesen l\u00e4sst, welche bestehenden Schematisierungen (des allt\u00e4glichen Lebens, der allt\u00e4glichen Verhaltensweisen wie des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks) aufgel\u00f6st werden sollen [&#8230;]\u201c. Orientiert an dieser \u00dcberlegung werden Popul\u00e4re Kultur, Popkultur und Popul\u00e4re Medienkultur in meiner Studie konstitutiv als Ensemble betrachtet und nicht als Einzelph\u00e4nomene untersucht.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref59\"><sup>[59]<\/sup><\/a> Es gibt im Werk von Brinkmann keine explizite Stelle, an der er konkret zwischen Popul\u00e4rer Kultur und Popkultur unterscheidet. Allerdings gibt es implizite Hinweise, dass er die f\u00fcr diese Studie leitende Unterscheidung dieser beiden Begriffe grunds\u00e4tzlich, nicht aber in allen Hinsichten, teilen w\u00fcrde. Popul\u00e4re Kultur wird in seinen Texten, wie ich im Folgenden zeigen werde, etwa mit TV, Illustrierten oder Mode assoziiert, Popkultur hingegen weitestgehend mit Popmusik gleichgesetzt. Zudem gibt es bei Brinkmann Hinweise, dass kulturelle Gegenst\u00e4nde erst durch eine spezifische Form ihrer Medialisierung mit den Labeln Popul\u00e4r und\/oder Pop versehen werden k\u00f6nnen. Auffallend ist aber insgesamt, dass sich Brinkmann, wenn auch in reduzierter Form, dezidiert Gedanken \u00fcber den Pop-Begriff im Kontext seiner poetischen \u00dcberlegungen macht.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref60\"><sup>[60]<\/sup><\/a> In der Popmusik wird diese F\u00e4higkeit der Medien, v.a. von Presse, Film und Fernsehen, h\u00e4ufig als hegemonial-manipulativ beschrieben, den Medien wird keine <em>bildende Kompetenz<\/em> zugeschrieben. Erinnert werden kann hier etwa an den Song \u201eGrauschleier\u201c von <em>Fehlfarben<\/em>: \u201eIch habe das alles schon tausend Male gesehen Ich kenne das Leben Ich bin im Kino gewesen\u201c (Auf: Monarchie und Alltag. EMI 1980); an den Song \u201eOnly Entertainment\u201c von <em>Bad Religion <\/em>(Auf: Generator. Epitaph Records 1992): \u201eTransfixated on the big blue screen | its your window to the outside | a melancholy dream | a medium upon which you build reality | this episodic currency | that everybody needs | somebodies delivery lulls you to sleep | [&#8230;] they control two worlds | power and disease | and you cannot supress your curiosity | but see it&#8217;s only entertainment | superficial urgency | posterboard mentality | only entertainemnt | tightly constrained | the buzz that remains | [&#8230;] can&#8217;t someone protect me (turn away, turn away) | from this electron beam? [&#8230;]\u201c; aber auch an <em>Gil Scott <\/em><em>Herons<\/em> \u201eThe Revolution Will Not Be Televised\u201c (Auf: Pieces of a Man. Flying Dutchman Records 1971): \u201eYou will not be able to stay home, brother. | You will not be able to plug in, turn on and cop out. | You will not be able to lose yourself on skag and skip, | Skip out for beer during commercials, | Because the revolution will not be televised.\u201c Oder mit Blick auf das Radio die erste Strophe des Songs \u201eI can\u2019t get no satisfaction\u201c der <em>Rolling Stones<\/em> (Auf: Out of Our Heads. Decca Records 1965): \u201eWhen I\u2019m driving in my car and the man comes on the radio \u2028| he&#8217;s telling me more and more about some useless information |\u2028supposed to fire my imagination [&#8230;]\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref61\"><sup>[61]<\/sup><\/a> Vgl. zur Gegenwartsfixierung Brinkmann und in der deutschen Pop-Literatur Schumacher (2003).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref62\"><sup>[62]<\/sup><\/a> Brinkmanns (1999b: 78) Ausf\u00fchrungen zur Bedeutung der neuen pop-\/popul\u00e4rkulturellen Wahrnehmung sind stets an seine fundamentale Sprachkritik gebunden: \u201eWahrnehmen als ein wortloser Zustand, ohne Sprache wahrnehmen (eine sch\u00f6ne Utopie!) Sch\u00f6ne Utopie: wahrnehmen, sehen, aufnehmen, erleben ohne durch W\u00f6rter, Verstehen vorprogrammiert zu sein \u2013 direkt.\u201c Dieser romantische Wunsch nach einem <em>Diesseits<\/em> der Sprache bzw. <em>aisthetischer<\/em> Unmittelbarkeit durchzieht das Gesamtwerk von Brinkmann. Zur Umsetzung w\u00e4hlt er, mit den \u00e4sthetischen Mitteln der Medienkultur, das zuvor skizzierte <em>Programm<\/em> negativer Dialektik von Adorno: Mit der Literatur gegen die Literatur, um literarische Vorstellungsmuster Schritt f\u00fcr Schritt im Gebrauch abzutragen: \u201e\/<span style=\"text-decoration: underline\">Gegen Realismus<\/span>: Sofern \u00fcber den Begriff Wirklichkeit nicht hinausgelangt wird, sollte man gar nicht erst versuchen zu schreiben , he? [Hervorhebung im Original \u2013 MSK]\u201c (Brinkmann 1987: 53).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref63\"><sup>[63]<\/sup><\/a> Hierunter versteht Brinkmann (1999b: 148f.): \u201eNeue Subjektivit\u00e4t, dieser \u00dcberbegriff meint ganz einfach: dass die Autoren, also auch ich, kein verbindliches, f\u00fcr alle verbindliches Weltbild mit ihren Arbeiten mehr liefern, sondern genau das Gegenteil: die einheitlichen erkl\u00e4renden Weltbilder mit ihren Arbeiten (Gedichte, Romane usw.) zersprengen, die einheitlichen Weltbilder waren ja nur wegen der Sprache und der Vermittlung der Sprache \u00fcber Sprache vorhanden, also wegen des Glaubens an W\u00f6rter d.h. Wie geht\u2019s dir: &#8211; wenn Du das sagst, ohne R\u00fccksicht, dann ist das Neue Subjektivit\u00e4t [Hervorhebung im Original \u2013 MSK].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref64\"><sup>[64]<\/sup><\/a> Ohne in eine naive Technikeuphorie zu verfallen, versteht Brinkmann (1983: 384) Technikkompetenz als Form von Medienbildung: \u201e[&#8230;] die Verwendung technischer Apparate ebenso zur Steigerung des Einzelnen dienen kann, zum Vollzug unkanalisierter, spontan sch\u00f6pferischer Kreativit\u00e4t [&#8230;]\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref65\"><sup>[65]<\/sup><\/a> Hierzu bemerkt Frank (2003b: 14): \u201eIhm schwebte eine Literatur vor, die in Analogie zum Film eine gesteigerte Gegenwart liefern sollte; keine verschl\u00fcsselten oder symbolischen Zeichen wie in der Hochliteratur, sondern Wirklichkeit als Abfolge von allt\u00e4glichen und schnappschussartigen Eindr\u00fccken.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref66\"><sup>[66]<\/sup><\/a> Dies wirkt wie eine implizite Umsetzung von Becketts Dekonstruktion der Autorfunktion: \u201eWhat matter who\u2019s speaking, someone said what matter who\u2019s speaking.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref67\"><sup>[67]<\/sup><\/a> Als eine Art Nachtwort zu seinem Roman \u201eUnterwegs\u201c (1959) formuliert Kerouac einen lapidaren Ratgeber in Sachen moderner Prosa, der wie eine Stichwortsammlung wirkt. Ein paar dieser Stichworte, die wiederum wie ein poetisches Vorbild f\u00fcr Brinkmann wirken bzw. <em>Samplematerial<\/em> in <em>seinen<\/em> poetischen Texten darstellen, sind: \u201e1 Geheime Notizb\u00fccher und lose Manuskriptseiten, die du zu deinem eigenen Vergn\u00fcgen vollgekritzelt hast beziehungsweise wild vollgetippt hast. 2 Gib dich jedem Eindruck hin! \u00d6ffne Dich! Lausche! [&#8230;] 5 Etwas, was Du f\u00fchlst, wird die ihm eigene Form finden. [&#8230;] 8 Wenn du etwas Unergr\u00fcndliches schreiben willst, hole es aus dem Grunde deiner Seele empor! [&#8230;] 13 Beseitige literarische, grammatische und syntaktische Hindernisse! [&#8230;] 15 Erz\u00e4hle die wahre Geschichte der Welt im inneren Monolog! [&#8230;] 17 Schreibe aus der Erinnerung und sei erstaunt \u00fcber die Ergebnisse. [&#8230;] 22 Denke nicht gleich an Worte, wenn du dich nur unterbrichst, um das Bild besser sehen zu k\u00f6nnen! [&#8230;] 26 Das Buch in Drehbuchform ist der Film in Worten, eindeutig die amerikanische Form. [&#8230;] 28 Komponiere wild, undiszipliniert, rein! Schreibe, was aus den Tiefen deines Inneren aufsteigt! Je verr\u00fcckter, desto besser.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref68\"><sup>[68]<\/sup><\/a> Ein latenter Platonismus bei Brinkmann, der Sprache im Abbild-\/Urbild-Modus beschreibt, womit er gegen seine Kritik an der Repr\u00e4sentativit\u00e4t von Sprache argumentiert, die nichts mehr mit dem Erscheinen und der Wahrnehmung von Wirklichkeit f\u00fcr Brinkmann (1983: 381) zu tun hat: \u201eDas R\u00fcckkopplungssystem der W\u00f6rter, das in gewohnten grammatikalischen Ordnungen wirksam ist, entspricht l\u00e4ngst nicht mehr der tagt\u00e4glich zu machenden sinnlichen Erfahrung [&#8230;].\u201c Sprache unterscheidet er insgesamt in eigentliches und uneigentliches Sprechen, wobei die <em>Eigentlichkeit<\/em> der Sprache von Brinkmann (bewusst) nicht bestimmt wird. Diese kann nur ein Effekt des ver\u00e4nderten Schreibens und Darstellens sein. Auch bei Brinkmann, wie bei Burroughs und Fiedler, gibt es die Utopie eines richtigen Lebens, das nur durch andere Medien bzw. die Transformation und Transgression der Sprache erzielt werden kann. Die Frage ist allerdings, was Burroughs, Brinkmann und die von ihm so hypostasierte <em>neue amerikanische Szene<\/em> qualitativ anders machen mit ihren Wort-\/Bildproduktionen und warum diese allein schon durch deren \u00e4sthetischen Eigensinn emanzipatorisch und Wahrnehmung ver\u00e4ndernd sein sollen. Aber auch, warum sie sich scheinbar so leicht vom Sprach- und Wahrnehmungsdiktat der Gegenwart l\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref69\"><sup>[69]<\/sup><\/a> Brinkmann legt in seinen Texten viel Wert darauf, deren Schriftbild zu beschneiden, damit das Lesen immer wieder ins Stocken ger\u00e4t, aus der Linearit\u00e4t herausgerissen, irritiert wird, Sinnstockungen erzeugt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref70\"><sup>[70]<\/sup><\/a> Hiermit weist er implizit eine grundlegende Einsicht von Kant (1990: 95\/B 75) zum Zusammenhang von Sinn und Sinnen aus der \u201eKritik der reinen Vernunft\u201c zur\u00fcck: \u201eGedanken ohne Inhalt sind leer, Anschauungen ohne Begriff sind blind.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref71\"><sup>[71]<\/sup><\/a> An anderer Stelle beschreibt Brinkmann (1988: 105) die Sprache als Pest: \u201e[&#8230;] \/zoon politikon ist die Pest\/die Pest schafft Beulen\/Beulen von Bildern\/das sind die W\u00f6rter\/erstickt in der Kehle\/ [&#8230;].\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref72\"><sup>[72]<\/sup><\/a> Vgl. hierzu auch Brinkmann (1987: 82, 84, 114, 222; 1988: 14, 15, 46, 105; 1997: 32, 139). Seine Sprachkritik dehnt Brinkmann (1980: 186) auch auf den deutschen Literaturbetrieb seiner Zeit aus, den er als eine Art <em>kultischer Totenwache<\/em> bezeichnet: \u201eDie Toten bewundern die Toten! Gibt es etwas, das gespenstischer w\u00e4re als dieser deutsche Kulturbetrieb mit dem fortw\u00e4hrenden Ruf nach Stil etc.?\u201c (vgl. weiterhin zur Kritik am Literaturbetrieb1997: 89, 104ff., 142, 260, 385f.).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref73\"><sup>[73]<\/sup><\/a> Was dies aber genau sein soll, darauf gibt Brinkmann in seinen Texten keine Antwort.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref74\"><sup>[74]<\/sup><\/a> Dies impliziert zugleich, dass eine Popliteraturgeschichtsschreibung, wie sie etwa Ernst (2001: 10-13) vorlegt, dem Verst\u00e4ndnis von Pop-Literatur von Brinkmann zuwider laufen w\u00fcrde, der die Urspr\u00fcnge der Popliteratur im Dadaismus und Surrealismus sieht.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref75\"><sup>[75]<\/sup><\/a> An anderer Stelle spricht Brinkmann (1987: 66) von Gegenwart als <em>Killer<\/em> der \u201eTraum- und Fantasief\u00e4higkeit\u201c und dem Erledigt werden der \u201eGegenwart von Blindbegriffen\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref76\"><sup>[76]<\/sup><\/a> Verbunden hiermit ist f\u00fcr Brinkmann (1999b: 150) auch eine Verweigerungshaltung der jungen Gegenwartsautoren gegen die Autorit\u00e4t offizieller Literaturgeschichte: \u201eLiteraturgeschichte beruht ja heute weitgehend auf Massenmedien und deren Begriffen, deren Rezensionen usw. \u2013 sie m\u00f6chte immer Subsumieren unter Begriffe, aber genau dagegen haben sich alle j\u00fcngeren Autoren gewandt.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref77\"><sup>[77]<\/sup><\/a> Einen Ansatz, den Brinkmann (1980: 185) auch zur poetischen Maxime des Schreibens von Gedichten erhebt: \u201e[&#8230;] nur das Material aufnehmen [&#8230;], was wirklich allt\u00e4glich abf\u00e4llt. Ich denke, dass das Gedicht die geeignetste Form ist, spontan erfasste Vorg\u00e4nge und Bewegungen, eine nur im Augenblick sich deutlich zeigende Empfindlichkeit konkret als snap-shot festzuhalten.\u201c Diese \u00e4sthetische Strategie soll dazu beitragen, das in Gedichten heraus zu schreiben, was man traditionell vom einem Gedicht erwartet: mit dem Gedicht gegen das Gedicht.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref78\"><sup>[78]<\/sup><\/a> Vgl. Brinkmann (1999b: 20, 21, 84, 91-93, 96, 159, 183, 188\/9).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref79\"><sup>[79]<\/sup><\/a> Vgl. Brinkmann (1997: 33, 34, 38, 80).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Adorno, Theodor W. (o.J.), <em>Vorlesung zur Einf\u00fchrung in die Erkenntnistheorie<\/em>, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Adorno, Theodor W. (1997a), \u201eNegative Dialektik\u201c, in: Ders., <em>Gesammelte Schriften<\/em>, Bd. 6: Negative Dialektik, Jargon der Eigentlichkeit, Frankfurt\/M., S. 7-412.<\/p>\n<p>Appolinaire, Guillaume (1985), Die <em>elftausend Ruten<\/em>, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Aristoteles (1994), <em>Poetik<\/em>, Ditzingen.<\/p>\n<p>autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe\/mittlerer neckar (1994a), \u201eEinleitung\u201c, in: Dies. (Hrsg.), <em>Medienrandale. Rassismus und Antirassismus. Die Macht der Medien und die Ohnmacht der Linken?<\/em>, Grafenau, S. 7-12.<\/p>\n<p>autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe\/mittlerer neckar(1994b), \u201eKommunikationsguerilla \u2013 Der Kampf geht weiter. Anstiftung zu einer subversiven kommunikativen Praxis\u201c, in: Dies. (Hrsg.), <em>Medienrandale. Rassismus und Antirassismus. Die Macht der Medien und die Ohnmacht der Linken?<\/em>, Grafenau, S. 143-161.<\/p>\n<p>autonome a.f.r.i.k.a.-gruppe\/Blissett, Luther\/Br\u00fcnzels, Sonja (2001), <em>Handbuch der Kommunikationsguerilla<\/em>, Berlin\/Hamburg\/G\u00f6ttingen.<\/p>\n<p>Bangs, Lester (2008), <em>Psychotische Reaktionen und hei\u00dfe Luft: Rock\u2019n\u2019Roll als Literatur und Literatur als Rock\u2019n\u2019Roll<\/em>, Berlin.<\/p>\n<p>Barthes, Roland (1964), <em>Mythen des Alltags<\/em>, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Ba\u00dfler, Moritz (2002), <em>Der deutsche Pop-Roman. Die neuen Archivisten<\/em>, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Bataille, George (1977), <em>Das obsz\u00f6ne Werk<\/em>, Reinbek.<\/p>\n<p>Behrens, Roger (1996), <em>Pop Kultur Industrie. Zur Philosophie der popul\u00e4ren Musik<\/em>, Wu\u0308rzburg.<\/p>\n<p>Behrens, Roger (1998), <em>Ton Klang Gewalt. Texte zu Musik, Gesellschaft und Subkultur<\/em>, Mainz.<\/p>\n<p>Behrens, Roger (2003), <em>Die Diktatur der Angepassten. Texte zur kritischen Theorie der Popkultur<\/em>, Bielefeld.<\/p>\n<p>Becker, Tobias (2011), \u201eDas Prinzip Hegemann. Drei neue Wunderkind-Romane im Test\u201c, in: <em>Der Spiegel<\/em> (v. 28.02.2011), S. 22-26.<\/p>\n<p>Beyer, Marcel (1995), \u201eThe Audible Generation. Akustische Wechselwirkungen bei William S. Burroughs\u201c, in: Ders.\/Andreas Kramer (Hrsg.), <em>William S. Burroughs<\/em>, Eggingen, S. 173-193.<\/p>\n<p>Brecht, Bertolt (1997): \u201eDer Rundfunk als Kommunikationsapparat. Rede \u00fcber die Funktion des Radios (1932)\u201c, in: Ders., <em>Ausgew\u00e4hlte Werke in sechs B\u00e4nden<\/em>, Bd. 6: Schriften 1920-1956, Frankfurt\/M., S. 146-151.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1980), <em>Standphotos. Gedichte 1962-1970<\/em>, Reinbek.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1983), \u201eDer Film in Worten\u201c, in: Ders.\/ Ralf-Rainer Rygulla (Hrsg.), <em>ACID. <\/em><em>Neue amerikanische Szene<\/em>, Reinbek, S. 381-399.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1984), \u201eAnmerkungen zu meinem Gedicht ,Vanille\u2019\u201c, in: J\u00f6rg Schr\u00f6der (Hrsg.), <em>Mammut. M\u00e4rz-Texte 1 und 2, 1969 -1984, <\/em>Herbststein, S. 141-144.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1987), <em>Erkundungen f\u00fcr die Pr\u00e4zisierung des <span style=\"text-decoration: underline\">Gef\u00fchls <\/span>f\u00fcr einen Aufstand<\/em>, Reinbek.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1988), <em>Schnitte<\/em>, Reinbek.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1994), \u201eAngriff aufs Monopol. Ich hasse alte Dichter (1968)\u201c, in: Uwe Wittstock (Hrsg.), <em>Roman oder Leben? Postmoderne in der deutschen Literatur<\/em>, Leipzig, S. 65-77.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1997), <em>Rom, Blicke<\/em>, Reinbek.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1999a), <em>Westw\u00e4rts 1 &amp; 2. Gedichte<\/em>, Reinbek.<\/p>\n<p>Brinkmann, Rolf Dieter (1999b), <em>Briefe an Hartmut 1974-1975<\/em>, Reinbek.<\/p>\n<p>Br\u00f6ker, Frank (2007), \u201eEin unbedingtes Verbrechen. Fehlfarben, ,Monarchie und Alltag\u2019 (1980)\u201c, in: Sky Nonhoff, <em>Don\u2019t Believe the Hype! Die meist\u00fcbersch\u00e4tzten Platten der Popgeschichte<\/em>, Frankfurt\/M., S. 146-148.<\/p>\n<p>Burgess, Anthony (1962),<em> The Clockwork Orange<\/em>, Essex.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1959),<em> Naked Lunch<\/em>, Paris.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1961),<em> The Soft Machine<\/em>, Paris.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1962),<em> The Ticket That Exploded<\/em>, Paris.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1964),<em> Nova Express<\/em>, New York.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1978a), \u201eThe Cut-up Method of Brion Gysin\u201c, in: Ders.\/Brion Gysin, <em>The Third Mind<\/em>, New York, S. 29-33.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1983), \u201eDie unsichtbare Generation\u201c, in: Rolf-Dieter Brinkmann\/Ralf-Rainer Rygulla (Hrsg.) (1983), <em>Acid. Neue amerikanische Szene<\/em>, Reinbek, S. 166-174.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1985), \u201eLes Voleurs\u201c, in: Ders., <em>The Adding Machine. <\/em><em>Collected Essays<\/em>, London, S. 19-21.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1993), \u201eDie Zerschneide-Methode\u201c, in: Utz Riese (Hrsg.), <em>Falsche Dokumente. Postmoderne Texte aus den USA<\/em>, Leipzig, S. 84-87.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (1994), <em>Die elektronische Revolution<\/em>, Bonn.<\/p>\n<p>Burroughs, William S. (2004), \u201eDie Zukunft des Romans\u201c, in: M\u00e4rz Verlag (Hrsg.), <em>M\u00e4rz Texte 1 \/ Trivialmythen<\/em>, Augsburg, S. 147-149.<\/p>\n<p>Burroughs, William S.\/Beils, Sinclair\/Gysin, Boris\/Corso, Gregory (1960), <em>Minutes to Go<\/em>, Paris.<\/p>\n<p>Cramer, Florian (2002), \u201eDie Sprache, ein Virus?\u201c, unter:http:\/\/www.digitalcraft.org\/index.php?artikel_id=280 [zuletzt aufgerufen am 03.03.2011].<\/p>\n<p>Degler, Frank\/Paulokat (2008), <em>Neue Deutsche Popliteratur<\/em>, Paderborn.<\/p>\n<p>Deleuze, Gilles (1992b), <em>Foucault<\/em>, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Deleuze, Gilles\/Guattari, F\u00e9lix (1976), <em>Kafka. F\u00fcr eine kleine Literatur<\/em>, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Dolar, Mladen (2007), <em>His Master\u2019s Voice: Eine Theorie der Stimme<\/em>, Frankfurt\/M.<\/p>\n<p>Epping-J\u00e4ger, Cornelia\/Linz, Erika (Hrsg.) 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Charts, Listen und andere Kanonisierungen in der popul\u00e4ren Musik<\/em>, Bielefeld.<\/p>\n<p>Hilkens, Myrthe (2010), <em>McSex: Die Pornofizierung unserer Gesellschaft<\/em>, Berlin.<\/p>\n<p>Hofmannsthal, Hugo von (1957), \u201eEin Brief\u201c, in: Ders. <em>Ausgew\u00e4hlte Werke in zwei B\u00e4nden, Bd. II: Erz\u00e4hlungen und Aufs\u00e4tze<\/em>, Frankfurt\/M., S. 337-348.<\/p>\n<p>Horaz (1986), <em>Ars Poetica. Die Dichtkunst<\/em>, Ditzingen.<\/p>\n<p>Institut f\u00fcr Neue Musik und Musikerziehung in Darmstadt (Hrsg.) (2003), <em>Stimme. Stimme \u2013 (Kon)Texte. Stimme \u2013 Sprache \u2013 Klang. Stimme der Kulturen. Stimme und Medien. 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Eine problemgeschichtliche Darstellung der deutschsprachigen Literatur von H\u00f6lderlin bis Thomas Bernhard<\/em>, Stuttgart.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Positionen der 1960er und beginnenden 1970er Jahre<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[85428],"tags":[251,1365,1445,1794,1830,1837,1902,2028,2292,2542],"class_list":["post-1412","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufsaetze","tag-aufsatz","tag-leslie-fiedler","tag-marcus-s-kleiner","tag-poetik","tag-pop-literatur","tag-pop-zeitschrift-2","tag-programmatik","tag-rolf-dieter-brinkmann","tag-teil-zwei","tag-williem-s-burrroughs"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1412","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1412"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1412\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1412"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1412"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1412"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}