{"id":1547,"date":"2013-04-02T22:04:29","date_gmt":"2013-04-02T20:04:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1547"},"modified":"2013-04-02T22:04:29","modified_gmt":"2013-04-02T20:04:29","slug":"bequemer-populismusvon-thomas-hecken2-4-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/04\/02\/bequemer-populismusvon-thomas-hecken2-4-2013\/","title":{"rendered":"Bequemer Populismus?von Thomas Hecken2.4.2013"},"content":{"rendered":"<p>In den n\u00e4chsten Monaten und Jahren wird man noch h\u00e4ufig vom \u203aPopulismus\u2039 h\u00f6ren. Es ist nicht schwer, den wachsenden Erfolg der EU-kritischen Parteien vorherzusagen. <!--more mehr-->Den bislang oppositionellen Parteien jener EU-L\u00e4nder, die durch die auferlegten Sparma\u00dfnahmen in die Rezession gef\u00fchrt werden, k\u00f6nnen deutsche Politiker und Kommentatoren dann immer wieder das Etikett anhaften.<\/p>\n<p>Im deutschen Wahlkampf wird der Begriff keine allzu wichtige Rolle spielen. Die vier Parteien, die am Ende in der ein oder anderen Konstellation miteinander koalieren werden, um die Regierung zu stellen, liegen einfach zu nah beieinander mit ihren Vorstellungen. Dennoch wird das Wort im Wahlkampf regelm\u00e4\u00dfig zum Einsatz kommen. Gebraucht wird es durchweg mit abwertendem Zungenschlag. \u203aPopul\u00e4r\u2039 klingt hingegen f\u00fcr die allermeisten nach wie vor positiv, das Wort bleibt f\u00fcr die eigenen Leute reserviert (\u203aein sehr popul\u00e4rer Minister\u2039). Ab und zu versucht man aus Reihen des Gegners, das zu durchkreuzen, indem man von einem \u203aPopstar\u2039 spricht. \u203aPop\u2039 ist in Deutschland ebenfalls unver\u00e4ndert negativ besetzt, gilt als unseri\u00f6s, leichtfertig (Westerwelle!). Mit \u203aPopulismus\u2039 kann es jedoch nicht ansatzweise konkurrieren.<\/p>\n<p>\u203aPopulismus\u2039 bedeutet stets: a) die gegnerische Partei macht ein attraktives, aber unseri\u00f6ses Angebot, auf das gr\u00f6\u00dfere Teile der W\u00e4hler\/der Bev\u00f6lkerung (leider) meist hereinfallen; b) sie appelliert an Vorurteile, die (leider) in beachtlichem Ausma\u00df vorhanden sind.<\/p>\n<p>Faszinierend ist diese Wertungsweise unter Demokraten, weil bekannterma\u00dfen nach ihrer ernstesten Auffassung in der demokratischen Staatsform alle Macht vom Volke ausgeht \u2013 und in \u203apopulistisch\u2039 steckt nun einmal voll umf\u00e4nglich das Volk, \u203apopulus\u2039, daran kann auch das \u203aistisch\u2039 nichts \u00e4ndern. Die abgeleitete Vokabel stellt demnach den unter dem Deckmantel des Lateinischen erfolgreich durchgef\u00fchrten Versuch dar, im Volk wieder das \u203aniedere Volk\u2039 auszumachen und gegen es die Herrschaft der (vern\u00fcnftigen) Elite zu reklamieren.<\/p>\n<p>Auf Deutsch k\u00f6nnte man das momentan nicht mehr freim\u00fctig \u00e4u\u00dfern, ohne sich ins undemokratische, gar verfassungsfeindliche Abseits zu stellen, mit dem Fremdwort ist es aber unbefangen m\u00f6glich. In Deutschland ist das Populismus-Argument zudem beliebt, weil eine Mehrheit der W\u00e4hler, entgegen dem, was man ihnen nachsagt, f\u00fcr Bequemlichkeit nicht zu haben ist. Die abwertende Behauptung, bei den Ank\u00fcndigungen anderer Politiker handele es sich um \u203apopulistische Versprechungen\u2039, um \u203aWahlkampfgeschenke\u2039, leuchtet ihnen gleich ein. Das Leben muss hart sein und\/aber gerecht, materielle Verbesserungen einfach so f\u00fcr gr\u00f6\u00dfere Bev\u00f6lkerungsgruppen, das kann nur b\u00f6se enden und ein Schwindel sein. Die Millionen und Milliarden sind eben besser aufgehoben bei den Stars und anderen Reichen, die man in \u00bbBild\u00ab, \u00bbexklusiv\u00ab und \u00bbSpiegel\u00ab brav bewundert oder neidvoll bestaunt.<\/p>\n<p>Populistische Bewegungen im engeren Sinne (mehr dazu in unserer <a title=\"zeitschriftenschau pop-zeitschrift maerz\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/04\/02\/kleine-artikelrevue-marzvon-thomas-hecken2-4-2013\/\" target=\"_blank\">Zeitschriftenschau dieses Monats<\/a>), die eine beachtliche geschichtliche Tradition seit der amerikanischen Populist Party vom Ende des 19. Jahrhunderts aufweisen, sehen das interessanterweise genauso. Ihre tiefe Abneigung richtet sich gegen die f\u00fcr sie undurchsichtigen Konzerne und B\u00fcrokratien, gegen die Intellektuellen und akademischen Eliten, nicht aber gegen die charismatischen Stars und faszinierenden Entrepreneure. Ihnen versprechen sie, sich immer redlich zu bem\u00fchen und sich anzustrengen, wenn nur Ehrlichkeit und Flei\u00df endlich wieder belohnt werden. Bequem ist dieser Populismus nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cAktuelle Popmusikst\u00fccke \u2013 eine Auswahl&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Mascha Jacobs&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;24.2.2013&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=1337&amp;action=edit\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den n\u00e4chsten Monaten und Jahren wird man noch h\u00e4ufig vom \u203aPopulismus\u2039 h\u00f6ren. 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