{"id":1639,"date":"2013-04-14T09:41:30","date_gmt":"2013-04-14T07:41:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1639"},"modified":"2013-04-14T09:41:30","modified_gmt":"2013-04-14T07:41:30","slug":"rezensionsessay-zu-artikeln-und-buchern-zum-thema-hipness-und-hipsterteil-3-hep-jive-bebopvon-thomas-hecken14-4-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/04\/14\/rezensionsessay-zu-artikeln-und-buchern-zum-thema-hipness-und-hipsterteil-3-hep-jive-bebopvon-thomas-hecken14-4-2013\/","title":{"rendered":"Rezensionsessay zu Artikeln und B\u00fcchern zum Thema \u203aHipness\u2039 und \u203aHipster\u2039Teil 3: Hep, Jive, Bebopvon Thomas Hecken14.4.2013"},"content":{"rendered":"<p>Jazz-Herkunft<!--more--><\/p>\n<p>Den heutigen \u2013 selbsternannten oder von anderen aufgerufenen \u2013 Hipstern ist die Jazz-Herkunft des Ph\u00e4nomens kaum noch oder gar nicht mehr bekannt. Allenfalls h\u00f6rt man etwas Vages zu Miles Davis, mit Verweis auf Fotos von ihm, auf denen er k\u00fchl und elegant aussieht. Das trifft die Sache aber bestenfalls zur H\u00e4lfte.<\/p>\n<p>Verwunderlich ist der Angang jedoch nicht. Wie wir in Teil 2 dieses Rezensionsessays (\u00bb<a title=\"hipster-essay teil 2\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/01\/20\/rezensionsessay-zu-artikeln-und-buchern-zum-thema-hipness-und-hipsterteil-2-zur-kritik-der-kappentragervon-thomas-hecken20-1-2013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur Kritik der Kappentr\u00e4ger<\/a>\u00ab) gesehen haben, lebt die heutige Hipster-Bestimmung vornehmlich von der Schilderung eines bestimmten Looks und gewisser Konsumvorlieben: trucker hats, PBR, \u00bbVice\u00ab, Unterhemden, skinny jeans, Polaroid- und Pastiche-\u00c4sthetik, Johnny Cash\/Rick Rubin, gro\u00dfe Brillen mit schwarzem Gestell, ironisch getragene T-Shirts etc. Deshalb m\u00fcsste es einen nicht erstaunen, wenn von der Hipster-Tradition blo\u00df ein Bild \u00fcbrig geblieben sein sollte.<\/p>\n<p>Andererseits ging aus der Bl\u00fctenlese zu Hipster-Artikeln und -B\u00fcchern in Teil 1 dieser Rezensionsserie (\u00bb<a title=\"hipster-essay teil 1 \" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2012\/11\/24\/rezensionsessay-zu-artikeln-und-buchern-thema-hipness-und-hipsterteil-1-vermischte-nachrichten-und-todesanzeigenvon-thomas-hecken24-11-2012\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vermischte Nachrichten und Todesanzeigen<\/a>\u00ab) hervor, dass es eine ganze Reihe an Leuten gibt, denen die coole Attit\u00fcde und die Distinktionspraxis des Hipsters missfallen, sei es, weil sie sich eingesch\u00fcchtert f\u00fchlen, sei es, weil sie darin ein undemokratisches Gebaren und die Logik des modernen, auf Abweichungen, nicht auf Massenkonformismus beruhenden Konsums erblicken.<\/p>\n<p>Besonders scharf wird letztere Kritik von den Herausgebern der Zeitschrift \u00bbn+1\u00ab betrieben. Die Kritik am postmodernen Konsumismus geht bei ihnen zusammen mit der Kritik an der Formierung eines erneuerten wei\u00dfen Chauvinismus, den sie dem New Yorker Hipstertum der 1990er Jahre attestieren (dazu wiederum ausf\u00fchrlich \u00bb<a title=\"hipster-essay teil 2\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/01\/20\/rezensionsessay-zu-artikeln-und-buchern-zum-thema-hipness-und-hipsterteil-2-zur-kritik-der-kappentragervon-thomas-hecken20-1-2013\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur Kritik der Kappentr\u00e4ger<\/a>\u00ab). Darum liegt die R\u00fcckbesinnung auf die Wurzeln der Hipness im afroamerikanischen Jazz \u2013 \u00fcber den Blick auf einigerma\u00dfen bekannte Miles-Davis-Plattencover der 1950er Jahre hinaus \u2013 doch nahe.<\/p>\n<p>Au\u00dfer einer erneuten Lekt\u00fcre von Anatole Broyards 1948 geschriebenem Essay \u00bbA Portrait of the Hipster\u00ab, der auf die Bebop-Szene verweist, unternehmen die New Yorker jedoch keine Anstrengungen, der Jazz-Spur zu folgen. Mehr M\u00fche macht sich in der deutschen \u00dcbersetzung des Bandes der Feuilletonist Jens-Christian Rabe, der allerdings nur Bruchst\u00fccke aus anderen B\u00fcchern zusammentr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Dies w\u00e4re nicht unbedingt ein Problem, leider sind aber die meisten B\u00fccher und Aufs\u00e4tze, die es bislang zum Jazz-Hipster gibt, nicht so beschaffen, dass man sich auf sie st\u00fctzen k\u00f6nnte:<\/p>\n<p>\u2013 Das Buch \u00bbThe Hip\u00ab von Roy Carr, Brian Case und Fred Dellar ist kaum mehr als eine Sammlung einiger Schilderungen und Geschmacksurteile der Autoren zu Jazzmusikern, die sie gut finden; als historische Aufkl\u00e4rung ist es unbrauchbar; nicht einmal die Portr\u00e4ts der Musiker sind sonderlich gut.<\/p>\n<p>\u2013 Der Essay \u00bbDer Typ und der Anti-Typ\u00ab des fr\u00fcheren deutschen Jazz-\u00bbPapstes\u00ab Joachim-Ernst Berendt nimmt eine Gegen\u00fcberstellung von \u203ahip\u2039 und \u203asquare\u2039 vor, die gar nicht gro\u00df kaschiert, dass sie ungeschichtlich ansetzt, selbst wenn st\u00e4ndig von \u00bbJazzleuten\u00ab die Rede ist. Auf der einen Seite ergeht Berendt sich darin, seine irrationalen Vorlieben mit dem \u203ahip\u2039-Attribut zu adeln, indem er Hipness als undefinierbare, nicht auf den Begriff zu bringende, freiheitliche Qualit\u00e4t feiert, auf der anderen Seite liefert er Antithesen, die n\u00e4rrischer und zwanghafter nicht sein k\u00f6nnten: \u00bbGoethe war eine Art Ur-Hipster, Schiller ein Ur-Square\u00ab.<\/p>\n<p>\u2013 Selbst das gro\u00df angelegte Buch von John Leland \u00bbHip: The History\u00ab liefert nicht recht das, was sein Titel verspricht. Leland bietet zwar in seiner gut geschriebenen und intellektuell mitunter ansprechenden Monografie viele interessante Einsch\u00e4tzungen und Hinweise, um eine vollkommen befriedigende Historie handelt es sich aus verschiedenen Gr\u00fcnden jedoch nicht: a) das Buch setzt zu weit an, es geht von Thoreaus Walden bis nach Williamsburg, darum fallen zu allen Stationen zu wenige Seiten an; b) Leland geht von einem stark ausgedehnten Hip-Begriff aus, der es ihm erm\u00f6glicht, alle m\u00f6glichen Leute von Dashiell Hammett bis Sonic Youth im Buch unterzubringen, darum verwischen die Konturen; c) der Hauptfehler: Leland macht nie konsequent deutlich, wann und mit welcher Bedeutung der Hip-Begriff von den geschichtlichen Akteuren selbst verwendet oder auf sie angewandt wurde, darum ger\u00e4t seine \u00bbHistory\u00ab oftmals ungeschichtlich \u2013 es handelt sich in erster Linie um eine weit ausgreifende Betrachtung verschiedenster Ph\u00e4nomene, die von Lelands eigener Hip-Auffassung bestimmt ist.<\/p>\n<p>Gerade im Jazz-Bereich aber w\u00e4re eine materialreiche, pr\u00e4zise dokumentierte Arbeit wichtig gewesen, weil diese Epoche von einiger Bedeutung, aber bislang wenig erforscht ist. Es gibt zwar eine F\u00fclle an B\u00fcchern zu Stilen und wichtigen Musikern, kulturgeschichtlich bleiben diese aber f\u00fcr unser Thema \u2013 soweit ich das \u00fcberblicke \u2013 unergiebig. \u00dcberhaupt nicht klar ist mir z.B., wann man in den USA angefangen hat, Verhaltensweisen, Stile, Musiker mit \u203ahep\u2039 und dann mit \u203ahip\u2039 zu bezeichnen. Schon in den 1920er Jahren, erst ab Mitte der 30er Jahre? Die bisherigen Beitr\u00e4ger haben sich nicht einmal die M\u00fche gemacht, wichtige Tageszeitungen, Illustrierte und Jazz-Zeitschriften durchzuschauen, obwohl sie in amerikanischen Bibliotheken einfach zu studieren sein sollten.<\/p>\n<p>Im Netz stehen immerhin Ausschnitte aus Dan Burleys \u00bb<a title=\"handbook jive\" href=\"http:\/\/www.brooklynrail.org\/2008\/12\/express\/dan-burleys-original-handbook-of-harlem-jive-1944\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Original Handbook of Harlem Jive<\/a>\u00ab (1944) und vollst\u00e4ndig Cab Calloways kleines W\u00f6rterbuch zur Hip-Sprache, das er 1938 seinem Song \u00bbHepster\u2019s Dictionary\u00ab beigegeben hat. (Ein Filmausschnitt aus dem Jahr 1945 mit dem Song <a title=\"filmausschnitt calloway\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=PuLk-xoAbuA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.)<\/p>\n<p>Calloway notierte sechs Jahre sp\u00e4ter, dass die Worte unter Musikern und Entertainern in Harlem gebr\u00e4uchlich (gewesen) seien. Um einen raschen Eindruck zu Umfang und Machart des Wortschatzes zu geben, im Folgenden die Eintr\u00e4ge aus dem <a title=\"hepster's dictionary\" href=\"http:\/\/www.dinosaurgardens.com\/wp-content\/uploads\/2007\/12\/hepsters.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hip-W\u00f6rterbuch<\/a> zum Buchstaben H:<\/p>\n<p>Hard (adj.): fine, good. Ex., \u00bbThat\u2019s a hard tie you\u2019re wearing.\u00ab<\/p>\n<p>Hard spiel (n.): interesting line of talk.<\/p>\n<p>Have a ball (v.): to enjoy yourself, stage a celebration. Ex., \u00bbI had myself a ball last night.\u00ab<\/p>\n<p>Hep cat (n.): a guy who knows all the answers, understands jive.<\/p>\n<p>Hide-beater (n.): a drummer (see skin-beater).<\/p>\n<p>Hincty (adj.): conceited, snooty.<\/p>\n<p>Hip (adj.): wise, sophisticated, anyone with boots on. Ex., \u00bbShe\u2019s a hip chick.\u00ab<\/p>\n<p>Home-cooking (n.): something very dinner (see fine dinner).<\/p>\n<p>Hot (adj.): musically torrid; before swing, tunes were hot or bands were hot.<\/p>\n<p>Hype (n, v.): build up for a loan, wooing a girl, persuasive talk.<\/p>\n<p>Erhalten bleibt davon in der Bebop-Phase Mitte der 40er Jahre der Gestus und die Behauptung \u00fcberlegenen, nicht allen zug\u00e4nglichen Stils, nun manchmal mit einem modernistischen, intellektuellen Zug versehen (vgl. zur Bebop-Rezeption das ausgezeichnete Kapitel in Bernard Gendrons \u00bbPopular Music and the Avant-Garde\u00ab). Es gibt aber, wenn ich recht sehe (es fehlt wie gesagt noch eine fundierte Studie dazu, meine Anmerkungen besitzen lediglich kursorischen, improvisierenden Charakter), nur eine Schrift, die ein experimentelles Programm im Sinne k\u00fcnstlerischer Moderne (Abstraktion, Distanz, Unabgeschlossenheit, Fragment, Komplexit\u00e4t, Entpragmatisierung) mit der Figur des Hipsters verbindet. Es handelt sich um den bereits erw\u00e4hnten Essay von Anatole Broyard (er steht auch komplett im <a title=\"broyard hipster\" href=\"http:\/\/karakorak.blogspot.de\/2010\/11\/portrait-of-hipster-by-anatole-broyard.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Netz<\/a>). Zum Bebop schreibt Broyard:<\/p>\n<p>\u00bbThat which you heard in bebop was always <em>something else, not<\/em> the thing you expected; it was always negatively derived, abstraction <em>from<\/em>, not <em>to<\/em>. [&#8230;] The remarkable run-on quality of bebop solos suggested the infinite resources of the hipster, who could improvise indefinitely, whose inventions knew no end, who was, in fact, omniscient. [&#8230;] Bebop\u2019s style seemed to consist, to a great extent, in <em>evading<\/em> tension, in connecting, by extreme dexterity, each phrase with another, so that nothing remained, everything was lost in a shuffle of decapitated cadences. [&#8230;] The \u00e9lan of jazz was weeded out of bebop because all enthusiasm was naive, nowhere, too simple. Bebop was the hipster\u2019s seven types of ambiguity, his Laoco\u00f6n\u00ab (1948: 724f.).<\/p>\n<p>So bleiben die modernen Kriterien von Leuten wie Clement Greenberg oder Theodor W. Adorno zumindest teilweise bewahrt, allerdings auf Gegenst\u00e4nde bezogen, die in deren Sicht nicht in den Kanon der Moderne hineingeh\u00f6ren. Versch\u00e4rft wird der Widerspruch durch lebensweltliche \u00dcberformungen des neuen Jazz, die es schwerer m\u00f6glich machen, ihn auf \u00e4sthetisch reine Weise wahrzunehmen, wie es moderne Puristen gerne h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die Hipster hingegen sch\u00e4tzen gerade modische Auspr\u00e4gung und konsequente Lebenshaltung der Bop-Musiker, die in den Augen der strengeren asketischen Kritiker das musikalische Werk noch einmal auf besonders sichtbare Weise als wertlos erweisen. Besondere Sprechweisen, Ticks, bohemehafte Selbststilisierungen bieten den zumeist j\u00fcngeren Anh\u00e4ngern umgekehrt gen\u00fcgend avantgardistischen Reiz, um den gew\u00fcnschten Zusammenhang von Kunst und Leben innerhalb einer Szene, im Rahmen eines alternativen Lebensstils herzustellen. Weit \u00fcber die wattierten Schultern der \u203azoot suits\u2039 (zu diesen und den \u203azoot suit riots\u2039 1943 steht der sehr gute Aufsatz des fr\u00fcheren NME-Autors Stuart Cosgrove aus dem \u00bbHistory Workshop Journal\u00ab frei verf\u00fcgbar im Netz: \u00bb<a title=\"cosgrove zoot\" href=\"http:\/\/invention.smithsonian.org\/centerpieces\/whole_cloth\/u7sf\/u7materials\/cosgrove.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">The Zoot-Suit and Style Warfare<\/a>\u00ab) hinaus hat wiederum Anatole Broyard in makelloser Form den Stil des Hipsters fixiert,:<\/p>\n<p>\u00bbHe affected a white streak, made with powder, in his hair. This was the outer sign of a significant, prophetic mutation. And he always wore dark glasses, because normal light offended his eyes. He was an underground man, requiring especial adjustment to ordinary conditions [&#8230;] Jive Music and tea [marihuana] were the two most important components of the hipster\u2019s life. Music was not, as has often been supposed, a stimulus to dancing. For the hipster rarely danced; he was beyond the reach of stimuli. If he did dance, it was half parody \u2013 \u203asecond removism\u2039 \u2013 and he danced only to the off-beat, in a morganatic one or two ratio with the music.\u00ab (1948: 723)<\/p>\n<p>Die Reserve gegen\u00fcber Reizen, \u203astimuli\u2039, die coole, verfremdete Attit\u00fcde hindert jedoch nicht, sich eine gro\u00dfe Zahl an Reizen k\u00fcnstlich zuzuf\u00fchren. Wie nerv\u00f6se Dandys der Dekadenz ein gutes halbes Jahrhundert zuvor, so auch der Hipster; auf einer anderen Stufe helfen Drogen bei der tr\u00e4umerischen \u00dcberlagerung der Au\u00dfenwahrnehmung. Broyard weist sehr sch\u00f6n darauf hin, dass der Hipster die fehlenden M\u00f6glichkeiten, auf die Au\u00dfenwelt pragmatisch einzuwirken, durch eine Dramatisierung des eigenen Auftritts ersetzt, um manchmal sogar das Rollenbild des Au\u00dfenstehenden mit krimineller Wirklichkeit aufzuladen bzw. zu verwechseln. Au\u00dferhalb der Reichweite von Stimuli befindet sich der Hipster demnach nicht, ihm fehlen vielmehr die Mittel, die Umwelt so zu manipulieren, dass sie ihm die gew\u00fcnschten Sensationen bietet:<\/p>\n<p>\u00bbHis next step was to abstract himself in action. <em>Tea<\/em> made this possible. Tea (marihuana) and other drugs supplied the hipster with an indispensable outlet. His situation was too extreme, too tense, to be satisfied with mere fantasy or animistic domination of the environment. Tea provided him with a free world to expatiate in. It had the same function as trance in Bali, where the unbearable flatness and de-emotionalization of \u203awaking\u2039 life is compensated for by trance ecstasy. The hipster\u2019s life, like the Balinese\u2019s became schizoid; whenever possible, he escaped into the richer world of tea, where, for the helpless and humiliating image of a beetle on its back, he could substitute one of himself floating or flying, \u203ahigh\u2039 in spirits, dreamily dissociated, in contrast to the ceaseless pressure exerted on him in real life. Getting high was a form of artificially induced dream catharsis. [&#8230;] Sometimes he took his own solipsism too seriously and slipped into criminal assertions of his will. Unconsciously, he still wanted terribly to take part in the cause and effect that determined the real world. Because he had not been allowed to conceive of himself functionally or socially, he had conceived himself <em>dramatically<\/em>, and taken in by his own art, he often enacted it in actual defiance, self-assertion, impulse, or crime.\u00ab (Ebd.: 725f.)<\/p>\n<p>Ein Leserbrief in der Kultur\/Theorie-Zeitschrift \u00bbPartisan Review\u00ab, in der Broyards Beitrag 1948 erschienen ist, moniert, dass Broyard nicht auf den Enthusiasmus hinweise, der bei den\u00a0 Bebop-Konzerten vorherrsche (Miles Templar, 1948). Das ist aber wohl nicht der Punkt, schlie\u00dflich ist nicht jeder Bebop-H\u00f6rer ein Hipster. Bedeutsamer scheint mir zu sein, dass Broyards hochinteressante Typologie stark von den R\u00fcckblicken einiger f\u00fchrender Musiker der Zeit abweicht. Dies l\u00e4sst sich wohl nur als Indiz lesen, in welch starkem Ma\u00dfe Broyard den Hipster intellektuell und \u00e4sthetisch stilisiert.<\/p>\n<p>In Art Peppers Autobiografie hei\u00dft es hingegen lediglich knapp, wenn auch sehr anerkennend: \u00bbLee [Young] looked like the typical black musician of the \u201940s, the hep black man with the processed hair. He was light complected, very sharp, with diamond rings; he wore his clothes well; and he was a cat you\u2019d figure could conduct himself in any situation\u00ab (\u00bbStraight Life\u00ab, S. 44).<\/p>\n<p>Und Miles Davis sagt immer \u203ahip\u2039, wenn es darum geht, Leute auszuzeichnen, die avancierte Musik spielen, mindestens genauso oft aber, um modisch gekleidete Musiker herauszuheben. F\u00fcr unseren Bebop-Zusammenhang die schlagendste Szene, als der junge Miles sich noch in Sachen Hipness zurechtweisen lassen muss: \u00bbDexter [Gordon] used to be super hip and dapper, with those big-shouldered suits everybody was wearing in those days [1948]. I was wearing my three-piece Brooks Brothers suits that I thought were super hip, too. You know, that St. Louis style shit. Niggers from St. Louis had the reputation for being sharp as tack when it comes to clothes. So couldn\u2019t nobody tell me nothing.<\/p>\n<p>But Dexter didn\u2019t think my dress style was all that hip. So he used to always tell me, \u203aJim\u2039 (\u203aJim\u2039 was an expression a lot of musicians used back then), \u203ayou can\u2019t hang with us looking and dressing like that. [\u2026] I can\u2019t be seen with nobody wearing no square shit like you be wearing. And you playing in Bird\u2019s [Charlie Parkers] band? The hippest band in the world? Man, you oughta know better.\u2039\u00ab (\u00bbMiles\u00ab, S. 110f.) Tats\u00e4chlich kauft sich Davis am Ende denselben ausgepolsterten Anzug, den auch Gordon tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>[In der n\u00e4chsten Folge: \u00bbWhite Negroes\u00ab, wei\u00dfe Hipster?]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Joachim-Ernst Berendt, Der Typ und der Anti-Typ: Asterix und Ajax, in: ders., Ein Fenster aus Jazz. Essays. Portraits, Reflexionen, Frankfurt am Main 1977, S. 263-277<\/p>\n<p>Anatole Broyard, A Portrait of the Hipster. in: \u00bbPartisan Review\u00ab, Jg. 15, H. 6, 1948, S. 721-727.<\/p>\n<p>Roy Carr\/Brian Case\/Fred Dellar, The Hip, London 1986.<\/p>\n<p>Bernard Gendron, Popular Music and the Avant-Garde. Between Montmartre and the Mudd Club, Chicago und London 2002.<\/p>\n<p>Miles Davis (mit Quincy Troupe), Miles, New York 1989.<\/p>\n<p>Mark Greif, Epitaph for the White Hipster, in: ders.\/Kathleen Ross\/Dayna Tortorici (Hg.), What Was the Hipster? A Sociological Investigation, New York 2010, S. 136-167.<\/p>\n<p>John Leland, Hip. The History, New York 2004.<\/p>\n<p>Art und Laurie Pepper, Straight Life. The Story of Art Pepper, New York 1979.<\/p>\n<p>Jens-Christian Rabe, Gegenw\u00e4rtigkeit als Phantasma. \u00dcber den Hass auf den Hipster, in: Mark Greif\/Kathleen Ross\/Dayna Tortorici\/Heinrich Geiselberger (Hg.), Hipster. Eine transatlantische Diskussion, Berlin 2012, S. 188-203.<\/p>\n<p>Miles Templar, [Communication: The Hipster], in: \u00bbPartisan Review\u00ab, Jg. 15, H. 9, 1948, S. 1053-1055.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cRezensionsessay zu Artikeln und B\u00fcchern zum Thema \u203aHipness\u2039 und \u203aHipster\u2039&lt;br \/&gt;Teil 2: Zur Kritik der Kappentr\u00e4ger&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Thomas Hecken&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;20.1.2013&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=1202&amp;action=edit\">\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jazz-Herkunft<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[171,229,302,407,540,980,1000,1121,1135,1532,1837,2599],"class_list":["post-1639","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-anatole-broyard","tag-art-pepper","tag-bebop","tag-cab-calloway","tag-dexter-gordon","tag-hep","tag-hipster","tag-jazz","tag-jive","tag-miles-davis","tag-pop-zeitschrift-2","tag-zoot-suits"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1639","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1639"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1639\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1639"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1639"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1639"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}