{"id":1688,"date":"2013-05-07T12:10:06","date_gmt":"2013-05-07T10:10:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1688"},"modified":"2013-05-07T12:10:06","modified_gmt":"2013-05-07T10:10:06","slug":"in-den-massenmedien-von-libyen-nach-syrienteil-3-nach-dem-kriegvon-thomas-hecken7-5-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/05\/07\/in-den-massenmedien-von-libyen-nach-syrienteil-3-nach-dem-kriegvon-thomas-hecken7-5-2013\/","title":{"rendered":"In den Massenmedien von Libyen nach SyrienTeil 3: Nach dem Kriegvon Thomas Hecken7.5.2013"},"content":{"rendered":"<p>Falls keine westlichen Milit\u00e4rs oder Privatpersonen Opfer weiterer Anschl\u00e4ge werden, kehrt rasch Stille in den hiesigen Massenmedien ein.<!--more mehr--> Das ist der erste Grund, weshalb man abseits der gro\u00dfen \u00d6ffentlichkeit die Ereignisse nicht ganz aus dem Auge verlieren sollte. Der zweite Grund: Mit solchen \u203asp\u00e4ten\u2039 Beitr\u00e4gen entgeht man den Mechanismen der sogenannten \u203aDebatten\u2039. Wie in <a title=\"hecken krieg teil 1\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/02\/17\/in-den-massenmedien-von-libyen-nach-syrienteil-1von-thomas-hecken17-02-2013\/\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a> dieser kleinen Artikelserie dargelegt, bin ich skeptisch, ob es sinnvoll ist, sich immer in den jeweils auf die Tagesordnung gesetzten F\u00e4llen nach den Diskussionsvorgaben der politisch und massenmedial bestimmenden Institutionen f\u00fcr oder gegen eine Intervention zu entscheiden \u2013 denn dadurch entgeht einem zuverl\u00e4ssig der gr\u00f6\u00dfere Zusammenhang, der die Interventionsbem\u00fchungen grunds\u00e4tzlich fragw\u00fcrdig erscheinen l\u00e4sst (wieso zumindest mir das so vorkommt, habe ich in <a title=\"hecken krieg teil 2\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/03\/10\/in-den-massenmedien-von-libyen-nach-syrienteil-2von-thomas-hecken10-3-2013\/\" target=\"_blank\">Teil 2<\/a> dieser Artikelserie zu erl\u00e4utern versucht; um nicht missverstanden zu werden, sei noch hinzugef\u00fcgt, dass \u203agrunds\u00e4tzliche Fragw\u00fcrdigkeit\u2039 nicht bedeutet, dass die Frage nach einer m\u00f6glichen Intervention im Einzelfall stets negativ beantwortet werden muss).<\/p>\n<p>Wie sah nun im besonderen Fall Libyens die Interventionsbegr\u00fcndung aus? In den Debatten wurde die Ansicht vertreten, um ein Blutbad an den Aufst\u00e4ndischen in Bengasi nach dem Einnahme der Stadt durch Gaddafis Truppen zu verhindern, sei die milit\u00e4rische Intervention notwendig. Vereinzelte Interventionsgegner wiesen darauf hin, dass es sich um eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Libyens handele und der Diktator bislang keine T\u00f6tungen in gro\u00dfem Stil habe vornehmen lassen, eine m\u00f6rderische Rache, die weite Teile der abgefallenen St\u00e4dte und Regionen erfasse, also nicht zu erwarten sei. Diese Ansicht konnte sich nicht durchsetzen. In der UN-Resolution, die vor allem die gewaltsame Durchsetzung einer Flugverbotszone erlaubte, berief man sich auf die \u00bblegitimate demands of the Libyan people\u00ab. Das wichtigste ausgegebene Ziel lautete: \u00bbto protect civilians and civilian populated areas under threat of attack\u00ab. Zwischen bewaffneten Aufst\u00e4ndischen und Zivilisten machte die Resolution keinen Unterschied. Besonders gem\u00fcnzt war die Resolution auf die Stadt Bengasi, den Ausgangspunkt des gewaltsamen Aufstandes, der kurz vor seiner Niederschlagung stand.<\/p>\n<p>Wie bekannt, nutzte haupts\u00e4chlich die NATO die Resolution dazu, das grausame Ghaddafi-Regime milit\u00e4risch zu erledigen. Den Schutz der \u00bbZivilbev\u00f6lkerung\u00ab vor gewaltsamen Attacken sah man durch eine Entfesselung gewaltsamer Handlungen gew\u00e4hrleistet (auch au\u00dferhalb Bengasis). Milit\u00e4risches Eingreifen der NATO am Boden war von der Resolution ausgeschlossen, wegen der milit\u00e4rischen und logistischen Schw\u00e4che der Aufst\u00e4ndischen mussten die Flugangriffe der NATO und die Geheimdienstaktionen westlicher M\u00e4chte viele Monate in Anspruch nehmen, um die Rebellen zum Sieg zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die ganze Operation stand im Mittelpunkt andauernden massenmedialen Interesses. Mit der T\u00f6tung Gaddafis erlosch es fast schlagartig. Spekulationen \u00fcber die Art seines Todes bestimmten noch einige Tage die Schlagzeilen. Dass bis heute eine Aufkl\u00e4rung aussteht, ist aber danach nie mehr der Rede wert gewesen. Noch bezeichnender: Die Umst\u00e4nde, unter denen seine Gefolgsleute ums Leben kamen, erhielten kaum mediale Aufmerksamkeit, obwohl sie zum Teil \u00e4u\u00dferst spektakul\u00e4re Z\u00fcge trugen und gut dokumentiert waren.<\/p>\n<p>Immerhin hatte eine der f\u00fchrenden Nachrichtenagenturen, Reuters, gleich am 21.10.2011 das Ergebnis des Angriffs eines franz\u00f6sischen Bombers (\u00bbFrench aircraft\u00ab) auf den Gaddafi-Autokonvoi nahe der Stadt Sirte vermeldet: \u00bbInside some of the trucks still in their seats sat the charred skeletal remains of drivers and passengers killed instantly by the strike. Other bodies lay mutilated and contorted strewn across the grass. There were 95 bodies in all, many of them black Africans.\u00ab (\u00bb<a title=\"reuters gadaffi\" href=\"http:\/\/www.reuters.com\/article\/2011\/10\/21\/us-libya-gaddafi-finalhours-idUSTRE79K5CQ20111021\" target=\"_blank\">Gadaffi Caught like a \u203aRat\u2039 in a Drain, Humiliated and Shot<\/a>\u00ab)<\/p>\n<p>Und bereits am 24.11.2011 erschien von Human Rights Watch ein ausf\u00fchrlicher Bericht \u00fcber die Exekution von 53 Gaddafi-Mitstreitern (teilweise) aus Sirte: \u00bbAll the bodies were in a similar stage of decomposition, suggesting they were killed at the same approximate time. Some of the bodies had their hands tied behind their backs with plastic ties. Others had bandages over serious wounds, suggesting they had been treated for other injuries prior to their deaths.\u00ab (<a title=\"hrw libya\" href=\"http:\/\/www.hrw.org\/print\/news\/2011\/10\/24\/libya-apparent-execution-53-gaddafi-supporters\" target=\"_blank\">\u00bbLibya\u00ab<\/a>)<\/p>\n<p>Am 30.11. legte dieselbe Organisation einen weiteren Bericht aus einer anderen Gegend vor: \u00bbMilitias from the city of Misrata are terrorizing the displaced residents of the nearby town of Tawergha, accusing them of having committed atrocities with Gaddafi forces in Misrata, Human Rights Watch said today. The entire town of 30,000 people is abandoned \u2013 some of it ransacked and burned \u2013 and Misrata brigade commanders say the residents of Tawergha should never return. Human Rights Watch interviewed dozens of Tawerghans across the country, including 26 people in detention in and around Misrata and 35 displaced people staying in Tripoli, Heisha, and Hun. They gave credible accounts of some Misrata militias shooting unarmed Tawerghans, and of arbitrary arrests and beatings of Tawerghan detainees, in a few cases leading to death.\u00ab (\u00bb<a title=\"hrw militias\" href=\"http:\/\/www.hrw.org\/news\/2011\/10\/30\/libya-militias-terrorizing-residents-loyalist-town\" target=\"_blank\">Libya: Militias Terrorizing Residents \u203aLoyalist\u2039 Town<\/a>\u00ab)<\/p>\n<p>Die Prognose, dass es nach dem Sieg der \u00fcberlegenen milit\u00e4rischen Macht zu gr\u00f6\u00dferen, m\u00f6rderischen Racheakten kommen werde, hat sich also erf\u00fcllt, wenn auch mit Hilfe der Kr\u00e4fte, f\u00fcr die die UNO-Resolution als Schutz vorgesehen war.<\/p>\n<p>Was folgt daraus? Nichts. Die Sache ist jetzt schon graue Geschichte. Am Jahrestag von Gaddafis Tod legte Human Rights Watch seinen ersten Bericht in ausf\u00fchrlicher Fassung erneut (mit leicht korrigierten Angaben der Todeszahlen) vor (\u00bb<a title=\"hrw death\" href=\"http:\/\/www.hrw.org\/sites\/default\/files\/reports\/libya1012webwcover_0_0.pdf\" target=\"_blank\">Death of a Dictator<\/a>\u00ab), man spekulierte also schon auf jenes massenmediale Interesse, das sich nicht wie \u00fcblich mit dringenden aktuellen Ereignisse, sondern ab und zu mit Jubil\u00e4en verbindet.<\/p>\n<p>Wie sich zeigte, zu Recht. In Deutschland druckte \u00bbDer Spiegel\u00ab (Nr. 43, 2012) den Bericht auszugsweise nach \u2013 unter dem Titel \u00bbDie Rache der L\u00f6wen\u00ab (im Original hei\u00dft er \u00bbDeath of a Dictator. Bloody Vengeance in Sirte\u00ab). Wie bereits die deutsche Titelwahl klar macht, dient der Nachdruck lediglich der Befriedigung des Gewalt- und Sensationsbed\u00fcrfnisses der geneigten Leserschaft. Jede Reflexion der Ereignisse unterbleibt, jede Auskunft \u00fcber die Position der Kr\u00e4fte im heutigen Libyen, die verantwortlich f\u00fcr die Geschehnisse sind, ohnehin. Der Krieg ist ja vorbei.<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cIn den Massenmedien von Libyen nach Syrien&lt;br \/&gt;Teil 2: Vor dem Krieg&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Thomas Hecken&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;10.3.2013&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=1420&amp;action=edit\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Falls keine westlichen Milit\u00e4rs oder Privatpersonen Opfer weiterer Anschl\u00e4ge werden, kehrt rasch Stille in den hiesigen Massenmedien ein.<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[871,1034,1095,1300,1303,1370,1480,1837,2337],"class_list":["post-1688","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-ghaddafi","tag-human-rights-watch","tag-intervention","tag-krieg","tag-kriegsberichterstattung","tag-libyen","tag-massenmedien","tag-pop-zeitschrift-2","tag-thomas-hecken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1688","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1688"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1688\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1688"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1688"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1688"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}