{"id":1714,"date":"2013-05-13T09:42:20","date_gmt":"2013-05-13T07:42:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1714"},"modified":"2013-05-13T09:42:20","modified_gmt":"2013-05-13T07:42:20","slug":"ihr-habt-alle-angst-denn-ich-kann-euch-blosstellenweibliches-empowerment-und-mannliche-verunsicherung-im-gangstarapvon-malte-gosmann-und-martin-seeliger13-5-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/05\/13\/ihr-habt-alle-angst-denn-ich-kann-euch-blosstellenweibliches-empowerment-und-mannliche-verunsicherung-im-gangstarapvon-malte-gosmann-und-martin-seeliger13-5-2013\/","title":{"rendered":"\u00bbIhr habt alle Angst, denn ich kann euch blo\u00dfstellen!\u00abWeibliches Empowerment und m\u00e4nnliche Verunsicherung im Gangstarapvon Malte Go\u00dfmann und Martin Seeliger13.5.2013"},"content":{"rendered":"<p>Diskriminierung<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">1. Einleitung<\/p>\n<p>Wird ein anerkanntes Beispiel f\u00fcr die Diskriminierung von Frauen in der Kultur gesucht, bieten die Bildwelten des Gangstarap in Deutschland ein breites Repertoire. So findet sich kaum ein Feuilleton-Artikel \u00fcber Sido, Bushido oder andere Genrevertreter, in dem nicht explizit auf die misogyne Darstellungsweisen weiblicher Personen verwiesen wird, und auch wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen zum Thema teilen den Befund eines frauenverachtenden Konsenses im Gangstarap (vgl. Dietrich\/Seeliger 2012; Strick 2005).<\/p>\n<p>Dass sich Position und Bedeutung von Frauen im Gangstarap hierbei nur im Verh\u00e4ltnis zu m\u00e4nnlichen Genrevertretern herausarbeiten lassen, ergibt sich aus der allgemeinen Erkenntnis, Geschlechterordnungen als relationale Ph\u00e4nomene zu verstehen. Wie j\u00fcngere Entwicklungen zeigen, erscheint diese Geschlechterordnung bei n\u00e4herer Betrachtung allerdings keineswegs so eindeutig. In Bezug auf den Fall der Frankfurter K\u00fcnstlerin Schwesta Ewa, die einerseits als Rapperin, andererseits auch als Sexarbeiterin<a title=\"\" href=\"#_edn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> in Erscheinung tritt, sollen im Folgenden Tendenzen abgebildet werden, die dem Eindruck einer legitimen m\u00e4nnlichen Herrschaft im Feld des Gangstarap entgegenlaufen.<\/p>\n<p>Ziel des Aufsatzes ist es, zu zeigen, wie sich habituelle Unsicherheiten von Gangstarapsprechern im Umgang mit Schwesta Ewa \u00e4u\u00dfern. Zu diesem Zweck wird zun\u00e4chst einf\u00fchrend ein \u00dcberblick \u00fcber Geschlechterverh\u00e4ltnisse im Gangstarap gegeben. Ausgangspunkt sind hier die USA, wobei der Fokus auf dem deutschsprachigen Kontext liegt, um die Hintergr\u00fcnde von Schwesta Ewa n\u00e4her zu beleuchten. Im Anschluss werden drei Videobeitr\u00e4ge analysiert, die verschiedene Genrevertreter als Reaktion auf das Auftreten der Frankfurter K\u00fcnstlerin in der deutschen Rap-Szene erstellt haben. Wie auf dieser Grundlage gezeigt werden kann, stellt das Auftreten Schwesta Ewas f\u00fcr die Sprecher eine Bedrohung ihrer M\u00e4nnlichkeitskonzeption dar, welcher sie mit Bezug auf unterschiedliche Strategien der Ausgrenzung und Delegitimierung begegnen. Abschlie\u00dfend erfolgt eine Einordnung dieser Reaktionen im Kontext der in letzter Zeit mit zunehmender Intensit\u00e4t gef\u00fchrten Diskussion um eine (vermeintliche) Krise von M\u00e4nnlichkeit (vgl. Bereswill\/Neuber 2011).<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">2. Gangstarap und Geschlechterverh\u00e4ltnisse<\/p>\n<p>Rap entstand Mitte der 1970er Jahre in den USA als Teil der HipHop-Kultur (vgl. Toop 1992). Rassistisch und nach Klasse ausgegrenzte Jugendliche aus den Armutsvierteln US-amerikanischer Gro\u00dfst\u00e4dte entwickelten auf Block Parties und in Battles eigene Ausdrucksformen wie Graffiti, Breakdance, DJing und Rap. Auch wenn Rap von Beginn an m\u00e4nnlich dominiert war, entstanden dennoch schon bald vielf\u00e4ltige M\u00f6glichkeiten, sich in der neuen Subkultur zu bewegen: Beispiel hierf\u00fcr sind KRS One, der sich selbst als \u201ethe teacher\u201c bezeichnete, die das \u201eDaisy Age\u201c propagierenden De La Soul, die explizit politischen Public Enemy, die Rap als \u201edas schwarze CNN\u201c sahen, oder auch N.W.A., eine der ersten Gangstarap-Gruppen.<\/p>\n<p>Dies \u00e4nderte sich jedoch drastisch, als Anfang der 1990er Jahre Gangstarap unter wei\u00dfen Konsument_innen<a title=\"\" href=\"#_edn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> aus der Mittelschicht popul\u00e4r wurde \u2013 und damit f\u00fcr die gro\u00dfen Plattenfirmen interessant. Die US-amerikanische Kulturwissenschaftlerin Tricia Rose fasste 2010 diesen Zusammenhang zwischen steigendem kommerziellen Erfolg und sinkender Anzahl an Ausdrucksm\u00f6glichkeiten in ihrem Vortrag \u201eHip-Hop, Mass Media and Racial Storytelling in the Age of Obama\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> wie folgt zusammen:<\/p>\n<p>\u201eWhat happens in hip hop is: the more market success it has, the narrower the images and stories become. It is an extraordinary contraction of storytelling and images and ideas at the moment of its greatest market extension.\u201c<\/p>\n<p>Rose bezeichnet das Angebot an Images, das Rap Anfang der 1990er zu dominieren begann, als \u201egangsta-pimp-hoe-trinity\u201c \u2013 wobei Frauen weder \u201egangstas\u201c noch \u201epimps\u201c sein k\u00f6nnen und ihnen somit nur das negativ besetzte \u201ehoe\u201c bleibt. Die \u00dcbernahme dieser Images wurde nach Rose zunehmend zu einer Voraussetzung f\u00fcr nicht-wei\u00dfe Rapper, um von einer breiten \u00d6ffentlichkeit akzeptiert und konsumiert zu werden. Der Dokumentarfilmer Byron Hurt hat diese Ver\u00e4nderung im Rap und ihre dramatischen Folgen f\u00fcr Vorstellungen von Geschlecht eindrucksvoll in seinem preisgekr\u00f6nten Werk \u201eHip-Hop: Beyond Beats and Rhymes\u201c (2006) nachgezeichnet. Aus seinen Interviews mit Rap-Fans, Artists, Plattenfirmen und Wissenschaftler_innen kristallisiert sich nach und nach die enge Verstrickung von Gangstarap und Hypermaskulinit\u00e4t mit einer rassistischen und kapitalistischen Gesellschaft heraus.<\/p>\n<p>Seit ca. zehn Jahren erfreut sich Gangstarap auch in Deutschland starker Popularit\u00e4t. W\u00e4hrend die kulturellen Repr\u00e4sentationen des Genres einerseits als Produkte einer Entertainmentindustrie anzusehen sind, beinhalten sie \u2013 \u00e4hnlich wie ihr US-amerikanisches Vorbild \u2013 gleichzeitig zahlreiche gesellschaftliche Bez\u00fcge, die in aller Regel auf die Thematisierung sozialer Ungleichheitsverh\u00e4ltnisse abzielen. Die Thematisierung von Lebenssituationen randst\u00e4ndiger Sprecher<a title=\"\" href=\"#_edn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>, deren Marginalisierungserfahrungen sich vor allem durch ethnisch und klassenspezifisch bedingte Stigmatisierung ergeben, stellt hier einen wesentlichen Referenzpunkt dar.<\/p>\n<p>Neben der Selbstdarstellung als Rapper schlie\u00dft die Inszenierung der Genrevertreter h\u00e4ufig auch an Bez\u00fcge auf weitere Charakteristika an. Neben Ethnizit\u00e4t und Geschlecht ist hier die Klassendimension von Bedeutung. So stellen sich die Sprecher neben ihrer Rolle als Rapper h\u00e4ufig auch\u00a0 als Vertreter subkulturspezifischer Berufe (Zuh\u00e4lter, Dealer, Einbrecher, etc.) dar. Entsprechende Bezugsmomente werden seit kurzer Zeit auch im Feld der Sozial- und Kulturwissenschaften aufgegriffen und reflektiert (siehe etwa die Beitr\u00e4ge in Dietrich\/Seeliger 2012).<\/p>\n<p>Wenn es sich bei der HipHop-Kultur im Allgemeinen um eine \u201eM\u00e4nnerwelt, von M\u00e4nnern f\u00fcr M\u00e4nner\u201c (Friedrich\/Klein 2003: 24) handelt, l\u00e4sst sich das Sub-Genre des Gangstarap auch in Deutschland als diesbez\u00fcglich noch weiter versch\u00e4rftes Kontinuum identifizieren. So sind einerseits die genreimmanenten Protagonistenrollen fast ausschlie\u00dflich von M\u00e4nnern besetzt (vgl. Szillus 2012).<a title=\"\" href=\"#_edn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Ihre inhaltliche Entsprechung findet diese numerische Repr\u00e4sentation auch in der textlichen und\/oder bildlichen Darstellung von Geschlechterentw\u00fcrfen. So sind \u00c4u\u00dferungen der Sprecher nicht nur h\u00e4ufig durch die Schilderung weiblicher Unterw\u00fcrfigkeit gepr\u00e4gt (vgl. Go\u00dfmann 2012).<\/p>\n<p>Weiterhin ergibt sich auch die Stilisierung genreimmanenter Idealbilder in engem Zusammenhang mit geschlechterspezifisch kodierten Leistungs- und Anerkennungsnormen:<\/p>\n<p>\u201eDie charakteristische Formel des Gangstas \u2013 \u201ado or die\u2018 \u2013 steht f\u00fcr eine sozialdarwinistische Gesellschaftsordnung, in der es einzig auf das \u00dcberleben des st\u00e4rkeren und autonomeren Individuums ankommt\u201c (Strick 2005: 116).<\/p>\n<p>In diesem Sinne identifiziert auch Seeliger (2013) Images von Gangstarap in Deutschland als Versuche einer Aktualisierung hegemonialer M\u00e4nnlichkeit: Indem sich der Prototyp des Gangstarappers als jugendlicher Gewalt- und Bet\u00e4ubungsmittelkrimineller mit Migrations- und ohne Bildungshintergrund in Szene setzt, verweist er hier auf einen sozialen Ausgangspunkt, der seinen Aufstieg zum bekannten und \u00f6konomischen Popstar und Gesch\u00e4ftsmann besonders eindrucksvoll erscheinen l\u00e4sst. Gangstarap wird hier also zum Ort der Darstellung und Aushandlung m\u00e4nnlicher Verwirklichungsideale.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die \u00c4u\u00dferungen der zahlreichen m\u00e4nnlichen Gangstarapsprechern also h\u00e4ufig auf die Stilisierung der eigenen Erwerbsbiographie gegen zahlreiche soziale Widerst\u00e4nde ausgerichtet sind, lassen sich entsprechende Erz\u00e4hlungen und Darstellungen f\u00fcr Genrevertreter<em>_innen<\/em> nur selten verzeichnen. Dies mag nun zum einen auf die geringe zahlenm\u00e4\u00dfige Repr\u00e4sentation von Akteur<em>_innen<\/em> unter den Genrevertreter_innen zur\u00fcckzuf\u00fchren sein. Eine wesentlichere und dem quantitativen Frauenanteil vorg\u00e4ngige Ursache l\u00e4sst sich mit G\u00fcng\u00f6r (2006: 81) in einer (wohl nicht nur) unter den Genrevertretern verbreiteten Geisteshaltung erkennen:<\/p>\n<p>\u201eRollenvorstellungen aus der Vergangenheit und archaische Bilder wie das von der Heiligen und Hure r\u00fccken zunehmend in den Vordergrund und bestimmen das Denken und Handeln von Jugendlichen. Rap ist im Moment das Medium, in dem diese r\u00fcckst\u00e4ndigen Bilder immer wieder durchgekaut werden. Als vaterlose S\u00f6hne produzieren Rapper wie <em>Sido<\/em> oder <em>Bushido <\/em>[Herv. i.O.] ja auch ein marien\u00e4hnliches Frauenbild, das jungen M\u00e4dchen die Chance gibt, sich auf der Seite der Heiligen zu positionieren. Auf der anderen Seite signalisiert die Hypersexualit\u00e4t in den Rap-Videos jungen M\u00e4dchen, dass ihr K\u00f6rper in diesem Spiel ein wichtiges Kapital ist, ein Objekt des permanenten Begehrens, das f\u00fcr M\u00e4nner offenbar elementar wichtig ist\u201c.<\/p>\n<p>Der hohe Verbindlichkeitsgrad dieser ambivalenten Erwartungen spiegelt sich in den Bildwelten des Genres nur allzu deutlich wider. Gleichzeitig gilt auch hier die geschlechterpolitische Grundregel, dass sich m\u00e4nnliche Dominanz (z.B. in Bezug auf Aufmerksamkeit, Kontrolle \u00fcber das dargestellte Geschehen oder Besitz) \u00fcber entsprechende Defizite auf der weiblichen Seite ergeben. Wenn wichtige Stilelemente der Selbstdarstellung von Gangstarappern im Verweis auf eigenen Reichtum, Durchsetzungsf\u00e4higkeit, etc. bestehen, die sie von anderen (m\u00e4nnlichen) Akteuren unterscheidet, wird \u2013 so unsere These \u2013 das genreimmanente Geschlechterverh\u00e4ltnis zu einem zentralen Austragungsort entsprechender Selbstdarstellungen: M\u00e4nnliche Rapper nutzen ihre Dominanz \u00fcber Frauen (oder wenigstens deren Inszenierung) nicht zuletzt, um allgemeinere Geltungsanspr\u00fcche darzustellen.<\/p>\n<p>Dass es einer Protagonistin im Genre gelingen k\u00f6nnte, dauerhaft und in gr\u00f6\u00dferem Umfang von entsprechenden Rollenerwartungen abzuweichen, erschien bis vor kurzem als \u00e4u\u00dferst unwahrscheinlich. Eine Selbstdarstellung als Sexarbeiterin bei gleichzeitiger Legitimit\u00e4t\u00a0 der Sprecherposition im subkulturellen Kosmos war im Rap im Allgemeinen und im Gangstarap im Besonderen nahezu undenkbar. Dass sich dies \u2013 so unsere These \u2013 mit dem Auftreten der Frankfurter Rapperin Schwesta Ewa nun ge\u00e4ndert hat, wirft aus unserer Sicht einige Fragen auf, denen wir uns im Folgenden eingehender zuwenden wollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3. Der Fall Schwesta Ewa<\/p>\n<p>\u00a0Die HipHop-kulturelle B\u00fchne betritt Schwesta Ewa Ende des Jahres 2011. Als \u201eerstes weibliches Signing\u201c des Frankfurter Gangstarap-Labels \u201aAlles oder Nix-Records\u2018 wird die Frankfurter Rapperin in der Beschreibung ihres Debut-Clips \u201eSchw\u00e4tza\u201c auf der Online-Videoplattform YouTube pr\u00e4sentiert.<a title=\"\" href=\"#_edn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><br \/>\n[iframe id=&#8220;http:\/\/www.youtube.com\/embed\/-4Cot9ZpH3s&#8220; align=&#8220;center&#8220;]<br \/>\nDie Figur der Schwesta Ewa tritt dabei nicht nur als Rapperin in Erscheinung. Wie durch einschl\u00e4gige Darstellungen (Rotlichtbezirk; Arbeitszimmer) im Video und entsprechende textliche Referenzen schnell deutlich wird, geht (bzw. ging) Schwesta Ewa einer T\u00e4tigkeit als Sexarbeiterin im Frankfurter Bahnhofsviertel nach.<\/p>\n<p>Neben der Beschreibung ihres Arbeitsalltags baut das Lied auf einer Geschichte auf, im Rahmen derer Ewa gemeinsam mit zwei Komplizen einen Trickbetrug an einem Freier vollf\u00fchren. Durch Schmeicheleien gelingt es Ewa hier, den Freier zu \u00fcberzeugen, sie bei ihrem aktuellen Chef f\u00fcr eine Summe von 20.000 Euro freizukaufen. Beim Versuch, das Geld zu \u00fcberbringen, \u00fcberfallen die beiden Komplizen den Freier und nehmen ihm sein Geld ab, welches sie dann zur H\u00e4lfte mit Ewa teilen. Hinsichtlich ihrer Texte ist vor allem die Erweiterung der deutschen Sprache mit arabischen, t\u00fcrkischen oder auch jugoslawischen W\u00f6rtern hervorzuheben, mit denen sie ihr Umfeld beschreibt.<\/p>\n<p>Die Inszenierung Schwesta Ewas greift somit zun\u00e4chst auf g\u00e4ngige Mechanismem im Gangstarap zur\u00fcck. \u00c4hnlich wie m\u00e4nnliche Rapper thematisiert sie eine Lebenssituationen, die von Marginalisierungserfahrungen im Zusammenhang mit Ethnizit\u00e4t und Klasse gepr\u00e4gt ist. Gleichzeitig pr\u00e4sentiert sie sich als berechnende und (soweit m\u00f6glich) selbstst\u00e4ndige Gesch\u00e4ftsfrau und scheint sich damit ebenfalls an der angesprochenen Aktualisierung hegemonialer M\u00e4nnlichkeit zu orientieren. An Stelle der Figur des skrupellosen Zuh\u00e4lters oder des Dealers mit arabischem Migrationshintergrund tritt bei Schwesta Ewa allerdings die gut verdienende &#8218;Prostituierte&#8216;, die selbstbewusst und prahlend aus ihrem Leben als Sexarbeiterin berichtet. Damit missachtet sie nicht nur grundlegende Vorstellung von Geschlecht im Gangstarap, sondern macht genau diese Missachtung zum zentralen Aspekt in ihrem Image als Rapperin.<a title=\"\" href=\"#_edn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/05\/schwester-ewa.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-1776\" title=\"schwesta ewa\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/05\/schwester-ewa.jpg\" alt=\"\" width=\"270\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/05\/schwester-ewa.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/05\/schwester-ewa-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2013\/05\/schwester-ewa-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 270px) 100vw, 270px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Indem sie das gesellschaftlich negativ konnotiertes Bild der &#8218;Hure&#8216; f\u00fcr sich positiv umdeutet, bedient sie sich gleichzeitig dem im Gangstarap essentiellen Mittel der Resignifizierung, das von vielen Protagonisten zur eigenen Aufwertung eingesetzt wird (vgl. B\u00f6\u00df 2009). Dar\u00fcber hinaus stellt sie Figuren wie &#8218;den Zuh\u00e4lter&#8216; durch Insider-Wissen blo\u00df und hinterfragt damit implizit bestimmte M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe im Gangstarap auch auf grunds\u00e4tzliche Art und Weise. Durch unter anderem Bezeichnungen wie \u201eHassan\u201c, \u201eKanacke\u201c oder \u201eBaba\u201c ethnisiert sie hierbei die angesprochene M\u00e4nnlichkeit in ihren Songs vorwiegend als migrantisch und der Unterschicht zugeh\u00f6rig.<a title=\"\" href=\"#_edn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>So war es nicht \u00fcberraschend, dass Schwesta Ewa in der deutschen Gangstarapszene eine bemerkenswerte Kontroverse ausl\u00f6ste. Ende Juli 2012, also etwa sieben Monate nach der Erstver\u00f6ffentlichung, werden f\u00fcr den Clip auf der Internetplattform ca. 3,3 Mio. Aufrufe dokumentiert, was f\u00fcr einen Rapsong im genannten Zeitraum eine durchaus beachtliche Zahl darstellt.<a title=\"\" href=\"#_edn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Im Anschluss an ihr erstes Video ver\u00f6ffentlichte Schwesta Ewa \u00fcber YouTube in den Folgemonaten vier weitere Lieder, die mit einer Klickzahl von insgesamt f\u00fcnf Millionen ebenfalls wesentliche Aufmerksamkeit generieren konnten. Neben einer Vielzahl von Beitr\u00e4gen, die zum einen im Kommentarbereich unter den Videos und zum anderen im Rahmen verschiedener szene-affiner Diskussionsforen ge\u00e4u\u00dfert wurden, fand ein wesentlicher Teil der\u00a0 Auseinandersetzung auf Grundlage verschiedener Statements statt, die andere Genrevertreter als Reaktion auf die Ver\u00f6ffentlichungen Ewas abgegeben haben.<a title=\"\" href=\"#_edn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"left\">4. Fragestellung<\/p>\n<p>\u00a0Vor dem Hintergrund der obigen Darstellung der Geschlechterverh\u00e4ltnisse im Gangstarap ergeben sich im Hinblick auf die Wirkung von Schwesta Ewa in einer m\u00e4nnlich dominierten Subkultur mehrere Fragen. So entsteht nach Meuser (2006) bei M\u00e4nnern, deren soziale Praxis sich innerhalb des vom m\u00e4nnlichen Habitus gesetzten Rahmens bewegt, eine <em>habituelle Sicherheit.<\/em> Die eigene \u2013 beziehungsweise die im eigenen Umfeld dominante \u2013 M\u00e4nnlichkeit wird als \u201anat\u00fcrlich\u2018 und selbstverst\u00e4ndlich verstanden und damit unsichtbar.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist die Konstruktion von M\u00e4nnlichkeit auf homosoziale Gemeinschaften angewiesen, in denen Frauen ausschlie\u00dflich vorgesehen sind, um zuzuschauen und zu bewundern. Dies erkl\u00e4rt zumindest zum Teil die Beharrlichkeit, mit der sich die erw\u00e4hnten Vorstellungen von Geschlecht im Gangstarap seit Jahren halten k\u00f6nnen (vgl. Go\u00dfmann 2012). Jedoch ist die hier anzutreffende Hypermaskulinit\u00e4t auch ein deutlicher Hinweis auf die Fragilit\u00e4t eben jener M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe:<\/p>\n<p>\u201eDen M\u00e4nnern, denen ihr Geschlecht im Modus der habituellen Sicherheit gegeben ist, sind Ausdrucksformen von Hypermaskulinit\u00e4t, wie sie in der Figur des Rambo oder des Macho symbolisiert sind, fremd. Der Hegemonieanspruch bedarf auch keines Verweises auf k\u00f6rperliche St\u00e4rke und \u00dcberlegenheit, um sich Geltung zu verschaffen.\u201c (Meuser 2006: 314).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend also einerseits Gangstarap als homosoziale M\u00e4nnergemeinschaft habituelle Sicherheit erzeugt, unterscheidet sich diese Sicherheit andererseits von jener, \u00fcber die Vertreter einer gesellschaftlich hegemonialen M\u00e4nnlichkeit verf\u00fcgen. Dieses Spannungsverh\u00e4ltnis sorgt daf\u00fcr, dass jegliche Bedrohung der m\u00e4nnlichen Gemeinschaft durch zum Beispiel homosexuelle M\u00e4nnlichkeit oder eben Weiblichkeit umso vehementer abgewehrt werden muss. Somit kann davon ausgegangen werden, dass schon alleine Schwesta Ewas blo\u00dfe Existenz als Gangstarapperin, erst recht aber ihre Selbstinszenierung als Sexarbeiterin in der Szene f\u00fcr Verunsicherung sorgt und Gegenma\u00dfnahmen provoziert.<\/p>\n<p>Wir untersuchen im Folgenden, wie sich diese Verunsicherung \u00e4u\u00dfert und welche Strategien entwickelt werden, um mit ihr umzugehen. Gleichzeitig wirft das \u201eBeharrungsverm\u00f6gen des Habitus\u201c (Meuser 2006: 134) die Frage auf, inwiefern die jeweiligen Rapper Schwesta Ewas Inszenierung auch f\u00fcr eine Festigung von Geschlechterarrangements nutzen k\u00f6nnen. Bei unserer Analyse der Reaktionen anderer Genrevertreter konzentrieren wir uns hier auf drei unterschiedliche Statements.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">5. Empirische Analyse<\/p>\n<p>Anfang Januar 2012 pr\u00e4sentierte der Heidelberger Rapper Animus auf seinem YouTube-Kanal ein Amateur-Video, in dem er sich zusammen mit seinen Rapper-Kollegen Manuellsen und Kurdo zum nur wenige Tage vorher ver\u00f6ffentlichten Song \u201eSchw\u00e4tza\u201c von Schwesta Ewas \u00e4u\u00dfert.<a title=\"\" href=\"#_edn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Im insgesamt fast 15-min\u00fctigen Clip schauen sich die drei Rapper Ewas Debut an, rappen Textstellen mit, interpretieren diese und kommentieren und diskutieren ihr Auftreten. Hierbei belustigen sie sich zwar gr\u00f6\u00dftenteils \u00fcber die Rapperin, versichern aber gleichzeitig ihre grunds\u00e4tzliche Loyalit\u00e4t f\u00fcr das Label \u201aAlles oder nix-Records\u2018.<\/p>\n<p>Weitaus eindeutiger fiel zun\u00e4chst die Reaktion des Essener Rappers PA Sports aus, der sich Mitte Mai 2012 auf seinem Facebook-Profil \u00fcber \u201eFrauen die so reden, als w\u00e4ren sie Jungs von der Stra\u00dfe\u201c echauffierte und Schwesta Ewa als \u201eeine Beleidigung f\u00fcr jede Frau die Ehre hat\u201c bezeichnete. Die Frankfurter Rapperin drohte ihm wiederum auf ihrem Profil mit Gewalt, wodurch sich PA Sports bem\u00fc\u00dfigt sah zu versichern, grunds\u00e4tzlich \u201ekeine frauen zu schlagen\u201c.<a title=\"\" href=\"#_edn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> In einem Interview mit dem Online-Magazin hiphop.de \u00e4u\u00dferte er sich wenige Tage danach ausf\u00fchrlich zum Streit und bekr\u00e4ftigte nochmals seine heftige Abneigung.<a title=\"\" href=\"#_edn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Gerade mal ein paar Wochen sp\u00e4ter wurde auf dem HipHop-Blog SpitTV allerdings ein Video-Statement ver\u00f6ffentlicht, in dem PA Sports selbst von einer Aussprache mit Schwesta Ewa berichtet und den Streit f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt.<a title=\"\" href=\"#_edn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Die drei genannten Formate werden im Folgenden im Hinblick auf m\u00e4nnliche Verunsicherung innerhalb der (Gangsta)Rap-Szene durch weibliches Empowerment am Beispiel der Inszenierung Schwesta Ewas untersucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a05.1. \u201eIch muss erkl\u00e4ren, wor\u00fcber Schwesta Ewa rappt.\u201c (Animus)<\/p>\n<p>\u00a0Das Gespr\u00e4ch von Animus, Manuellsen und Kurdo \u00fcber das Musik-Video \u201eSchw\u00e4tza\u201c ist betont locker gehalten. Alle drei Rapper \u00e4u\u00dfern sich in ironischer bis stark zynischer Form zum Thema Schwesta Ewa sowie zu Frauen und Sexarbeit, vor allem sind es aber Animus und Manuellsen, die sich in ihrem Dialog gegenseitig mit Witzen und Spr\u00fcchen anstacheln. Dennoch wird gleich zu Beginn deutlich, dass sie in ihrem Umgang mit der Rapperin sehr unsicher und nicht f\u00e4hig sind, diese in ihre Vorstellung von Geschlecht einzuordnen. So reagieren Manuellsen und Kurdo abwehrend auf Animus&#8216; Bezeichnung von Ewa als \u201eSchwester\u201c, wobei diese geschwisterliche Anrede eigentlich im Rap allgemein \u00fcblich ist und auch w\u00e4hrend des Gespr\u00e4chs mehrfach auftaucht (\u201eGr\u00fc\u00dfe an \u0106elo, <em>mein Bruder<\/em>!\u201c):<\/p>\n<p>Animus: Reden wir lieber \u00fcber unsere Schwester.<br \/>\nManuellsen: Also meine ist es nicht.<br \/>\nKurdo: Ist nicht meine Schwester, wallah.<br \/>\nManuellsen: Meine ist es auch nicht, Alter. Sie ist eine&#8230;<\/p>\n<p>Gleichzeitig betonen sie einleitend ihre Verbundenheit mit dem Labelchef von Alles-oder-Nix-Records Xatar, der zur Zeit wegen eines Raub\u00fcberfalls auf einen Goldtransporter eine Gef\u00e4ngnisstrafe absitzt. Auch beziehen sie sich im Laufe des Gespr\u00e4ches uneingeschr\u00e4nkt positiv auf weitere Rapper im Umfeld von Schwesta Ewa wie Ssio oder \u0106elo. Hierbei bringen Animus und Manuellsen ihre vermeintliche Unterst\u00fctzung der Rapperin auch in eine direkte Verbindung zu ihrer Loyalit\u00e4t f\u00fcr Xatar:<\/p>\n<p>Animus: Aber man muss dazu sagen, jetzt kommt, bevor wir uns \u00fcber Schwesta Ewa lustig machen, aber da wir Supporter von Xatar und Alles oder nichts sind, feiern wir Schwesta Ewa wirklich und die kann auch krass rappen. Und der Song ist auch Killah.<br \/>\nManuellsen: Ich bin Supporter von Schwesta Ewa.<\/p>\n<p>Schwesta Ewa, aus deren musikalischen Umfeld mit Ausnahme ihrer Backup-Rapperin Sari ausschlie\u00dflich M\u00e4nnern bekannt sind, wird hier \u00fcber die Gemeinschaft unter M\u00e4nnern legitimiert. Aus der Perspektive von Animus und Manuellsen hilft ihr demnach das soziale und symbolische (m\u00e4nnliche) Kapital ihres Labelchefs sowie der Rapper \u0106elo und Ssio, die beide im Musik-Video zu \u201eSchw\u00e4tza\u201c zu sehen sind. Alle drei sind anerkannte Rapper, wobei Xatar wegen seiner Festnahme \u00fcber die Rap-Szene hinaus einen Ruf als ein Gangstarapper genie\u00dft, der eben nicht nur Rapper, sondern auch Gangsta ist. So schrieb zum Beispiel das Nachrichtenmagazin Focus nach seiner Verurteilung im Dezember 2011 und damit nur wenige Tage vor der Ver\u00f6ffentlichung von Schwesta Ewas erstem Song: \u201eDie meisten R\u00fcpel-Rapper sind harmlose Milchbubis. Nicht so \u201aXatar\u2018.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> Animus, Manuellsen und Kurdo fordern im weiteren Gespr\u00e4chsverlauf seine Freilassung \u2013 wie auch Schwesta Ewa, die im Video zu \u201eSchw\u00e4tza\u201c ein \u201eXatar\u201c-Shirt tr\u00e4gt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das m\u00e4nnliche Umfeld der Rapperin betont wird, wird sie gleichzeitig von bestimmten Weiblichkeiten abgegrenzt. Hierbei geht es zum einen um Frauen, die als feministisch wahrgenommen werden: Ihnen wird unterstellt, in ihrem Kampf f\u00fcr Frauenrechte fern von der Realit\u00e4t von Schwesta Ewa beziehungsweise Sexarbeiterinnen zu sein. Zum anderen pr\u00e4sentiert Animus eine Unterscheidung zwischen der Gesch\u00e4ftsfrau Schwesta Ewa und weiblicher Promiskuit\u00e4t jenseits von Sexarbeit, die es ihm erlaubt, die Rapperin zwar nicht als moralisch h\u00f6herwertig, aber zumindest als intelligenter und geschickter einzustufen:<a title=\"\" href=\"#_edn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Animus: Aber, ich habe nur, ich habe ja nicht gesagt, alle Frauen auf der Welt, ich habe gesagt, die Hurenkinder, die in der Disko umsonst blasen. Oder Schwesta Ewa, die Fuffi abgreift. Zwischen den beiden, wer ist der Schlauere?<br \/>\nManuellsen: Dann nimmFuffi.<br \/>\nAnimus: Normal nimmFuffi!<\/p>\n<p>Allerdings sind sich die drei Rapper dar\u00fcber einig, dass die Art und Weise, in der sich Schwesta Ewa in \u201eSchw\u00e4tza\u201c inszeniert, auf Dauer nicht ausreicht, um f\u00fcr das Publikum interessant zu bleiben. Obwohl die Rapperin als ein Beleg daf\u00fcr gesehen werden kann, dass im deutschsprachigen Gangstarap doch nicht \u201eprinzipiell alles gesagt ist, was zu sagen war\u201c (Szillus 2012: 63), wird an Stelle der st\u00e4ndigen Wiederholungen im m\u00e4nnlichen Gangstarap ihre angebliche beschr\u00e4nkte Themenauswahl problematisiert. Passend zur Dethematisierung der Rolle von Gangstarappern diskutieren Animus und Manuellsen auch einseitig die vermeintlich gef\u00e4hrliche Vorbildfunktion von Schwesta Ewa f\u00fcr Frauen. Die Ablehnung, die der Rapperin von meist m\u00e4nnlicher Seite entgegenschl\u00e4gt, wird hierbei zwar erw\u00e4hnt, aber findet keine weitere Beachtung, w\u00e4hrend die Sympathie der weiblichen Fans mit Sorge betrachtet wird:<\/p>\n<p>Manuellsen: Ich will nicht sagen, das Traurige, das Kuriose an der Sache ist, ich habe mal die Kommentare unter dem Video gesehen, also, \u00e4h, gelesen, und das Schlimme an der Sache ist&#8230;nat\u00fcrlich hast Du Jungs dabei, die sagen, was ist das denn f\u00fcr eine Schlampe&#8230;<br \/>\nAnimus: Die w\u00fcrde ihre Pisse trinken f\u00fcr Hunni. Die w\u00fcrden: (macht ein Gurgel-Ger\u00e4usch). So w\u00fcrden die machen!<br \/>\nManuellsen: Aber viele Frauen sagen, also, die ist gar nicht so schlecht, also ich finde Schwesta Ewa cool.<br \/>\n[\u2026]<br \/>\nManuellsen: Ich muss dazu sagen, guck mal, jetzt mal Spa\u00df beiseite, das ist nat\u00fcrlich Entertainment, das hat nat\u00fcrlich jetzt Spa\u00df gemacht zu h\u00f6ren und so Schock, dies das&#8230;<br \/>\nAnimus: Ich w\u00fcrde jetzt niemandem raten\u2026\u00e4hm&#8230;<br \/>\nManuellsen (unterbricht): Ehrlich jetzt, ich meine das nicht aus Schleimerei, nehmt Euch wirklich kein Beispiel dadran. Alle jungen M\u00e4dchen, die das sehen&#8230;<\/p>\n<p>Insgesamt ist in dem Gespr\u00e4ch zwischen Animus, Manuellsen und Kurdo die Begeisterung auffallend, mit der insbesondere die ersteren beiden den Songtext von \u201eSchw\u00e4tza\u201c erl\u00e4utern. Immer wieder halten sie die Musik an, kommentieren Szenen und erkl\u00e4ren W\u00f6rter und Situationen:<\/p>\n<p>Animus: Und f\u00fcr alle, f\u00fcr alle, dr\u00fcck mal stop. Und f\u00fcr alle, die nicht wissen, was Deka ist, das ist zum Beispiel ein Steroid, das in der Muscle-Phase benutzt wird, um Muskeln aufzubauen, wobei eine verst\u00e4rkte Speicherung von Wasser auch die Folge davon ist. Habe ich geh\u00f6rt.<br \/>\nManuellsen (lacht): Habe ich geh\u00f6rt.<br \/>\nAnimus: Ich muss erkl\u00e4ren, wor\u00fcber Schwesta Ewa rappt.<br \/>\nManuellsen: Normal.<\/p>\n<p>Einerseits kann dieser Eifer, zu erkl\u00e4ren, was Schwesta Ewa (vermutlich) sagen m\u00f6chte und wie die W\u00f6rter, die sie verwendet, zu verstehen sind, auf die Begeisterung f\u00fcr eine neue Rapperin zur\u00fcckgef\u00fchrt werden. Andererseits besitzen die Ausf\u00fchrungen auch zwei weitere wichtige Bedeutungen: So stellt zum Beispiel Animus im obigen Dialog sein Fachwissen im Bodybuilding, einem prim\u00e4r m\u00e4nnlichen Feld, unter Beweis und profiliert sich \u00fcber seine zweideutige \u00c4u\u00dferung \u201cHabe ich geh\u00f6rt.\u201d als erfahrener Sportler.<\/p>\n<p>Des Weiteren ergibt sich dadurch die M\u00f6glichkeit, die Deutungshoheit \u00fcber Schwesta Ewas Song zu gewinnen, was sich unter anderem im zynischen Umgang mit dem Thema Sexarbeit \u00e4u\u00dfert (\u201cWo Menschenrechte, dies, das. Kein Mensch ist unbezahlbar, Zwanni Abstand, l\u00e4uft!\u201d), das im Original-Text durchaus noch ernsthaft thematisiert wird. W\u00e4hrend pers\u00f6nliche Bez\u00fcge zur Figur Schwesta Ewas in diesem ersten Fall eher distanziert und \u00fcber Dritt-Referenzen hergestellt werden, findet sich im zweiten Fall ein unmittelbarer Zugang ihr. Dieser soll im folgenden Abschnitt dargestellt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a05.2. \u201eDas erste Mal in meinem Leben, dass eine Frau mir gedroht hat.\u201c (PA Sports)<\/p>\n<p>In seinen Ausf\u00fchrungen \u00fcber Schwesta Ewa gibt sich der Rapper PA Sports in erster Linie irritiert \u00fcber den Verlauf des Streits mit der Rapperin. Beide Statements von seiner Seite zeichnen sich hierbei durch Aussagen aus, die die Unangemessenheit ihres Verhaltens \u00fcber eine vermeintliche Nicht-Zugeh\u00f6rigkeit von Frauen zu Gangstarap als M\u00e4nnerdom\u00e4ne begr\u00fcnden. Zum Teil wird diese Ansicht von PA Sports sehr explizit ge\u00e4u\u00dfert:<\/p>\n<p>\u201eWei\u00dft Du. Rapper haben miteinander Beef und PA Sports hat jetzt Beef mit Schwesta Ewa. Das ist jetzt eigentlich was, was ein bisschen, \u00e4h, so ein bisschen ist\u2026 Es ist nicht das, was ich unbedingt will.\u201c<\/p>\n<p>Die geschlechterspezifische Zugangsregelung von Gangstarap als \u201eM\u00e4nnerwelt von M\u00e4nnern f\u00fcr M\u00e4nner\u201c (Friedrich\/Klein 2003: 24) ist hierbei sogar so weitreichend, dass eine Nicht-Beachtung f\u00fcr den Zuwiderhandelnden ernstliche Konsequenzen in Form von Ansehensverlust mit sich bringen k\u00f6nnte. Lie\u00dfe PA Sports sich auf eine Auseinandersetzung mit Schwesta Ewa ein, k\u00f6nnte das bedeuten, dass er nicht durchsetzungsstark genug w\u00e4re, um sich gegen andere m\u00e4nnliche Rapper behaupten zu k\u00f6nnen. Um diesem Eindruck vorzubeugen, stellt er klar, dass er sich im Hinblick auf Szene-interne Konfrontationen weiterhin gleichgeschlechtlich orientieren m\u00f6chte:<\/p>\n<p>\u201eDa gibt es ein paar andere Mans. Wenn ich Competition will, geh ich mit jemandem Competition machen, der sich auf meinem Level bewegt. Aber ich kann das halt nicht ernst nehmen.\u201c<\/p>\n<p>Eine \u00e4hnliche Argumentation findet sich in seiner Aussage, dass Frauen nicht so \u00fcber ihn reden d\u00fcrften, wie Schwesta Ewa es getan hat:<\/p>\n<p>\u201eWenn das nicht von mir jetzt der feine Schachzug war, es trotzdem nicht tragbar in meinen Augen ist, dass eine Frau sowas \u00fcber mich schreibt.\u201c<\/p>\n<p>Zu der Auffassung, dass Frauen und M\u00e4nner unterschiedliche Rechte besitzen, sich zu \u00e4u\u00dfern, tritt hierbei aber noch eine andere, subtilere Form der Abwertung Ewas. Die Bezeichnung des eigenen Verhaltens als \u201eunfeinen Schachzug\u201c unterstellt eine Verletzung\u00a0 der H\u00f6flichkeitsgebote gegen\u00fcber Ewa. Dem Interaktionsverlauf zwischen den beiden wird damit der Charakter einer handfesten Auseinandersetzung von vornherein abgesprochen. So k\u00f6nne ihm durchaus ein Fehlverhalten angelastet werden. Dass es sich hierbei allerdings ohnehin nur um ein Kavaliersdelikt handelt, ist dann die ex-post-Begr\u00fcndung f\u00fcr Ewas minderwertigen Status als Sprecherin.<a title=\"\" href=\"#_edn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Der in beiden Texten mehrfach vorgebrachte Verweis des Sprechers auf die mangelnde Legitimit\u00e4t von Ewas Verhalten verdeutlicht den starken Zugzwang, unter den sich dieser durch die Auseinandersetzung mit der Rapperin gesetzt sieht. Dies zeigt sich auch in der folgenden Aussage:<\/p>\n<p>\u201eDas war das erste Mal in meinem Leben, dass eine Frau mir gedroht hat. Ich fand das auch alles sehr, sehr witzig.\u201c<\/p>\n<p>Diese \u00c4u\u00dferung zielt auf die diskursive Ausgrenzung von Frauen aus einer m\u00e4nnlichen Konfliktgemeinschaft, innerhalb derer Auseinandersetzungen \u201aauf Augenh\u00f6he\u2018 ausgetragen werden k\u00f6nnten. Diesem Zweck kann sie gerecht werden, indem der Inhalt unter Bezug auf verschiedene soziale Voraussetzungen plausibel wird. Zum einen beruht der Verweis, dass Frauen in aller Regel keine M\u00e4nner bedrohen auf der (vermeintlichen) Gewissheit, dass sich diese ohnehin au\u00dfer Reichweite weiblichen Sanktionsmacht bef\u00e4nden.<\/p>\n<p>Dementsprechend stellt Ewa aber nicht nur keine Gegnerin f\u00fcr PA Sports da. Ihr Verhalten erscheint auch unangemessen, weil es gegen eine f\u00fcr Frauen g\u00fcltige Handlungsnorm verst\u00f6\u00dft. W\u00e4hrend der Verweis auf das anma\u00dfende Benehmen Ewas der Intention nach auf die Unangreifbarkeit des m\u00e4nnlichen Sprechers hindeuten soll, zeigt sich hier bei genauerer Betrachtung allerdings die prek\u00e4re Verfassung seiner vermeintlichen Vorherrschaft. So bleibt es f\u00fcr ihn notwendig klarzustellen, dass derartige \u201aAnma\u00dfungen\u2018 bis dahin noch nicht vorgekommen sind und ihn auch nicht grunds\u00e4tzlich in Frage stellen. Indem er sie als \u201ewitzig\u201c beschreibt, spricht er ihnen den Charakter einer tats\u00e4chlichen Bedrohung seines Status ab.<a title=\"\" href=\"#_edn18\"><sup>[18]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend die hier herausgestellten Argumente von PA-Sports allesamt auf die DelegitimierungSchwesta Ewas auf Grund ihrer weiblichen Geschlechtszugeh\u00f6rigkeit abheben, l\u00e4sst sich in den Bez\u00fcgen auf ihren Beruf als Sexarbeiterin eine zweite Argumentationslinie erkennen. Eine wesentliche Strategie findet sich hier zum einen in der humoristischen Darstellung seines Verh\u00e4ltnisses zu Schwesta Ewa als einer Beziehung von Kunden und Dienstleisterin:<\/p>\n<p>\u201eAch, ja, ich hatte, ich war mal vor&#8217;n paar Monaten in Frankfurt und da waren wir intim miteinander. Und da hab ich ihr ihr Geld nicht gegeben wie abgemacht und seitdem schreibt sie mich immer an und will ihre 30 Euro haben.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Indem er einerseits auf die Rolle Ewas als Sexarbeiterin verweist, bem\u00fcht PA Sports hier ein kulturelles Stigma, das Sexarbeit aus mehrheitsgesellschaftlicher Sicht anhaftet (vgl. L\u00f6w\/Ruhne 2011). Diese Vorstellung von \u201aProstitution\u2018 als sittlich verwerflicher T\u00e4tigkeit zu Grunde legend stellt PA Sports fest: \u201eSchwesta Ewa ist eine Beleidigung f\u00fcr die Ehre jeder Frau.\u201c Diesen Gedanken f\u00fchrt er noch weiter aus:<\/p>\n<p>\u201eWenn Schwesta Ewa meint, dass sie die erste Frau ist, die sich f\u00fcr 30 Euro in den Mund ficken l\u00e4sst, aber noch Ehre hat, dann hat sie halt Ehre, was soll ich machen. Aber ich dachte halt, dass sowasehrelos ist, deswegen.\u201c<\/p>\n<p>Da sie sich also nicht an den \u2013 laut PA Sports \u2013 g\u00fcltigen Verhaltensnormen orientiert, ist ihr Verhalten seiner Darstellung entsprechend als verwerflich anzusehen. Die Ewa zugeschriebene \u201eEhrelosigkeit\u201c legitimiert so auch seine Aggression gegen sie: Ewa \u00fcbertritt eine Regel, deren Verletzung er berechtigterweise ahndet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a06. Ergebnisse<\/p>\n<p>Geschlechterverh\u00e4ltnisse in der Popmusik sind keine neue Angelegenheit, tats\u00e4chlich sind sie nat\u00fcrlich so alt wie Popmusik selbst. Eine interessante historische Parallele zum hier behandelten Fall findet sich etwa bei der Dortmunder Poprap-Gruppe Tic TacToe, welche u.a. durch vermeintlich ungezwungene \u00c4u\u00dferungen zu Themen wie Weiblichkeit und Sexualit\u00e4t hervortrat. Wie im Verlauf ihrer Karriere bekannt wurde, war auch Hauptrapperin Lee vor ihrer Mitgliedschaft in der Band als Sexarbeiterin t\u00e4tig gewesen. Was Ende der 1990er Jahre allerdings noch die sorgf\u00e4ltige Marketingarbeit emsiger A&amp;R-Manager gef\u00e4hrdete, dient ca. 15 Jahre sp\u00e4ter selbst als Grundlage popkultureller Imagebildung. Der Grund, aus dem etwas, das damals undenkbar erschien, heute relativ gut zu funktionieren scheint, liegt unseres Erachtens darin, dass mit der Etablierung des Genres Gangstarap ein festes Netzwerk von K\u00fcnstlern und Rezipientinnen dauerhafte Aufmerksamkeit generiert, welche wiederum anhaltende Anschlusskommunikation erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Was Rap als Kulturform in seiner heutigen Form auszeichnet, ist also ein Umfang von Selbstreferenzialit\u00e4t, die die st\u00e4ndige Thematisierung genreimmanenter Gegebenheiten als zentralen inhaltlichen Gegenstand verf\u00fcgbar macht. W\u00e4hrend dies im Allgemeinen keine besonders gro\u00dfe Neuigkeit darstellt (schlie\u00dflich ist z.B. der Wettbewerb dar\u00fcber, welche_r Rapper_in die bessere Rap-Technik beherrscht, schon immer ein wesentlicher Bestandteil), konnte hier gezeigt werden, dass auch Geschlechterverh\u00e4ltnisse zum Gegenstand solcher Selbstbeschreibungen gemacht werden.<\/p>\n<p>Die Auswertung des Untersuchungsmaterials zeigt, dass die Reaktion auf Schwesta Ewa im Gespr\u00e4ch von Animus, Manuellsen und Kurdo zwar einige Gemeinsamkeiten mit der von PA Sports aufweist, insgesamt aber eklatante Unterschiede bestehen. Die vier Rapper sind sich in ihren grundlegenden Vorstellungen von Weiblichkeit und Sexarbeit einig, jedoch leiten sie daraus verschiedene Strategien ab, auf die wir im Folgenden genauer eingehen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist festzuhalten, dass der Umgang mit dem Ph\u00e4nomen Ewa sich im ersten Beispiel deutlich weniger konfrontativ darstellt. Durch ihren Spagat zwischen Loyalit\u00e4tsbekundungen gegen\u00fcber Xatar, ihre Verbundenheit mit M\u00e4nnern im Umfeld von Schwesta Ewa oder auch ihre guten Textkenntnissen auf der einen Seite sowie ihrem Spott oder ihrer Kritik an Schwesta Ewa als vermeintlich schlechtes Vorbild auf der anderen schaffen Animus, Manuellsen und Kurdo eine Grauzone. Hierdurch wird nie vollst\u00e4ndig klar, wie sie der Rapperin letztendlich gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Deutlich werden allerdings mehrere Strategien im Umgang mit Schwesta Ewa: Hierzu geh\u00f6rt zun\u00e4chst eine humoristische Distanz, die es erm\u00f6glicht, die pers\u00f6nliche (m\u00e4nnliche) Verunsicherung zu dethematisieren und an (nicht nur) in der Rap-Szene verbreitete Vorstellungen von Weiblichkeit und Sexarbeit anzukn\u00fcpfen. Dies geschieht allerdings ohne eine direkte Abgrenzung von Schwesta Ewa, welche wiederum \u2013 wie bei PA Sports \u2013 die eigene Verletzbarkeit h\u00e4tte sichtbar machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckgriff auf die M\u00e4nnergemeinschaft, die nach Meuser (2005) eine grundlegende Bedeutung f\u00fcr die Konstruktion von M\u00e4nnlichkeit innehat, erlaubt es Animus, Manuellsen und Kurdo, sich trotz ihrer Verst\u00f6\u00dfe gegen\u00fcber Weiblichkeitsnormen mit Schwesta Ewas Song auseinanderzusetzen. Gleichzeitig kann diese Auseinandersetzung f\u00fcr die Erlangung einer Deutungshoheit \u00fcber das Schaffen von Schwesta Ewa genutzt werden. Nun ist es nicht mehr die Rapperin selbst, die erz\u00e4hlt, was sie erlebt, sondern ihre zun\u00e4chst passiven m\u00e4nnlichen Zuschauer \u00fcbernehmen f\u00fcr sie die Sprecherrolle.<\/p>\n<p>Die Spaltung von Frauen wiederum kann als ein Versuch gedeutet werden, nicht nur die eigene M\u00e4nnlichkeit in Anbetracht \u201aneuer\u2018 Weiblichkeit zu rekonstruieren, sondern dar\u00fcber hinaus diese f\u00fcr m\u00e4nnliche Interessen nutzbar zu machen. So wird Schwesta Ewa als bodenst\u00e4ndige Sexarbeiterin gegen\u00fcber \u201adem realit\u00e4tsfernen Feminismus\u2018 \u2013 hier \u00fcbrigens verk\u00f6rpert durch Alice Schwarzer und Mutter Theresa \u2013 in Stellung gebracht, um diesen in seiner Glaubw\u00fcrdigkeit zu schw\u00e4chen.<a title=\"\" href=\"#_edn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> Im letzten Schritt schlie\u00dflich wird die Reinvisibilisierung von M\u00e4nnlichkeit forciert: Mit der Kritik an Schwesta Ewa geht eine konsequente Dethematisierung der fragw\u00fcrdigen Vorbildrolle von Gangstarappern und der st\u00e4ndigen Wiederholungen ihrer Songthemen einher.<\/p>\n<p>Insgesamt k\u00f6nnten die dargestellten Strategien der Rekonstruktion der in Punkt 2. beschriebenen Gangstarap-M\u00e4nnlichkeit unter neuen Bedingungen dienen. Hierbei bleiben bisher konstitutive Aspekte wie zum Beispiel die homosoziale M\u00e4nnergemeinschaft weiterhin tragf\u00e4hig, weil das (musikalische) Umfeld von Schwesta Ewa vorwiegend aus anerkannten Rappern besteht. Andere wie die Invisibilisierung von M\u00e4nnlichkeit m\u00fcssen erst neu verhandelt werden, da die Anwesenheit von Frauen in m\u00e4nnlichen R\u00e4umen immer eine Sichtbarmachung von M\u00e4nnlichkeit bedeutet (vgl. Meuser 2006).<\/p>\n<p>Dass die Negativbeurteilung von Prostitution als Bezugspunkt von PA Sports sich unter Szene-RezipientInnen tragf\u00e4hig erscheint, ist keineswegs fraglos vorauszusetzen. Zwar verweisen g\u00e4ngige Studien (vgl. z.B. L\u00f6w\/Ruhne 2011; Gerheim 2012) auf eine anhaltende Stigmatisierung von Seiten der Mehrheitsgesellschaft.\u00a0 Als \u201edichotome \u201aGegenwelt\u2018\u201c (Howe 2006), deren sozialr\u00e4umliche Begrenzungen wesentlich entlang klassen- und ethnienspezifischen Linien verlaufen, weist der symbolische Kosmos des Rotlichtmilieus starke Parallelen und teilweise sogar \u00dcberschneidungen mit den Bildwelten des Gangstarap auf (vgl. Seeliger 2013).<\/p>\n<p>Es erscheint also keineswegs als selbstverst\u00e4ndlich, dass die Darstellung von Schwesta Ewa als Sexarbeiterin keinerlei Identifikationspotenzial im Einklang mit anderen Genrerepr\u00e4sentationen bietet. Wie der Band von Benkel (2010; siehe auch die Studie von L\u00f6w und Ruhne 2011) anschaulich zeigt, weist das Frankfurter Bahnhofsviertel als r\u00e4umlicher Bezugsraum Schwesta Ewas zahlreiche Attribute auf, die im Gangstarap als wesentliche Bestandteile der Lebenswelt von Genrevertretern dargestellt werden. Gleichzeitig bleibt festzustellen, dass PA Sports offensive Diskreditierung Ewas durchaus an g\u00e4ngige Vorstellungen \u00fcber Weiblichkeit, Sexarbeit und ihre Verschr\u00e4nkung anschlie\u00dft:<\/p>\n<p>\u201eEines der auff\u00e4lligsten Diskursmuster rund um die Prostitution [\u2026] ist die immer wieder sehr grunds\u00e4tzlich vertretene Trennung prostitutiver Sexualit\u00e4t von Gef\u00fchlen, insbesondere vom Gef\u00fchl der Liebe\u201c (L\u00f6w; Ruhne 2011: 125).<\/p>\n<p>Bem\u00fcht man die Unterscheidung der gesellschaftlichen Sph\u00e4ren von \u00d6ffentlichkeit und Privatheit im Zusammenhang ihrer geschlechterspezifischen Konnotation, wird klar, warum Sexarbeit von Frauen zum Gegenstand kultureller Stigmatisierung wird: Indem Sexualit\u00e4t hier dem privaten Bereich intimer zwischenmenschlicher Beziehungen enthoben und einer marktf\u00f6rmigen Tauschbeziehung (Geld gegen sexuelle Handlungen) untergeordnet wird, unterl\u00e4uft die Sexarbeiterin die ihr im Normensystem des Gangstarap zugedachte Rolle, deren soziale Position durch die Beziehung zu einem bestimmten Partner bestimmt ist. Der so entstehende Umgang mit Sexualit\u00e4t erscheint aus Sicht der Gangstarapper als \u201eehrelos\u201c.<\/p>\n<p>Die von PA Sports verfolgte Diskreditierungsstrategie kann so als entlang zweier komplement\u00e4rer Linien verlaufend dargestellt werden: W\u00e4hrend der Verweis auf Ewas Status als Frau zum einen der Ausgrenzung aus der m\u00e4nnlichen Konfliktgemeinschaft der Rap-Szene dient, kommt dem Verweis auf Ewas T\u00e4tigkeit als Sexarbeiterin eine zus\u00e4tzlich abwertende Bedeutung zu. Auf Grund ihrer Weiblichkeit ist sie also nicht nur keine Gegnerin f\u00fcr PA Sports, sondern tritt dar\u00fcber hinaus durch ein unredliches Verhalten hervor, das ihr durch ihr m\u00e4nnliches Gegen\u00fcber als Zeichen eines Mangels an Integrit\u00e4t angelastet wird. Durch die Abwertung ihrer Person entlang der beiden genannten Linien gelingt es ihm schlie\u00dflich, seine eigene Sprecherposition in der Auseinandersetzung zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Animus, Manuellsen und Kurdo zumindest den Eindruck erzeugen, dass sie Schwesta Ewa nicht ernstnehmen, versucht sich PA Sports also zu profilieren, in dem er an gesellschaftlich verbreitete Vorstellungen ankn\u00fcpft und auf ihre vermeintlichen M\u00e4ngel (Sexarbeiterin, Versto\u00df gegen Weiblichkeitsnormen) hinweist. Geben sich die drei Rapper in ihrem Gespr\u00e4ch noch betont gelassen, wird die Bedrohung, die das Empowerment einer rappenden Sexarbeiterin f\u00fcr (m\u00e4nnlichen) Gangstarap darstellt, bei PA Sports umso deutlicher. \u201eIhr habt alle Angst, denn ich kann euch blo\u00dfstellen!\u201c, rappt Schwesta Ewa vermutlich nicht zuf\u00e4llig in ihrem Song \u201eBin gleich zur\u00fcck\u201c, der ungef\u00e4hr zwei Monate nach dem Streit mit PA Sports erschien.<a title=\"\" href=\"#_edn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Animus, Manuellsen und Kurdo scheinen die Inszenierung von Schwesta Ewa zumindest zum Teil akzeptiert zu haben, und entwickeln folgerichtig \u201aneue\u2018 Strategien, um Gangstarap-M\u00e4nnlichkeit zu rekonstruieren und zu erhalten.<a title=\"\" href=\"#_edn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Dies kann als ein Zeichen f\u00fcr das in Punkt 4 angesprochene \u201eBeharrungsverm\u00f6gen des Habitus\u201c gedeutet werden, scheint hier doch der Versuch unternommen zu werden, die Inszenierung von Schwesta Ewa f\u00fcr eine Festigung von Geschlechterarrangements nutzbar zu machen. PA Sports hingegen klammert sich verzweifelt ausschlie\u00dflich an konventionelle m\u00e4nnliche Praxen der Abwertung \u2013 und stellt sich damit in seiner Verletzbarkeit selber blo\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a07. Fazit<\/p>\n<p>In den letzten Jahren ist von wissenschaftlicher Seite wiederholt auf tiefgreifende Verunsicherungen von M\u00e4nnlichkeit im Zuge politischer und \u00f6konomischer Entwicklungen wie der Deregulierung von Erwerbsarbeit oder der weltweiten Finanzkrise (vgl. u.a. Meuser 2009; Sauer 2011; Wichterich 2011) hingewiesen worden. Demnach wurde zun\u00e4chst die fordistische Ern\u00e4hrerm\u00e4nnlichkeit durch die \u201aFeminisierung von Arbeit\u2018 \u2013 also die \u00dcbertragung der Prekarit\u00e4t weiblich dominierter Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse auf m\u00e4nnlich dominierte Bereiche sowie das Eindringen von Frauen in ebenjene Berufsfelder \u2013 ersch\u00fcttert. Es folgten im Zuge der Finanzkrise mediale Debatten um eine \u201eZockerm\u00e4nnlichkeit\u201c (Wichterich 2011: 139), die mit Verweis auf die nat\u00fcrliche m\u00e4nnliche Risikobereitschaft in biologistischer Argumentation als Verursacherin der Krise ausgemacht wurde.<\/p>\n<p>Meuser und Scholz weisen in diesem Kontext auch auf eine \u201eReflexivierung\u201c (2011: 67) von M\u00e4nnlichkeit hin: M\u00e4nnlichkeit ist nicht mehr selbstverst\u00e4ndlich und unmarkiert, sondern wird sichtbar gemacht \u2013 und diskutiert. Sichtbarkeit und (Selbst-)Reflexivit\u00e4t sind hier aber keineswegs als eine normative Kategorien zu sehen. Im Gegenteil, der Ausgang der angesprochenen Ersch\u00fctterung von M\u00e4nnlichkeit ist bestenfalls offen \u2013 meist ist sogar eine \u201eRekonfiguration\u201c (Sauer 2011: 83) von M\u00e4nnlichkeit unter ver\u00e4nderten Bedingungen festzustellen. So trugen die \u00f6ffentlichen Debatten um die \u201eZockerm\u00e4nnlichkeit\u201c auch dazu bei, andere Krisenerkl\u00e4rungen zu dethematisieren und Geschlechterunterschiede \u2013 auf der einen Seite der verantwortungslose Mann, auf der anderen die vorsichtig agierende Frau \u2013 zu biologisieren.<\/p>\n<p>Die Reaktionen von Animus, Manuellsen und Kurdo sowie PA Sports auf Schwesta Ewa lie\u00dfen sich in diesen Kontext einordnen, wird hier mit Gangstarap doch eine weiterer m\u00e4nnlich dominierter Raum als solcher sichtbar gemacht. Die Rapper m\u00fcssen reagieren und entwickeln Strategien, um ihre M\u00e4nnlichkeit wie bisher zu erhalten oder aber sie zu restrukturieren und an Ver\u00e4nderungen anzupassen, ohne sie als solche in Frage zu stellen. Interessant ist hier vor allem, dass Humor ein beliebtes \u2013 und neben den Beschimpfungen von PA Sports ein ungleich erfolgreicheres \u2013 Mittel darstellt. So stellen auch Meuser und Scholz (2011) f\u00fcr die Darstellung von M\u00e4nnern in Zeitschriften wie \u201aMen&#8217;s Health\u2018 fest, dass Ironie und \u00dcberzeichnung als Stilmittel verwendet werden, um M\u00e4nnlichkeit zwar zu benennen, aber gleichzeitig Stereotype zu reproduzieren.<\/p>\n<p>Allerdings unterscheidet sich der im vorliegenden Aufsatz untersuchte Fall in zweierlei Hinsicht entscheidend vom oben beschriebenen Kontext. So liegt der Fokus der genannten Analysen auf m\u00e4nnlichen Leitbildern, die gesellschaftlich \u2013 wenn auch in unterschiedlicher Form \u2013 als hegemonial angesehen werden k\u00f6nnen: Politiker, Manager oder auch der deutsche Familienern\u00e4hrer ohne Migrationshintergrund. Diejenigen M\u00e4nnlichkeiten hingegen, welche sich von Schwesta Ewa bedroht f\u00fchlen, sind in mehrfacher Hinsicht als marginalisiert einzustufen. Zugespitzt formuliert: Gangstarap scheint das einzige Feld zu sein, in dem sie ihren m\u00e4nnlichen Anspruch auf Macht geltend machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zudem beziehen sich die genannten Untersuchungen vorwiegend auf strukturelle Entwicklungen \u2013 unter anderem die Deregulierung von Arbeitsverh\u00e4ltnissen \u2013 oder diskursive Ver\u00e4nderungen \u2013 zum Beispiel in M\u00e4nnerzeitschriften. Die Besonderheit im Fall Schwesta Ewa ist, dass sie als Gangstarapperin und Sexarbeiterin mit Migrationshintergrund spricht, die alle Spielregeln der Felder, in denen sie sich bewegt, beherrscht und sich dennoch gleichzeitig \u00fcber sie stellt. Weibliches Handeln wird hier somit zum entscheidenden Ausgangspunkt m\u00e4nnlicher Verunsicherung. Daraus ergibt sich die M\u00f6glichkeit, weibliches Empowerment als Ausl\u00f6ser f\u00fcr Ver\u00e4nderungen von M\u00e4nnlichkeit in den Blick zu nehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0<strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Im Bezug auf geschlechterwissenschaftliche und feministische Diskussionen l\u00e4sst sich im Hinblick auf die Bedeutung von Sexarbeit f\u00fcr Betroffene und Gesellschaft (relativ grob) zwischen zwei Positionen unterscheiden. W\u00e4hrend einerseits Zwangscharakter und Gewaltf\u00f6rmigkeit fokussiert wird (zum Beispiel in der PorNo-Kampange aus dem Umfeld der feministischen Zeitschrift Emma), richtet sich das Bestreben anderer politischer Vertreter_innen auf den Agency-Aspekt und weibliches Empowerment im Wege der Sexarbeit. Wenn wir von <em>Sexarbeit <\/em>sprechen, beziehen wir uns auf eine Selbstbezeichnung, die in der US-amerikanischen Prostituiertenbewegung entwickelt wurde. Dies bedeutet allerdings keineswegs, dass \u00fcber diesen Begriff Einigkeit besteht. Zur weiteren Auseinandersetzung siehe z.B. Affront (2011).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Es wird die Schreibweise mit einem Unterstrich verwendet und nicht zum Beispiel von Konsumenten und Konsumentinnen gesprochen. Neben dem Verweis auf den Konstruktionscharakter von Geschlecht k\u00f6nnen so auch Menschen einbezogen werden, die sich zwischen oder au\u00dferhalb der Zweigeschlechtlichkeit verorten (vgl. Walgenbach et al. 2007).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Video von<a title=\"Tricia Rose\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=rbAVa8ndepk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Tricia Rose<\/a> (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Da im Gangstarap fast ausschlie\u00dflich M\u00e4nner aktiv sind, verwenden wir hier bewusst nur die m\u00e4nnliche Form.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Als eine der der seltenen Ausnahmen trat vor allem zwischen 2006 und 2009 die Rapperin Kitty Kat auf dem bekannten Label \u201aAggro Berlin\u2018 in Erscheinung.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Video: Schwesta Ewa &#8222;<a title=\"Schwesta Ewa Schwaetza\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-4Cot9ZpH3s&amp;feature=player_embedded\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schw\u00e4tza<\/a>&#8220; (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Hier ist allerdings anzumerken, dass Schwesta Ewa durchaus auch sexistische Vorstellungen wie die von G\u00fcng\u00f6r angesprochenen Bilder der Heiligen und der Hure \u00fcbernimmt. So unterst\u00fctzt sie zum Beispiel in einem Song auf <a title=\"Aggro TV\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7ORCO8NITkY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aggro TV <\/a>mit den Rappern Abd\u00ef, \u0106elo und Capo ihre Kollegen in deren Abwertung weiblicher Promiskuit\u00e4t (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Ihre Texte k\u00f6nnen damit teilweise auch als Kritik an <em>bestimmten<\/em> Entw\u00fcrfen migrantischer Unterschichtsm\u00e4nnlichkeit gelesen werden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Zum Vergleich: Die Debut-Single aus dem gemeinsamen Album \u201a23\u2018 der (weitaus bekannteren) Rapper Sido und Bushido\u00a0 erreichte in einem nur drei Monate l\u00e4ngerem Zeitraum eine Klickzahl von lediglich 2,6 Millionen (Angaben bezogen auf August 2012).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Anders als in anderen Sparten der Popmusik stellen wechselseitige Referenzen von Genrevertreter_innen im Gangstarap ein wesentliches Element dar: W\u00e4hrend es auf der einen Seite unangemessen erscheinen mag, dass der Volksmusiker Andi Borg mit einer \u00f6ffentlichen Kritik des Trompetenspiels seines Kollegen Florian Silbereisen medial l\u00e4ngerfristig anschlussf\u00e4hige Aufmerksamkeit auf sich zieht, sind entsprechende Bez\u00fcge im Gangstarap Gang und Gebe.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Video: <a title=\"Animus Vlog 1\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Jn3G0x6_aJM\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Animus Vlog 1<\/a>\u00a0 (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> <a title=\"Schwesta Ewa vs PA Sports\" href=\"http:\/\/www.rap.de\/news\/40-news\/10662-schwesta-ewa-vs-pa-sports\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schwesta Ewa vs. PA Sports<\/a>\u00a0 (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Video: <a title=\"PA Sports ueber Schwesta Ewa\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=orKz-HmUk3Y\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">PA Sports \u00fcber Schwesta Ewa<\/a>\u00a0 (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Video:\u00a0<a title=\"Aussprache mit Schwesta Ewa\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=OzayWP1EdMc\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Aussprache mit Schwesta Ewa<\/a>\u00a0 (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p align=\"left\"><a title=\"\" href=\"#_ednref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> <a title=\"Focus\" href=\"http:\/\/www.focus.de\/panorama\/boulevard\/acht-jahre-gefaengnis-fuer-xatar-gangster-rapper-landet-fuer-goldraub-hinter-gitter_aid_696764.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gangsta-Rapper landet f\u00fcr Goldraub hinter Gittern<\/a> (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Interessanterweise macht Schwesta Ewa selbst in ihrem weiter oben erw\u00e4hnten Song mit \u0106elo, Abd\u00ef und Capo die Unterscheidung zwischen der cleveren Gesch\u00e4ftsfrau, die dank Sexarbeit \u00fcber ein hohes Einkommen verf\u00fcgt, und denjenigen Frauen, die promisk leben, ohne daf\u00fcr Geld zu nehmen. Abgesehen von der damit einhergehenden Abwertung von Frauen weist diese Unterscheidung auch darauf hin, dass Sexarbeit als Empowerment und M\u00f6glichkeit f\u00fcr Frauen gesehen werden kann, patriachale Verh\u00e4ltnisse zwar nicht umzusto\u00dfen, aber zumindest finanziell von ihnen zu profitieren (vgl. Affront 2011).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Dass der Argumentationsverlauf hier logisch falsch ist, bedeutet nicht, dass es ihm auch an handlungspraktischer\u00a0 Plausibilit\u00e4t mangeln mag.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> Mit Connell l\u00e4sst sich die \u00c4u\u00dferung verstehen als \u201eTeil eines Unterdr\u00fcckungssystems, gleichzeitig [\u2026] aber auch ein Ma\u00df f\u00fcr seine Mangelhaftigkeit. Eine vollkommen legitimierte Herrschaft h\u00e4tte Einsch\u00fcchterung weniger n\u00f6tig\u201c (Connell 2006: 105).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Eine \u00e4hnliche Sequenz findet sich auch am Ende des Interviews, als er ank\u00fcndigt, nun gemeinsam mit seinem Freund Sinan G, der ebenfalls ein bekannter Gangstarapper ist, loszugehen und nach einer Arbeitsm\u00f6glichkeit f\u00fcr Ewa als \u201aProstituierte\u2018 zu suchen. Die Variabilit\u00e4t der Positionen, von denen aus PA Sports sich \u00fcber Ewa als Sexarbeiterin erheben kann (im ersten Fall als Freier, im zweiten Fall als Zuh\u00e4lter) unterstreicht hierbei nochmal die vollkommene \u00dcberlegenheit m\u00e4nnlicher Herrschaft \u00fcber subordinierte Weiblichkeiten, die der Rapper in seinen Ausf\u00fchrungen\u00a0 unterstellt.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> Allerdings ist festzuhalten, dass die Kritik an feministischer Politik, ihr Bezug zu Themen wie Sexarbeit sei nicht ausreichend, <em>prinzipiell <\/em>nicht von der Hand zu weisen ist (Affront 2011).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Video: Schwesta Ewa &#8222;<a title=\"Schwesta Ewa Bin gleich zur\u00fcck\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=HkCBZRw1_Q8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bin gleich zur\u00fcck<\/a>&#8220; (zuletzt eingesehen am 13.05.2013).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> F\u00fcr einen flexiblen Umgang mit dem Ph\u00e4nomen Schwesta Ewa spricht auch, dass Animus im September 2012 ein weiteres Statement zu Schwesta Ewa ver\u00f6ffentlichte, in dem er ihr seinen \u201evollsten Respekt\u201c (<a title=\"animus zu ewa\" href=\"http:\/\/www.kaizaschnitt.de\/item\/flers-homie-animus-statement-zu-schwesta-ewa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">animus-statement-zu-schwesta-ewa<\/a>, zuletzt eingesehen am 13.05.2013) ausspricht und betont, dass Rap\u201eschon immer dazu da [war] um von pers\u00f6nlichen und sozialen Problemen zu erz\u00e4hlen und diese durch Rap zu l\u00f6sen\/meistern\u201c. Hervorzuheben ist, dass er des Weiteren denjenigen, die Schwesta Ewa im Internet beschimpfen, vorwirft, dass sie \u201eTeil der Gesellschaft [sind], der sich lieber am Leid anderer aufgeilt, anstatt eine helfende Hand zu reichen\u201c (ebd.). Konsequenterweise schlie\u00dft er sein Statement mit den Worten: \u201eEs braucht um einiges mehr Eier als ihr habt, um so stabil zu einer so schrecklichen Vergangenheit zu stehen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Affront (Hg.) (2011): Darum Feminismus! Diskussionen und Praxen. M\u00fcnster.<br \/>\nBehreswill, Mechthild; Neuber, Anke (Hg.) (2011): M\u00e4nnlichkeiten in der Krise? M\u00fcnster.<br \/>\nBenkel, Thorsten (Hg.) (2010): Das Frankfurter Bahnhofsviertel. Wiesbaden.<br \/>\nB\u00f6\u00df, Raphael (2009): Step into a world! HipHop zwischen Marginalit\u00e4t und Mitte. M\u00fcnster.<br \/>\nConnell, Robert (2006): Der gemachte Mann. Wiesbaden.<br \/>\nDietrich, Marc; Seeliger, Martin (Hg.) (2012): Deutscher Gangstarap. Bielefeld.<br \/>\nGerheim, Udo (2012): Die Produktion des Freiers. Bielefeld.<br \/>\nGo\u00dfmann, Malte (2012): \u201eWitz schl\u00e4gt Gewalt\u201c? In: Dietrich, Marc; Seeliger, Martin (Hg.): Deutscher Gangstarap. Bielefeld, S. 85-107.<br \/>\nG\u00fcng\u00f6r, Murat (2006): \u201ein meinem block tr\u00e4umt jeder von dem gro\u00dfen geld\u201c. In: Loh, Hannes; Verlan, Sascha (2006): 25 Jahre HipHop in Deutschland. H\u00f6fen, S. 69-83.<br \/>\nHowe, Christiane (2006): Bilderwelten &#8211; Innenwelten. Prostitution und das Verh\u00e4ltnis der Geschlechter. In: Mythos Europa. 56 Jg., Heft 06\/2006, S. 67-85.<br \/>\nHurt, Byron (2006): Hip-Hop: Beyond Beats and Rhymes. God Bless the Child Productions.<br \/>\nKlein, Gabriele; Friedrich, Malte (2003): Is this real? Frankfurt a.M.<br \/>\nL\u00f6w, Martina; Ruhne, Renate (2011): Prostitution. Berlin.<br \/>\nMeuser, Michael (2005): Struktur\u00fcbungen. In: King, Vera; Flaake, Karin (Hg.): M\u00e4nnliche Adoleszenz. Frankfurt a.M., S. 309-323.<br \/>\nMeuser, Michael (2006): Geschlecht und M\u00e4nnlichkeit. Wiesbaden.<br \/>\nMeuser, Michael (2009): M\u00e4nnlichkeiten in Bewegung. In: Aulenbacher, Brigitte; Riegraf, Birgit (Hg.): Erkenntnis und Methode. Wiesbaden, S. 249-265.<br \/>\nMeuser, Michael; Scholz, Sylka (2011): Krise oder Strukturwandel hegemonialer M\u00e4nnlichkeit? In: Bereswill, Mechthild; Neuber, Anke (Hg.): In der Krise?. M\u00fcnster, S. 56-79.<br \/>\nSauer, Birgit (2011): Restrukturierung von M\u00e4nnlichkeit. In: Bereswill, Mechthild; Neuber, Anke (Hg.): In der Krise? M\u00fcnster, S. 80-103.<br \/>\nSeeliger, Martin (2013): Deutscher Gangstarap zwischen Affirmation und Empowerment. Berlin<br \/>\nStrick, Simon (2005): \u201eRap und Tod. Vom Gangster-Rap zu den amerikanischen Rap-Megastars der 1990er\u201c. In: testcard 14, S. 114-117.<br \/>\nSzillus, Stephan (2012): Unser Leben \u2013 Gangsta-Rap in Deutschland. In: Dietrich, Marc; Seeliger, Martin (Hg.): Deutscher Gangstarap. Bielefeld, S. 41-63.<br \/>\nToop, David (1992): Rap Attack. African Jive bis Global HipHop. H\u00f6fen.<br \/>\nWalgenbach, Katharina et al. (2007): Einleitung. In: dies. (Hg.): Gender als interdependente Kategorie. Opladen\/Farmington Hills, S. 7-22.<br \/>\nWichterich, Christa (2011): Krise der Ern\u00e4hrerm\u00e4nnlichkeit und neoliberale Gleichstellung in der Krise. In: Demirovi\u0107, Alex; D\u00fcck, Julia; Becker, Florian; Bader, Pauline (Hg.): VielfachKrise. Hamburg, S. 129-145.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Malte Go\u00dfmann studiert Sozialwissenschaften an der Humboldt-Universit\u00e4t zu Berlin.<\/p>\n<p><a title=\"seeliger website max-planck\" href=\"http:\/\/www.mpifg.de\/forschung\/wissdetails_de.asp?MitarbID=606\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Martin Seeliger<\/a> ist Doktorand am Max-Planck-Institut f\u00fcr Gesellschaftsforschung, K\u00f6ln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diskriminierung<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[820,1309,1315,1430,1466,1816,2589],"class_list":["post-1714","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-gangstarap","tag-kritik","tag-kultur","tag-malte-gosmann","tag-martin-seeliger","tag-pop","tag-zeitschrift"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1714","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1714"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1714\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1714"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1714"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1714"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}