{"id":1748,"date":"2013-05-14T16:09:50","date_gmt":"2013-05-14T14:09:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1748"},"modified":"2013-05-14T16:09:50","modified_gmt":"2013-05-14T14:09:50","slug":"in-den-massenmedien-von-libyen-nach-syrienteil-4-popstars-und-kritische-offentlichkeitvon-thomas-hecken14-5-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/05\/14\/in-den-massenmedien-von-libyen-nach-syrienteil-4-popstars-und-kritische-offentlichkeitvon-thomas-hecken14-5-2013\/","title":{"rendered":"In den Massenmedien von Libyen nach SyrienTeil 4: Popstars und kritische \u00d6ffentlichkeitvon Thomas Hecken14.5.2013"},"content":{"rendered":"<p>Gadaffi als \u203aPopstar\u2039 zu bezeichnen bringt keinen Erkenntnisgewinn<!--more mehr-->, auch nicht, kriegerische Auseinandersetzungen als Pop-Ph\u00e4nomen anzusehen. Dass milit\u00e4rische Eins\u00e4tze gr\u00f6\u00dferen Stils ein wichtiger Gegenstand in den Massenmedien sind, wenn westliche politische Interessen und Ausrichtungen ber\u00fchrt werden, wei\u00df ja jeder, eine zus\u00e4tzliche Pop-Titulierung w\u00e4re blo\u00df albern oder obsz\u00f6n. Die Kriegsberichte und -kommentare z\u00e4hlen eben zur Popkultur im sehr weiten Sinn \u2013 als Themen der Massenkommunikation.<\/p>\n<p>Bemerkenswertere Verbindungen gibt es hingegen zur \u203apopular culture\u2039 nach \u00e4lterer Bedeutung des Begriffs. Zur Legitimation von Gewalt geh\u00f6rt zuverl\u00e4ssig die Berufung auf das Volk, dies konnte man am Libyen-Fall erneut auf allen Seiten beobachten. Die Gegner des Gaddafi-Regimes sahen sich als wahre Vertreter des Volkes. Popul\u00e4r- bzw. Volkskultur bestimmten sie nach der Ma\u00dfgabe, dass es auf Qualit\u00e4t und Substanz, weniger auf Quantit\u00e4t ankomme \u2013 was sie keineswegs daran hindert, gerade nach ihrem Erfolg gegeneinander allerlei unterschiedliche Interessen durchsetzen zu wollen. Weltanschaulich entscheidend war und ist f\u00fcr sie aber nicht, dass sich eine Zahl an Menschen in einem umgrenzten Gebiet aufh\u00e4lt, sondern deren volkhaftes Wesen, das sich oftmals im Blick auf ihre Herrschaft herausstellt.<\/p>\n<p>Nicht nur die westlichen Fernsehsender und Politiker wurden kaum m\u00fcde zu betonen, dass Gaddafi Krieg gegen sein eigenes Volk f\u00fchre (Kriege gegen fremde V\u00f6lker erscheinen ihnen offenkundig legitimer). Viele der libyschen Streiter wider das Regime fanden es besonders unertr\u00e4glich, dass Gaddafi schwarzafrikanische K\u00e4mpfer besoldete.<\/p>\n<p>Gaddafi wiederum war mit dieser Semantik vollkommen einverstanden, nur fiel seine Bilanz, wer zum Volk geh\u00f6rt und wer nicht, selbstverst\u00e4ndlich ganz anders aus. \u00bbMein Volk liebt mich\u00ab, gab er vor fest zu wissen. Die Abgefallenen hatten nach seiner Ma\u00dfgabe nicht nur ihr Volkstum, sondern zugleich ihr Menschsein verloren; die Aufst\u00e4ndischen waren f\u00fcr ihn niedere Tiere, Ratten. Nach solch ahumaner Weltanschauung h\u00e4tte deren Vernichtung nat\u00fcrlich geradezu geboten sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Offenkundig keine wesentlichen Einw\u00e4nde besa\u00df die Gaddafi-Familie aber gegen westliche, augenscheinlich volksferne Showstars. Darum gibt es doch eine M\u00f6glichkeit, im Zusammenhang des Libyen-Kriegs \u00fcber Pop zu sprechen. Am\u00fcsanter wird die Sache dadurch aber leider nicht. Gleichwohl handelte es sich um Meldungen und Kommentare, die in Boulevardsendungen wie auf Nachrichtenseiten zum Einsatz kamen.<\/p>\n<p>Im Zuge der Sanktionen des UN-Sicherheitsrates gegen Libyen sahen sich Beyonc\u00e9 und Mariah Carey \u00f6ffentlichem Druck ausgesetzt. Beyonc\u00e9, so hie\u00df es zu Beginn des Jahres 2011 in den Schlagzeilen der gro\u00dfen Medienprogramme, habe bei einer Silvesterparty 2009 einen Kurzauftritt u.a. vor Mitgliedern der Gaddafi-Familie absolviert. Der Silvesterauftritt richtete sich strikt an eine kleine Zahl, der exklusive Auftraggeber zahlte daf\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Summe, als ein Konzert vor Tausenden eingebracht h\u00e4tte. Selbst eine nachtr\u00e4gliche Berichterstattung durch Fernseh-Boulevardmagazine ist ausgeschlossen gewesen. Beyonc\u00e9 bzw. ihr Management gab entschuldigend an, nicht gewusst zu haben, dass einer der Party-Veranstalter \u00fcber Beziehungen zur Gaddafi-Familie verf\u00fcgt habe. Anfang M\u00e4rz 2011 erkl\u00e4rte Beyonc\u00e9 schlie\u00dflich auf ihrer Website, dass sie ihre Gage f\u00fcr haitianische Erdbebenopfer spenden werde (zu irgendetwas sind die Armen doch gut).<\/p>\n<p>Auch Mariah Carey vollzog am Ende einen \u00e4hnlichen Schritt in aller und f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit. Sie versprach Anfang 2011, Einnahmen ihres neuen Lieds \u00bbSave the Day\u00ab f\u00fcr \u00bbhuman right issues\u00ab zu spenden. Im Unterschied zur optisch oder politisch kurzsichtigen Beyonc\u00e9 fiel ihre Verteidigung allerdings offensiver aus. Sie berief sich nicht darauf, nicht gewusst zu haben, vor wem sie auftrat, sondern darauf, im Einklang mit allen anderen offiziellen, offizi\u00f6sen und staatstragenden Kr\u00e4ften und Medien gehandelt zu haben. Carey begr\u00fcndete ihre bestens entlohnte Teilnahme (Gage: eine Million Dollar) an einem Fest der zu dem Zeitpunkt in vielen westlichen Staaten gut gelittenen Gaddafis mit den Worten, dass Libyen damals nicht in den Schlagzeilen gewesen sei. \u00bbNow it\u2019s become an issue in hindsight, which is sort of ridiculous.\u00ab<\/p>\n<p>Ein polemischerer Geist als die Pop-Diva h\u00e4tte wahrscheinlich noch angef\u00fcgt, dass zur Zeit ihres Auftritts vor Gaddafi-S\u00f6hnen die westlichen Staaten vielf\u00e4ltige enge Beziehungen zum Gaddafi-Regime zum Zwecke der Islamismus-Bek\u00e4mpfung, Grenzsicherung und Ressourcenausbeutung pflegten und der Herrscherfamilie teilweise ganz umsonst Unterhaltungsprogramme boten. Nat\u00fcrlich unterblieb solche Kritik von diesem Popstar unserer Zeit (von der Obama-Bekannten Beyonc\u00e9 ganz zu schweigen). Eine kleine Strafe f\u00fcr ihre Doppelmoral m\u00fcssen in der Gegenwart nur noch Popstars zahlen, als Ablass f\u00fcr eine brave, wenn auch mitunter leicht erregbare \u00d6ffentlichkeit, die selbst nur noch Kritik in weitgehend moralisch beduselter Form oder im Stile der kurzsichtigen Beyonc\u00e9 \u00fcben kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cIn den Massenmedien von Libyen nach Syrien&lt;br \/&gt;Teil 3: Nach dem Krieg&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Thomas Hecken&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;7.5.2013&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=1688&amp;action=edit\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gadaffi als \u203aPopstar\u2039 zu bezeichnen bringt keinen Erkenntnisgewinn<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[329,814,1302,1310,1370,1450,1837,2337,2476,2481],"class_list":["post-1748","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-beyonce","tag-gaddafi","tag-kriegsbericherstattung","tag-kritische-offentlichkeit","tag-libyen","tag-mariah-carey","tag-pop-zeitschrift-2","tag-thomas-hecken","tag-volk","tag-volkskultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1748"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1748\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}