{"id":1761,"date":"2013-05-21T11:39:54","date_gmt":"2013-05-21T09:39:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1761"},"modified":"2013-05-21T11:39:54","modified_gmt":"2013-05-21T09:39:54","slug":"in-den-massenmedien-von-libyen-nach-syrienteil-5-im-kriegvon-thomas-hecken21-5-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/05\/21\/in-den-massenmedien-von-libyen-nach-syrienteil-5-im-kriegvon-thomas-hecken21-5-2013\/","title":{"rendered":"In den Massenmedien von Libyen nach SyrienTeil 5: Im Kriegvon Thomas Hecken21.5.2013"},"content":{"rendered":"<p>Kaum war die Berichterstattung \u00fcber Libyen beendet, nahm Syrien den frei gewordenen Platz ein.<!--more mehr--><br \/>\nMit dem milit\u00e4rischen Abschluss der NATO-Operation gegen das m\u00f6rderische Gaddafi-Regime ging wie selbstverst\u00e4ndlich auch das Ende der hiesigen medialen Aufmerksamkeit einher. Ein Standardbericht \u00fcber durchgef\u00fchrte Wahlen, verstreute kleine Meldungen, mehr nicht. Nicht einmal die n\u00e4chste Intervention im n\u00f6rdlichen Afrika reizte zu konzentrierteren Betrachtungen der Zerschlagung des Gaddafi-Regimes und des heutigen Zustandes Libyens, obwohl beides mit den gegenw\u00e4rtigen K\u00e4mpfen in Mali direkt zusammenh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Syrien lie\u00df sich f\u00fcr die vertrauten Akteure von Tagesschau, \u00bbBild\u00ab und \u00bbSpiegel\u00ab auch wieder routiniert an. Wie in Libyen hatte man es mit einem Diktator zu tun, der nicht gewillt war, ohne hohen Blutzoll die Macht aufzugeben. Viel st\u00e4rker sogar als in Libyen konnte man in Syrien Regierungsgegner ausmachen, die sich auf freiheitlich-demokratische Prinzipien beriefen. Wie in Libyen unterlie\u00df man jede weitergehende Analyse m\u00f6glicher materieller Gr\u00fcnde der Aufst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Stattdessen bot man die gut eingef\u00fchrte Mischung aus Bildern, die Zerst\u00f6rungsakte zeigten, wohlgemuten Ger\u00fcchten \u00fcber den baldigen Niedergang der alten Herrschaft sowie Reporterstatements und Kommentaren, die mehr Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Aufbegehrenden forderten.<\/p>\n<p>Zwei Dinge waren allerdings nach einigen Monaten erkennbar anders als in Libyen. In Syrien gab es im Gegensatz zu Libyen eine kampfstarke Guerilla, es war nach einiger Zeit beim besten Willen nicht mehr m\u00f6glich, jedes Attentat als Propagandacoup syrischer Geheimdienste zu deklarieren.<\/p>\n<p>Zweitens, und nat\u00fcrlich viel wichtiger, nach einigen Monaten zeichnete sich ab, dass sich die westlichen Staaten diesmal nicht auf eine eigens gef\u00fchrte milit\u00e4rische Aktion verst\u00e4ndigen konnten. Ab diesem Moment geriet Syrien f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit wieder aus den Schlagzeilen, obwohl die blutigen Auseinandersetzungen keineswegs abnahmen.<\/p>\n<p>Zwar hatte sich die deutsche Regierung schon im Libyen-Falle verweigert, die milit\u00e4rischen Bem\u00fchungen direkt zu unterst\u00fctzen, das war aber f\u00fcr viele wichtige Organe deutscher Massenmedien kein Grund, ihre Berichterstattung auf diese Leitlinie abzustimmen. Da Franzosen und Engl\u00e4nder, mit entscheidender Unterst\u00fctzung der USA, in (vergangener) Gro\u00dfmacht-Tradition ihre milit\u00e4rische St\u00e4rke zur Geltung brachten, konnte im Rahmen ihrer Vorgaben die Semantik der humanit\u00e4ren Intervention auch in deutschen Massenmedien vollg\u00fcltig benutzt werden.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich wohl nicht punktgenau bestimmen, in welchem Ma\u00dfe die deutsche Regierungsposition sich aus einer abweichenden Lagebeurteilung erkl\u00e4rt und zu welchem Grad daraus, aus der milit\u00e4rischen Not eine moralisch-politische Tugend gegen\u00fcber den Siegern des Zweiten Weltkriegs zu machen. Etwas anderes steht hingegen fest: W\u00e4hrend man in viel beachteten Printmedien der USA und Englands dank deren investigativem Ethos und wegen ihrer N\u00e4he zu den heimischen Institutionen einiges zu den Hintergr\u00fcnden der kriegerischen Auseinandersetzungen erfahren kann, hat die Zur\u00fcckhaltung der deutschen Regierung die eigent\u00fcmliche Folge, dass die deutschen Leitmedien fast g\u00e4nzlich im Zustand tats\u00e4chlicher oder angenommener Naivit\u00e4t verbleiben.<\/p>\n<p>Dass trotz der US-amerikanischen Entscheidung, nach der verheerenden Bilanz des Irak-Einsatzes nicht erneut mit voller kriegerischer Macht in den Konflikt einzutreten, die Schlachten um und in Syrien selbstverst\u00e4ndlich ohne westliche Unterst\u00fctzung niemals dieses entsetzliche Ausma\u00df h\u00e4tten annehmen k\u00f6nnen, dazu muss man sich hierzulande im \u00bbGuardian\u00ab, \u00bbWallstreet Journal\u00ab oder in der \u00bbNew York Times\u00ab (etwa <a title=\"artikel new york times\" href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2013\/03\/25\/world\/middleeast\/arms-airlift-to-syrian-rebels-expands-with-cia-aid.html?_r=1&amp;\" target=\"_blank\">hier<\/a>) informieren, wenn man wenigstens ein paar Details dar\u00fcber wissen m\u00f6chte, wie das Vorgehen westlicher Organisationen abseits diplomatischer Verlautbarungen und massenmedialer Botschaften beschaffen ist.<\/p>\n<p>Zugegeben, wichtig sind solche Details und partiellen Einblicke letztlich kaum, falls man nicht glaubt, dass T\u00fcrkei, Saudi-Arabien etc. ohne amerikanische Aufsicht agierten. Bei einer Betrachtung des Zustandes deutscher Massenmedien d\u00fcrfen sie aber sicher nicht unerw\u00e4hnt bleiben.<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cIn den Massenmedien von Libyen nach Syrien&lt;br \/&gt;Teil 4: Popstars und kritische \u00d6ffentlichkeit&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Thomas Hecken&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;14.5.2013&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=1748&amp;action=edit\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kaum war die Berichterstattung \u00fcber Libyen beendet, nahm Syrien den frei gewordenen Platz ein.<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[532,1303,1837,2273,2337],"class_list":["post-1761","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-deutsche-massenmedien","tag-kriegsberichterstattung","tag-pop-zeitschrift-2","tag-syrien","tag-thomas-hecken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1761"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1761\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}