{"id":1850,"date":"2013-06-11T09:40:42","date_gmt":"2013-06-11T07:40:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1850"},"modified":"2013-06-11T09:40:42","modified_gmt":"2013-06-11T07:40:42","slug":"von-monstern-und-schwankenden-gestalten-erscheinungsformen-zeitgenossischer-kapitalismuskritik-sammelrezension-zu-buchern-frank-schirrmachers-robert-und-edward-skidelskys-michael-sandels-u","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/06\/11\/von-monstern-und-schwankenden-gestalten-erscheinungsformen-zeitgenossischer-kapitalismuskritik-sammelrezension-zu-buchern-frank-schirrmachers-robert-und-edward-skidelskys-michael-sandels-u\/","title":{"rendered":"Von Monstern und schwankenden Gestalten \u2013 Erscheinungsformen zeitgen\u00f6ssischer Kapitalismuskritik Sammelrezension zu B\u00fcchern Frank Schirrmachers, Robert und Edward Skidelskys, Michael Sandels und Harald Welzersvon Felix Maschewski und Anna-Verena Nosthoff11.6.2013"},"content":{"rendered":"<p>Marktschreier<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>2030 wird ein sattes Jahr. Wir werden nur noch 15 Stunden arbeiten \u2013 pro Woche, wohlgemerkt. \u00dcbertrieben ambitionierte Karrieristen z\u00e4hlen zur gesellschaftlichen Minorit\u00e4t. Das gewissenhafte Gros hingegen wird \u00bbwesentlich wissbegieriger, als es heute opportun ist, nach dem wahren Charakter dieser \u203aZielstrebigkeit\u2039 fragen.\u00ab (144) Antwortend erkennen wir selbstverst\u00e4ndlich die Liebe zum Geld als \u00bbwiderliches, krankhaftes Leiden\u00ab, das wir lieber den \u00bbSpezialisten f\u00fcr Geisteskrankheiten\u00ab \u00fcberlassen (143). Geiz empfinden wir fortan als \u00bbLaster [\u2026] das Eintreiben von Wucherzinsen [als] ein Vergehen.\u00ab (145) Wir werden Menschen sein, \u00bbdie die Zwecke wieder h\u00f6her werten als die Mittel und das Gute dem N\u00fctzlichen vorziehen. Wir werden diejenigen ehren, die uns lehren k\u00f6nnen, wie wir die Stunde und den Tag tugendhaft und gut vorbeiziehen lassen k\u00f6nnen, jene herrliche Menschen, [\u2026] die sich nicht m\u00fchen und die nicht spinnen.\u00ab (145-146) \u00d6konomen werden bescheidene, sachkundige Leute werden \u2013 \u203aDentisten\u2039 etwa. Kurzum: 2030 werden wir \u00bbdas wirtschaftliche Problem\u00ab gel\u00f6st haben.<\/p>\n<p>Uns wird sich eine Welt offenbaren, in der der Genuss von fruchtiger Marmelade nicht mehr in protestantisch-asketischer Manier auf \u00dcbermorgen verschoben wird. Schlie\u00dflich wissen wir alle, dass f\u00fcr den am Curriculum werkelnden Zukunftsplaner \u00bbMarmelade nicht Marmelade\u00ab ist. Stattdessen wittern wir eine eigent\u00fcmliche Wahrheit hinter seinem ehrgeizigen Streben: \u00bbIndem er \u2026 seine Marmelade immer vorw\u00e4rts in die Zukunft schiebt, versucht er, seinem Akt des Kochens Unverg\u00e4nglichkeit zu verleihen.\u00ab (144) Im Endeffekt wird er nie in ihren zuckrig-klebrigen Genuss kommen \u2013 und stattdessen kochen bis in alle Ewigkeit.<\/p>\n<p>Hinter dieser imaginierten Zukunft voll \u00fcberbordender Marmeladenf\u00fclle verbirgt sich kein geringerer als Vision\u00e4r Sir John Maynard Keynes. Bereits 1928 beantwortete der \u00d6konom, Mathematiker und Politiker die Frage nach den wirtschaftlichen M\u00f6glichkeiten \u00bbf\u00fcr unsere Enkelkinder\u00ab mit einem langfristigen Optimismus.<a title=\"\" href=\"#_edn1\">[i]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00bbEgo. Das Spiel des Lebens\u00ab von Frank Schirrmacher<\/p>\n<p>2013 offenbart uns Frank Schirrmacher, diese \u00bbAntwort war falsch\u00ab (290). In \u00bbEgo. Das Spiel des Lebens\u00ab widerlegt er die Keynes\u2019schen Gl\u00fcckseligkeitsfantasien angesichts des gegenw\u00e4rtigen Krisenstakkatos von Immobilien- \u00fcber Banken- bis zur Eurokrise. Statt den \u00bbherrliche[n] Menschen, die f\u00e4hig sind, sich unmittelbar an den Dingen zu erfreuen\u00ab (145) und die den m\u00fchelos schwingenden \u00bbLilien auf dem Feld\u00ab (145) gleichen, erkennt er im Zeitgenossen weniger Lilie denn \u00bbCyborg\u00ab, ein Homunkulus mit dem Gencode 1 und 0. Wie konnte das passieren?<\/p>\n<p>Bereits Adam Smith, Moralphilosoph und Begr\u00fcnder der klassischen National\u00f6konomie, hatte die Grundbedingung alles modernen Zusammenlebens klar umrissen: \u00bbNicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers und B\u00e4ckers erwarten wir das, was wir zum Essen brauchen, sondern davon, dass sie ihre eigenen Interessen wahrnehmen. Wir wenden uns nicht an ihre Menschen-, sondern an ihre Eigenliebe\u00ab.<a title=\"\" href=\"#_edn2\">[ii]<\/a> Wer auf dem Markt handelt, handelt rational, wenn er nur auf sein eigenes Begehren schaut. So wird der Eigennutz legitimiert, standardisiert und zu guter Letzt \u2013 zum Wohle aller \u2013idealisiert.<\/p>\n<p>Doch genau diese fundamentale, selbstinteressierte Vorteilssuche st\u00f6\u00dft dem FAZ-Herausgeber missliebig auf. Schirrmacher zufolge f\u00fchrt das Smith\u2019sche Zusammenspiel selbstinteressierter Einzelner weder zu einem sinn- noch zweckm\u00e4\u00dfigen Gemeinwesen. So macht er die Ursache aller sich gegenw\u00e4rtig zuspitzenden Krisen im zentralen Baustoff des kapitalistischen, \u00bbstahlharten Geh\u00e4uses\u00ab aus: dem Ego. Auf Smiths Logik rekurrierend, fragt er scharfz\u00fcngig pointiert, \u00bbob die Doktrin des \u00bbrationalen Selbstinteresses\u00ab, also des vern\u00fcnftigen Egoismus, nicht gerade im Begriff ist, puren Irrsinn zu produzieren?\u00ab (45)<\/p>\n<p>Eben jenen \u00bbIrrsinn\u00ab sieht Schirrmacher heraufbeschworen durch den Informationskapitalismus. Einem System, das in Zeiten der Digitalisierung und Globalisierung des B\u00f6rsenhandels\u00a0 \u2013 immer im \u203awohlverstandenen\u2039 Eigeninteresse \u2013 G\u00fcter und Finanzprodukte handelt, die es wom\u00f6glich gar nicht gibt, geben wird oder von denen der Mensch gar nicht wusste, dass er sie braucht. Der Informationskapitalismus wird zu einem \u00bbGeisteszustand\u00ab (10), dem Schirrmacher umf\u00e4ngliche Handlungs-Allmacht attestiert: \u00bbEr tut und plant gro\u00dfe Dinge. Er will Gedanken lesen, kontrollieren und verkaufen. Er will Risiken vorhersagen, einpreisen und eliminieren.\u00ab (10)<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens hier beginnt f\u00fcr Schirrmacher der Ausverkauf des Guten, Wahren und Sch\u00f6nen \u2013 und erreicht seinen Kristallisationspunkt letztlich in einer umfassenden Dynamik der gegenw\u00e4rtigen Verabsolutierung von Informationen. Auch der Mensch kommt unter den Hammer, wird als Human Capital vermessen und zur Zahl degradiert: \u00bbDie Informations\u00f6konomie bewertet Gef\u00fchle, Vertrauen, soziale Kontakte genauso wie Aktien oder Waren\u00ab (15). Der Unterschied zu fr\u00fcheren Zeiten ist, dass wir \u00bbzum ersten Mal in der Geschichte, die technischen Mittel [haben], dies immer perfekter zu tun.\u00ab (15)<\/p>\n<p>Schirrmacher erkl\u00e4rt diesen Wirkmechanismus, indem er den Einzug der Spieltheorie in den Alltag nachverfolgt. Hatte ihr Know-how im Kalten Krieg die atomare Auseinandersetzung verhindert, fanden Rational-Choice-Theorien mitsamt ihren Apologeten Nash und Co. in der Folge in den Unternehmen und an der B\u00f6rse neue, hei\u00dfere Schlachtfelder. Ihre Szenarien wurden aktualisiert und als Raster auf Menschen und M\u00e4rkte projiziert. F\u00fcr Schirrmacher hat das Spiel des \u00bbbeautiful mind\u00ab also erst nach Fukuyamas Ende der Geschichte richtig begonnen. Denn im Informationskapitalismus gelte nun tats\u00e4chlich: Homo homini lupus est.<\/p>\n<p>Solche Thesen bergen fragw\u00fcrdige Provokanz. Mit Kapitel\u00fcberschriften wie \u00bbMassaker\u00ab, \u00bbAndroid\u00ab, \u00bbDeath Dating\u00ab oder \u00bbMassenwahn\u00ab bem\u00fcht sich Schirrmacher auch um eine verschw\u00f6rungstheoretische Leserschaft. Doch wenn dem metaphorischen Bestarium zu viel Bedeutung beigemessen wird, verkennt man eine zwar dystopisch anmutende, aber stringent argumentierte Gegenwartsanalyse.<\/p>\n<p>Schirrmachers Ego-Buch gr\u00fcndet auf einer einzigen, theoretisch wie lebenspraktisch eing\u00e4ngigen Beweisf\u00fchrung. Er beschreibt die Radikalisierung des \u00bb\u00f6konomischen Imperialismus\u00ab, der nun auch in Grenzbereiche und Werthaltungen vordringt, die zuvor vom Imperativ der Effizienz verschont blieben. Das R\u00e4derwerk der kapitalistischen Maschinerie erh\u00f6ht nach Schirrmacher im Wettbewerb der potenzierten Egomanie seine Drehzahl. Mit smarten Design wisse es auch die letzten Ethiker und Traditionalisten f\u00fcr sich zu vereinnahmen. Solche Ver\u00e4nderungen h\u00e4tten nicht nur zu neuen Geschmacksmustern oder zur Revision tradierter Tugenden gef\u00fchrt \u2013 vielmehr konvertierten sie Zielvereinbarungen ganzer Gemeinwesen. Kurzfristiges Wachstum l\u00f6se sich vom \u00fcbergeordneten Sinn und manifestiere die Apotheose einer marktkonformen Demokratie.<\/p>\n<p>Die voranschreitende, totale \u00d6konomisierung hat schwerwiegende Folgen f\u00fcr das individuelle und gesellschaftliche Selbstverst\u00e4ndnis: \u00bbDer Informationskapitalismus stellt zusammenh\u00e4ngende Lebensl\u00e4ufe und Identit\u00e4ten von einzelnen Menschen infrage, er hat die Realwirtschaft f\u00fcr seine Zwecke eingespannt und ist nun im Begriff, konstitutionelle und v\u00f6lkerrechtliche Ordnungen umzuschreiben.\u00ab (12) Sowohl f\u00fcr den Einzelnen als auch f\u00fcr die Staaten f\u00fchre dies zu \u00bbamputierten Souver\u00e4nit\u00e4tsrechten\u00ab (12). Gerade die gro\u00dfen Informationsstr\u00f6me (Big Data), die als Ans\u00e4tze zur L\u00f6sung der globalen Komplexit\u00e4tsfalle bestimmt wurden, seien Teil der operativen Logik des \u00bbstatistische[n] Monstrum[s]\u00ab (285), das die Gesellschaft auf ein \u00bbSystem der sozialen Insekten\u00ab (285) reduziere.<\/p>\n<p>Schirrmacher erkennt im allumfassenden Transparenzstreben sozialer Netzwerke die r\u00fcckhaltlose Einebnung des Menschen in ein mathematisches Modell. So h\u00e4tten \u00d6konomen \u00bbden Seelenhaushalt des modernen Menschen zu ihrer Sache gemacht\u00ab (9) und begehrten nun einen neuen Menschen, der den alten, faustischen Traum nach unendlichem Wissen zu vervollkommnen verm\u00f6ge.<\/p>\n<p>In einer Gesellschaft, in der \u00bballes zum Markt wird\u00ab (145), bleibt der Homo Oeconomicus f\u00fcr Schirrmacher kein theoretisches Modell. Dank technologischer Aufr\u00fcstung und allumf\u00e4nglicher Vernetzung dringt er als mathematische Kreatur \u00bbin jedes Menschen Hirn und Haus\u00ab (150). Er wird zur praktischen Realit\u00e4t, formt das Individuum zu einem Unternehmer seiner selbst, der \u2013 obgleich nach Kant \u00bbaus krummem Holz geschnitzt\u00ab \u2013 nun marktkonform begradigt wird. Als \u00bbDouble\u00ab des Menschen \u2013 in Schirrmacher-Jargon: \u00bbNummer 2<em>\u00ab <\/em>\u2013 geht die zeitgem\u00e4\u00dfe Form des homo oeconomicus aus einem schizophrenen Gemisch aus Egoismus, Gewinnmaximierung und Angst hervor.<\/p>\n<p>Er wird zum st\u00e4ndigen Begleiter, zum alter Ego: \u00bbNummer 2 trifft Entscheidungen f\u00fcr uns, macht Deals, schaut in die Zukunft, lobt uns, beschenkt uns, bestraft uns.\u00ab (58) Dieser Allgegenwart einer richtungsweisenden, unsichtbaren Hand im R\u00fccken kann sich der Mensch nicht entziehen. F\u00fcr Schirrmacher wird er zu einer realen Marionette, einem Opfer der beglaubigten, weil widerstandslos \u00fcbernommenen, \u00bbMetaphysik des Marktes\u00ab, die weniger ein diesseitiges Paradies, als vielmehr ein mephistophelisches Schauspiel offenbart: \u00bbUnd vor allem: Nummer 2 wettet auf uns und setzt dabei immer \u00f6fter unserer Existenz aufs Spiel. Er f\u00e4ngt leider an, ein Monster zu werden.\u00ab (58)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00bbWie viel ist genug?\u00ab von Robert und Edward Skidelsky<\/p>\n<p>In \u00bbWieviel ist genug?\u00ab pr\u00e4sentieren Edward und Robert Skidelsky den Markt ebenfalls als \u00bbMonster\u00ab, das \u00bban die Kette\u00ab gelegt werden m\u00fcsse (13); es fu\u00dfe, so fassen sie anfangs in Schirrmacher\u2019scher Manier zusammen, auf \u00bbGier, Neid und Geiz\u00ab (13). Wie Michael Sandel (\u00bbWas man f\u00fcr Geld nicht kaufen kann\u00ab) wittern sie \u00bbmoralische M\u00e4ngel\u00ab (16), w\u00e4hrend sie die systemimmanente Funktionslogik des gegenw\u00e4rtigen Kapitalismus f\u00fcr instabil halten. Formal gestaltet sich die Argumentation der Skidelskys als assoziativer Abriss der philosophisch-\u00f6konomischen Ideengeschichte, die in Keynes ihren Ausgangspunkt findet.<\/p>\n<p>\u00dcber das Trio Mill-Marx-Marcuse gelangt der Leser hin zu Mandevilles Bienenfabel und Moralphilosoph Adam Smith, dessen klassisch-liberale unsichtbare Hand den historisch-chronologischen Weg in MacIntyres Zeitalter \u203aafter virtue\u2039 weist, auf das eine nuanciert kritische Diskussion gegenw\u00e4rtiger BIP-Alternativen (Gl\u00fccksindizes) folgt. Des Buches finaler Fokus liegt auf Sens und Nussbaums popul\u00e4rem \u203acapability approach\u2039, einem der wichtigsten Ans\u00e4tze zur Darstellung und Messung gesellschaftlicher Wohlfahrt der vergangenen Jahrzehnte. \u203aCapabilities\u2039 jedoch reichen den Skidelskys nicht, denn: \u00bbWenn das Ziel der Politik nur durch Bef\u00e4higungen definiert wird\u00ab, verlieren wir aus dem Blick, \u00bbwie wir vorhandene Ressourcen gut nutzen\u00ab. (202)<\/p>\n<p>Die Skidelskys sind sich der Gefahr \u00bbdiktatorisch hinsichtlich des Guten zu sein\u00ab (202) bewusst, wissen jedoch in gleichem Atemzug um die Notwendigkeit der Definition von Wahrheiten, die aus Gr\u00fcnden des Guten f\u00fcr universell gehalten werden k\u00f6nnen. In Zeiten einer fl\u00fcssigen Moderne, in denen ein un\u00fcberwundener nietzscheanischer Nihilismus die Formulierung eines langfristig wert-vollen telos zur tagt\u00e4glichen Selbst-Aufgabe macht, formulieren sie \u00bbBasisg\u00fcter\u00ab, die sie f\u00fcr \u00bbuniversell\u00ab, \u00bbfinal\u00ab, \u00bbsui generis\u00ab sowie f\u00fcr \u00bbunverzichtbar\u00ab halten.<\/p>\n<p>Pers\u00f6nlichkeit, Freundschaft, Mu\u00dfe, Harmonie mit der Natur, Respekt sind nur einige Beispiele. Einem radikalen Fokus auf die eigene Pr\u00e4ferenzordnung stellen Vater und Sohn Skidelsky also Ideale entgegen, die intersubjektive Abh\u00e4ngigkeit und Sozialit\u00e4t \u2013 das Mit-Sein \u2013 zum essenziellen Fragment des architektonischen Ganzen machen. Idealerweise offenbart sich hier ein Alterntivfundament, das weniger br\u00fcchig ist als die indoktrin\u00e4re Allgegenwarts-Postulierung des homo oeconomicus. Die Liste der Skidelsky-Basisg\u00fcter lie\u00dfe sich ggfs. Erg\u00e4nzen, in jeder Hinsicht jedoch kann sie zu fruchtbarer Diskussion anregen und den Fokus auf den Horizont der Aktualisierung w\u00fcnschenswerter Potenziale richten, die Schirrmachers Dystopie schon Realit\u00e4t gewordener egoistischer Nutzenmaximierer entgegenstehen.<\/p>\n<p>Auch k\u00f6nnen die Skidelskys plausibel aufzeigen, dass die marxistische Sicht der Konsumw\u00fcnsche nicht zwangsl\u00e4ufig korrekt ist: \u00bbWerbung\u00ab, so schlie\u00dfen sie unter R\u00fcckbezug auf den Soziologen Andr\u00e9 Gorz, \u00bbkann Begierden gestalten, aber nicht aus dem Nichts erzeugen\u00ab. (51) Dass die gegenw\u00e4rtig so schwindelerregend-farb\u00fcberschw\u00e4ngliche Konsumlandschaft den kaufenden Kosmopoliten trotzdem so erfolgreich in seine (ver-)sorgenden Arme schlie\u00dft, f\u00fchren die Skidelskys auf zwei Faktoren zur\u00fcck: Erstens f\u00fchrt Ruhelosigkeit dazu, dass versp\u00fcrte Unzufriedenheiten situativ immer sofort durch etwas Neues \u00fcberdeckt und behoben werden m\u00fcsse: \u00bbWie ein Jucken, das durch Kratzen gelindert werden will\u00ab. (53) Schenkt man den Skidelskys Glauben, erreicht der erw\u00e4hnte Arm der Gro\u00dfkonzerne auch das kleinste Kitzeln, und widerspricht so Keynes These vom nahenden Ende einer S\u00e4ttigung unserer Bed\u00fcrfnisse.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr sorgt \u00fcberdies ein zweiter Grund: die inh\u00e4rente Knappheit derjenigen G\u00fcter, die in radikaler Rarit\u00e4t nur f\u00fcr die Geldelite zu erwerben sind, alte Meister zum Beispiel. Hier hat das Angebot seine nat\u00fcrliche Begrenzung bereits erreicht, da sein Entstehen ein einmalig-historisches Ereignis manifestiert, dessen Produkt zwar verk\u00e4uflich, jedoch zeitlos-knapp ist. Die Aura, die sich irgendwo zwischen den Farbpunkten eines Signac oder hingeklecksten Streifen eines Pollock verbirgt, schwebt in ihrer absoluten Einzigartigkeit weit \u00fcber der Ford\u2019schen Flie\u00dfbandproduktion. So wird sie zum begehrten Luxusgut.<\/p>\n<p>Um es mit den Worten der Skidelskys zu sagen: \u00bbWir sind unserer Natur nach niemals mit dem zufrieden, was wir haben und so m\u00fchen wir uns weiter ab, unsere \u00fcbers\u00e4ttigten Sinne zu stimulieren.\u00ab (53) Was hier sehr nach Thomas Hobbes\u2019 anthropologischem Bild des gierigen Zwitterwesen irgendwo zwischen Wolf und Mensch klingt, wird sogleich relativiert: Die Skidelskys attestieren uns eine naturgegebene \u00bbNeigung\u00ab zur Uners\u00e4ttlichkeit, die jedoch nur dann zu Tage tritt, wenn sie ad\u00e4quat \u00bbbefeuert\u00ab wird. (60) Wir sind nicht per se Wolf.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00bbWas man f\u00fcr Geld nicht kaufen kann\u00ab von Michael Sandel<\/p>\n<p>Michael Sandels Kritik in \u00bbWas man f\u00fcr Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes\u00ab erweist sich als brauchbare Erg\u00e4nzung. Gewohnt ans westliche Moralbewusstsein appellierend, pr\u00e4sentiert er zeitgen\u00f6ssische Fallstudien, die den vorrangig amerikanischen Markt im Kleide \u00e4u\u00dferster Perversion pr\u00e4sentieren: Der Bettler, der vom Reichen f\u00fcrs Schlangestehen bezahlt wird, Wetten auf den Tod eines HIV-Kranken, gekaufte Universit\u00e4tstitel, Zellen-Upgrades im Knast f\u00fcr nur 82 Dollar pro Nacht \u2013 sogar eine \u00bbEntschuldigung\u00ab kann man heutzutage von einem professionellen Apologizer f\u00fcr sich erledigen lassen. Eingebettet in ein Debord\u2019sches Entertainmentspektakel werden unschuldige Neugeborene in Sandels Kabinett der Markt-Kuriosit\u00e4ten nichtwissend gegen Geld zu Namenstr\u00e4gern von Firmennamen \u00e0 la Pepsi Paul und Metro Max \u2013 und ein vorher \u00fcppig behaarter Sch\u00e4del zur blankrasierten Werbefl\u00e4che von New Zealand Air. (Macht nur 777 Dollar!)<\/p>\n<p>Sandels Schrift spekuliert auf des Lesers Emp\u00f6rung, der sich \u2013 in kontinuierlicher Konfrontation mit Schirrmachers Markt-Monster \u2013 selbst in der Rolle des potenziellen Opfers w\u00e4hnt. Ironischerweise schlie\u00dft \u00bbWas man f\u00fcr Geld nicht kaufen kann\u00ab mit der Frage: \u00bbGibt es (&#8230;) moralische Werte, die man f\u00fcr Geld nicht kaufen kann?\u00ab Die Antwort ist der Inhalt des Buches selbst, der wohl jeden Leser \u2013 nach Konfrontation mit seinen vielen sokratisch-hermeneutischen Fragemomenten \u2013 zu einer Affirmation zwingt. Ein radikaler Appell an eine singul\u00e4re Verantwortung f\u00fcr das globale Ganze, wie sie Harald Welzer formulieren wird, bleibt aus.<\/p>\n<p>Sandel liefert keine Handlungsanweisungen oder gar ein Programm. So verbleibt der Leser eher entr\u00fcstet \u00fcber zeitgen\u00f6ssische Formen von wachsendem Wucher, der sich vermehrt in den Feldern des neutral geglaubten Sozialen und Zwischenmenschlichen niederschl\u00e4gt. Sandels Diskussion jedoch vermag das notwendige theoretische Vokabular zu vermitteln, auf das zur\u00fcckgegriffen werden kann, um die Frage nach dem Grund f\u00fcr unser Aufbegehren gegen\u00fcber entfesselten M\u00e4rkten argumentativ fundiert beantworten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Er res\u00fcmiert, dass das Argument des Laissez-faire, das in erster Linie die Entscheidungs- und Wahlfreiheit des Einzelnen zum \u00fcber alles erhabenen Prinzip erhebt, \u00a0\u00bbzwei Arten von Einw\u00e4nden\u00ab auf sich zieht: \u00bbden der Unfairness und den der Korruption.\u00ab (229). \u00bbDer erste Einwand\u00ab, so Sandel, akzeptiere \u00bbdas Prinzip der Entscheidungsfreiheit, fragt aber, ob jede Marktentscheidung wirklich freiwillig erfolgt.\u00ab (229) Wenn eine Heroinabh\u00e4ngige sich gegen Geld von einer privaten Organisation im Bundesstaat North Carolina sterilisieren l\u00e4sst, zweifelt der Leser gerechtfertigterweise an der universellen G\u00fcltigkeit des Prinzips \u00bbautonomer Entscheider\u00ab. Hier wird jemand, um es mit Sandels Worten zu sagen, \u00bbdurch die nackte wirtschaftliche Notwendigkeit \u2026 gezwungen\u00ab (230).<\/p>\n<p>Interessant ist, dass Vater und Sohn Skidelsky mit Sandel ein Team bilden, wenn es darum geht, den Wirtschafts-Nobelpreistr\u00e4ger Gary Becker kritisch unter die Lupe zu nehmen \u2013 Sandels Vergr\u00f6\u00dferungsglas ist hier sogar noch ein wenig sch\u00e4rfer geschliffen als das aus dem Hause Skidelsky. Aus Sicht der Skidelskys findet sich in Beckers Logik der Opportunit\u00e4tskosten f\u00fcr Freizeit ebenjener Schl\u00fcssel zur L\u00f6sung des Problems, das Keynes offensichtliche Nicht\u00fcbereinstimmung mit der Realit\u00e4t aufmacht: Warum hat die Produktivit\u00e4tssteigerung nicht zu mehr Freizeit gef\u00fchrt, wie in Keynes\u2019 Vision von 2030 so wundervoll imaginiert?<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst einmal hatte Keynes unterstellt, dass kein erhebliches Bev\u00f6lkerungswachstum mehr stattfinden w\u00fcrde. Dar\u00fcber hinaus hatte er in der Freizeit ein intrinsisch erstrebenswertes Gut gesehen. Becker hingegen betrachtete Mu\u00dfe vielmehr als Kosten des Nichtarbeitens: Kalkuliert und aufsummiert als Bemessung desjenigen Verlustes, den wir schmerzlich ertragen m\u00fcssen, wenn wir dasjenige Geld, das wir bekommen k\u00f6nnten, arbeiteten wir, nicht bekommen. In dieser Hinsicht also gibt es keinen triftigen Grund f\u00fcr die Annahme, dass mit steigendem Wohlstand die Arbeitszeit zur\u00fcckgehen w\u00fcrde: Denn je mehr wir verdienen, desto teurer wird unsere Freizeit.<\/p>\n<p>Gleichzeitig, so f\u00fcgen die Skidelskys hinzu, wird Freizeit nur dann zum ad\u00e4quaten Kompensator f\u00fcr den Verlust an potenziellem Einkommen, wenn wir ihren Nutzen maximieren: Wir kaufen uns Golfschl\u00e4ger, Garten- und Grillausr\u00fcstung sowie Globetrotter-Allwetterkleidung, werden also zu dem, was Harald Welzer \u00bbFreizeitidioten\u00ab tauft (149). Irgendwann lassen wir uns dann von Red Bull ins All schie\u00dfen \u2013\u00a0nur um dann wieder aus dem sph\u00e4rischen Schwebezustand heraus in die Schwerkraft zur\u00fcckzukehren. Gesponsert vom Markt \u00e4u\u00dferster Ph\u00e4nomenalit\u00e4ten werden wir also zu immer-nachfragenden Konsumenten. Gleichzeitig schlie\u00dft sich mit der notwendigen Arbeit, die die ansteigende Nachfrage schafft, die zirkul\u00e4re Spirale eines infiniten Regresses namens Fort-Schritt.<\/p>\n<p>Sandel wendet dagegen ein, dass Beckers Analyse nicht nur rein deskriptive Kraft, sondern vielmehr eine gef\u00e4hrliche normative Dimension besitze: Laut Becker streben die Menschen stets danach, ihr Wohlergehen zu maximieren \u2013\u00a0und das bei ausnahmslos allen Aktivit\u00e4ten. Diese Annahme, \u00bbunabl\u00e4ssig und unbeirrt angewandt, bildet den Kern der \u00f6konomischen Ann\u00e4herung an menschliches Verhalten.\u00ab (64) Der \u00f6konomische Ansatz gilt uneingeschr\u00e4nkt f\u00fcr alle denkbaren G\u00fcter. Er erkl\u00e4rt Entscheidungen auf Leben und Tod wie auch \u00bbdie Auswahl einer Kaffeemarke.\u00ab (64)<\/p>\n<p>Becker unterstellt hierbei nicht, dass wir uns unserer kontinuierlichen Maximierungs- und quantifizierenden Komparationspraxis bewusst sind. Vielmehr geschehen diese allumfassenden Abw\u00e4gungsszenarien unterbewusst. Mit einem scharfe Auge, so Becker, k\u00f6nne der (all-)wissende \u00d6konom jedoch erkennen, dass \u00bbunser gesamtes Verhalten als rationale Berechnung von Kosten und Nutzen erkl\u00e4rt und vorausgesagt werden kann.\u00ab (65). Implizit zieht Schirrmachers economic man so in den Alltag ein \u2013 Nummer Zwei offenbart sich in prachtvoller Wirkm\u00e4chtigkeit.<\/p>\n<p>Schirrmachers Leistung liegt gerade darin, aufzuzeigen, inwieweit (spiel-)theoretische Spekulation Einzug in praktische Prozesse halten kann und so nicht einfach Theorie bleibt. Sein Opfer ist zwar nicht Chicago-School-\u00d6konom Gary Becker, aber immerhin einer, dem Becker ein beachtliches Ma\u00df an Hochachtung entgegenbringt: der fr\u00fche Game Theory-Verfechter Ken Binmore. So befindet sich auf dessen Buch \u00bbNatural Justice\u00ab eine kurze Kritik von Becker, nat\u00fcrlich \u00fcberschw\u00e4nglich positiv konnotiert. Binmores Ansatz sei \u00bbtruly exciting\u00ab, weil: \u00bbit derives moral principles of fairness, equity, and other behavior from evolutionary theory.\u00ab<a title=\"\" href=\"#_edn3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr Binmore ist Moral ein Nebenprodukt der Evolution, und l\u00e4sst keinen Platz f\u00fcr kantische universals. Schirrmacher hat das erkannt. So empfindet Becker Kants L\u00f6sungen eher als \u00bbarbitrary\u00ab, auch deshalb ist er ein Fan von Binmore. Sein knappes Zitat auf dem Buchr\u00fccken endet mit der glorreichen \u00f6konomischen Vorhersage: \u00bbI predict it will have a significant influence on discussions of moral principles in the future.\u00ab<a title=\"\" href=\"#_edn4\">[iv]<\/a><\/p>\n<p>Game Theory h\u00e4lt Einzug in moralphilosophische Diskussionen \u2013 Kausalrelationen verlaufen nicht mehr eindeutig im rein deskriptiven Rahmen, der sich vom normativen entkoppelt. Auch ein Sandel w\u00e4re hier m\u00f6glicherweise besorgt, nicht nur wegen Kant. In erster Linie ist er bem\u00fcht darum, normativ zu begr\u00fcnden, warum der Markt, inklusive seiner Gleichsetzung des Menschen mit einem rational decider, auf moralische Grenzen st\u00f6\u00dft. Wie Sandel korrekt anmerkt, helfen uns die Ursache-Wirkung-Begr\u00fcndungen der klassisch-politischen Positionen zwischen einem liberalen Laissez-Faire und einer keynesianistischen Interventionspolitik nicht, um das Gef\u00fchl kollektiven outrages gegen\u00fcber den perfiden Markt-Mechanismen zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Der Harvard-Professor bemerkt, dass den Begr\u00fcndungsans\u00e4tzen immer R\u00fcckschl\u00fcsse auf Vorstellungen des guten Lebens implizit sind: Der Markt ist so allumfassend, dass es nicht mehr nur um Zins und Zinseszins geht, sondern um das, was J\u00fcrgen Habermas vielleicht eine Gef\u00e4hrdung der Grundlagen unseres \u00bbgattungsethischen Selbstverst\u00e4ndnisses\u00ab genannt h\u00e4tte<a title=\"\" href=\"#_edn5\">[v]<\/a>. Zwischen weniger zornigen Zeilen als denjenigen eines Frank Schirrmacher l\u00e4sst Sandel also in vergleichbarer, jedoch weniger expliziter Gesinnung erkennen, dass auch er \u00bbMarktdenken und Marktbeziehungen\u00ab in \u00bbjede menschliche Aktivit\u00e4t eindringen sieht\u00ab. (230) Er rekurriert \u2013 \u00e4hnlich wie die Skidelskys \u2013 zumindest implizit auf die Idee eines \u00bbintrinsisch Guten\u00ab, und ist deshalb nicht g\u00e4nzlich frei vom Schimmer eines indirekt-impliziten Dogmatismus hinsichtlich des Guten. Allerdings liefert Sandel theoretisches Werkzeug zum Bau einer diskursiv-st\u00fctzenden Statik, die gegen die Machenschaften maroder M\u00e4rkte zu agieren wei\u00df.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00bbSelbst denken!\u00ab von Harald Welzer<\/p>\n<p>Harald Welzer denkt, ebenso wie Sandel, selbst. \u00bbDenken\u00ab, sagt er, \u00bbreicht allein aber nicht aus: Es muss auch etwas getan werden.\u00ab (15) So erz\u00e4hlt er eine praxistaugliche Gegengeschichte zum Modell der \u00bbexpansiven Moderne\u00ab (60) \u2013 der aktuellen Variante des wachstumsorientierten Kapitalismus. Diese Geschichte ist \u00bbein Mosaik aus unterschiedlichen, gescheiterten und erfolgreichen Entw\u00fcrfen eines guten Umgangs mit der Welt\u00ab. (254) F\u00fcr Welzer gehen solche Entw\u00fcrfe aus der Auseinandersetzung zweier Lehrs\u00e4tze der kritischen Theorie Adornos hervor, die \u2013 obwohl widerspruchsvoll \u2013 handlungsleitend wirken: Gab es f\u00fcr Adorno einerseits \u00bbkein richtiges Leben im falschen\u00ab<a title=\"\" href=\"#_edn6\">[vi]<\/a>, konstatiert dieser in der Minima Moralia: \u00bbIntelligenz ist eine moralische Kategorie.\u00ab<a title=\"\" href=\"#_edn7\">[vii]<\/a> Der zweite Satz ist nach Welzer eine Entkr\u00e4ftung des ersten, weil er das \u00bbSelbstdenken. Die Anleitung zum Widerstand\u00ab integriert. So versucht er Adorno mit Adorno zu widerlegen und pr\u00e4zisiert das Selbst-Denken in einem Regelwerk f\u00fcr verantwortungsbewussten Ungehorsam \u2013 gegen alles Expansive.<\/p>\n<p>Im fr\u00f6hlichen Kontingenzbewusstsein formuliert er Regel 1: \u00bbAlles k\u00f6nnte anders sein\u00ab (293). Schon in diesem Momentum wird deutlich, was ihn von einem Frank Schirrmacher unterscheidet. Zwar referiert auch Welzer \u2013 wie die vorangegangenen Autoren \u2013, dass der gegenw\u00e4rtige Kapitalismus nur die Version einer \u00bbabgestandenen, geheimnis- und verhei\u00dfungslos gewordenen Fortschrittsgeschichte\u00ab (284) zu erz\u00e4hlen vermag. Jedoch charakterisiert er das moderne Erz\u00e4hlwerk mit psychologisch geschultem Blick als mental br\u00fcchige Gemengenlage, die sich aus \u00bbwirtschaftlichen Abstiegs\u00e4ngsten, Zukunftsfurcht und politischer Indifferenz\u00ab (250) zusammensetzt. Der Aktionismus politischer Entscheidungen ergibt sich vermeintlich alternativlos einer \u00bbKolonisierung des Denkens durch den Neoliberalismus\u00ab (251) und der \u00bb\u00d6konomisierung fast aller Lebensbereiche\u00ab (251).<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr Welzer beschreiben diese Ph\u00e4nomene kein allm\u00e4chtiges Monster, sondern eher eine schwankende Gestalt. Daher ist er nicht an einer detaillierten Schilderung des Ist-Zustandes interessiert, geschweige denn mit der intellektuellen Durchdringung eines blo\u00dfen Verstehenwollens zufrieden. Vielmehr erprobt er sich an Robert Musils M\u00f6glichkeits-, statt seines Wirklichkeitssinns. Nat\u00fcrlich ist Welzers Entwurf weder ein Kompendium hoffnungsvoller Illusionen noch ein \u00bbdatenbasierter Masterplan\u00ab (254). Seine Anleitung zum Widerstand enth\u00e4lt wirklichkeitsnahe M\u00f6glichkeiten, die abseits des \u00bbKonsum-Gulags\u00ab [!] Alternativen aufzeigen: \u00bbStatt \u00bbWachstum\u00ab w\u00e4re f\u00fcr sie \u00bbKultivierung\u00ab handlungsleitend, statt \u00bbEffizienz\u00ab \u00bbAchtsamkeit\u00ab. Gegen \u00bbSchnelligkeit\u00ab st\u00fcnde \u00bbGenauigkeit\u00ab, gegen \u00bbALLES IMMER\u00ab \u00bbSaison\u00ab, gegen \u00bbFremdversorgung\u00ab \u00bbResilienz\u00ab und gegen \u00bbKonsum\u00ab: \u00bb<em>Gl\u00fcck<\/em>.\u00ab (288f.)<\/p>\n<p>So verweigert Welzer sich dem Expansionsprinzip und l\u00e4dt zum Denken \u00fcber ein \u00bbLeben und Wirtschaften jenseits des Kapitalismus\u00ab (288) ein. Er will mit diversen Beispielen aus der Praxis eine \u00bbmoralische \u00d6konomie\u00ab aufzeigen, die \u00bbals Widerlager gegen die \u00d6konomisierung alles Sozialen\u00ab (291) wirkt. Den normativen Unterbau bildet die von G\u00fcnther Anders entlehnte \u00bbmoralische Phantasie\u00ab, das verantwortungsbewusste Denken im Futur zwei (291). Welzer situiert seine Fragestellung nicht im einfachen Werden mit offenem Ende, sondern stellt sie unter R\u00fcckbezug auf das Jetzt: \u00bbWer werde ich gewesen sein?\u00ab (133) So ver\u00e4ndern sich die Wertigkeiten, die Perspektiven und die Einstellungen zum Sein \u2013 in Gegenwart und Zukunft.<\/p>\n<p>Aus diesem Blickwinkel w\u00e4hlt Welzer die Versatzst\u00fccke und Charaktere seiner realen Gegengeschichte aus: Es sind Protagonisten wie Heinrich Staudinger, der aus einer maroden Schuhfabrik mit zw\u00f6lf Arbeitern in einer strukturschwachen Region \u00d6sterreichs ein organisch wachsendes Unternehmen mit 120 Mitarbeitern machte. Das Ziel der Firma ist nicht das Geldverdienen, sondern liegt einzig darin, \u00bbdas Leben in der Region besser zu machen, als es ohne sein Unternehmen w\u00e4re.\u00ab (260) Welzer erkennt in der Umdefinition des Unternehmenszweckes, der nicht den Egoismus, sondern das gemeinsame, gute Leben favorisiert, den Widerstand, der gl\u00fccklich werden l\u00e4sst. F\u00fcr ihn sind es gerade solche Gegenmodelle, die deutlich machen, dass es nicht zu sp\u00e4t f\u00fcr ein autonomes Subjekt, sondern gerade jetzt Zeit ist. Aus Welzers Sicht muss Selbst-Denken aber immer ein Selbst-Handeln sein, sonst bleibt es folgenlos.<\/p>\n<p>Jenseits der publikumswirksamen Rhetorikwolke eines Michael Sandel versagt Welzer dem Leser die kathartische Reinigung durch ein zustimmend negierendes Kopfsch\u00fctteln im bequemen Lesesessel. Er wendet sich direkt an den Leser und l\u00e4sst sich \u2013 in eher schlichten Momenten des Buches \u2013 gar zur Publikumsbeschimpfung hinrei\u00dfen. So wirft er den Lesern vor, den ehemaligen Fortschrittsglauben des Aufkl\u00e4rungsgesuchs zu einem Technikvertrauen mit integrierter Gl\u00fccksgarantie zu verkl\u00e4ren: \u00bbDenn ohne Sie g\u00e4be es solche Gesch\u00e4ftsmodelle nicht.\u00ab (287) In der konsumges\u00e4ttigten Erlebnisgesellschaft westlicher Bauart f\u00e4llt es dem Einzelnen augenscheinlich schwer, die gem\u00fctlich-marktkonforme Unm\u00fcndigkeit gegen den aufbegehrenden Widerstand zu tauschen.<\/p>\n<p>In diesem Kontext umrei\u00dft Welzer die Tiefendimensionenen einer s\u00e4kularisierten \u00bbWachtumsreligion\u00ab (49), in der wir weiterhin mit endlichen Ressourcen nach unendlichem Wachstum streben \u2013 obwohl allgemein bekannt ist, \u00bbdass es so nicht weitergeht\u00ab (290). Dass man trotzdem lieber im Status quo verbleibt, f\u00fchrt er auf einfache Verst\u00e4ndnisprobleme zur\u00fcck: Einstellung und Handeln seien nicht deckungsgleich, egal wie gro\u00df die individuelle Emp\u00f6rung \u00fcber die offenkundigen Ungerechtigkeiten sein m\u00f6ge.<\/p>\n<p>Welzer macht daher einen Wirkmechanismus offenbar, der einen grundlegenden Kulturwandel erm\u00f6glichen k\u00f6nne: \u00bbWerte ver\u00e4ndern nicht die Praxis, es ist eine ver\u00e4ndernde Praxis, die Werte ver\u00e4ndert.\u00ab (290) Nur im Handeln k\u00f6nne man sich vom umfassenden Verblendungszusammenhang l\u00f6sen, und so wird die nachhaltige Moderne aller Voraussicht nach \u00bbkein harmonisches Gespr\u00e4ch\u00ab (285). Neue, gesellschaftsver\u00e4ndernde Modelle sind allerdings nicht durch einzelne subkulturelle Singul\u00e4rbewegungen zu verwirklichen. Welzer erkl\u00e4rt, dass es eine milieuunspezifische \u00dcbernahme von drei bis f\u00fcnf Prozent, also \u00bb\u00fcberall Avantgarden\u00ab (285), geben m\u00fcsse, um von einer \u00bboffenen Zukunft mit anderen Mitteln\u00ab (284) erz\u00e4hlen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u00bbIntelligenz ist eine moralische Kategorie\u00ab \u2013 doch neben Adornos Diktum bed\u00fcrfe es eines aktiven Umdenkens: \u00bbEs gelingt nur durch praktiziertes Nichteinverstandensein. Durch Widerstand unterschiedlichster Art. Widerstand gegen sich selbst und gegen die Scheinattraktivit\u00e4t des weiteren Aufenthalts in der Komfortzone.\u00ab (287)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Schluss<\/p>\n<p>Einen ersten Schritt in die Richtung eines \u00bbpraktizierten Nichteinverstandenseins\u00ab geht \u00fcberraschenderweise Frank Schirrmacher. Er schreibt: \u00bb[M]an muss sich klarmachen, dass wir einen Punkt erreicht haben, wo die Modelle unserer Rationalit\u00e4t uns so sehr reduziert haben, dass wir glauben, dass wir nicht mehr in der Lage sind, selbst herauszufinden, was wir wollen.\u00ab (289)<\/p>\n<p>Schirrmacher zeichnet in \u00bbEgo, Das Spiel des Lebens\u00ab eine Dystopie, in der der Mensch der scheinbaren Selbstbestimmung seines Ego erliegt und dabei nicht erkennt, dass nicht mehr er, sondern der Markt, respektive Nummer 2, f\u00fcr ihn entscheidet. Er entlarvt den gegenw\u00e4rtigen Glauben, in dem die Autonomie als das h\u00f6chste Gut evoziert wird \u2013 und sich zumindest in den westlichen Gesellschaften fl\u00e4chendeckend etabliert hat \u2013 als Illusion und monstr\u00f6ses Missverst\u00e4ndnis. Denn die Marktlogik l\u00e4sst f\u00fcr ihn kein \u00bbrichtiges Leben im falschen\u00ab gelingen.<\/p>\n<p>Doch bleibt Schirrmacher ungewohnt wortkarg, wenn es um eine Alternativversion, den Ausweg aus der von ihm postulierten Misere, geht: \u00bbNach Lage der Dinge kann er nur darin bestehen, die \u00d6konomisierung unseres Lebens von einem mittlerweile fest in die Systeme verdrahteten Mechanismus des egoistischen und unaufrichtigen Menschenbildes zu trennen.\u00ab (286) Oder k\u00fcrzer: \u00bbnicht mitspielen.\u00ab (287) Diese Aussagen Schirrmachers korrespondieren mit Welzers Vorstellung von einer vita contemplativa: \u00bbNicht weitermachen, sondern innehalten w\u00e4ren Maximen f\u00fcr den Weg in die reduktive Moderne.\u00ab (141) Ein erster Widerstand best\u00fcnde also in Erkenntnis. Diese jedoch gen\u00fcgt Welzer nicht, um den Weg tats\u00e4chlich zu beschreiten.<\/p>\n<p>Wo Schirrmacher in adornesker Manier den Markt vollst\u00e4ndig in den Menschen eindringen sieht, ihm die kantische Urteilskraft raubt und Nummer 2 die \u00bbT\u00fcr\u00ab zu 1 \u00f6ffnet oder schon l\u00e4ngst ge\u00f6ffnet hat; appelliert Welzer gleich am Anfang an eine neokantische Empanzipation, und auch Sandels Moralphilosophie beinhaltet bekannterma\u00dfen ein durchweg kantisch gef\u00e4rbtes Autonomieideal. \u203aReasoning\u2039 wird bei Sandel gro\u00df geschrieben, und wo es an praktischen Handlungsanweisungen fehlt, ist Welzers Leser mit einer F\u00fclle an M\u00f6glichkeiten begl\u00fcckt. Praktische Vernunft trifft hier auf reine, und Kritik gibt es in jedem Fall.<\/p>\n<p>Bevor es jedoch zu Welzers Aktivit\u00e4tsappell kommt, erinnern uns Vater und Sohn Skidelsky daran, dass eine fundamentale Reformulierung von kommunit\u00e4ren Grundwerten notwendig f\u00fcr die Ebnung eines gangbaren Pfades in eine noch gestaltbare Moderne ist. Die intentionale Ausrichtung des Skidelsky-Buches \u00e4hnelt zun\u00e4chst derjenigen Schirrmachers. Jedoch zielen Philosoph Edward und Keynes-Experte Robert in erster Linie auf die Wiederbelebung der Wirtschaft als \u00bbeine Wissenschaft von Menschen, die in Gemeinschaften zusammenleben, nicht von interagierenden Robotern.\u00ab (17)<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Schirrmacher sehen sie also einen deutlich schimmernden Rest an Emanzipationspotenzial. Einer poststrukturalistischen Subjektsdiffusion und auch der Rawls\u2019schen Gerechtigkeitskonzeption der nur-negativen Freiheit stellen sie klassische Werte des Guten entgegen \u2013 und versuchen dabei auch noch, so wenig dogmatisch wie m\u00f6glich zu sein. Was man hier findet, ist Wachstumskritik\u00a0zum Zwecke\u00a0der Erinnerung an und R\u00fcckbesinnung auf das \u203aGute Leben\u2039 \u2013 wie der britische Philosoph sagen w\u00fcrde: \u203aThe Good Life with a capital G\u2039.<\/p>\n<p>Wie genau sich dieses \u203aGute Leben\u2039 im Detail ausgestalten m\u00fcsste, vermag\u00a0keines der vier B\u00fccher in letzter Konsequenz aufzuzeigen, doch bergen ihre unterschiedlichen Perspektiven Einsichten in die Wirkmechanismen des zeitgen\u00f6ssischen Kapitalismus. [Anmerkung der Red.: Um zu solchen Einsichten zu gelangen, muss man die B\u00fccher \u2013 praktischerweise und ganz im Sinne des propagierten Antikonsumismus \u2013 nicht einmal aufschlagen, sondern nur die Marketingmacht studieren, mit der die B\u00e4nde in ihren jeweiligen nationalen M\u00e4rkten (und Sandels Titel sogar international) platziert worden sind.] Gemeinsam ist den B\u00fcchern von Schirrmacher, Skidelsky &amp; Skidelsky, Sandel und Welzer der Aufruf zu weitreichender Ver\u00e4nderung. Schirrmacher fordert Selbst-Erkenntnis, die Skidelskys geteilte Werte, Sandel moralische Vernunft und Welzer gelebte Praxis.<\/p>\n<p>Vor allem Harald Welzer zeigt Ver\u00e4nderungspotenzial auf \u2013 real wie fiktional.\u00a0Utopien h\u00e4lt er zwar generell f\u00fcr problematisch, insofern sie politisch machtvoll in dominanter top-down Repression durchgesetzt werden \u2013 jedoch\u00a0seien \u00bbUtopien ein gro\u00dfartiges Mittel, um Denken und W\u00fcnschen zu \u00fcben.\u00ab (136) Seine Konsequenz: Er formuliert seine eigene, kleine Geschichte f\u00fcrs Jahr 2033, die irgendwo zwischen der dystopisch-apokalyptischen Vision eines Frank Schirrmacher und der Marmeladenfiktion John Maynard Keynes\u2019 von einer Alternative erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Welzer imaginiert einen Paradgimenwechsel\u00a0\u00bbvom Besitzen zum Nutzen\u00ab (154) \u2013 f\u00fcr ihn der lebenswert-lockere\u00a0\u00bbLifestyle des Loslassens\u00ab (154) einer allumfassenden Sharing-Economy.\u00a0Welzers M\u00f6glichkeitsgesellschaft, die nach\u00a0aktiver Partizipation verlangt, um wirklich zu werden, verf\u00fcgt \u00fcber weniger\u00a0Produkte und sorgt somit f\u00fcr einen geringeren Verbrauch von Material und f\u00fcr\u00a0reduzierte Emissionen.\u00a0Als Folge malt er sich aus:\u00a0\u00bbDer Spa\u00df hat sich verdoppelt, die verf\u00fcgbare Zeit vermehrt: Man verschwendet sich nicht mehr an Konsumentscheidungen. Das kulturelle Modell hei\u00dft: Lebenskunst. Das Zugeh\u00f6rige Adjektiv: leicht.\u00ab (154)<\/p>\n<p>In beinahe Keynes\u2019scher Manier visioniert Welzer verk\u00fcrzte Arbeitszeiten aufgrund des Produktionsr\u00fcckgangs und der sinkenden Konsumausgaben. Gleichzeitig komme es zu einer\u00a0\u00bbRekultivierung des \u00f6ffentlichen Raumes\u00ab (156-157).\u00a0\u00c4hnlich wie die Skidelskys argumentiert Welzer f\u00fcr ein bedingungsloses Grundeinkommen. Doch im Bewusstsein, dass nicht nur realpolitische Forderungen, sondern insbesondere die narrative Fiktion das Denken zur Handlung anstiftet, sinniert er zugleich am\u00fcsiert \u00fcber die potenzielle R\u00fcckkehr des\u00a0\u00bbDandytums\u00ab \u2013 in ein Paris, in dem auf einmal wieder\u00a0\u00bbteuer gekleidete Menschen \u2026 Hummer und Schildkr\u00f6ten spazieren\u00ab f\u00fchren (157).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[i]<\/a> Vgl. John Maynard Keynes \u00bbWirtschaftliche M\u00f6glichkeiten f\u00fcr unsere Enkelkinder\u00ab, in: Norbert Reuter: \u00bbWachstumseuphorie und Verteilungsrealit\u00e4t. Wirtschaftspolitische Leitbilder zwischen Gestern und Morgen. Mit Texten zum Thema von John Maynard Keynes und Wassily W. Leontief\u00ab, Marburg 2007.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[ii]<\/a> Vgl. Adam Smith: \u00bbDer Wohlstand der Nationen\u00ab, M\u00fcnchen 1974, S. 16 f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[iii]<\/a> Vgl. hierzu Ken Binmore: \u00bbNatural Justice\u00ab, Oxford 2011.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">[iv]<\/a> Ebd.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">[v]<\/a> Vgl. hierzu: J\u00fcrgen Habermas: \u00bbDie Zukunft der menschlichen Natur: Auf dem Weg zu einer liberalen Eugenik?\u00ab, Frankfurt 2005.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\">[vi]<\/a> Vgl. Theodor W. Adorno: \u00bbMinima Moralia\u00ab, Frankfurt a. M. 1951, S. 42.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\">[vii]<\/a> Ebd, S. 262.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliografischer Nachweis: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Michael Sandel<br \/>\nWas man f\u00fcr Geld nicht kaufen kann. Die moralischen Grenzen des Marktes<br \/>\nBerlin 2012<br \/>\nUllstein Verlag<br \/>\nISBN-13: 978-3550080265<br \/>\n304 Seiten<\/p>\n<p>Robert und Edward Skidelsky<br \/>\nWie viel ist genug? Vom Wachstumswahn zu einer \u00d6konomie des guten Lebens<br \/>\nSBN-13: 978-3888978227<br \/>\nM\u00fcnchen 2013<br \/>\nVerlag Antje Kunstmann<br \/>\n320 Seiten<\/p>\n<p>Frank Schirrmacher<br \/>\nEgo. Das Spiel des Lebens<br \/>\nISBN-13: 978-3896674272<br \/>\nM\u00fcnchen 2013<br \/>\nKarl Blessing Verlag<br \/>\n352 Seiten<\/p>\n<p>Harald Welzer<br \/>\nSelbst denken! Eine Anleitung zum Widerstand<br \/>\nISBN-13: 978-3100894359<br \/>\nM\u00fcnchen 2013<br \/>\nS. Fischer Verlag<br \/>\n336 Seiten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marktschreier<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1473,1692,1837,2055,2058,2070,2146,2518],"class_list":["post-1850","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-maschewski","tag-nosthoff","tag-pop-zeitschrift-2","tag-sammelrezension","tag-sandel","tag-schirrmacher","tag-skidelski","tag-welzerl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1850","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1850"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1850\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1850"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1850"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1850"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}