{"id":1938,"date":"2013-06-29T10:09:32","date_gmt":"2013-06-29T08:09:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=1938"},"modified":"2013-06-29T10:09:32","modified_gmt":"2013-06-29T08:09:32","slug":"literatur-im-zeichen-von-social-mediavon-jan-drees29-6-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/06\/29\/literatur-im-zeichen-von-social-mediavon-jan-drees29-6-2013\/","title":{"rendered":"Literatur im Zeichen von Social Mediavon Jan Drees29.6.2013"},"content":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchsommer auf einer Hildesheimer Tagung zu \u00bbneuen Formen der Literaturvermittlung\u00ab: Null und Eins. <!--more mehr-->Schriftstellerin Rabea Edel bezeichnet Facebook als \u00bbneues Blogformat\u00ab, jedoch nicht als Mitmachliteraturforum. Sie treibt sich auf Tumblr, Twitter und Instagram \u00bbein bisschen\u00ab rum, gibt aber an, das alles habe mit ihrem literarischen Schreiben nichts zu tun.<\/p>\n<p>142.000 Follower lesen die (schon lange nicht mehr t\u00e4glich geposteten) Tweets von Sascha Lobo, der zwar 15.000 Exemplare seines Deb\u00fctromans \u00bbStrohfeuer\u00ab verkauft hat, aber darin keine Twitter-Werbe-Effekt ausmachen kann. Sascha Lobo benutzt Social-Media-Formate nur noch zum Senden, \u00bbkeinesfalls um zu reagieren, um zu antworten.\u00ab Seine B\u00fccher sind nicht in Diskussion mit der \u203aInternetgemeinde\u2039 entstanden, sondern bei Co-Projekten via Google Docs, bei dem allein f\u00fcr ein bestimmtes Dokument freigeschaltete Benutzer einen Text ver\u00e4ndern, um- und neuschreiben k\u00f6nnen (w\u00e4hrend die \u00e4lteren Versionen im Hintergrund gesichert bleiben). Der Schwarmroman l\u00e4sst also auf sich warten, sieht man von Fanfiction oder dem Konzept des \u203auncreatice conceptual writing\u2039 ab.<\/p>\n<p>Die kollektive Intelligenz ist weniger am Entstehens- und mehr am Entschl\u00fcsselungsprozess beteiligt. Auf Seiten wie poetrygenius oder rapenius werden Meisterwerke der Welt- und Hip-Hop-Literatur (\u00bbUlysses\u00ab, \u00bbNew Slaves\u00ab) von vielen kommentiert, als Gegenprojekt zu kommentierten Ausgaben wie dem 50-Euro-Klotz von Suhrkamp. Sind die Autoren tot, hat das freilich kein Einfluss aufs Werk. Andererseits r\u00fccken nun Leser und Autor (auch durch Formate wie Lovelybooks und Goodreads) n\u00e4her zusammen.<\/p>\n<p>Sascha Lobo gibt zu, dass er derart darauf trainiert ist, 140-Zeichen-S\u00e4tze zu verfassen, dass er einerseits in seiner Spiegel.de-Kolumne Sentenzen einbringt, die von anderen via Twitter gepostet werden k\u00f6nnen \u00bbzirka 120 Zeichen, weil der Link dazu muss\u00ab. Dieses Verfahren hat sich aber auch in \u00bbStrohfeuer\u00ab geschlichen. S\u00e4tze, um sie zu zitieren. Das klingt prima, erinnert zudem an die Motown-Praxis, m\u00f6glichst viele Hooks in einen Song zu packen, auf dass er im Ged\u00e4chtnis h\u00e4ngen und mitgesungen werden kann. \u2013 Einwurf von Rabea Edel: \u00bbIst das nicht total opportunistisch?\u00ab<\/p>\n<p>\u00dcber jeglichen Opportunismusverdacht erhaben ist Kookbooks mit seinen Netz-, Buch-, Raum- und Finanzierungsformaten. \u00bbB\u00fccher sind nur ein kleiner Teil dessen, was wir machen\u00ab, sagt Kookbooks-Verlegerin Daniela Seel, die sich nach \u00bbneuen R\u00e4umen\u00ab umsieht, die M\u00f6glichkeiten einer \u00bbanderen Fixierung und Haltbarkeit von Literatur\u00ab auslotet. Diese findet immer mehr im Netz statt, auf Seiten wie G13 oder fixpoetry. Sie existiert aber auch als Texttanzst\u00fcck, als \u00bbSprechende G\u00e4nge\u00ab-Kookwalk durch Berlin. \u00bbWas wir hier machen ist Literaturselbstverteidigung, Produzentengalerie.\u00ab Die M\u00f6glichkeiten seien vielz\u00e4hlig und es verwundere doch, dass die Self-Publishing-Szene (noch) relativ klein sei.<\/p>\n<p>Daniela Seel h\u00e4lt einen Vortrag, unterst\u00fctzt von dem Programm pecha kucha, bei dem insgesamt 20 Bilder jeweils 20 Sekunden lang projiziert werden. Pecha kucha funktioniert in der Nacherz\u00e4hlung nicht, sondern ist im besten Fall ein in sich stimmiges, nicht singul\u00e4r herausl\u00f6sbares Gesamtbild aus Ton, Bild, \u203aZeit und Raum\u2039.<\/p>\n<p>\u00bbMAZ ab!\u00ab \u2013 mit diesem altbekannten Satz er\u00f6ffnet Jo Lendle seinen Pecha-Kucha-Vortrag, ein Gedankenexperiment, ebenso wie das von Daniela Seel. Jo Lendle wird Ende des Jahres Nachfolger von Hanser-Verleger Michael Kr\u00fcger, Er hat mit Miniaturen bei Suhrkamp als Autor deb\u00fctiert. Er kann Tausend-Seiten-Werke betreuen und zur gleichen Zeit bei Facebook, Twitter, im Blog die Esprit-Werbekampagne persiflieren. Jo Lendles Sprache ist der jeweiligen Form angepasst, womit es nun zum Kern des sp\u00e4ter in allen Feuilletons diskutierten Pecha-Kucha-Vortrags aus Hildesheim geht (der allein als <a title=\"lendle redetext\" href=\"http:\/\/www.literaturcafe.de\/kuenftiger-hanser-verleger-jo-lendle-verlage-sind-schon-heute-nicht-mehr-noetig\/\" target=\"_blank\">Text<\/a> nachpubliziert wurde).<\/p>\n<p>Er entwirft das Modell des Self Publishers, spricht von zwei nebeneinander existierenden Verlagen \u2013 dem Selbstverlag (wie ihn Daniela Seel Minuten zuvor noch skizziert und in Differenz zum Althergebrachten gebracht hat). Vorsch\u00fcsse zahlt der Selbstverlag nicht. Texte werden nur dann lektoriert, wenn es der Autor w\u00fcnscht (wie zuletzt Dirk von Gehlen, der bei \u00bbEine neue Version ist verf\u00fcgbar\u00ab das Lektorat extern eingekauft hat).<\/p>\n<p>Sascha Lobo legte zuvor mit Sobook ein neues Literaturmarketingkonzept vor. Kern dieses Konzeptes ist ein Tool, das es erm\u00f6glicht, Buchzitate so zu verlinken, dass die anderen Nutzer, beispielsweise von Facebook (die Seite hat mehr Zugriffe als die 99 ihr im Ranking folgenden Social-Media-Angebote) beim Anklicken direkt im Text landen, dann zwei Seiten lesen k\u00f6nnen, bevor sie aufgefordert werden, den Rest des \u203aBuchs\u2039 zu kaufen. Der Kindle sei eine \u00dcbergangsform. B\u00fccher und Browserfenster gehen nach Sascha Lobos Analyse eine Symbiose ein. \u00bbDie Leute werden das nutzen. Sie zahlen dann nur nicht mehr 19,99 Euro f\u00fcr ein Buch, sondern eher 2,99 Euro\u00ab, sagt er. Gleichzeitig k\u00f6nnen so neue Vernetzungen ausprobiert werden. Ein Gegenmodell zu althergebrachten Verlagen wie Hanser soll Sobook definitiv nicht sein, sondern eine\u00a0 erg\u00e4nzende Vermarktungsm\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zu Jo Lendle und seinem Vortragstext. Mit keiner einzigen Silbe sagt er, Verlage seien \u00fcberfl\u00fcssig. Doch genau das wird ihm unterstellt. Im Wortlaut sagt er aber: \u00bbVerlage sind schon heute definitiv nicht mehr n\u00f6tig. Autoren k\u00f6nnen ab sofort ausw\u00e4hlen \u2013 und dabei wom\u00f6glich die Vorteile der Arbeitsteilung erkennen. Verlage verlieren durch diese Wahlm\u00f6glichkeit ihr T\u00fcrh\u00fctermonopol und werden zu Edel-Dienstleistern. Wir werden uns anstrengen m\u00fcssen.\u00ab Man h\u00e4tte den Unterschied zwischen \u00bbnicht mehr n\u00f6tig\u00ab und \u203a\u00fcberfl\u00fcssig\u2039 kennen k\u00f6nnen. Aber dann h\u00e4tte es im Feuilleton keinen Text gegeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur <a title=\"homepage drees\" href=\"http:\/\/www.lesenmitlinks.de\/\" target=\"_blank\">Homepage<\/a> von Jan Drees<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Fr\u00fchsommer auf einer Hildesheimer Tagung zu \u00bbneuen Formen der Literaturvermittlung\u00ab: Null und Eins.<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1089,1114,1136,1395,1837,2450],"class_list":["post-1938","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-internet","tag-jan-drees","tag-jo-lendle","tag-literatur","tag-pop-zeitschrift-2","tag-verlage"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1938","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1938"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1938\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}