{"id":2032,"date":"2013-07-21T16:50:18","date_gmt":"2013-07-21T14:50:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=2032"},"modified":"2013-07-21T16:50:18","modified_gmt":"2013-07-21T14:50:18","slug":"pussy-riotfeministische-und-anarchistische-performance-kunstvon-jacqueline-segschneider-und-hanna-heinrich21-7-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/07\/21\/pussy-riotfeministische-und-anarchistische-performance-kunstvon-jacqueline-segschneider-und-hanna-heinrich21-7-2013\/","title":{"rendered":"Pussy RiotFeministische und anarchistische Performance-Kunstvon Jacqueline Segschneider und Hanna Heinrich21.7.2013"},"content":{"rendered":"<p>Weltanschauung gegen Putin<!--more-->Durch die Verhaftung dreier Mitglieder der Gruppe Pussy Riot, Marija Vladimirovna Al\u00ebchina, Ekaterina Stanislavovna Samucevi\u010d und Nade\u017eda Andreevna Tolokonnikova, wurde die Welt\u00f6ffentlichkeit auf diese Gruppe aufmerksam, die bereits im September 2011 in Moskau gegr\u00fcndet wurde. Sie besteht aus ungef\u00e4hr 12 Frauen, die w\u00e4hrend ihrer Performances, aber auch bei Interviews, immer wieder mit Wollm\u00fctzen auftreten. Diese M\u00fctzen weisen Aussparungen wie Sturmhauben auf, was den Mitgliedern bis zu ihrer ersten Verhaftung eine Zeit lang Anonymit\u00e4t<a title=\"\" href=\"#_edn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> und gleichzeitig Schutz vor Strafverfolgung durch die Moskauer Polizeibeh\u00f6rden erm\u00f6glichte.<\/p>\n<p>Sie selbst stellen sich in Interviews als feministische Punkgruppe vor, die keinerlei Hierarchie besitzt, keine biographischen Details preisgibt und keinen Wert auf ihr Aussehen legt, denn sie wollen nicht auf ihr Gesicht oder auf eine einzige Pers\u00f6nlichkeit reduziert werden.<a title=\"\" href=\"#_edn2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Indes ist dies lediglich Teil ihrer Performance, denn sie stellen auch fest, dass Russland eine militante und punk-feministische Stra\u00dfenband dringend ben\u00f6tigt, um die Opposition gegen den Pr\u00e4sidenten der Russischen F\u00f6deration Vladimir Vladimirovi\u010d Putin zu st\u00e4rken,<a title=\"\" href=\"#_edn3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> wodurch die politische Implikation mehr als deutlich zutage tritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0Die Performances von Pussy Riot<\/p>\n<p>Hier sollen nun f\u00fcnf Videos zu ihren Live-Performances vorgestellt werden, wobei die letzte in der Christ-Erl\u00f6ser-Kathedrale zur Inhaftierung und Verurteilung in erster Instanz f\u00fchrte. Diese Videos eignen sich zur Analyse, da sich erst durch die Summe der Performances die Intentionen der K\u00fcnstlergruppe erfassen und einordnen lassen, dennoch muss darauf hingewiesen werden, dass es sich hierbei, wie bei den kommentierten Fotodokumentationen, nur um anschauliche Belege der Performances an sich, die durch ihre Transienz gepr\u00e4gt sind, handelt. Das politische Provokationspotential der Performancekunst ist in seiner G\u00e4nze nur live und im \u00f6ffentlichen Raum gegeben.<\/p>\n<p>Daher handelt es sich bei den Videos auch nicht um Filmprojekte oder gar um Musikvideos im Verst\u00e4ndnis der Musiksender, sondern um eine Dokumentation, die zum Bestandteil der eigentlichen Performance geworden ist. Die generelle Frage nach der Dokumentierbarkeit von Performances wird in der Kunstwissenschaft kontrovers diskutiert. Folgt man Auslander und Jones, die letztlich eine Differenz und gegenseitige Abh\u00e4ngigkeit von Performance und Dokumentation der Performance konstatieren, muss die Fotografie oder das Video einer Performance klar von der Performance selbst, als ephemeres Ereignis, unterschieden werden, weil es letztlich nur Substitut, Erinnerungsst\u00fcck ist. Zur Diskursivierung, um einen retrospektiven Zugang zu erm\u00f6glichen, ist die Dokumentation der Performance jedoch unerl\u00e4sslich und letztlich ebenso wichtig wie die Performance selbst.<a title=\"\" href=\"#_edn4\"><sup>[4]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die erste Performance<a title=\"\" href=\"#_edn5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> mit dem Titel <em>Gruppa Pussy Riot \u017e\u017eet putinskij glamur<\/em> (\u201eDie Gruppe Pussy Riot verbrennt den Puntinschen Glamour\u201c) und dem Lied <em>Kropotkin-Vodka<\/em> wurde bereits im November 2011 aufgenommen, aber erst im Dezember ver\u00f6ffentlicht.<\/p>\n<p>Als Schaupl\u00e4tze wurden das Dach eines Glaskastens, in dem ein Jaguar in einer Einkaufspassage ausgestellt wurde, Edelboutiquen und eine Modenschau gew\u00e4hlt. Die einzelnen Szenen sind zusammengeschnitten und folgen keiner chronologischen Reihenfolge.<\/p>\n<p>Das Video ist 1:35 min lang und beginnt mit einer Szene aus der Modenschau des Designers Denis Sima\u010dev, bei der Pussy Riot ein Feuer auf dem Laufsteg entz\u00fcndete, an dem sich das Kleid einer der beteiligten K\u00fcnstlerinnen entfachte, so dass sie letztlich in Flammen stand. Bei dieser Modenschau war auch der Maler Nikas Safronov anwesend, u.a. Portraitmaler Putins<a title=\"\" href=\"#_edn6\"><sup>[6]<\/sup><\/a>. Daraufhin werden drei K\u00fcnstlerinnen auf dem Dach des Glaskastens, in dem sich ein Automobil der Marke Jaguar befindet, gezeigt, w\u00e4hrend sie versuchen das Glasdach einzutreten. Auf zwei Seiten des Glaskastens ist die Aufschrift <em>\u017divot kak iskusstvo<\/em> (\u201eLeben als Kunst\u201c) zu lesen.<\/p>\n<p>Im n\u00e4chsten Spot stehen sie im Schaufenster einer Boutique und imitieren eine Masturbation. Daraufhin wir erneut die Glaskastenszene eingeblendet. Diese Szene wechselt mit Einstellungen in den Boutiquen, in denen sie sich Fellwesten anziehen oder auf einem Ladentisch tanzen. Ab 0:27 werden abwechselnd mit den vorherigen Spots auch Szenen von der Modenschau und das Verspr\u00fchen von L\u00f6schmittel auf die Stra\u00dfe gezeigt. In dem Liedtext werden explizit Frauen angesprochen und aufgerufen, mit der Bratpfanne auf die Stra\u00dfe zu gehen. Sie sollen Bataillone von Polizistinnen verf\u00fchren. Hier bezieht sich Pussy Riot auf eine Aktion der K\u00fcnstlergruppe Vojna (Krieg), in der mehrere K\u00fcnstlerinnen in ganz Moskau Polizistinnen gek\u00fcsst haben, worauf im weiteren Text noch eingegangen wird.<\/p>\n<p>Der Refrain lautet sinngem\u00e4\u00df \u201eSchluss und Aus f\u00fcr die sexistischen, verfickten Putinisten\u201c (<em>Pizdec seksistam ebanym putinistam!<\/em>). Im Text werden W\u00f6rter des so genannten <em>Mat<\/em>-Vokabulars verwendet, die als vulg\u00e4r und umgangssprachlich zu umschreiben sind. Daraufhin referieren sie auf den Titel <em>Kropotkin-Vodka<\/em>, der den Oppositionellen gut bekommen werde, allerdings den regierenden Politikern nicht. Die Bezeichnung ist nicht willk\u00fcrlich gew\u00e4hlt, denn bei P\u0451tr Alekseevi\u010d Kropotkin (1842-1921) handelt es sich um einen Vertreter des russischen Anarchismus. Er gilt neben Pierre-Joseph Proudhon und Michail Bakunin als bekanntester Theoretiker des Anarchismus,<a title=\"\" href=\"#_edn7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> womit die Gruppe auch ihre eigene Orientierung kundgibt. Im Folgenden warnt die Gruppe die Regierenden, dass sie Kennedy treffen werden. In der n\u00e4chsten Strophe sind wieder Zeilen vorzufinden, in denen behauptet wird, dass der Schlagring bereit liege und der Feminismus nun an Sch\u00e4rfe zugenommen habe. Des Weiteren fordern sie die russischen Machthaber auf, ihre Suppe nach Ostsibirien zu tragen, damit dieser Aufstand in angemessener Weise grob werden kann. Dies kann als Hinweis gedeutet werden, dass die herrschende Klasse nach Meinung von Pussy Riot bestraft werden m\u00fcsse.<\/p>\n<p>Die zweite Performance<a title=\"\" href=\"#_edn8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> <em>Dev\u010donki iz PUSSY RIOT zachvatyvajut transport<\/em> (\u201eDie M\u00e4dels von Pussy Riot erobern den \u00f6ffentlichen Nahverkehr\u201c) mit dem Lied <em>Osvobodi brus\u010datku<\/em> (\u201eBefrei\u2019 den Pflasterstein\u201c) fand am Tag der russischen Parlamentswahlen, dem 04.12.2011, statt.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass zuvor, im Jahr 2008, zwei entscheidende Verfassungs\u00e4nderungen vorgenommen wurden, wodurch die Legislaturperiode der Staatsduma Russlands von vier auf f\u00fcnf Jahre und die Amtszeit des russischen Pr\u00e4sidenten (dessen Wahl am 04.03.2012 stattfand) von bislang vier auf sechs Jahre verl\u00e4ngert wurden.<a title=\"\" href=\"#_edn9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Dies erm\u00f6glichte unter anderem den Postenwechsel zwischen V. V. Putin und D. A. Medvedev.<\/p>\n<p>Wie alle Performances der Gruppe wurde sie als Videoaufzeichnung, hier in einer L\u00e4nge von 2:12 min, auf dem Internetportal YouTube ver\u00f6ffentlicht. Zu sehen sind drei Mitglieder, die, wie bereits erw\u00e4hnt, umfunktionierte Wollm\u00fctzen, einfarbige Minikleider und bunte Str\u00fcmpfe tragen. Zun\u00e4chst befinden sie sich auf einem Bauger\u00fcst in einer Metrohaltestelle, das aus unterschiedlichen Blickwinkeln aufgenommen wurde. Unterbrochen wird diese Kameraeinstellung durch die Einblendung einer Szene, in der eine Solistin auf dem Dach einer Stra\u00dfenbahn zu sehen ist (min 0:06-0:08). Ab min 0:15 tanzen und spielen sie auf einem Bus des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs. Zuvor hatten sie ein Kopfkissen zerrissen und die Federn auf Passanten verteilt. Von hinten ist eine aufgebrachte Frau zu sehen, was an ihrer Handbewegung deutlich wird.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Einblende beginnt mit der Aufnahme der Knie (min 0:17), worauf unterschiedliche Einblendungen der Metro-Szene folgen, die von einer Einblendung von drei Polizisten und anderer Passanten unterbrochen wird. Ab min 1:08 sind wieder Federn zu sehen, die auf die zuschauenden Fahrg\u00e4ste niederregnen. Darauf folgen unterschiedliche Einblendungen der unterschiedlichen vorangegangenen Szenen. Zur letzten Zeile l\u00e4sst eine Solistin mit den Worten <em>Feministskij chlyst polezen Rossii!<\/em> (\u201eRussland braucht die feministische Peitsche!\u201c) einen G\u00fcrtel knallen. Der Abspann ist aus der fahrenden U-Bahn aufgenommen.<\/p>\n<p>Im Liedtext wird zun\u00e4chst auf die allgemeinen Missst\u00e4nde hingewiesen und die Rolle der Frau in der russischen Gesellschaft kritisiert. Sie erkl\u00e4ren, dass es nie zu sp\u00e4t sei, eine Herrin zu werden, denn die Kn\u00fcppel l\u00e4gen bereit und die Schreie w\u00fcrden lauter. Daher sollten die Frauen ihre Arme und Beine dehnen und der Polizist k\u00f6nne sie oral befriedigen.<\/p>\n<p>Zuletzt wird zum Aufstand auf dem Roten Platz nach Vorbild der \u00e4gyptischen Proteste auf dem Tahrir-Platz aufgerufen, was mit dem Appell, einen wilden Tag mit starken Frauen zu verbringen, kombiniert wird.<\/p>\n<p>In der dritten, 1:17 min langen Performance <em>PUSSY RIOT pojut politzekam na kry\u0161e tjur\u2019my<\/em> (\u201ePussy Riot singt f\u00fcr die politischen Gefangenen auf dem Gef\u00e4ngnisdach\u201c)<a title=\"\" href=\"#_edn10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> mit dem Lied <em>Smert\u2019 tjur\u2019me, svobodu protestu<\/em> (\u201eTod dem Gef\u00e4ngnis, Freiheit dem Protest\u201c) steigen die K\u00fcnstlerinnen auf das Dach eines Nebengeb\u00e4udes des Gef\u00e4ngnisses, in denen die Demonstranten, die am 05.12.2011 gegen die Wahlergebnisse der Parlamentswahl protestiert hatten, inhaftiert waren.<\/p>\n<p>Am Dach befestigten sie ein Plakat mit dem Titel des Liedes, wobei es sich um eine Abwandlung der Losung <em>Smert\u2019 fa\u0161izmu, svoboda narodu<\/em> handelt. Urspr\u00fcnglich handelt es sich dabei um die Losung \u201e<em>Smrt fa\u0161izmu, sloboda narodu<\/em> (\u201eTod dem Faschismus, Freiheit f\u00fcr das Volk\u201c) des jugoslawischen Partisanenk\u00e4mpfers Stjepan Filipovi\u0107, der dies kurz vor Vollstreckung des Todesurteils durch Erh\u00e4ngen am 22.05.1942 ausgesprochen haben soll. Inhaltlich wird auch hier gefordert, dass die <em>direkte Aktion<\/em> zur Zukunft der Menschheit werden soll, wobei die LGBT-Gemeinschaft und die Feministinnen gefragt seien. Der Wille eines jeden soll ohne F\u00fchrer an die Macht. Die Proteste werden als Befreiungsakt umschrieben, daher sollen die Pl\u00e4tze besetzt werden, um friedlich die Macht zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Die vorletzte Performance <em>Pussy Riot na Krasnoj plo\u0161\u010dadi &#8211; pesnja \u201aPutin zassal\u2018<\/em> (\u201ePussy Riot auf dem Roten Platz &#8211; das Lied <em>Putin bepisst sich [vor Angst]<\/em>\u201c)<a title=\"\" href=\"#_edn11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> fand auf dem Roten Platz, genauer auf dem Lobnoe mesto statt.<\/p>\n<p>Dieser Ort ist besonders geschichtstr\u00e4chtig; u.a. protestierten hier im Jahre 1968 w\u00e4hrend der Sowjet-Zeit acht Demonstranten gegen den Einmarsch der Sowjets in die damalige Tschechoslowakei mit dem Transparent <em>Za va\u0161u i na\u0161u svobodu<\/em> (\u201eF\u00fcr Eure und unsere Freiheit\u201c) und wurden daraufhin inhaftiert. Die Gruppe Pussy Riot tritt dort am 20.01.2012 in Erinnerung daran auch mit acht Frauen auf. W\u00e4hrend der Performance schwenken sie eine Fahne mit der \u201efeministischen Faust\u201c und z\u00fcnden gleichzeitig Farbbomben. Im Text stellen die Frauen ihre Wunschvorstellung vor. Sie beschreiben, wie sich eine Kolonne in Richtung Kreml bewegt, in den B\u00fcros des Nachrichteninlandsdienstes FSB die Scheiben zerbersten und \u201aSchlampen\u2018 hinter den roten Mauern urinieren.<\/p>\n<p>Die Gruppe ruft zum Sturz des Systems auf. In der n\u00e4chsten Strophe wird auf die oben erw\u00e4hnte Demonstration aus dem Jahre 1968 Bezug genommen, allerdings wird die damalige Parole in einen anderen Kontext gesetzt, denn im Namen der Freiheit soll die Peitsche strafen. So werden Maria, die Mutter Gottes und Maria Magdalena auch an den Protesten teilnehmen. Im Refrain werden die Worte <em>Bunt v Rossii<\/em> (\u201eRevolte in Russland\u201c) viermal wiederholt, worauf unterschiedliche Erg\u00e4nzungen folgen, die von dem Charisma des Protests und auch von Putins Angst handeln. Es folgt eine Aufforderung zum Protest. In den letzten Strophen \u00e4u\u00dfern sie ihre Unzufriedenheit mit der Kultur der m\u00e4nnlichen Hysterie, w\u00e4hrend gleichzeitig der wildwachsende Kult der f\u00fchrenden Politiker die Gehirne zerfrisst. Die propagierte Superiorit\u00e4t der M\u00e4nnlichkeit wird ebenfalls angeklagt. Dar\u00fcber hinaus hei\u00dft es, dass die Regierung die Zensur der Tr\u00e4ume vorantreibe, daher sei die Zeit f\u00fcr einen subversiven Zusammensto\u00df gekommen.<\/p>\n<p>F\u00fcr die letzte hier vorgestellte Performance \u201e<em>Pank-moleben \u201eBogorodica, Putina progoni\u201c Pussy Riot v Chrame<\/em> (Das Punkgebet \u201e<em>Mutter Gottes, vertreibe Putin<\/em>\u201c \u2013 Pussy Riot in der Kathedrale)<a title=\"\" href=\"#_edn12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> wurden, wie bereits erw\u00e4hnt, drei Mitglieder der K\u00fcnstlergruppe angeklagt und mittlerweile zwei von ihnen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren ohne Bew\u00e4hrung verurteilt.<a title=\"\" href=\"#_edn13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Die Richterin sah es als erwiesen an, dass die Mitglieder der Gruppe Pussy Riot durch religi\u00f6sen Hass zu ihren Handlungen (Rowdytum; diese Bezeichnung f\u00fcr ein Straftatbestand existierte auch in der ehemaligen DDR) motiviert wurden. Der Tatbestand des Rowdytums (Chuliganstvo) wurde 2007 in einem Beschluss des Obersten Gerichts der Russischen F\u00f6deration n\u00e4her bestimmt,<a title=\"\" href=\"#_edn14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> wodurch das \u201eSchwere Rowdytum\u201c unter Waffengebrauch erweitert wurde und u.a. die Motivation, aus religi\u00f6sem Hass gehandelt zu haben, in den Artikel 213 des Strafgesetzbuches der Russischen F\u00f6deration miteinbezogen wurde. Dadurch kam es zu der Forderung der Staatsanwaltschaft, sogar eine Haftstrafe von sieben Jahren zu verh\u00e4ngen.<a title=\"\" href=\"#_edn15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Diese Performance ist 1:53 min lang und als Ort wurde die Christ-Erl\u00f6ser-Kathedrale gew\u00e4hlt. Folgt man dem Liedtext, so kann das Video in neun Sequenzen eingeteilt werden.<\/p>\n<p>Die erste (0:00-0:16 min), die f\u00fcnfte (1:15-1:24 min) und die neunte Strophe (1:34-1:51 min) werden als Chor gesungen. Die Melodie ist dem Lied <em>Bogorodice Devo, radujsja<\/em> (\u201eGottesgeb\u00e4rerin und Jungfrau, freue dich\u201c: das \u00c4quivalent zum katholischen Gebet \u201eAve Maria, gratia plena\u201c) nach der Komposition von Sergej Vasil\u2018evi\u010d Rachmaninov nachempfunden. Die heilige Mutter Gottes wird in der ersten und in der neunten Strophe gebeten, Putin zu vertreiben. Die f\u00fcnfte Strophe variiert, nun wird sie gebeten, Feministin zu werden.<\/p>\n<p>In der ersten Sequenz wird zun\u00e4chst ein Mitglied der K\u00fcnstlergruppe eingeblendet, das vor der Ikonostase auf dem Ambon niederkniet und sich bekreuzigt. Ab 0:07 min wird eine Aufnahme der gesamten Vorderfront der Ikonostase gezeigt. Danach werden entsetzte Besucher der Kathedrale aufgenommen. Wieder wird auf die Ikonostase geblendet, an der drei Mitglieder von Pussy Riot niederknien und ein Bediensteter der Kirche sich ihnen n\u00e4hert. Weitere Bedienstete kommen hinzu. Diese Szenen wiederholen sich auch in der f\u00fcnften und der neunten Strophe, die allerdings mit einer Au\u00dfenaufnahme der Christ-Erl\u00f6ser-Kirche endet.<\/p>\n<p>Zu den restlichen Strophen und dem Refrain <em>Sran\u2018, sran\u2018, sran\u2018 Gospodnja<\/em> (w\u00f6rtlich: \u201eSchei\u00dfe, Schei\u00dfe, Schei\u00dfe des Herrn\u201c; sinngem\u00e4\u00df: \u201eHeilige Schei\u00dfe, Schei\u00dfe, Schei\u00dfe\u201c) tanzen die K\u00fcnstlerinnen in variierender Anzahl zwischen zwei und f\u00fcnf Personen vor der Ikonostase, wobei sie in abwechselnder Folge frontal und von der Seite aufgenommen wurden. Immer wieder werden auch die Bediensteten gezeigt, die diesen Auftritt verhindern wollen. Die seitlichen Aufnahmen sind halbdunkel gehalten und dabei werden die Gitarristen gezeigt, die auf den Frontalaufnahmen nicht zu sehen sind.<\/p>\n<p>Bei dem Refrain handelt es sich um die vierte Sequenz und die achte Sequenz, die von 0:39 bis 0:46 min und von 1:25 bis 1:33 dauern. Inhaltlich wird in der zweiten Sequenz auf die Geistlichen der Russischen Orthodoxen Kirche referiert, denen die Gl\u00e4ubigen dem\u00fctig folgen. Dem wird dann antithetisch gegen\u00fcbergestellt, dass das Phantom der Freiheit sich im Himmel befinde und gleichzeitig die Teilnehmer der Gay-Pride-Bewegung nach Sibirien deportiert w\u00fcrden.<\/p>\n<p>In der dritten Sequenz wird f\u00fcr Putin die Synekdoche des KGB-Chefs verwendet, womit auf seine Dienstzeit in der Geheimdienstorganisation von 1975 an hingedeutet wird. Dieser KGB-Chef soll der oberste Heilige dieser Geistlichen und Gl\u00e4ubigen sein, der jedoch Demonstranten in Untersuchungshaft abf\u00fchren l\u00e4sst. Dem Patriarchen wiederum, der hier mit seinem Titel als Heiligkeit bezeichnet wird, gefalle es, wenn Frauen geb\u00e4ren und lieben. Auf diese Strophen folgen der Chor und der Refrain.<\/p>\n<p>In der sechsten Sequenz wird kritisiert, dass die Geistlichen nicht die verdorbenen F\u00fchrer kritisierten, sondern sie lobten und sich dem Luxus hing\u00e4ben. Andererseits muss der Geistliche f\u00fcr den Unterricht von den Sch\u00fclern bezahlt werden. In der siebten Sequenz wird behauptet, dass der Patriarch an Putin glaube, wobei er aufgefordert wird, stattdessen an Gott zu glauben. In diesem Appell ist eine Beleidigung als H\u00fcndin (<em>suka<\/em>; sinngem\u00e4\u00df: Hure, Mistkerl, Schwein) enthalten.<\/p>\n<p>Zuletzt wird darauf hingewiesen, dass das Cingulum Mariens keine Demonstrationen ersetzen k\u00f6nne, denn die Ewige Jungfrau Maria sei viel mehr mit Pussy Riot als mit den Geistlichen oder den Machthabern. Die Reliquie des Heiligen G\u00fcrtels der Jungfrau Maria war im Jahre 2011 in ganz Russland in Kirchen gezeigt worden und zuletzt in der Christ-Erl\u00f6ser-Kirche in Moskau den Gl\u00e4ubigen zug\u00e4nglich gemacht worden.<a title=\"\" href=\"#_edn16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0Zum Prozess gegen Pussy Riot<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Gerichtsverhandlung wurde ein Gerichtsgutachten von dem Literaturwissenschaftler V. Ju. Troickij, der Psychologin V. V. Abramenkova und dem Juristen I. V. Ponkin<a title=\"\" href=\"#_edn17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> f\u00fcr das Gericht in Moskau erstellt, das zur Verurteilung wegen \u201eRowdytum aus religi\u00f6sem Hass\u201c f\u00fchrte. Troickij, Abramenkova und Ponkin kamen unter anderem zu dem Schluss, dass der Chorus mit dem Text \u201e<em>Muttergottes, vertreibe Putin<\/em>\u201c gar nicht Bestandteil des Liedes oder der Performance sein soll, wobei sie auf die \u201ek\u00fcnstlerische und logische Hinf\u00e4lligkeit des Chorus <em>Muttergottes vertreibe Putin<\/em>\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> hinweisen. Dadurch wurde die politische Implikation durch diese Experten vollst\u00e4ndig geleugnet.<\/p>\n<p>Dies rief wiederum die Reaktion der Historikerin I. A. Levinskaja und der Philosophin V. G. Uzunova hervor, die sich gegen die Vorgehensweise der oben genannten wehrten und dieses Gutachten als Auftragsexpertise (<em>\u0116kspertiza v karatel\u2018nom stile<\/em>) bezeichneten.<a title=\"\" href=\"#_edn19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Sie k\u00f6nnen nachweisen, dass sich die vom Gericht berufenen Experten in ihrer Begr\u00fcndung auf zum Teil veraltetes kanonisches Recht beziehen: auf die Regel Nr. 9 des Apostolischen Rechts der orthodoxen Kirchen,<a title=\"\" href=\"#_edn20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> auf die Regeln 62 und 75 der Trullanischen Synode in den Jahren 691-692<a title=\"\" href=\"#_edn21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> und auf die Regel 15 des Konzils von Laodicea in den Jahren 363-364,<a title=\"\" href=\"#_edn22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> wodurch den Mitgliedern der K\u00fcnstlergruppe auch Gottesl\u00e4sterung (<em>bogochul\u2019stvo<\/em> und <em>ko\u0161\u010dunstvo<\/em>) nachgewiesen wird.<a title=\"\" href=\"#_edn23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Levinskaja und Uzunova k\u00f6nnen jedoch aufzeigen, dass <em>Sran\u2018 Gospodnja<\/em> (\u201eSchei\u00dfe des Herrn\u201c) keine Wortsch\u00f6pfung der Gruppe Pussy Riot darstellt, sondern als <em>Calque<\/em> in der Synchronisation amerikanischer Spielfilme f\u00fcr den Ausdruck \u201aHoly shit\u2018 bereits lange verwendet wird.<a title=\"\" href=\"#_edn24\"><sup>[24]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ebenfalls weisen sie auf Ungereimtheiten hin, so zum Beispiel, dass es schon lange bekannt ist, dass es orthodoxe Priester gab, die f\u00fcr den KGB gearbeitet haben und dies durchaus nicht als Beleidigung aufzufassen sei.<a title=\"\" href=\"#_edn25\"><sup>[25]<\/sup><\/a> Durch die eingehende Analyse von Levinskaja und Uzunova konnten sie nachweisen, dass die von dem Gericht bestellte Expertise keinem wissenschaftlichen Standard gen\u00fcgt. Dadurch sind jedoch sowohl die Anklage als auch die Verurteilung, die sich auf die Thesen st\u00fctzen, die Mitglieder h\u00e4tten aus religi\u00f6sem Hass gehandelt, eigentlich hinf\u00e4llig.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Zur Situation der Frauen in Russland<\/p>\n<p>Betrachtet und beachtet man alle vorgestellten Performances, so k\u00f6nnen die Themen klar umrissen werden, die die K\u00fcnstlergruppe Pussy Riot immer wieder bearbeitet: der politische Kampf gegen Putin, gegen die Diskriminierung von Frauen, f\u00fcr den Schutz der LGBT-Gemeinschaft und f\u00fcr die Umgestaltung der russischen Gesellschaft im Sinne der anarchistischen Weltanschauung.<a title=\"\" href=\"#_edn26\"><sup>[26]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auch wenn sie sich in Form und Art des politischen Kampfes f\u00fcr die Frauenrechte von der ukrainischen Gruppe FEMEN unterscheiden, sympathisieren sie doch mit ihnen und umgekehrt. Sowohl in der Ukraine als auch in Russland sehen sich beide Gruppen mit der zunehmenden Sexualisierung, der damit verbundenen Kommerzialisierung des weiblichen K\u00f6rpers als Ware und der gleichzeitig einhergehenden Reduzierung der Weiblichkeit auf die Mutterschaft konfrontiert. Obwohl Frauen in Russland gut ausgebildet sind und auch Zugang zu Arbeitspl\u00e4tzen erhalten, verdienen sie deutlich weniger als die M\u00e4nner, wie aus dem Global Gender Gap Report 2012 hervorgeht. Ebenfalls ist die Partizipation am politischen Geschehen nach wie vor gering und hat sich seit 5 Jahren kaum verbessert.<a title=\"\" href=\"#_edn27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> So sind lediglich 9,8% der Parlamentsmitglieder Frauen. Das gleiche Bild bietet sich in der Ukraine.<\/p>\n<p>Diese Schieflage resultiert zum gr\u00f6\u00dften Teil daraus, dass sich die Frauenbewegung der ehemaligen Sowjetstaaten in den 90er Jahren mit anderen Problemen konfrontiert sah als ihre Kolleginnen im westlichen Europa oder in den USA. Frauen in der ehemaligen UdSSR verf\u00fcgten (in den St\u00e4dten) \u00fcber freien Zugang zu Bildung, die gesellschaftliche Akzeptanz der Vollbesch\u00e4ftigung f\u00fcr Frauen, den Zugang zu Berufszweigen, die traditionell als M\u00e4nnerberufe deklariert wurden, sowie \u00fcber ein funktionierendes Betreuungssystem f\u00fcr Kinder und Jugendliche. Allerdings waren die sowjetischen Frauen doppelt belastet, da ihnen auch die alleinige Haushaltsf\u00fchrung oblag. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR suchte man nach einer Alternative zum \u201esozialistischen Menschen\u201c, wodurch auch die Bezeichnung Feminist\/in zur Beleidigung wurde. Man griff auf traditionelle Geschlechterdefinitionen zur\u00fcck und viele Frauen empfanden es als Erleichterung, \u201anur noch\u2018 die Last der Haushaltsf\u00fchrung zu tragen. Der Genderdiskurs fand lediglich auf akademischer Ebene statt. Der dazugeh\u00f6rige gesellschaftliche Diskurs fehlt bislang.<\/p>\n<p>Ein weiterer Faktor, der sich ung\u00fcnstig auf die Gleichberechtigung von Frau und Mann auswirkte, war der Zusammenbruch der Wirtschaft in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Der Grund lag darin, dass Gorba\u010d\u00ebv (Gorbatschow) nach der \u201eSpontanprivatisierung\u201c den Komsomols (Kommunistischer Jugendverband) erm\u00f6glicht hatte, die gr\u00f6\u00dften Industrieunternehmen zu verwalten und zu leiten. Urspr\u00fcnglich sollten die Betriebe in den Besitz der Arbeiter und Angestellten \u00fcbergehen, doch die Anteile eigneten sich Einzelne an, vornehmlich Mitglieder aus dem Management der Betriebe. Indes bereicherten sich gerade die Komsomols, die das mittlere Management der Betriebe stellten.<a title=\"\" href=\"#_edn28\"><sup>[28]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Regierungszeit El\u2019cins (Jelzins) kam es zun\u00e4chst zur Hyperinflation, der so genannten \u201aRubelkrise\u2018, aus denen einige wenige als Gewinner hervorgehen konnten. Darauf folgte die \u201eLoans-for-share\u201c-Kampagne, die es einigen ausgesuchten russischen Banken erm\u00f6glichte, Anteile an den verbliebenen, gro\u00dfen staatlichen Betrieben f\u00fcr eine sehr geringe Anleihe zu erlangen, um das staatliche Haushaltsdefizit auszugleichen. Gleichzeitig wurde gegen\u00fcber der Bev\u00f6lkerung eine strenge Sparpolitik betrieben. So erhielt beispielsweise die Oneksim Bank Anteile an Norlisk Nickel. Ebenfalls f\u00e4llt die Privatisierung von Yukos und Lukoil in diese Zeit. Zwischen 1994 und 1996 f\u00fchrte El\u2019cin (Jelzin) zus\u00e4tzlich den Krieg gegen die Tschetschenen. Die Wahlen im Jahre 1996 konnte El\u2019cin (Jelzin) daher nur noch mit Hilfe der Oligarchen, den ehemaligen Komsomols, gewinnen. Nach einer schweren Rezession \u00fcbergab er dann am 31.12.1999 die Macht an Putin. Weiterhin gibt es Oligarchen, nur die Zusammensetzung dieser sozialen Gruppierung hat sich ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>In den 90er Jahren waren somit die \u00f6konomischen Verh\u00e4ltnisse des russischen und des ukrainischen Normalb\u00fcrgers mehr als prek\u00e4r und der Kampf um das \u00dcberleben trat in den Vordergrund. Ebenfalls waren keine Mittel vorhanden, der Diskriminierung von Frauen entgegen zu wirken. Die Oligarchen der ehemaligen Sowjetrepubliken sind, mit der Ausnahme von Julija Timo\u010denko, ausnahmslos M\u00e4nner, die das Bild des erfolgreichen m\u00e4nnlichen \u201eSelf-made\u201c-Milliard\u00e4rs in Russland pr\u00e4gten. Man spricht in Russland auch von den \u201eNeuen Russen\u201c, die sich wie Parvenus benehmen. Timo\u010denko wiederum bediente das Bild der f\u00fcrsorglichen Mutter (der Nation) mit ruralem Hintergrund, indem sie sich h\u00e4ufig in landestypischen Trachten kleidete und mit einem geflochtenen k\u00fcnstlichen Haarteil die traditionelle Frisur der ukrainischen Bauersfrau imitierte. Nicht nur in der Ukraine wurde somit die Vorstellung der Frau in der alleinigen Rolle als Mutter gef\u00f6rdert \u2013 dies war auch in Russland der Fall. So gerierte sich die Tochter El\u2019cins (Jelzins) alleinig als f\u00fcrsorgliche Pflegerin ihres Vaters, obwohl sie in den letzten Jahren seiner Amtszeit einen nicht unerheblichen Einfluss auf die russische Politik aus\u00fcbte.<a title=\"\" href=\"#_edn29\"><sup>[29]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite entwickelte sich auch sehr fr\u00fch die Sex-Industrie in den ehemaligen Sowjetstaaten.<a title=\"\" href=\"#_edn30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> Dieser \u201eWirtschaftssektor\u201c wurde von organisierten Kriminellen kontrolliert, die in den 90er Jahren keinerlei staatliche Sanktionen zu f\u00fcrchten hatten.<a title=\"\" href=\"#_edn31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> Aufgrund der schlechten wirtschaftlichen Lage waren viele Russen gezwungen, ins Ausland zu gehen, so auch eine gro\u00dfe Anzahl von Frauen. Viele Frauen prostituierten sich nicht nur in Russland, sondern auch im Ausland, aber in den wenigsten F\u00e4llen geschah dies freiwillig. Denn mit Frauen aus Russland, Wei\u00dfrussland und der Ukraine wurde und wird gehandelt und sie wurden und werden wie Industrieprodukte nach Nord- und Westeuropa sowie nach \u00dcbersee, vornehmlich in die USA, verkauft,<a title=\"\" href=\"#_edn32\"><sup>[32]<\/sup><\/a> wodurch die Objektivierung des weiblichen K\u00f6rpers als Ware weiter voranschreitet.<\/p>\n<p>Die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie der dazugeh\u00f6rige Diskurs sind eines der gro\u00dfen Desiderate des heutigen Russlands.<a title=\"\" href=\"#_edn33\"><sup>[33]<\/sup><\/a> Dies haben die Mitglieder der Gruppe Pussy Riot erkannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0Pussy Riot und Vojna<\/p>\n<p>Mit der anarchistischen K\u00fcnstlergruppe <em>Vojna<\/em> (<em>Krieg<\/em>)<a title=\"\" href=\"#_edn34\"><sup>[34]<\/sup><\/a> verbindet sie nicht nur der Umstand, dass Ekaterina Stanislavovna Samucevi\u010d und Nade\u017eda Andreevna Tolokonnikova ehemalige Mitglieder dieser Gruppe sind, sondern auch inhaltlich sind \u00c4hnlichkeiten zu verzeichnen. Wie bereits erw\u00e4hnt, rekurriert Pussy Riot in der Performance <em>Gruppa Pussy Riot \u017e\u017eet putinskij glamur<\/em> auf die Performance der Vojna-Gruppe <em>Lobzaj musora<\/em> (w\u00f6rtlich: \u201eK\u00fcss\u2018 M\u00fcll\u201c, sinngem\u00e4\u00df: \u201eK\u00fcss\u2018 einen Bullen\u201c), in der die weiblichen Mitglieder der K\u00fcnstlergruppe in ganz Moskau Polizistinnen gek\u00fcsst haben. Die Polizistinnen waren laut Aussage der K\u00fcnstlerinnen nicht so sehr dar\u00fcber entsetzt, dass sie gek\u00fcsst werden, sondern vielmehr dar\u00fcber, dass es Frauen waren.<\/p>\n<p>In Russland ist Homosexualit\u00e4t nicht verboten, allerdings wurde die \u201ePropaganda der Homosexualit\u00e4t\u201c (<em>propaganda gomoseksualizma<\/em>) in einigen St\u00e4dten, darunter Sankt Petersburg, verboten. In Moskau wurde die Gay-Pride-Parade sogar f\u00fcr die n\u00e4chsten hundert Jahre untersagt.<a title=\"\" href=\"#_edn35\"><sup>[35]<\/sup><\/a> In der ehemaligen UdSSR war Homosexualit\u00e4t illegal und wurde als Krankheit angesehen, die, wenn n\u00f6tig, auch zwangsweise \u201egeheilt\u201c wurde. Anders als beispielsweise in Deutschland hat weder nach der Legalisierung noch davor ein gesellschaftlicher Diskurs stattgefunden, der die Aufkl\u00e4rung \u00fcber und die Toleranz gegen\u00fcber der LGBT-Gemeinschaft h\u00e4tte bef\u00f6rdern k\u00f6nnen. Ebenfalls entspricht es nicht der Geschlechterauffassung der \u201eNeuen Russen\u201c.<\/p>\n<p>So wie sich Pussy Riot f\u00fcr die Rechte der LGBT-Gemeinschaft einsetzt, hat auch Vojna am 07.09.2008 (Tag der Stadt Moskau) das \u201eGedenken an die Dekabristen\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> (Pamjati dekabristov) performt: In dem Moskauer Gesch\u00e4ft Auchan wurden im Rahmen der Performance zwei Homosexuelle, von denen einer Jude gewesen sein soll, und drei Gastarbeiter aus Zentralasien geh\u00e4ngt. Dies sollte an die Dekabristen erinnern, die sich f\u00fcr die Rechte der versklavten Leibeigenen in Russland eingesetzt hatten, wobei die f\u00fcnf wichtigsten Vertreter, darunter auch Pavel Pestel\u2018 im Jahre 1826 erh\u00e4ngt wurden. Vojna wollte daran erinnern, dass in Russland eine Tradition derer, die sich f\u00fcr Freiheit einsetzen, existiert. Die Performance ist weiter dem damaligen B\u00fcrgermeister von Moskau gewidmet, der in seiner Stadt Homophobie und Hass gegen die gesamte LGBT-Gemeinschaft, Antisemitismus sowie Fremdenfeindlichkeit duldet.<a title=\"\" href=\"#_edn37\"><sup>[37]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Pussy Riot und auch Vojna handeln weder gesetzeskonform noch suchen sie die breite gesellschaftliche Anerkennung als K\u00fcnstlergruppen. Sie machen jedoch auf gesellschaftliche Schieflagen und Probleme ihres Landes auf eine provokative und skandaltr\u00e4chtige Weise aufmerksam &#8211; und dies ist so gewollt. Als gemeinsames Thema der beiden Gruppen seien noch die Konsumkritik und die Kritik an der Doppelmoral in Russland zu nennen, wobei insbesondere die russische Oberschicht Ziel der Kritik ist. Und auch noch eine weitere, allerdings gescheiterte Performance von Vojna sei erw\u00e4hnt:<\/p>\n<p>A. Erofeev und Ju. Samodurov hatten im Jahr 2006 in dem Moskauer Museum Sacharov-Centr \u201eVerbotene Kunst &#8211; 2006\u201c (Zapretnoe iskusstvo &#8211; 2006) ausgestellt; unter anderem eine Ikone aus Kaviar und die Darstellung Jesu als Mickey Mouse. Beide M\u00e4nner wurden wegen Anstiftung zum religi\u00f6sen Hass angeklagt und 2010 dazu verurteilt, eine Geldstrafe \u00fcber 150.000 Rubel respektive 200.000 Rubel zu zahlen.<a title=\"\" href=\"#_edn38\"><sup>[38]<\/sup><\/a> Vojna wollte in dem Gerichtsaal, in dem die Verhandlung am 12.10.2010 stattfand, Kakerlaken freilassen, was misslang. Es handelt sich um den gleichen Saal, in dem die Verhandlung gegen die K\u00fcnstlerinnen von Pussy Riot stattfand.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die Politik der Performance<\/p>\n<p>Dass die Gruppe Pussy Riot ebenso wie Vojna mit derma\u00dfen radikalen Aktionen auf die soziopolitischen Missst\u00e4nde ihres Heimatlandes aufmerksam macht, ist im Kontext der Performance-Kunst nicht verwunderlich. Gerade in L\u00e4ndern mit repressiven und reaktion\u00e4ren politischen Systemen zeichnen sich Performances durch ihre politische Radikalit\u00e4t aus. Je klarer das politische Feindbild, desto direkter die k\u00fcnstlerischen Reaktionen, lie\u00dfe sich wom\u00f6glich sagen. Der Repression wird mit Mitteln der Aktionskunst der Kampf angesagt.<\/p>\n<p>\u201eArt can only be done in destructive societies that have to be rebuilt\u201c.<a title=\"\" href=\"#_edn39\"><sup>[39]<\/sup><\/a> Dieser Satz der inzwischen weltweit renommierten serbischen Performance-K\u00fcnstlerin Marina Abramovic\u0301 mag wohl die Aktualit\u00e4t und Brisanz, die den Aktionen der Pussy Riot innewohnen, ebenso erkl\u00e4ren wie die staatliche Reaktion auf ihre Performances. Denn Performances, gerade solche, die im \u00f6ffentlichen Raum, auf der Stra\u00dfe etc. stattfinden, sind nicht nur unvorhersehbar, auch ihre Wirkung auf Passanten, auf potentielle Teilnehmer und Rezipienten, die dieses ephemere Ereignis zu diskursivieren imstande sind, ist unkontrollierbar. Ein politisches System wie das Russlands kann also das revolution\u00e4re Potential solcher Aktionen nicht hinl\u00e4nglich absehen.<\/p>\n<p>Davon abgesehen sind Repressionen gegen AnarchistInnen in der russischen Geschichte durchaus bekannt, man denke beispielsweise an die gewaltsame Zerschlagung der ukrainischen Machnowschtschina (Machnov\u0161\u010dina) durch die Rote Armee oder an den Aufstand in Kronstadt.<a title=\"\" href=\"#_edn40\"><sup>[40]<\/sup><\/a> Der Umstand, dass sich die Pussy Riot explizit auf eine der Ikonen des russischen Anarchismus, n\u00e4mlich auf P\u00ebtr Alekseevi\u010d Kropotkin beziehen, mag den ohnehin schon schwer zu beherrschenden Duktus der Performance-Kunst ebenso versch\u00e4rfen wie der Umstand, dass sie an ihrer feministischen Haltung keine Zweifel lassen. Gerade in ihrer Verwendung der \u201aFluchsprache\u2018 <em>Mat<\/em> brechen sie n\u00e4mlich mit einem gesellschaftlichen Tabu, das ihre feministischen Inhalte noch untermauert und ihnen zus\u00e4tzlich Brisanz verleiht, bedenkt man, dass die Verwendung von <em>Mat<\/em> den M\u00e4nnern vorbehalten ist.<\/p>\n<p>Ihre Performances \u2013 und als solche lassen sich die Aktionen der Pussy Riot durchaus bezeichnen \u2013, in denen sie auch das avantgardistische Element der Zusammenf\u00fchrung von Kunst und Leben<a title=\"\" href=\"#_edn41\"><sup>[41]<\/sup><\/a> aufgreifen, lassen sich in Anlehnung an Peter B\u00fcrgers \u201eTheorie der Avantgarde\u201c als Instrument der Emanzipation verstehen.<a title=\"\" href=\"#_edn42\"><sup>[42]<\/sup><\/a> Auch Edith Almhofer weist auf den Zusammenhang von Kunst und Lebenspraxis in der Performance-Kunst hin; in ihrem 1986 erschienen Werk \u201ePerformance Art, Die Kunst zu leben\u201c hei\u00dft es:<\/p>\n<p>\u201eIn der Gleichsetzung von Kunst und Lebensprozessen allein, die den Werkzusammenhang jeder Live-Art konstituiert, versprechen sich die agierenden K\u00fcnstler, die Kunst der Allgemeinheit als ein Wissen wieder zug\u00e4nglich machen zu k\u00f6nnen, welches \u00fcber die Reflexion hinaus Handlungsmodelle f\u00fcr das Alltagsleben des einzelnen zu demonstrieren wei\u00df oder diesen selbst zu \u00c4nderungsprozessen nach eigenen Vorstellungen zu provozieren vermag [jedoch:] Je klarer der Blick in den Spiegel Kunst den Rezipienten die Verbildlichung des Schrecklichen und der Banalit\u00e4t unserer Lebenserfahrungen zur\u00fcckwirft, desto lieber werden die entsprechenden k\u00fcnstlerischen Aussagen abqualifiziert und die Frage nach ihrem objektiven Kunstwert erhoben.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn43\"><sup>[43]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Gerade diese Abqualifizierung trifft auch die Kunst der Pussy Riot, welche h\u00e4ufig als Punkband bezeichnet und im Kontext der Riot Grrrl Bewegung besprochen werden, deren performatives Potential aber weitgehend unbeachtet bleibt.<a title=\"\" href=\"#_edn44\"><sup>[44]<\/sup><\/a> Ihnen einen Platz in der Performance-Kunst einzur\u00e4umen, sie als K\u00fcnstlerinnen zu betrachten bleibt h\u00e4ufig aus, wobei die Pussy Riot im Kontext der Performance-Kunst zu besprechen eigentlich nahe liegend sein sollte. Denn Performance-Kunst, also jene an die Auff\u00fchrung singul\u00e4rer Ereignisse gekn\u00fcpfte K\u00fcnste des Handelns,<a title=\"\" href=\"#_edn45\"><sup>[45]<\/sup><\/a> so wie sie auch von der westlichen Kunstwissenschaft begriffen wird, zeichnet sich beispielsweise laut RoseLee Goldberg gerade dadurch aus, dass sie ein nahezu unbegrenzt erweiterbares Medium ist, das sich durch seine Tabulosigkeit, endlose Variabilitit\u00e4t und seinen anarchischen Kern charakterisiert.<a title=\"\" href=\"#_edn46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Mit Kristine Stiles l\u00e4sst sich die Performance-Kunst folgenderma\u00dfen fassen:<\/p>\n<p>\u201eOften uncommodifiable, difficult to preserve and exhibit, a defiant of social mores and morals while upholding the highest ethical principles, performance art rendered palpable the anxious corporeal, physic, and social conditions of global culture in the radically changing electronic and nuclear age\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn47\"><sup>[47]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Die Performance-Kunst, die sich laut Goldberg seit den avantgardistischen Kunstaktionen der klassischen Moderne entwickelt und vollzieht, ist eigentlich immer politisch, provokant, radikal und am Puls der Zeit ausgerichtet. Sie ist in dezidiertem Ma\u00dfe eine h\u00f6chst zeit- und kulturimmanente Kunstform, die durch das Fehlen etablierter Gattungsgrenzen zum Experimentierfeld einiger der originellsten und radikalsten k\u00fcnstlerischen Ausdrucksweisen wurde.<a title=\"\" href=\"#_edn48\"><sup>[48]<\/sup><\/a> Mit der Entgrenzung der K\u00fcnste, mit dem Wechsel vom Werk zum Ereignis, werden die mit dem Werk gesetzten Relationen der Dichotomien von Material und Zeichenstatus sowie von Subjekt und Objekt in ein eher oszillierendes Verh\u00e4ltnis \u00fcberf\u00fchrt, destabilisiert und letztlich zum Kollabieren gebracht.<a title=\"\" href=\"#_edn49\"><sup>[49]<\/sup><\/a> Pussy Riot lediglich im Kontext des Punk Rock zu besprechen, wird ihrer k\u00fcnstlerischen Ausdrucksweise eines klar formulierten politischen Protests nicht gerecht. Auch <em>Slavoj \u017di\u017eek<\/em> weist darauf hin, dass die Pussy Riot als Konzeptk\u00fcnstlerinnen zu verstehen sind:<\/p>\n<p>\u201eTheir message is: IDEAS MATTER. They are conceptual artists in the noblest sense of the word: artists who embody an Idea. This is why they wear balaclavas: masks of de-individualization, of liberating anonymity. The message of their balaclavas is that it doesn\u2019t matter which of them got arrested\u00a0\u2014 they\u2019re not individuals, they\u2019re an Idea. And this is why they are such a threat: it is easy to imprison individuals, but try to imprison an Idea! The panic of those in power\u00a0\u2014 displayed by their ridiculously excessive brutal reaction\u00a0\u2014 is thus fully justified. The more brutally they act, the more important symbol Pussy Riot will become. Already now the result of the oppressive measures is that Pussy Riot are a household name literally all around the world.\u201c<a title=\"\" href=\"#_edn50\"><sup>[50]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Und tats\u00e4chlich ist es den Pussy Riot gelungen, ein enormes, globales Medienecho zu provozieren. Die Performances selbst waren dabei jedoch wohl weniger ausschlaggebend f\u00fcr das Interesse der Welt\u00f6ffentlichkeit als die staatliche Reaktion auf ihre Aktionen. Ihre staatskritische, anarchistische und feministische Haltung wurde letztlich, eben aufgrund der Reaktion Putins, weltweit bekannt und zum Gegenstand politischer Diskurse.<\/p>\n<p>Dieses Ausma\u00df gesellschaftlicher Bekanntheit und Diskursivierung ist au\u00dfergew\u00f6hnlich. Zwar gab es auch fr\u00fcher bereits Performances, die staatliche Repressionen nach sich zogen, man denke beispielsweise an die sogenannte \u201eUni-Ferkelei\u201c der Wiener Aktionisten im Jahre 1968, die von der Justiz und den Medien als Anlass einer juristischen und medialen Kriminalisierung der beteiligten K\u00fcnstler genutzt wurde,<a title=\"\" href=\"#_edn51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> aber eine Performance-Gruppe, die mit so heftigen staatlichen Repressionen zu k\u00e4mpfen hat und dennoch medial positive Resonanz erf\u00e4hrt, stellt schon eine Besonderheit dar. Unter Zuhilfenahme digitaler Medientechnologie scheint ihnen die Welt\u00f6ffentlichkeit eine Form positiver und solidarischer Aufmerksamkeit zu schenken, die weder herk\u00f6mmlichen Performance-Gruppen noch Punkbands zuteil wird, sondern die ihren politischen Anspruch \u2013 die sie als politische Gefangene \u2013 zum Bestandteil des Diskurses um Menschenrechte werden l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Dass gerade Pussy Riot es mittels ihrer Performances und \u00fcber die politische Reaktion auf ihre Aktionen geschafft haben, das \u00f6ffentliche Interesse auf die soziopolitischen Missst\u00e4nde in Russland zu lenken, ist aus mehrerlei Gr\u00fcnden erstaunlich. Zum einen ist es verwunderlich, dass sie als Punkband kategorisiert den Weg aus den subkulturellen hinein in die Mainstream-Diskurse geschafft haben, zum anderen gibt es unz\u00e4hlige Beispiele von Menschenrechtsverletzungen, denen nicht so viel mediale Aufmerksamkeit geschenkt wird, obgleich sie nicht weniger brisant sind, und schlie\u00dflich ist die Performance-Kunst, obzwar es Bestrebungen, beispielsweise von Marina Abramovi\u0107, gibt, sie salonf\u00e4hig zu machen, nach wie vor eine Kunstform, die im \u00f6ffentlichen Bewusstsein einen marginalisierten Platz einnimmt.<\/p>\n<p>Wir sehen seit den 1980er Jahren K\u00fcnstlerinnen, die ihre Gesichter mit Gorillamasken tarnen und gegen die Diskriminierung des weiblichen Geschlechts in der Kunstwelt k\u00e4mpfen (Guerrilla Girls). K\u00fcnstler haben zu Zeiten des Kalten Krieges hinter dem Eisernen Vorhang so extreme Performances gemacht, dass sie sich einer Beschreibung ihrer psychologischen Wirkung auf die Teilnehmer beinahe entziehen (Toma\u0301s\u030c Ruller, Stuart Brisley). K\u00fcnstlerInnen machen auf die Folgen von Krieg und Repression, von Menschenrechtsverletzungen und Folter aufmerksam (Mona Hatoum, Regina Jose\u0301 Galindo) oder auf die Verwertungslogik und Ausbeutungsmechanismen, die der kapitalistischen Fortschrittsmaxime geschuldet sind (Santiago Sierra, Francis Al\u00ffs). Wir haben Performances gesehen, in denen sich die K\u00fcnstler verletzen (G\u00fcnter Brus, Gina Pane) oder vom Publikum verletzt werden (Marina Abramovi\u0107, Joseph Beuys). Wir haben nackte und bekleidete Menschen gesehen, die Geschlecht, Sexualit\u00e4t, Individualit\u00e4t und Abnormalit\u00e4t zum Thema ihrer Performances machen (Annie Sprinkel, Ana Mendita, Adrian Piper, Vito Acconci). Aber welche dieser Performances hatte so ein lang anhaltendes Medienecho?<\/p>\n<p>Pussy Riot sind, wie schon <em>\u017di\u017eek<\/em> konstatiert, zum Symbol und zu Ikonen geworden. Durch die mediale Verharmlosung \u2013 sie werden zumeist als \u201aM\u00e4dchen\u2018, nicht als Frauen, oder eben als Punk Girls bezeichnet \u2013 bieten sie sich als Projektionsfl\u00e4che und Identifikationsfiguren f\u00fcr Menschen verschiedenen politischen und sozialen Hintergrunds an. Das b\u00fcrgerliche Lager kann sie als Beispiel zivilen Ungehorsams, die radikalere Linke als Widerstandsk\u00e4mpferinnen betrachten. Ihre mediale Verwertung eignet sich folglich, um einem breiten Spektrum westlicher Rezipienten ein das eigene Selbst- und Weltbild nicht gef\u00e4hrdendes, Identifikationsmoment anzubieten. Auch ihre kremlkritische Haltung ist f\u00fcr die westliche Presse pr\u00e4destiniert, um die Geschichte um die \u201aM\u00e4dchen\u2018, die lautstark Putin und den russischen Staat kritisieren und daf\u00fcr inhaftiert werden, zu skandalisieren.<\/p>\n<p>Solange sie also nicht im Kontext der Performance-Kunst einer ernsthaften Betrachtung ihres politischen Potentials unterzogen werden, eignen sie sich f\u00fcr den medialen Kampf um diverse politische Interessen und k\u00f6nnen gefahrlos auch Eingang in den Mainstream-Diskurs finden. Als Performance-Gruppe begriffen, als K\u00fcnstlerinnen, in deren Aktionen das theatrale Als-Ob eben nicht mehr gilt und die, um mit Helge Meyer zu sprechen, mit extremen Mitteln an einer P\u00e4dagogik der Moral, abseits der Massenmedien an moralischen Grundfragen arbeiten<a title=\"\" href=\"#_edn52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> \u2013 als K\u00fcnstlerinnen, die mit den M\u00f6glichkeiten und Bedingungen von Kunst engagiert experimentieren, die sich eine schl\u00fcssige Wirklichkeitsdeutung \u00fcber das Aufdecken der Mechanismen der Welt zum Ziel setzen und so versuchen, das zeit- und kulturimmanente Verh\u00e4ltnis von Kunst und Leben und die daraus resultierende Notwendigkeit dieser Kunstform in unserer Gesellschaft zu Bewusstsein zu bringen, wie es sich mit der Theorie Almhofers fassen lie\u00dfe,<a title=\"\" href=\"#_edn53\"><sup>[53]<\/sup><\/a> k\u00f6nnte man sie nicht mehr entsch\u00e4rft dem weltweiten Medieninteresse dienstbar machen. Dann bliebe nur zu sagen: \u201eKunst ohne Ethik ist Kosmetik\u201c.<a title=\"\" href=\"#_edn54\"><sup>[54]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> In der Anonymit\u00e4t ist eine Gemeinsamkeit zu den Guerrilla Girls auszumachen, die sich in den USA insbesondere f\u00fcr die Rechte und die Anerkennung weiblicher K\u00fcnstler engagiert und gesellschaftliche Missst\u00e4nde aufgreift. Anders jedoch als die Guerilla Girls, die durch Vermarktung ihre Projekte finanzieren, lehnen die Pussy Riots jegliche Vermarktung ab. So haben sich sowohl die inhaftierten Al\u00ebchina und Tolokonnikova als auch Samucevi\u010d gegen die Kommerzialisierung und den Verkauf von T-Shirts mit dem Pussy Riot-Konterfei auf den Konzerten von Madonna ausgesprochen. Siehe dazu: Franchetti, M. (2012): La sporca guerra dei soldi intorno alle Pussy Riot in La Stampa, 03.12.2012 online [abgerufen am 02.01.2013]: \u201eLa cosa ha fatto arrabbiare le ragazze incarcerate, che sono contrarie a qualunque commercializzazione della loro band e combattono una battaglia sempre pi\u00f9 difficile per impedire a una schiera di persone di lucrare sulla loro fama. [\u2026] \u00abFermate la registrazione del marchio! Fermate questa follia! &#8211; ha detto -. Sono profondamente disgustata dalle discussioni finanziarie. Il denaro \u00e8 polvere. Se qualcuno ne ha bisogno, lo prenda&#8230; Io ho bisogno di libert\u00e0, ma non per me. Per la Russia\u00bb\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Siehe dazu: Langston, H.: \u201eMeeting Pussy Riot\u201c, Rubrik Music in: Vice, New York, 12.03.2012, online: http:\/\/www.vice.com\/read\/A-Russian-Pussy-Riot [abgerufen am 25.09.2012]. Siehe auch: Krongaus, E. (2012): Kak mnogo devu\u0161ek choro\u0161ich, S. 18-23 in: \u017durnal Bol\u2019\u0161oj Gorod, Moskau, Nr. 291, 08.02.2012.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Langston, H. (2012): Meeting Pussy Riot, Rubrik Music in: Vice, New York, 12.03.2012, online: http:\/\/www.vice.com\/read\/A-Russian-Pussy-Riot [abgerufen am 25.09.2012]: \u201eVICE: So what inspired you guys to start Pussy Riot?<br \/>\nKot: Pussy Riot came to action around the end of September 2011, right after Putin announced that he was planning to return as president and brutally rule Russia for at least 12 more years.<br \/>\nSerafima: Right, and at that point we realized that this country needs a militant, punk-feminist, street band that will rip through Moscow\u2019s streets and squares, mobilize public energy against the evil crooks of the Putinist junta and enrich the Russian cultural and political opposition with themes that are important to us: gender and LGBT rights, problems of masculine conformity, absence of a daring political message on the musical and art scenes, and the domination of males in all areas of public discourse.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Vgl. Auslander, Philip (2006): The Performativity of Performance Documentation, in: PAJ, A Journal of Performance and Art, PAJ 84, Sep 2006, Vol. 28, No. 3, 1ff. u. Jones, Amelia (1997): Presence in Absentia, Experiencing Performance as Documentation, in: Art Journal, Vol. 56, No. 4, Performance Art: (Some) Theory and (Selected) Practice at the End of This Century, Winter 1997, 12.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Siehe : Pussy Riot: \u201eGruppa Pussy Riot \u017e\u017eet putinskij glamur\u201c, youtube, http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CZUhkWiiv7M [abgerufen am 25.09.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> Das Portrait Putins ist auf der Webseite Safronovs, http:\/\/www.nikas-s.ru\/web\/ru.html, in Rubrik Galerie\/Klassik\/M\u00e4nner an letzter Stelle zu finden.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> Siehe: Joll, J. (1980<sup>2<\/sup>): \u201eThe anarchists\u201c, Cambridge.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Siehe : Pussy Riot: \u201eDev\u010donki iz PUSSY RIOT zachvatyvajut transport\u201c, youtube, http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qEiB1RYuYXw [abgerufen am 25.09.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> Siehe: Medvedev, D. A. (2008): Federal\u2019nyj zakon Rossijskoj Federacii o popravke k Konstitucii Rossijskoj Federacii ot 30 dekabrja 2008 g. N 6-FKZ in: Rossijskaja Gazeta, Moskau, Nr. 4824, 31.12.2008. online: rg.ru\/2008\/12\/31\/konstitucia-popravki-dok.html [abgerufen am 25.09.2012]. Hierbei handelt es sich um die Verfassungs\u00e4nderung der Russischen F\u00f6deration vom 30.12.2008; der Gesetzestext erschien in der Rossijskaja Gazeta; eine russische Tageszeitung und gleichzeitig Amtsblatt der russischen Regierung, online abrufbar:<br \/>\n\u201eFederal\u2019nyj zakon Rossijskoj Federacii o popravke k Konstitucii Rossijskoj Federacii ot 30 dekabrja 2008 g. N 6-FKZ<br \/>\n\u201eOb izmenenii sroka polnomo\u010dij Prezidenta Rossijskoj Federacii i Gosudarstvennoj Dumy\u201c<br \/>\nOdobren Gosudarstvennoj Dumoj 21 nojabrja 2008 goda, Odobren Sovetom Federacii 26 nojabrja 2008 goda<br \/>\nStat\u2019ja 1<br \/>\nVnesti v Konstituciju Rossijskoj Federacii, prinjatuju vsenarodnym golosovaniem 12 dekabrja 1993 goda (Rossijskaja gazeta, 1993, 25 dekabrja), sleduju\u0161\u010die izmenenija:<br \/>\n1) \u010dast\u2019 1 stat\u2019i 81 izlo\u017eit\u2019 v sleduju\u0161\u010dej redakcii: \u201e1. Prezident Rossijskoj Federacii izbiraetsja srokom na \u0161est\u2019 let gra\u017edanami Rossijskoj Federacii na osnove vseob\u0161\u010dego ravnogo i prjamogo izbiratel\u2019nogo prava pri tajnom golosovanii.\u201c;<br \/>\n2) \u010dast\u2019 1 stat\u2019i 96 izlo\u017eit\u2019 v sleduju\u0161\u010dej redakcii: \u201e1. Gosudarstvennaja Duma izbiraetsja srokom na pjat\u2019 let.\u201c<br \/>\nStat\u2019ja 2 [&#8230;]<br \/>\nPrezident Rossijskoj Federacii D. Medvedev\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Siehe Pussy Riot: \u201ePUSSY RIOT pojut politzekam na kry\u0161e tjur\u2019my\u201c, youtube, http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=mmyZbJpYV0I [abgerufen am 25.09.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Siehe Pussy Riot: \u201ePussy Riot na Krasnoj plo\u0161\u010dadi &#8211; pesnja <em>Putin zassal<\/em>\u201c, youtube, http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7kVMADLm3js [abgerufen am 25.09.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Siehe Pussy Riot: \u201ePank-moleben \u201e<em>Bogorodica, Putina progoni<\/em>\u201c Pussy Riot v Chrame\u201c, youtube, http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GCasuaAczKY [abgerufen am 25.09.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Das Eindringen in eine Kirche und die St\u00f6rung sind auch in der BRD ein Straftatbestand nach \u00a7123 und \u00a7167 StGB, wobei auch Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren drohen k\u00f6nnen. Bislang wurden solche Taten jedoch als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Die detaillierten Beschreibungen aller Performances sollen auch verdeutlichen, dass diese Performance der Gruppe Pussy Riot provokativ und politisch sowie f\u00fcr die anwesenden Gl\u00e4ubigen als beleidigend zu deuten ist, aber nicht aus Hass gegen die russisch-orthodoxe Kirche und die Mitglieder dieser Religionsgemeinschaft entstanden sind. Es wurde weder die Kirche entweiht noch eine liturgische Handlung gest\u00f6rt. Ebenfalls sei anzumerken, dass die russisch-orthodoxe Kirche auch keine Anzeige erstattet hat. Wenn von Handlungen, die durch religi\u00f6sen Hass motiviert sind, die Rede sein soll, dann geh\u00f6ren wohl eher das Beschmieren j\u00fcdischer Grabmale oder das Urinieren in Weihwasserbecken dazu und nicht die Performance der Gruppe Pussy Riot. Siehe eine Auflistung antisemitisch motivierter Straftaten: Peters, K. (2012): Antisemitische Angriffe. Beleidigungen, Randale, Pr\u00fcgel in Spiegel-online vom 05.12.2012, online: http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/antisemitismus-gewalt-gegen-juden-in-deutschland-a-871133.html [abgerufen am 02.01.2013]. Siehe zu Urinieren in ein Weihwasserbecken: Kronewitter, Th. (2011): Kirchengemeinde verzweifelt in: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 25.07.2011, online: http:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/vandalismus-in-milbertshofen-kirchengemeinde-verzweifelt-1.1124099 [abgerufen am 02.01.2013].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Siehe: Lebedev, V. M. und Demidov V. V. (2007): Postanovlenie Plenuma Verchovnogo Suda Rossijskoj Federacii ot 15 nojabrja 2007 g. N 45 g. Moskva in: Rossijskaja Gazeta, Moskau, Nr. 4523, 21.11.2007. online: http:\/\/www.rg.ru\/2007\/11\/21\/sud-dok.html [abgerufen am 25.09.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> Ein herzlicher Dank gilt von Gall f\u00fcr den Hinweis auf die Modifizierung des Gesetzes \u00fcber das Rowdytum. Die juristische Analyse des Falls, in der auch auf die N\u00e4he zum Extremismusgesetz Artikel 282 eingegangen wird, kann hier eingesehen werden: v.\u00a0Gall, C. (2012): Vorerst gescheitert : \u00bbPussy Riot\u00ab und der Rechtsstaat in Russland in: Russlandanalysen, Nr. 246 vom 02.11.2012, Bremen, 2012, S. 2-5<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> Innerhalb des orthodoxen Glaubens nimmt die Gottesgeb\u00e4rerin und Jungfrau Maria wie in der katholischen Kirche eine besondere Stellung ein, wobei jedoch nicht die Vorstellung der unbefleckten Empf\u00e4ngnis geteilt wird. Die Reliquie Mariens z\u00e4hlt zu den biblischen Reliquien und ist somit im besonderen Ma\u00dfe verehrungsw\u00fcrdig. Dem Cingulum Mariens wird unter anderem das Wunder der Fruchtbarkeit zugesprochen. Zu dieser Reliquie pilgerte auch Putin.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Das Dokument war zun\u00e4chst nicht zug\u00e4nglich, allerdings hatte einer der Rechtsanw\u00e4lte Mark Fejgin in seinem Webblog auf der Webseite LiveJournal einen Scan des Gutachtens hochgeladen. Somit konnte die Echtheit nicht vollst\u00e4ndig verifiziert werden. Gleichzeitig wurde der Text jedoch auch in der konservativen Tageszeitung Russkaja narodnaja linija ver\u00f6ffentlicht, wodurch eine gewisse Sicherheit gegeben ist, dass dieses Expertise auch den abgedruckten Wortlaut besitzt. Ebenfalls kann die Expertise mittlerweile auf der Webseite des Instituts f\u00fcr staatlich-konfessionelle Beziehungen und Recht (Institut gosudarstvenno-konfessional\u2019nych otno\u0161enij i prava) abgerufen werden.<br \/>\nSiehe: Abramenkova, V. V., Ponkin, I. V., Troickij, V. Ju. (2012): Zaklju\u010denie Komissii \u0117kspertov po delu \u00abPusi Rajt\u00bb in: Russkaja narodnaja linija, 24.10.2012, online: http:\/\/ruskline.ru\/analitika\/2012\/10\/24\/zaklyuchenie_komissii_ekspertov_po_delu_pusi_rajt\/#_ftnref16, abgerufen am 25.10.2012.\u00a0 Und siehe die gescannte Version in dem Weblog von M. Fejgin, 25.06.2012: http:\/\/mark-feygin.livejournal.com\/89127.html, abgerufen am 25.09.2012. Siehe weiter die durch I. V. Ponkin autorisierte und unter der Rubrik \u201eExtremismus\u201c zu findende Version: \u201eConclusion de la Comission d\u2019experts (expertise judiciaire complexe psychologique-linguistique pour l\u2019affaire criminelle du pank-groupe \u201aPussy Riot\u2018)\u201c, online: http:\/\/state-religion.ru\/extremism\/39-conclusion-de-la-comission-dexperts-expertise.html, abgerufen am 02.01. 2013.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> Siehe: Abramenkova, V. V., Ponkin, I. V., Troickij, V. Ju. (2012): Zaklju\u010denie Komissii \u0117kspertov po delu \u00abPusi Rajt\u00bb in: Russkaja narodnaja linija, 24.10.2012, online: ttp:\/\/ruskline.ru\/analitika\/2012\/10\/24\/zaklyuchenie_komissii_ekspertov_po_delu_pusi_rajt\/#_ftnref16 [abgerufen am 25.10.2012]: \u201eAnaliz teksta issleduemoj pesni u\u010dastnic gruppy \u201aPussy Riot\u2019 v celom pozvoljaet vyjavit\u2019 javnuju iskusstvennost\u2019, logi\u010deskuju neobosnovannost\u2019 vklju\u010denija v pesnju, ischodja iz ee ob\u0161\u010dej smyslovoj kompozicii, sleduju\u0161\u010dego ee tekstovogo fragmenta, razme\u0161\u010dennogo v na\u010dale teksta pesni i povtorennogo v ee konce: \u00abBogorodica, Devo, Putina progoni | Putina progoni, Putina progoni\u00bb.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Siehe: Levinskaja, I. A.\u00a0 und Uzunova, V. G. (2012): K voprosu ob \u0117kspertize dejstvij gruppy \u00abPussy riot\u00bb.V za\u0161\u010ditu nau\u010dnoj issledovatel\u2019skoj dejatel\u2019nosti.\u0116kspertiza v karatel\u2019nom stile, 20.07.2012, online: http:\/\/www.spass-sci.ru\/news\/detail.php?ID=300 [abgerufen am 25.09.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> Die apostolischen Regeln sind in den orthodoxen Kirchen umfangreicher als in der katholischen Kirche. Die hier angesprochene Regel Nr. 9 des apostolischen Rechts bezieht sich darauf, dass niemand die Gebete oder den Gottesdienst zu st\u00f6ren habe. Als Konsequenz solle die- oder derjenige exkommuniziert werden. Formal hat also die orthodoxe Kirche die M\u00f6glichkeit, die Mitglieder der Gruppe Pussy Riot aus der Gemeinschaft der Gl\u00e4ubigen auszuschlie\u00dfen, sofern sie orthodoxen Glaubens sind. (Gleichzeitig ist fraglich, ob diese Regeln heutzutage alle streng eingehalten werden, denn die Regeln 69, 70 und 71 verbieten beispielsweise den Besuch einer Synagoge. Allerdings war der Patriarch Jerinej der autokephalen, serbisch-orthodoxen Kirche (der russisch-orthodoxen Kirche gleichrangig) bereits am 08.12.2010 anl\u00e4sslich des Chanukka-Festes in der Belgrader Synagoge.) Siehe Regel 9: Apostol\u2019skie pravila, online: http:\/\/www.agioskanon.ru\/apostol\/001.htm#9 \u00a0[abgerufen am 02.01.2013]: \u201e9. Vsech vernych, vchodja\u0161\u010dich v cerkov\u2019, i pisanija slu\u0161aju\u0161\u010dich, no ne prebyvaju\u0161\u010dich na molitve i svjatom pri\u010da\u0161\u010denii do konca, kak bez\u010dinie v cerkvi proizvodja\u0161\u010dich, otlu\u010dat\u2019 podobaet ot ob\u0161\u010denija cerkovnogo.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Die Trullanische Synode wurde im Jahre 691 einberufen, um weitere Regeln und Verbote zu erlassen, die den Regelkanon der vorherigen Konzile vervollst\u00e4ndigen sollten. Der Kanon 62 bezieht sich auf die Festlichkeiten zu Ehren des Pan und des Bacchus. Den Christen wurde verboten, an diesen Feiern teilzunehmen, zu tanzen oder sich zu verkleiden. Der Kanon 75 bezieht sich auf das ad\u00e4quate Singen in der Kirche und ist vielmehr der Frage geschuldet, ob die Psalter gesungen werden k\u00f6nnen oder besser gelesen werden. Siehe dazu den genauen Wortlaut der 62. und 75. Regel in englischer \u00dcbersetzung: Schaff, Ph. (o. J.): The Canons Of The Council in Trullo; Often Called The Quintisext Council. in: The Seven Ecumenical Councils, online: http:\/\/www.ccel.org\/ccel\/schaff\/npnf214.html [abgerufen am: 02.01.2013]: xiv.iii. lxii et lxxvi: Canon LXII:<br \/>\n\u201eThe so-called Calends, and what are called Bota and Brumalia, and the full assembly which takes place on the first of March, we wish to be abolished from the life of the faithful. And also the public dances of women, which may do much harm and mischief. Moreover we drive away from the life of Christians the dances given in the names of those falsely called gods by the Greeks whether of men or women, and which are performed after an ancient and un-Christian fashion; decreeing that no man from this time forth shall be dressed as a woman, nor any woman in the garb suitable to men.\u00a0 Nor shall he assume comic, satyric, or tragic masks; nor may men invoke the name of the execrable Bacchus when they squeeze out the wine in the presses; nor when pouring out wine into jars [to cause a laugh], practising in ignorance and vanity the things which proceed from the deceit of insanity. Therefore those who in the future attempt any of these things which are written, having obtained a knowledge of them, if they be clerics we order them to be deposed, and if laymen to be cut off.\u201c<br \/>\nUnd Canon LXXV: \u201eWe will that those whose office it is to sing in the churches do not use undisciplined vociferations, nor force nature to shouting, nor adopt any of those modes which are incongruous and unsuitable for the church: but that they offer the psalmody to God, who is the observer of secrets, with great attention and compunction. For the Sacred Oracle taught that the Sons of Israel were to be pious.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> Das Konzil von Laodicea war eine auf Asia minor beschr\u00e4nkte Synode, die insgesamt 60 Regeln bestimmte. Die Regel 15 verbat der Gemeinde in der Kirche zu singen. Dies ist heutzutage in den orthodoxen Kirchen nicht g\u00fcltig. Siehe den genauen Wortlaut in englischer \u00dcbersetzung: Schaff, Ph. (o. J.): Synod of Laodicea in The Seven Ecumenical Councils, online: http:\/\/www.ccel.org\/ccel\/schaff\/npnf214.html [abgerufen am: 02.01.2013] viii.vii.iii.xv: Canon XV: \u201eNo others shall sing in the Church, save only the canonical singers, who go up into the ambo and sing from a book.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> Siehe: V. Abramenkova, I. Ponkin, V. Troickij (2012): Zaklju\u010denie Komissii \u0117kspertov po delu \u00abPusi Rajt\u00bb in: Russkaja narodnaja linija, 24.10.2012, online: http:\/\/ruskline.ru\/analitika\/2012\/10\/24\/zaklyuchenie_komissii_ekspertov_po_delu_pusi_rajt\/#_ftnref16, abgerufen am 25.10.2012: \u201eFakti\u010deski slovoso\u010detanie \u00absran\u2019 Gospodnja\u00bb obladaet \u00abbogochul\u2019nym\u00bb, \u00abko\u0161\u010dunstvennym\u00bb smyslom, imeja ob\u2018\u2018ektom posjagatel\u2019stva pravoslavnych veruju\u0161\u010dich, ich prava. Publi\u010dnoe proiznesenie \u0117togo slovoso\u010detanija, s u\u010detom mesta sover\u0161enija \u0117togo dejanija, javljaetsja grubym naru\u0161eniem ob\u0161\u010destvennogo porjadka.\u201c Scharfe Kritik an der Expertise und der Anklageschrift \u00fcbte auch der russisch-orthodoxe Diakon Andreja Kuraev in seinem Blog. Insbesondere der Vorwurf, dass das Auftreten auf dem Ambon\/Solea gottesl\u00e4sterlich sei, wird Gegenstand seiner Polemik. Siehe: Kuraev, A. (o. J.): Novoe o ve\u010dnych ustojach (Eine Neuigkeit zu den ewigen Grunds\u00e4tzen), online: http:\/\/diak-kuraev.livejournal.com\/337400.html, abgerufen am 02.01.2013.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref24\"><sup>[24]<\/sup><\/a> Siehe: Levinskaja, I. A. und Uzunova, V. G. (2012): K voprosu ob \u0117kspertize dejstvij gruppy \u00abPussy riot\u00bb.V za\u0161\u010ditu nau\u010dnoj issledovatel\u2019skoj dejatel\u2019nosti.\u0116kspertiza v karatel\u2019nom stile, 20.07.2012, online: http:\/\/www.spass-sci.ru\/news\/detail.php?ID=300, abgerufen am 25.09.2012: \u201e\u0116tot frazeologizm polu\u010dil nekotoroe rasprostranenie v sovremennom russkom jazyke \u010derez dublirovanie amerikanskich fil\u2019mov kak perevod amerikanskoj idiomy Holy shit (v diskussijach o perevode amerikanskich fil\u2019mov v internete v ka\u010destve avtora perevoda \u0117toj idiomy kak \u00absran\u2019 Gospodnja\u00bb nazyvajut L. V. Volodarskogo).\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref25\"><sup>[25]<\/sup><\/a> Siehe: Beljakova, N. (2009): Kontrolle, Kooptation, Kooperation. Sowjetstaat und Orthodoxe Kirche, in: Osteuropa, 6, Berlin, 2009, nur online verf\u00fcgbar, online: http:\/\/www.osteuropa.dgo-online.org\/issues\/issue.fulltext.2009.1245747480000.14 [abgerufen am 02.01.2013]: \u201eSo waren einerseits alle kirchlichen Mitarbeiter, denen wirtschaftlich-organisatorische T\u00e4tigkeiten der verschiedensten Art oblagen, immer angreifbar \u2013 man konnte sie wegen ihrer Rechtsverletzungen immer zur Verantwortung ziehen -, andererseits waren sie mit der lokalen Nomenklatura \u201averwoben\u2018, die materielle Zuwendungen erteilte. Die Kirche hatte ihren festen Platz in der Schatten\u00f6konomie, weswegen sie sp\u00e4ter schnell mit dem System der \u00f6konomischen Beziehungen verschmelzen konnte, das in der sp\u00e4ten Perestrojka-Zeit begann. [&#8230;] Die orthodoxe Kirche wurde nicht zu einer oppositionellen Kraft im Land, das \u201apolnische Szenario\u2018 wiederholte sich in der Sowjetunion nicht, der orthodoxe Klerus handelte \u201aim Geiste von Staatlichkeit und Patriotismus\u2018. [&#8230;] Die Zusammenarbeit mit dem KGB war eine von vielen Aktivit\u00e4ten zugunsten des sowjetischen Staates, dessen Patrioten die geistlichen W\u00fcrdentr\u00e4ger waren. \u201aIn den blo\u00dfen Kontakten zum KGB sehe ich nichts Verwerfliches: Der KGB war ein Staatsorgan, und wir waren B\u00fcrger des Staates\u2018, sagte in einem Interview 2002 ein \u00e4u\u00dferst \u201eliberaler\u201c W\u00fcrdentr\u00e4ger der ROK, Metropolit Chrizostom (Marti\u0161kin). Wie sich die Zusammenarbeit gestaltete, war die Sache des Einzelnen: \u201aIch selbst hatte Kontakte zum KGB, habe aber niemanden verpfiffen. Ohne die Kontakte ging es nicht, so war das System. Und ich bin davon \u00fcberzeugt, dass die allermeisten geistlichen W\u00fcrdentr\u00e4ger ebenfalls gezwungen waren, Kontakte zum KGB zu unterhalten. Es geht lediglich darum, welcher Art diese Kontakte waren\u2018. \u00c4hnlich \u00e4u\u00dfert sich auch Metropolit Mefodij (Nemcov) . [&#8230;] Die in der modernen russischen Tradition existierende ausschlie\u00dfliche Vorstellung von einem Modell der Symphonia weltlicher und kirchlicher Macht, die auch in die \u201aSozialkonzeption der ROK\u2018 Eingang gefunden hat, verhindert eine ernsthafte kirchliche Diskussion. [&#8230;] So schildert der damalige stellvertretende Leiter der kirchlichen Auslandsabteilung, Priester V. \u010caplin: \u201aEinige Geistliche lieferten wirklich Informationen \u00fcber ihre Amtsbr\u00fcder, manche aus Bosheit, andere, um Konkurrenten zu beseitigen, dritte, um eigene Rechnungen zu begleichen. Das ist, im Gegensatz zum nat\u00fcrlichen Kontakt, den die Kirche mit jeder staatlichen Macht unterhalten muss, wirklich S\u00fcnde. Aber diese S\u00fcnde ist kein Ph\u00e4nomen der Sowjetzeit: Es gab sie zu Zarenzeiten und es gibt sie heute (sowohl in Russland als auch im Westen), und es wird sie vermutlich immer geben. So lange, wie Machthaber Denunziationen Geh\u00f6r schenken.\u2018\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> Dies stimmt auch mit der Eigenaussage der Pussy-Riot in ihrem Blog \u00fcberein, wo sie ihre politischen \u00dcberzeugungen aufz\u00e4hlen: Feminismus, den Kampf mit den Strafverfolgungsbeh\u00f6rden, der Schutz der LGBT-Gemeinschaft, der Antiputinismus, die radikale Dezentralisierung der Regierungsbeh\u00f6rden, die Rettung des Chimki-Waldes und die Umsiedlung der Hauptstadt der Russischen F\u00f6deration nach Ostsibirien. Siehe: Pussy Riot (2011): O Gruppe Pussy Riot. , 07.11.2011, online: http:\/\/pussy-riot.livejournal.com\/5497.html [abgerufen am 02.01.2013]: \u201eKakie u u\u010dastnikov gruppy politi\u010deskie ube\u017edenija? Politi\u010deskie interesy u\u010dastnic i u\u010dastnikov gruppy &#8211; feminizm, bor\u2018ba s pravoochranitel\u2018nymi organami, za\u0161\u010dita LGBT, antiputinizm i radikal\u2018naja decentralizacija organov vlasti, spasenie Chimkinskogo lesa i perenos stolicy RF v Vosto\u010dnuju Sibir\u2018.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref27\"><sup>[27]<\/sup><\/a> Siehe: Hausmann, R. u.\u00a0a. (2012): The Global Gender Gap Report 2012, Genf, S. 302-303.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref28\"><sup>[28]<\/sup><\/a> Siehe: Johnson, S. (1991): Spontaneous privatisation in the Soviet Union. How, Why and for whom?, Cambridge (USA), S. 11: \u201eNevertheless, we can tentatively identify some of the Soviet winners in spontaneous privatization, particularly the people gaining property rights. The process is clearly initiated in most cases by managers seeking greater residual rights of control, and often with a clear idea of what they would like to do with this autonomy. [\u2026] Lower level bureaucrats [hier gemeint die Komsomols] and managers together have the information necessary to control the use of productive assets, and they are most likely to be the principle winners.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref29\"><sup>[29]<\/sup><\/a> Siehe: Timakova, N.; Aksenov, S. (1997): Tetja iz Zelenograda\u201c in \u201eKommersant-Vlast\u2018, Nr. 44, 250, 02.12.1997, S. 20-23.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref30\"><sup>[30]<\/sup><\/a> Siehe: Bridger, S. u. a. (1996): No more Heroines?. Russia, women and the market., New York, S. 30: \u201cAs the sex industry developed apace, with prostitution becoming an increasingly visible aspect of big city life and both imported and homemade pornography becoming widely available, the protests which came were inevitably on moral grounds. Larisa Kuzetsova, a regular writer on women\u2019s issues. Complained in 1990 that of all the many letters received by the press in response to articles about pornography, not one had come from a woman condemning the way that women were portrayed.\u201d<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref31\"><sup>[31]<\/sup><\/a> Siehe eine Analyse der Rolle der organisierten Kriminalit\u00e4t in den 90er Jahren: Hancock, M.\u00a0D. u. Logue, J. (2000): \u201eTransitions to capitalism and democracy in Russia and Central Europe\u201c, Westport, Conn., S. 305: \u201cThe criminalization of Russian society and the Russian state leaves little doubt that the Mafia clans, at least thus far, have emerged as the real winners and victors in the potential struggles of the transition from communism zo post-communism. [\u2026] Already in 1995, according to calculations of the Analytical Centre of the Russian Academy of Sciences, they controlled 35 percent of the capital and 80 percent of the voting shares in the country. [\u2026] No country in the region, however, faces a problem of organized crime on a scale comparable to that of Russia. [\u2026] While much of the income of Ukrainian organized crime groups comes from car smuggling, Ukraine has also become a major transit country for drug trafficking, prostitution, and illegal immigration, reaching from Southeast Asia to Belgium.\u201d<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref32\"><sup>[32]<\/sup><\/a> Siehe: Romani, P. (2008): Die Frauenhandelsstr\u00f6me und -routen aus Osteuropa in Frauenhandel. Diskurse und Praktiken., Nautz, J. und Sauer, B. (Hg.), G\u00f6ttingen, S. 65-80. Die aktive Bek\u00e4mpfung des Menschenhandels in Europa ist bislang immer noch nicht gel\u00f6st worden: Auf der Internetseite Stop Violence against Women, www. Stopvaw.org\/Stop_Violence_Against_Women, ist eine L\u00e4nderdokumentation zu finden, die den Kampf gegen den Frauenhandel in der Russischen F\u00f6deration als desastr\u00f6s beschreibt. Es ist jedoch kein alleiniges russisches Problem, da es nicht einseitig betrachtet werden darf, denn in den \u201eL\u00e4ndern der Freier\u201c werden ebenfalls nicht genug Mittel zur Bek\u00e4mpfung aufgebracht. \u00a0Siehe dazu: o.\u00a0V. (2010): Neue Schmiergeld-Aff\u00e4re im Ausw\u00e4rtigen Amt in: Spiegel-online vom 18.12.2010, online: http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/visa-vergabe-neue-schmiergeld-affaere-im-auswaertigen-amt-a-735435.html [abgerufen am 02.01.2013]: \u201eMitarbeiter mehrerer deutscher Botschaften stehen im Verdacht, im Auftrag internationaler Schleuserringe Hunderte erschlichener Visa ausgestellt und Schmiergelder kassiert zu haben. Nach Hinweisen aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin in acht Tatkomplexen wegen des Verdachts der bandenm\u00e4\u00dfigen Schleusung und Bestechlichkeit. [&#8230;] 2004 war im Rahmen eines Schleuserprozesses eine \u00e4hnliche Praxis aufgeflogen. Im Zentrum stand damals die deutsche Botschaft in Kiew, die mehrere tausend erschlichene Visa erteilt hatte.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref33\"><sup>[33]<\/sup><\/a> Ein weiteres gro\u00dfes Desiderat des gesamten Kontinents Europa ist in diesem Kontext die Anerkennung aller Frauen als menschliche Wesen unabh\u00e4ngig ihrer Herkunft, denn ohne Freier, die \u201eKonsumenten\u201c, die dies dulden, k\u00f6nnte es eigentlich keine illegale Prostitution geben.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref34\"><sup>[34]<\/sup><\/a> Vojna wurden durch ihre skandaltr\u00e4chtigen und gef\u00e4hrlichen Performances international bekannt. So projizierten sie einen Sch\u00e4del mit Knochen auf das Wei\u00dfe Haus in Moskau, dem Amtssitz der russischen Regierung. Sie verriegelten ein Restaurant namens Opri\u010dnik. Ebenfalls zeichneten sie einen 65m langen Phallus auf eine H\u00e4ngebr\u00fccke gegen\u00fcber dem FSB-Geb\u00e4ude. Alle ihre Aktionen k\u00f6nnen auf ihrer englischsprachigen Internetseite nachgelesen werden. Siehe: http:\/\/en.free-voina.org.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref35\"><sup>[35]<\/sup><\/a> Siehe: o.V. (2012): Sud protiv geev iz budu\u0161\u010dego: zapret na parady seks-men&#8217;\u0161instv v Moskve do 2112 goda priznan zakonnym in Novosti Rossii online vom 07.07.2012, online: http:\/\/www.newsru.com\/russia\/07jun2012\/hey100.html, abgerufen am 02.01.2013.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref36\"><sup>[36]<\/sup><\/a> Siehe dazu: Vojna: \u201eMoscow lynching of 2 gays and 3 immigrants by Vojna group\u201c, online: http:\/\/www.viddler.com\/v\/b9c8657c [abgerufen am 01.02.2013].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref37\"><sup>[37]<\/sup><\/a> Siehe dazu: o.\u00a0V. (2007): Moskau: OB Luschkow bezeichnet Schwulen-Parade als Satansshow in: Ria novosti online vom 29.01.2007, online: http:\/\/de.rian.ru\/society\/20070129\/59848474.html, abgerufen am 02.01.2013.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref38\"><sup>[38]<\/sup><\/a> Siehe: o.\u00a0V. (2010): Prigovor organizatoram vystavki \u201eZapretnoe iskusstvo\u201c vstupil v silu in: Interfaks online vom 04.10.2010, online: http:\/\/www.interfax-religion.ru\/?act=news&amp;div=37634 [abgerufen am 02.01.2013].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref39\"><sup>[39]<\/sup><\/a> Kaplan, Janet A. (1999): Deeper and Deeper: Interview with Marina Abramovic, in: College Art Association (ed.): Art Journal, Vol 58, No. 2 (Summer, 1999), 7-21, S. 13.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref40\"><sup>[40]<\/sup><\/a> Siehe hierzu unter anderem Avrich, Paul (1973): The Anarchists in the Russian Revolution, London und Avrich, Paul (1978): The Russian Anarchists, New York.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref41\"><sup>[41]<\/sup><\/a> Ganz explizit rekurrieren sie, wie bereits erw\u00e4hnt, auf die Zusammenf\u00fchrung von Kunst und Leben beispielsweise in der Performance <em>Gruppa Pussy Riot z<\/em><em>\u030c<\/em><em>z<\/em><em>\u030c<\/em><em>et putinskij glamur<\/em> in der der Anspruch von Kunst als Lebenspraxis expressis verbis auf dem Glaskasten in der Formulierung <em>\u017divot kak iskusstvo<\/em> (\u201eLeben als Kunst\u201c) zu lesen ist.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref42\"><sup>[42]<\/sup><\/a> Vgl. B\u00fcrger, Peter (2007): Theorie der Avantgarde, Frankfurt am Main, S. 72f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref43\"><sup>[43]<\/sup><\/a> Almhofer, Edith (1986): Performance Art, Die Kunst zu leben, Wien \/ K\u00f6ln \/ Graz, S. 138.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref44\"><sup>[44]<\/sup><\/a> Die Gruppe Pussy Riot wird gemeinhin in den deutschsprachigen Printmedien ebenso wie im deutschsprachigen Wikipedia als Punkband bezeichnet. Eine Zuordnung zur Performance-Kunst bleibt jedoch aus. Siehe hierzu beispielsweise: <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/marija-aljochina-pussy-riot-mitglied-beendet-hungerstreik-a-903267.html\">http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/marija-aljochina-pussy-riot-mitglied-beendet-hungerstreik-a-903267.html<\/a> u. http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Pussy_Riot.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref45\"><sup>[45]<\/sup><\/a> Vgl. Kr\u00e4mer, Sybille (2005): Performance und Zeugenschaft, Vortrag im Rahmen der performance art Konferenz, 16. Juli 2005, Berlin, in: http:\/\/www.formatlabor.net\/blog\/?p=162, 42-min\u00fctiger Videostream, 27.12.2008.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref46\"><sup>[46]<\/sup><\/a> Vgl. Goldberg, RoseLee (1988): Performance Art, From Futurism to The Present, \u00fcberarbeitete und erweiterte Auflage, London, S. 9.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref47\"><sup>[47]<\/sup><\/a> Stiles, Kristine (1996): Performance Art, in: Stiles, Kristine \/ Selz, Peter (ed.): Theories and Documents of Contemporary Art, A Sourcebook of Artists\u2019 Writings, Berkeley \/ Los Angeles \/ London, 679-694, S. 694.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref48\"><sup>[48]<\/sup><\/a> Vgl. Carlos, Laurie (2004): Introduction, Performance art was the one place where there were so few definitions, in: Goldberg, RoseLee: Performance, live art since the 60s, New York, S. 9.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref49\"><sup>[49]<\/sup><\/a> Vgl. Fischer-Lichte, Erika (2004): \u00c4sthetik des Performativen, Frankfurt am Main, S. 30f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref50\"><sup>[50]<\/sup><\/a> <em>\u017di\u017eek,<\/em> <em>Slavoj (2012): The True Blasphemy, in: http:\/\/chtodelat.wordpress.com\/2012\/08\/07\/the-true-blasphemy-slavoj-zizek-on-pussy-riot\/ <\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref51\"><sup>[51]<\/sup><\/a> Zu den juristischen und medialen Auswirkungen der Aktionen der Wiener Aktionisten im Rahmen der Veranstaltung \u201eKunst und Revolution\u201c, die 1968 in Kooperation mit dem sozialistischen \u00f6sterreichischen Studentenbund in einem H\u00f6rsaal der Wiener Universit\u00e4t stattfand und die die Anklage und Inhaftierung einiger beteiligter K\u00fcnstler nach sich zog, siehe: Raunig, Gerald (2005): Kunst und Revolution, K\u00fcnstlerischer Aktivismus im langen 20. Jahrhundert, Wien, S. 179ff.<\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref52\"><sup>[52]<\/sup><\/a> Meyer, Helge (2008): Schmerz als Bild, Leiden und Selbstverletzung in der Performance Art, Bielefeld S. 182.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref53\"><sup>[53]<\/sup><\/a> Vgl. Almhofer (1986): 7.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref54\"><sup>[54]<\/sup><\/a> Abramovi\u0107, Marina, in: Drathen, Doris von (1992): Kunst als \u00dcberwindung von Kunst, in: Romain, Lothar \/ Bluemler, Detlef (Hrsg.): K\u00fcnstler, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 17, M\u00fcnchen, S. 3.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0<strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Abramenkova V.\u00a0V., Ponkin, I.\u00a0V., Troickij, V.\u00a0Ju. (2012):Zaklju\u010denie Komissii \u0117kspertov po delu \u00abPusi Rajt\u00bb in: Russkaja narodnaja linija, 24.10.2012, online: http:\/\/ruskline.ru\/analitika\/2012\/10\/24\/zaklyuchenie_komissii_ekspertov_po_delu_pusi_rajt\/#_ftnref16, abgerufen am 25.10.2012.<\/p>\n<p>Almhofer, Edith (1986): Performance Art, Die Kunst zu leben, Wien \/ K\u00f6ln \/ Graz.<\/p>\n<p>Auslander, Philip (2006): The Performativity of Performance Documentation, in: PAJ, A Journal of Performance and Art, PAJ 84, Sep 2006, Vol. 28, No. 3.<\/p>\n<p>Abramovi\u0107, Marina, in: Drathen, Doris von (1992): Kunst als \u00dcberwindung von Kunst, in: Romain, Lothar \/ Bluemler, Detlef (Hrsg.): K\u00fcnstler, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 17, M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Avrich, Paul (1973): The Anarchists in the Russian Revolution, London.<\/p>\n<p>Avrich, Paul (1978): The Russian Anarchists, New York.<\/p>\n<p>Beljakova, N. (2009): Kontrolle, Kooptation, Kooperation. Sowjetstaat und Orthodoxe Kirche, in: Osteuropa, 6, Berlin, 2009, nur online verf\u00fcgbar, online: http:\/\/www.osteuropa.dgo-online.org\/issues\/issue.fulltext.2009.1245747480000.14, abgerufen am 02.01.2013.<\/p>\n<p>Bridger, S. u. a. (1996): No more Heroines?. Russia, women and the market., New York<\/p>\n<p>B\u00fcrger, Peter (2007): Theorie der Avantgarde, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>Carlos, Laurie (2004): introduction, Performance art was the one place where there were so few definitions, in: Goldberg, RoseLee: Performance, live art since the 60s, New York.<\/p>\n<p>Fischer-Lichte, Erika (2004): \u00c4sthetik des Performativen, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p>Franchetti, M. (2012): La sporca guerra dei soldi intorno alle Pussy Riot in: La Stampa, 03.12.2012 online: http:\/\/www.lastampa.it\/2012\/12\/03\/esteri\/la-sporca-guerra-dei-soldi-intorno-alle-pussy-riot-OtiyM4kRRLsMoPzIC3nbGN\/pagina.html, abgerufen am 02.01.2013.<\/p>\n<p>Goldberg, RoseLee (1988): Performance Art, From Futurism to The Present, u\u0308berarbeitete und erweiterte Auflage, London.<\/p>\n<p>Hausmann, R. u. a. (2012): The Global Gender Gap Report 2012, Genf.<\/p>\n<p>Johnson, S. (1991): Spontaneous privatisation in the Soviet Uniion. How, Why and for whom?, Cambridge (USA).<\/p>\n<p>Joll, J. (1980<sup>2<\/sup>): The anarchists, Cambridge.<\/p>\n<p>Jones, Amelia (1997): Presence in Absentia, Experiencing Performance as Documentation, in: Art Journal, Vol. 56, No. 4, Performance Art: (Some) Theory and (Selected) Practice at the End of This Century, Winter 1997.<\/p>\n<p>Kaplan, Janet A. (1999): Deeper and Deeper: Interview with Marina Abramovic, in: College Art Association (ed.): Art Journal, Vol 58, No. 2 (Summer, 1999), 7-21.<\/p>\n<p>Kr\u00e4mer, Sybille (2005): Performance und Zeugenschaft, Vortrag im Rahmen der performance art Konferenz, 16. Juli 2005, Berlin, in: http:\/\/www.formatlabor.net\/blog\/?p=162, 42-min\u00fctiger Videostream, 27.12.2008.<\/p>\n<p>Kronewitter, Th. (2011): Kirchengemeinde verzweifelt in: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 25.07.2011, online: http:\/\/www.sueddeutsche.de\/muenchen\/vandalismus-in-milbertshofen-kirchengemeinde-verzweifelt-1.1124099, abgerufen am 02.01.2013.<\/p>\n<p>Krongaus, E. (2012): Kak mnogo devu\u0161ek choro\u0161ich, S. 18-23 in: \u017durnal Bol\u2019\u0161oj Gorod, Moskau, Nr. 291, 08.02.2012.<\/p>\n<p>Kuraev, A. (2013): Novoe o ve\u010dnych ustojach, online: http:\/\/diak-kuraev.livejournal.com\/337400.html, abgerufen am 02.01.2013.<\/p>\n<p>Langston, H. 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