{"id":2101,"date":"2013-08-15T13:10:44","date_gmt":"2013-08-15T11:10:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=2101"},"modified":"2013-08-15T13:10:44","modified_gmt":"2013-08-15T11:10:44","slug":"wolfgang-welts-weltpeggy-sue-im-popliterarischen-feld-der-1980er-jahrevon-moritz-basler15-8-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/08\/15\/wolfgang-welts-weltpeggy-sue-im-popliterarischen-feld-der-1980er-jahrevon-moritz-basler15-8-2013\/","title":{"rendered":"Wolfgang Welts Welt\u201ePeggy Sue\u201c im popliterarischen Feld der 1980er Jahrevon Moritz Ba\u00dfler15.8.2013"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<p>Das ist keine Beichte<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>[zuerst abgedruckt in: \u201e\u201a\u00dcber Alles oder Nichts.\u2018 Ann\u00e4herungen an das Werk von Wolfgang Welt\u201c, hg. von Steffen Stadthaus und Martin Willems, Aisthesis Verlag, Bielefeld 2013, S. 75-93]<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">I<\/p>\n<p>\u201e\u201aFicken\u2018 ist das Wort, nach dem ich gesucht habe\u201c, schrieb einst Rolf Dieter Brinkmann.<a title=\"\" href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Der Tabubruch, der im literarischen Gebrauch obsz\u00f6ner Sprache und im massiven Einsatz von Bildmaterial mit sexuellen Motiven (meist nackten Frauen) liegt, geh\u00f6rt ma\u00dfgeblich zur Praxis jener Autoren, die die erste Phase der Popliteratur in der Bundesrepublik pr\u00e4gten.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Er markiert die Differenz zur pr\u00fcden, muffigen, bildungsb\u00fcrgerlichen Literatur der Vorg\u00e4ngergeneration, indem er deren Leser bewusst abst\u00f6\u00dft und somit vom Neuen und Eigenen ausgrenzt. Das lie\u00df sich damals durchaus als linkspolitischer Gestus verstehen (vgl. etwa die Titelbilder der fr\u00fchen <em>konkret<\/em>-Jahrg\u00e4nge!). Zugleich behauptet der Umgang mit W\u00f6rtern wie \u201eFicken\u201c aber auch einen neuen, befreiten und damit irgendwie nat\u00fcrlicheren Umgang mit Sexualit\u00e4t. Wenn heute, aus der historischen Distanz, eher der Zwangscharakter dieser emanzipatorischen Praxis ins Auge f\u00e4llt, dann liegt das daran, dass sich das diskursive Feld in den 1970ern aufgrund zahlreicher Faktoren, vom Feminismus \u00fcber die Aufkl\u00e4rung (in der <em>Bravo<\/em> wie in der Schule) und die generelle Entwicklung der Popkultur bis hin zum Aufschwung der Erotik-Industrie, doch erheblich verschoben hat.<\/p>\n<p>So mag es verwundern, dass auch Wolfgang Welts erster Roman <em>Peggy Sue<\/em> aus dem Jahre 1986 gleich im ersten Satz ostentativ das F-Wort bem\u00fcht: \u201eEtwa zwei Jahre nach unserer ersten Begegnung machte mir Sabine am Telefon Aussicht auf einen Fick, allerdings nicht mit ihr selber, sondern mit ihrer j\u00fcngeren Schwester.\u201c (9)<a title=\"\" href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Und kurz darauf: \u201eich w\u00fcrde mit dieser Ute ficken, von der ich bis dahin immer nur geh\u00f6rt hatte\u201c. (9) Das wirkt zun\u00e4chst wie eine gewollte Wiederholung von 60er-Jahre-Gesten: Seht her, ich kenne keine Tabus, ich bin Pop; und das ist sicher auch ein Teil der impliziten Leseanweisung dieses Romanbeginns. Allerdings ist die Haltung, aus der heraus dabei gesprochen wird, von der Brinkmanns und seiner Zeitgenossen fundamental verschieden. Zwischen den beiden oben zitierten Fick-Stellen steht n\u00e4mlich in direkter Rede jene \u00c4u\u00dferung Sabines, die der autodiegetische Erz\u00e4hler auf die genannte Weise interpretiert: \u201e\u201aDie Ute f\u00e4ngt jetzt hier an zu studieren und interessiert sich f\u00fcr Journalismus. Du hast doch da Verbindungen. Kannst du was f\u00fcr sie tun?\u2018\u201c (9)<\/p>\n<p>Von Geschlechtsverkehr ist hier, wie man sieht, gar nicht die Rede, daf\u00fcr von Journalismus (der Erz\u00e4hler schreibt Musikkritiken f\u00fcr das Bochumer Stadtmagazin <em>Marabo<\/em>). Sprich: Durch den eingeschobenen Sabine-O-Ton<a title=\"\" href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> generiert die Erz\u00e4hlung von Beginn an durchaus pointiert (wenngleich leicht zu \u00fcberlesen) eine Distanz zu sich selbst, eine leichte Vorbehaltlichkeit, was Perspektive und Deutungskompetenz ihres Erz\u00e4hlers betrifft. Seine erste (Sprach-, Erz\u00e4hl-) Handlung ist eine ebenso charakteristische wie problematische Interpretation und wird als solche ausgestellt. Das ist vor allem deshalb neu und irritierend, weil es sich hier eben um eine autodiegetische Erz\u00e4hlung handelt, in der der Autor sich selbst als Persona entwirft. In diesem Modus ist eine Differenz zwischen Erz\u00e4hlerrede und Textaussage, wie sie hier augenf\u00e4llig wird, eigentlich nicht vorgesehen.<\/p>\n<p>Zweifellos werden in <em>Peggy Sue<\/em> auch starke Signale der Authentizit\u00e4t, des Ehrlichen und Echten gesetzt: Dazu geh\u00f6ren die Bochumer Originalschaupl\u00e4tze, das unverbildete Arbeitermilieu, die Bedeutung von Fu\u00dfball und Saufen, vor allem aber die minuti\u00f6sen, zweifellos autobiografischen Details<a title=\"\" href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> und der dokumentarische Charakter (etwa in dem integrierten Feuilletontext <em>Buddy Holly auf der Wilhelmsh\u00f6he<\/em> von 1982). Die Rezeption ist auf diese Signale angesprungen, fast alle bisher vorliegenden Texte zu Welt begeben sich auf die \u201eSuche nach dem verlorenen Autor\u201c und finden ein Bochumer Original (das ergibt dann Titel wie \u201eStadtteilbukowski\u201c, \u201eDer trinkfeste Nachtw\u00e4chter\u201c, \u201eNarr im Wunderland\u201c, \u201eChronist des Potts\u201c). Diedrich Diederichsen, der Welt aus <em>Sounds<\/em>-Zusammenh\u00e4ngen kennt (er tritt auch als Figur in <em>Peggy Sue<\/em> auf), hebt in einer <em>Spex<\/em>-Rezension ebenfalls auf diesen Authentizit\u00e4tsgestus ab, auch wenn er daf\u00fcr nicht anf\u00e4llig ist, sondern sich beschwert:<\/p>\n<p>\u201edie Geste, ohne Besch\u00f6nigung, Verkl\u00e4rung, Wahnsinn und vor allem ohne irgendeinen Gedanken mir das komplette, langweilige Leben vor die F\u00fc\u00dfe zu knallen, hat was von N\u00f6tigung und Rockism: Nehmt mein kleines Leben, so ist es wirklich, alles echt, deswegen wertvoll!<a title=\"\" href=\"#_ftn6\">\u201c[6]<\/a><\/p>\n<p>Frank Sch\u00e4fer spricht von einer \u201ekruden, ohne \u00e4sthetisches Kalk\u00fcl aufs Papier gerotzten Prosa, die offenbar nichts anderes als wahrhaftig sein will\u201c,<a title=\"\" href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> und Jan S\u00fcselbeck im selben Sinne von einer \u201evollkommen distanzlos geschriebene[n] Suada aus unmittelbaren Selbstbetrachtungen\u201c, die den Leser \u201ezum Voyeur\u201c mache, was mit der sp\u00e4teren Psychose des Autors in Verbindung gebracht wird.<a title=\"\" href=\"#_ftn8\">[8]<\/a><\/p>\n<p>All das ist sicherlich nicht ganz falsch, aber dennoch geht eine Prosa, die so subtil verschiebt (Ficken lies Journalismus lies Pop), schwerlich \u201evollkommen distanzlos\u201c zu Werke. Im n\u00e4chsten Absatz outet sich der Erz\u00e4hler denn auch als abgebrochener Student und zieht eine weitere Differenz ein: \u201eWenn ich jetzt vom Werkkreis Literatur der Arbeitswelt w\u00e4re, w\u00fcrde ich diese Maloche n\u00e4her beschreiben.\u201c (9) Hier erhebt einer gerade nicht den Anspruch, ein schreibender Arbeiter, ein authentischer Malocher aus dem Pott zu sein. Zugleich distanziert sich Welts Text, indem er die links-engagierte Schriftstellervereinigung \u201eWerkkreis Literatur der Arbeitswelt\u201c bei ihrem vollen Namen aufruft, von einer politischen Literatur. Wenn er einen Absatz sp\u00e4ter dann doch auf Details seiner \u201eMaloche\u201c im Plattenladen eingeht, dann ist das einerseits ein performativer Widerspruch zum vorher Gesagten und damit ein weiteres Signal, den Selbstaussagen des autodiegetischen Ichs nicht vollst\u00e4ndig zu trauen. Andererseits wird aber tats\u00e4chlich mit einem spezifisch anderen Gestus erz\u00e4hlt als in der Arbeiterliteratur. Der besagte Absatz (\u201eEine Freundin hatte ich auch nicht. [\u2026]\u201c) nennt Markennamen (Tchibo, McDonald\u2019s) und Popstars (Bowie, M\u00fcller-Westernhagen, Michael Franks) und kehrt dann wieder zum Thema Nr. 1 (\u201ewie ich alles dransetzte, diese Ute zu ficken\u201c, 10) zur\u00fcck \u2013 drei Indizien daf\u00fcr, dass es sich bei diesem Gestus nicht um \u201eRockism\u201c, sondern um Pop handelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">\u00a0II<\/p>\n<p><em>Peggy Sue<\/em> ist bereits auf der Strukturebene keineswegs so schlicht, wie die vermeintliche \u201eSuada\u201c-Textur suggerieren mag. Die Ute-Geschichte fungiert im ersten Teil als ein Erz\u00e4hlrahmen, in den die Pop- und Sex-Sozialisation des Erz\u00e4hlers eingeh\u00e4ngt wird. Im zweiten Teil des Romans wird dann das Feuilleton <em>Buddy Holly auf der Wilhelmsh\u00f6he<\/em>, Welts erster Erfolg als Autor, eingef\u00fcgt, das seinerseits eine Reihe von Textsorten mischt. Gleich im ersten Absatz hei\u00dft es dort: \u201eIch komme von H\u00f6lzken auf St\u00f6cksken, nennt man das assoziieren?\u201c (122) Dieser Satz zeigt in nuce, dass hier ein Erz\u00e4hler seinen Ruhrpott-Slang performiert, sich bildungsfern gibt, dabei jedoch sehr genau wei\u00df, was er literarisch tut.<\/p>\n<p>\u201eOhnehin fragte ich mich dauernd, wieso \u00fcberhaupt so wenige Ruhrgebietsautoren Aufsehen erregen. [\u2026] Wieso schrieb hier keiner eine \u201aBlechtrommel\u2018, gar einen \u201aUlysses\u2018, ein \u201aGruppenbild mit Dame\u2018, eine \u201aStunde der wahren Empfindung\u2018, \u201aJahrestage\u2018 oder wenigstens \u201aTadell\u00f6ser und Wolff\u2018.\u201c (27f.)<\/p>\n<p>Das sind schon hohe Vergleichsma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr jemanden, der angeblich nicht wei\u00df, was Assoziieren ist. Zwar wird diese Liste dem erz\u00e4hlten Ich zugeschrieben (\u201efragte ich mich dauernd\u201c), doch kann sie ihren poetologischen Status nicht verbergen. Man erkennt ein gewisses Faible f\u00fcr Werke mit starkem, bisweilen geradezu archivarisch-chronistischem Lokalbezug: Grass\u2019 Danzig, Joyces Dublin, B\u00f6lls K\u00f6ln, Johnsons und Kempowskis Mecklenburg \u2013 an diese Reihe, so wird suggeriert, w\u00e4re anzukn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>\u201eImmerhin hielt ich mich f\u00fcr den wichtigsten jungen Schreiber im Revier\u201c, hei\u00dft es im Nachfolgeroman <em>Der Tick<\/em> (2001),<a title=\"\" href=\"#_ftn9\">[9]<\/a> und \u201eRevier\u201c ist hier durchaus im doppelten Wortsinn zu lesen. Gegenwartsliteratur von Bochumer Autoren, wenn sie Welt denn begegnet, findet stets seine volle Aufmerksamkeit. Genannt werden, neben Max von der Gr\u00fcn, u.a. Frank G\u00f6hre (<em>Schnelles Geld<\/em>, 1979) und Bettina Blumenberg mit ihren Texten in der Suhrkamp-Anthologie <em>Von nun an<\/em>. <em>Neue deutsche Erz\u00e4hler<\/em> (1980). Die arty Kurzprosa der Philosophentochter, der er die Publikationsm\u00f6glichkeit \u201ein ersten H\u00e4usern\u201c neidet (\u201eimmerhin war sie aus dem Ruhrgebiet\u201c, 27), gef\u00e4llt ihm zwar nicht, aber auch diese Wertung wird uns keineswegs rockistisch vor die F\u00fc\u00dfe geknallt. Eher subtil hei\u00dft es bereits vor Erw\u00e4hnung Blumenbergs: \u201eNur eine Geschichte gefiel mir, die von einem mir unbekannten Str\u00e4tz.\u201c Vom Text der Autorin selbst (<em>Angriffe<\/em>) behauptet er dagegen, \u201eda\u00df ich ihn nicht ganz verstand\u201c (27) \u2013 dass dies dem hermetischen Gestus des Textes geschuldet ist, verschweigt er h\u00f6flich (zudem lohnt der Blick auf das vorangestellte Portr\u00e4tfoto, das die Autorin mit maximal verkl\u00e4rtem Gesichtsausdruck zeigt \u2013 sozusagen das Gegenteil von Pop).<a title=\"\" href=\"#_ftn10\">[10]<\/a> Vom forciert hochliterarischen Anspruch des <em>edition suhrkamp<\/em>-Bandes distanziert er sich aber bereits im Absatz vorher, indem er die pr\u00e4tenti\u00f6se Titelformulierung (<em>Von nun an<\/em>) \u00fcberaus profan in einem Satz \u00fcber den beklagenswerten Zustand seiner Lohnt\u00fcte einbaut (\u201eSelten erreichte ich von nun an das Limit, von dem an man mich am Umsatz beteiligte\u201c, 27). An solchen Stellen erweist sich die vermeintlich distanzlose und platt-realistische Prosa Welts (\u201ealles echt, deswegen wertvoll\u201c) als bewusst und in Kenntnis der Alternativen gew\u00e4hltes Verfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">\u00a0III<\/p>\n<p>Um dieses Verfahren im literarischen Feld um 1980 n\u00e4her zu bestimmen, lohnt ein Blick auf die en passant erw\u00e4hnten G\u00f6hre und Str\u00e4tz. Auch wenn Frank G\u00f6hres <em>rororo-panther<\/em>-Roman<a title=\"\" href=\"#_ftn11\">[11]<\/a> <em>Schnelles Geld<\/em>, den Welt f\u00fcr <em>Marabo<\/em> rezensiert, und die <em>edition-suhrkamp<\/em>-Prosa <em>Katastrophal<\/em> von Harald Str\u00e4tz auf den ersten Blick publikationstechnisch und vom Anspruch her aus verschiedenen Welten zu stammen scheinen, pr\u00e4figurieren beide signifikante Merkmale von Welts Prosa.<\/p>\n<p>G\u00f6hres Roman erz\u00e4hlt personal, in figurennaher Umgangssprache und im Pr\u00e4teritum, mit vielen Dialogen und stilistischen Ankl\u00e4ngen an den Hard-boiled-Krimi, die Geschichte von Charly, einem B\u00fcchereiangestellten, der \u00fcber seine alten Schulfreunde in kriminelle Machenschaften verstrickt wird. Auff\u00e4lliges Merkmal der Prosa sind von der ersten Seite an die zahlreichen, kursiv hervorgehobenen Namen von Originalschaupl\u00e4tzen (z.B. Kneipen) im Ruhrgebiet sowie die h\u00e4ufige Nennung von Popmusikern, Bands, Songs und Lyrics,<a title=\"\" href=\"#_ftn12\">[12]<\/a> dazu Automarken. Der Lokalbezug wird zudem durch die Fotos hergestellt, die am Beginn jedes Kapitels einmontiert sind (das erste zeigt ein St\u00fcck Autobahn mit Wegweiser bei Essen, Richtung Bochum, ein weiteres rauchende Schlote). Der Pop-Bezug ist vom ersten Satz an pr\u00e4sent (\u201eden Kopf voll Suff und Rock \u2019n Roll\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn13\">[13]<\/a>) und wird in R\u00fcckblicken als Sozialisationsfaktor erkennbar:<\/p>\n<p>\u201esie waren in den Schuppen am Busbahnhof gegangen, wo sich die Typen trafen, die auf Elvis und Cliffy standen und auch so aussahen: R\u00f6hrenjeans und Dreivierteljacken, gestreifte T-Shirts, <em>Jailhouse Rock<\/em>, H\u00fcftdrehung und \u00dcberschwung. Die Musik dr\u00f6hnte aus den Boxen, die Spotlights flackerten und Rita hatte ihn auf die Tanzfl\u00e4che gezogen.<a title=\"\" href=\"#_ftn14\">\u201c[14]<\/a><\/p>\n<p>Wie bei Welt ist es vor allem der Rock \u2019n\u2019 Roll, auch in seiner Retro-Form als Rockabilly, der bei G\u00f6hre diese Rolle spielt (neben Country). Eine weitere Parallele sind die wechselnden Frauenbeziehungen, wobei gleich die erste Interessierte, die f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Uli, noch was ganz anderes will:<\/p>\n<p>\u201e- Hey, sagte das M\u00e4dchen und war schon im Zimmer, hockte sich auf das Bett und strahlte ihn an.<\/p>\n<p>&#8211; Ich brauch \u2019n Buch von dir. <em>Von der Gr\u00fcn<\/em>. Hast du <em>von der Gr\u00fcn?<\/em><a title=\"\" href=\"#_ftn15\">\u201c[15]<\/a><\/p>\n<p>Damit steckt <em>Schnelles Geld<\/em> ziemlich genau das Spannungsfeld zwischen Ruhrgebiets-Autochthonie (\u201e<em>Und d\u00e4 Fu\u00dfball is wieder am laufen. Und Vatter hat Last mit die F\u00fc\u00dfe, das bleibt ja nich aus bei die Maloche. Willze noch \u2019n Pils?<\/em>\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn16\">[16]<\/a>), literarischem Bewusstsein, Popsozialisation und Frauensuche ab, das dann auch f\u00fcr <em>Peggy Sue<\/em> charakteristisch ist. Der Hauptunterschied liegt darin, dass Welt diese Konstellation konsequent autodiegetisch, ja autobiografisch formulieren wird. G\u00f6hre dagegen, der nach Ausweis der biographischen Notiz im Buch ebenfalls erhebliche \u00dcbereinstimmungen mit seiner Hauptfigur Charly Kunkelfu\u00df aufweist, muss seine durchaus originelle Prosa noch mit Genreelementen des Krimis versehen (z.B. kennt Charly eine Frau bei der Kfz-Zulassungsstelle u.\u00e4.), um sie zu verkaufen. Dass Rowohlt den Roman aber an \u201ejunge Leser \u201azwischen den Generationen\u2018\u201c adressiert, ist von heute aus gesehen ein historisch signifikanter Reflex auf die zahlreichen Marker von Popkultur, die G\u00f6hres Prosa enth\u00e4lt. Einem erwachsenen Literaturpublikum war so etwas trotz oder gerade wegen Sex and Drugs and Rock \u2019n\u2019 Roll um 1980 offenbar (noch) nicht zuzumuten.<\/p>\n<p>Stellt sich die Frage, wieso dann Harald Str\u00e4tz\u2019 <em>Katastrophal<\/em> jene e-literarischen Weihen erhalten konnte, die mit einer Publikation in der <em>edition suhrkamp <\/em>verbunden sind. Auch dieser fast 60-seitige Text beginnt mit Suff, Schimpfworten (\u201eKackemalacke\u201c) und obsz\u00f6nen Herrenwitzen (\u201eFrag ich die doch tats\u00e4chlich, ob ich mal lecken darf. Da\u00df ich solange das Eis halte, h\u00e4tte ich nat\u00fcrlich nicht sagen d\u00fcrfen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn17\">[17]<\/a>), nennt im weiteren Verlauf Originalschaupl\u00e4tze (z.B. das SO36) sowie zahlreiche Marken beim Namen (oft in Versalien, z.B. TCHIBO, EDUSCHO, LANGNESE, SPALT, TOGAL, SPIEGEL, IBM, aber auch zahlreiche Zigaretten- und Getr\u00e4nkemarken), verwendet Fu\u00dfball- und Kraftausdr\u00fccke, und spricht, wenn auch nicht so fl\u00e4chendeckend wie G\u00f6hre und Welt, \u00fcber Popmusik (u.a. Stones, Elvis, Leonard Cohen).<\/p>\n<p>Dabei wird vollst\u00e4ndig auf Genremuster, und das hei\u00dft auch: auf traditionelle Elemente von Handlung und Spannung verzichtet \u2013 wom\u00f6glich eine erste Voraussetzung, diese Art von Prosa als vollwertige Literatur zu platzieren. Was zuvor den Text noch nicht tragen konnte, scheint nun als Struktur hinreichend: Das autodiegetische Ich, ein B\u00fcroangestellter, treibt etwas ziellos zwischen Kneipen und diversen Frauenbekanntschaften umher. \u00dcber seinen Freund Alfred, der auf Frauenversteher macht, hei\u00dft es: \u201eBei allem Verst\u00e4ndnis denkt der nur an das eine. Wie ich. Er sagt, uns lockt doch alle nur das feuchte magische Dreieck, das ist halt in dieser Gesellschaft so.<a title=\"\" href=\"#_ftn18\">\u201c[18]<\/a><\/p>\n<p>Vielleicht ist auch dieser etwas forcierte Gesellschaftsbezug bei der Aufnahme in die \u201eersten H\u00e4user\u201c der Literatur dienlich gewesen. <em>Katastrophal<\/em> durchmustert bundesrepublikanische Milieus vom Regierungsb\u00fcro (\u201eDas B\u00fcro ist das kleinere \u00dcbel. Wie die SPD.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn19\">[19]<\/a>) bis zur Landkommune, wo bei freier, aber wenig befreiender Liebe Ernst Busch, Wolf Biermann und \u201eGo down, Moses\u201c zur Gitarre erklingen, und endet mit einem RAF-Witz. Unzweifelhaft hat der Text aber auch formal eine gewisse Konsequenz: Als autodiegetischer Text ist er vollst\u00e4ndig im Pr\u00e4sens gehalten, ein Modus, der durch Bret Easton Ellis (<em>Less Than Zero<\/em>) und Nick Hornby (<em>High Fidelity<\/em>) f\u00fcr den Poproman der 90er Jahre (Kracht: <em>Faserland<\/em>, Stuckrad-Barre: <em>Soloalbum<\/em>) stilbildend wird. Brinkmann (<em>Keiner wei\u00df mehr<\/em>) oder Fauser (<em>Rohstoff<\/em>) hatten dagegen, ebenso wie Welt, im Pr\u00e4teritum geschrieben. Str\u00e4tz nutzt diese nicht-mimetische Form der Ich-Erz\u00e4hlung \u2013 schlie\u00dflich kann man nicht gleichzeitig erleben und dar\u00fcber reden oder gar schreiben \u2013 f\u00fcr eine durchaus interessante Mischung aus Tirade und radikal fokalisierter Beobachtung der Umgebung (\u201eHoffentlich bemerken die beiden nicht, da\u00df ich sie in meinem voyeuristischen Vakuum beobachte.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn20\">[20]<\/a>). Gerade die kommentierenden Einw\u00fcrfe, die den Erz\u00e4hlfluss begleiten (\u201eOh, Mann!\u201c, \u201eZu dumm!\u201c, \u201eEr nun wieder.\u201c etc.), best\u00e4rken den Eindruck des Spontanen und Gegenw\u00e4rtigen. Die h\u00e4ufigen Redeberichte vermeiden den literarisierenden Konjunktiv Pr\u00e4sens, so dass die Tirade nie ins Artifiziell-Thomas-Bernhardsche kippt. Dagegen kommt es ansatzweise bereits zu jenen enzyklop\u00e4dischen Improvisationen, in denen es Stuckrad-Barre sp\u00e4ter zur Meisterschaft bringen wird; etwa anl\u00e4sslich einer Frau im Zug:<\/p>\n<p>\u201eSie ist der Typ \u201aLeihb\u00fccherei hinterm Tresen\u2019, \u00fcberzogene B\u00fccher kassieren, mit einer pflegeleichten Kurzhaarfrisur und einigen grauen Str\u00e4hnen im Haar. Kinderlos und Goldrandbrille. Dezent karierten Rock mit einer etwas auff\u00e4lliger karierten Jacke. An der einen Hand den Ehering, an der anderen den Ring ihrer j\u00fcngst verstorbenen Mutter. [\u2026] Ihr gepflegter Konversationsstil m\u00fcndet in einen grenzenlosen Small-talk. Jawohl, Frau Lehrerin. [\u2026] Wie geht die wohl mit ihrem Mann um? Die hat doch gar keinen Mann. Jungfer aus Prinzip. Meyers 20b\u00e4ndiges Konversationslexikon, incl. Nachtr\u00e4ge in der Vitrine hinter Glas in Augenh\u00f6he.<a title=\"\" href=\"#_ftn21\">\u201c[21]<\/a><\/p>\n<p>Ausgehend von wenigen \u00e4u\u00dferlichen Beobachtungen und vielleicht Gespr\u00e4chsfetzen generiert der Erz\u00e4hler das Bild einer Frau inklusive Beruf und Inneneinrichtung. Weil sie als Sexualpartnerin nicht in Frage kommt, f\u00e4llt es absch\u00e4tzig aus und nimmt dabei sogar offenkundig kontrafaktische Schl\u00fcsse (Jungfer trotz Ehering) in Kauf. Das imaginierte Lexikon<a title=\"\" href=\"#_ftn22\">[22]<\/a> lenkt von der gegenwartskulturellen Enzyklop\u00e4dik des eigenen Assoziationsverfahrens ab.<\/p>\n<p>Dabei bleibt alles, auch die misogynen \u00c4u\u00dferungen und Herrenwitze, vollst\u00e4ndig der Ich-Instanz zugeschrieben, die vom Text weder blo\u00df als \u201aFall\u2019 (z.B. als problematischer Alkoholiker) konstruiert noch aber auch als autoridentische behauptet wird. Wie f\u00fcnfzehn Jahre sp\u00e4ter bei Kracht und Stuckrad-Barre fungiert diese Instanz vielmehr als genuin literarische Lizenz f\u00fcr ein welthaltiges Erz\u00e4hlen in einem dezidiert problematischen Modus. Dies wird im Text durchaus reflektiert, wenn es anl\u00e4sslich einer sympathischen Sekret\u00e4rin (mit der es auch zum Sex kommt) hei\u00dft: \u201eRichterle mag meine Ausdrucksweise nicht. Lacht trotzdem dar\u00fcber. Weil ich es bin. Ich darf das.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn23\">[23]<\/a> Das ist ebenso poetologisch zu lesen wie die Rede vom \u201evoyeuristischen Vakuum\u201c: Str\u00e4tz konstruiert hier ein episch-pr\u00e4sentisches Ich, das darf, was es tut, n\u00e4mlich mit personal beschr\u00e4nktem voyeuristischen Blick auf verschiedene Milieus blicken und schimpfen. Suhrkamp-Literatur ist, wenn man trotzdem lacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">\u00a0IV<\/p>\n<p>Literarische Bezugspunkte des Str\u00e4tzschen Erz\u00e4hlers sind Erich K\u00e4stner und Ralph Waldo Emerson. Popmusik kommt f\u00fcr ihn eher als Milieumarker vor: die Musikbox in der deutschen Provinz (\u201eAlte Kameraden und La Paloma\u201c), die Cohen-Songs der alleinerziehenden Renate, die obsoleten linken Kampflieder der alternden Generationsgenossen. Eine Berliner Sozialarbeiterin wird durch ihren Musikgeschmack (\u201eDie Beatles gefallen ihr noch besser als Elvis, aber von denen auch nur die ersten Platten. Die Dire Straits findet sie ganz nett. Und Punk ist Spitze\u201c) ebenso gut charakterisiert wie durch ihren Dialekt und Humor (\u201eKennste die Hymne von Kreuzberch? Nee? Na von Elvis kennste doch In the ghetto, oder?\u201c).<a title=\"\" href=\"#_ftn24\">[24]<\/a> Zwar kann man sich in keinem anderen Text der M\u00fcller-Schwefe-Anthologie <em>Von nun an<\/em> die Nennung von Popmusiktiteln auch nur vorstellen. In Wolfgang Welts Roman, der sich zumindest innerhalb der Diegese ja ebenfalls einer Anregung des Suhrkamp-Lektors verdankt,<a title=\"\" href=\"#_ftn25\">[25]<\/a> spielt der Pop-Bezug jedoch eine deutlich fundamentalere Rolle. Popmusik ist hier der Sozialisationsfaktor Nummer eins, der Anlass zum Schreiben und die Eintrittskarte auch in h\u00f6here Gefilde des deutschen Musikzeitschriften- und Verlagswesens; Pop-Bez\u00fcge pr\u00e4gen den Text dementsprechend vom Titel bis in die einzelnen Abs\u00e4tze (neben der Frauensuche werden haupts\u00e4chlich Begebenheiten aus dem Leben des Plattenh\u00e4ndlers und Konzertkritikers erz\u00e4hlt). Und dies geschieht ganz bewusst: \u201eEs hatte nie viele Ber\u00fchrungspunkte zwischen Rock-Musik und Literatur gegeben\u201c (56), sinniert der Erz\u00e4hler und ist elektrisiert, wenn er auf solche st\u00f6\u00dft. Am zitierten Ort geht es um Bands und LPs, die nach Romanen benannt sind, und f\u00fcr <em>Peggy Sue<\/em> gilt eben die Umkehrung. Welt praktiziert, vielleicht als erster deutscher Autor, ein Schreiben nach der Popmusik.<\/p>\n<p>Im Zentrum des Welt\u2019schen Pop-Universums steht, wie nicht anders zu erwarten, Buddy Holly. <em>Buddy Holly auf der Wilhelmsh\u00f6he<\/em> erz\u00e4hlt die Sozialisation des K\u00fcnstlers als Dokumentation einer Jugendszene: \u201eIch stell mich hinten an. Von jetzt an Fu\u00dfball, Rock\u2019n\u2019Roll und vor allem der Buddy Holly Club auf der Wilhelmsh\u00f6he.\u201c (124). Es ist dieser Text, datiert mit Bezug auf Hollys 45. Geburtstag, der dem Erz\u00e4hler (und Welt) den Zutritt zur gehobenen Musikkritik verschafft, nachdem er bereits vorher mit einem Text \u00fcber Hollys 20. Todestag f\u00fcrs <em>Marabo<\/em> \u00fcberhaupt erstmals zum Autor wird.<a title=\"\" href=\"#_ftn26\">[26]<\/a> Rock \u2019n\u2019 Roll und Schreiben sind hier also gleichurspr\u00fcnglich und bleiben \u00c4quivalente (\u201eZur\u00fcck ins Spektrum, zur\u00fcck zu Buddy Holly, zur\u00fcck zum Schreiben.\u201c, 20). Unmittelbar benachbart sind die anderen Hauptkomplexe von Welts Prosa, n\u00e4mlich, wie gleich zu Beginn gesehen, das Ficken, aber auch die Psychose. Sie bef\u00e4llt den angehenden Autor als Todesangst mit Schreibblockade, die dann in legendentauglicher (Diederichsen w\u00fcrde sagen: rockistischer) Manier bew\u00e4ltigt wird: \u201eHeute Nacht oder nie. Ich stand gegen halb drei auf, ging von der Mansarde runter und holte mir aus dem K\u00fchlschrank \u2019ne Pulle Cola und \u2019n Liter Milch. Dann schrieb ich. Um sechs war das Ding fertig.\u201c (22)<\/p>\n<p>Man kann hier kaum von unverdichteter Prosa sprechen: Gerade \u00fcber die Buddy-Holly-Idiosynkrasie findet eine erhebliche Verdichtung des Textes statt, Leben und Schreiben werden \u00fcber dieses enzyklop\u00e4dische Stichwort aufs Engste miteinander verwoben. So hei\u00dft seine englische Brieffreundin, mit der es zu einem entt\u00e4uschenden Treffen kommt, Sue und deren Mutter Peggy (\u201eDas ergab \u201aPeggy Sue\u2019, mein Lieblingslied von Buddy Holly. Fand ich lustig.\u201c, 17). Auch seine nach Ausweis von Auto-Dokumenten bis heute andauernde Freundschaft mit Philipp Goodhand-Tait beruht darauf (\u201eIch las in der Zeit, geschrieben von Franz Sch\u00f6ler, da\u00df da einer Songs im Stile von Buddy Holly schrieb\u201c, 18). Und wie die Frauen durchgehend unbeirrt nach ihren sekund\u00e4ren Geschlechtsmerkmalen bewertet werden, so bleibt auch der Musikgeschmack, Hauptlegitimationspunkt des bezahlten Schreibens, vollst\u00e4ndig abh\u00e4ngig von der fr\u00fchen Pr\u00e4gung. Welt und sein Erz\u00e4hler sehen in der legitimen Nachfolge Hollys etwa Alan Vega von Suicide<a title=\"\" href=\"#_ftn27\">[27]<\/a> sowie ganz allgemein Punk. Rituell beglaubigt wird diese musik- und zugleich lokalhistorische Kontinuit\u00e4t am Ende von <em>Buddy Holly auf der Wilhelmsh\u00f6he<\/em> durch die Auszeichnung des Patenkindes Marcus:<\/p>\n<p>\u201eNeulich kam er von der L\u00fctgendortmunder Kirmes mit einem Badge auf dem Pullover: \u201aIch bin gegen alles\u2018, ein elfj\u00e4hriger Punk. Ich griff an mein Revers, nahm meinen Button ab und schenkte ihn meinem Neffen. Es war letzten Montag. Von der Anstecknadel l\u00e4chelt ein bebrillter junger Mann mit falschem Gebi\u00df. Es war Buddy Holly. Er w\u00e4re an diesem Tag 45 geworden.\u201c (139)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">\u00a0V<\/p>\n<p>Das ist nicht so sehr weit von der Engf\u00fchrung zwischen Elvis und Punk entfernt, wie man sie bei Str\u00e4tz oder wirkm\u00e4chtiger etwa bei Neil Young findet. <a title=\"\" href=\"#_ftn28\">[28]<\/a> Aber Buddy Holly ist eben nicht Elvis. Steht dieser f\u00fcr die gro\u00dfe Erz\u00e4hlung, den Urknall von Pop schlechthin, so repr\u00e4sentiert Holly eher eine kleine, geniale, aber in jeder Hinsicht idiosynkratische Spielart von Rock \u2019n\u2019 Roll,<a title=\"\" href=\"#_ftn29\">[29]<\/a> falsches Gebiss und Hornbrille statt Beckenkreisen und Goldsuit. Gerade hier anzukn\u00fcpfen, wie Welt das tut, ist also auch ein Statement, eine pophistorische Ortsbestimmung.<a title=\"\" href=\"#_ftn30\">[30]<\/a> Und vielleicht ist es kein Zufall, dass auch die <em>edition suhrkamp<\/em> kurz zuvor \u201eF\u00fcr eine kleine Literatur\u201c pl\u00e4diert hatte, im Untertitel zu Deleuze\/Guattaris <em>Kafka<\/em>-B\u00e4ndchen von 1976,<a title=\"\" href=\"#_ftn31\">[31]<\/a> das dem Philologie-Studenten Welt nicht entgangen sein wird.<\/p>\n<p>Vielleicht h\u00e4tte <em>Peggy Sue<\/em> ohne diese Verpflichtung auf die Buddy-Holly-Musik und damit auf das Kleine zu einer Chronik der fr\u00fchen Neuen Deutschen Welle und damit zu einer Art Urknall der deutschen Popliteratur werden k\u00f6nnen. Es ist ja nicht so, dass Welt die fr\u00fche deutsche Punk- und Wave-Szene, die um 1980 herum noch im Zeichen des Ratinger Hofs steht, nicht wahrgenommen h\u00e4tte, im Gegenteil. In seiner Eigenschaft als DJ wird dem Ich-Erz\u00e4hler das Obsolete seines eigenen Musikgeschmacks deutlich vor Augen gef\u00fchrt: \u201eSchon nach der dritten Nummer kamen die Kids angelaufen. \u201aDu bist wohl bescheuert! Was spielt du f\u00fcr einen Schei\u00df! Wir holen dich gleich da runter! Spiel mal Ideal! Spiel mal D.A.F.! Spiel mal Kim Wilde!\u2018\u201c (117)<\/p>\n<p>Auch S.Y.P.H. und Fehlfarben haben in <em>Peggy Sue<\/em> ihren Auftritt, wenn auch eher unter lokalen als unter musikhistorischen Vorzeichen; das Urteil f\u00e4llt milde zustimmend, aber nicht enthusiastisch aus (\u201eIm Laufe eines solchen Abends mu\u00dfte ich in der Regel s\u00e4mtliche St\u00fccke der Fehlfarben-LP spielen. Hatte ich auch nichts gegen.\u201c, 119). Eine \u00e4hnliche Haltung nimmt der Kritiker Welt etwa auch zu Mot\u00f6rhead ein, die er auf der legend\u00e4ren <em>No Sleep \u2019Til Hammersmith<\/em>-Tour begleitet:<a title=\"\" href=\"#_ftn32\">[32]<\/a> Statt, wie es Musikkritiker ja gelegentlich tun (m\u00fcssen), gemeinsam die Ikone hochzuhalten, die Band und sich zu mythisieren, statt also Gr\u00f6\u00dfe zu evozieren und an ihr teilzuhaben, charakterisiert er die drei Metaller als nette Menschen, die leider schreckliche Musik machen<a title=\"\" href=\"#_ftn33\">[33]<\/a> (sprich: nicht recht nach Buddy Holly klingen).<\/p>\n<p>In unmittelbarer zeitlicher und r\u00e4umlicher Nachbarschaft zu Welts literarischen Anf\u00e4ngen bringt Peter Glaser 1984 bei Kiepenheuer &amp; Witsch seine Anthologie <em>Rawums. Texte zum Thema<\/em> heraus. Unter den Beitr\u00e4gern finden sich neben K\u00fcnstlern (Kippenberger, Dokoupil) und jungen Bachmann-Preistr\u00e4gern (Goetz, Morsh\u00e4user) auch \u201emit allen Wassern der Stadtzeitschriftenzone gewaschene\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn34\">[34]<\/a> Autoren wie Hubert Winkels (damals beim D\u00fcsseldorfer <em>\u00dcberblick<\/em>, f\u00fcr den Welt sp\u00e4ter auch schreibt) und Pop-Kritiker wie Diederichsen und Jutta Koether von <em>Spex<\/em>. Glaser selbst ist mit einem Text vertreten, den er gemeinsam mit Thomas Schwebel, dem Texter von S.Y.P.H. und Fehlfarben, verfasst hat und in dem ubiquit\u00e4r \u201eFicken\u201c vorkommt, sogar als letztes Wort (<em>Handlung m\u00f6rderisch<\/em>). Besonders im zu Recht bekannt gewordenen einleitenden \u201eExplos\u00e9\u201c <em>Zur Lage der Detonation<\/em> formuliert der Herausgeber das Verh\u00e4ltnis von Popmusik und Literatur in einer Weise neu, die weit \u00fcber das hinausgeht, was Welt sich zur selben Zeit vorstellen kann, obwohl es durchaus auf seiner Linie liegt: \u201eSongtexter\u201c wie Schwebel werden ausgemacht als \u201edie ersten Schreibenden zum Ende der literarisch hinsiechenden 70er, denen der Kragen platzt\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn35\">[35]<\/a> Gegen eine langweilige, langsame und nur mit sich selbst besch\u00e4ftigte E-Literatur stellt Glaser Punk und \u201eNeue Welle\u201c: \u201eDas beste Buch des Jahres \u201981 ist eine Schallplatte\u201c \u2013 so weit w\u00e4re der <em>Spiegel<\/em>-Leser und M\u00f6chte-gern-Suhrkamp-Autor Welt denn doch wohl nicht gegangen (und schon gar nicht h\u00e4tte er sich dann ausgerechnet f\u00fcr \u201e\u2019Monarchie und Alltag\u2019 von Fehlfarben\u201c entschieden).<a title=\"\" href=\"#_ftn36\">[36]<\/a> Die Differenz ist unter anderem am Verh\u00e4ltnis zu Peter Handke auszumachen, dessen <em>Die Stunde der wahren Empfindung<\/em> (1975) Welt, wie gesehen, zu den unerreichten Vorbildern z\u00e4hlt,<a title=\"\" href=\"#_ftn37\">[37]<\/a> w\u00e4hrend das Buch f\u00fcr Glaser ein Symptom f\u00fcr obsoleten \u201eTiefsinn\u201c auf dem \u201eGrund des Marianengrabens\u201c darstellt.<a title=\"\" href=\"#_ftn38\">[38]<\/a> Dennoch ist Welt und den <em>Rawums<\/em>-Autoren das Bewusstsein gemeinsam, nach der Popmusik zu schreiben und also, unausgesprochen, so etwas wie Pop-Literatur zu sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">\u00a0VI<\/p>\n<p>F\u00fcr S\u00fcselbeck ist Wolfgang Welts Prosa \u201edem Stil nach irgendwo zwischen Charles Bukowski und Rainald Goetz verortbar, aber dann doch ganz anders und ziemlich eigen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn39\">[39]<\/a> Ebensogut lie\u00dfe sie sich auch zwischen Frank G\u00f6hre und Harald Str\u00e4tz einordnen. Gemeinsamkeiten w\u00e4ren der nicht mehr ganz jugendliche Mann im Zentrum der Erz\u00e4hlung, die durchgehend interne Fokalisierung, die figurennahe Sprache, die Verwendung von Markennamen und Popmusik, die m\u00e4\u00dfig erfolgreichen Frauengeschichten, der konsequente Gegenwartsbezug, die Archivierung lokaler Spezifika (Dialekt in w\u00f6rtlicher Rede, Kneipennamen, Lokalit\u00e4ten) und der Bezug auf andere Literatur. Anders als G\u00f6hre verzichtet Str\u00e4tz darauf, diese Prosa noch mit Genre-Strukturen zu \u00fcberformen, mit dem Ergebnis, dass er auf Lektoratsebene als Literatur-Literatur (<em>edition suhrkamp<\/em>) wahrgenommen wird, w\u00e4hrend man G\u00f6hre in Jugendbuchreihen platziert. Welt strebt eindeutig ersteres an, allerdings r\u00e4umt er Popmusik und -szene eine konstitutive Rolle ein, die sich bei Str\u00e4tz so nicht findet. \u201aGesellschaft\u2019, Ende der 70er der kleinste gemeinsame Nenner linker (Suhrkamp-) Literatur, interessiert den Welt\u2019schen Erz\u00e4hler dagegen nicht. Zwar inszeniert er einen Aufstand gegen den Betreiber einer Kette von Plattenl\u00e4den, f\u00fcr den er arbeitet, doch ist die Tatsache, dass er den Ratinger Hof-Slogan \u201eWir sind die T\u00fcrken von morgen\u201c in seinem Protestbrief erw\u00e4hnt (98), dabei deutlich interessanter als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnissen. Auch die lokale Hausbesetzerszene ist f\u00fcr ihn blo\u00df ein (bezahlter) Schreibanlass unter anderen, die Popkritik ist ihm wichtiger und bleibt das einzige, was er aus eigenem Antrieb verfasst:<\/p>\n<p>\u201eAbends tippte ich meinen Kommentar zur Besetzung. Es war das erste Mal, da\u00df ich mich politisch zu \u00e4u\u00dfern hatte. Ich bekundete meine Sympathie mit den Chaoten und wetterte gegen die halsstarrigen Stadtv\u00e4ter. In der Nacht h\u00f6rte ich mir dann noch ungef\u00e4hr drei\u00dfig Singles an, die im Laufe des Monats in die Redaktion eingegangen waren, und schrieb zu jeder ein, zwei S\u00e4tze.\u201c (114).<\/p>\n<p>Sympathie bekunden und gegen die lokalen Autorit\u00e4ten wettern klingt eher nach einem Kompromiss mit dem linken <em>on dit<\/em> als nach politischem Engagement, wogegen das pop\u00e4sthetische Engagement (drei\u00dfig Singles an einem Abend rezensieren) nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst. Popkultur tritt als Relevanzraum an die Stelle von \u201aGesellschaft\u2019.<\/p>\n<p>Formal w\u00e4hlt Welt wie Str\u00e4tz die Ich-Form, bleibt aber wie G\u00f6hre beim epischen Pr\u00e4teritum. Von beiden Autoren unterscheidet ihn jedoch fundamental der radikal autofiktionale Gestus seiner Prosa: <em>Peggy Sue<\/em> wird zwar Roman genannt und damit eindeutig im Feld der Literatur verortet, jedoch hei\u00dft dessen autodiegetischer Erz\u00e4hler Wolfgang Welt und ist mit dem Autor, was die biografischen Daten, die Verfasserschaft diverser Texte etc. angeht, auch sonst weitestgehend identifizierbar. Genauer: Die Figur Wolfgang Welt aus dem Roman <em>Peggy Sue<\/em> ist gleichzusetzen nicht nur mit dem Ich-Erz\u00e4hler, sondern dar\u00fcber hinaus \u201esowohl mit dem Tr\u00e4ger der literarischen Autor-Funktion als auch mit dem journalistischen Autor\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn40\">[40]<\/a> desselben Namens. Welts Prosa hat also von Beginn an einen komplett autofiktionalen Charakter im Sinne einer geschlossenen Selbst-Poetik, wie Innokentij Kreknin sie j\u00fcngst anhand von Rainald Goetz entwickelt, vor allem aber f\u00fcr Joachim Lottmann beschrieben hat. In allen drei F\u00e4llen handelt es sich um Autoren, die Mitte der 1980er ins literarische Feld eintreten und kaum zuf\u00e4llig unter dem Label \u201aPop\u2019 behandelt werden.<\/p>\n<p>Lottmanns erster Roman <em>Mai, Juni, Juli<\/em> erscheint 1987, ein Jahr nach <em>Peggy Sue<\/em>, ist ebenfalls in Ich-Form und Pr\u00e4teritum gehalten, zeigt die Figur zwischen Frauen und popjournalistischen Projekten im <em>Spex<\/em>-Umfeld und spielt ausweislich des ersten Satzes \u201ein der Zeit, als ich unbedingt ein Schriftsteller sein wollte\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn41\">[41]<\/a> Zus\u00e4tzlich zu diesen Gemeinsamkeiten \u00fcbernimmt Lottmann auch den Kunstgriff, einen eigenen journalistischen Text als solchen in den Roman einzuf\u00fcgen. Kreknin liest das \u201eals die Initialz\u00fcndung eines poetologischen Prinzips, das auf die Herstellung einer konsistenten <em>faction<\/em> ausgerichtet ist, in welcher immer wieder der Protagonist als der Autor Joachim Lottmann aufscheint\u201c,<a title=\"\" href=\"#_ftn42\">[42]<\/a> wobei <em>faction<\/em> die im amerikanischen Gonzo-Journalismus praktizierte Mischung von Tatsachen und Fiktionen meint. Die Grenze wahr\/falsch wird dabei nicht \u00fcberschritten, sondern aufgel\u00f6st zugunsten eines neuen, paralogischen Modus, in dem die Konsistenz einer Autofiktion und damit des erschriebenen Selbst \u201enicht als Identit\u00e4t der Eigenschaften von Autor-Subjekt-Figuren umgesetzt werden muss\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn43\">[43]<\/a> Vermieden wird, mit anderen Worten, die Authentizit\u00e4tsfalle: Wenn die Rezensenten Wolfgang Welt in Bochum aufsuchen und befriedigt feststellen, dass er genau so ist wie in seinen Romanen, dann ist damit eben noch keineswegs gesagt, dass der reale Welt seinem literarischen Entwurf, wie er mit <em>Peggy Sue<\/em> etabliert wird, vorausginge. Die Auto(r)fiktion ist eben, wie bei Lottmann und beim sp\u00e4ten Goetz, eine geschlossene. An die Stelle des obsoleten Authentizit\u00e4tsanspruchs tritt nun aber keineswegs der Verzicht auf Referenz, vielmehr erweist \u201esich die vorhandene Referentialit\u00e4t von autofiktionalen Subjekten und den von ihnen organisierten Zeichen als eine der interessantesten und ergiebigsten Quellen der Analyse\u201c;<a title=\"\" href=\"#_ftn44\">[44]<\/a> was wohl nur so sein kann, weil es sich eben vor allem auch um ein ergiebiges Textverfahren handelt.<\/p>\n<p>Vielleicht k\u00f6nnte man diese von Kreknin beschriebene Spielart geschlossener Autofiktion als popspezifische L\u00f6sung des Problems lesen, kulturelle Archivierung und Literarizit\u00e4t miteinander zu verbinden. Genau das ist jedenfalls Welts Absicht: Bei den Fakten bleiben (\u201eMann, was f\u00e4llt mir da alles wieder ein, echt keine Mache, mein Ged\u00e4chtnis ist be\u00e4ngstigend.\u201c, 132) und zugleich Literatur auf Suhrkamp-Niveau machen.<a title=\"\" href=\"#_ftn45\">[45]<\/a> M\u00fcller-Schwefes im Roman kolportierte Reaktion in den heiligen Hallen des Verlags \u2013 \u201eIch erz\u00e4hlte ihm, was ich in den letzten Wochen so gemacht hatte, und er meinte, das sei doch schon ein Roman.\u201c (146) \u2013 best\u00e4rkt ihn in beiden Punkten zugleich: \u201eeinfach das komplette, langweilige Leben vor die F\u00fc\u00dfe zu knallen\u201c (Diederichsen) und dabei dennoch einen \u201eRoman\u201c zu verfassen. Nebenfiguren wie M\u00fcller-Schwefe haben innerhalb der Autofiktion denselben Status wie die Ich-Figuren selbst: Sie sind Romanfiguren mit interessanten referentiellen Bez\u00fcgen. Und inzwischen d\u00fcrfte klar sein: all dies geschieht keineswegs \u201eohne \u00e4sthetisches Kalk\u00fcl\u201c, es hat den Segen des Suhrkamp-Lektors und will durchaus \u201enoch etwas anderes als wahrhaftig\u201c sein, n\u00e4mlich Kunst.<a title=\"\" href=\"#_ftn46\">[46]<\/a><\/p>\n<p>Das Medium, in dem so etwas zumindest denkbar w\u00e4re, hei\u00dft Pop, soviel hatte Welt bereits bei seinen ersten, journalistischen Schreiberfahrungen begriffen, und deshalb setzt er bereits in den ersten S\u00e4tzen die entsprechenden Signale (\u201eficken\u201c). Auch die Darreichung von \u201eD\u00f6ntjes aus Bochums reicher Fu\u00dfballgeschichte\u201c (Diederichsen) verf\u00e4hrt in dieser Hinsicht alles andere als naiv. Die Aufstellung der bewunderten A-Jugend des SuS Wilhelmsh\u00f6he (124) zitiert Peter Handkes Po\u00e8me trouv\u00e9 <em>Die <\/em><em>Aufstellung des 1<\/em>. <em>FC N\u00fcrnberg<\/em> <em>vom 27.1.1968<\/em> (1969), ein fr\u00fches und bekanntes Beispiel suhrkampliterarischer Aneignung von Popul\u00e4rkultur. Und wenn Welt die grafische Anordnung wieder aufnimmt, um eine Seite sp\u00e4ter den mit dieser A-Mannschaft teilidentischen Buddy Holly Club zu archivieren, dann indiziert diese Verschiebung auch sein poetologisches Programm, das zugleich ein autofiktionales ist: \u201eVon jetzt an Fu\u00dfball, Rock\u2019n\u2019Roll und vor allem der Buddy Holly Club auf der Wilhelmsh\u00f6he. Ohne ihn g\u00e4b\u2019s mich so nicht.\u201c (124) Und ohne den fast gleichnamigen Text <em>Buddy Holly auf der Wilhelmsh\u00f6he<\/em>, in dem all dies steht, auch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"center\">\u00a0VII<\/p>\n<p>Auf derselben <em>Spex<\/em>-Doppelseite, auf der im November 1986 Diederichsens Rezension von <em>Peggy Sue<\/em> erscheint, findet sich auch eine Kolumne von Lottmann \u00fcber <em>Mit der Kirche ums Dorf<\/em>, die erste Suhrkamp-Publikation Thomas Meineckes. \u201eWas ist realit\u00e4tshaltige Poesie?\u201c fragt Lottmann hier. \u201eUngef\u00e4hr das: Die Handlung spielt heute, in der Bundesrepublik, an genau bestimmten Pl\u00e4tzen, Stra\u00dfen, Lokalit\u00e4ten. Menschen haben Berufe, Politiker werden wiedererkannt. Autos spricht man mit ihren Markennamen an. Ich mag das.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn47\">[47]<\/a><\/p>\n<p>All das trifft auch auf <em>Peggy Sue<\/em> zu (Welt f\u00e4hrt Opel Kadett). Allerdings hebt Lottmanns Rezension im Weiteren auf die grotesken Elemente in Meineckes fr\u00fcher Kurzprosa ab (sich in eine Schaufensterpuppe verlieben) und leitet daraus eine paralogische Poetik ab, die er in seiner eigenen autofiktionalen Prosa dann mit der bekannten, sehr spezifischen <em>faction<\/em>\u2013Technik zu jenem irritierenden \u201eParalleluniversum\u201c ausbaut, \u201edas unserem unheimlich stark \u00e4hnelt, aber eben nicht ganz\u201c, eine Welt, \u201ein der alles stimmen kann, aber nichts stimmen muss\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn48\">[48]<\/a> Diesen paralogischen Weg, der zugleich den bewussten Entwurf als Autor-Persona im medialen Feld einschlie\u00dft, geht der Autor von <em>Peggy Sue<\/em> nicht. Im Vergleich mit Lottmanns k\u00fchner, gerade in ihrer Geschlossenheit irritierender Autofiktion wirkt Welts Welt redlich, aber bescheiden (Diederichsen: \u201ekleines Leben\u201c). Weder verf\u00fcgt er \u00fcber die Chuzpe zur konsequenten medialen Selbstinszenierung, wie sie Rainald Goetz von seinem Klagenfurter Stirnschnitt an beweist, noch kann er sich im popmusikalischen Feld selbst Autorit\u00e4t verschaffen, wie die Ratinger Hof-Leute, Thomas Meinecke als Mitglied von F.S.K oder Omo in <em>Peggy Sue<\/em>. Und schon gar nicht kann der Buddy Holly-Fan zur hegemonialen Macht der neuen Pop-Diskurse aufschlie\u00dfen, wie sie Diedrich Diederichsen repr\u00e4sentiert. Dennoch teilt Welts Prosa mit Lottmann und Goetz den geschlossen autofiktionalen Charakter: Was Diederichsen daran als katholischer \u201eGest\u00e4ndniszwang\u201c irritiert<a title=\"\" href=\"#_ftn49\">[49]<\/a> (all die auto-fick-tionalen \u00c4u\u00dferungen \u00fcber sexuellen Erfolg\/Misserfolg etc.), kommt genau besehen ja v\u00f6llig ohne Scham, Schuld und Erl\u00f6sung aus. Es klappt sogar mit Ute: \u201eIm Bett zierte sie sich nicht, wir legten sofort mit der V\u00f6gelei los. Gegen zwei pennten wir ein. Morgens machten wir weiter. Der irre Trip hatte sich also gelohnt.\u201c (79)<\/p>\n<p>Das ist keine Beichte, sondern ein literarischer Ich-Entwurf, wie er im Feld popkulturellen Schreibens der 80er, zwischen Stadtmagazinen, <em>Spex<\/em> und fr\u00fchem Suhrkamp-Pop, \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich wird. \u201eVon einer bestimmten Schreibqualit\u00e4t an Ist Literatur Wahrheit, was immer sie transportiert.\u201c lautet Lottmanns Fazit.<a title=\"\" href=\"#_ftn50\">[50]<\/a> F\u00fcr Welt w\u00e4re dieses Credo paralogischer Autofiktionalit\u00e4t vermutlich genau umzukehren: Von einer bestimmten Schreibqualit\u00e4t an ist Wahrheit Literatur.<\/p>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><strong><br \/>\nAnmerkungen<\/strong><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Rolf Dieter Brinkmann: Notizen 1969 zu amerikanischen Gedichten und zu dieser Anthologie. In: Silver Screen. Neue amerikanische Lyrik. Hg. v. R.D.B. K\u00f6ln 1969, S. 7-32; S. 15.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 So geh\u00f6rten zu den 15 Fragen des Autorenfragebogens, den die durchweg m\u00e4nnlichen Beitr\u00e4ger zu dem Sammelband SUPER GARDE (Prosa der Beat- und Pop-Generation. Hg. v. Vagelis Tsakiridis. D\u00fcsseldorf 1969) ausf\u00fcllten, auch die Fragen: \u201eWelche Art Sex m\u00f6gen Sie\u201c, \u201eWelche erotischen Vorstellungen haben Sie beim Tr\u00e4umen?\u201c, \u201eWie oft lieben Sie im Monat?\u201c und \u201eMit welcher bekannten Frau \/bzw. Mann) m\u00f6chten Sie gerne mal?\u201c Brinkmann bringt sein Lieblingswort aber unter der Frage \u201eWas tun Sie am liebsten?\u201c unter\u2026<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wolfgang Welt: Peggy Sue. In: W.W.: Peggy Sue &amp; andere Geschichten. Vorwort v. Leander Hau\u00dfmann. Bochum 1997, S. 9-161 (Seitenzahlen dieser Ausgabe in runden Klammern). Das Original erschien 1986 im Konkret Literaturverlag.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sabine am Telefon ist Anfang der 80er \u00fcbrigens bereits popkulturell codiert durch den Trio-Song \u201eSabine Sabine Sabine\u201c von 1982.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eAlles. Da\u00df Wim Thoelke im Fernsehen lief und da\u00df er gern gewu\u00dft h\u00e4tte, wie die und die im Bett w\u00e4re. Wie er soziale Ungerechtigkeiten in einem Schallplattenladen erlebte und sich an die Gewerkschaft wandte und irgendwelche historischen D\u00f6ntjes aus Bochums reicher Fu\u00dfballgeschichte. Die meisten Geschichten hat er mir damals [\u2026] auch schon am Telefon erz\u00e4hlt\u201c (Diedrich Diederichsen: Neue Deutsche Literatur f\u00fcr angehende Erwachsene. In: Spex, November 1986, S. 64f; S. 64).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Diederichsen: Neue Deutsche Literatur f\u00fcr angehende Erwachsene, S. 64.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Frank Sch\u00e4fer: Der Chronist des Potts. Ein Besuch bei Wolfgang Welt. In: F.S.: Ich bin dann mal weg. Streifz\u00fcge durch die Popkultur. Berlin 2002, S. 87-91; S. 87.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jan S\u00fcselbeck: Lenz, postmodern. Eine Begegnung mit Wolfgang Welt, dem Autor der Romansammlung &#8222;Buddy Holly auf der Wilhelmsh\u00f6he&#8220;. In: literaturkritik.de, Februar 2007 (<a href=\"http:\/\/www.literaturkritik.de\/public\/rezension.php?rez_id=10431\">www.literaturkritik.de\/public\/rezension.php?rez_id=10431<\/a>; 5.9.2012)<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wolfgang Welt: Der Tick. Roman. M\u00fcnchen 2001, S. 29.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Bettina Blumenberg: Angriffe. In: Von nun an. Neue deutsche Erz\u00e4hler. Hg. v. Hans-Ulrich M\u00fcller-Schwefe. Frankfurt 1980, S. 95-113; Foto S. 93.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Die rororo-Taschenbuchreihe panther erweitert ab 1979 die Kinder- und Jugendreihe \u201crotfuchs\u201c als \u201eeine neue Taschenbuchreihe f\u00fcr junge Leser \u201azwischen den Generationen\u2019. \u201apanther\u2019 bringt es bis 1989 auf 143 Titel.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.rowohlt.de\/sixcms\/detail.php?template=rr_verlag_ueber_uns_chronik_detail&amp;id=2679300\">http:\/\/www.rowohlt.de\/sixcms\/detail.php?template=rr_verlag_ueber_uns_chronik_detail&amp;id=2679300<\/a>, 12.10.2012). Die Erstausgabe von <em>Schnelles Geld<\/em> erschien 1979 im M\u00fcnchner Weismann Verlag, der ebenfalls auf Jugendb\u00fccher spezialisiert war.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Das letzte Kapitel hei\u00dft \u201eSympathy for the Devil\u201c.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref13\">[13]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Frank G\u00f6hre: Schnelles Geld. Roman. Reinbek 1981 [EA Weismann 1979], S. 5. Es folgt ein Hinweis auf Elvis\u2019 Tod.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref14\">[14]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 G\u00f6hre: Schnelles Geld, S. 15. \u201eCliffy\u201c meint hier Cliff Richard und nicht den sp\u00e4ter im Roman ebenfalls erw\u00e4hnten Reggae-Musiker Jimmy Cliff.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref15\">[15]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 G\u00f6hre: Schnelles Geld, S. 10.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref16\">[16]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 G\u00f6hre: Schnelles Geld, S. 12.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref17\">[17]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Harald Str\u00e4tz: Katastrophal. In: Von nun an. L.c., S. 241-299; S. 241.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref18\">[18]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Str\u00e4tz: Katastrophal, S. 261.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref19\">[19]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Str\u00e4tz: Katastrophal, S. 252.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref20\">[20]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Str\u00e4tz: Katastrophal, S. 286.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref21\">[21]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Str\u00e4tz: Katastrophal, S. 271.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref22\">[22]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Beim zwanzigb\u00e4ndigen Meyer\u2019s mit Erg\u00e4nzungsb\u00e4nden kann es sich eigentlich nur um die 6. Auflage (1902-1910) handeln, nach verbreiteter Auffassung das beste je in deutscher Sprache erschienene Lexikon.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref23\">[23]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Str\u00e4tz: Katastrophal, S. 257.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref24\">[24]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Str\u00e4tz: Katastrophal, S. 295 und 297.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref25\">[25]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eIch sagte ihm:\u2019Herr, wie hei\u00dfen Sie noch mal?\u2019 \u201aM\u00fcller-Schwefe.\u2019\u201c (142).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref26\">[26]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Buddy Holly (b\u00fcrgerlich: Charles Hardin Holley) wurde am 7.9.1936 geboren und kam bei einem Flugzeugabsturz am 3.2.1959 ums Leben. Der 1952 geborene Wolfgang Welt ist also zwischen 1979 und 1981, zu Beginn seiner Schreibkarriere und in der Diegese von <em>Peggy Sue<\/em>, genau in dem Alter, in dem Holly starb.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref27\">[27]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. die Verbindung zu Rockabilly bei G\u00f6hre, s.o.!<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref28\">[28]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Neil Youngs notorische Verse \u201eThe King is gone, but he\u2019s not forgotten \/ this is the story of Johnny Rotten\u201c im Song <em>My, my, hey, hey (out of the blue)<\/em> (auf: Rust Never Sleeps, 1979) mythisieren ja das \u201aDie-Fackel-Weitergeben\u2019 mit Bezug auf 1977, Presleys Todesjahr, in dem zugleich die erste Sex Pistols-LP <em>Never Mind the Bollocks<\/em> erschien.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref29\">[29]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Der Top-Ten-Hit <em>Peggy Sue<\/em> \u201eintroduced HOLLY\u2019s idiosyncratic vocal mannerisms, his exaggerated hiccuping framed by simple but effective arrangements\u201c (Martin C. Strong: The Great Rock Discography. New York <sup>7<\/sup>2004, S. 700).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref30\">[30]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Man findet das ganz \u00e4hnlich in der fr\u00fchen Hamburger Schule: Bernd Begemann lokalisiert sich im Kleinen mit dem Bezug auf Buddy Holly und Jonathan Richman (<em>Buddy, nimm lieber den Bus (auch ich bin nur ein Jonathan Richman-Fan)<\/em>, auf: Rezession, Baby!, 1993), w\u00e4hrend Distelmeyer und Blumfeld mit dem Plattencover von <em>L\u2019Etat et Moi<\/em> ein Jahr sp\u00e4ter an Elvis ankn\u00fcpfen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref31\">[31]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Gilles Deleuze\/F\u00e9lix Guattari: Kafka. F\u00fcr eine kleine Literatur. Frankfurt 1976.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref32\">[32]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Mot\u00f6rheads <em>No Sleep \u2019Til Hammersmith<\/em> (1981) gilt als eines der besten Live-Alben aller Zeiten und erreichte Platz 1 der britischen Charts.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref33\">[33]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Wolfgang Welt: Mot\u00f6rhead \u2013 Kein Schlaf bis Hammersmith [Musikexpress 5\/1982]. In: W.W.: Peggy Sue &amp; andere Geschichten, S. 179-185.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref34\">[34]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Diederichsen: Neue Deutsche Literatur f\u00fcr angehende Erwachsene, S. 64.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref35\">[35]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Peter Glaser: Zur Lage der Detonation \u2013 Ein Explos\u00e9. In: Rawums. Texte zum Thema. Hg. v. P.G. K\u00f6ln 1984, S. 9-21; S. 13f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref36\">[36]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Glaser: Zur Lage der Detonation, S. 14f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref37\">[37]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Au\u00dferdem kennt und verehrt Welt den durch Handkes F\u00fcrsprache bekannter gewordenen Hermann Lenz (27).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref38\">[38]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 \u201eEbenfalls Mitte der 70er Jahre ortet Peter Handke in Paris eine der letzten wahren Empfindungen Europas.\u201c (Glaser: Zur Lage der Detonation, S. 10f.). Peter Handke galt mit einigen Texten Anfang der 70er selbst bisweilen als Popautor, wurde dann aber zu einem f\u00fchrenden Vertreter der Neuen Innerlichkeit. <em>59to1<\/em>, eine Popzeitschrift der 80er Jahre, brachte ihm in ihrem Literaturteil jedoch immer noch Verehrung entgegen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref39\">[39]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 S\u00fcselbeck: Lenz, postmodern, l.c. Bukowskis <em>Die Ochsentour<\/em> wird in <em>Peggy Sue<\/em> genannt (34), Goetz publiziert seinen Klagenfurter Skandaltext <em>Subito<\/em> in <em>Rawums<\/em>.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref40\">[40]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Innokentij Kreknin: Poetiken des Selbst: Identit\u00e4t, Autorschaft und Autofiktion. Am Beispiel von Rainald Goetz, Joachim Lottmann und Alban Nikolai Herbst. Diss. M\u00fcnster 2012 [Ms.], S. 276 (Kreknin spricht hier \u00fcber Lottmann).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref41\">[41]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Joachim Lottmann: Mai, Juni, Juli. Ein Roman [1987]. K\u00f6ln 2003, S. 7.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref42\">[42]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Kreknin: Poetiken des Selbst, S. 281.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref43\">[43]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Kreknin: Poetiken des Selbst, S. 404.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref44\">[44]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Kreknin: Poetiken des Selbst, S. 403.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref45\">[45]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Es ist wohl kaum Zufall, dass sowohl Welt (wie oben zitiert) als auch der ganz fr\u00fche Lottmann dabei Walter Kempowski im Blick haben (\u201eSowas\u2026wie ist es nun blo\u00df m\u00f6glich\u201c hei\u00dft es bereits in <em>Drei Frauen<\/em> (In: Rawums. l.c., S. 124-139; S. 130). \u00dcber zehn Jahre sp\u00e4ter wird Benjamin von Stuckrad-Barre sich erneut f\u00fcr diesen im Schatten der Gruppe 47 lange Zeit nicht ernstgenommenen Autor stark machen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref46\">[46]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Folgerichtig bricht f\u00fcr ihn auch eine Welt zusammen (\u201ezumindest meine\u201c), als er von Suhrkamp\/M\u00fcller-Schwefe einen ablehnenden Bescheid \u00fcber ein Manuskript bekommt (Welt: Der Tick, S. 158).<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref47\">[47]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Joachim Lottmann: Realit\u00e4tsgehalt: Ausreichend. In: Spex 11 (1986), S. 65.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref48\">[48]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Kreknin: Poetiken des Selbst, S. 283f.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref49\">[49]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Diederichsen: Neue Deutsche Literatur f\u00fcr angehende Erwachsene, S. 64.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref50\">[50]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0 Lottmann: Realit\u00e4tsgehalt: Ausreichend, l.c.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Hinweise zu dem Sammelband, in dem dieser Aufsatz erschienen ist,<a title=\"link aisthesis verlag\" href=\"http:\/\/www.aisthesis.de\/titel\/9783895289965.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> hier]<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cDer Nimbus des Anti-Glamours&lt;br \/&gt;Suhrkamp, Mot\u00f6rhead und Wolfgang Welt&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Thomas Hecken&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;8.8.2013&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=2082&amp;action=edit\">\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist keine Beichte<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[90733,1563,1760,1830,1837,2559],"class_list":["post-2101","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-1980er-jahre","tag-moritz-basler","tag-peter-glaser","tag-pop-literatur","tag-pop-zeitschrift-2","tag-wolfgang-welt"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2101","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2101"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2101\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2101"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2101"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2101"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}