{"id":2260,"date":"2013-09-11T08:46:57","date_gmt":"2013-09-11T06:46:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=2260"},"modified":"2013-09-11T08:46:57","modified_gmt":"2013-09-11T06:46:57","slug":"zur-wahlvon-thomas-hecken11-9-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/09\/11\/zur-wahlvon-thomas-hecken11-9-2013\/","title":{"rendered":"Zur Wahlvon Thomas Hecken11.9.2013"},"content":{"rendered":"<p>Politische Alternativen aus der Pop-Perspektive<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[aus: \u00bbPop. Kultur und Kritik\u00ab, Heft 3, Herbst 2013, S. 113-129]<\/p>\n<p>Eine Wahlempfehlung nach dem Vorbild angels\u00e4chsischer Zeitungen wird hier nicht folgen, auch keine umfangreiche Diskussion einzelner politischer Vorhaben. Die Ansicht, es gebe keine Wahl, soll aber keineswegs vertreten werden. Ein deutsches Nachrichtenmagazin druckte im Mai den Beitrag eines Autors ab, der in seinem letzten vielbeachteten Buch das Wort vom Konsum- und \u00bbWellness-Gulag\u00ab pr\u00e4gte. F\u00fcr ihn gibt es keinen Unterschied zwischen CDU, FDP, SPD, Gr\u00fcnen, Linke, deshalb rief er zur Wahlenthaltung auf. Bei solchen Parteiengegnern lohnt es sich, die Wahl aus einer grunds\u00e4tzlichen Pop-Perspektive nicht unbeachtet zu lassen (dies ist wenigstens meine \u00dcberzeugung, ich spreche nur f\u00fcr mich, nicht f\u00fcr die anderen Herausgeber dieser Zeitschrift).<\/p>\n<p>Denn dass keine Wahlm\u00f6glichkeit existiere, alles gleich \u2013 gleich schlecht \u2013 sei, diese Aussage kennt man hinl\u00e4nglich aus der kultur- und vor allem popkulturkritischen Tradition. Zuverl\u00e4ssig weisen entsprechende Einlassungen auf die geringe Vertrautheit des Urteilenden mit seinem Gegenstand hin. Einger\u00e4umt sei gerne, dass man aus solchen Erfahrungen kein Gesetz ableiten kann. Manchmal sind tats\u00e4chlich alle angebotenen Alternativen schlecht, die Unterschiede zwischen ihnen ohne gro\u00dfen Wert.<\/p>\n<p>Aber auch in solchen F\u00e4llen verbietet sich die \u00dcberlegung, ob es wirklich vollkommen sinnlos oder kompromittierend ist, zwischen ihnen eine Wahl zu treffen, nicht von vornherein. Zumindest f\u00fcr Leute, denen es wichtiger ist, in einer leicht besseren Gegenwart zu leben als auf eine verhei\u00dfungsvolle Zukunft zu setzen, d\u00fcrfte es verlockend sein, unter vorliegenden Alternativen zu w\u00e4hlen. Das bleibt freilich eine zweifelhafte Einstellung, denn die Gegenwartsfixierung kann nicht allein eine utopische, sondern auch eine greifbare bessere Zukunft verstellen.<\/p>\n<p>Im speziellen Fall kommt jedoch hinzu, dass eindrucksvolle historische Erfahrungen mit einer Parteienkritik vorliegen, die im Zeichen der Konsum-, Kultur- und Wachstumskritik erfolgt. Deutschland kann in dieser Hinsicht auf eine \u00fcber hundert Jahre alte, unr\u00fchmliche Tradition zur\u00fcckschauen. In der deutschen Kulturkritik vom Ende des 19. Jahrhunderts bis \u00fcber die nationalsozialistische Zeit hinaus verband sich die Kritik an der Kommerzialisierung, Verst\u00e4dterung, Verweltlichung, an der Vorherrschaft von Vernunft und Routine, an N\u00fctzlichkeitsdenken und Pragmatismus, an Materialismus und Mechanisierung, an Liberalismus und Parlamentarismus, an egoistischem Parteiwesen und Mangel an politischer F\u00fchrung mit der Klage \u00fcber die gleichmacherischen Tendenzen der Massengesellschaft und \u00fcber den Verlust v\u00f6lkischer Einheit.<\/p>\n<p>Die \u00bbdeutsche Geselligkeit\u00ab habe sich \u00bbver\u00e4u\u00dferlicht\u00ab, bedauerte Julius Langbehn 1890 in dem damaligen Bestseller \u00bbRembrandt als Erzieher\u00ab. Teile der Bev\u00f6lkerung verlangten \u00bbmateriell\u00ab zu viel, leisteten \u00bbideell\u00ab zu wenig, \u00bbVergn\u00fcgungssucht\u00ab \u00fcberwiege. Trotz dieser betr\u00fcblichen Diagnose setzte Langbehn unentwegt darauf, dass \u00bbdem kosmopolitischen Materialismus, Skeptizismus, Demokratismus\u00ab der \u00bbdeutsche Idealismus, der deutsche Glaube, der deutsche Aristokratismus\u00ab erfolgreich entgegenwirken werde.<\/p>\n<p>Anders gesagt, ging es um den Gegensatz von \u00bbH\u00e4ndlern und Helden\u00ab, wie Werner Sombarts einschl\u00e4giger Titel aus dem Jahr 1915 lautet. Sombart stellte seine Antithese in kulturk\u00e4mpferischer Absicht nicht zuf\u00e4llig zu Beginn des Ersten Weltkriegs auf. Wo Feind, wo Freund steht, musste man nicht fragen. Sombart verurteilte das \u00bbhundsgemeine\u00ab Ideal der englischen H\u00e4ndler-Utilitaristen \u00bb\u203avom Gl\u00fcck der gr\u00f6\u00dften Anzahl\u2039\u00ab, um die deutschen Helden zu feiern und ins Recht zu setzen.<\/p>\n<p>Die unmilit\u00e4rische Orientierung an der \u00bbKommerzialisierung\u00ab verachtete Sombart an den Engl\u00e4ndern. Gl\u00fcck sei f\u00fcr den Engl\u00e4nder \u00bb\u203aComfort\u2039 mit \u203aRespectability\u2039\u00ab, hielt Sombart leicht angewidert fest, um den Reigen unheldischer Vorlieben anzuprangern: \u00bb\u203aApple-pie\u2039 und Sonntagsheiligung, Friedfertigkeit und \u203aFoot-ball\u2039, Geldverdienen und Mu\u00dfe f\u00fcr irgendein \u203ahobby\u2039\u00ab.<\/p>\n<p>Da solch ein bequemes \u00bbkleines, bi\u00dfchen Leben\u00ab im Grunde \u00bbdas Tote\u00ab sei, ist der Krieg der deutschen Helden also recht besehen eine lebensspendende Mission, als Feldzug gegen \u00bbMaterialismus\u00ab und \u00bbKomfortismus\u00ab ein Einsatz f\u00fcr jene \u00bbwahre\u00ab Kunst und \u00bbgeistige\u00ab Kultur, die den Engl\u00e4ndern fehlt. Eine Gefahr stellt dieser Kampf nicht dar, denn gegen das unorganische, individuell differenzierte England k\u00f6nne das nicht nur im Krieg, aber besonders durch den Krieg vereinte deutsche \u00bbVolk\u00ab nur gewinnen, wusste Sombart sicher.<\/p>\n<p>Nach 1945 konnten diese grauenhaften Reden nicht mehr weitergef\u00fchrt werden, der Sieg der Alliierten bereitete ihnen ein Ende. Mit der deutschen Niederlage kam der Einsatz gegen die materialistische Einstellung jedoch nicht zum Erliegen. Mit dem Krieg und dem Ruf nach ihm lie\u00df sich der Anti-Materialismus zwar nicht mehr verbinden, er fand aber gen\u00fcgend andere Ansatzpunkte, griff in viele politische Richtungen aus. Nicht nur gegen totalit\u00e4re Massengesellschaften wurde er in Stellung gebracht \u2013 zur sauberen Distanzierung von der eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit und zur Frontbildung wider den neuen kommunistischen Feind eignete er sich sehr gut \u2013, sondern auch zur einigerma\u00dfen zur\u00fcckhaltenden Kritik am neuen US-amerikanischen Hegemon.<\/p>\n<p>Die Zur\u00fcckhaltung bestand darin, den Angriff nicht aggressiv politisch, sondern auf dem Feld der Kultur zu f\u00fchren. Hier glaubte man, auf gefahr-, aber keineswegs wirkungslose Weise Widerst\u00e4nde gegen das ungeistige und oberfl\u00e4chliche Amerika mobilisieren zu k\u00f6nnen. Dies stellte sich jedoch im Verlauf der 1960er Jahre als gravierender Irrtum heraus: Dank der studentischen und feuilletonistischen Begeisterung f\u00fcr Hollywoodfilme, Pop-Art und vor allem f\u00fcr Popmusik gerieten im Gegenteil die konservativen Anschauungen ins Abseits. Verurteilungen von Hedonismus, Bequemlichkeit und materialistischer Einstellung galten rasch als antiquiert und bekamen kaum noch Aufmerksamkeit geschenkt.<\/p>\n<p>Dadurch ist der traditionelle Ort solcher Vorw\u00fcrfe heute ebenfalls in Vergessenheit geraten. Das wiederum ist bedauerlich, denn die Erinnerung an den Zusammenhang von Materialismus- und Bequemlichkeitskritik mit martialischen deutschnationalen Projekten sollte doch dazu beitragen, einen vor dem n\u00e4chsten idealistischen Aufschwung zu bewahren. Zumindest kann ich mir nur schwer vorstellen, dass man nach Lekt\u00fcre von Langbehn und Sombart noch frohgemut in den Ruf gegen Komfort und Materialismus einstimmt, wenn man nicht ohnehin eine reaktion\u00e4re Haltung einnimmt.<\/p>\n<p>Anders pointiert: Der Pop-Anh\u00e4nger sollte nicht nur wissen, dass seine Lieblinge in erster Linie aus England oder den USA kommen, eine antiwestliche Ausrichtung ihm deshalb kaum m\u00f6glich sein d\u00fcrfte. Der historisch informierte Pop-Fan k\u00f6nnte sogar wissen, dass seine Vorlieben schlecht mit Tiraden wider Bequemlichkeit und Sinnengenuss, aber auch mit grunds\u00e4tzlichen Reden wider Parteieninteressen und Kommerzialismus zusammengehen. Das verschafft dem oberfl\u00e4chlichen, hedonistischen Pop-Anh\u00e4nger f\u00fcr eine Wahl eine gute erste Orientierung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Rock-Linke, Pop-Linke<\/p>\n<p>F\u00fcr die linksalternativen Kritiker ergibt sich aus dem historisch einschl\u00e4gigen Zusammenhang von Kommerzialismuskritik und Gemeinschaftsstreben mit Nationalismus und Reaktion ein Problem. Einerseits wollen sie, wie schon viele Sozialisten, Anarchisten vor ihnen, weiterhin auf antikapitalistische, gemeinsinnige Entw\u00fcrfe vertrauen, andererseits muss ihnen nat\u00fcrlich jede \u00dcbereinstimmung mit reaktion\u00e4ren Positionen verd\u00e4chtig vorkommen.<\/p>\n<p>Abgrenzungsversuche erfolgen ja bereits bei schw\u00e4cheren politischen Unstimmigkeiten: Problematisch ist f\u00fcr linksalternative Kr\u00e4fte \u2013 f\u00fcr jene einstmals Neue Linke genannte Gruppe, die im Gegensatz zur alten Linken an der westlichen Wirtschaft st\u00e4rker die Entfremdung als die Ausbeutung anprangert \u2013 z.B. ebenfalls die seit den 1950er Jahren sichtbare US-amerikanische Jugendkultur, weil sie zwar nicht konservativ, aber auf den ersten Blick auch keineswegs immer systemkritisch erscheint.<\/p>\n<p>Die L\u00f6sung f\u00e4llt jedoch leicht. Indem sie beide Problemf\u00e4lle aufeinander beziehen, k\u00f6nnen sie sich der Schwierigkeiten oftmals bestens entledigen. Die angestrebte Verbindung der linksalternativen Kr\u00e4fte mit bestimmten, subversiv erscheinenden Teilen der Popkultur l\u00e4sst die konservative Ausrichtung einiger ihrer Vorstellungen \u00fcber weite Strecken einfach vergessen. Die Modernit\u00e4t und Jugendlichkeit der Popkultur fegt die alten Erinnerungen auf gl\u00fcckliche Weise hinweg.<\/p>\n<p>Freilich ist damit der politisch uneindeutige Zug der Popkultur noch nicht beseitigt, dieses Problem muss immer wieder angegangen werden. Einerseits bereiten den politisch progressiv ausgerichteten Pop-Anh\u00e4ngern die grenz\u00fcberschreitenden, sinnlichen, hedonistischen Momente der Popkultur deshalb gro\u00dfes Vergn\u00fcgen, weil sie mit ihnen \u2013 heute gerne unter dem Titel \u203aqueer\u2039 \u2013 konservative Einstellungen wirkungsvoll herausgefordert wissen. Andererseits pflegen sie nur zu gerne selbst die Kritik an bequemer, oberfl\u00e4chlicher Unterhaltung, an kommerziellen Interessen und b\u00fcrokratischen, kultur- und gemeinschaftsvergessenen Parteien. Folgerichtig bem\u00fchen sie sich, ihre affirmativen und kritischen Punkte miteinander zu verbinden. Zumindest wollen sie die Ansicht vertreten, beides sei miteinander verkn\u00fcpfbar.<\/p>\n<p>Deshalb gilt ihr Lob konsequent den unkommerzielleren Gegenst\u00e4nden, den besonders intensiven Augenblicken, den gro\u00dfen Gemeinschaftserlebnissen, den ihrer Ansicht nach kreativen, k\u00fcnstlerisch wertvollen Werken. Dem Glatten, Harmlosen, Funktionalen, Tanzbaren, leicht Konsumierbaren, Narzisstischen, K\u00fcnstlichen, Konventionellen sagen sie im Umkehrschluss ab. Derart munitioniert, f\u00e4llt es ihnen leicht, von den Kunstwerken und ihrem Publikum eine Br\u00fccke zur Politik zu schlagen: Auch die soll empathisch, gemeinschaftsinnig, aufrichtig, unegoistisch, \u00fcbergreifend, engagiert, vision\u00e4r, kreativ, unbequem sein.<\/p>\n<p>Das geht alles gut auf und bietet eine tragf\u00e4hige Grundlage, die Gegenwart mit einigem Selbstbewusstsein durchzumustern. Ein Problem dieser Richtung, f\u00fcr die Popkultur ein wichtiger Ausgangspunkt allgemeiner Positionsbestimmung darstellt, ist allerdings, dass der \u00fcbliche Gebrauch des Pop-Begriffs sich gegen diese engere Bedeutung sperrt. Immer wieder treffen die Parteig\u00e4nger der progressiven Kultur und Politik auf Artefakte wie z.B. Plastikt\u00fcten, Models, Teeniestars, Easy Listening, TV-Serienkom\u00f6dien mit eingespielten Lachern, Freizeitparks, Shopping Malls, denen man nach durchgesetztem Sprachgebrauch nur schwer absprechen kann, zum Pop-Sektor zu geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Als leichte L\u00f6sung bietet sich deshalb an, die eigenen, hoffentlich weniger oberfl\u00e4chlichen, glatten, banalen Favoriten davon markant abzusetzen. Begriffe wie \u203aUnderground\u2039, \u203aRock\u2039, \u203aAlternative\u2039, \u203aIndependent\u2039, \u203aSinger-Songwriter\u2039 standen und stehen daf\u00fcr ein. Pop wird dar\u00fcber mitunter zum Schimpfwort.<\/p>\n<p>Die kompliziertere L\u00f6sung \u2013 die L\u00f6sung der Pop-Linken \u2013 liegt darin, auch aus dem vom Rock abgespaltenen Pop-Teil einiges f\u00fcr die nonkonforme Richtung zu retten. Das besonders Hedonistische und Serielle dr\u00e4ngt sich da geradezu auf, alles, das dem Angenehmen, dem Hobby und Komfort entl\u00e4uft und zuwiderl\u00e4uft. Es kommt darauf an, die intensiven, entgrenzten, ma\u00dflosen Seiten der Pop-Oberfl\u00e4chen und -Konventionen zu suchen und zu finden.<\/p>\n<p>Historisch gesehen, hat die kompliziertere L\u00f6sung der Pop-Linken in den letzten drei\u00dfig Jahren unter Intellektuellen und K\u00fcnstlern eine beachtliche Zahl an Verfechtern gewonnen. Die klarere L\u00f6sung \u2013 die Rock-L\u00f6sung \u2013 besitzt jedoch seit ihrem Aufkommen in der zweiten H\u00e4lfte der 1960er Jahre bedeutend mehr Anh\u00e4nger. Ihr Vorteil zeigt sich nicht zuletzt daran, dass auch die subversiv gestimmte Pop-Linke ihre Favoriten gerne mit Vokabeln und Eigenschaften wie \u203agegen den Mainstream gerichtet\u2039, \u203aalternativ\u2039, \u203aunkommerziell\u2039 etc. bedenkt.<\/p>\n<p>Aus Sicht des Rock-Anh\u00e4ngers gibt es darum eindeutige Leitlinien, wie eine Wahl ausfallen muss: zur unbequemen, unvermittelten, gemeinschaftlichen Seite hin. N\u00e4hme der Pop-Fan jene Trennung zwischen Rock und Pop ernst, die zu Beginn von der Rock-Seite und sp\u00e4ter, vor allem ab Beginn der 1980er Jahre, auch von selbstbewussten Pop-Fraktionen aufgestellt worden ist, bek\u00e4me er folglich ebenfalls einen deutlichen Ma\u00dfstab an die Hand: selbstverst\u00e4ndlich genau den umgekehrten, hin zur wenig intensiven, mitunter auch mal egoistisch interessegeleiteten Seite hin.<\/p>\n<p>Er m\u00fcsste sich dann freilich von den Subversionsvorstellungen trennen, als Preis bzw. Garant der Eindeutigkeit. Das d\u00fcrfte aber vielen schwer fallen, selbst wenn (bzw. gerade weil) subversive Wirkungen im Pop-Bereich kaum au\u00dferhalb der W\u00fcnsche und Vorstellungen von Studenten und Feuilletonisten anzutreffen sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Politik des Privaten<\/p>\n<p>Die Rock\/Underground\/Alternative-L\u00f6sung kann sich tats\u00e4chlich zugutehalten, mit einem erfolgversprechenden politischen Konzept im Bunde gewesen zu sein. Der Zusammenhang mit den linken und libert\u00e4ren Kr\u00e4ften seit Mitte der 60er Jahre best\u00e4rkte beide. Auf l\u00e4ngere Sicht konnte freilich das linksalternative Projekt davon nicht in gro\u00dfem Stil profitieren, trotz der kontinuierlichen Durchsetzung der Rockmusik. Auch wenn viele Rockh\u00f6rer heute nach wie vor das Aufrichtige, Engagierte, Unkommerzielle als Werte bevorzugen, leiten sie daraus kaum noch die Notwendigkeit einer tiefgreifenden und schon gar nicht einer revolution\u00e4ren Umgestaltung der gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse ab, wie das nicht wenige ihrer Vorl\u00e4ufer Ende der 60er und im Laufe der 70er Jahre taten.<\/p>\n<p>Dies kann sich vielleicht beizeiten wieder \u00e4ndern, wer will es genau vorhersagen? Prognosen in dem Bereich haben in der Vergangenheit nicht die h\u00f6chste Treffsicherheit bewiesen; auch Mitte der 1960er Jahre war in der BRD allenthalben die Rede von einer gem\u00e4\u00dfigten, unpolitischen Studentengeneration. Ohne jeden Zweifel fest steht aber nach der Rockgeschichte, dass Engagement gegen das Bequeme und Materialistische nicht nur unter rechtem Vorzeichen stattfinden muss. Auf Nation und F\u00fchrer, Krieg und Volksgemeinschaft haben die linken und alternativen Rockfreunde nun wirklich nicht gesetzt.<\/p>\n<p>Das verlieh ihrer Position gro\u00dfe \u00dcberzeugungskraft, lie\u00df es doch weitgehend vergessen, in welch starkem Ma\u00dfe ihre kulturellen Ideen mit reaktion\u00e4ren \u00dcberzeugungen vertr\u00e4glich waren. Wie sollte man auch darauf kommen? Zwischen Jimi Hendrix und dem Rembrandt-Deutschen, Nirvana und dem Thomas Mann des Ersten Weltkriegs liegt f\u00fcr Auge und Ohr \u00fcberhaupt kein sinnlich erfahrbarer Zusammenhang.<\/p>\n<p>Geht man abstrakter an die Sache heran, zeigen sich aber sehr wohl \u00dcbereinstimmungen. Wir haben sie bereits benannt: Gemeinsam ist ihnen die Kritik an materialistischer Einstellung und an der Verfolgung von Interessen, die ohne die Berufung aufs Allgemeinwohl und h\u00f6here Werte auskommen. Erh\u00f6ht man den Abstraktionsgrad, erkennt man eine weitere wichtige Gemeinsamkeit zwischen den alternativen Rock- und Pop-Anh\u00e4ngern und den rechten Geistern aus der versunkenen Vergangenheit: Beide setzen auf Kultur anstelle politischer Verfahren. Politik als Gesch\u00e4ft, als Verwaltungsarbeit, als Parteienstreit, als Verl\u00e4ngerung von Lobbyarbeit, als Sph\u00e4re hierarchischer und arbeitsteiliger Organisationen misstrauen sie zutiefst, stattdessen setzen sie auf Grund\u00fcberzeugungen, auf deutliche Einsicht, auf Gemeinschaft und Ideale, Zusammenhalt und uneigenn\u00fctzige Ehrlichkeit.<\/p>\n<p>Beide setzen folgerichtig auch nicht nur auf den politisch engagierten B\u00fcrger als Gegenst\u00fcck zum berufsm\u00e4\u00dfigen Politiker. Sie wollen mehr als nur jenen B\u00fcrger beeinflussen, der in der \u00d6ffentlichkeit agiert. Zumindest ist nicht nur er der Gegenstand ihrer \u00dcberlegungen und Hoffnungen. Bei den Konservativen geschieht die Weiterung \u00fcber die \u00d6ffentlichkeit hinaus im Namen der Moral und der Kultur, des in ihrem Sinne Unpolitischen. Bei den Linksalternativen erfolgt es umgekehrt unter der Devise, dass auch das Private politisch sei. Die Unterschiede der angestrebten L\u00f6sung fallen ebenfalls betr\u00e4chtlich aus: Die einen streben autorit\u00e4r gebundene Lebensformen an, bei den anderen dominieren antiautorit\u00e4re Bestrebungen.<\/p>\n<p>Einig sind sie aber darin, dass es wichtig sei, den ganzen Menschen zu erfassen. In dieser Hinsicht spielt es keine Rolle, ob er autorit\u00e4r oder antiautorit\u00e4r ausgerichtet sein soll. Es kommt beiden darauf an, die Trennung von Privatem und \u00d6ffentlichem zu \u00fcberwinden. Sie beurteilen nicht nur die politischen Einstellungen und die \u00f6ffentlichen Handlungen der Einzelnen auf diese oder jene Weise, sie unterziehen auch und gerade die allt\u00e4glichen Vorlieben, die Hobbys, die Geschmacksrichtungen, die k\u00fcnstlerischen Aktivit\u00e4ten einer strengen Bewertung. Sie auf bestimmte Weise ausgepr\u00e4gt zu wissen bildet f\u00fcr beide gleicherma\u00dfen die Grundlage oder wenigstens eine wichtige S\u00e4ule, auf der eine richtige Kultur oder Gesellschaft ruht.<\/p>\n<p>Solange sie nicht in der von ihnen erw\u00fcnschten Kultur oder Gesellschaft leben, m\u00fcssen sie folgerichtig viele ihre Kr\u00e4fte daf\u00fcr einsetzen, die gegebenen allt\u00e4glichen und kulturellen Dispositionen und Pr\u00e4ferenzen zu kritisieren. Diese Kritik besitzt keinen akademischen Charakter, sie geht vielmehr darauf aus, den Alltag umzumodeln. Wichtig ist f\u00fcr sie nicht (oder nicht nur) die Forderung nach vergr\u00f6\u00dferten oder verringerten Mitbestimmungsm\u00f6glichkeiten, verbessertem oder reduziertem Versicherungsschutz, aufgestockten oder kleineren Milit\u00e4rbudgets, verst\u00e4rkten oder gelockerten Kontrollen exekutiver Abl\u00e4ufe usf. Ihre Absicht, \u00c4nderungen herbeizuf\u00fchren, geht zwingend mit dem Bem\u00fchen einher oder sogar manchmal alleine von dem Grundsatz aus, ins Alltagsleben au\u00dferhalb von Betrieben und staatlichen Institutionen einzugreifen.<\/p>\n<p>Die Eingriffe sollen \u2013 das macht den Unterschied zu konkurrierenden politischen Ans\u00e4tzen \u00fcberaus deutlich \u2013 auf Ebenen und in Bereichen stattfinden, die liberale Kr\u00e4fte von gesetzgeberischen Direktiven gerade ausnehmen wollen. Dem konservativen Verlangen, im Alltagsleben Moral, Ordnung und Gemeinsinn zur Geltung zu bringen, entspricht das linksalternative Bem\u00fchen, politisch bewusste, verantwortungsvolle Lebensformen ebenfalls nicht ausschlie\u00dflich auf dem Gesetzeswege hervorzubringen.<\/p>\n<p>Darum sind beiden Pop-Ph\u00e4nomene in einer Hinsicht verd\u00e4chtig: Die unverantwortlichen und oberfl\u00e4chlichen Z\u00fcge der Popkultur widerstreben ihren Ans\u00e4tzen und Zielen. \u00dcber dieser Frontstellung verkehren sich \u00e4ltere Anschauungen teilweise oder ganz. Unternahmen die Konservativen des 19. Jahrhunderts noch gro\u00dfe Anstrengungen, ihre Kinder vom Staat (von staatlichen Schulen) fernzuhalten, sehen sie ihre Z\u00f6glinge nun st\u00e4rker von privatwirtschaftlichen Sozialisationsagenten der Unterhaltungsindustrie bedroht.<\/p>\n<p>Noch vor den speziellen Auspr\u00e4gungen \u00e4sthetischer Oberfl\u00e4chlichkeit und egoistischer Unverantwortlichkeit st\u00f6rt heutige Konservative der Versuch, sich nach Schule oder Arbeit abzusondern, diesen Einrichtungen rasch zu entfliehen, sich \u00fcber sie (bei beg\u00fcterten Konservativen vorzugsweise wieder das Internat) zu am\u00fcsieren oder sie zeitweilig zu vergessen. Die L\u00f6sung von den t\u00e4glichen Pflichten missf\u00e4llt ihnen grunds\u00e4tzlich, aber auch Linksalternativen gef\u00e4llt sie nur, wenn diese Abkehr mit einer entschiedenen Wendung gegen jene bestehenden Verh\u00e4ltnisse einhergeht, die sie selber ablehnen. Eine \u203aFlucht\u2039 ins komfortable, anspruchslose Privatleben erscheint ihnen gleich als eine Art Verrat.<\/p>\n<p>In einer nach linksalternativen Vorstellungen verwirklichten Gesellschaft w\u00e4re selbst ein radikalisierter Hedonismus wohl nicht gerne gesehen. Vorher stellt er aber den wichtigen Ausgangspunkt dar, um sich von neulinker Warte aus \u2013 die ebenfalls die Position der Pop-Linken darstellt \u2013 dem Pop-Sektor zu n\u00e4hern. Das Ziel in diesem Fall: Freizeit- und Privatleben m\u00fcssen mit den momentan herrschenden Verh\u00e4ltnissen unvereinbar werden. Darum ergeht eine st\u00e4ndige Kritik an Versuchen, das Privatleben als Ausgleich, Ruhezone, Schutzbereich zu etablieren.<\/p>\n<p>Die Kritik f\u00e4llt auch deshalb derart harsch aus, weil die Neuen Linken gar keinen nennenswerten Unterschied zwischen Arbeits- und Privatsph\u00e4re erkennen k\u00f6nnen. Beide sind aus ihrer Sicht durch \u00e4hnliche Mechanismen der Standardisierung, kompetitiven Selbstdarstellung, Distinktionslogik, externen Beaufsichtigung oder verinnerlichten Aktivit\u00e4tsregister gepr\u00e4gt. Den Unterschied, weshalb die Mehrzahl der Menschen lieber in Vergn\u00fcgungs- als in Arbeitsst\u00e4tten geht, k\u00f6nnen sie damit allerdings nicht recht erkl\u00e4ren. Umso energischer f\u00e4llt oftmals ihre Abneigung gegen erstere Orte aus; ob sie nun von Adorno oder Foucault herkommen, spielt oft keinen gro\u00dfen Unterschied.<\/p>\n<p>Auch die Cultural-Studies-Anh\u00e4nger bleiben als Neue Linke kenntlich. Sie lenken zwar als Pop-Linke gerne den Blick auf die popkulturellen Vergn\u00fcgungen, aber es muss f\u00fcr sie gleich eine Politik des Vergn\u00fcgens sein. Dem Bewusstsein, dass im Privaten und in der Freizeit andere Ma\u00dfst\u00e4be gelten als in der \u00f6ffentlichen und beruflichen Sph\u00e4re, k\u00f6nnen diese Linksalternativen wenig abgewinnen, solange es nur zur Folge hat, diese anderen Ma\u00dfst\u00e4be im Privaten aufrechtzuerhalten und so gut es geht gegen systemische Anforderungen zu verteidigen \u2013 und nicht die Konsequenz gezogen wird, trotz einigerma\u00dfen zufriedenstellender Freiheitsspielr\u00e4ume in Freizeit- und Privatsph\u00e4re f\u00fcr eine gesamtgesellschaftliche \u00c4nderung einzutreten, um gr\u00f6\u00dfere Lust- und Intensit\u00e4tsanspr\u00fcche auch dort in Anschlag zu bringen.<\/p>\n<p>Wenn Pop als angenehme, reizvolle, bunte, ablenkende, funktionale, harmlose, am\u00fcsante, modische, raffinierte oder verspielte Unterhaltung daherkommt oder aufgefasst wird, m\u00fcssen Linksalternative folgerichtig insgesamt besorgt sein. Aber auch die entgrenzenden, intensiven Ereignisse der Popgeschichte k\u00f6nnen nicht von vornherein auf ihre Sympathie sto\u00dfen, falls sie auf die Freizeit beschr\u00e4nkt bleiben und keine Auswirkungen \u00fcber das Privatleben hinaus besitzen \u2013 falls sich der T-Shirt-Tr\u00e4ger mit den satanistischen Symbolen oder dem Guevara-Emblem als gem\u00fctlicher Bierchentrinker entpuppt oder der Dauert\u00e4nzer am Morgen doch zur Arbeits- oder Ausbildungsst\u00e4tte zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p>Seien es nun moralische oder politische Antriebe, in dem einen wie dem andern Fall k\u00f6nnen Konservative wie Linksalternative jenem Freizeit- und Privatleben, das unter dem Zeichen des unterhaltsamen, oberfl\u00e4chlichen Pop steht, keinen eigenen Wert zusprechen. Aus Sicht einer entpolitisierten konservativen und einer politisierten neulinken Kultur bildet der oberfl\u00e4chliche, aufs private Vergn\u00fcgen konzentrierte Pop-Sektor einen Bereich, der verkleinert oder \u00fcberformt werden muss.<\/p>\n<p>Ob man selber den aktuellen Pop-Bereich verengen oder erweitern, ob man die durch Pop gepr\u00e4gte Freizeit verkleinern oder vergr\u00f6\u00dfern m\u00f6chte \u2013 das steht zur Wahl oder kann jederzeit auf die politische Tagesordnung gesetzt werden. Wenn man diesen Punkt f\u00fcr wichtig h\u00e4lt, gibt einem die Alternative einen guten Anhaltspunkt f\u00fcr die eigene Entscheidung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Schlechte Zeiten Gute Zeiten<\/p>\n<p>Sind bislang blo\u00df die Positionen der Konservativen und Neuen Linken herausgestellt worden (die beim Reden \u00fcber Pop-Ph\u00e4nomene eine Vorrangstellung einnehmen), l\u00e4sst sich der letzte Punkt auch leicht auf jene sozial- und christdemokratischen Parteien beziehen, in denen konservative und neulinke Anliegen kaum mehr heimisch sind oder nie recht Fu\u00df fassen konnten. Beim Lobgesang der Bildung wollen sie sich von den konservativen und linksalternativen Gruppierungen allerdings nicht \u00fcbertreffen lassen.<\/p>\n<p>Bildung, das zielt bei ihnen jedoch nicht (oder nicht nur) auf traditionelle Ganzheits- oder moderne Kreativit\u00e4tsvorstellungen, sondern auf staatliche Aufsicht. Die Verl\u00e4ngerung der Schulzeiten in den sp\u00e4ten Nachmittag hinein spricht B\u00e4nde, ebenso der Druck, das Studium (im Rahmen einer Pseudo-Ordnung \u00fcberwiegend sinnloser Modulanordnungen) z\u00fcgig zu durchlaufen, um rasch dem Arbeitsmarkt zur Verf\u00fcgung zu stehen.<\/p>\n<p>Die Beschneidung freier Zeit durch solche Bildungsma\u00dfnahmen kommt den konservativen und linksalternativen Bedenken gegen\u00fcber dem unverantwortlichen Pop-Vergn\u00fcgen auf h\u00f6chst wirkungsvolle Weise entgegen, ohne nat\u00fcrlich ihren inhaltlichen Forderungen, wie ein richtiges Leben auszusehen habe, immer zu entsprechen. Eine gravierende \u00dcbereinstimmung gibt es aber, sie schlie\u00dft die heutigen wirtschaftsliberalen Initiativen ebenfalls vollg\u00fcltig ein. Wie den fr\u00fcheren kulturkritischen Konservativen missf\u00e4llt ihnen allen, auch den Christ- und Sozialdemokraten, der \u00bbKomfortismus\u00ab, um noch einmal das alte Wort von Werner Sombart zu bem\u00fchen.<\/p>\n<p>In starkem Gegensatz zu ihren Vorl\u00e4ufern verbinden sie damit freilich keinen Widerspruch zum H\u00e4ndlertum mehr. Einen martialischen Unterschied zu den Sitten und Lebensweisen anderer V\u00f6lker und Nationen entdecken sie ebenfalls nur noch selten. Stattdessen malen sie in st\u00e4ndig erneuerten Krisenpanoramen aus, in welch schlechtem Zustand sich die eigene Nation befindet. Die Bequemlichkeit hier drohe wegen der Konkurrenz entsagungsvoller, aufstrebender oder grunds\u00e4tzlich leistungsbereiter Wirtschaftsnationen in den Untergang zu f\u00fchren. \u00c4u\u00dferst kritische Prognosen zur fernen Zukunft ergeben zumindest f\u00fcr die Gegenwart ein pr\u00e4zises Bild: Renten, L\u00f6hne, Leistungen im Krankheitsfall, das alles sei viel zu hoch angesetzt und bedrohe deshalb nicht nur minimal das Verm\u00f6gen der Besitzenden, sondern das Leben der Nation insgesamt.<\/p>\n<p>Deshalb verlangen sie den abh\u00e4ngig Besch\u00e4ftigten stets aufs Neue Zur\u00fcckhaltung bei Gehalt und Sozialleistungen ab. Ob Japan, China, Polen, USA, England, Indien \u2013 so unterschiedlich sie auch sein m\u00f6gen, sie alle konnten in der zur\u00fcckliegenden Zeit jeweils f\u00fcr ein paar Jahre als Drohbeispiel fungieren, als Musterexempel f\u00fcr eine wagemutigere, darum angeblich erfolgreichere, wettbewerbsf\u00e4higer zugerichtete Bev\u00f6lkerung.<\/p>\n<p>In fast schon komischem Kontrast zu den st\u00e4ndig beschworenen Menetekeln ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt zwar in den letzten drei Dekaden mit kleinen Unterbrechungen Jahr f\u00fcr Jahr jeweils langsam angestiegen, dennoch kann man sicher vorhersagen, dass sich davon auch in Zukunft niemand der unerschrockenen Denker von Mahnungen und Warnungen tiefster und nachhaltigster Art abhalten lassen wird.<\/p>\n<p>Kein Argument ist diesen Ert\u00fcchtigungsreden zu trivial, Hauptsache, der Einsatz beim Spiel \u203aSchlechte Zeiten Gute Zeiten\u2039 bleibt hoch. Selbst das abgegriffene Wort, nach dem Geld einen nicht gl\u00fccklich mache, wird in den letzten Jahren wieder vermehrt angebracht \u2013 dies nicht etwa mit Blick auf Leute, die wenigstens Hunderttausend Euro im Jahr zur Verf\u00fcgung haben, sondern als gutgemeinter Rat an \u203auns alle\u2039, doch nicht so viel und gar immer mehr von Unternehmern und Staat zu verlangen. Da k\u00f6nnen \u203awir\u2039 selbstverst\u00e4ndlich nur zustimmen, voller Freude \u00fcber derart \u203aunbequeme Wahrheiten\u2039.<\/p>\n<p>Es geh\u00f6rt zu den Eigent\u00fcmlichkeiten der Geschichte, dass die wirkungsvollsten Vollstrecker dieses Programms in Deutschland Gr\u00fcne und Sozialdemokraten waren und erst die Besch\u00e4ftigung mit dem eindrucksvollsten Effekt dieses Reformwerks \u2013 die gro\u00dfe Finanzkrise 2008ff. \u2013 wieder haupts\u00e4chlich den Christ- und Liberaldemokraten zukam. Soll also keiner sagen, mit der Popkultur lie\u00dfe sich kein verantwortungsbewusster, \u00fcberparteilicher und zugleich dynamischer Staat machen; Turnschuhrebell Fischer und RTL-\u00bbGute-Zeiten-Schlechte-Zeiten\u00ab-Darsteller Schr\u00f6der haben es eindr\u00fccklich unter Beweis gestellt, anerkennende Worte der jetzigen Regierungskoalition sind ihnen deshalb heutzutage sicher.<\/p>\n<p>Zu den Pflichten der \u00f6ffentlich-rechtlichen Ausgewogenheit z\u00e4hlt es aber, auch auf die (noch) unverantwortlichere Seite der Popkultur hinzuweisen, bei der Liberalisierung und Reform nicht in einer Ausweitung der Arbeitszeit und verringerten Bez\u00fcgen aufgehen. Das Fazit f\u00e4llt darum leicht: Selbst unter den Beschr\u00e4nkungen einer weitgehend unpolitischen Pop-Perspektive besitzt man hinreichend M\u00f6glichkeiten zur Wahl.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Aufsatz ist in <a title=\"hinweis heft drei\" href=\"http:\/\/www.transcript-verlag.de\/ts2485\/ts2485.php\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">diesem Heft<\/a> der Zeitschrift\u00a0\u00bbPop. Kultur und Kritik\u00ab erschienen.<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cPop-\u00d6konomie&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Thomas Hecken&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;1.9.2013&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=2160&amp;action=edit\">\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politische Alternativen aus der Pop-Perspektive<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1265,1369,1799,1816,1837,1841,2337,2487],"class_list":["post-2260","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-konservatismus","tag-liberalismus","tag-politik","tag-pop","tag-pop-zeitschrift-2","tag-pop-kultur-und-kritik","tag-thomas-hecken","tag-wahl"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2260","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2260"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2260\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2260"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2260"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2260"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}