{"id":2542,"date":"2013-12-09T16:27:09","date_gmt":"2013-12-09T14:27:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=2542"},"modified":"2013-12-09T16:27:09","modified_gmt":"2013-12-09T14:27:09","slug":"konsum-legendenvon-lavinia-neff7-12-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2013\/12\/09\/konsum-legendenvon-lavinia-neff7-12-2013\/","title":{"rendered":"Konsum-Legendenvon Lavinia Neff7.12.2013"},"content":{"rendered":"<p>Gerade ist der Film \u00bbJung &amp; Sch\u00f6n\u00ab im Kino angelaufen.<!--more mehr--> Die Hauptdarstellerin Marine Vacth spielt in dem Film\u00a0des franz\u00f6sischen Regisseurs Fran\u00e7ois Ozon eine siebzehnj\u00e4hrige Tochter aus gutb\u00fcrgerlichem Hause, die als Callgirl arbeitet. Sie l\u00e4sst sich aus Langeweile und \u00dcbermut von \u00e4lteren M\u00e4nnern f\u00fcr sexuelle Handlungen bezahlen.<\/p>\n<p>[iframe id=&#8220;\/\/www.youtube.com\/embed\/XOyvxRbiC_4&#8243; align=&#8220;center&#8220;]<\/p>\n<p>In der Presse ist vor einigen Wochen ein Fall aus Italien bekannt geworden (s. etwa <a title=\"artikel tagesspiegel\" href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/weltspiegel\/italien-schuelerinnen-prostituierten-sich-weil-sie-das-cool-finden\/9099458.html\" target=\"_blank\">Tagesspiegel<\/a>), der zeigt, dass der Film nicht weit von der Realit\u00e4t entfernt ist. Zwei vierzehn- und f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige M\u00e4dchen, aus einem feinen r\u00f6mischen Stadtteil, sollen sich freiwillig in ihrer Freizeit prostituiert haben. Die Teenager \u00bbAzzurra\u00ab und \u00bbAurora\u00ab handelten nicht aus Not heraus, sondern weil sie sich Markenkleidung und Drogen leisten wollten. Ihr voller K\u00f6rpereinsatz erm\u00f6glichte es ihnen, schnell an viel Geld zu kommen. Die Sch\u00fclerinnen empfanden keine moralischen Bedenken, um sich ihre Konsumw\u00fcnsche zu erf\u00fcllen. Daher sehen sie sich auch nicht als Opfer: \u00bbSecondo me non \u00e8 reato, \u00e8 stata una cosa mia, io non sono qui come vittima.\u00ab Fast zur gleichen Zeit ist in Mailand ebenfalls eine Gruppe junger M\u00e4dchen aufgeflogen, die sich an ihrer Schule f\u00fcr kleines Geld oder eine Prepaid-Karte prostituiert haben. Sie waren unter dem Decknamen \u00bbDuschm\u00e4dchen\u00ab bekannt: So oft wie andere duschen, h\u00e4tten sie Sex.<\/p>\n<p>Einen anderen Fall verfilmte die amerikanische Regisseurin Sofia Coppola mit \u00bbThe Bling Ring\u00ab (2013). Der Film basiert auf dem Vanity-Fair-Artikel \u00bb<a title=\"artikel vanity fair\" href=\"http:\/\/www.vanityfair.com\/culture\/features\/2010\/03\/billionaire-girls-201003\" target=\"_blank\">The Suspects Wore Louboutins<\/a>\u00ab. Eine Gruppe von Jugendlichen stieg in die H\u00e4user von Hollywoodstars ein. Nach den Einbr\u00fcchen posteten die Eindringlinge Fotos bei Facebook, wie sie deren Autos fuhren oder deren Kleidung und Schmuck trugen. Die amerikanische Clique stillte durch die soziale Webseite ihren Narzissmus und ihre Geltungssucht. Durch die illegale Aneignung der Celebrity-Gegenst\u00e4nde f\u00fchlte sie sich als Teil der Glitzerwelt. Die jungen Diebe behielten zum Teil ihre Beute oder ver\u00e4u\u00dferten sie, um Partys zu feiern und Drogen zu kaufen.<\/p>\n<p>[iframe id=&#8220;\/\/www.youtube.com\/embed\/2J__JW3v7og&#8220; align=&#8220;center&#8220;]<\/p>\n<p>In beiden F\u00e4llen stammen die Heranwachsenden aus der Mittelschicht. Es scheint, als seien sowohl die beiden Italienerinnen als auch die Amerikaner Opfer der Konsumkultur geworden. Sie begingen Verbrechen, um konsumieren zu k\u00f6nnen. Sie wollten das haben, was ihnen die Medien als erstrebenswert suggerierten. Die Bilder der Reichen und Sch\u00f6nen verf\u00fchrten sie. Sie warfen alle ethischen Skrupel \u00fcber Bord, um ein glamour\u00f6ses Leben zu f\u00fchren. Allein durch Luxusg\u00fcter der Stars f\u00fchlten sie ihre Bed\u00fcrfnisse befriedigt und ihre Existenz berechtigt. Die Jugendlichen stellten den Materialismus und seine Verhei\u00dfungen \u00fcber die Eigentumsregeln.<\/p>\n<p>In Italien wird zus\u00e4tzlich diskutiert (etwa in <a title=\"artikel la reppublica\" href=\"http:\/\/www.repubblica.it\/rubriche\/parla-con-lei\/2013\/11\/12\/news\/lamore_che_manca_alle_baby_prostitute-70845690\/\" target=\"_blank\">la Repubblica<\/a> und <a title=\"artikel la stampa\" href=\"http:\/\/www.lastampa.it\/2013\/11\/07\/italia\/cronache\/milano-le-adolescentiprostitute-che-si-vendono-nei-bagni-della-scuola-Fk8Zgkn9XkyXoS67V3AL8L\/pagina.html\" target=\"_blank\">La Stampa<\/a>), ob diese beschriebenen F\u00e4lle tats\u00e4chlich \u203anur\u2039 f\u00fcr einen Verlust von Werten bei jungen Menschen st\u00fcnden oder ob es sich um Symptome eines grundlegenden Problems der italienischen Gesellschaft handle, insbesondere ihres Frauenbildes. Prominent steht daf\u00fcr der ehemaligen Ministerpr\u00e4sent Silvio Berlusconi ein, der sich selbst wegen der F\u00f6rderung der Prostitution mit Minderj\u00e4hrigen verantworten muss, ein ehemaliges Nacktmodel zur Frauenministerin machte und sexistische Frauendarstellungen als Medienkonzernchef verantwortet. Italienerinnen riet Berlusconi \u00fcbrigens einst: \u00bbEs gibt f\u00fcr euch Frauen einen sicheren Weg, um Gl\u00fcck und finanzielle Sicherheit zu erlangen: Sucht euch einen reichen Freund.\u00ab<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerade ist der Film \u00bbJung &amp; Sch\u00f6n\u00ab im Kino angelaufen.<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[350,1178,1270,1910],"class_list":["post-2542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-bling-ring","tag-jung-schon","tag-konsum","tag-prostitution"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2542"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2542\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}