{"id":3399,"date":"2014-07-20T15:12:44","date_gmt":"2014-07-20T13:12:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=3399"},"modified":"2014-07-20T15:12:44","modified_gmt":"2014-07-20T13:12:44","slug":"hauptstrom-i-rezension-zu-frederic-martel-mainstreamvon-thomas-hecken20-7-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2014\/07\/20\/hauptstrom-i-rezension-zu-frederic-martel-mainstreamvon-thomas-hecken20-7-2014\/","title":{"rendered":"Hauptstrom I Rezension zu Fr\u00e9d\u00e9ric Martel, \u00bbMainstream\u00abvon Thomas Hecken20.7.2014"},"content":{"rendered":"<p>Das breite Publikum<!--more--><\/p>\n<p>In den letzten Jahren sind nach l\u00e4ngerer Zeit wieder einige B\u00fccher mit dem Wort \u201aMainstream\u2018 im Titel erschienen. Zwei davon m\u00f6chte ich vorstellen, in dieser Rezension geht es um den Titel, der selber auf ein gr\u00f6\u00dferes Publikum abzielt und es tats\u00e4chlich auch dank der Arbeit gr\u00f6\u00dferer Verlagsgruppen (u.a. Random House) geschafft hat, in mehrere Sprachen \u00fcbersetzt und in gro\u00dfen Nachrichtenmagazinen positiv besprochen zu werden.<\/p>\n<p>Die Schreib- und Vorgehensweise Martels soll auch ihren Teil zur Publizit\u00e4t beitragen. Er tr\u00e4gt schon mal dick auf \u2013 das Buch sei \u201eeine Untersuchung \u00fcber den Weltkrieg der Kulturen\u201c (S. 14) \u2013 und bem\u00fcht sich stets um Anschaulichkeit. Deshalb zitiert er so gut wie nie aus Schriften, sondern gewinnt alle Statements aus Interviews, die er selbst gef\u00fchrt hat. Das gibt ihm die Gelegenheit, auch kurz etwas \u00fcber den Gespr\u00e4chspartner und den Ort, an dem das Gespr\u00e4ch gef\u00fchrt wurde, zu sagen.<\/p>\n<p>Die wichtigsten Ergebnisse dieser Gespr\u00e4che werden im Reportagestil mitgeteilt (\u201e\u2026in dem riesigen Konferenzraum \u2026 kurz darauf erscheint sie \u2026 ergreift ausf\u00fchrlich das Wort \u2026 sie spricht voller Selbstsicherheit \u2026\u201c). Ein Reportagebuch wird es dennoch nicht, die Technik dient allein dazu, die Textsorte \u201aInterview\u2018 zu vermeiden; besonders anschaulich m\u00f6chte Martel nicht werden, ihm kommt es mehr auf die Angabe von Zahlen und ein paar Informationen an \u2013 und auf die Darlegung seiner ebenfalls ausf\u00fchrlich zwischen die Interviewpassagen gestreuten Einsch\u00e4tzungen und Meinungen.<\/p>\n<p>Durch die Reihung dieser \u00fcber hundert Gespr\u00e4che mit F\u00fchrungskr\u00e4ften der \u201eKreativindustrie\u201c von Jack Valenti (bis 2004 Hollywood-Lobbyist) \u00fcber Tina Brown (fr\u00fchere Chefredakteurin des \u201eNew Yorker\u201c) bis Mazen Hayek (Konzernsprecher von MBC, die u.a. den Sender Al Arabiya betreiben) und Li Chow (Chefin von Sony in China) nutzt sich das unterhaltende Prinzip freilich merkbar ab.<\/p>\n<p>Was versteht Martel unter \u201aMainstream\u2018? Nichts Besonderes: \u201eein Medium, [\u2026] das auf breites Publikum abzielt\u201c, \u201eeine politische Idee, Bewegung oder Partei (die vorherrschende Str\u00f6mung), die jeden ansprechen soll.\u201c (S. 19) Auf den zweiten Blick f\u00e4llt an dieser banalen Bestimmung allerdings auf, dass sie im Modus des Potenziellen bleibt, von den Urhebern und ihren Zielen her gedacht ist. Martel sagt hier nicht: Mainstream, das ist das, was jeden anspricht, das, was das breite Publikum erreicht.<\/p>\n<p>Das ist wahrscheinlich blo\u00df eine Schludrigkeit Martels (den Widerspruch zwischen \u201ejedem\u201c und \u201ebreitem Publikum\u201c bemerkt er ja auch nicht), zeigt aber immerhin unmissverst\u00e4ndlich an, dass er sich Mainstream nur als etwas von Unternehmen (und besonders von ihren F\u00fchrern und kreativen K\u00f6pfen) Hergestelltes vorstellen kann.<\/p>\n<p>In der Summe ist Mainstream f\u00fcr ihn das, was sich an B\u00fcchern, Streams, Filmen, Videos, Fernsehsendungen am h\u00e4ufigsten verkauft bzw. was die h\u00f6chsten Einschaltquoten erzielt hat. Manchmal f\u00e4llt ihm selbst en passant auf, dass bei dieser Vorgehensweise zum Mainstream von ihm z.B. Filme f\u00fcr Jugendliche und dann wieder solche f\u00fcr die \u201aganze Familie\u2018 geschlagen werden. Daraus folgt aber f\u00fcr ihn: nichts. Auf die Frage, ob und wie zum Mainstream nicht wohl auch Schulen, Universit\u00e4ten, Kirchen, Richter, Exekutivorgane, soziale Bewegungen beitragen, kommt er ohnehin nicht.<\/p>\n<p>Ganz am Ende merkt er an, man solle nicht nur auf Verkaufszahlen schauen, um \u201eEinfluss zu messen\u201c, sondern auch auf die \u201eVerbreitung von Formaten und narrativen Codes, die Wirkung auf Werte und Vorstellungen.\u201c (S. 475) Genau das tut er aber nicht.<\/p>\n<p>Darum bleiben vom Buch blo\u00df einige interessante Zahlenangaben und Zitate \u00fcbrig. Zwei Beispiele: eine Statistik: \u201eam riskantesten sind Filme, die wom\u00f6glich nur jungen M\u00e4dchen unter 25 gefallen, denn alle Studien best\u00e4tigen, dass die M\u00e4dchen zwar mit den Jungen in die Actionfilme gehen, die Jungen die M\u00e4dchen dagegen nie in \u201aM\u00e4dchenfilme\u2018 begleiten\u201c (S. 101). Ein Zitat: \u201eEuropa interessiert sich nicht ausreichend f\u00fcr die Popkultur, f\u00fcrs Entertainment, die Kreativindustrien, f\u00fcr den Markt und die ethnische Vielfalt, deshalb erlebt es eine gro\u00dfe kulturelle Stagnation\u201c (Steven Erlanger, Pulitzer-Preistr\u00e4ger, \u201eNew York Times\u201c; S. 201).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliografischer Nachweis:<\/strong><br \/>\nFr\u00e9d\u00e9ric Martel<br \/>\nMainstream. Wie funktioniert, was allen gef\u00e4llt<br \/>\nM\u00fcnchen 2011<br \/>\nKnaus Verlag<br \/>\nISBN: 978-3-8135-0418-7<br \/>\n511 Seiten<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cEuropas Wettbewerb&lt;br \/&gt; Rezension zu Karen Fricker \/ Milija Gluhovic (Hg.), \u00bbPerforming the \u203aNew\u2039 Europe. Identities, Feelings, and Politics in the Eurovision Song Contest\u00ab&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Christoph Oliver Mayer&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;17.6.2014&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=3267&amp;action=edit\">\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das breite Publikum<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[792,1015,1318,1422,1837,2337],"class_list":["post-3399","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-frederic-martel","tag-hollywood","tag-kulturindustrie","tag-mainstram","tag-pop-zeitschrift-2","tag-thomas-hecken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3399","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3399"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3399\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3399"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3399"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3399"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}