{"id":3403,"date":"2014-07-24T20:30:14","date_gmt":"2014-07-24T18:30:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=3403"},"modified":"2014-07-24T20:30:14","modified_gmt":"2014-07-24T18:30:14","slug":"europa-teil-5-und-schluss-der-popularkultur-und-pop-standpunktvon-thomas-hecken24-7-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2014\/07\/24\/europa-teil-5-und-schluss-der-popularkultur-und-pop-standpunktvon-thomas-hecken24-7-2014\/","title":{"rendered":"Europa Teil 5 und Schluss: Der Popul\u00e4rkultur- und Pop-Standpunktvon Thomas Hecken24.7.2014"},"content":{"rendered":"<p>Wie ist das europ\u00e4ische Projekt einzusch\u00e4tzen?<!--more mehr--> Oftmals wird von Politikern und Leitartiklern ein Mangel an Leidenschaft beklagt, der Folge der Politik der europ\u00e4ischen Institutionen sei (dazu <a title=\"europa teil 2\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/05\/25\/europa-teil-2-einfalt-durch-vielfaltvon-thomas-hecken25-5-2014\/\" target=\"_blank\">Teil 2<\/a> dieser Reihe). Roland Benedikter und Georg G\u00f6schl teilen in ihrem Artikel, den wir in <a title=\"hinweise heft 4\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/03\/18\/das-vierte-heft-von-pop-kultur-und-kritik18-3-2014\/\" target=\"_blank\">Heft 4<\/a> von \u00bbPop. Kultur und Kritik\u00ab ver\u00f6ffentlicht haben, diese Ansicht. Sie stimmen aber nicht in die Beschw\u00f6rung der europ\u00e4ischen Kultur ein, weil sie glauben, dass die Berufung auf Kultur immer die regionale und nationale Absonderung hervorbringt und kein staaten\u00fcbergreifendes Programm stiftet (dazu <a title=\"europa teil 1\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/05\/18\/europa-teil-1-aufklarung-gegen-kulturvon-thomas-hecken18-5-2014\/\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a>). Stattdessen pl\u00e4dieren sie \u2013 nach amerikanischem Vorbild (<a title=\"europa teil 3\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/06\/03\/europa-teil-3-civil-religionvon-thomas-hecken3-6-2014\/\" target=\"_blank\">Teil 3<\/a>) \u2013 f\u00fcr eine europ\u00e4ische Variante der Zivilreligion. In der letzten Folge (<a title=\"europa teil 4\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/06\/09\/europa-teil-4-zivilreligionvon-thomas-hecken9-6-2014\/\" target=\"_blank\">Teil 4<\/a>) habe ich diese \u00dcberlegungen diskutiert und skeptisch beurteilt.<\/p>\n<p>Im abschlie\u00dfenden Beitrag m\u00f6chte ich nun die \u00dcberlegungen Benedikter\/G\u00f6schls vom Standpunkt popul\u00e4rkultureller Entwicklungen sowie von der Pop-Warte aus einsch\u00e4tzen. Ich fange mit der popul\u00e4ren Kultur an: Benedikter\/G\u00f6schl betrachten Kultur als Motor der Spaltungen und pl\u00e4dieren deshalb f\u00fcr eine einigende europ\u00e4ische Zivilreligion, die das Bekenntnis zu abendl\u00e4ndischen und\/oder aufkl\u00e4rerischen Werten und Ideen mit mehr Inbrunst betreibt.<\/p>\n<p>Diese These scheint mir in mehrfacher Hinsicht kritikw\u00fcrdig zu sein: 1.\u00a0Die aufkl\u00e4rerisch-demokratische Tradition ist in vielen bedeutenden L\u00e4ndern des EU-Verbunds stark genug institutionell wie weltanschaulich verankert, eine Gr\u00fcndung der Zivilreligion auf sie scheint mir nicht zwingend, weder notwendig noch erfolgstr\u00e4chtig. 2. Richtig ist, dass sich popul\u00e4re Kultur (gemeinschaftsstiftende, schichten\u00fcbergreifende Kultur) oftmals auf regionaler oder nationaler Ebene bildet. Wenn man sich aber Frontstellungen gegen andere als Kulturen identifizierte Einheiten (islamische, slawisch-russische, chinesische Kultur \u2013 was jeweils auf der politischen Jahresordnung steht) anschaut, sieht man, dass sich dabei Popul\u00e4rkultur nationen\u00fcbergreifend ausgestalten l\u00e4sst und einen Rang einnimmt (einnehmen k\u00f6nnte), der einer durchgesetzten Zivilreligion gleichkommt. 3. Dann ist nat\u00fcrlich die Frage, ob es w\u00fcnschenswert ist, dass es in der Abgrenzung gegen\u00fcber anderen so etwas wie eine europ\u00e4ische Kultur gibt, oder ob man nicht vielmehr die m\u00f6glichen kriegerischen Folgen solch einer kulturellen Unifizierung f\u00fcrchten sollte. Wer Popul\u00e4rkultur wie Zivilreligion als Antrieb nationaler Machtanstrengung f\u00fcrchtet, der wird bei ihrer Transponierung auf EU-Ebene erst recht nicht froh.<\/p>\n<p>Was l\u00e4sst sich vom Pop-Standpunkt aus zu nationen\u00fcbergreifenden Erfolgen sagen? Ich glaube, es leuchtet unmittelbar ein, dass wir es bei Pop mit der einzigen Kultur zu tun haben, die sich in den letzten 50 Jahren in vielen Teilen der Welt durchgesetzt hat, obwohl deren Ausgangspunkte und -orte (afroamerikanischer Blues und Jazz, Soul und Funk; S\u00fcdstaaten-Country-Music und -Rockabilly; britischer Pop und Rock; Hollywood; Madison Avenue; New Yorker Pop-Art) in vielen F\u00e4llen wenig oder gar nichts mit den Orten und Zusammenh\u00e4ngen zu tun haben, an denen sie oftmals in Mischformen heute sowohl produziert als auch rezipiert werden.<\/p>\n<p>Mit den Kulturen der EU-L\u00e4nder hatte sie jedenfalls kaum etwas zu tun, mit Ausnahme Englands, das bezeichnenderweise st\u00e4ndig den Weg aus der Gemeinschaft sucht oder sich abseits stellt. Mit Festland-Europa ist Pop aber immerhin insofern verbunden, als einige Avantgarde-Vorlieben in Pop eingegangen sind oder sich mit Pop leicht verbinden lassen: Repetition, Oberfl\u00e4chlichkeit, K\u00fcnstlichkeit, Reduktion; im Stadtbild sehr gut sichtbar im Kontrast (und teilweise auch wieder Zusammenhang) von puristischem Beton und Glas und bunteren Schaufensterauslagen und Leuchtreklamen (aber die europ\u00e4ischen Touristen m\u00f6gen ja nur das L\u00e4ndlich-Sittliche oder das Strandvergn\u00fcgen, gotische Kirchen, Adelsgem\u00e4uer und Barockes).<\/p>\n<p>Pop steht quer zu \u00e4lteren Volks\u00fcberzeugungen, die oftmals martialisch und\/oder rassisch ausgerichtet sind oder deren heutige Verfechter auf Schutz, auf Abgrenzung bestehen. Gerade das ist aus meiner Sicht ein guter Punkt, um Pop als Kandidatin f\u00fcr kulturelle oder meinetwegen auch zivilreligi\u00f6se, vor allem aber politische Begeisterung in den Blick zu nehmen. Pop ist zwar abwechslungsreich, dr\u00e4ngt aber nicht unbedingt auf kulturelle Vielfalt; mit einer m\u00f6glichen Weltsprache Englisch verbunden, k\u00f6nnte Pop zum Abbau von kulturell-politischen Besonderheiten beitragen, wenn Pop-Anh\u00e4nger sich st\u00e4rker von der noch \u00fcberm\u00e4chtigen Anschauung, wichtiger sei die Bewahrung kultureller Unterschiede und (vielf\u00e4ltiger) Volkstraditionen, l\u00f6sen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cEuropa&lt;br \/&gt; Teil 4: Zivilreligion?&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Thomas Hecken&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;9.6.2014&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=3221&amp;action=edit\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ist das europ\u00e4ische Projekt einzusch\u00e4tzen?<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[617,685,1315,1816,1837,2337,2476],"class_list":["post-3403","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-einigung","tag-europa","tag-kultur","tag-pop","tag-pop-zeitschrift-2","tag-thomas-hecken","tag-volk"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3403","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3403"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3403\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3403"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3403"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}