{"id":3418,"date":"2014-07-26T16:22:39","date_gmt":"2014-07-26T14:22:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=3418"},"modified":"2014-07-26T16:22:39","modified_gmt":"2014-07-26T14:22:39","slug":"hauptstrom-ii-rezension-zu-sarah-baker-et-al-hg-redefining-mainstream-popular-musicvon-thomas-hecken25-7-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2014\/07\/26\/hauptstrom-ii-rezension-zu-sarah-baker-et-al-hg-redefining-mainstream-popular-musicvon-thomas-hecken25-7-2014\/","title":{"rendered":"Hauptstrom II Rezension zu Sarah Baker et al. (Hg.), \u00bbRedefining Mainstream Popular Music\u00abvon Thomas Hecken25.7.2014"},"content":{"rendered":"<p>Nach der Subkulturforschung<!--more--><\/p>\n<p>Eine Neubestimmung des Mainstreams verspricht der Sammelband im Titel. Der Einleitungsaufsatz der HerausgeberInnen verweist in \u00e4u\u00dferster Knappheit auf die Bedeutung, die der Begriff noch heute im Sprachgebrauch besitzt, und bringt sich gegen zwei Forschungstraditionen in Stellung:<\/p>\n<p>Zum einen gegen jenen Ansatz der Cultural Studies, der den Mainstream mit der Meinungsf\u00fchrerschaft der herrschenden Klasse verbindet, wenn sie es geschafft hat, ihre Interessen als die nat\u00fcrlichen, selbstverst\u00e4ndlichen Tatsachen und Konsensvorstellungen allen anderen Gesellschaftsschichten eing\u00e4ngig zu machen. Zum anderen gegen den Ansatz von Cultural-Studies-Kritikern, die das Gegensatzpaar Mainstream\/Subkultur als zu wertend (aufgeladen mit Vorstellungen von politisch wie \u00e4sthetisch richtiger subkultureller Aktivit\u00e4t) einstufen und deshalb als unwissenschaftlich verwerfen.<\/p>\n<p>Die Hg. pl\u00e4dieren hingegen daf\u00fcr, weiter mit dem Mainstream-Konzept zu arbeiten, es aber eingehender zu beleuchten, um zu einer pr\u00e4ziseren Bestimmung zu gelangen. Was sie gegen den Ansatz der Cultural Studies haben, wird freilich an keiner Stelle der Einleitung gesagt. Implizit wird das jedoch an der Auswahl der folgenden Beitr\u00e4ge deutlich, die unter dem Sektionstitel \u201eReappraising the Mainstream\u201c versammelt sind:<\/p>\n<p>Alison Huber meint, dem \u201aMainstream\u2018 (als Konzept und in seiner jeweiligen Formation) werde von den Cultural Studies zu wenig Beachtung geschenkt, weil die Cultural-Studies-Verfechter alle Aufmerksamkeit den Subkulturen schenkten, mit denen sie sympathisierten. Sie selbst bietet aber lediglich den Hinweis an, \u00fcber den Mainstream nachzudenken sei wichtig, um in einer verst\u00e4rkt komplexen Weise \u201eforms of dominance\u201c zu untersuchen. Wenn man \u00fcber \u201ethe specificity of mainstream\u201c nachd\u00e4chte, \u201ethen mainstream becomes an historically contingent category that usefully refers to modes of dominant (or dominance-producing) behaviours, discourses, values, identities, and so on.\u201c (S. 11) Das bringt einen doch keinen Schritt weiter, wenn man alle vor\u00fcbergehenden Dominanzen in spezifischen Szenen und Segmenten als \u201aMainstream\u2018 bezeichnet. Dann sollte man auf den Begriff tats\u00e4chlich besser verzichten.<\/p>\n<p>Sarah Baker glaubt die Annahme, Teeny-Bop-Musik \u2013 als Inkarnation der \u201emainstream popular music\u201c \u2013 sei minderwertig, durch den Nachweis widerlegen zu k\u00f6nnen, dass \u201epre-teen girls\u201c mit ihrer Teeny-Bop-Begeisterung die \u201esite of diverse cultural practice\u201c bildeten, Praktiken, die weder trivial noch passiv seien (S. 14, 23). Das mag so sein, hilft aber, wie die Autorin selbst ausf\u00fchrt, bei der Frage, wie die Kategorie \u201aMainstream\u2018 wissenschaftlich gebraucht werden sollte, nicht.<\/p>\n<p>Kurz gesagt: Zur im Titel versprochenen Redefinition des \u201aMainstream\u2018 tr\u00e4gt das Buch nichts bei. Auf der sicheren Seite verbleiben hingegen all jene historischen und ethnographischen Beitr\u00e4ge, die untersuchen, wer etwas aus welchen Gr\u00fcnden wann als \u201aMainstream\u2018 klassifiziert hat. Die Spanne dieser Beitr\u00e4ge reicht von Artikeln, die erl\u00e4utern, was eine Gruppe von Punks in Indonesien als \u201aMainstream\u2018 ansieht, \u00fcber Artikel zu australischen Grunge-Fans bis hin zu Kritikern einer angenommenen \u201e\u201amainstream, stereotypical lesbian music\u2018\u201c.<\/p>\n<p>Das tr\u00e4gt zur spezifischen Aufkl\u00e4rung bei, gewiss, enthebt einen aber nicht notwendigerweise der Aufgabe, selbst anzugeben, ob man \u201aMainstream\u2018 weiter f\u00fcr eine Kategorie h\u00e4lt, die wichtig f\u00fcr eine gesamtgesellschaftliche Beschreibung und Analyse ist. Der blo\u00dfe Verweis auf Pop-Charts reicht sicherlich nicht aus, geben die ja oftmals nur an, was bestimmte jugendliche K\u00e4ufergruppen erworben haben.<\/p>\n<p>Beim Beispiel der Musik w\u00e4re etwa zu \u00fcberlegen, ob man unter \u201aMainstream\u2018 das fasst, was im schulischen und\/oder privaten Musikunterricht gelehrt wird, oder das, was Legislative und Exekutive f\u00fcr f\u00f6rderungsw\u00fcrdig erachten, was Gerichte als nicht-jugendgef\u00e4hrdend ansehen, was die Medienunternehmen mit der gr\u00f6\u00dften Marktmacht produzieren, was F\u00fchrungskr\u00e4fte h\u00f6ren bzw. empfehlen, was eine Mehrheit der Bev\u00f6lkerung als normale Melodik und Rhythmik empfindet, was Leitmedien positiv besprechen bzw. auf die Agenda setzen \u2013 oder ob man bestimmte Kombinationen dieser Angaben bevorzugt.<\/p>\n<p>Wie auch immer die Entscheidung der Mainstream-Forscher ausfiele, mit solchen oder \u00e4hnlichen Parametern h\u00e4tte man Vorgaben zur Hand, die interessante Untersuchungsergebnisse versprechen und nicht blo\u00df eher zuf\u00e4llige (wenn auch teilweise f\u00fcr sich genommen sehr gute) Portr\u00e4ts von einigen musikalischen Performern, Genres, Praktiken und Szenen (im besprochenen Band etwa Artikel zu Elvis, The Archies, Brit Girls, Mash-Up, Ironic Listening), die genauso gut auch unter anderem Vorzeichen h\u00e4tten geschrieben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliografischer Nachweis:<\/strong><br \/>\nSarah Baker\/Andy Bennett\/Jodie Taylor (Hg.)<br \/>\nRedefining Mainstream Popular Music<br \/>\nNew York und London 2013<br \/>\nRoutledge<br \/>\nISBN: 978-0-415-80780-7<br \/>\n222 Seiten<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cHauptstrom I&lt;br \/&gt; Rezension zu Fr\u00e9d\u00e9ric Martel, \u00bbMainstream\u00ab&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Thomas Hecken&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;20.7.2014&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=3399&amp;action=edit\">\u00a0<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach der Subkulturforschung<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[486,964,1423,1837,2337],"class_list":["post-3418","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-cultural-studies","tag-hegemonie","tag-mainstream-music","tag-pop-zeitschrift-2","tag-thomas-hecken"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3418","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3418"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3418\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3418"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3418"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3418"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}