{"id":3667,"date":"2014-10-03T09:32:06","date_gmt":"2014-10-03T07:32:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=3667"},"modified":"2014-10-03T09:32:06","modified_gmt":"2014-10-03T07:32:06","slug":"goethe-bunte-baudrillard-rezension-zu-matthias-n-lorenz-hg-christian-kracht-werkverzeichnis-und-kommentierte-bibliografie-der-forschungvon-elias-kreuzmair3-10-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2014\/10\/03\/goethe-bunte-baudrillard-rezension-zu-matthias-n-lorenz-hg-christian-kracht-werkverzeichnis-und-kommentierte-bibliografie-der-forschungvon-elias-kreuzmair3-10-2014\/","title":{"rendered":"Goethe, Bunte, Baudrillard \u2026 Rezension zu Matthias N. Lorenz (Hg.), \u00bbChristian Kracht. Werkverzeichnis und kommentierte Bibliografie der Forschung\u00abvon Elias Kreuzmair3.10.2014"},"content":{"rendered":"<p>\u00bbF\u00fcnf Briefe, die ich noch nicht beantwortet habe\u00ab<!--more--><\/p>\n<p>Nun also eine Personalbibliografie \u2013 die Kanonisierung des Schriftstellers Christian Kracht schreitet unaufhaltsam voran. In der Reihe \u00bbBibliographien zur deutschen Literaturgeschichte\u00ab des Aisthesis Verlags steht Kracht jetzt immerhin neben Heiner M\u00fcller, Rolf Dieter Brinkmann und Ferdinand Freiligrath. Wie kaum ein anderer Autor seiner Generation hat Kracht die Aufnahme seiner Werke in den heiligen Kanon der Literaturwissenschaft vorangetrieben.<\/p>\n<p>Sein Schreiben lie\u00df Rezensenten schon fr\u00fch von Mann raunen, von Conrad und weiteren Gr\u00f6\u00dfen der Weltliteratur bis fast keiner mehr \u00fcbrig blieb, auf den man keine Verweise in seinen Texte gefunden h\u00e4tte. Schon als die \u00bbBunte\u00ab Krachts Deb\u00fct \u00bbFaserland\u00ab rezensierte, lautete die \u00dcberschrift \u00bbGoethilein\u00ab[i].<\/p>\n<p>Nicht nur solche Funde machen die objektive und subjektive Personalbibliografie, die Matthias N. Lorenz als Herausgeber vorlegt, zu einem verdienstvollen Projekt. Es ist n\u00e4mlich durchaus kein gew\u00f6hnliches. Lorenz, der 2002 bereits eine Martin-Walser-Bibliografie f\u00fcr dieselbe Reihe zusammenstellte, hat das Werk- und das kommentierte Verzeichnis der Sekund\u00e4rliteratur gemeinsam mit Berner Studierenden zusammengestellt. Zudem konnte er Kracht selbst, seinen Verlag und seine Agentur daf\u00fcr gewinnen, strittige Fragen zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Das kann der Kracht-Philologie nur nutzen. Denn sie hat es mit einem Autor zu tun, dessen, wie Lorenz in einem begleitenden thematischen \u00dcberblick schreibt, \u00bbSelbstinszenierung [\u2026] als Teil seines Werkes und seine daraus resultierende Fiktionalisierung\u00ab (7) das Sprechen \u00fcber Text wie Person stets mit einem geh\u00f6rigen Ma\u00df an Unsicherheit versieht. Nie wei\u00df man, auf welcher Seite von Fakt und Fiktion man sich nun befindet.<\/p>\n<p>So sind in der Bibliografie beispielsweise auch diejenigen Texte aus Krachts Zeit bei der Zeitschrift <em>Tempo<\/em> aufgef\u00fchrt und entsprechend markiert, die zwar mit seinem Namen markiert sind, aber gar nicht oder nur in sehr geringem Ma\u00df von ihm verantwortet wurden. Obwohl man es Kracht selbstverst\u00e4ndlich auch zutrauen w\u00fcrde, den Bibliografen falsche Hinweise zu geben, um unliebsame Texte aus dem Werkverzeichnis zu tilgen.<\/p>\n<p>Jenes Werkverzeichnis ist mit Sorgfalt und Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit erstellt, sodass man auch auf bisher wenig bekannte, weil entlegen publizierte Texte Krachts st\u00f6\u00dft \u2013\u00a0erw\u00e4hnt sei hier die Erz\u00e4hlung \u00bbF\u00fcnf Briefe, die ich noch nicht beantwortet habe\u00ab, die 1998 in einem Lesebuch des Piper-Verlags erschien. Dazu kommt der Hinweis auf fr\u00fche Kracht-Texte, die die Bibliografierenden bis zur Abiturzeitung des Autors zur\u00fcck recherchiert haben. Bedauerlich ist hier nur, dass zwar Krachts Facebook-Seite angef\u00fchrt wird, die vermutlich Kracht zuzuschreibenden Myspace-[ii] und Tripadvisor-Beitr\u00e4ge nicht angegeben sind beziehungsweise deren Herkunft nicht mit Autor und Verlag gekl\u00e4rt werden konnten.<\/p>\n<p>N\u00fctzlich, jedoch auch erwartbar ist das Schlagwort-, Personen- und Werkregister. Es erlaubt \u2013 \u00fcber den regul\u00e4ren Gebrauch eines Registers hinaus \u2013 zu \u00fcberpr\u00fcfen, mit den Texten welcher TheoretikerInnen und AutorInnen besonders enge Verkn\u00fcpfungen ausgemacht wurden. So l\u00e4sst sich beispielsweise nachvollziehen, ob mehr Sekund\u00e4rtexte Bez\u00fcge zu Goethe oder Conrad (Goethe liegt mit 25:19 vorne) herstellen oder mit welchen philosophischen und theoretischen Texten Krachts Werk haupts\u00e4chlich in Zusammenhang gebracht wird (Baudrillard, Derrida, Deleuze, Agamben).<\/p>\n<p>Die Kommentierung der Sekund\u00e4rliteratur f\u00e4llt meist etwas zu ausf\u00fchrlich aus \u2013 muss man der akademischen Leserin erst einmal erkl\u00e4ren, was das \u00bbKritische Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur\u00ab ist und wie es funktioniert (vgl. 85)? Zudem handelt es sich weniger um Kommentare als um Inhaltszusammenfassungen, die mit Zitaten aus den besprochenen Aufs\u00e4tzen und Studien angereichert werden. Letztlich l\u00e4uft das auf das Nachliefern der im deutschen Raum immer noch vielerorts un\u00fcblichen Abstracts hinaus, wobei hervorzuheben ist, dass Bez\u00fcge innerhalb der Sekund\u00e4rliteratur hergestellt werden. Au\u00dferdem erschlie\u00dfen die Kommentare auch die koreanische und russische Forschung zu Kracht, die sonst f\u00fcr viele deutschsprachige Philologen kaum zug\u00e4nglich w\u00e4re.<\/p>\n<p>Der gr\u00f6\u00dfte Kritikpunkt an diesem Werkverzeichnis samt Bibliografie ist weder dem Herausgeber noch seiner Vielzahl an Mitarbeitenden anzulasten: Wieso, gesch\u00e4tzter Aisthesis Verlag, erscheint eine solche Sammlung im Jahr 2014 als Buch? Gerade f\u00fcr ein solches Format w\u00fcrde es sich doch anbieten, die M\u00f6glichkeiten digitaler Datenbanken und avancierter Suchmasken zu n\u00fctzen.<\/p>\n<p>Anstatt von ohnehin schon klammen Bibliotheken wieder einmal 58 Euro zu verlangen, w\u00e4ren wesentlich zeitgem\u00e4\u00dfere L\u00f6sungen denkbar: Beispielsweise der elektronische Zugang \u00fcber eine Online-Suchmaske innerhalb der OPACs zu einer laufend aktualisierten Datenbank mit der gesamten Bibliografie-Reihe gegen einen festen j\u00e4hrlichen Obulus. Denn diese B\u00fccher sind trotz ihrer sorgf\u00e4ltigen Anfertigung und trotz ihrer Qualit\u00e4t, das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt sind, sondern h\u00e4tten es sicherlich verdient, in technisch informierter Umsetzung und grafisch ansprechender Gestaltung noch gr\u00f6\u00dfere Verbreitung zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>[i] O. A.: Christian Kracht. Goethilein, in: Bunte (02.03.1995).<\/p>\n<p>[ii] Vgl. Eckhard Schumacher, Omnipr\u00e4sentes Verschwinden. Christian Kracht im Netz, in: Johannes Birgfeld\/Claude D. Conter (Hg.): Christian Kracht. Zu Leben und Werk<em>, <\/em>K\u00f6ln 2009, S. 187-203, hier S. 200f.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliografischer Nachweis:<\/strong><br \/>\nMatthias N. Lorenz (Hg.)<br \/>\nChristian Kracht. Werkverzeichnis und kommentierte Bibliografie der Forschung<br \/>\nBielefeld 2014<br \/>\nAisthesis Verlag<br \/>\n[= Bibliographien zur deutschen Literaturgeschichte; Bd. 21]<br \/>\nISBN 978-3-8498-1062-7<br \/>\n323 Seiten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage kreuzmair\" href=\"http:\/\/www.phil.uni-greifswald.de\/index.php?id=42835\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Elias Kreuzmair<\/a> ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr deutsche Philologie der Universit\u00e4t Greifswald.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00bbF\u00fcnf Briefe, die ich noch nicht beantwortet habe\u00ab<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[332,441,630,1837],"class_list":["post-3667","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-bibliografie","tag-christian-kracht","tag-elias-kreuzmair","tag-pop-zeitschrift-2"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3667","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3667"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3667\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3667"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3667"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3667"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}