{"id":3726,"date":"2014-10-29T10:55:35","date_gmt":"2014-10-29T08:55:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=3726"},"modified":"2014-10-29T10:55:35","modified_gmt":"2014-10-29T08:55:35","slug":"konsumrezension-oktobervon-daniel-hornuff29-10-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2014\/10\/29\/konsumrezension-oktobervon-daniel-hornuff29-10-2014\/","title":{"rendered":"Konsumrezension Oktobervon Daniel Hornuff29.10.2014"},"content":{"rendered":"<p align=\"left\">Das Toastbrot als Nullmedium der K\u00fcche<\/p>\n<p><!--more mehr--><\/p>\n<p align=\"left\">Das Toastbrot hat es nicht leicht. Zumindest f\u00fcr den deutschsprachigen Raum gilt: Es steht, solange es nicht zwischen gl\u00fchende Dr\u00e4hte eingeklemmt wird, auf verlorenem Posten. Studiert man das Angebot an Toastbroten in Superm\u00e4rkten, Discountern und kleineren Lebensmittell\u00e4den, so f\u00e4llt auf, welch geringe inszenatorische Unterschiede zwischen einzelnen Herstellern und Geschmacksrichtungen herrschen. Es scheint, als handele es sich beim Toastbrot um ein \u00e4sthetisch vernachl\u00e4ssigtes Produkt, versch\u00e4rft dadurch, dass das Toastbrot, abgesehen von ein paar aus der Zeit gefallenen Hawaii-Toast-K\u00e4sescheiben, von keinen erg\u00e4nzenden Produkten flankiert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/Toast.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-3729\" title=\"Toast\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/Toast.jpg\" alt=\"\" width=\"378\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/Toast.jpg 630w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/Toast-205x300.jpg 205w\" sizes=\"auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\">In stilistischer Hinsicht hat man es mehrheitlich mit nur leicht abweichenden Varianten des Marktf\u00fchrers zu tun. Der <em>Golden Toast<\/em> erscheint demnach als Ideal- und Orientierungsbrot: Reduziert auf basale Farbt\u00f6ne, folgt das Verpackungsdesign den unternehmenseigenen Gestaltungscodes. Zugleich kn\u00fcpft die Kolorierung an die Suggestion krustiger R\u00f6ste an, ja harmoniert mit dem Versprechen, die Morgenstund \u2013 an dem Toastbrote im deutschsprachigen Raum vor allem zum Einsatz kommen d\u00fcrften \u2013 mit Gold im Mund begehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p align=\"left\">Doch wird gerade damit ersichtlich, wie nachgerade einfallslos die Gestaltungsdimensionen in der Kategorie Toastbrot ausfallen. Die einzelnen Produkte schaffen es in ihrem Auftritt nicht, Situationen der Zubereitung und des Verzehrs von Toastbroten mit eigenst\u00e4ndigen Bedeutungen zu belegen. Zwar existieren Ausnahmen, wie etwa Vollkorn-, Balance-, Fitness-, American- oder Gesundheitstoasts, doch sind dies keine produktspezifischen Inszenierungen, sondern lediglich Varianten allgemeiner Nahrungsmittelkategorien.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\" align=\"left\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/5Toast.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-3730\" title=\"5Toast\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/5Toast.jpg\" alt=\"\" width=\"600\" height=\"286\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/5Toast.jpg 667w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/5Toast-300x143.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\">Unklar bleibt also in den allermeisten F\u00e4llen, welche emotionalen oder situativen Mehrwerte ein Toastbrot liefern soll. Dem geringen N\u00e4hrwert- und S\u00e4ttigungsgrad eines Toastbrots entspricht dessen semantisch magere Gestaltung. Verk\u00fcrzend w\u00e4re allerdings, das Toastbrot isoliert von dessen Zubereitungsger\u00e4t zu bewerten. Denn so wenig der Verpackung eines Toastbrotleibs eigenst\u00e4ndige Bedeutungswelten beigegeben sind, so stark pr\u00e4gen und interpretieren Toaster den Akt der finalen Zubereitung.<\/p>\n<p align=\"left\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/Toaster.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-3731\" title=\"Toaster\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/10\/Toaster-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"409\" height=\"614\" \/><\/a><\/p>\n<p align=\"left\">Hier reicht die Spannbreite von kennerschaftlich anmutenden Retro-Ger\u00e4ten \u00fcber neckisch witzelnde Teenie-R\u00f6ster bis hin zu High-Tech-Leistungsmaschinen, die das Toasten mit der Aura spezialfachlicher, laborartiger Herausforderungen umgeben. Dem Konsumenten bieten sich ganze Paletten unterschiedlicher Stimmungs- und Situationsdeutungen, so dass er w\u00e4hlen kann, mit welchem Image er das Toasten ausstatten, ja welchen Toasttyp er letztendlich darstellen m\u00f6chte.<\/p>\n<p align=\"left\">Dem Toastbrot f\u00e4llt angesichts dieses Reichtums an sinnstiftenden Diversifikationen fast automatisch eine Nebenrolle zu: Es ist mehr Statist als Hauptakteur, und so ordnet es sich in seiner gestalterischen Unscheinbarkeit der Dominanz des Ger\u00e4teauftritts unter \u2013 ja hat damit durchaus seine Position innerhalb des Toastgef\u00fcges gefunden!<\/p>\n<p align=\"left\">Damit wird ersichtlich: Beim Toasten handelt es sich um einen Akt, dessen spezifische Qualit\u00e4t weniger in der Herstellung eines Endprodukts denn in der \u2013 durchaus ritualisierbaren \u2013 performativen Ausgestaltung zu suchen ist. Vereinfacht gesprochen: Der Reiz des Toastens liegt nicht im Toastbrot, sondern im Toasten selbst.<\/p>\n<p align=\"left\">Wo sich in modernen K\u00fcchen Backofen und Mikrowelle hinter anonymisierende, schwarze-verspiegelte Glasfronten zur\u00fcckziehen, leistet der Toaster ein St\u00fcck vitaler Widerst\u00e4ndigkeit: Er gl\u00fcht und l\u00e4sst meist krachend herausspringen, er br\u00f6selt untenrum aus und erhitzt Hineingestecktes, er ist, trotz seiner meist kompakten Figur, ein belebend-agiles und entsprechend vielf\u00e4ltig zu inszenierendes Element.<\/p>\n<p>Dass das Toastbrot demnach ohne eigene Versprechen auskommt, ist also kein gestalterischer Makel, sondern Voraussetzung daf\u00fcr, dass es in unterschiedlichste, von Toastern vordefinierte Settings einzupassen ist. Das Toastbrot ist das Nullmedium der K\u00fcche.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Gegenst\u00e4nde fr\u00fcherer Konsumrezensionen:<\/strong><br \/>\nSaugroboter (<a title=\"konsumrezension september 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/09\/21\/konsumrezension-septembervon-simon-bieling21-9-2014\/\" target=\"_blank\">September 2014<\/a>)<br \/>\nSupermarktsortiment (<a title=\"konsumrezension august 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/08\/17\/konsumrezension-augustvon-bettina-dunker17-8-2014\/\" target=\"_blank\">August 2014<\/a>)<br \/>\nRasenm\u00e4her und Kinderbuggy (<a title=\"konsumrezension juli 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/07\/18\/konsumrezension-julivon-daniel-hornuff18-7-2014\/\" target=\"_blank\">Juli 2014<\/a>)<br \/>\nDiscounter und Supermarktketten werben mit der WM (<a title=\"konsumrezension juni 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/06\/26\/konsumrezension-junivon-simon-beiling26-5-2014\/\" target=\"_blank\">Juni 2014<\/a>)<br \/>\nTee: Pukka und Yogi (<a title=\"konsumrezension mai 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/05\/16\/konsumrezension-maivon-antonia-wagner16-5-2014\/\" target=\"_blank\">Mai 2014<\/a>)<br \/>\nGrunds\u00e4tzliche \u00dcberlegungen: Welches Vorgehen ist sinnvoll, wenn man Konsumprodukte rezensiert? (<a title=\"konsumrezension april 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/04\/15\/konsumrezension-aprilvon-daniel-hornuff15-4-2014\/\" target=\"_blank\">April 2014<\/a>)<br \/>\nZwei Schokoladenprodukte (<a title=\"konsumrezension m\u00e4rz 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/03\/15\/konsumrezension-maerzvon-henning-arnecke15-3-2014\/\" target=\"_blank\">M\u00e4rz 2014<\/a>)<br \/>\nDie Smartphones Lumia 1020 und Galaxy 4 (<a title=\"konsumrezension februar 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/02\/19\/konsumrezension-februarvon-simon-bieling19-2-2014\/\" target=\"_blank\">Februar 2014<\/a>)<br \/>\nDer feministische Bechdel-Test, umformuliert f\u00fcrs Marketing, ausprobiert an AXE Deodorant Bodyspray (<a title=\"konsumrezension januar 2014\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2014\/01\/16\/konsumrezension-januarvon-antonia-wagner16-1-2014\/\" target=\"_blank\">Januar 2014<\/a>)<br \/>\nMr Muscle Aktiv-Kapseln Allzweck-Reiniger (<a title=\"konsumrezension dezember 2013\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/12\/16\/konsumrezension-dezembervon-daniel-hornuff16-12-2013\/\" target=\"_blank\">Dezember 2013<\/a>)<br \/>\nSchwarzkopfs Gliss Kur Million Gloss Kristall \u00d6l (<a title=\"konsumrezension november 2013\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/2013\/11\/15\/konsumrezension-novembervon-simon-bieling15-11-2013\/\" target=\"_blank\">November 2013<\/a>)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"hornuff homepage\" href=\"http:\/\/kunstwissenschaft.hfg-karlsruhe.de\/users\/daniel-hornuff\" target=\"_blank\">Daniel Hornuff<\/a> ist akademischer Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Kunstwissenschaft und Medientheorie, Staatliche Hochschule f\u00fcr Gestaltung Karlsruhe.<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cKonsumrezension September&lt;br \/&gt;&lt;small&gt;&lt;i&gt;von Simon Bieling&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;21.9.2014&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=3602&amp;action=edit\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Toastbrot als Nullmedium der K\u00fcche<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[497,526,1270,1837,2362],"class_list":["post-3726","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-daniel-hornuff","tag-design","tag-konsum","tag-pop-zeitschrift-2","tag-toast"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3726","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3726"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3726\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3726"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3726"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3726"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}