{"id":3779,"date":"2014-11-15T22:33:53","date_gmt":"2014-11-15T20:33:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=3779"},"modified":"2014-11-15T22:33:53","modified_gmt":"2014-11-15T20:33:53","slug":"mode-novembervon-mahret-kupka15-11-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2014\/11\/15\/mode-novembervon-mahret-kupka15-11-2014\/","title":{"rendered":"Mode Novembervon Mahret Kupka15.11.2014"},"content":{"rendered":"<p>Mode f\u00fcr alle<!--more mehr--><\/p>\n<p>H&amp;M hat mal wieder kooperiert und ich war mal wieder dabei<br \/>\nEin paar Gedanken zum UnSinn von Designer-Kollaborationen<\/p>\n<p>Der schwedische Trendtransformator H&amp;M hat es diesen November einmal mehr geschafft, die Entw\u00fcrfe eines so called Top Designers zu vergleichsweise kleinem Geld unter die Leute zu bringen. Weil ich an besagtem Tag nicht in der N\u00e4he einer der ausgew\u00e4hlten Boutiquen war, sa\u00df ich p\u00fcnktlich um 10 Uhr am Computer, um im Onlineshop die drei Teile zu erstehen, die ich mir zuvor durch die entsprechenden <a title=\"artikel independent\" href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/life-style\/fashion\/news\/alexander-wang-for-hm-actionpacked-video-of-the-campaign-released-9814163.html\" target=\"_blank\">Kampagnen<\/a> habe schmackhaft machen lassen.<\/p>\n<p>[iframe id=&#8220;\/\/www.youtube.com\/embed\/CvBNkOFaSZk&#8220; align=&#8220;center&#8220;]<\/p>\n<p>Das Internet auf dem Land ist langsamer als in der Gro\u00dfstadt, zus\u00e4tzlich erschwerte das Einkaufsvergn\u00fcgen die Tatsache, dass noch mehr Personen auf die Idee gekommen waren, online zu kaufen. Sei es aus der Unlust, bis 8 Uhr irgendwo in einer kalten Fu\u00dfg\u00e4ngerzone einer der Gro\u00dfst\u00e4dte dieser Welt in einer <a title=\"artikel wwd\" href=\"http:\/\/www.wwd.com\/fashion-news\/fashion-features\/wang-line-hits-hm-in-europe-8023209\" target=\"_blank\">Schlange<\/a> modew\u00fctiger Menschen zu stehen, oder sei es, weil sie nach unerf\u00fclltem Kaufwunsch doch noch schnell zu Hause im zwei Stunden sp\u00e4ter startenden Onlineverkaufsvergn\u00fcgen eine zweite Chance, das begehrte Designerteil zu erstehen, witterten. Die Seite war komplett lahm gelegt. Ich konnte nicht mal ein paar Schl\u00fcpfer aus dem normalen Sortiment kaufen. Nach gut zwei Stunden wiederholten Klickens der Seite-Neu-Laden-Taste wurde die Beharrlichkeit belohnt.<\/p>\n<p>Auf die SMS mit der Frage, was ich gerade t\u00e4te, antwortete ich gestern mit \u201eWang anprobieren und kotzen\u201c, die Lieferung war eingetroffen. Gut eine Woche davor konnte ich es mir nicht nehmen \u2013 zur\u00fcck in der Gro\u00dfstadt \u2013, mal kurz bei H&amp;M vorbeizuschauen, um zu sehen, was denn noch so \u00fcbrig war von der Kollektion des Alexander Wang. Tats\u00e4chlich standen in der Filiale auf der Frankfurter Zeil drei Tage nach Verkaufsstart noch einige Schuhkartons herum. Vereinzelte Jacken, Kleider und Lederhosen lie\u00dfen geduldig meinen forschenden H\u00e4nden den Raum ihrer Qualit\u00e4tserkundung.<\/p>\n<p>Zugleich wunderte ich mich stark \u00fcber das eigene Interesse \u00fcber ein paar Artikel von einem Designer, der mich sonst auch nicht wirklich interessiert hatte. So wundere ich mich im \u00dcbrigen jedes Jahr! Auch \u00fcber all die anderen Menschen, die, aufgepeitscht durch aufwendige Werbekampagnen pl\u00f6tzlich denken, unbedingt ein Teil eines Designers besitzen zu m\u00fcssen, von dem sie zuvor wahrscheinlich noch nie geh\u00f6rt hatten. Es sind ja nicht alle Modekuratorinnen, -journalistinnen, -redakteurinnen, -bloggerinnen oder irgendwie anderweitig mit dem Metier stark verbandelt.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich auch, bei H&amp;M einen\u00a0umfangreichen <a title=\"artikel fashion telegraph\" href=\"http:\/\/fashion.telegraph.co.uk\/article\/TMG11182061\/HandM-marks-a-decade-of-collaborations-with-celebratory-book.html\" target=\"_blank\">Katalog<\/a> gesehen zu haben, der die Designerkollaborationen des Hauses seit Beginn an dokumentiert. Vielleicht wird es in ein paar Jahren eine Ausstellung geben, eine Retrospektive, die jedes Teil zeigt, die auch die Erinnerungen der Besucher an den ein oder anderen Novembermorgen wecken wird. Nach dem Motto: Wei\u00df Du noch damals vor 15 Jahren in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone von Castrop-Rauxel? Entschuldigung, ich werde gemein\u2026<\/p>\n<p>Worum es mir geht, ist die Kl\u00e4rung der Frage, was da \u00fcberhaupt genau passiert, was ja auch mit mir selbst passiert \u2013 ich kann mich dem Sog des Designerst\u00fccks von H&amp;M schlie\u00dflich selbst nicht entziehen! Vor gut einem Jahr stellte sich der Modejournalist Liroy Choufan bereits eine \u00e4hnliche Frage. Seine Antwort gab es dann bei <a title=\"artikel business of fashion\" href=\"http:\/\/www.businessoffashion.com\/2013\/03\/op-ed-fashions-democratic-disease.html\" target=\"_blank\">Business of Fashion<\/a> zu lesen. Er nahm den Begriff der Demokratisierung, der ja im Zusammenhang mit Designerkollaborationen wie der von H&amp;M gerne f\u00e4llt, genauer in den Blick und attestierte eine enge Verkn\u00fcpfung zwischen der Idee demokratischer Mode und eines Diskurses der Macht: \u201eIn recent years, fashion discourse has, to a large extent, become a discourse of rights.\u201c Diese Rechte beziehen sich auf eine allgemein geteilte Ansicht, dass Luxusmode f\u00fcr alle erschwinglich sein sollte: \u201eThe masses\u2018 right to consume elite fashion; the right of the less-fortunate to partake in this ample goodness, usually reserved for those with means.\u201c<\/p>\n<p>Was daran demokratisch sein soll, sieht Choufan genauso wenig wie ich, vielmehr ist es doch die Nutzung dieses Begriffs in diesem Zusammenhang, die sowohl der Mode als auch dem Verst\u00e4ndnis der Demokratie schadet: \u201eEven if it serves to promote romantic ideas, there is nothing democratic about H&amp;M\u2019s capsule collection, or about fashion as a whole, which itself has nothing to do with democratic rights [\u2026].\u201c<\/p>\n<p>Den Grund f\u00fcr das zunehmende Auftauchen des Begriffs der Demokratie im Modediskurs sieht er in der hohen Sichtbarkeit von Mode, die wiederum zur Ansicht beitragen w\u00fcrde, jeder h\u00e4tte das Recht, diese auch zu konsumieren. Das hat einen wesentlichen Einfluss auf die Kleidungsproduktion, die auf eine sich \u00e4ndernde Nachfrage reagiert. Mode muss schneller, effizienter und g\u00fcnstiger produziert werden. Ebenso muss sie nicht nur den K\u00f6rpern traditionell modeaffiner oder reicher oder wie auch immer gearteter Menschen, die in der Lage sind, Mode zu kaufen und zu tragen, passen, sondern allen, denn schlie\u00dflich sind heute alle mehr oder weniger modeaffin.<\/p>\n<p>Die Idee demokratischer Mode bringt begrenzte Optionen mit der Annahme eines Rechtes auf mehr Optionen zusammen. Aber aus der prinzipiellen M\u00f6glichkeit, ein Objekt zu kaufen, resultiert nicht automatisch auch das Recht darauf, dies zu tun, jedoch wird eben das, so die Argumentation Choufans, angenommen. W\u00e4hrend er die Sichtbarmachung diverser K\u00f6rpertypen oder Bekleidungsvorlieben durchaus als legitim erachtet, ist eine daraus erwachsende Forderung an Bekleidungshersteller, diese auch ad\u00e4quat zu kleiden, geradezu absurd.<\/p>\n<p>Choufan schreibt: \u201eFashion designers are not obliged to offer plus size, or petite sizes, or shirt designed for left-handed people, just as costumers are not obliged to purchase them.\u201c Es ist eben diese Forderung, die, so Choufan, Mode zerst\u00f6rt: \u201eThe demand to buy a lot for a little [\u2026] and to buy \u201adesigner-like\u2018 clothes at lower prices, has created a constant downward spiral.\u201c Das, was von einem westlichen Konsumenten als demokratisch empfunden werden mag, ist nur auf Kosten anderer m\u00f6glich.<\/p>\n<p>David Kurt Karl Roth und Jakob Haupt von Dandy Diary hatten einen \u201eWerbefilm\u201c f\u00fcr die Alexander Wang-H&amp;M Kollaboration gedreht. <a title=\"foto dandy diary in journelles\" href=\"http:\/\/cdn.journelles.de\/wp-content\/uploads\/2014\/11\/Dandy-Diary-Alexander-Wang-H-and-M-HM-child-labour-india-carl-jakob-haupt-david-kurt-karl-roth-II-1600x900-980x551.jpg\" target=\"_blank\">Kinder<\/a> in einer Bekleidungsproduktionsst\u00e4tte in Indien hatten darin stolz verk\u00fcndet, Teil der Produktion zu sein. Es ging eine Welle sowohl der Emp\u00f6rung als auch der Sympathiebekundungen durch das Internet, die letztlich zu einer anwaltlichen Abmahnung der beiden Blogger durch H&amp;M und der L\u00f6schung des Films samt begleitendem <a title=\"blog dandydiary\" href=\"http:\/\/dandydiary.de\/verboten-alexander-wang-x-hm-fair-trade-fashion\/\" target=\"_blank\">Blogpost<\/a> f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung daf\u00fcr seitens des Unternehmens war, dass das Video ein <a title=\"artikel journelles\" href=\"http:\/\/www.journelles.de\/die-antwort-von-hm-auf-das-dandy-diary-video\/\" target=\"_blank\">Fake<\/a> sei. Es soll an dieser Stelle nicht darum gehen, die Echtheit dieses Belegs zu diskutieren. Selbst wenn sich die beiden in diesem Fall einen Spa\u00df erlaubt haben sollten, so wiesen sie damit doch auf einen Tatbestand hin, der die tats\u00e4chlichen Kosten so genannter demokratischer Mode zeigt.<\/p>\n<p>In Bangladesch starben 2012 120 Arbeiterinnen und Arbeiter bei einem Brand in einer Bekleidungsfabrik, die u.a. Ware f\u00fcr C&amp;A, Carrefour, Kik und Walmart produzierte. Untersuchungen ergaben \u00e4hnliche Ursachen f\u00fcr diese Katastrophe wie bei einem vergleichbaren Vorfall in Pakistan wenige Monate davor (<a title=\"artikel sz\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/braende-in-pakistanischen-textilfabriken-mehr-als-tote-ermittlungen-wegen-terrorismus-1.1466092\" target=\"_blank\">SZ, 12.9.2012<\/a>): abgesperrte Notausg\u00e4nge, vergitterte Fenster, gef\u00e4lschte Sicherheitszertifikate, korrupte Fabrikbesitzer. Als Begr\u00fcndung daf\u00fcr, warum an den Zust\u00e4nden nichts ge\u00e4ndert wird, geben Unternehmer immer wieder den Druck der Weltwirtschaft an.<\/p>\n<p>In einem Kommentar in der S\u00fcddeutschen Zeitung (<a title=\"kommentar sz\" href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/wirtschaft\/nach-brand-in-textilfabrik-modetrends-in-europa-tote-in-bangladesch-1.1533689\" target=\"_blank\">SZ, 26.12.2012<\/a>) fragen Karin Steinberger und Stefan Weber: \u201eMillionen von Menschen arbeiten in den Bekleidungsfabriken Bangladeschs. Die Textilindustrie ist der wichtigste Industriezweig des Landes. Knapp zehn Prozent aller Textilimporte von Europa kommen aus Bangladesch, das nach China und der T\u00fcrkei der drittgr\u00f6\u00dfte Exporteur von Kleidung nach Europa ist. In einer Umfrage unter den Einkaufschefs gro\u00dfer Modeunternehmen nannten mehr als drei Viertel der Befragten Bangladesch als das am st\u00e4rksten aufstrebende Einkaufsland f\u00fcr Textil. Aber zu welchem Preis?\u201c Choufan schreibt 2013: \u201eThe truth is, the majority of products sold in current retail chains is so withered and pitiable, so revealing of its unkempt sources, that there is nothing more cynical, or even ironic, than a polyester shirt that can be purchased for pennies.\u201c<\/p>\n<div id=\"attachment_3784\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/kupka_wang.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3784\" class=\"size-large wp-image-3784\" title=\"kupka_wang\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/kupka_wang-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"926\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/kupka_wang-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/kupka_wang-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/kupka_wang.jpg 1224w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3784\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Mahret Kupka<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich tippe diese Zeilen und trage dabei u.a. ein paar Kniestr\u00fcmpfe aus der H&amp;M Wang Kollektion. Die Katze bei\u00dft sich in den Schwanz. Ich glaube nicht, dass die L\u00f6sung in einem Konsumverzicht zu finden ist. Ich glaube aber ganz sicher, dass ein bewusster Konsum, eine stete Reflektion der eigenen Bed\u00fcrfnisse die Richtung hin zu einem ma\u00dfvollen Umgang mit den Dingen weist. So kann beispielsweise ein angemessener Preis f\u00fcr ein wei\u00dfes T-Shirt einem Bekleidungsproduzenten am anderen Ende der Welt einen vern\u00fcnftigen Unterhalt sichern.<\/p>\n<p>Es gilt das Bewusstsein zu schulen daf\u00fcr, dass ein Pailettentop f\u00fcr 10 EUR eigentlich gar nicht existieren kann, dass jedes einzelne schimmernde, an mein Party-Shirt gen\u00e4hte Teil irgendwann in den H\u00e4nden eines Menschen lag, der daf\u00fcr m\u00f6glicherweise eine ganze Familie zu ern\u00e4hren hat. Wer ist \u00fcberhaupt dieser Wang? Muss ich mich unbedingt in eine fancy Windjacke pressen um zu zeigen, dass ich auf der H\u00f6he der Zeit bin? Und was ist das \u00fcberhaupt f\u00fcr eine Zeit, auf deren H\u00f6he ich mich stolz zu pr\u00e4sentieren gedenke?<\/p>\n<div id=\"attachment_3785\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/wang_press.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3785\" class=\"size-large wp-image-3785\" title=\"wang_press\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/wang_press-1024x714.jpg\" alt=\"\" width=\"695\" height=\"484\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/wang_press-1024x714.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/wang_press-300x209.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/wang_press-768x536.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/wang_press.jpg 1558w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3785\" class=\"wp-caption-text\">Wang f\u00fcr H&amp;M<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mode und Demokratie sind zwei Dinge, die ihrem Wesen nach nichts miteinander zu tun haben. Mode lebt nicht davon, dass jeder mitentscheiden darf, was sie ausmacht, und sie lebt auch nicht davon, dass sich jeder in ihr kleidet. Mode ist nicht authentisch, demokratisch und f\u00fcr alle da. Mode bestimmt nicht, Mode wertet nicht, sie zeigt allein das momentan Relevante und spiegelt gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen. Mode funktioniert nach einer Logik des \u201ein\u201c und \u201eout\u201c. Das was \u201ein\u201c ist, schlie\u00dft automatisch etwas anderes aus. Mode ist relativ. Die Idee, sie k\u00f6nne f\u00fcr alle da sein, macht automatisch jene, die nicht von diesem \u201ealle\u201c erfasst sind, unsichtbar.<\/p>\n<p>Demokratische Mode ist letztlich ein Mythos, dessen Realisierung zuungunsten derer geschieht, die sie tragen, ohne sie tats\u00e4chlich tragen zu k\u00f6nnen. Insofern ist dieser Begriff eine T\u00e4uschung, die mit der Idee einer spezifischen Herrschaftsform nichts gemein hat. Je mehr an einer Seite ge\u00f6ffnet wird, desto mehr verschlie\u00dft sich eine andere zugunsten eines Gleichgewichts. Je n\u00e4her ich meiner Idee von Luxus durch ein Unternehmen wie H&amp;M komme, desto weiter entfernt sich dieser von der N\u00e4herin am anderen Ende der Welt, und welches Recht habe ich, ihr diesen zu verwehren?<\/p>\n<p>Der belgische Modedesigner Dries van Noten erkl\u00e4rt seine Absage an das schwedische Unternehmen H&amp;M, eine g\u00fcnstige Kollektion zu entwerfen, im Juni 2014 in einem Interview mit der S\u00fcddeutschen Zeitung mit den folgenden Worten: \u201eWir versuchen ehrliche Preise zu machen. Bei H&amp;M m\u00fcsste alles f\u00fcr 19 oder 25 Euro zu haben sein. Das ist schlichtweg nicht m\u00f6glich. [\u2026] Um Hemden f\u00fcr 19 Euro zu verkaufen \u2013 sorry, f\u00fcr 19 Euro kriegen wir nur die Kn\u00f6pfe. Manchmal sieht man bei Zara, Mango oder H&amp;M eine ganze Bomberjacke zur H\u00e4lfte des Preises, den wir f\u00fcr den Rei\u00dfverschluss zahlen.\u201c (S\u00fcddeutsche Zeitung. Wochenendbeilage. 28.06.2014).<\/p>\n<p>Dieser Rei\u00dfverschluss wurde dann hoffentlich an einem Ort produziert, an dem die Mitarbeiter nicht w\u00e4hrend der Produktion um ihr Leben f\u00fcrchten m\u00fcssen, an dem sie auch soziale Absicherung genie\u00dfen und der ihnen einen Lohn garantiert, der sie ihre Familien ern\u00e4hren l\u00e4sst. Ich finde, darauf kann man ruhig ein bisschen sparen!<\/p>\n<p>Ich habe die komplette Wang-Bestellung zur\u00fcckgeschickt. Dachte mir dabei, wenigstens dem Hermes-Paketboten sein Auskommen zu sichern. Seltsame Logik! Die Socken habe ich behalten. Vollends ausgereift sind diese Gedanken nicht, so aber vielleicht ein Denken in eine vern\u00fcnftige Richtung. Ich bin gespannt zu sehen, was die n\u00e4chste H&amp;M-Kollaboration mit mir machen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website kupka\" href=\"http:\/\/mahretkupka.de\/\" target=\"_blank\">Mahret Kupka<\/a> ist Kuratorin Mode, K\u00f6rper &amp; Performatives am Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main.<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cMode Oktober&lt;br \/&gt;&lt;i&gt;&lt;small&gt;von Sabina Muriale&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;12.10.2014&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=3687&amp;action=edit\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mode f\u00fcr alle<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[517,923,1420,1541,1837,2499],"class_list":["post-3779","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-demokratie","tag-hm","tag-mahret-kupka","tag-mode","tag-pop-zeitschrift-2","tag-wang"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3779"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3779\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}