{"id":3798,"date":"2014-11-17T09:44:13","date_gmt":"2014-11-17T07:44:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=3798"},"modified":"2014-11-17T09:44:13","modified_gmt":"2014-11-17T07:44:13","slug":"das-biennaleske-oder-ein-besuch-bei-den-castingshows-des-kunstbetriebsvon-jorg-scheller17-11-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2014\/11\/17\/das-biennaleske-oder-ein-besuch-bei-den-castingshows-des-kunstbetriebsvon-jorg-scheller17-11-2014\/","title":{"rendered":"Das Biennaleske oder: Ein Besuch bei den Castingshows des Kunstbetriebsvon J\u00f6rg Scheller17.11.2014"},"content":{"rendered":"<div>\n<div>\n<p>Simultaneit\u00e4t von Starkult und emerging artists, von Standortpolitik und Kunstautonomie<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><!--more--><\/p>\n<div>\n<div>\n<p>[zuerst erschienen in: Caroline Y. Robertson-von Trotha (Hg.), Celebrity Culture. Stars in der Mediengesellschaft, Baden-Baden: Nomos Verlag, 2013]<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: left\">Der Himmel \u00fcber St. Moritz ist von k\u00fchlem, frischem Blau. Auf der Terrasse des Luxushotels Badrutt\u2019s Palace parlieren die siegelringtragenden G\u00e4ste \u00fcber Investmentm\u00f6glichkeiten und Feriendestinationen, hinter ihnen ragt unersch\u00fctterlich die Bergkulisse \u00fcber dem St. Moritzersee auf. Von Zeit zu Zeit f\u00e4llt leichter Sommerregen auf Versace-T\u00e4schchen und Maybach-K\u00fchlerhauben.<\/p>\n<p>An diesem Augustnachmittag des Jahres 2011 versteht man, warum der erkl\u00e4rte Aristokrat und Engadin-Urlauber Nietzsche 1884 in einem Brief \u00fcber das nahe gelegene Sils Maria schrieb: \u201eHier ist gut leben, in dieser starken hellen Luft, hier, wo die Natur auf wunderliche Weise zugleich mild, feierlich und geheimni\u00dfvoll ist \u2013 im Grunde gef\u00e4llt mir\u2019s nirgendswo so gut als in Sils Maria.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Erhabene Natur einerseits, gro\u00dfb\u00fcrgerliches bis aristokratisches Ambiente andererseits haben St. Moritz schon im fr\u00fchen 20. Jahrhundert zu einer Drehscheibe des Jetsets der Reichen und Sch\u00f6nen, der Politiker, Medienstars, Unternehmer, Investoren, Dandys und Adligen gemacht. Alle von Rang und Namen waren hier \u2013 von Thomas Mann \u00fcber den Schah von Persien bis hin zu Greta Garbo. Sie wohnten Pferderennen bei, fieberten beim Roulette im Kasino, dinierten in Gourmetlokalen, fuhren Ski, entspannten in einem der B\u00e4der, bauten sich Chalets am Silvretta-Hang. Mittlerweile aber hat St. Moritz seine besten Tage hinter sich. Seit einiger Zeit stagniert der Tourismus, wenden sich die (Einfluss-)Reichen und Sch\u00f6nen exotischeren Luxusenklaven zu.<a title=\"\" href=\"#_ftn2\"><sup><sup>[2]<\/sup><\/sup><\/a> Was tun?<\/p>\n<p>Der Himmel \u00fcber St. Moritz ist von k\u00fchlem, frischem Blau \u2013 noch. Auf der Terrasse des Badrutt\u2019s Palace haben sich Menschen versammelt, die auf etwas zu warten scheinen. Die H\u00e4lse gereckt, blicken sie in den Himmel, nesteln an ihren Digitalkameras und \u2013 da! Ein Punkt n\u00e4hert sich rasch von Nordost, wird erkennbar als Helikopter, an dessen Unterseite etwas festgezurrt ist, was da eigentlich nicht hingeh\u00f6rt: der Chinese Li Wei (Abb. 1).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3806\" title=\"scheller 1\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-1.png\" alt=\"\" width=\"335\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-1.png 335w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-1-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 335px) 100vw, 335px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 1: Projekt ,Lingua Franca\u2018, Kunstperformance von Li Wei; Quelle: St. Moritz Art Masters.<\/p>\n<p>Was macht der da, au\u00dfer, nun ist es zu erkennen, eigenartigen bunten Rauch zu verstr\u00f6men? Li z\u00e4hlt zur aufstrebenden Gattung asiatischer Stunt- und Spektakelk\u00fcnstler, baut gerne mit Menschenleibern lustig-sinnlose Skulpturen und fliegt heute h\u00f6chstpers\u00f6nlich farbstreifenverspr\u00fchend durch das Engadin. Das Ganze wird selbstverst\u00e4ndlich dokumentiert \u2013 ein St\u00fcck bemalten Sommerhimmels l\u00e4sst sich schwer verkaufen.<\/p>\n<p>Lis schrille Performance war Teil der St. Moritz Art Masters (SAM), die 2011 zum vierten Mal stattfanden. Die Ausstellungsreihe lud \u201eregionale, nationale und internationale K\u00fcnstler und Galerien\u201c ins Engadin ein, um eine, wie es im Pressetext hei\u00dft, \u201eeinzigartige und facettenreiche Erlebniswelt\u201c zu erschaffen.<a title=\"\" href=\"#_ftn3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> Die ganze Region wurde dabei getreu dem an Biennalen orientierten Prinzip der <em>large scale exhibitions<\/em> j\u00fcngeren Datums<a title=\"\" href=\"#_ftn4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> als \u201eWalk of Art\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> in das Programm miteinbezogen.<\/p>\n<p>Dazu z\u00e4hlten unter anderem die \u201eEngadin Art Talks\u201c mit prominenten G\u00e4sten wie Hans-Ulrich Obrist, Sarah Morris und Lawrence Weiner (in einer Turnhalle in Zuoz), weitere Kunstperformances am Ufer des St. Moritzersees (etwa Ferran Martins <em>fire sculpture<\/em>) und Ausstellungen an \u201egew\u00f6hnlichen und ungew\u00f6hnlichen Orten\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> wie Galerien, Museen, Hotels, Kirchen oder einem verlassenen Schwimmbad \u2013 alles gut zu erreichen mit dem Limousinen-Shuttle.<\/p>\n<p>Im vorliegenden Text werden die SAM als beispielhaftes Event f\u00fcr eine hybride globale Gegenwartskultur er\u00f6rtert, die sich am deutlichsten auf Kunstbiennalen manifestiert.<a title=\"\" href=\"#_ftn7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> Im Zentrum des Interesses steht die Simultaneit\u00e4t von Starkult und <em>emerging artists<\/em>, von Kritik und Kommerz, von Globalisierung und Glokalisierung, von Standortpolitik und Kunstautonomie. Diejenigen Festivals f\u00fcr internationale Gegenwartskunst wie die SAM, welche nicht zwingend alle zwei Jahre, aber doch kontinuierlich stattfinden, werden als ,Biennalesken\u2018 bezeichnet, um sie einerseits von der Biennale di Venezia abzugrenzen und sie andererseits in denselben genealogischen und strukturellen Zusammenhang einzur\u00fccken. Abschlie\u00dfend wird die These vertreten, dass Biennalen und Biennalesken heute eine \u00e4hnliche Rolle im Kunstbetrieb spielen wie Castingshows<\/p>\n<p>Bewusst werden nicht nur Kunst-Stars und -Celebrities pr\u00e4sentiert, sondern auch weitgehend unbekannte Namen, bevorzugt aus ehemals \u201aperipheren\u2018 Regionen. Neben dem \u201eBekannt-Sein\u201c als Grundprinzip von Starkult und Celebritykultur hat sich das \u201eBekannt-Werden\u201c und \u201eBekannt-Machen\u201c als integraler Bestandteil der Popkultur wie auch der Gegenwartskunst etabliert, wof\u00fcr sich flexible, dynamische Formate wie Biennalen am besten eignen.<\/p>\n<p>Dabei gilt: Je wolkiger die Ausstellungsmotti (etwa ,Making Worlds\u2018 oder ,ILLUMInazioni\u2018 auf den Biennalen von Venedig 2009 und 2011 oder ,Lingua Franca\u2018 bei den SAM 2011) und je internationaler die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, desto geringer das Risiko f\u00fcr Veranstalter wie auch Besucher: \u201eJeder kann sich sein Gegenwarts-Kaleidoskop zusammenstellen, denn f\u00fcr alle Besucher halten die gro\u00dfen \u00dcberblicksschauen mindestens ein paar Eindr\u00fccke bereit, die nachwirken und f\u00fcr die es sich dann auch gelohnt hat zu kommen.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ins Leben gerufen wurde die Biennaleske SAM im Jahr 2008 als zehnt\u00e4giges, j\u00e4hrlich stattfindendes Kunstfestival. Ziel der Veranstalter war es, dem darbenden Tourismus der Region ein wenig auf die Spr\u00fcnge zu helfen und das patinierte Image der Stadt aufzufrischen \u2013 in dieser Hinsicht teilen die SAM eine \u00e4hnliche Gr\u00fcndungssituation mit der Biennale di Venezia (Abb. 2), welche prim\u00e4r zur kultur\u00f6konomischen Revitalisierung der Serenissima diente.<a title=\"\" href=\"#_ftn9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3807\" title=\"scheller 2\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-2.png\" alt=\"\" width=\"335\" height=\"195\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-2.png 335w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-2-300x175.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 335px) 100vw, 335px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Abb. 2: Neue Fassade des Ausstellungsgeb\u00e4udes, 18. Biennale von Venedig, 1932; Quelle: aus der Sammlung des Autors.<\/p>\n<p>Mit Reiner Opoku wurde ein Mann als Kurator eingesetzt, der Kunst nicht als das gro\u00dfe Andere betrachtet, sondern als selbstverst\u00e4ndlichen Teil des zeitgen\u00f6ssischen Warensortiments und des symbolischen Kapitals. So hatte Opoku vor seinem SAM-Mandat unter anderem das K\u00f6lner Kunstkaufhaus ,Kunsthaus\u2018 mitbegr\u00fcndet und sich als Anbieter eines Kunst-Investmentfonds versucht. Der eigentliche Initiator der SAM wiederum, Monty Shadow, ist als ehemaliger Playboy-Fotograf, Branding- und Marketing-Experte sowie Event-Impresario \u201eim Dauerverkehr zwischen Ober- und Unterwelt unterwegs\u201c,<a title=\"\" href=\"#_ftn10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a> wie Bazon Brock einmal treffend bemerkte.<\/p>\n<p>Und was l\u00e4ge heute auch n\u00e4her, als Standortmarketing mit zeitgen\u00f6ssischer Kunst zu betreiben? Schlie\u00dflich haben im postindustriellen Zeitalter weiche Standortfaktoren deutlich an H\u00e4rte gewonnen. W\u00e4hrend sich Heavy-Metal-Festivals trotz der fortschreitenden Feuilletonisierung des Genres bis auf Weiteres nicht als Society-Events eignen, ist die Gegenwartskunst ein globaler, immer mehr Gesellschaftsschichten umfassender Boom-Sektor, \u00fcber den auch in der <em>Vogue<\/em> oder in der <em>Vanity Fair<\/em> berichtet wird.<\/p>\n<p>Weder die frei flottierenden Quasi-Avantgardismen und Idiosynkrasien noch die kritische Emphase oder die Hermetik der zeitgen\u00f6ssischen Kunst schrecken das Publikum ab \u2013 dies wiederum ein Unterschied zur Biennale di Venezia zur Zeit ihrer Gr\u00fcndung 1895, als ein eher konservatives Salon-Programm die Ausstellung dominierte. Im Gegenteil: Gegenwartskunst ist aktuell die produktivste Schnittstelle zwischen Oligarchie und Underground, Kritik und Kommerz, Tourismus und Erkenntnis, Hype und Diskurs, Mode und Widerstand, <em>stardom<\/em> und <em>understatement<\/em>, <em>celebrity<\/em> und <em>integrity<\/em>.<\/p>\n<p>Trotz der stetig wachsenden Bedeutung des Kunstmarkts und der vielen <em>friendly takeovers<\/em> durch die Tourismus- und Modeindustrie haftet ihr \u00fcberdies der hartn\u00e4ckige Ruf an, <em>per se<\/em> eine ethisch-kritische Agenda zu vertreten, wie etwa Peter Sloterdijk in einem Interview suggerierte: \u201eLeute mit hoher ethischer Motivation gehen heute eher in k\u00fcnstlerische oder therapeutische Berufe\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Gerade auf denjenigen sich selbst als zeitgem\u00e4\u00df-progressiv verstehenden Kunstfestivals, die dem ,White Cube\u2018 Lebewohl sagen und den gesamten urbanen \u2013 und wie bei den SAM auch l\u00e4ndlichen \u2013 Raum miteinbeziehen, entstehen veritable Sittengem\u00e4lde einer Gegenwart voller Widerspr\u00fcche. So z\u00e4hlte etwa der t\u00fcrkische Gro\u00dfunternehmer Mustafa V. Ko\u00e7 mit seiner Ko\u00e7 Holding zu den Sponsoren der 11. Istanbul Biennale, die mit ihrem von Bertolt Brecht entlehnten Motto ,What Keeps Mankind Alive?\u2018 eine dezidiert linksalternative, kapitalismuskritische Agenda vertrat. Bezeichnend ist, dass diese inhaltliche Dimension in der Pressemitteilung der Ko\u00e7 Holding anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung der Biennale erst ganz am Ende fl\u00fcchtig erw\u00e4hnt wurde. Den Anfang \u2013 und damit den impliziten Schwerpunkt \u2013 bildeten Statements zum Stadtmarketing:<\/p>\n<p>\u201eThe hosting made by Istanbul as being one of the popular cities of the world and the 2010 European Capital of Culture assigns a more special meaning to the Biennial. By hosting such an invaluable art event, Istanbul will by far become a center of attraction in the global art circles and contribute to the development of our country with projects enhancing urban life.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Hier zeigt sich, wie zwanglos der Kapitalismus die Kapitalismuskritik zu assimilieren versteht \u2013 das christliche Prinzip \u201eliebet eure Feinde\u201c jedenfalls praktiziert er heute mitunter glaubhafter als die Christen selbst. Luc Boltanski und \u00c8ve Chiapello haben treffend argumentiert, dass es gerade die Kritik gewesen sei, die den Kapitalismus bislang am Leben erhalten habe.<a title=\"\" href=\"#_ftn13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Bei den SAM war 2011 eine noch drastischere Form der Simultaneit\u00e4t von Spektakel (etwa Li Weis Flugstunde), Diskurs (etwa die ,Engadin Art Talks\u2018), Kapitalismuskritik (etwa Alejandro Diaz\u2019 ironische Neon-Installation <em>happiness is expensive<\/em> vor einem Torbogen der Altstadt, Abb. 3), exklusivem Sponsoring (unter anderem durch Finanzdienstleister, Premium-Autohersteller, Luxushotels) und pittoresken Schaupl\u00e4tzen zu beobachten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3808\" title=\"scheller 3\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-3.png\" alt=\"\" width=\"179\" height=\"269\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 3: Projekt ,Lingua Franca\u2018, Alejandro Diaz; Quelle: St. Moritz Art Masters.<\/p>\n<p>Das Festival musste sich einerseits ausreichend marktkonform, unterhaltsam, komfortabel und b\u00fcrgerlich pr\u00e4sentieren, um die gut bis bestens situierte Klientel nicht zu verprellen.<a title=\"\" href=\"#_ftn14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> Andererseits musste es durchaus auch spr\u00f6de, kritisch, kompliziert und <em>challenging<\/em> zugehen, um nicht den Verdacht zu erwecken, man begn\u00fcge sich mit einer blo\u00dfen Bebilderung des Status quo. An letzterem best\u00e4ndig zu kratzen geh\u00f6rt in K\u00fcnstlerkreisen wie auch in Vorstandsetagen mittlerweile zum guten Ton.<a title=\"\" href=\"#_ftn15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a> In der Managementliteratur spricht man in diesem Zusammenhang von <em>commodify your dissent<\/em>.<a title=\"\" href=\"#_ftn16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wohl deshalb stellte es in St. Moritz auch kein Problem dar, dass der Schweizer K\u00fcnstler Jules Spinatsch ein Qu\u00e4ntchen Sozialkritik einbrachte, indem er vor dem Kempinski Grand Hotel des Bains eine Installation mit \u00dcberwachungskamera-Bildern pr\u00e4sentierte, aufgenommen am Wiener Opernball (Abb. 4).<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-3809\" title=\"scheller 4\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-4.png\" alt=\"\" width=\"335\" height=\"223\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-4.png 335w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-4-300x200.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 335px) 100vw, 335px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 4: Walk of Art, Jules Spinatsch; Quelle: St. Moritz Art Masters.<\/p>\n<p>Ein bisschen verh\u00e4lt es sich bei standortveredelnden Gegenwartskunstfestivals, von den \u00fcblichen Ausnahmen abgesehen, wie mit einem sadomasochistischen Rendezvous: Sie sollen schmerzen, aber gleichzeitig Lust bereiten; in Erinnerung bleiben, aber keine unsch\u00f6nen Narben hinterlassen. Zuckerbrot und Peitsche sind deshalb die wichtigsten kuratorischen Instrumente. Wurde man bei Spinatsch eher nachdenklich gestimmt, so konnte man sich in der Galerie Gmurzynska, wo bereits Sylvester Stallone seine Gem\u00e4lde ausstellte, bei den sch\u00f6nsten Nackedeis aus dem Pirelli-Kalender erholen. Wenn schon <em>anything goes<\/em>, dann wirklich <em>anything<\/em>.<\/p>\n<p>Weiterhin m\u00fcssen die SAM \u2013 wie auch die documenta oder die Biennale di Venezia \u2013 einerseits mit gro\u00dfen Namen aufwarten, andererseits aber eine F\u00fclle spannender Neuentdeckungen aus m\u00f6glichst vielen Erdteilen aufbieten. Das Starprinzip gilt heute wenig ohne die simultane Pr\u00e4sentation der <em>emerging stars<\/em>, ob in der Mode, in der ,New Economy\u2018 oder eben im Kunstbetrieb. Sicherlich hat das Internet zu diesem Wandel beigetragen:<\/p>\n<p>\u201eThe celebrity culture has definitively been decentralized by the influence of social networks such as Facebook. Multiple star systems with their own codes and platforms have broken up the influence that appraisals by Gala or Vogue once had. We are seeing networking and positioning strategies develop beyond the saturated celebrity scene of the [Venice, J.S.] Biennale opening, which are mirrored in the glossy magazines.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn17\"><sup><sup>[17]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Eine Biennaleske wie die SAM 2011 verk\u00f6rperte \u201emultiple star systems\u201c in Reinform. So k\u00f6nnen die Stadt St. Moritz und die Region Engadin als ,Star-Standorte\u2018 oder ,Standort-Stars\u2018 bezeichnet werden, die bereits in B\u00fcchern, Fotos, Filmen oder Zeitungsartikeln mal huldvoll, mal kritisch kanonisiert worden sind \u2013 von Nietzsche bis hin zu <em>Vogue<\/em> und <em>Manager Magazin<\/em>. Auf dieser Plattform mit ihrem verblassenden Edel-Image wiederum konnten gut informierte, diskursgewandte Neulinge aus den globalen Biennalebr\u00fctern umso wirksamer in Szene gesetzt werden.<\/p>\n<p>Folgerichtig waren neben publikums- und pressewirksamen Kunstmarkt-Celebrities wie Jonathan Meese aufstrebende junge K\u00fcnstlerinnen wie die Chinesin Jennifer Wen Ma vertreten, die als Land-Art-Intervention den von Nietzsche entlehnten Schriftzug \u201eAmor Fati\u201c mit schwarzer chinesischer Tinte auf einer Grasfl\u00e4che am St. Moritzersee anbrachte (Abb. 5).<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt stellte Asien bei den SAM 2011 einen Schwerpunkt dar\u00a0\u2013\u00a0ein Beleg f\u00fcr die gegenwartsdiagnostische Relevanz von Biennalen und Biennalesken, die schneller auf geopolitische Ver\u00e4nderungen reagieren k\u00f6nnen als die Museen mit ihren st\u00e4ndigen Sammlungen. Stets sind sie \u201eclosely related to the major changes in politics, economics and the wider culture often described as ,globalisation\u2018\u201c und verdanken ihren weltweiten Erfolg insbesondere \u201eversatility, resilience and high degree of popularity\u201c.<a title=\"\" href=\"#_ftn18\"><sup><sup>[18]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-3810\" title=\"scheller 5\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-5.png\" alt=\"\" width=\"335\" height=\"226\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-5.png 335w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2014\/11\/scheller-5-300x202.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 335px) 100vw, 335px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Abb. 5: Projekt ,Lingua Franca\u2018, Jennifer Wen Ma; Quelle: St. Moritz Art Masters.<\/p>\n<p>Warteten Biennalen und Biennalesken nur mit einem Defilee etablierter Positionen auf, w\u00fcrden sie ihren W\u00fcnschelrutencharakter einb\u00fc\u00dfen, der dem Besucher Goldgr\u00e4berstimmung verhei\u00dft. So d\u00fcrfte auch der erw\u00e4hnte Alejandro Diaz den wenigsten Besuchern der SAM bekannt gewesen sein. Geboren 1963, vertrat er mit seiner lakonischen Kapitalismuskritik die \u00e4ltere Generation, welche im internationalen Kunstbetrieb seit einigen Jahren vermehrt mit Neu- und Wiederentdeckungen gew\u00fcrdigt wird (etwa Carmen Herrera, geb. 1915 in Kuba, oder Y\u00fcksel Arslan, geb. 1933 in Istanbul). Man ist eben immer so alt, wie man ausgestellt wird.<\/p>\n<p>Wie kaum ein anderes Kunstfestival verk\u00f6rpern die St. Moritz Art Masters den Geist des zeitgen\u00f6ssischen Kunstbetriebs zwischen Globalisierung und Glokalisierung, Inklusion und Exklusion, Luxus und Diskurs, Starkult und Nachwuchspflege. Die Engadiner Biennaleske ist angesiedelt im Spannungsfeld zwischen dem pittoresken Celebrity-Glamour der Mutter aller Biennalen, der Biennale di Venezia, und den \u00fcberwiegend kritischen, diskurslastigen und dezidiert transnationalen Biennalen j\u00fcngeren Datums, deren Zahl sich seit den 1980er-Jahren explosionsartig vermehrt hat \u2013 gerade auch in den postkommunistischen 1990er-Jahren und damit parallel zur Ausbreitung des Kapitalismus in Staaten wie China und Russland.<a title=\"\" href=\"#_ftn19\"><sup><sup>[19]<\/sup><\/sup><\/a> Ausschlaggebend bei den neuen Gro\u00dfkunstfestivals ist dabei das Moment der Simultaneit\u00e4t jenseits der postmodernen Emphase von \u201eCross the Border, Close the Gap\u201c.<\/p>\n<p>Aufgrund ihrer Schnittstellenfunktion zwischen <em>established<\/em> und <em>emerging<\/em> erf\u00fcllen Biennalen und Biennalesken die Funktion von Castingshows f\u00fcr den zeitgen\u00f6ssischen Kunstbetrieb. Das ist nicht im despektierlichen Sinne gemeint. Die Diagnose ist g\u00e4nzlich n\u00fcchterner Natur. W\u00e4hrend die Museen \u2013 wollen sie ein gewichtiges Alleinstellungsmerkmal bewahren \u2013 tendenziell weiterhin dazu dienen, den Status von Kunst-Stars zu verfestigen, bilden Festivals wie SAM einen <em>melting pot<\/em> aufstrebender K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler, aus dem sich Museen und Sammler sp\u00e4ter bedienen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In dialektischer Hinsicht verst\u00e4rkt die Kombination mit etablierten Positionen diesen Eindruck noch: Wenn aufgestrebt wird, so muss markiert werden, wo ,oben\u2018 ist. Wird auf den Biennalen und Biennalesken auch keine Kunst direkt verkauft, so \u00e4hnelt die Situation doch jener im <em>Salon de Paris<\/em> des 18. Jahrhunderts, wo ebenfalls prominente und noch unbekannte K\u00fcnstler vertreten waren, und der in den <em>livrets<\/em> schon damals als \u201eFest\u201c bezeichnet wurde: \u201eF\u00fcr die K\u00fcnstler war der \u00f6ffentliche Salon ein tempor\u00e4res Ziel, die Sammlungen von Privatleuten oder des K\u00f6nigs der definitive Bestimmungsort der Werke.\u201c<a title=\"\" href=\"#_ftn20\"><sup><sup>[20]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wichtig ist also nicht, wie wichtig die Festival-K\u00fcnstler sind, sondern wie wichtig sie werden k\u00f6nnten. Ohnehin kompensieren die Exotik, die urbane Dynamik oder das L\u00e4ndlich-Pittoreske der jeweiligen Schaupl\u00e4tze etwaige Promidefizite. So wurde etwa bei der \u00d6ffentlichkeitsarbeit zur 54. Biennale di Venezia gro\u00dfen Wert darauf gelegt, dass ein Drittel der Ausstellenden unter 35 Jahre alt und damit noch nicht kanonisiert sei.<\/p>\n<p>Vorrangig f\u00fcr die jeweiligen Kuratoren der neuen und neuesten Biennalen oder Biennalesken ist es, einen Querschnitt der globalen Szene abzubilden und so einen Eindruck gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher demokratischer Heterogenit\u00e4t zu erzeugen \u2013 Nerds und Strategen, Jung und Alt, Ost und West, Internationales und Regionales etc.<\/p>\n<p>Dasselbe Prinzip erleben wir \u2013 f\u00fcr ein anderes Zielpublikum und mit bewusst asymmetrisch inszenierten Machtverh\u00e4ltnissen \u2013 bei Castingshows und Talentwettbewerben wie <em>Das Supertalent<\/em> oder <em>Star Search<\/em>, die zunehmend darauf bedacht sind, neben mythenkonformen Traumfiguren auch den K\u00fcblb\u00f6ck- oder Potts-Faktor zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Die mit der Globalisierung einhergehende Biennalisierung bedeutet f\u00fcr den Kunstbetrieb eine Demokratisierung des Starprinzips und des Celebritykults \u2013 auch wenn diese Demokratisierung mitunter, gleichsam in der Tradition des aufgekl\u00e4rten Absolutismus, einzig am Tropf der Sponsoren h\u00e4ngt wie im Engadin. <em>Emerging<\/em> aber ist das kultur\u00f6konomische Zauberwort der Stunde. Die alte Diva St. Moritz hat gut aufgepasst.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref1\"><sup><sup>[1]<\/sup><\/sup><\/a> Zitiert nach <em>Friedrich Nietzsche<\/em>: S\u00e4mtliche Briefe, Kritische Studienausgabe, Bd. 6, Januar 1880 bis Dezember 1884, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, M\u00fcnchen 2003, S. 516.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref2\"><sup><sup>[2] <\/sup><\/sup><\/a>Vgl. u. a. die BDO-Studie zum Ferientourismus in Zermatt, St. Moritz, Interlaken und Montreux von\u00a02010;\u00a0Onlinedokument\u00a0http:\/\/www.bdo.ch\/uploads\/tx_assaipublication\/Artikel_Evol_Ferienorte_I_2010.pdf [20.11.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a> http:\/\/www.stmoritzartmasters.com\/de\/sam.html [02.01.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> Vgl. u. a. <em>Carlos Basualdo<\/em>: The Unstable Institution (2003), in: <em>Elena Filipovic u. a. <\/em>(Hrsg.): The Biennial Reader. An Anthology on Large-Scale Perennial Exhibitions of Contemporary Art, Ostfildern 2010, S. 124-135, hier S. 133: \u201eLarge-scale international exhibitions never completely belong to the system of art institutions in which they are supposedly inscribed, and the range of practical and theoretical possibilities to which they give rise often turns out to be subversive.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a> Die SAM-Organisatoren verstehen darunter \u201eeinen Parcours durch das Engadin [&#8230;], der Sie [die Besucher, J.S.] [\u2026] zu den von uns fu\u0308r Sie ausgesuchten ku\u0308nstlerischen Projekten und Installationen sowie der im Engadin existierenden kulturschaffenden Institutionen fu\u0308hrt\u201c; http:\/\/www.stmoritzartmasters.com\/de\/walk-of-art\/willkommen.html [02.01.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a> Onlinedokument\u00a0http:\/\/www.stmoritzartmasters.com\/fileadmin\/user_upload_sam\/Dokumente\/PDF\/Medien\/SAM2011_Medienmitteilung_20062011.pdf [20.11.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> Vgl. u. a. <em>Gustavo Grandal Mondero<\/em>: Biennalization? What Biennalization? The Documentation of Biennials and Other Recurrent Exhibitions, in: Art Libraries Journal, Nr.\u00a01, Jg.\u00a037, 2012, S. 13-23, hier S.\u00a014: \u201eMore recently [\u2026] all biennials have become ,global exhibitions\u2018, reflecting cultural and economic globalisation, and focusing on and questioning globalisation itself as an idea, in contexts including post-colonialism and identity politics.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a><em> Imdahl, Georg<\/em>: Von Kassel bis Venedig: Die wichtigsten Kunst-Events 2012; Onlinedokument http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/von-kassel-bis-venedig-die-wichtigsten-kunst-events-1.1253531-2 [20.11.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref9\"><sup><sup>[9]<\/sup><\/sup><\/a> Vgl. <em>Jan Andreas May<\/em>: La Biennale di Venezia. Kontinuit\u00e4t und Wandel in der venezianischen Ausstellungspolitik 1895-1948, Berlin 2009, S. 41: \u201eZwar war es die erkl\u00e4rte Absicht der Initiatoren, mit einer regelm\u00e4\u00dfigen Kunstausstellung in der Stadt Venedig der italienischen Kunst wieder neues Leben einzuhauchen. Dahinter steckten aber vor allem wirtschaftliche Gru\u0308nde\u201c; vgl. ebd., S.\u00a048: \u201eBesonders wichtig war fu\u0308r die Verantwortlichen der wirtschaftliche Nutzen, der von der Ausstellung fu\u0308r Venedig abfallen sollte. Das wohl wichtigste Instrument hierbei war der offizielle Katalog, der seit der Erstausgabe von 1895 in nahezu unver\u00e4nderter Weise Wirtschaft und Ausstellung verband. Schon in dieser ersten Ausgabe fand man ein Verzeichnis mit den Namen und Adressen hunderter lokaler Unternehmen, das von der Gastronomie u\u0308ber den Einzelhandel bis hin zu den Galerien keine Branche auslie\u00df. Dies waren zwar noch keine direkten Werbeanzeigen, aber die enge Verknu\u0308pfung mit der Wirtschaft sollte die Kunstausstellung von Anfang an pr\u00e4gen.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref10\"><sup><sup>[10] <\/sup><\/sup><\/a>Zitiert nach: <em>Ruth Spitzenpfeil<\/em>: Kunst im Hochtal. Veranstaltungen wie das Art Masters machen das Oberengadin im Sommer zur Kulturlandschaft; Onlinedokument http:\/\/www.nzz.ch\/lebensart\/reisen-freizeit\/kunst-im-hochtal-1.6246223 [20.11.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref11\"><sup><sup>[11]<\/sup><\/sup><\/a> Zitiert nach: <em>Claus Christian Malzahn<\/em>: Japan h\u00e4tte eine Dosis deutsche Angst gut getan. Interview mit Peter Sloterdijk; Onlinedokument http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article13128797\/Japan-haette-eine-Dosis-deutsche-Angst-gut-getan.html [20.11.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a> Onlinedokument\u00a0http:\/\/www.koc.com.tr\/en-us\/Media_Center\/PressReleases\/Press_Releases\/10.09.2009_en.pdf [20.11.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref13\"><sup><sup>[13]<\/sup><\/sup><\/a><em> Boltanski, Luc\/Chiapello, \u00c8ve<\/em>: Der neue Geist des Kapitalismus, Konstanz 2006 [im Original 1999], S. 86: \u201eWir haben die Kritik zu einem der wirkungsm\u00e4chtigsten Motoren des Kapitalismus erkl\u00e4rt. Indem die Kritik ihn dazu zwingt, sich zu rechtfertigen, zwingt sie ihn zu einer St\u00e4rkung seiner Gerechtigkeitsstrukturen und zur Einbeziehung spezifischer Formen des Allgemeinwohls, in dessen Dienst er sich vorgeblich stellt.\u201c<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> Das Prekariat h\u00e4tte theoretisch ebenfalls problemlos Zugang zu den Art Masters, sind die meisten Ausstellungen und Veranstaltungen doch kostenlos. Faktisch aber verirren sich Vertreter der einkommensschwachen Schichten eher selten nach St. Moritz, dessen abgeschiedene Lage und hochpreisige Erlebnisangebote es ja gerade als Enklave der <em>upper class<\/em> so geeignet machen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a> Vgl. u. a. <em>Wolfgang Ullrich<\/em>: Mit dem R\u00fccken zur Kunst. Die neuen Statussymbole der Macht, Berlin 2000.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a> Vgl. u. a. <em>Thomas Frank\/Matt Weiland<\/em> (Hrsg.): Commodify Your Dissent. Salvos from ,The Baffler\u2018, New York 1997.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref17\"><sup><sup>[17]<\/sup><\/sup><\/a><em> Schieren, Mona<\/em>: Interview with Dorothee Albrecht, in: <em>dies.\/Andrea Sick<\/em> (Hrsg.): Look at Me. Celebrity Culture at the Venice Art Biennale, N\u00fcrnberg 2011, S. 192-205, hier S. 195.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref18\"><sup><sup>[18]<\/sup><\/sup><\/a><em> Fillitz, Thomas<\/em>: Worldmaking \u2013 The Cosmopolitanization of Dak\u2019Art, the Art Biennale of Dakar; Onlinedokument http:\/\/www.globalartmuseum.de\/site\/guest_author\/270 [20.11.2012].<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref19\"><sup><sup>[19]<\/sup><\/sup><\/a> Vgl. <em>Hans Belting\/Jacob Birken\/Andrea Buddensieg\/Peter Weibel<\/em> (Hrsg.): Global Studies. Mapping Contemporary Art and Culture, Ostfildern 2011.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ftnref20\"><sup><sup>[20]<\/sup><\/sup><\/a><em> B\u00e4tschmann, Oskar<\/em>: Ausstellungsk\u00fcnstler. Kult und Karriere im modernen Kunstsystem, K\u00f6ln 1997, S. 16.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p><em>Basualdo, Carlos<\/em>: The Unstable Institution (2003), in: <em>Elena Filipovic\/Marieke van Hal\/Solveig \u00d8vsteb\u00f8<\/em> (Hrsg.): The Biennial Reader. An Anthology on Large-Scale Perennial Exhibitions of Contemporary Art, Ostfildern 2010, S. 124-135<\/p>\n<p><em>B\u00e4tschmann, Oskar<\/em>: Ausstellungsk\u00fcnstler. Kult und Karriere im modernen Kunstsystem, K\u00f6ln 1997<\/p>\n<p>BDO (Hrsg.): Entwicklung Ferientourismus im Vergleich: Hotellerie. Ferienorte Zermatt, St.\u00a0Moritz,\u00a0Interlaken,\u00a0Montreux;\u00a0Onlinedokument\u00a0www.bdo.ch\/uploads\/tx_assaipublication\/Artikel_Evol_Ferienorte_I_2010.pdf [20.11.2012]<\/p>\n<p><em>Belting, Hans\/Birken, Jacob\/Buddensieg, Andrea\/Weibel, Peter<\/em> (Hrsg.): Global Studies. Mapping Contemporary Art and Culture, Ostfildern 2011<\/p>\n<p><em>Boltanski, Luc\/Chiapello, \u00c8ve<\/em>: Der neue Geist des Kapitalismus, Konstanz 2006<\/p>\n<p><em>Fillitz, Thomas<\/em>: Worldmaking \u2013 The Cosmopolitanization of Dak\u2019Art, the Art Biennale of Dakar;\u00a0Onlinedokument\u00a0http:\/\/www.globalartmuseum.de\/site\/guest_author\/270 [20.11.2012]<\/p>\n<p><em>Frank, Thomas\/Weiland, Matt<\/em> (Hrsg.): Commodify Your Dissent. Salvos from ,The Baffler\u2018, New York 1997<\/p>\n<p><em>Grandal Mondero, Gustavo<\/em>: Biennalization? What Biennalization? The Documentation of Biennials and Other Recurrent Exhibitions, in: Art Libraries Journal, Nr.\u00a01, Jg.\u00a037, 2012, S. 13-23<\/p>\n<p><em>Imdahl, Georg<\/em>: Von Kassel bis Venedig. Die wichtigsten Kunst-Events 2012; Onlinedokument http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/von-kassel-bis-venedig-die-wichtigsten-kunst-events-1.1253531-2 [20.11.2012]<\/p>\n<p><em>Malzahn, Claus Christian<\/em>: Japan h\u00e4tte eine Dosis deutsche Angst gut getan. Interview mit Peter\u00a0Sloterdijk;\u00a0Onlinedokument\u00a0http:\/\/www.welt.de\/politik\/deutschland\/article13128797\/Japan-haette-eine-Dosis-deutsche-Angst-gut-getan.html [20.11.2012]<\/p>\n<p><em>May, Jan Andreas<\/em>: La Biennale di Venezia. Kontinuit\u00e4t und Wandel in der venezianischen Ausstellungspolitik 1895-1948, Berlin 2009<\/p>\n<p><em>Nietzsche, Friedrich<\/em>: S\u00e4mtliche Briefe, Kritische Studienausgabe, Bd. 6, Januar 1880 bis Dezember 1884, hrsg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, M\u00fcnchen 2003<\/p>\n<p><em>Schieren, Mona<\/em>: Interview with Dorothee Albrecht, in: <em>dies.\/Andrea Sick<\/em> (Hrsg.): Look at Me. Celebrity Culture at the Venice Art Biennale, N\u00fcrnberg 2011, S. 192-205<\/p>\n<p><em>Spitzenpfeil, Ruth<\/em>: Kunst im Hochtal. Veranstaltungen wie das Art Masters machen das Oberengadin im Sommer zur Kulturlandschaft; Onlinedokument http:\/\/www.nzz.ch\/lebensart\/reisen-freizeit\/kunst-im-hochtal-1.6246223 [20.11.2012]<\/p>\n<p><em>Ullrich, Wolfgang<\/em>: Mit dem R\u00fccken zur Kunst. Die neuen Statussymbole der Macht, Berlin 2000<\/p>\n<p>11th International Istanbul Biennial Has Started under the Sponsorship of Ko\u00e7 Holding; Onlinedokument\u00a0http:\/\/www.koc.com.tr\/en-us\/Media_Center\/PressReleases\/Press_Releases\/10.09.2009_en.pdf [20.11.2012]<\/p>\n<div><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div>Ver\u00f6ffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Nomos Verlags.<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Weitere Hinweise zum Buch <a title=\"verlagsseite nomos\" href=\"http:\/\/www.nomos-shop.de\/Robertson-von-Trotha-Celebrity-Culture\/productview.aspx?product=14088&amp;pac=weco\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn Sie den Aufsatz im wissenschaftlichen Zusammenhang zitieren wollen, benutzen Sie bitte die Buchfassung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage scheller\" href=\"http:\/\/www.joergscheller.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">J\u00f6rg Scheller<\/a> ist Dozent an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p><strong><a title=\"\u201cMode November&lt;br \/&gt;&lt;i&gt;&lt;small&gt;von Mahret Kupka&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;15.10.2014&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=3779&amp;action=edit\"><strong>\u00a0<\/strong><\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Simultaneit\u00e4t von Starkult und emerging artists, von Standortpolitik und Kunstautonomie<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[694,745,1159,1331,1757,1837],"class_list":["post-3798","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-events","tag-festivals","tag-jorg-scheller","tag-kunstbetrieb","tag-performance","tag-pop-zeitschrift-2"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3798","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3798"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3798\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3798"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3798"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3798"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}