{"id":3970,"date":"2015-01-18T23:56:33","date_gmt":"2015-01-18T21:56:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=3970"},"modified":"2015-01-18T23:56:33","modified_gmt":"2015-01-18T21:56:33","slug":"mode-januarvon-mario-keine18-1-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2015\/01\/18\/mode-januarvon-mario-keine18-1-2015\/","title":{"rendered":"Mode Januarvon Mario Keine18.1.2015"},"content":{"rendered":"<p>Die Abstinenz des Trends?<!--more mehr--><\/p>\n<p>Galt die selbsternannt elit\u00e4re Modemeute bislang immer als sehr leicht identifizierbar, hat sie sich nun dazu entschlossen, ihre Offensichtlichkeit abzulegen und im \u201agemeinem Volke\u2018 zu verschwinden.<\/p>\n<p>Grund dieser Wendung ist ein Mode-Neologismus, der seit gut 2,5 Jahren in den Medien haussiert und mit oberfl\u00e4chlicher Banalit\u00e4t gl\u00e4nzt. Normcore, unschwer zu erkennen eine Kombination der Worte \u201aNormal\u2018 und \u201aHardcore\u2018, ist der Trend, der eigentlich keiner sein wollte.<\/p>\n<p>Gepr\u00e4gt wurde der Terminus 2012 von der in New York ans\u00e4ssigen Trendagentur KHole, die ihn als die bewusste Nicht-Abgrenzung durch Kleidung oder gar als das einfache Sein einer von sieben Milliarden Personen definiert. Abfallen solle der Druck der Individualisierung, Individualit\u00e4t weicht Uniformit\u00e4t &#8211; aber alles nat\u00fcrlich ganz im positiven Sinne.<\/p>\n<p>Visualisiert wird der Begriff und Look durch modischen Durchschnitt, 08\/15, Normalit\u00e4t eben: Sneakers, Jeans, T-Shirt, Sweater, weiter Mantel. Materialien wie Fleece und Cord in Farben von wollwei\u00df \u00fcber beige bis braun und grau.<\/p>\n<p>Dekoriert wird dieser Look mit kleinen Attributen wie den obligatorischen wei\u00dfen Tennissocken zu den vor Saisons noch untragbaren Birkenstocks, dem Mittelscheitel oder der Hornbrille, gepr\u00e4gt im Allgemeinen vom Komfortgedanken, der oft auch mit einer gewissen Negierung des K\u00f6rpers einhergeht.<\/p>\n<div id=\"attachment_3975\" style=\"width: 693px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/No.21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3975\" class=\"size-large wp-image-3975\" title=\"No.21\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/No.21-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/No.21-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/No.21-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/No.21-768x1151.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/No.21.jpg 1366w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3975\" class=\"wp-caption-text\">No.21 Pre-Fall 2015 (Foto: style.com)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So simpel und einfach \u201aNormcore\u2018 nun schwarz auf wei\u00df auch erscheint, die unbarmherzige Modewelt setzt nat\u00fcrlich ihre eigenen Regeln. W\u00e4hrend einerseits der Look gem\u00e4\u00df des anerkannt-denunzierten Berlin-Mitte-Hipsters vollendetes \u201aVintage\u2018 (und nat\u00fcrlich nicht Second Hand) darstellt, ist unter Modefanatikern der androgyne Mantel bestenfalls aus Kaschmir, w\u00e4hrend die Sneakers an der Seite kein Haken, sondern ein Designeretikett ziert und die Jeans auf Grund diverser aufw\u00e4ndiger Waschungen nur noch im h\u00f6heren dreistelligen Bereich erh\u00e4ltlich sind. Selbst Durchschnittlichkeit kennt ihre kleinen Unterschiede, getreu des Mottos: \u201aAlle sind gleich, aber manche sind eben gleicher.\u2018<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_3974\" style=\"width: 693px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/ChristopheLemaire.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3974\" class=\"size-large wp-image-3974\" title=\"ChristopheLemaire\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/ChristopheLemaire-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/ChristopheLemaire-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/ChristopheLemaire-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/ChristopheLemaire-768x1151.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/ChristopheLemaire.jpg 1366w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3974\" class=\"wp-caption-text\">Christophe Lemaire Fr\u00fchjahr\/Sommer 2015 (Foto: style.com)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach diesem kurzen Anschnitt der Optik des Antitrends bleibt allerdings die Frage, wie wir von radikaler Zwangs- und Massenindividualisierung nun \u00fcberhaupt zum trendtauglichen Einheitsbrei getrieben wurden.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich geht der Normcore aus dem \u201agemeinen Hipster\u2018 hervor, dessen kleine Lebensphilosophie daraus besteht, sich dem Trenddiktat der h\u00f6chsten Modeinstitutionen fortan nicht mehr zu beugen. Tats\u00e4chlich wurde das Konstrukt der Trendentwicklung in den letzten Jahren \u00fcberstrapaziert. Fehlt es den Kreativen mittlerweile oft an Innovationskraft (nat\u00fcrlich begr\u00fcndet durch den \u00f6konomischen Faktor der Mode, aber das w\u00e4re ein anderes, seitenf\u00fcllendes Thema), wird die Mode seit den fr\u00fchen 2000ern gr\u00f6\u00dftenteils durch Zitate am Leben gehalten.<\/p>\n<p>Da diese Zitate einer Anpassung an den Zeitgeist unterliegen m\u00fcssen, werden sie zugespitzt, radikalisiert, sodass sie nur als zarte Reminiszenz erkennbar bleiben und sich dem Laien als etwas vollends \u201aNeues\u2018 erschlie\u00dfen. Den st\u00e4rksten Kontrast und die gr\u00f6\u00dfte Neuerung gegen\u00fcber dieser Trendradikalisierung bildet nun einmal die Normalit\u00e4t und Durchschnittlichkeit \u2013 und so transformierten sich binnen einer Saison 17cm-Abs\u00e4tze zu flachen Sneakers.<\/p>\n<p>Zu verdanken haben wir diesen R\u00fcckzug in die Neutralit\u00e4t und Anonymit\u00e4t meiner Generation, den jungen Erwachsenen. Nicht nur ist der Normcore ein banaler Ruf nach Entschleunigung des Trendsystems, sondern noch weitgreifender des eigenen Lebens. In Zeiten, in denen Flexibilit\u00e4t und Sprunghaftigkeit zu den wichtigsten Kriterien im Anforderungsprofil des Arbeitsmarkts geh\u00f6ren, sehnt man sich nach dem alten Konservatismus, ein angesichts der gegenw\u00e4rtigen gesellschaftlichen Lage reaktion\u00e4r wirkender Wertewandel. Familie, Partner, geregeltes Einkommen, feste Arbeitszeiten, Eigenheim-Sicherheit. Studien zufolge stufen sich Jugendliche und junge Erwachsene als deutlich konservativer als die eigene Elterngeneration ein. In einem Leben mit zyklischen Ver\u00e4nderungen und Flexibilit\u00e4tsdrang sucht man nach einer Konstante. Und diese Konstante scheint aktuell in der Mode gefunden worden zu sein.<\/p>\n<p>Die Lifestyleindustrie griff den Wertewandel nat\u00fcrlich unverz\u00fcglich auf und zieht nun ihren \u00f6konomischen Nutzen daraus, ist Komfort doch um einiges leichter zu vermarkten als ein zyklischer Trendwechsel, weil Komfort ein konstantes Bed\u00fcrfnis darstellt. Au\u00dferdem lassen sich T-Shirts und Sneakers, aktuelle Bestseller, g\u00fcnstiger produzieren, w\u00e4hrend die Nachfrage passenderweise steigt (selbst Coutureh\u00e4user wie Chanel, Givenchy und Dior haben zuletzt diese Sparte f\u00fcr sich entdeckt).<\/p>\n<p>Nach der modischen Expansion des Normcore in 2013 und einem ersten Boom im Jahr 2014 haben die Designer die Aufenthaltsberechtigung unseres Mode-Neologismus aktuell bis mindestens Herbst 2015 (pr\u00e4sentiert in den aktuell laufenden Pre-Fall-2015-Kollektionen) verl\u00e4ngert und einen neuen Boom ausgerufen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_3973\" style=\"width: 693px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/Chanel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3973\" class=\"size-large wp-image-3973\" title=\"Chanel\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/Chanel-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/Chanel-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/Chanel-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/Chanel-768x1151.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/01\/Chanel.jpg 1366w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-3973\" class=\"wp-caption-text\">Chanel Fr\u00fchjahr\/Sommer 2015 (Foto: style.com)<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch ist die Rezession schon abzusehen. Diverse Label, darunter Dior, Acne Studios und Loewe, haben bereits begonnen, den Look zu brechen und eine Art weiterentwickelte Version des Normcores zu propagieren. So bietet eben Dior in seiner Pre-Fall-Kollektion Pailletten als Addition zum tragbaren \u201aNormalo\u2018-Look, w\u00e4hrend die flachen Schuhe nun wieder immer \u00f6fter auf Laufstegen den extremen Abs\u00e4tzen weichen.<\/p>\n<p>[iframe id=&#8220;\/\/www.youtube.com\/embed\/UoM-ZHV6Of8&#8243; align=&#8220;center&#8220;]<\/p>\n<p>Auch tritt die gro\u00dfe Theatralik ihren Wiedereinzug auf die Modeb\u00fchne an, hat doch gerade John Galliano sein Debut f\u00fcr Maison Martin Margiela gegeben (Review und alle Bilder der Show bei <a title=\"review margiela style.com\" href=\"http:\/\/www.style.com\/fashion-shows\/spring-2015-couture\/maison-martin-margiela\" target=\"_blank\">style.com<\/a>), ausgerechnet das Haus Margiela (das, wie k\u00fcrzlich bekannt gegeben wurde, nun das <em>Martin<\/em> aus dem Titel gestrichen hat), bisheriges Synonym f\u00fcr Anonymit\u00e4t.<\/p>\n<p>In einer Saison, in der die Individuen ihre Gesichter bewusst verlieren, erh\u00e4lt die Anonymit\u00e4t nun eins. Es lebe der Normcore \u2013 denn solange die Mode zitiert, wird auch er niemals sterben.<\/p>\n<p>[iframe id=&#8220;https:\/\/www.youtube.com\/embed\/MJSUA_KG13U&#8220; align=&#8220;center&#8220;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"keine instagram-seite\" href=\"http:\/\/instagram.com\/mario.keine\" target=\"_blank\">Mario Keine<\/a> studiert am Design Department D\u00fcsseldorf.<\/p>\n<p><strong><a title=\"\u201cMode Dezember&lt;br \/&gt;&lt;i&gt;&lt;small&gt;von Jan C. Watzlawik&lt;\/i&gt;&lt;br \/&gt;8.12.2014&lt;\/small&gt;\u201d bearbeiten\" href=\"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/wp-admin\/post.php?post=3858&amp;action=edit\"><br \/>\n<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Abstinenz des Trends?<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[566,1424,1452,1690,1837,1881],"class_list":["post-3970","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-dior","tag-maison-margiela","tag-mario-keine","tag-normcore","tag-pop-zeitschrift-2","tag-pre-fall-2015"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3970","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3970"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3970\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3970"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3970"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3970"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}