{"id":4060,"date":"2015-02-15T11:27:48","date_gmt":"2015-02-15T09:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=4060"},"modified":"2015-02-15T11:27:48","modified_gmt":"2015-02-15T09:27:48","slug":"ariadne-redivivazur-bearbeitung-christian-heinrich-postels-des-antiken-ariadnethemas-fuer-die-hamburger-opervon-dag-hedman15-2-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2015\/02\/15\/ariadne-redivivazur-bearbeitung-christian-heinrich-postels-des-antiken-ariadnethemas-fuer-die-hamburger-opervon-dag-hedman15-2-2015\/","title":{"rendered":"Ariadne redivivaZu Christian Heinrich Postels  Bearbeitung des antiken Ariadnethemas f\u00fcr die Hamburger Opervon Dag Hedman15.2.2015"},"content":{"rendered":"<p>Eine historische Vergleichsm\u00f6glichkeit zu unseren aktuellen Themen: Popularisierung im Barock<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Einleitung<\/p>\n<p>F\u00fcr Verfasser und K\u00fcnstler war stets Ovid (43 v. Chr.\u201517\/18 n. Chr.) eine der Hauptquellen zu den griechisch-r\u00f6mischen Mythen. Schon der erste moderne Librettist, der Florentiner Ottavio Rinuccini (1562\u20151621), baute alle seine vier gro\u00dfen Libretti auf Ovid: <em>La rappresentazione di Dafne <\/em>(1594)<em>, L\u2019Euridice <\/em>(1600)<em>, L\u2019Arianna<\/em> (1608) und <em>Il Narciso<\/em> (1608?). Da Rinuccini f\u00fcr den Medici-Hof arbeitete und au\u00dferdem eine Nachahmung des antiken Dramas erstrebte, kann man nur in einem sehr eingeschr\u00e4nkten Sinne von Popularisierungen des Stoffes in seinen Werken sprechen.<\/p>\n<p>Christian Heinrich Postel (1658\u20151705) befand sich 80 Jahre sp\u00e4ter in einer ganz anderen Arbeitssituation: er hatte den Auftrag, f\u00fcr die Hamburger Oper am G\u00e4nsemarkt den Text f\u00fcr eine Ariadneoper zu verfassen. Der Hamburger Opernbetrieb war ein Unternehmen, das sich nach venezianischem Vorbilde einem breiteren Publikum zuwandte. Nicht aufwartenden Hofleuten, die eine Opernvorf\u00fchrung als normalen Teil ihres Hofdienstes betrachteten, sondern einem zahlenden Publikum, das auf seine Kosten kommen wollte, musste Postels Text gefallen.<\/p>\n<p>Darum hat er durchgreifendere inhaltliche Ver\u00e4nderungen gegen\u00fcber Ovid vorgenommen als Rinuccini. In Postels <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>(1691) hat der Verfasser das \u00c4u\u00dferste getan, um seinem Publikum ein ergreifendes und unterhaltendes St\u00fcck zu bieten, mit M\u00f6glichkeiten prunkvoller B\u00fchnengestaltung (B\u00fchnenbildumwandlungen, Ballettszenen und dergleichen), das gleichzeitig als Grundlage f\u00fcr Johann Georg Conradis (um 1645\u201599) Musik dienen sollte.<\/p>\n<p>Mit welchen Mitteln arbeitete Postel? Was hat er von Ovid und anderen Verfassern \u00fcbernommen? Was hat er ver\u00e4ndert? Was hat er neu gedichtet? Inwiefern hielt er sich an die aristotelischen Regeln und die Vorschriften des Dekorum, die im 17. Jahrhundert so wichtig waren? Was war zeittypisch\/modern f\u00fcr 1691? Welche Wirkung erzielte Postel auf das Publikum mit seinen jeweiligen Ver\u00e4nderungen und Neudichtungen?<\/p>\n<p>Der Hauptgedanke dieses Aufsatzes ist, die Refunktionalisierung des Stoffes f\u00fcr die Hamburger Auff\u00fchrungen zu untersuchen und zu sehen, inwiefern dabei eine \u00e4sthetische Umwertung angebracht ist. Dabei werden Vergleiche zu Ovid und Rinuccini, aber auch zu anderen Bearbeitern des beliebten Ariadnestoffes, angestellt, um einen motivgeschichtlichen Abriss zeichnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der Forschung, die sich mit Fragen zur \u201ch\u00f6heren\u201d und \u201cniederen\u201d Literatur befasst, hat man sich kaum f\u00fcr Libretti interessiert. Ein Ziel dieser Darstellung wird sein, zu zeigen, dass es sich lohnt, diese Textgattung mit dieser Problemstellung zu untersuchen.<\/p>\n<p>Die Geschichte und Formwelt der Oper am Hamburger G\u00e4nsemarkt und der dort gegebenen Singe-Spiele sind von der literatur- und musikgeschichtlichen Forschung gut abgedeckte Gebiete.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Es ist leider ausgeschlossen, im kleinen Rahmen dieses Aufsatzes auch nur f\u00fcr einen begrenzten Teil dieser umfangreichen Forschung Rechenschaft abzulegen. Die wichtigsten Arbeiten werden jedoch unten genannt.<\/p>\n<p>Da Christian Heinrich Postel heutzutage nicht mehr allzu sehr bekannt ist, folgt eine kurze Beschreibung seines Lebens und Schaffens.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Postels Werdegang<\/p>\n<p>1680 begann Postel seine Jurastudien in Leipzig, \u00fcbersiedelte aber im gleichen Jahre nach Rostock, wo er 1683 seine Abhandlung <em>Dissertatio inauguralis juridica de eo quod justum est circa defensionem <\/em>verteidigte und den Lizentiatentitel erwarb. Nach einer Reise durch die Niederlande, Belgien, England, Frankreich, Italien und S\u00fcddeutschland er\u00f6ffnete er 1684 eine Anwaltskanzlei in Hamburg.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Mit dem Juristen und ab 1693 Ratsherren Gerhard Schott (1641\u20151702), der Mitbegr\u00fcnder und erste P\u00e4chter der Hamburger Oper, war Postel befreundet, und man muss damit rechnen, dass Schott Postel beeinflusst hat, als er 1688 Librettist wurde. 1700\u201501 unternahm Postel eine zweite Bildungsreise in die Schweiz und nach Italien. 1701\u201502 war er in einen Opernstreit gegen Christian Wernicke (1661\u20151725) verwickelt, in dem er die herk\u00f6mmlichen barocken Z\u00fcge der Hamburger Libretti gegen Wernickes klassizistische Kritik verteidigte.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n<p>Postels dramatisches \u0152uvre besteht nicht nur aus Singe-Spiellibretti, sondern auch aus Kantaten- und Oratorientexten. Mit Lucas von Bostel (1649\u20151716) und Friedrich Christian Bressand (um 1670\u201599) wird Postel heute als der bedeutendste der Hamburger Librettisten des ausgehenden 17. Jahrhunderts angesehen. Seine Texte wurden von ber\u00fchmten Komponisten wie Johann Georg Conradi, Johann Sigismund Kusser, Reinhard Keiser, Georg Friedrich H\u00e4ndel, Georg Philipp Telemann und Carl Heinrich Graun vertont. Postel hat auch eine \u00dcbersetzung des 14. Gesanges von Homers <em>Ilias<\/em> (<em>Die listige Juno<\/em>, 1700), Gelegenheitsgedichte (u.a. <em>Der Vergn\u00fcgte Amyntas<\/em> zu Friedrich Christian Bressands Hochzeit 1696 und <em>Unverwessliche Ehren-S\u00e4ule<\/em> zu Bressands Tod 1699) und ein unvollendetes Epos (<em>Der grosse Wittekind<\/em>, 1698\u20151705) verfasst. Auf Lateinisch schrieb er <em>De lingu\u00e6 Hispanic\u00e6 difficultate, elegantia et utilitate<\/em> (1704, Von der Schwierigkeit, Sch\u00f6nheit und dem Nutzen der spanischen Sprache).<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Er war f\u00fcr einen Gelehrten und Verfasser zeittypisch vielsprachig, und beherrschte Hoch- und Niederdeutsch, Niederl\u00e4ndisch, Englisch, D\u00e4nisch, Schwedisch, Franz\u00f6sisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Griechisch, Lateinisch und Hebr\u00e4isch.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Ein mythologisches Singe-Spiel<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Postels Zeit als Textlieferant f\u00fcr die Hamburger Oper am G\u00e4nsemarkt (1688\u20151702) sch\u00f6pfte man aus einem Fundus von biblischen, geschichtlichen<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> und mythologischen Themen. Er hat Operntexte aller drei Typen geschrieben. Postel hat reine \u00dcbersetzungen angefertigt, z. B. <em>Die ungl\u00fcckliche Liebe Des Achilles Und der Polixena<\/em> (1692) nach Jean Galbert de Campistrons (1656\u20151723) <em>Achille et Polix\u00e8ne <\/em>(1687), Bearbeitungen, z. B. <em>Der durch Gross=Muth und Tapferkeit besiegete Porus<\/em> (1694) nach Friedrich Christian Bressands <em>Porus<\/em> (Braunschweig, 1693), und selbstst\u00e4ndige Singe-Spiele, z. B. <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>(1691).<\/p>\n<p>Die \u201cNachahmung und Ver\u00e4nderung mythologischer Opern franz\u00f6sischer und italienischer Provinienz\u201d war eine wichtige Arbeitsmethode der deutschen Librettisten des 17. Jahrhunderts.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Die mythologischen Singe-Spiele waren aber nicht unangefochten: In den 1680er Jahren hatten u.a. die beiden Pastoren Anton Reiser (1628\u201586) und Hinrich Elmenhorst (1632\u20151704) einen Opernstreit ausgefochten, in dem der erstgenannte die Singe-Spiele in Hamburg angriff und der letztgenannte sie verteidigte.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Die Opernfeinde fanden die Mythen ung\u00f6ttlich, unsittlich und unmodern.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Die Opernfreunde fanden wohl, dass die Mythologie einen Zauberkasten voller dramatisch dankbarer Motive ausmachte, verkrochen sich aber oft hinter allegorischen Auslegungen, die darauf wiesen, dass die Mythen allgemeine Wahrheiten in sich bargen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Postel meinte aber auch, dass Teile der Mythologie als historisch wahr betrachtet werden konnten. Beispielsweise war er sich mit Pierre Petit (1617\u201587) und Olof Rudbeck (1630\u20151702) einig, dass die Amazonen wirklich gelebt und in Schweden gewohnt hatten.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Postel, der 12 mythologische Libretti verfasste, verteidigte die Verwendung von \u201cheidnischen Fabeln\u201d:<br \/>\n\u201cDie jenigen, welche die heidnischen Fabeln von ihren G\u00f6ttern vor unn\u00fctze M\u00e4hrlein ansehen, gleichen denen, welche ein rauhes St\u00fcck Ertz, welches doch feines Gold und Silber in sich h\u00e4lt, desswegen verachten, weil es schmutzig aussiehet, und der sch\u00f6ne Glantz des theuren Metalls von denen Schlacken noch nicht abgesondert ist. Und weil sie nun mit dergleichen scharff=sinnigen Erfindungen der alten Poetischen Schrifften, sowol der Griechen als Lateiner (der Morgenl\u00e4ndischen vor itzo nicht zu erw\u00e4hnen), angef\u00fcllet finden, in ihre vier=ekkigte K\u00f6pffe solches aber nicht bringen k\u00f6nnen, auch die M\u00fche nicht n\u00e4hmen wollen, anderer gelahrter und geschickter Leute vortreffliche Schrifften davon zu lesen; so wollen sie lieber das Gold mit den Schlacken verwerffen, und das Kind mit samt dem Bade aussch\u00fctten [\u2026].\u201d<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Der Ariadne-Stoff war in der Geschichte des Musiktheaters beliebt: mehr als 100 Opern, Ballette und Kantaten von Ottavio Rinuccinis <em>L\u2019Arianna <\/em>1608 finden sich bis heute.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> Postels <em>Ariadne<\/em>-Libretto 1691 war das erste deutschsprachige.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Das St\u00fcck lief 1691 und 1692 an Oper am G\u00e4nsemarkt, wurde in Leipzig 1712<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a> und in bearbeiteter Form von Reinhard Keiser (1674\u20151739) in Hamburg 1722\u201525 wiederholt.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a> Es ist unwahrscheinlich, dass Postel Rinuccinis Oper gekannt hat: seit 1640 ist <em>L\u2019Arianna<\/em> nicht aufgef\u00fchrt worden, und die wenigen gemeinsamen inhaltlichen Z\u00fcge d\u00fcrften auf gemeinsame Quellen zur\u00fcckzuf\u00fchren sein (siehe unten).<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a> 1692 schrieb Friedrich Christian Bressand eine <em>Ariadne<\/em> f\u00fcr die Braunschweiger Oper, die von Postels beeinflusst sein durfte.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\">[19]<\/a><\/p>\n<p>Damit der Leser informiert sei, folgt hier ein <em>kurzer<\/em> Inhaltsbericht.<\/p>\n<p>Die kretensische Prinzessin Ariadne beklagt sich im Anfang des ersten Aktes dar\u00fcber, dass ihre Mutter Pasiph\u00e6 und ihre Schwester Ph\u00e6dra sich gegen sie gewandt h\u00e4tten, weil sie Theseus liebt. Ph\u00e6dra liebt n\u00e4mlich insgeheim auch Theseus, und Pasiph\u00e6 und ihr Gemahl K\u00f6nig Minos wollen, dass Ariadne den Prinzen Evanthes heiratet. Minos erkl\u00e4rt, dass die griechischen Geiseln, mit Theseus an der Spitze, am n\u00e4chsten Tage im Labyrinth im Kampfe gegen den Minotaurus sterben sollen. Weiterhin soll Ariadne Evanthes schon am n\u00e4chsten Tage heiraten. Pasiph\u00e6 wirbt Ph\u00e6dra als Helferin, um Ariadnes Liebe zu Theseus auszun\u00fctzen, sodass dieser Pasiph\u00e6s au\u00dferehelichen Sohn Minotaurus erschlagen und dem Labyrinth entkommen kann. Ariadne hat n\u00e4mlich vom Baumeister des Labyrinths, D\u00e6dalus, erfahren, wie man aus dem Labyrinth herausfinden k\u00f6nne: mit einem roten Faden, dem man folgt. Theseus wird von seinem Freunde Pirithous dazu \u00fcberredet, so zu tun, als ob er Ariadnes Liebe erwidere, damit sie ihm hilft. Evanthes, der Ariadne liebt, erkl\u00e4rt sich mit diesem Plane einverstanden. Theseus hat Schwierigkeiten, Ariadne bzw. Ph\u00e6dra davon zu \u00fcberzeugen, dass er nur sie liebt. Der erste Akt schlie\u00dft mit einer Szene, in der Theseus\u2019 Diener Pamphilius und ein M\u00e4nnerchor als Scherenschleifer verkleidet singen und tanzen.<\/p>\n<p>Auch der zweite Akt beginnt mit einer gro\u00dfen Szene f\u00fcr Ariadne, wo sie sich \u00fcber ihre ungl\u00fcckliche Liebe zu Theseus beklagt. Dieser \u00fcberzeugt sie jedoch, dass er sie liebt. Minos und Pasiph\u00e6 entdecken sie und die K\u00f6nigin bestimmt, dass Ariadne als Strafe mit Theseus im Labyrinth eingeschlossen werden soll (in Wirklichkeit, damit Pasiph\u00e6 ihr Ziel erreicht und Ariadne zwingen kann, Theseus Hilfe beim T\u00f6ten des Minotaurus zu leisten). Evanthes erkl\u00e4rt sich bereit, statt Ariadne ins Labyrinth zu gehen, was Pasiph\u00e6 nat\u00fcrlich nicht gestattet. Evanthes und Theseus versuchen, Ariadne dazu zu \u00fcberreden, mit Evanthes zu fliehen. Sie bleibt aber Theseus treu. Dieser geht allein in das Labyrinth, nachdem Ariadne ihm den Trick mit dem roten Faden gezeigt hat. Theseus kommt als Sieger mit Minotaurus\u2019 abgeschlagenem Kopfe aus dem Labyrinthe. Alle bereiten sich zur Flucht vor dem kretensischen K\u00f6nigspaare.<\/p>\n<p>Pasiph\u00e6 leitet den dritten Akt mit einer Szene, in der sie ihre Freude an dem Tode ihres Sohnes Minotaurus ausdr\u00fcckt, ein. Vor ihrem w\u00fctenden Manne spielt sie aber die Unwissende und emp\u00f6rt sich \u00fcber Theseus\u2019 Sieg und Flucht. Der Rest der Oper spielt auf einer anderen Insel, die unbenannt bleibt.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> Evanthes tritt in seiner richtigen Gestalt als Bacchus mit seinem Gefolge auf. Das Boot der Fl\u00fcchtlinge legt an, ein Zelt wird aufgerichtet, in dem Ariadne und Theseus sich schlafen legen. Nachts gehen alle au\u00dfer der schlafenden Ariadne, Pamphilius und Bacchus mit Gefolge wieder zu Schiff und verschwinden. Ariadne erwacht und muss erkennen, dass sie von Theseus verlassen ist. Bacchus und sein Gefolge treten auf. Er tr\u00f6stet Ariadne, die sich zuletzt bereit erkl\u00e4rt, Bacchus\u2019 Gemahlin zu werden. Venus, die drei Grazien und der himmlische Chor singen, w\u00e4hrend Ariadne und Bacchus in den Himmel fahren, wo sie ins Sternbild Corona Ariadn\u00e6 verwandelt wird.<\/p>\n<p>Es ist leicht festzustellen, dass Postel sich \u2015 wie die meisten Singe-Spielverfasser des 17. Jahrhunderts \u2015 in <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>nicht an die aristotelischen Regeln des Ortes und der Zeit h\u00e4lt: das St\u00fcck spielt nicht an einem einzigen Platz, sondern auf Kreta und \u201ceiner von Creta nicht entfernten Insul\u201d, und nicht innerhalb von 24 Stunden. Dagegen muss man sagen, dass das St\u00fcck eine einzige Handlung hat und dadurch Aristoteles\u2019 dritter Regel folgt.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> Das Scherenschleiferfinale und die Huldigung von Bacchus, die nicht notwendigerweise zur Haupthandlung geh\u00f6ren, haben keine eigene Handlung und sind deshalb als Zwischenspiele zu betrachten, die haupts\u00e4chlich zur Unterhaltung da sind, im Stile der <em>divertissements<\/em> der franz\u00f6sischen Opern.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Ariadnes Klage<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a><\/p>\n<p>Es ist nur zu erwarten, dass Ariadnes Klage einen wichtigen Bestandteil der Textb\u00fccher ausmacht: hier bot sich eine ausgezeichnete Gelegenheit, Affekte auszudr\u00fccken und sie beim Publikum hervorzurufen, was ja ein wichtiges Ziel der Barockoper war.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>Hauptquellen in der Motivgeschichte Ariadnes vor Rinuccini waren Catulls <em>Carmina<\/em> 64 (vor 54 v. Chr.) und Ovids <em>Metamorphoses<\/em> (7 n. Chr.), Buch 8 (Z. 152\u2015182) und <em>Heroides<\/em> 10, \u201cAriadne Theseo\u201d (\u201cAriadne an Theseus\u201d, um 25\u201516 v. Chr.). W\u00e4hrend Ovids letztgenannter Text eine Klageschrift der verlassenen Ariadne ist, bettet Catull die Klage in einen epischen Zusammenhang ein. Beide haben gemeinsam, dass sie die Verzweiflung Ariadnes nach der Entdeckung von Theseus\u2019 verr\u00e4terischer Flucht in einer Sturmflut von emp\u00f6rten Ausrufen schildern.<\/p>\n<p>Dass der hochgebildete Postel Catull und Ovid gelesen hat, geht aus der Vorrede zur <em>Ariadne <\/em>hervor.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Postel zitierte die ersten drei Zeilen aus Ariadnes Anflehen der Furien bei Catull (Zeilen 192\u2015194; die ganze Anrufung umfasst noch drei Zeilen) und zwei Zeilen aus <em>Heroides<\/em> 10 (69\u201570).<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a> Von Ovid \u00fcbernommen wurde Ariadnes Aufwachen und Suchen nach ihrem Geliebten (Zeilen 9\u201513). Die beiden Textstellen bei den R\u00f6mern hat Postel in III:6 verwendet.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\">[26]<\/a><\/p>\n<p>In Ovids <em>Ars amatoria<\/em> (3\u20152 v. Chr.) Buch 1, Zeilen 525\u2015564 wird die Geschichte weitergef\u00fchrt: die verlassene Ariadne wird vom pl\u00f6tzlich auftretenden Weingott Bacchus und seinem Gefolge von Bacchanten und Satyren, die auf Trommeln und Zimbeln spielen, entdeckt; Bacchus macht ihr einen Heiratsantrag und verspricht ihr ewiges Leben als Sternbild (Corona Ariadn\u00e6).<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\">[27]<\/a><\/p>\n<p>Schon Rinuccini hatte diese Weiterf\u00fchrung der Handlung in <em>L\u2019Arianna<\/em> verwendet, um das zu einer f\u00fcrstlichen Hochzeit erwartete Happy End (<em>lieto fine<\/em>) zu erzielen.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\">[28]<\/a> Der Schluss von Postels Singe-Spiel (III:4\u20159) entspricht Rinuccinis vierter bis achter Auftritt \u2015 mehr als die H\u00e4lfte der Textmasse des Italieners \u2015 aber nicht in der gleichen Reihenfolge.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\">[29]<\/a> Postel selbst verwies auf \u201cHymnus of Lof-sanck van Bacchus\u201d in den <em>Nederduytsche poemata <\/em>(1616) des Holl\u00e4nders Daniel Heinsius (1580\u20151655) f\u00fcr Ariadnes und Bacchus\u2019 Verm\u00e4hlung, den B\u00fchnenwechsel zu einem Garten, die Ankunft von Venus und den drei Grazien \u201cund dergleichen\u201d.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\">[30]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Popul\u00e4re Besonderheiten in <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em><\/p>\n<p>Hier liegt ein Kabalendrama vor, mit Personen, die wichtige Information verheimlichen, z.B. dass Ph\u00e6dra Theseus liebt (I:2) und dass Theseus Ph\u00e6dra liebt (I:7) und nur um Ariadne wirbt, damit sie ihn aus dem Labyrinth rettet (I:7), mit Drohsituationen, beispielsweise, dass K\u00f6nig Minos Ariadne zwingen will, den Prinzen Evanthes zu heiraten, obwohl sie Theseus liebt (I:3), und dass Theseus gegen den Minotaurus k\u00e4mpfen soll (II:9\u201511).<\/p>\n<p>Mehrere der Personen spielen ein Doppelspiel: Pasiph\u00e6 z.B. verfolgt die Idee, dass Ariadne Theseus retten soll, was ja gegen die W\u00fcnsche ihres Gatten Minos geht (I:5 und III:2), und Theseus wirbt um die beiden Schwestern Ariadne und Ph\u00e6dra, die ihn beim Doppelspiel erwischen, wobei er sich aus den peinlichen Situationen hinaus improvisieren muss (I:9\u201511); Theseus entspricht also dem Titelhelden in Hiacinto Andrea Cicogninis (1606\u201551) ber\u00fchmtem <em>Il Giasone <\/em>(1649), der auch zwischen zwei Frauen schwankt. Es geht um eine Parodie auf das seit Vergils <em>\u00c6neis<\/em> \u00fcblichem Thema des Helden, der sich in einem Zwiespalt zwischen der Pflicht und der Liebe befindet.<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\">[31]<\/a><\/p>\n<p>Es ist genre- und zeittypisch, dass mehrere der Personen verliebt sind (Ariadne, Ph\u00e6dra, Evanthes\/Bacchus, Theseus) und daraus Verwicklungen entstehen. Diese Erotisierung des Stoffes \u2015 die in Ovids <em>Metamorphoses<\/em>, Buch 8 (Z. 152\u2015182) abwesend ist \u2015 kann man als eine Modeerscheinung des 17. Jahrhunderts bezeichnen. Man denke nur an die Dramen Jean Racines (1639\u201599), aber auch unz\u00e4hlige Drammi per musica wie Francesco Butis (1604\u201582) <em>Ercole amante <\/em>(Paris, 1662; Der liebende Herkules), Giacomo Francesco Bussanis (um 1640\u2015nach 1680) <em>Giulio Cesare in Egitto<\/em> (Venedig, 1676; Julius C\u00e6sar in \u00c4gypten) oder Ortensio Mauros (1634\u20151725) <em>La superbia d\u2019Alessandro<\/em> (Hannover, 1690; Alexanders Hochmut), wo historische oder mythologische Helden des klassischen Altertums, wie Orest, Herkules, Julius C\u00e6sar oder Alexander der Gro\u00dfe, die fr\u00fcher wegen ihrer milit\u00e4rischen oder politischen Heldentaten bekannt waren, nun pl\u00f6tzlich zu gef\u00fchlsgesteuerten Liebhabern \u2018umgegossen\u2019 wurden.<\/p>\n<p>Was <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>betrifft, kann man sagen, dass das Abenteuerliche in der Geschichte deutlich zugunsten der Liebesverwicklungen unterdr\u00fcckt ist. Darum hei\u00dft die Oper auch <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>und nicht etwa <em>Der Tapfere und Siegreiche Theseus<\/em>, was ja ganz andere Erwartungen beim Publikum geweckt h\u00e4tte. Das Auffallendste ist nat\u00fcrlich, dass der Kampf mit dem Minotaurus sich nicht vor dem Publikum abspielt, sondern hinter der Kulisse. Auf der anderen Seite hat Postel eine Reihe neuer Personen hinzugef\u00fcgt, um erotische Verwicklungen in Gang setzen zu k\u00f6nnen: Minos, Pasiph\u00e6, Ph\u00e6dra, Evanthes. Wichtig ist hier vor allem die Dreiecksgeschichte, die Postel zwischen Ariadne, Theseus und Ph\u00e6dra neu dichtet, vielleicht inspiriert von einer Andeutung bei Plutarch in \u201cTheseus\u201d in <em>Vit\u00e6 parallel\u00e6<\/em>, dass Ariadne m\u00f6glicherweise \u201cvon Theseus verlassen worden sei, weil er eine andere Frau geliebt hat\u201d (Abschnitt 20).<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[32]<\/a><\/p>\n<p>Zur Erotisierung\/Popularisierung des Stoffes muss man auch die sinnliche Beschreibung der Heldin rechnen. Theseus\u2019 Freund Piritous h\u00e4lt eine l\u00e4ngere Rede, wo er \u201cAriadnens Sch\u00f6nheit\u201d beschreibt, ihres \u201cgeraden Leibes Pracht\u201d, ihrer Augen Sch\u00f6nheit, \u201cihrer Lippen Purpur=Glantz\u201d, \u201cDie Rosen ihrer Wangen\u201d, ihr alabasterwei\u00dfer Hals, und \u201cDie Br\u00fcste bl\u00fchen mit Jasminen\u201d (I:7). Piritous spricht <em>von<\/em> Ariadne, da sie abwesend ist. Als Bacchus im dritten Akt diese Information wiederholt, ist es in einer Arie, die <em>an<\/em> Ariadne gerichtet ist, die auf der B\u00fchne steht. Pirithous\u2019 Aussagen werden hier variiert und erg\u00e4nzt: \u201cDer Br\u00fcste Marmor=Ballen [&#8230;], Des Halses Hiazinth, der Wangen Milch und Blut, [\u2026] Der Haare g\u00fcldne Locken\u201d (III:7). Beide Beschreibungen sind ziemlich standardisiert, abstrakt und semantisch schwach geladen. Dies k\u00f6nnte man vielleicht als ein Versagen Postels auffassen, aber der macht gerade das Richtige: Es w\u00e4re zwecklos, detaillierte Beschreibungen zu liefern, wenn alle auf der B\u00fchne und im Auditorium Ariadne mit eigenen Augen gesehen haben (im ersten Beispiel) oder gerade vor Augen haben (im zweiten), und also ein paar Worte gen\u00fcgen.<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\">[33]<\/a> Wer das St\u00fcck nicht gesehen hat, sondern es nur liest, hat auch die Freiheit, Ariadne nach Belieben in der Phantasie so zu gestalten, wie man es vorzieht, ohne von Anweisungen des Verfassers beschr\u00e4nkt oder beeinflusst zu werden.<\/p>\n<p>Der Hexameter von Catull und Ovid wird von Postel in Prosa und Knittelvers in den Rezitativen verwandelt und zu verschiedenen Versma\u00dfen in den lyrischen Abschnitten, was M\u00f6glichkeiten zur Abwechslung (Arien, Lieder, Gassenhauer) gibt. Vor allem hat Ariadne gro\u00dfe Szenen wie z.B. III:6, als sie erwacht und sich von Theseus und Ph\u00e6dra verlassen findet, die aus Instrumentalmusik, Secco-Rezitativ, orchesterbegleitetem Rezitativ, Arie und Lied bestehen. Die mehrstrophigen Lieder sind ebenso wie die Gassenhauer dazu da, um \u2018leichtere\u2019 Melodien einf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Beispiele in <em>Ariadne<\/em> sind Ph\u00e6dras und Ariadnes \u201cLiebe mu\u00df verst\u00e4ndig seyn\u201d (I:2) und Pamphilius\u2019 \u201cGute Nacht ihr Anverwandten\u201d (II:10). Die Schlager sind normalerweise in den Singe-Spielen mit der Lustigen Person verbunden. So ist es auch in <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em>: Die Gassenhauer werden von Pamphilius gesungen (\u201cWas kan der edlen Schleiffer=Kunst\u201d in I:15, und \u201cWeil die M\u00e4dchen dieser Zeit\u201d in II:6). Auch ein Gott wie Bacchus singt ein Lied, das fast als schlagerartig bezeichnet werden k\u00f6nnte (\u201cWer sich vor Amor findt zu schwach\u201d in III:4). Nat\u00fcrlich muss man die Trinklieder, die in den Hamburger Singe-Spielen \u00fcblich sind, als ein Mittel der Popularisierung sehen. Oft ist es die Lustige Person, die die Trinklieder singt, aber in <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em> ist es passender Weise das Gefolge des Weingottes, das \u201cS\u00fcsser Safft der edlen Reben\u201d vortr\u00e4gt (III:4).<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\">[34]<\/a><\/p>\n<p>Alles in allem ist es leicht, Wolfgang Hubers Beobachtung, \u201c[a]uch Postels <em>Ariadne<\/em> (1691) wird Spielball der h\u00f6fisch-galanten Laune des Publikums\u201d, beizustimmen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[35]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Komische Elemente<\/p>\n<p>Die Kom\u00f6dien der Renaissance hatten die komischen Diener, Ammen und Kuppler der lateinischen Kom\u00f6dien von Plautus und Terenz \u00fcbernommen, und diese Figuren fanden allm\u00e4hlich Platz in den italienischen Drammi per musica, wodurch sie sich im 17. Jahrhundert in den \u00f6ffentlichen Opernh\u00e4usern in ganz Europa, au\u00dfer Frankreich und Braunschweig, ausbreiteten.<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\">[36]<\/a><\/p>\n<p>Diese komischen Figuren waren als Kontrast zu den mythologischen, k\u00f6niglichen und adeligen Gestalten der Dramen gedacht, die normalerweise ernsthaft oder tragisch waren. Dieses war ja eins der Ziele der Barockoper: durch Kontraste \u00dcberraschungen zu bieten: schnell-langsam, Dur-Moll, heiter-ernst, m\u00e4nnlich-weiblich, irdisch-\u00fcberirdisch.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\">[37]<\/a><\/p>\n<p>Die sogenannte \u201cLustige Person\u201d findet man in fast allen Hamburger Libretti des 17. Jahrhunderts.<a href=\"#_ftn38\" name=\"_ftnref38\">[38]<\/a> Postel f\u00fchrt sie in <em>Ariadne <\/em>als Theseus\u2019 Diener Pamphilius ein. Dieser zeichnet sich ganz typisch durch Alkoholinteresse (I:7 und III:10), Hunger (III:5 und III:7), Stottern (I:7), zynische und ironische Seitenstichworte (<em>a parte<\/em>; I:7), kl\u00fcgelnde Endstichworte mit volkst\u00fcmlichen Sprichworten (I:7 und II:8) und Stichworte mit sexuellen Untert\u00f6nen (das Scherenschleiferfinale zu Akt I, I:15, und Pamphilius\u2019 Rezitativ und Arie in II:6) aus. \u201cDiese \u2019Lokalpossen\u2019\u201d hatten einen \u201csatirisch-derben Ton\u201d.<a href=\"#_ftn39\" name=\"_ftnref39\">[39]<\/a> In Akt II:2 gibt Pamphilius Erl\u00e4uterungen zu Theseus\u2019 Werbung um Ariadne durch Seitenstichworte, wonach er ihm doch beim \u00dcberzeugen von Ariadne hilft. Die zynischen Aussagen \u00fcber die Liebe \u2015 beispielsweise Pamphilius\u2019 Rezitativ und Arie in II:6 \u2015 kennt man aus dem venezianischen Dramma per musica, wo Ammen, Diener und Kuppler solche Gedanken verbreiten.<a href=\"#_ftn40\" name=\"_ftnref40\">[40]<\/a><\/p>\n<p>Wie lassen sich denn diese \u201cLokalpossen\u201d und dieser \u201csatirisch-derbe Ton\u201d mit den Vorschriften des Dekorum, die im 17. Jahrhundert so wichtig waren, vereinen? Ausgezeichnet, da <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em>, wie die \u00fcbrigen Singe-Spiele, die am G\u00e4nsemarkt aufgef\u00fchrt wurden, nicht f\u00fcr eine Hofoper geschrieben war, in der ganz andere Ma\u00dfst\u00e4be und Kriterien herrschten, sondern f\u00fcr eine \u00f6ffentliche Stadtoper, die aus gesch\u00e4ftlichen Gr\u00fcnden ein starkes Interesse daran hatte, sich dem Geschmacke und Weltbilde des Publikums zu n\u00e4hern. Die \u201csubversiven Tendenzen der Hamburger Opernlibretti\u201d<a href=\"#_ftn41\" name=\"_ftnref41\">[41]<\/a> waren kein Zufall, sondern eine durchdachte Strategie, die Texte und Auff\u00fchrungen popul\u00e4r zu machen.<a href=\"#_ftn42\" name=\"_ftnref42\">[42]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Aufsehenerregende Besonderheiten<\/p>\n<p>Die Barockoper des 17. Jahrhunderts zeigte gerne das Wunderbare, <em>le merveilleux<\/em>, in jeder Form. Der B\u00fchnenbildwechsel vor offenem Vorhang, <em>changement \u00e0 vue<\/em>, ist einer der Standardgriffe. Solche Wechsel der B\u00fchnendekorationen gingen dank des technischen Standards der B\u00fchnen in einigen Sekunden vor sich.<\/p>\n<p>Postel arbeitet in <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>geschickt mit B\u00fchnenbildwechseln als Wirkungsmittel, um eine dramatische Steigerungskurve des Dramas zu erzielen: im ersten Akt kommt ein szenographischer Austausch im neunten Auftritt vor (ein pr\u00e4chtiger Saal des K\u00f6nigs Minos verwandelt sich in \u201ceinen Garten\u201d), im zweiten wird auch einmal gewechselt, wieder im neunten Auftritt (\u201ceine Gallerie des K\u00f6niglichen Schlosses\u201d, II:1, wird zum Labyrinth und \u201cdesselben Vorhof\u201d, II:9), aber im dritten Akt sind vier B\u00fchnenbildwechsel (also f\u00fcnf B\u00fchnendekorationen insgesamt, d.h. mehr als in den beiden ersten Akten zusammen): \u201cdie Gem\u00e4cher der K\u00f6nigin Pasiph\u00e6\u201d (III:1) werden in \u201ceine rauhe felsichte Gegend am Meeres=Strande einer von Creta nicht weit entfernten Insul\u201d verwandelt (III:4), die sich dann \u201cin einen sch\u00f6nen BlumenGarten\u201d verwandelt (III:8).<\/p>\n<p>Der letztgenannte B\u00fchnenbildwechsel ist mit der Handlung eng verbunden: Venus und drei Grazien begeben sich in einer Wolke zur Erde (ebd.) und es ist passender f\u00fcr Venus, in einem Garten zu landen als in einer \u00d6de.<a href=\"#_ftn43\" name=\"_ftnref43\">[43]<\/a> Dies betrifft auch den n\u00e4chsten Dekorationswechsel (III:9), in dem der Himmel sich \u00f6ffnet und \u201cder gantze himmlische Chor\u201d auf Wolkenwagen herabf\u00e4hrt und das Finale singt, wobei \u201ceine kleine absonderliche Wolcke vor Bacchus und Ariadnen\u201d erscheint, worauf sie einsteigen und singend hinauf zum Olymp fahren \u201cund sihet [!] man das bekandte Gestirn der Coron\u00e6 Ariadnes\u201d.<\/p>\n<p>Andere Beispiele des Wunderbaren im St\u00fccke: In II:10 tritt Theseus aus dem Labyrinth mit dem abgeschlagenen Kopfe des Minotaurus, in III:5 kommt Theseus\u2019 Schiff gesegelt und ankert an der K\u00fcste des \u201cInsuls\u201d, worauf die Fliehenden<a href=\"#_ftn44\" name=\"_ftnref44\">[44]<\/a> aussteigen, und am Ende von III:5 segeln Theseus und Ph\u00e6dra insgeheim wieder ab. <em>Theophanien<\/em>, d.h. Offenbarungen des G\u00f6ttlichen, kommen, wie schon erw\u00e4hnt, mehrmals am Ende der Oper vor: Evanthes entlarvt sich als der Gott Bacchus, der als Deus ex Machina in einem Wagen, von L\u00f6wen gezogen, Einzug h\u00e4lt (III:4),<a href=\"#_ftn45\" name=\"_ftnref45\">[45]<\/a> \u201cVenus mit den dreyen gratien\u201d singen in einer Wolke (III:8), der himmlische Chor singt vom Himmel herab (III:9), und schlie\u00dflich sieht man Bacchus\u2019 und Ariadnes Apoteos und Ariadnes Verwandlung zur Corona Ariadn\u00e6.<a href=\"#_ftn46\" name=\"_ftnref46\">[46]<\/a><\/p>\n<p>Schon in Ovids <em>Ars amatoria<\/em> Buch 1, Zeilen 537\u2015538 wird (wie oben schon erw\u00e4hnt) vom Gefolge des Weingottes auf Trommeln und Zimbeln musiziert. Es ist folgerichtig, dass Postel und der Komponist Johann Georg Conradi die Auftritte, wo die Bacchanten und Satyren auf der B\u00fchne sind (III:4, III:7\u20159), reichlich mit Tanz, Gesang und Instrumentalmusik bereichern.<\/p>\n<p>Alessandro Giudotti (Lebensjahre unbekannt) hatte in seiner Vorrede zu Agostino Mannis (Lebensjahre unbekannt) <em>La rappresentatione di Anima et di Corpo<\/em> (Rom, 1600) darauf bestanden, dass \u201cBallette h\u00e4ufig vorkommen sollten, da sie, nach den Reaktionen des Publikums zu urteilen, die Vorstellung beleben. Wenn man diese T\u00e4nze und Moresken [maurischen T\u00e4nze] auffallend vorf\u00fchrt, wird die Vorstellung zusprechender und origineller. [&#8230;] Wenn m\u00f6glich, sollte man es nicht unterlassen, die Vorstellung mit einem regelrechten Ballett zu schliessen. Dann sollten die T\u00e4nzer und T\u00e4nzerinnen gleichzeitig singen und teilweise auch Instrumente spielen. Dann wird die Schlussnummer noch effektiver und origineller. [\u2026] Zweifellos wird die Vorstellung bereichert und versch\u00f6nert durch eine gr\u00f6\u00dfere Anzahl der Mitwirkenden.\u201d<a href=\"#_ftn47\" name=\"_ftnref47\">[47]<\/a><\/p>\n<p>Hellmuth Christian Wolff hat festgestellt, dass Tanz in fast keiner der Hamburger Opern fehlt.<a href=\"#_ftn48\" name=\"_ftnref48\">[48]<\/a> Es ist also kaum erstaunlich, dass <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>mehrere gro\u00df aufgelegten Chor- und Ballettszenen hat, die zweifellos auf Massenwirkung zielen: das Scherenschleiferfinale von Akt I, der Einzug von Bacchus, sein Gefolge und seine L\u00f6wen in III:4, und das Finale der ganzen Oper in III:8\u20159, wo das ganze Ensemble \u2015 Solisten (au\u00dfer dem K\u00f6nigspaar, Theseus und Ph\u00e6dra), Chor und Ballett \u2015 auf der B\u00fchne mitwirkt, wobei anzumerken ist, dass das Gefolge vom Weingott, Venus und die drei Grazien erst gegen das Ende der Oper hinzugekommen sind, um zur Massenwirkung der Schlussszene beizutragen.<\/p>\n<p>Postels gro\u00dfe Ver\u00e4nderungen und Erg\u00e4nzungen zeigen auf charakteristische Weise seine Libretto\u00e4sthetik: er hielt auf die unanfechtbare Autonomie des Verfassers, antike Stoffe modern zu gestalten, um dem Zeitgeist entgegenzukommen, die Realit\u00e4t zugunsten der Phantastik zu verlassen, von Regeln abzusehen. Es war Postel selbstverst\u00e4ndlich, dass das Hauptziel einer Oper Unterhaltung sei und nicht etwa Belehrung oder Treue literarischen Quellen oder der Wirklichkeit gegen\u00fcber. Andere Richter als das Publikum hat er nicht anerkannt.<a href=\"#_ftn49\" name=\"_ftnref49\">[49]<\/a><\/p>\n<p>Es ist also kaum erstaunlich, dass Johann Mattheson, der schon als Neunj\u00e4hriger 1690 auf der G\u00e4nsemarktoper gesungen hat, Postel sicher gekannt und wahrscheinlich in <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>und Postels anderen Opern mitgewirkt hat, \u00fcber <em>Ariadne <\/em>schreiben konnte: \u201cDieses St\u00fcck hat sich sehr wol bezahlt gemacht, und vielen Beifall gefunden.\u201d<a href=\"#_ftn50\" name=\"_ftnref50\">[50]<\/a> Es ist Postel tats\u00e4chlich gelungen, mit Johann Georg Conradi die alte Ariadne-Sage einem breiten Publikum in moderner und volkst\u00fcmlicher Form zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die Bewertung Postels in Geschichte und Gegenwart<\/p>\n<p>Zu seinen Lebzeiten und unmittelbar danach genoss Postel hohes Ansehen. Nicolaus Wilckens (1676\u20151724) meinte, Postel habe in der Poesie \u201cwol wenig seines Gleichen\u201d.<a href=\"#_ftn51\" name=\"_ftnref51\">[51]<\/a> Postels Kollege Barthold Feind (1678\u20151721) schrieb: \u201cdie sch\u00f6ne Erfindungen und ungemeine Einf\u00e4lle des seligen Herrn Lic[entiat]. <em>Postels<\/em> sind keine Nachahmungen, sondern selbst=st\u00e4ndige Proben eines f\u00fcrtreflichen Geistes, wovon der hiesige Schauplatz zu seinem immerw\u00e4hrenden Andencken, auch nach seinem Tode, zeuget. Das Absterben dieses treflichen Poeten war die erste unangenehme Zeitung, so ich bey meiner j\u00fcngsten Wiederkunfft in diese Stadt erfahren m\u00fcssen, und gab mir Ursache, den Verlust zu bedauren, den der ber\u00fchmte Schau=Platz meines Vaterlandes an diesem braven Mann gelitten\u201d.<a href=\"#_ftn52\" name=\"_ftnref52\">[52]<\/a> \u201c[W]enn der seel. gelehrte Herr Lic. <em>Postell<\/em> uns nicht gewiesen, wie man die sch\u00f6nste Gedancken der alten Griechischen und Lateinischen Po\u00ebten auch zu unsern Zeiten mit guten Applausu anbringen k\u00f6nte, h\u00e4tten wir gar nichts aufzuweisen\u201d,<a href=\"#_ftn53\" name=\"_ftnref53\">[53]<\/a> und beruft Postel und Bressand als Richter seiner Libretti.<a href=\"#_ftn54\" name=\"_ftnref54\">[54]<\/a> Zusammenfassend schrieb Feind, dass \u201cunstreitig der Seel. Bressand und <em>L<\/em>[<em>icentia<\/em>]<em>t.<\/em> Postel den Vorrang behalten\u201d als \u201cbesten Meister von [\u2026] Teutschland\u201d, die f\u00fcr die Hamburger Oper geschrieben hatten.<a href=\"#_ftn55\" name=\"_ftnref55\">[55]<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr Johann Mattheson (1681\u20151764) ist Postel \u201ceiner der gelehrtesten, richtigsten, feurigsten, sinnreichsten Poeten\u201d.<a href=\"#_ftn56\" name=\"_ftnref56\">[56]<\/a> Nach dieser Aussage druckt Mattheson dann ein Miniaturdrama, worin er sich nachts im Zuschauerraum der G\u00e4nsemarktoper befindet. Auf dem Proszenium tritt \u201cDes edlen Postels reger Geist\u201d auf, reibt \u201cdie gekr\u00f6nte Stirn\u2019\u201d, und jagt Mattheson Schrecken ein. Danach schreibt er in die Decke eine Klageschrift, wo er die personifizierte Hamburger Oper anfleht, nicht zu dulden, dass seine Singe-Spiele von sp\u00e4teren Librettisten bearbeitet werden, \u201cSonst werd\u2019 ich alle Nacht f\u00fcr seinem [=des Bearbeiters] Bette stehen!\u201d<a href=\"#_ftn57\" name=\"_ftnref57\">[57]<\/a> Im zweiten Teil des Dramas schl\u00e4ft Mattheson in einem \u201cNotariat=Contor\u201d ein, und tr\u00e4umt von Apollo, der ihm zufl\u00fcstert, er solle \u201cPostels eingebildeten Zorn\u201d nicht zu ernst nehmen, \u201cUnd will denn Postels Geist auch damit noch nicht ruhn, \/ Kann man dergleichen ihm an Ariadne thun\u201d.<a href=\"#_ftn58\" name=\"_ftnref58\">[58]<\/a> Apollo l\u00f6scht Postels Klageschrift mit einem Donnerschlage aus. Die Fortsetzung ist Matthesons Rezension der Bearbeitung von <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em>, genannt <em>Die Betrogene Und nachmals Verg\u00f6tterte Ariadne<\/em> (1722).<a href=\"#_ftn59\" name=\"_ftnref59\">[59]<\/a> Im Register zum ersten Band von Matthesons <em>Critica musica<\/em> ist Postel der einzige Librettist, der genannt wird. Nach dem Namen steht: \u201cein ber\u00fchmter Poet\u201d. Im Register zur ersten Band von Matthesons <em>Der Musicalische Patriot<\/em> (Hamburg, 1728) ist Postel der einzige Librettist, der bewertet wird. Dort hei\u00dft es: \u201cPostel, ein grosser Opern=Poet\u201d (S. 368).<a href=\"#_ftn60\" name=\"_ftnref60\">[60]<\/a><\/p>\n<p>Christian Friedrich Weichmann (1698\u20151769), ein hingebungsvoller Verehrer Postels und der Herausgeber des <em>Der grosse Wittekind<\/em>, nannte Postel \u201caller Nieder=S\u00e4chsischen Poeten Gross=Vater\u201d.<a href=\"#_ftn61\" name=\"_ftnref61\">[61]<\/a><\/p>\n<p>Gotthold Ephraim Lessing (1729\u201581) besa\u00df eine Sammlung von Hamburger Libretti, \u201cacht starken Quartb\u00e4nden, die vielleicht eine der vollst\u00e4ndigsten in ihrer Art ist, und vom J. 1678 bis 1748 geht\u201d.<a href=\"#_ftn62\" name=\"_ftnref62\">[62]<\/a> Er nennt Postel gelehrt.<a href=\"#_ftn63\" name=\"_ftnref63\">[63]<\/a><\/p>\n<p>Auch kritische Stimmen wurden im 18. Jahrhundert geh\u00f6rt. Johann Jakob Bodmer (1698\u20151783), beispielsweise, \u201cdisliked Postel\u2019s librettos in particular because they were the most representative of what he termed operatic chaos\u201d.<a href=\"#_ftn64\" name=\"_ftnref64\">[64]<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr das 19. Jahrhundert ungew\u00f6hnlich positiv ist die Bewertung des Georg Gottfried Gervinus, der Postel einen Mann \u201cvon Auszeichnung und Ruhm\u201d nennt, der \u201cdas Beste einer klassischen Bildung\u201d in seine Libretti lege und \u201cunbestritten unter den Operndichtern oben an steht\u201d.<a href=\"#_ftn65\" name=\"_ftnref65\">[65]<\/a><\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert waren die Aussagen \u00fcber Postel sonst kritischer<strong>. <\/strong>Ernst Otto Lindner, der eine Geschichte der Hamburger Oper ver\u00f6ffentlichte, hat Christian Heinrich Postel und Friedrich Christian Bressand die Rollen als \u2018Mister Bad\u2019 bzw. \u2018Mister Good\u2019 zugewiesen.<a href=\"#_ftn66\" name=\"_ftnref66\">[66]<\/a> Postel, dem \u201cein gewisses leichtproducirendes Talent\u201d zugesprochen wird, habe \u201ceine Reihe von Operntexten in deren wunderlich unnat\u00fcrlicher Behandlung er wirklich Ausserordentliches leistete\u201d.<a href=\"#_ftn67\" name=\"_ftnref67\">[67]<\/a> Dieser \u201ceigenth\u00fcmliche Geselle\u201d lege \u201cLieder in Hamburger Mundart hinein, wie sie auf die Gassen und in die Kneipe nicht aber auf die B\u00fchne geh\u00f6rten\u201d.<a href=\"#_ftn68\" name=\"_ftnref68\">[68]<\/a> Postels Sprache sei durch \u201cBombast und Zote\u201d gekennzeichnet, die \u201cgelegentlich noch einen h\u00f6heren, ja den m\u00f6glich h\u00f6chsten Grad erreichen\u201d, und die Texte seien \u201dnur aus ungeschicktester Ostentationssucht\u201d geschrieben.<a href=\"#_ftn69\" name=\"_ftnref69\">[69]<\/a> Postels \u201cj\u00e4mmerliches Sch\u00e4ferspiel\u201d <em>Der Geliebte Adonis <\/em>(1697) \u2015 von Lindner aus lauter Erregung <em>Venus und Adonis<\/em> umbenannt \u2015 sei \u201cdie plumpeste Bona-fide-Bearbeitung der bekannten Fabel, die man sich denken kann\u201d.<a href=\"#_ftn70\" name=\"_ftnref70\">[70]<\/a> Gelons zweideutiges Lied \u201dEin M\u00e4dgen und ein Orgel-Werck\u201d in III:4 sei ein \u201cklobiger Scherz\u201d, aber \u201cwahrhaft attisch\u201d im Vergleich zum \u201cgemeinen\u201d Scherenschleiferfinale des ersten Aktes in <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>und zu den \u00fcbrigen \u201cplumpen Rohheiten [\u2026], welche dem Hamburger Publicum aufgetischt\u201d wurden.<a href=\"#_ftn71\" name=\"_ftnref71\">[71]<\/a> <em>Die durch Wilhelm Den Grossen In Britannien Wieder eingef\u00fchrte Irene <\/em>(1697) sei ein \u201c\u00fcber die Maassen erb\u00e4rmliches Machwerk\u201d.<a href=\"#_ftn72\" name=\"_ftnref72\">[72]<\/a> Leider habe Postel seine j\u00fcngeren Kollegen Barthold Feind (1678\u20151721), Christian Friedrich Hunold (1680\u20151721) und Ulrich von K\u00f6nig (1688\u20151744) angesteckt, sodass \u201cPostel und Genossen\u201d sich auf \u201cderselben Stufe der Geschmacklosigkeit\u201d bef\u00e4nden.<a href=\"#_ftn73\" name=\"_ftnref73\">[73]<\/a> Dieser Gefahr sei Bressand entgangen.<a href=\"#_ftn74\" name=\"_ftnref74\">[74]<\/a> Es wird dem Leser bald klar, dass Lindner Postel f\u00fcr den b\u00f6sen Genius der G\u00e4nsemarktoper h\u00e4lt, dem zu Ehren Lindner ein neues Adjektiv erfindet: \u201cverpostelt\u201d.<a href=\"#_ftn75\" name=\"_ftnref75\">[75]<\/a><\/p>\n<p>Friedrich Chrysander, der sein Leben der H\u00e4ndelforschung gewidmet hat, ist mit sich selbst hinsichtlich seiner Beurteilung von Postels Werk nicht im Reinen: einerseits nennt er Postel \u201cden deutschen Metastasio\u201d,<a href=\"#_ftn76\" name=\"_ftnref76\">[76]<\/a> Postel und Bressand sind \u201ctalentvoll\u201d, aber \u201cGeschmack fehlte beiden\u201d, und Postel war ein \u201c\u00fcberschwenglicher Wortk\u00f6nig\u201d, dessen Singe-Spieltexte \u201dnicht weniger albern sind, als fast alle andern aus damaliger Zeit\u201d.<a href=\"#_ftn77\" name=\"_ftnref77\">[77]<\/a> Zwanzig Jahre sp\u00e4ter wertet Chrysander entschieden positiver. Schon im einleitenden Inhaltsverzeichnis zum Jahrgang 1878 der von Chrysander herausgegebenen <em>Allgemeinen Musikalischen Zeitung<\/em> hei\u00dft es: \u201cPostel, Chr., der bedeutendste Dichter und Uebersetzer f\u00fcr die Hamburgische Oper\u201d.<a href=\"#_ftn78\" name=\"_ftnref78\">[78]<\/a> \u00dcberhaupt meint er, dass der Komponist Keiser und Postel zusammen \u201cdas Beste leisteten, was die \u00e4ltere deutsche Oper aufzuweisen hat\u201d.<a href=\"#_ftn79\" name=\"_ftnref79\">[79]<\/a> Der anachronistischen Lesart des 19. Jahrhunderts folgend, kritisiert Chrysander immer wieder den Barockstil und \u201cUnfl\u00e4thigkeiten\u201d Postels,<a href=\"#_ftn80\" name=\"_ftnref80\">[80]<\/a> aber in einer Fu\u00dfnote, die kleingedruckt \u00fcber 1\u00bd Spalte geht, rechnet Chrysander scharf mit Ernst Otto Lindner ab, dessen Darstellung und Bewertung Postels er v\u00f6llig verwirft und widerlegt, obwohl Chrysander und Lindner ein gutes St\u00fcck gemeinsam haben.<a href=\"#_ftn81\" name=\"_ftnref81\">[81]<\/a> Was die Entwicklung des deutschen Rezitativs und der Arie betrifft, \u201cwar es der geschm\u00e4hte Postel, welcher sowohl im sprachlichen Ausdrucke wie in der metrischen Form einen wirklich musikalischen deutschen Recitativtext bildete\u201d, seine Arientexte seien musterbildend \u201cmusikalisch\u201d.<a href=\"#_ftn82\" name=\"_ftnref82\">[82]<\/a> Den ganzen sechsspaltigen Abschnitt seiner G\u00e4nsemarktchronik in der 24. Nummer des Jahrganges 1878 widmete Chrysander dem St\u00fcck <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em>, das \u201cdem Texte nach das beste aller 40 Singspiele ist, die bisher [in Hamburg] herausgekommen waren\u201d.<a href=\"#_ftn83\" name=\"_ftnref83\">[83]<\/a> Chrysander schlie\u00dft begeistert: \u201cWir sehen diesen Text als ein Meisterwerk an, das in seinen Grundz\u00fcgen noch heute und f\u00fcr immer auf der B\u00fchne Bestand haben k\u00f6nnte.\u201d<a href=\"#_ftn84\" name=\"_ftnref84\">[84]<\/a><\/p>\n<p>Auch Ludwig Meinardus, der von Mattheson beeinflusst war, ist positiv gestimmt: <em>\u201c<\/em>Postel geh\u00f6rt zu den fruchtbarsten Operndichtern, die f\u00fcr den Schauplatz am Opernhofe th\u00e4tig gewesen sind. Doch fehlte es auch zu seiner Zeit nicht an kritischen K\u00f6pfen, die sich \u00fcber sinen \u2018verdorbenen Geschmack\u2019 lustig machten.<em>\u201d<\/em><a href=\"#_ftn85\" name=\"_ftnref85\">[85]<\/a> Er meint auch: \u201cPostels Dichtungen gingen auf den Zeitgeschmack ein und boten dem Musiker und der Regie sehr b\u00fchnengewandte Anregungen in Menge dar; kein Wunder, dass R. Keiser Postels Operntexte vor anderen bevorzugte und viel im Verein mit ihm arbeitete.\u201d<a href=\"#_ftn86\" name=\"_ftnref86\">[86]<\/a> Auch die in diesem Aufsatze zentrale Oper hat er positiv erw\u00e4hnt: \u201cEine <em>Ariadne<\/em> von Postel und Conradi fand nach Mattheson besonders beif\u00e4llige Aufnahme und ward ein sogenanntes Kassenst\u00fcck.\u201d<a href=\"#_ftn87\" name=\"_ftnref87\">[87]<\/a><\/p>\n<p>Julius Elias, der in <em>Allgemeine Deutsche Biographie<\/em> einen ausf\u00fchrlichen Artikel \u00fcber Postel schrieb, war genauso kritisch wie Ernst Otto Lindner. Er schreibt vom \u201chamburger Opernunfug\u201d, dessen \u201cAftermuse\u201d Postel noch mit seiner \u201cPolyhistorie versch\u00fcttet und unbrauchbar gemacht\u201d hat<a href=\"#_ftn88\" name=\"_ftnref88\">[88]:<\/a><\/p>\n<p>\u201cIn erster Linie war es freilich der poetische Betrug Lohenstein\u2019s und Hofmannswaldau\u2019s, der seine Einbildungskraft krank machte, seinen Geschmack verdarb und ihn von jeder k\u00fcnstlerischen Begrenzung seiner Kr\u00e4fte abzog. Wer einmal gr\u00fcndlich erkennen will, welche Verheerungen Lohenstein und die galante Dichtung in urspr\u00fcnglich gesunden K\u00f6pfen anrichteten, der mag die Opernquartanten der hamburger Stadtbibliothek durchgehen.<a href=\"#_ftn89\" name=\"_ftnref89\">[89]<\/a> Bei P. schwindet jeder brauchbare Gedanke unter der Seltsamkeit des Ausdrucks und der Last einer \u00fcbel angebrachten Gelehrsamkeit. [\u2026] Die unz\u00fcchtige Deutlichkeit, womit er die geschlechtlichen Verh\u00e4ltnisse behandelt, die Versetzung grosser geschichtlicher Pers\u00f6nlichkeiten in die niedrige Sph\u00e4re des Possenhaften, die reichliche Verwendung dessen, was f\u00fcr jene Zeiten \u201cvolksm\u00e4ssig\u201d war, d.h. des rohen, zuchtlos=derben Witzes, die bunte Mannigfaltigkeit der \u00e4usserlichen B\u00fchneneffecte, f\u00fcr die keine Summe Geldes zu hoch gewesen, dienten ihm als Mittel, auf die grosse Menge zu wirken. [\u2026] Der Reichthum und die Mannigfaltigkeit der Arienformen, sowie ihre Anpassung an die Gesetze der Musik sind in der That das Einzige, was in Postel\u2019s Opern an Kunst erinnert. [\u2026] Dichter und Componist fragten sich nur: wie producire ich am schnellsten und wie locke ich die grosse Masse am sichersten? Denn darum bek\u00fcmmerte sich Niemand, dass in Postel\u2019s Opern der Bau zerfahren, die Charactere unnat\u00fcrlich, das Gef\u00fchl gemacht, die Leidenschaft k\u00fcnstlich waren, dass alle Conflicte ausschliesslich auf l\u00e4ppische Liebesspielereien hinausliefen.\u201d<a href=\"#_ftn90\" name=\"_ftnref90\"><\/a><a href=\"#_ftn87\" name=\"_ftnref87\"><\/a><a href=\"#_ftn90\" name=\"_ftnref90\">[90]<\/a><\/p>\n<p>Elias schreibt ferner von \u201cPostel\u2019s unk\u00fcnstlerischer Hand\u201d und bezeichnet seine Gelegenheitsopern als \u201crechte Erzeugnisse eines erfindungsarmen Dichters der Sp\u00e4trenaissance [!]\u201d.<a href=\"#_ftn91\" name=\"_ftnref91\">[91]<\/a> \u201cDer einst geehrte Mann steht vor der Nachwelt nur mit dem Fluche der L\u00e4cherlichkeit beladen\u201d, ist Julius Elias\u2019 strenge Zusammenfassung.<\/p>\n<p>Es ist also leicht, Bernhard Jahns Beobachtung, Postel habe \u201czeitgen\u00f6ssische Normen verletzt\u201d, auszuweiten und festzustellen, dass es dem Verfasser auch gelungen ist, die Normen des 19. Jahrhunderts zu verletzen.<a href=\"#_ftn92\" name=\"_ftnref92\">[92]<\/a><\/p>\n<p>Nebenbei sei bemerkt, dass der st\u00e4ndig wiederkehrende Tadel des derben Humors wegen ein Beispiel der Doppelmoral der Literaturkritik und der Literaturwissenschaft kanonisierten und nichtkanonisierten Werken gegen\u00fcber ist. F\u00e4kal- und Koitalhumor sind feste Bestandteile der Dramen von Aristophanes und Shakespeare, werden da aber weder aus k\u00fcnstlerischer noch moralischer Sicht kritisiert. K.K. Ruthven fragt sich, wie man erkl\u00e4ren soll, dass \u201cit is deemed all right for some, but not for others, to engage in the same [\u2026] practises\u201d.<a href=\"#_ftn93\" name=\"_ftnref93\">[93]<\/a> Er schlie\u00dft daraus: \u201cThere seems to be one law for canonical writers and another for the rest.\u201d<a href=\"#_ftn94\" name=\"_ftnref94\">[94]<\/a><\/p>\n<p>Im 20. Jahrhundert hat man die moralisierende Haltung zum Teil verlassen und kann auch den barocken Stil Postels wieder sch\u00e4tzen. G\u00fcnther M\u00fcller schreibt positiv \u00fcber ihn: Er habe \u201cdie Lohenstein-Hoffmanswaldausche Sprach- und Formkunst f\u00fcr die Hamburger Oper fruchtbar gemacht\u201d, und: \u201cMit dem Braunschweiger Librettisten Bressand befreundet, [\u2026] f\u00fchrt Postel den \u2019galanten\u2019 Stil noch ausgesprochener in die Oper ein\u201d.<a href=\"#_ftn95\" name=\"_ftnref95\">[95]<\/a> M\u00fcller bemerkt noch, dass Postels<em> Der bey dem allgemeinen Welt-Friede von dem Grossen Augustus geschlossene Tempel des Janus<\/em> (1698) \u201crauschende Erfolge\u201d erlangte;<a href=\"#_ftn96\" name=\"_ftnref96\">[96]<\/a> Postel vertrete \u201c[d]ie Virtuosenkunst Hofmannswaldaus\u201d.<a href=\"#_ftn97\" name=\"_ftnref97\">[97]<\/a> Sp\u00e4ter schreibt M\u00fcller lobend von Texten \u201cauf der H\u00f6he Postelscher Opernarien\u201d.<a href=\"#_ftn98\" name=\"_ftnref98\">[98]<\/a> Der Gipfel an Lob folgt noch: \u201cPostels Texte sind an dichterischer Qualit\u00e4t von sp\u00e4teren Textdichtern, [Richard] Wagner eingeschlossen, kaum wieder erreicht\u201d.<a href=\"#_ftn99\" name=\"_ftnref99\">[99]<\/a><\/p>\n<p>Hellmuth Christian Wolff, der vielleicht einflussreichste deutsche Barockopernforscher seiner Generation, meint, Postel sei als Duettdichter ein Erneuerer, \u201ceiner der genialsten deutschen Formgestalter jener Zeit, dem nicht die mindeste Unbeholfenheit oder Unselbst\u00e4ndigkeit mehr anhaftet\u201d, und schreibt den Texten Postels \u00fcberhaupt einen \u201cbesonderen Wert\u201d zu.<a href=\"#_ftn100\" name=\"_ftnref100\">[100]<\/a><\/p>\n<p>F\u00fcr Eberhard Haufe ist Postel in der Periode 1694\u20151703 \u201cder f\u00fchrende Operndichter\u201d, \u201cder bedeutendste Hamburger Librettist\u201d und <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em> ein \u201cMeisterwerk\u201d und eines der \u201cbesten St\u00fccke der Hamburger Oper \u00fcberhaupt\u201d.<a href=\"#_ftn101\" name=\"_ftnref101\">[101]<\/a><\/p>\n<p>George J. Buelow, der die Handschrift der f\u00fcr verschollen gehaltenen Partitur Johann Georg Conradis zu <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne <\/em>in der Kongressbibliothek in Washington, D.C. entdeckt hat, schreibt von \u201cPostel\u2019s excellent poetry\u201d<a href=\"#_ftn102\" name=\"_ftnref102\">[102]<\/a> und meint, \u201cPostel was the most important and prolific writer of librettos for the Hamburg Opera towards the end of the 17<sup>th<\/sup> century. [\u2026] His poetry is highly expressive and colourful in the Baroque sense but without an excessive amount of bombast. His intensely dramatic works were the perfect vehicles for the music of composers such as Conradi, [Johann Philipp] F\u00f6rtsch and [Reinhard] Keiser.\u201d<a href=\"#_ftn103\" name=\"_ftnref103\">[103]<\/a><\/p>\n<p>Rainer Wolf erw\u00e4hnt die \u201cerfindungsreiche allegor. Sprache\u201d Postels und bespricht auch \u201cganz neue Ausdrucksformen\u201d, die dieser geschaffen habe. Postels Publikumserfolge werden herangezogen, um zu zeigen, dass er einer \u201cder f\u00fchrenden Hamburger Dichter seiner Zeit\u201d war.<a href=\"#_ftn104\" name=\"_ftnref104\">[104]<\/a><\/p>\n<p>Man muss also Solveig Olsens Aussage, Postel sei von der \u201cRehabilitierung der Barockliteratur im 20. Jahrhundert [\u2026] ausgeschlossen\u201d, ablehnen.<a href=\"#_ftn105\" name=\"_ftnref105\">[105]<\/a><\/p>\n<p>Und wie stehen Postels Wertpapiere auf der literarischen B\u00f6rse des neuen Jahrtausends? Bodo Plachta schreibt neutral: \u201cSeine 30 \u00fcberlieferten deutschsprachigen Libretti zeichnen sich durch thematische Vielfalt und Eigenst\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber den Vorbildern der ital. und franz. Oper sowie durch gro\u00dfe N\u00e4he zur zeitgen\u00f6ssischen deutschen Literatur (z. B. zu Christian Hofmann v. Hofmannswaldau u. Daniel Casper v. Lohenstein) aus.\u201d<a href=\"#_ftn106\" name=\"_ftnref106\">[106]<\/a> Irmgard Scheitler nennt im Vorbeigehen \u201cPostels bleibende Wertsch\u00e4tzung\u201d, aber ist selbst neutral in der Behandlung des Verfassers.<a href=\"#_ftn107\" name=\"_ftnref107\">[107]<\/a><\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man feststellen, dass die Bewertung Postels dramatische Abweichungen w\u00e4hrend der mehr als 300 Jahren seit seines Auftretens als Singe-Spiel-Verfasser aufzeigt. Der einst gefeierte und verehrte Poet wurde im 19. Jahrhundert \u00fcberwiegend abgelehnt, um dann im 20. Jahrhundert genauso begeistert wie zu seiner Lebzeit als ein wichtiger Autor anerkannt zu werden. In unserem Jahrhundert hat man Bewertungen bisher ganz unterlassen und konzentriert sich stattdessen auf Faktenvermittlung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Singe-Spiel (oder Sing-Spiel): der deutsche Terminus f\u00fcr Dramma per musica (Oper im italienischen Stil) im 17. und 18. Jahrhundert. \u2015 Ein paar praktische Hinweise: Akte und Auftritte werden in diesem Aufsatz in Kurzform mit r\u00f6mischen und arabischen Ziffern wiedergegeben: Akt I, Auftritt 3 wird also I:3 geschrieben usw. Das Interpunktionszeichen \u201c\/\u201d in den Quellen des 17. Jahrhunderts wird hier als Kommazeichen wiedergegeben. \u2015 F\u00fcr sprachliche Beratung bin ich Herrn Pastor G\u00fcnther Watz, S\u00f6derhamn, sehr dankbar.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Dieser Abschnitt gr\u00fcndet sich auf Christian Friedrich Weichmanns \u201cVorrede\u201d zu Christian Heinrich Postel: <em>Der grosse Wittekind<\/em> (Hamburg, 1724). Siehe auch Solveig Olsen: <em>Christian Heinrich Postels Beitrag zur deutschen Literatur des sp\u00e4ten 17. Jahrhunderts<\/em> (Diss., Houston, Texas, 1968) S. 1\u201530, Bodo Plachta: \u201cPostel, Christian Heinrich\u201d in <em>Neue deutsche Biographie<\/em> (Berlin, 2000) S. 656 und Irmgard Scheitler: \u201cPostel, Christian Heinrich\u201d in Ludwig Finscher (Hrsg.): <em>Musik in Geschichte und Gegenwart. <\/em><em>Personenteil<\/em>, Band 13 (Kassel etc., 2005), Spalte 820\u2015823. Postels Mittelname kommt als \u201cHeinrich\u201d und \u201cHenrich\u201d vor, der Nachnahme als Postel und Postell.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dass Weichmann 1724 [S. 11] die einzige Quelle ist, die die Italienreise 1684 nennt, ist mit R\u00fccksicht auf Postels Libretti, die so deutlich venedigorientiert sind, erstaunenswert. Olsen 1968 schreibt hierzu: \u201cWeichmann nimmt an, dass die Reise [\u2026] nach Italien ging, aber keine Quellen konnten bis jetzt die Vermutung best\u00e4tigen.\u201d (S. 9) Dieses ist ein Missverst\u00e4ndnis: Weichmann brauchte keine Vermutungen auszudr\u00fccken, da er Zugang zu Postels (seitdem verschollenem) Reisetagebuch hatte. Es gibt keinen Grund, gerade der Information Weichmanns \u00fcber die Reise nach Italien zu misstrauen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Einen \u00dcbersicht \u00fcber die Fehde bietet Olsen 1968 S. 26\u201529. Siehe auch Gloria Flaherty: <em>Opera in the Development of German Critical Thought<\/em> (Diss., Princeton, N.J., 1978), wo Postels \u00c4sthetik (S. 32\u201536) und seine Position bei den j\u00fcngeren Barockpoeten (S. 47, 56f, 78, 83f) und den klassizistisch orientierten Theoretikern (S. 75, 77, 118, 145) beschrieben wird.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Seinen Flei\u00df als Verfasser hat der Unverheiratete im Vorwort zu <em>Die listige Juno <\/em>(Hamburg, 1700) so erkl\u00e4rt, dass \u201ceiner der nicht Spielen k\u00f6nne und nicht Saufen m\u00f6ge, noch allemahl Zeit habe\u201d [S. 19].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Olsen 1968 S. 11. Siehe auch Eberhard Haufe: <em>Die Behandlung der antiken Mythologie in den Textb\u00fcchern der Hamburger Oper 1678\u20151738<\/em> (<em>Mikrokosmos. Beitr\u00e4ge zur Literaturwissenschaft und Bedeutungsforschung <\/em>37. Frankfurt am Main etc., 1994 [urspr\u00fcnglich Diss., Jena, 1964]) S. 224\u2015227.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Hierunter sind Abschnitte des klassischen Altertums, des Mittelalters und der damaligen Gegenwart zu rechnen, sowohl mit internationalen wie mit lokalen Stoffen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Hans Joachim Marx: \u201cGeschichte der Hamburger Barockoper. Ein Forschungsbericht\u201d in Constantin Floros, Hans Joachim Marx &amp; Peter Petersen (Hrsg.): <em>Hamburger Jahrbuch f\u00fcr Musikwissenschaft<\/em> 3: <em>Studien zur Barockoper <\/em>(Hamburg, 1978) S. 22f. Nach Postels Tod wurden immer weniger mythologische Opern in Hamburg aufgef\u00fchrt (Haufe 1964\/1994 S. 58).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Einen \u00dcberblick \u00fcber den ausgezogenen Opernstreit gibt Dian Igor Lindberg: <em>Literary Aspects of German Baroque Opera: History, Theory, and Practice (Christian H. Postel and Barthold Feind)<\/em> (Diss., Los Angeles, 1964), Abteilung \u201cPietism and Opera\u201d (S. 87\u2015108). Siehe auch Anne-Rose Bittmann: <em>Die Kategorie der Unwahrscheinlichkeit im opern\u00e4sthetischen Schrifttum des 18. Jahrhunderts<\/em> (<em>Europ\u00e4ische Hochschulschriften. Reihe XXXVI: Musikwissenschaft<\/em> 85. Frankfurt am Main etc., 1992 [urspr\u00fcnglich Diss., Bonn, 1991]) S. 101f und Reinholt Quandt (Hrsg.): <em>Quellentexte zur Konzeption der europ\u00e4ischen Oper im 17. Jahrhundert<\/em> (Kassel etc., 1981) S. 171\u2015191. Elmenhorsts Vorname wird manchmal \u201cHeinrich\u201d, manchmal \u201cHinrich\u201d geschrieben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Christian Heinrich Postel schreibt im Vorbericht zu <em>Der Geliebte Adonis <\/em>(Hamburg, 1697), dass die Mythologiegegner wider besseres Wissen behaupteten, \u201des stecken Atheistereyen darein\u201d (S. [2] unpaginiert). Zitiert nach dem <a title=\"faksimile adonis\" href=\"http:\/\/diglib.hab.de\/drucke\/textb-610\/start.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Faksimile<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Ein gutes Beispiel bietet Postels Vorbericht zu <em>Der Geliebte Adonis<\/em>, der in seine Gesamtheit eine allegorische Auslegung des Venus und Adonis-Motives ist. Ausf\u00fchrlich hierzu Haufe 1964\/1994 S. 144\u2015168.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Vgl. Haufe 1964\/1994 S. 171f. Siehe auch S. 173\u2015182. Sogar in der biblischen Oper <em>Cain und Abel oder Der verzweifelnde Bruder=M\u00f6rder<\/em> (1689) verwendet Postel mehrmals mythologische Elemente, wohl um die Fremdartigkeit der Teufelsgestalten zu betonen: \u201cOrcus Tochter!\u201d, \u201cKomm mit Schlangen, La\u00df die Drachen=Haare prangen\u201d und das Verwenden eines mit Schlangen bespannten Wagens, der durch die Luft f\u00e4hrt (alles in I:10; s.a. III:7 und III:10; vgl. Medusa und Medea).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Postel: Vorwort zu <em>Der Geliebte Adonis<\/em> (1697) S. [2], zitiert nach dem <a title=\"faksimile adonis\" href=\"http:\/\/diglib.hab.de\/drucke\/textb-610\/start.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Faksimile<\/a>. Bruno Forment hat in seiner Doktorarbeit <em>La Terra, il Cielo e l\u2019Inferno. The Representation and Reception of Greco-Roman Mythology in Opera Seria<\/em> (Diss., Gent, 2006) S. 172f auf die Textstelle in Postels Vorwort aufmerksam gemacht. Barthold Feind hob Postels entscheidende Bedeutung f\u00fcr die Verwendung mythologischer Stoffe in Hamburg vor: \u201c[W]enn der seel. gelehrte Herr Lic[entiat]. <em>Postell<\/em> uns nicht gewiesen, wie man die sch\u00f6nste Gedancken der alten Griechischen und Lateinischen Po\u00ebten auch zu unsern Zeiten mit guten Applausu anbringen k\u00f6nte, h\u00e4tten wir gar nichts aufzuweisen\u201d (Barthold Feind: \u201cVorbericht\u201d zu <em>La costanza sforzata. Die Bezwungene Best\u00e4ndigkeit oder Die listige Rache Des Sueno<\/em> [Hamburg, 1706] in <em>Barth. Feindes, L<\/em>[<em>icentia<\/em>]<em>t. Deutsche Gedichte, Bestehend in Musicalischen Schau=Spielen<\/em> [\u2026] <em>Erster Theil<\/em> [Stade, 1708] S. 334). Rainer Wolf: \u201cPostel, Christian He(i)nrich\u201d in Walter Killy (Hrsg.): <em>Literaturlexikon. <\/em><em>Autoren und Werke deutscher Sprache<\/em> (M\u00fcnchen, 1991) nennt Postel vor allem \u201cin der Umsetzung antiker Stoffe in zeitgem\u00e4sse Dichtungen f\u00fcr viele seiner dt. Librettistenkollegen als vorbildhaft\u201d (S. 218). Siehe auch Haufe 1964\/1994 S. 170\u2015173 und 177.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Paul Nicolai: <em>Der Ariadne-Stoff in der Entwicklungsgeschichte der deutschen Oper. Eine musikkritische Betrachtung nebst einer Zusammenstellung von s\u00e4mtlichen musikalischen Ariadne-Werken der Welt <\/em>(Diss., Rostock. Viersen, 1919) S. 48f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Nicolai 1919 S. 53. Auf S. 50\u201553 hat Nicolai ein Verzeichnis italienischer, franz\u00f6scher, englischer und deutscher Opern, Ballette und Vokalwerke, die den Ariadne-Stoff behandeln. Julius Elias: \u201cPostel, Christian Henrich\u201d in <em>Allgemeine Deutsche Biographie<\/em>, Band 26 (Leipzig, 1888) meint f\u00e4lschlich, <em>Ariadne<\/em> sei eine \u00dcbersetzung aus dem Italienischen (S. 468). Die Vermutung in Olsen 1968 S. 120, Postel habe Pierre Perrins (um 1620\u201575) <em>Ariane ou Le mariage de Bacchus<\/em> (Paris 1659, in London[!] 1674 aufgef\u00fchrt) gekannt, ist aus der Luft gegriffen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> Renate Brockp\u00e4hler: <em>Handbuch zur Geschichte der Barockoper in Deutschland<\/em> (<em>Die Schaub\u00fchne. Quellen und Forschungen zur Theatergeschichte <\/em>62. Emsdetten, 1964) S. 258 Spalte 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Siehe Olsen 1968 S. 130ff und George J. Buelow: \u201cDie Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne (Hamburg 1691). A Lost Opera by J.G. Conradi Rediscovered\u201d in <em>Acta Musicologica<\/em> 44 (1972:1) S. 109f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Ausf\u00fchrlich \u00fcber Rinuccinis Text in Bojan Buji\u0107: \u201cRinuccini the Craftsman. A View of His <em>L\u2019Arianna<\/em>\u201d in <em>Early Music History<\/em> 18 (1999) S. 75\u2015117, wo auch eine Handlungs\u00fcbersicht gegeben wird (S. 82).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Bressand hat Postels Kniff, Bacchus schon von Anfang an unter Verkleidung mitwirken zu lassen, \u00fcbernommen, wie auch die zentrale Dreiecksgeschichte Ariadne\u2015Theseus\u2015Ph\u00e6dra. In Postels Fu\u00dfstapfen hat er die Personengalerie vermehrt (Minos und Pasiph\u00e6 sind von Postel \u00fcbernommen, sechs andere Personen sind neu), um die Handlung ausbauen zu k\u00f6nnen. Bressand schlie\u00dft seinen \u201cVorbericht\u201d mit den folgenden Worten: \u201cWeil auch ohnl\u00e4ngst auf einem anderen Schauplatz ein Singe=Spiel gleiches Namens vorgestellet worden, als versichert man, dass man vom selbigen ehe nichts gewust, als da dieses schon verfertiget war, sonst man vielleicht eine andere Materie w\u00fcrde erwehlet haben; wie denn solches leicht aus beyderseitigen umst\u00e4nden erhellet, die mit einander wenig oder nichts \u00fcberein treffen werden.\u201d Aus inhaltlichen Gr\u00fcnden muss diese Versicherung als nicht sehr \u00fcberzeugend bezeichnet werden. Schon Nicolai 1919 hat Bressands Behauptung \u201cstark\u201d angezweifelt und zeigt durch Textvergleiche, dass Bressands Libretto von Postels abh\u00e4ngig sein d\u00fcrfte (S. 12\u201515). Olsen 1968 ist der gleichen Meinung (S. 129f). Hier m\u00fcssen also Haufe 1964\/1994 S. 103 und Buelow 1972 S. 109 berichtigt werden, die behaupten, dass die beiden Libretti keine \u00c4hnlichkeiten aufweisen. Willi Flemmings Vergleich von Bressands und Postels <em>Ariadne<\/em>-Libretti in <em>Die Oper<\/em> (<em>Deutsche Literatur. Sammlung literarischer Kunst- und Kulturdenkm\u00e4ler in Entwicklungsreihen. Reihe Barock. Barockdrama <\/em>5. Leipzig, 1933) zielt nicht auf die Abh\u00e4ngigkeitsfrage, sondern darauf, Postels \u00dcberlegenheit als Librettist darzustellen, ab (S. 80; siehe auch S. 36f).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Olsen 1968 benennt die Insel fehlerhaft \u201cNaxos\u201d (S. 122).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> John D. Lindberg: \u201cThe German Baroque Opera Libretto\u201d in <em>The German Baroque. <\/em><em>Literature, Music, Art<\/em> (Austin, Texas und London, 1972) muss also berichtigt werden, wo behauptet wird, Postel sei konventionsgebunden den Einheiten des Ortes und der Zeit gegen\u00fcber und nicht der Handlung (S. 120): es verh\u00e4lt sich genau umgekehrt. \u00c4hnlich in Lindberg 1964 S. 298.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Postels Libretto wird in diesem Aufsatz nach dem Faksimile der Erstauflage (Hamburg, 1691) bei https:\/\/kataloge.uni-hamburg.de\/DB=1\/FKT=1016\/FRM=Die%2Bsch%25C3%25B6ne%2Bund%2Bgetreue%2BAriadne\/IMPLAND=Y\/LNG=DU\/LRSET=1\/SET=1\/SID=4269e6d1-0\/SRT=YOP\/TTL=1\/SHW?FRST=9 zitiert. Der Text wird auch im Beiheft zur Opernaufnahme auf dem Label cpo, Warennummer 777073\u20152, wiedergegeben. Das Vorwort und II:5\u20159 des Librettos sind in Albrecht Sch\u00f6ne (Hrsg.): <em>Das Zeitalter des Barock. Texte und Zeugnisse<\/em> (<em>Die deutsche Literatur vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert<\/em> 3. 3. Auflage, M\u00fcnchen, 1988) S. 684\u2015691 abgedruckt. <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em> wird in Solveig Olsen 1968 S. 119\u2015133 diskutiert, und in Dag Hedman: \u201cTr\u00e4dg\u00e5rdar i 1600-talslibretti\u201d in Rikard Wing\u00e5rd (Hrsg.): <em>Det \u00e5tervunna paradiset. Tidigmoderna tr\u00e4dg\u00e5rdar i fiktion och verklighet, teori och praktik <\/em>(G\u00f6teborg, 2015). Siehe auch Solveig Olsen: <em>Christian Heinrich Postel (1658\u20151705). Bibliographie<\/em> (<em>Beschreibende Bibliographien<\/em> 4. Hrsg.: C. Minis. Amsterdam, 1974) S. 17f, 58, 68f, 70f, 73, 78, 81ff, 85 und 87.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Schon Nicolaus Wilckens: <em>Hamburgischer Ehren=Tempel<\/em> (posthum erschienen: Hamburg, 1770) hat erkannt, wie sehr Postel \u201cin den Schauspielen die affecten wissen zu moviren\u201d (S. 701). Wie modern und wichtig Gem\u00fctsbewegungen zu dieser Zeit in den Hamburger Libretti waren, beschreibt Hans Joachim Marx: \u201cGeschichte der Hamburger Barockoper. Ein Forschungsbericht\u201d in Constantin Floros, Hans Joachim Marx &amp; Peter Petersen (Hrsg.): <em>Hamburger Jahrbuch f\u00fcr Musikwissenschaft<\/em> 3: <em>Studien zur Barockoper <\/em>(Hamburg, 1978) S. 22. Wolfgang Huber: <em>Das Textbuch der fr\u00fchdeutschen Oper. Untersuchungen \u00fcber literarische Voraussetzungen, stoffliche Grundlagen und Quellen<\/em> (Diss., M\u00fcnchen, 1957) nennt \u201ddie von Leidenschaften gepeitschten Personen\u201d in Postels Libretti (S. 48).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Schon Wilckens 1770 hat die Bedeutung der Vorrede zu <em>Ariadne <\/em>f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung von Postels mythologischer Gelehrsamkeit hervorgehoben (S. 700).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Postels Vorwort ist im Beiheft zur obengenannten Opernaufnahme abgedruckt (S. 74\u201579).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Nicolai 1919 hat Postel wegen der vermeintlichen K\u00fcrze von Ariadnes Klageszene getadelt (S. 9, 14). Olsen 1968 hat \u00fcberzeugend daraus den Schluss gezogen, Nicolai habe gar nicht Postels Originalfassung gekannt, die eine umfassende Klageszene hat, sondern nur die Bearbeitung eines unbekannten Verfassers f\u00fcr eine Neuauff\u00fchrung im Jahre 1722, wo die Klage stark gek\u00fcrzt ist (S. 124\u2015129). Auch Nicolais Behauptung, die beiden Textversionen seien mehr oder weniger identisch (S. 9), zeigt, dass er nicht beide gesehen hat. Um Kritik gegen sein Popularisierungsvorhaben und der Ausbeutung des antiken Stoffes zuvorzukommen, widmet Postel im Vorwort beachtlichen Raum f\u00fcr gelehrte Autoren aus sp\u00e4terer Zeit, die angesehene Werke \u00fcber die Antike geschrieben haben: Natalis Comitis (d.i. Natale Conti): <em>Mythologi\u00e6 sive Explicationem fabularum libri X<\/em> (Venedig, 1551), Lodovicus C\u00e6lius Rhodiginus (d.i. Lodovico Ricchieri): <em>Sicuti antiquarum lectionum commentarios <\/em>(Venedig, 1516), \u00c6gidius Strauch:<em> Astrognosia <\/em>(Wittenberg, 1668) und Philipp von Zesen: <em>Der erdichteten heidnischen Gottheiten, wie auch Als- und Halb-Gottheiten Herkunft und Beg\u00e4bnisse<\/em> (N\u00fcrnberg, 1688).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Andere Textstellen der antiken Literatur, wo der Ariadne-Stoff nebenbei vorkommt, stehen bei Homer: <em>Der Odyssee<\/em>, 11. Gesang, Zeilen 321\u2015325, Ovid: <em>Ars amatoria<\/em> Buch 3, Zeilen 35\u201536, und Plutarch: <em>Vit\u00e6 parallel\u00e6 <\/em>(um 100 n. Chr.), \u201cTheseus\u201d, Abschnitte 19\u201521.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Zum Anlass der Heirat des Kronprinzen Francesco Gonzagas mit der Prinzessin Margareta von Savoyen in Mantua im M\u00e4rz 1608. Rinuccini hatte seinem St\u00fcck den Untertitel <em>Tragedia<\/em> gegeben, obwohl es sich also um eine <em>Tragikom\u00f6die<\/em> handelt (ein Trauerspiel mit gl\u00fccklichem Ende).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> In Ovids <em>Fasti<\/em> (8 n. Chr.) Buch 3, Zeilen 459\u2015516 wird die Handlung noch weitergef\u00fchrt: Ariadne glaubt sich von Bacchus wegen einer sch\u00f6nen indischen Kriegsgefangenen verlassen. Die Darstellung endet damit, dass Bacchus die Ariadne mit sich in den Himmel nimmt, wo sie zum Sternbild Corona Ariadn\u00e6 verwandelt wird.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> <em>Die Sch\u00f6ne und Getreue Ariadne<\/em>, auf der letzten Seite des Vorwortes [unpaginiert].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Postel erw\u00e4hnt in seiner Vorrede zu <em>Ariadne<\/em>, dass Theseus hier \u201ceben allemahl nicht gar zu auffrichtig, sondern nach jetzigen Redens=Arten mehr galant und politisch als Tugendhafft zu Wercke geht\u201d (erste Seite der Vorrede [unpaginiert]). Siehe hierzu Haufe 1964\/1994 S. 117.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Laut Haufe 1964\/1994 S. 202 ist es m\u00f6glich, dass Postel die Dreiecksgeschichte von Alexandre Hardys <em>Ariadne ravie<\/em> (Paris, 1606) \u00fcbernommen hat. Es ist jedoch ungekl\u00e4rt, inwiefern Postel Hardys St\u00fcck gekannt hat. Siehe auch Haufe S. 206. Der sittlich entr\u00fcstete Julius Elias schrieb 1888 emp\u00f6rt \u00fcber die Freiheiten, die sich Postel wiederholt seinen Stoffen gegen\u00fcber geleistet hat: im biblischen Singe-Spiel <em>Cain und Abel oder Der verzweifelnde Bruder=M\u00f6rder<\/em> (1689) \u201cfinden wir gar ein widerliches Liebesverh\u00e4ltniss zwischen Bruder und Schwester\u201d und in <em>Der tapfere Kayser Carolus Magnus und dessen erste Gemahlin Hermingardis <\/em>(1692), \u201cPostel\u2019s plattestes, gemeinstes Werk\u201d, ist das Kaiserpaar zu galant geschildert: \u201cEhebruch, Sch\u00e4ndung, Nothzucht, Verrath, Betrug, ordin\u00e4re Intriguen, unz\u00fcchtige Rivalit\u00e4t werden lediglich einer verlogenen Liebesleidenschaft wegen in Bewegung gesetzt. Der heldenhafte, wetterfeste Karl der Geschichte geberdet sich bald schmachtend wie ein liebegirrender Sch\u00e4fer, bald roh wie ein l\u00fcsterner Bube.\u201d (S. 469) Zum Thema des Erotischen in den Singe-Spielen, siehe Anette Guse: <em>Zu einer Poetologie der Liebe in Textb\u00fcchern der Hamburger Oper (1678\u20151738). <\/em><em>Eine Fallstudie zu Heinrich Elmenhorst, Christian Friedrich Hunold und Barthold Feind <\/em>(Diss., Kingston, Ontario, 1997).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Vergleiche Bodo Plachta: \u201cPlagiat oder Neusch\u00f6pfung? Zum Einfluss der galanten Lyrik Christian Hofmann von Hofmannswaldaus auf Libretti von Christian Heinrich Postel\u201d in <em>Die Musikforschung<\/em> (Kassel und Basel, 1981), der von metaphorischer Verh\u00fcllung besonders erotisierender K\u00f6rperzonen in manchen Arien Postels schreibt, \u201dum dem Rezipienten einen Assoziationsspielraum zu belassen, in dem er die Vielschichtigkeit der Metaphern selbst\u00e4ndig ausdeuten kann\u201d (S. 19).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Die Anzahl der Arien in <em>Ariadne <\/em>ist 57, was f\u00fcr das Ende des 17. Jahrhunderts normal ist. Vgl. hierzu Tebaldo Fattorini (Lebensjahre unbekannt): <em>Eteocle e Polinice<\/em> (Venedig, 1674) und Giulio Cesare Corradi (1650\u20151701\/02): <em>La divisione del mondo<\/em> (Venedig, 1675), die mit je 90 Arien einen H\u00f6chstwert erreicht haben d\u00fcrften. Vgl. Eleanor Selfridge-Field: <em>A New Chronology of Venetian Opera and Related Genres, 1660\u20151760 <\/em>(Stanford, Kalif., 2007) S. 113ff. Sara Smart: \u201cDie Oper und die Arie um 1700. Zu den Aufgaben der Librettisten und zur Form und Rolle der Arie am Beispiel der Braunschweiger und Hamburger Oper\u201d in Gudrun Busch und Anthony J. Harper: <em>Studien zum deutschen weltlichen Kunstlied des 17. und 18. Jahrhunderts <\/em>(<em>Chloe. Beihefte zum Daphnis<\/em> 12. Amsterdam, 1992) unterscheidet vier Ariengattungen: Affektarien, Galanteriearien, Moralarien und komische Arien (S. 191\u2015212).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Huber 1957 S. 48.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Klaus Zelm: \u201cZur Verarbeitung italienischer Stoffe auf der Hamburger G\u00e4nsemarkt-Oper\u201d in Constantin Floros, Hans Joachim Marx &amp; Peter Petersen (Hrsg.): <em>Hamburger Jahrbuch f\u00fcr Musikwissenschaft<\/em> 5: <em>Die fr\u00fchdeutsche Oper und ihre Beziehungen zu Italien, England und Frankreich <\/em>(Laaber, 1981) betont den steten venezianischen Einfluss auf den Hamburger Libretti (S. 89). Haupts\u00e4chlich verantwortlich f\u00fcr die \u00dcbersetzungen der italienischen Libretti ins Deutsche waren in den 1690er Jahren der Braunschweiger Hofdichter Gottlieb Fiedler (Lebensjahre unbekannt) und Postel (S. 89). Acht italienische Opern wurden in den 1690er Jahren f\u00fcr Hamburg ins Deutsche \u00fcbersetzt (S. 90). Davon war Postel f\u00fcr f\u00fcnf verantwortlich (er hatte 1688 schon zwei geliefert). Die Texte kamen teils direkt aus Venedig, teils aus Braunschweig und Hannover. Laut Christian Friedrich Weichmanns \u201cVorrede\u201d zu Christian Heinrich Postel: <em>Der grosse Wittekind<\/em> (Hamburg, 1724) hat Postel Venedig dreimal im Leben besucht (S. [15] der \u201cVorrede\u201d [unpaginiert]) und die Eindr\u00fccke und Kontakte, die er da bekommen hat, haben eindeutig einen gro\u00dfen Einfluss auf sein Librettoschaffen ausge\u00fcbt. Sicher haben Postel und sein Freund Friedrich Christian Bressand, der auch in Braunschweig t\u00e4tig war, Texte einander vermittelt. Postel \u00fcbersetzte auch aus dem Franz\u00f6sischen: 1692 hat er, wie schon erw\u00e4hnt, Jean Galbert de Campistrons <em>Achille et Polix\u00e8ne <\/em>(1687) ins Deutsche \u00fcbertragen, mit der franz\u00f6sischen Originalmetrik beibehalten, sodass Jean-Baptiste Lullys (1632\u201587) und Pascal Colasses (1649\u20151709) Musik unver\u00e4ndert aufgef\u00fchrt werden konnte (Herbert Schneider: \u201cOpern Lullys in deutschsprachigen Bearbeitungen\u201d in Constantin Floros, Hans Joachim Marx &amp; Peter Petersen (Hrsg.): <em>Hamburger Jahrbuch f\u00fcr Musikwissenschaft<\/em> 5: <em>Die fr\u00fchdeutsche Oper und ihre Beziehungen zu Italien, England und Frankreich <\/em>(Laaber, 1981) S. 73\u201576, 78).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Solche Gedanken findet man schon in Alessandro Giudottis Vorwort \u201cA\u2019 lettori\u201d in Agostino Manni: <em>La rappresentatione di Anima et di Corpo<\/em> (Rom, 1600), nachgedruckt in Reinholt Quandt (Hrsg.): <em>Quellentexte zur Konzeption der europ\u00e4ischen Oper im 17. Jahrhundert<\/em> (Kassel etc., 1981) S. 13\u201516.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref38\" name=\"_ftn38\">[38]<\/a> Die \u201dLustige Person\u201d wird in Hellmuth Christian Wolff: <em>Die Barockoper in Hamburg (1678\u20151738) <\/em>(Wolfenb\u00fcttel, 1957 [Urspr. Diss. Kiel, 1942]) S. 132\u2015182 ausf\u00fchrlich behandelt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref39\" name=\"_ftn39\">[39]<\/a> Hans Joachim Marx 1978 S. 23.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref40\" name=\"_ftn40\">[40]<\/a> \u201c[U]nbek\u00fcmmerte Unanst\u00e4ndigkeit\u201d und \u201cDesinteresse an Best\u00e4ndigkeit\u201d in der Liebe sind typische Z\u00fcge der komischen Figuren, wie Smart 1992 festgestellt hat (S. 211).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref41\" name=\"_ftn41\">[41]<\/a> Bernhard Jahn: \u201cChristian Heinrich Postels <em>Verst\u00f6rung Jerusalem<\/em>[<em>s<\/em>] (1692). Zur Konfrontation divergierender barocker Poetiken und ihrer Destruktion im Opernlibretto\u201d in <em>Compar(a)ison. An International Journal of Comparative Literature<\/em> 1994 [=1994b] S. 152.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref42\" name=\"_ftn42\">[42]<\/a> Haufe 1964\/1994 bespricht Postels Bem\u00fchungen, dem Geschmacke seines Publikums entgegenzukommen (S. 252\u2015255). \u201cEin b\u00fcrgerlich-st\u00e4dtisches Publikum, zu dem auch die unteren sozialen Schichten z\u00e4hlten, bestimmte den Charakter des gr\u00f6\u00dften Kunstinstituts seiner Stadt. Dass dieser Hamburger B\u00fcrgergeschmack sich selbst in der mythologischen Oper durchsetzte, ist der klarste Beweis f\u00fcr seine nachhaltige Kraft und Wirkung.\u201d (Haufe 1964\/1994 S. 263)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref43\" name=\"_ftn43\">[43]<\/a> \u00dcber die Verbindung von Venus und G\u00e4rten im Libretto des 17. Jahrhunderts, siehe Dag Hedman: \u201cTr\u00e4dg\u00e5rdar i 1600-talslibretti\u201d in Rikard Wing\u00e5rd (Hrsg.): <em>Det \u00e5tervunna paradiset. Tidigmoderna tr\u00e4dg\u00e5rdar i fiktion och verklighet, teori och praktik <\/em>(G\u00f6teborg, 2015).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref44\" name=\"_ftn44\">[44]<\/a> D.i. Theseus, Ariadne, Ph\u00e6dra, Pamphilius und Pirithous.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref45\" name=\"_ftn45\">[45]<\/a> In Ovids <em>Ars amatoria,<\/em> Buch 1 wird der Wagen des Bacchus von Tigern gezogen (Zeilen 550 und 559).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref46\" name=\"_ftn46\">[46]<\/a> Sternhimmeleffekte auf der Opernb\u00fchne des Barock werden in Flemming 1933 besprochen, wobei auch das Ende von <em>Ariadne<\/em> genannt wird (S. 52).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref47\" name=\"_ftn47\">[47]<\/a> Alessandro Giudotti: \u201cA\u2019 lettore\u201d in Agostino Manni: <em>La rappresentatione di Anima et di Corpo<\/em> (1600); \u00fcbersetzt nach dem Nachdruck in Reinholt Quandt (Hrsg.): <em>Quellentexte zur Konzeption der europ\u00e4ischen Oper im 17. <\/em><em>Jahrhundert<\/em> (Kassel etc., 1981) S. 13f. Siehe auch Smart 1992 S. 200.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref48\" name=\"_ftn48\">[48]<\/a> Wolff 1942\/1957 S. 345.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref49\" name=\"_ftn49\">[49]<\/a> Vergleiche Flaherty 1978 S. 32\u201536.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref50\" name=\"_ftn50\">[50]<\/a> Johann Mattheson: <em>Der Musicalische Patriot<\/em> (Hamburg, 1728) S. 180. Es liegen vier verschiedene Hamburger Librettodrucke von Postels <em>Ariadne <\/em>in der Staats- und Universit\u00e4tsbibliothek Hamburg (Sondersammlungen) vor, eine aus 1691, drei aus 1692, welches auf eine verl\u00e4ngerte Spielperiode und\/oder eine Wiederholung des Singe-Spiels deutet; hierzu muss man noch die Auff\u00fchrungen in Leipzig 1712 und in Hamburg 1722\u201525 hinzuf\u00fcgen: Matthesons Worte sind somit indirekt best\u00e4tigt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref51\" name=\"_ftn51\">[51]<\/a> Nicolaus Wilckens: <em> Hamburgischer Ehren=Tempel<\/em> (posthum erschienen: Hamburg, 1770).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref52\" name=\"_ftn52\">[52]<\/a> Barthold Feind: \u201cVorbericht\u201d zu <em>Die R\u00f6mische Unruhe oder Die Edelm\u00fcthige Octavia<\/em> (Hamburg, 1705) in <em>Barth. Feindes, Lt. Deutsche Gedichte, Bestehend in Musicalischen Schau=Spielen<\/em> [\u2026] <em>Erster Theil<\/em> (Stade, 1708) S. 117f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref53\" name=\"_ftn53\">[53]<\/a> Barthold Feind: \u201dVorbericht\u201d zu <em>La costanza sforzata. Die Bezwungene Best\u00e4ndigkeit oder Die listige Rache Des Sueno<\/em> (Hamburg, 1706) in Feind 1708 S. 334.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref54\" name=\"_ftn54\">[54]<\/a> Barthold Feind: \u201dVorbericht\u201d zu <em>L\u2019amore ammalato. Die Kranckende Liebe oder Antiochus und Stratonica<\/em> (Hamburg, 1708) in Feind 1708 S. 397f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref55\" name=\"_ftn55\">[55]<\/a> Barthold Feind: \u201cVorbericht\u201d zu <em>Der Fall Des grossen Richters in Israel, Simson, Oder: Die abgek\u00fchlte Liebes=Rache der Debora<\/em> (Hamburg, 1709) S. [2]. Zitiert nach dem Faksimiledruck in Reinhart Meyer [Hrsg.]: <em>Die Hamburger Oper. Eine Sammlung von Texten der Hamburger Oper aus der Zeit 1678\u20151730<\/em>, Band 2 (M\u00fcnchen, 1980) s. 266.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref56\" name=\"_ftn56\">[56]<\/a> Johann Mattheson: <em>Critica musica<\/em>, Band 1, Teil 1 (Hamburg, 1722) S. 87. Der Anlass war eine Auff\u00fchrung 1722 von Postels <em>Der Grosse K\u00f6nig Der Africanischen Wenden Gensericus Als Rom[s] und Carthagens \u00dcberwinder, <\/em>der 1691 mit Conradis Musik aufgef\u00fchrt wurde (Hamburg), 1692 mit Kussers (Braunschweig), und 1722 mit Telemanns (Hamburg) in der Textbearbeitung Christian Friedrich Weichmanns. Die letztgenannte Version wurde in Braunschweig 1725 und 1732 wiederaufgef\u00fchrt. Postels <em>Gensericus<\/em>, <em>Cain und Abel<\/em>, <em>Der M\u00e4chtige Monarch Der Perser Xerxes in Abidus <\/em>und <em>Die Wunderbar=errettete Iphigenia<\/em> werden in Dian Igor Lindberg: <em>Literary Aspects of German Baroque Opera: History, Theory, and Practice (Christian H. Postel and Barthold Feind)<\/em> (Diss., Los Angeles, 1964), Abteilung \u201cAppendix. German Baroque Opera in Practice. Christian Heinrich Postel [\u2026]\u201d (S. 192\u2015243) besprochen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref57\" name=\"_ftn57\">[57]<\/a> Mattheson 1722 S. 88.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref58\" name=\"_ftn58\">[58]<\/a> Mattheson: <em>Critica musica<\/em>, Band 1, Teil 2 (Hamburg, 1722) S. 119f. Siehe auch S. 95.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref59\" name=\"_ftn59\">[59]<\/a> Mattheson: <em>Critica musica<\/em>, Band 1, Teil 3 (Hamburg, 1722) S. 231f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref60\" name=\"_ftn60\">[60]<\/a> Unter den Librettisten ist Postel der einzige, \u00fcber den Mattheson Bemerkungen in seiner Spielliste der Hamburger Oper in <em>Der Musicalische Patriot<\/em> schreibt, beispielsweise: \u201cAnno 1698. [\u2026] <em>Janus<\/em>. Hr. Keiser machte die Music. Hr. Postel die Verse. Diese beiden Verfasser verstunden sich sehr wol, und brachten viel Sch\u00f6nes zu Wege. Diese Opera bewiess es sonderlich. [\u2026] Anno 1699. [\u2026] <em>Iphigenia<\/em>. Music vom Hn. Keiser. Poesie vom Hn. Postel. Beiderseits sch\u00f6n. [\u2026] <em>Hercules und Hebe<\/em>. Von eben denselben Meistern. Trefflich wol gerathen.\u201d (S. 183). Olsen 1968 zitiert die Bemerkung \u00fcber <em>Janus<\/em>, aber hat einen fehlerhaften Seitenhinweis in ihrer Fu\u00dfnote auf S. 14.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref61\" name=\"_ftn61\">[61]<\/a> Weichmann 1724 S. [21; unpaginiert].<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref62\" name=\"_ftn62\">[62]<\/a> Gotthold Ephraim Lessing: \u201cOper, die Hamburgische\u201d in derselbe: <em>Kollektaneen zur Literatur. Zweyter Band<\/em> (posthum erschienen: Berlin, 1790. Hrsg.: Johann Joachim Eschenburg) S. 220f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref63\" name=\"_ftn63\">[63]<\/a> Lessing 1790 S. 215f. Siehe auch S. 216, 218 und Eschenburgs Bemerkung auf S. 224.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref64\" name=\"_ftn64\">[64]<\/a> Flaherty 1978 S. 145. Siehe weiter S. 75, 77, 118. Einen \u00dcberblick \u00fcber die Rezeption im 18. Jahrhundert gibt Julius Elias: \u201cPostel, Christian Henrich\u201d in <em>Allgemeine Deutsche Biographie<\/em>, Band 26 (Leipzig, 1888) S. 472f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref65\" name=\"_ftn65\">[65]<\/a> G.G. Gervinus: <em>Geschichte der poetischen National-Literatur der Deutschen<\/em>, 5 Bde. (Leipzig, 1835\u201542), hier zitiert nach der f\u00fcnften Auflage:<em> Geschichte der Deutschen Dichtung. Dritter Band<\/em> (Leipzig, 1872) S. 580f und 585.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref66\" name=\"_ftn66\">[66]<\/a> Ernst Otto Lindner: <em>Die erste stehende Deutsche Oper <\/em>(Berlin, 1855) S. 53 <em>et passim<\/em>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref67\" name=\"_ftn67\">[67]<\/a> Lindner 1855 S. 53. Lindners eigensinnige Kommasetzung wird in den Zitaten hier beibehalten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref68\" name=\"_ftn68\">[68]<\/a> Lindner 1855 S. 53f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref69\" name=\"_ftn69\">[69]<\/a> Lindner 1855 S. 55; \u201ckrankhaft bombastisch\u201d hei\u00dft es sp\u00e4ter (S. 58); man braucht \u201dkaum mehr als die Bildung eines Primaners\u201d, um so zu schreiben wie Postel (ebd.).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref70\" name=\"_ftn70\">[70]<\/a> Lindner 1855 S. 55f.<\/p>\n<p>[<a href=\"#_ftnref71\" name=\"_ftn71\">71<\/a>] Lindner 1855 S. 56, 78. Das Scherenschleiferfinale erntet noch 65 Jahre sp\u00e4ter eine R\u00fcge in Nicolai 1919: \u201cRecht geschmacklos\u201d und da \u201cdem Wunsche des Publikums Rechnung tragend, [\u2026] sehr bezeichnend f\u00fcr die damaligen Sittenzust\u00e4nde\u201d (S. 7). Huber 1957 hingegen findet gerade den Scherenschleifer \u201coriginell\u201d im positiven Sinne (S. 108). Die Beliebtheit beim Publikum von Pamphilius\u2019 Einsatz als Scherenschleifer ist davon ablesbar, dass Joachim Beccau (1690\u20151754) das Lied \u201cWas kan der edlen Schleiffer=Kunst\u201d als Vorlage f\u00fcr Evils Degenschleiferlied in <em>L&#8217;amor insanguinato oder Holofernes<\/em> (Braunschweig, 1716) I:6 benutzt hat. Beccau hat Postels Text ins Niederdeutsche \u00fcbersetzt. Siehe Joachim Beccau: <em>Theatralische Gedichte und \u00dcbersetzungen <\/em><em>denen Liebhabern der teutschen Poe\u0308sie<\/em><em> mitgetheilet<\/em> (Hamburg, 1720) S. 53. Faksimile bei http:\/\/books.google.se\/books?id=Fl46AAAAcAAJ&amp;pg=RA1-PA179&amp;lpg=RA1-PA179&amp;dq=%22TheaTRALISCHE+gEDICHTE+UND+%C3%BCBERSETZUNGEN%22&amp;source=bl&amp;ots=zR9BGQc4Nt&amp;sig=ClKnu_t3lT_0JTnX83POkhCYkas&amp;hl=sv&amp;sa=X&amp;ei=vX1GU636OavnygPWgoKwAg&amp;ved=0CFQQ6AEwBQ#v=onepage&amp;q=%22TheaTRALISCHE%20gEDICHTE%20UND%20%C3%BCBERSETZUNGEN%22&amp;f=false.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref72\" name=\"_ftn72\">[72]<\/a> Lindner 1855 S. 179.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref73\" name=\"_ftn73\">[73]<\/a> Lindner 1855 S. 155.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref74\" name=\"_ftn74\">[74]<\/a> Lindner 1855 S. 53, 78.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref75\" name=\"_ftn75\">[75]<\/a> Lindner 1855 S. 175, 177. Das Wort bedeutet: von Postel bearbeitet, d.h. \u201cbarockisiert\u201d (vgl. Flemming 1933 S. 35).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref76\" name=\"_ftn76\">[76]<\/a> Pietro Metastasio, pseudonym f\u00fcr Pietro Trapassi (1698\u20151782), war der meistgeachtete und beliebteste der Librettisten \u00fcberhaupt, kaiserlicher Hofdichter in Wien 1729\u201582.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref77\" name=\"_ftn77\">[77]<\/a> Friedrich Chrysander: <em>G.F. H\u00e4ndel<\/em>, Band 1 (Leipzig, 1858) S. 79f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref78\" name=\"_ftn78\">[78]<\/a> [Friedrich Chrysander]: \u201cInhaltsverzeichniss\u201d in <em>Allgemeine Musikalische Zeitung<\/em> (Leipzig, 1878) S. vii. Auf der entsprechenden Stelle im Jahrgang 1879 hei\u00dft es: \u201dPostel, Chr., der gr\u00f6sste Dichter f\u00fcr die hamburgische Oper um 1700\u201d (S. vii).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref79\" name=\"_ftn79\">[79]<\/a> Chr. [d. i. Friedrich Chrysander]: \u201cDie zweite Periode der Hamburger Oper von 1682 bis 1694, oder vom Theaterstreit bis zur Direction Kusser\u2019s\u201d in <em>Allgemeine Musikalische Zeitung<\/em> (Leipzig, 1878) Spalte 130. Siehe auch Spalte 65f, 99, 114f und 131, sowie die Fortsetzungen \u201cDie Hamburger Oper unter der Direction von Joh. Sigmund Kusser. 1693\u20151695\u201d Spalte 407 und \u201cGeschichte der Hamburger Oper vom Abgange Kusser\u2019s bis zum Tode Schott\u2019s. (1695\u20151702.)\u201d Spalte 451, 458, 502 und 521 (beide Fortsetzungen in <em>Allgemeine Musikalische Zeitung<\/em>, Leipzig, 1879).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref80\" name=\"_ftn80\">[80]<\/a> \u201dVon den tief eingewurzelten Geschmacklosigkeiten der Zeit vermochte er sich nicht zu befreien\u201d, hei\u00dft es typisch in Spalte 521.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref81\" name=\"_ftn81\">[81]<\/a> Chrysander 1878 Spalte 373f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref82\" name=\"_ftn82\">[82]<\/a> Chrysander 1878 Spalte 374 (Rezitativ), 66 und 114 (Arie).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref83\" name=\"_ftn83\">[83]<\/a> Ebd. Spalte 372. Der <em>Ariadne-<\/em>Abschnitt ist auf Spalte 371\u2015376 gedruckt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref84\" name=\"_ftn84\">[84]<\/a> Ebd. Spalte 376. Johann Georg Conradis Musik zu <em>Ariadne<\/em> hat Chrysander nicht gekannt; sie wurde erst im Jahre 1971 von George J. Buelow in der Kongressbibliothek, Washington, D.C. wiedergefunden und identifiziert. Erste moderne Auff\u00fchrung: Boston Early Music Festival, Boston, 2003, zweite: <em>Amherst Early Music<\/em> Festival, Amherst, Massachussetts, Juli 2008, dritte: Landestheater Niederbayern, Passau\/Landshut\/Straubing, April 2014, vierte: Landesmusikakademie Nordrhein-Westfalen, Heek, Juni 2014.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref85\" name=\"_ftn85\">[85]<\/a> Ludwig Meinardus: <em>R\u00fcckblicke auf die Anf\u00e4nge der deutschen Oper in Hamburg. <\/em><em>Eine Festschrift<\/em> (Hamburg, 1878) S. 71.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref86\" name=\"_ftn86\">[86]<\/a> Meinardus 1878 S. 77.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref87\" name=\"_ftn87\">[87]<\/a> Meinardus 1878 S. 70. Meinardus zitiert auch Matthesons positive Worte \u00fcber <em>Der Grosse K\u00f6nig Der Africanischen Wenden Gensericus <\/em>in <em>Critica musica<\/em> I S. 87.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref88\" name=\"_ftn88\">[88]<\/a> Julius Elias: \u201cPostel, Christian Henrich\u201d in <em>Allgemeine Deutsche Biographie<\/em>, Band 26 (Leipzig, 1888) S. 467.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref89\" name=\"_ftn89\">[89]<\/a> Vergleiche Bernhard Jahn: \u201c<em>L\u2019Adelaide<\/em> und <em>L\u2019Heraclio<\/em> in Venedig, Breslau und Hamburg. Transformationen zweier B\u00fchnenwerke im Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Musik- und Sprechtheater\u201d in <em>Deutsche Vierteljahrsschrift f\u00fcr Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte <\/em>(1994 [=1994a]), wo festgestellt wird, dass kein systematischer Vergleich zwischen den schlesischen Barockpoeten und den Hamburgern vorliegt (S. 650f, 694), obwohl Einzelstudien auf dem Gebiete vorhanden sind, wie Jahn 1994a und Bodo Plachta: \u201cPlagiat oder Neusch\u00f6pfung? Zum Einfluss der galanten Lyrik Christian Hofmann von Hofmannswaldaus auf Libretti von Christian Heinrich Postel\u201d in <em>Die Musikforschung<\/em> (Kassel und Basel, 1981) S. 10\u201524. Haufe 1964\/1994 z\u00e4hlt Hinweise bei Postel zu Hofmannswaldau und Lohenstein auf (S. 228f).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref90\" name=\"_ftn90\">[90]<\/a> Elias 1888 S. 467.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref91\" name=\"_ftn91\">[91]<\/a> Elias 1888 S. 469.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref92\" name=\"_ftn92\">[92]<\/a> Bernhard Jahn: \u201cChristian Heinrich Postels <em>Verst\u00f6rung Jerusalem<\/em>[<em>s<\/em>] (1692). Zur Konfrontation divergierender barocker Poetiken und ihrer Destruktion im Opernlibretto\u201d in <em>Compar(a)ison. An International Journal of Comparative Literature<\/em> 1994 [=1994b] S. 149. Lindner 1855 nannte \u00fcbrigens <em>Die Verst\u00f6rung Jerusalems<\/em> \u201cEines der widerlichsten Monsterst\u00fccke\u201d (S. 175).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref93\" name=\"_ftn93\">[93]<\/a> K.K. Ruthven: <em>Faking Literature<\/em> (Cambridge, 2001) s. 134.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref94\" name=\"_ftn94\">[94]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref95\" name=\"_ftn95\">[95]<\/a> G\u00fcnther M\u00fcller: <em>Geschichte des deutschen Liedes <\/em>(M\u00fcnchen, 1925) S. 106.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref96\" name=\"_ftn96\">[96]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref97\" name=\"_ftn97\">[97]<\/a> M\u00fcller 1925 S. 107.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref98\" name=\"_ftn98\">[98]<\/a> M\u00fcller 1925 S. 125.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref99\" name=\"_ftn99\">[99]<\/a> M\u00fcller 1925 S. 107.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref100\" name=\"_ftn100\">[100]<\/a> Wolff 1942\/1957 S. 54 und 60. Siehe auch Willi Flemming: <em>Die Oper<\/em> (<em>Deutsche Literatur. <\/em><em>Sammlung literarischer Kunst- und Kulturdenkm\u00e4ler in Entwicklungsreihen. Reihe Barock. Barockdrama <\/em>5. Leipzig, 1933) S. 34\u201538, 40 und 80f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref101\" name=\"_ftn101\">[101]<\/a> Haufe 1964\/1994 S. 57, 166, 67 und 203. Siehe auch S. 94, 103f, 168,183ff, 220, 226, 230 und 252.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref102\" name=\"_ftn102\">[102]<\/a> George J. Buelow: \u201cDie sch\u00f6ne und getreue Ariadne (Hamburg 1691). A Lost Opera by J.G. Conradi Rediscovered\u201d in <em>Acta Musicologica<\/em> 44 (1972:1) S. 119. Im gleichen Jahre nannte John D. Lindberg Postel und Barthold Feind \u201cthe masters of the the German baroque opera libretto\u201d in \u201cThe German Baroque Opera Libretto\u201d in <em>The German Baroque. Literature, Music, Art<\/em> S. 114.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref103\" name=\"_ftn103\">[103]<\/a> George J. Buelow: \u201cPostel, Christian Heinrich&#8220; in Stanley Sadie (Hrsg.):<em> The New Grove Dictionary of Music and Musicians<\/em>, Band 15 (London, 1980) S. 153f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref104\" name=\"_ftn104\">[104]<\/a> Rainer Wolf: \u201cPostel, Christian He(i)nrich\u201d in Walter Killy (Hrsg.): <em>Literaturlexikon. <\/em><em>Autoren und Werke deutscher Sprache<\/em> (M\u00fcnchen, 1991) S. 218.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref105\" name=\"_ftn105\">[105]<\/a> Olsen 1968 S. vi. Es gibt aber auch im 20. Jahrhundert Forscher, die sich sehr zur\u00fcckweisend Postels Texten gegen\u00fcber verhalten. Armand Treutler: <em>Herders dramatische Dichtungen (Mit Benutzung ungedruckter Quellen) <\/em>(Max Koch &amp; Gregor Sarrazin [Hrsg.]: <em>Breslauer Beitr\u00e4ge zur Literaturgeschichte. Neuere Folge<\/em> 45. Stuttgart, 1915) meint, dass die antike Sage in Postels <em>Ariadne<\/em> \u201cZu einer wahren Farce wird\u201d, dass es ein \u201cMachwerk\u201d sei, und schreibt zusammenfassend: \u201cDas ganze St\u00fcck hat durchaus keinen k\u00fcnstlerischen Wert\u201d (S. 111). Siehe auch Hermann Kretzschmar: <em>Geschichte der Oper <\/em>(<em>Kleine Handb\u00fccher der Musikgeschichte nach Gattungen<\/em>, Band VI. Leipzig, 1919): \u201cDas \u00c4rgeste in diesem Missbrauch alter Kultur ist von den Hamburger Librettisten geleistet worden. Unter ihnen gab Christian <em>Postel<\/em> den Ton an. Als Dramen sind seine St\u00fccke liederlich und widerlich, um die Handlung ist\u2019s ihm kaum Ernst, seine Sprache w\u00fcrzt den Bombast der Schlesischen Schule durch Zoten.\u201d (S. 143) Kretzschmar gibt jedoch zu, dass Postel \u201cein gewandter Reimer\u201d ist, und dass er \u201cdie Lebensweisheit und die Tagesinteressen des gemeinen Mannes geschickt in Verse\u201d fasst (ebd.). Lilith Friedmann: <em>Die Gestaltung des Ariadnestoffes von der Antike bis zur Neuzeit<\/em> (Diss., Wien, [1933]), schreibt von einer \u201cVerrohung des Geschmacks\u201d und \u201csinnlosem Schwulst\u201d (S. 85) in Postels <em>Ariadne<\/em>, sowie von \u201ceinem Wust von Verwicklungen und schmutzigen Unwahrscheinlichkeiten\u201d (S. 88).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref106\" name=\"_ftn106\">[106]<\/a> Bodo Plachta: \u201cPostel, Christian Heinrich\u201d in <em>Neue deutsche Biographie<\/em> (Berlin, 2000) S. 656.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref107\" name=\"_ftn107\">[107]<\/a> Irmgard Scheitler: \u201cPostel, Christian Heinrich\u201d in Ludwig Finscher (Hrsg.): <em>Musik in Geschichte und Gegenwart. <\/em><em>Personenteil<\/em>, Band 13 (Kassel etc., 2005), Spalte 822.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Kurzversion dieses Aufsatzes erschien in Annie Bourguignon, Konrad Harrer &amp; Franz Hintereder-Emde (Hrsg.): <em>Hohe und niedere Literatur. Tendenzen zur Ausgrenzung, Vereinnahmung und Mischung im deutschsprachigen Raum<\/em> (Frank &amp; Timme Verlag, Berlin, 2015, S. 87-99).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage hedman\" href=\"http:\/\/lir.gu.se\/om-oss\/personal?userId=xhedda\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dag Hedman<\/a> ist Professor f\u00fcr Literaturwissenschaft an der Universit\u00e4t G\u00f6teborg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine historische Vergleichsm\u00f6glichkeit zu unseren aktuellen Themen: Popularisierung im Barock<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[224,291,437,928,1837,1862],"class_list":["post-4060","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-ariadne","tag-barock","tag-christian-heinrich-postel","tag-hamburger-oper","tag-pop-zeitschrift-2","tag-popularisierung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4060","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4060"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4060\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4060"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4060"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4060"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}