{"id":4704,"date":"2015-06-21T17:33:39","date_gmt":"2015-06-21T15:33:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=4704"},"modified":"2015-06-21T17:33:39","modified_gmt":"2015-06-21T15:33:39","slug":"mode-junijan-c-watzlawik21-6-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2015\/06\/21\/mode-junijan-c-watzlawik21-6-2015\/","title":{"rendered":"Mode JuniJan C. Watzlawik21.6.2015"},"content":{"rendered":"<p>Zur Sache: Das Einglas oder Momente monokularer Moden<!--more--><\/p>\n<p>\u00bbThe Monocle Returns as a Fashion Accessory\u00ab, konstatiert Allen Salkin vor gut einem Jahr in der \u00bb<a title=\"artikel salkin\" href=\"http:\/\/www.nytimes.com\/2014\/03\/06\/fashion\/the-monocle-returns-as-a-fashion-accessory.html?smid=pl-share&amp;_r=0\" target=\"_blank\">New York Times<\/a>\u00ab und f\u00fchrt weiter aus: \u00bbThe one-lensed eyepiece, an item favored by 19th-century military men, robber barons and Mr. Peanut, is finding itself wedged anew into the ocular sockets of would-be gentlemen seeking to emulate the stern countenances of their stuffy forebears.\u00ab Als Gew\u00e4hrsmann f\u00fcr diese Entdeckung wird der \u00bbtrend forecaster\u00ab Martin Raymond herangezogen, welcher als Tr\u00e4ger des Augenglases \u00bbthe new gents\u00ab ausgemacht haben will, \u00bba hipster subspecies who have been adding monocles to their bespoke tweed and distressed-boot outfits.\u00ab Nicht zuletzt diese Aussage f\u00fchrt dazu, dass der Autor f\u00fcr seinen Artikel zahlreiche Verrisse in diversen On- sowie Offlinemedien kassiert. Denn fast niemand will weder gentrifizierte Hipster als Monokeltrendsetter noch die Existenz des Monokeltrends selbst kennen, erkennen oder anerkennen.<\/p>\n<p>Dabei kann f\u00fcr diese Art der nicht-selbsterf\u00fcllenden Prophezeiung eine gewisse Tradition festgestellt werden. So behauptet beispielsweise der \u00bb<a title=\"artikel edwards\" href=\"http:\/\/www.express.co.uk\/comment\/expresscomment\/147311\/Monocles-are-back-in-fashion-gentlemen\" target=\"_blank\">Daily Express<\/a>\u00ab 2009, dass \u00bbMonocles are back in fashion\u00ab seien und Salkin selbst merkt sp\u00e4ter in seinem <a title=\"blog salkin\" href=\"http:\/\/allensalkin.com\/post\/78753184542\/more-on-monocles\" target=\"_blank\">Blog<\/a> an, dass sich die \u00bbNew York Times\u00ab bereits 1902, 1941 sowie 1970 diesem Thema widmete. Auch Wolfram Siebeck schreibt im letztgenannten Jahr in der \u00bb<a title=\"artikel zeit\" href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1970\/02\/das-monokel-von-morgen-wird-anders-sein\" target=\"_blank\">Zeit<\/a>\u00ab \u00fcber das Ph\u00e4nomen und l\u00e4sst sich zu der apodiktischen Aussage verleiten: \u00bbDas Monokel von morgen wird anders sein.\u00ab Nun ist ja bekanntlich nichts so alt, wie die Zeitung von gestern \u2013 au\u00dfer vielleicht ein Modetrend von gestern. Und doch verleitet der Diskurs dazu, fern eines Modejournalismus im Zeichen der Trendsuche, dieser Andersartigkeit monokularer Moden in schlaglichtartigen Momentaufnahmen nachzugehen.<\/p>\n<p>Als Erstes darf festgestellt werden, dass sich das Einglas anscheinend anhaltenden Interesses erfreut. So sammelt unl\u00e4ngst Zachary Weiner \u00fcber die Crowdfunding-Plattform <a title=\"kickstater weiner\" href=\"https:\/\/www.kickstarter.com\/projects\/weiner\/the-gentlemans-single-use-monocle\" target=\"_blank\">kickstarter<\/a> \u00fcber 127.000 $ von rund 5.000 Personen zur Produktion seines \u00bbworld\u2018s first Disposable Single-Use Unlubricated Monocle for the On-the-Go Gentleman (or Lady)\u00ab. F\u00fcr den Erfolg kann nicht zuletzt der Kurzfilm verantwortlich gemacht werden, der dieses Projekt bewirbt. Darin kann sich der Protagonist Count Fritz von Schnitzel, dank seiner \u00bbTeutonic preparedness\u00ab mit einem Einweg-Monokel ausgestattet, gegen den unbeglasten Baron Hartman durchsetzen und aufgrund dessen mit der Duchess Priscilla den Abend verbringen.<\/p>\n<p>Das hier bediente Bild des monokeltragenden, adeligen, zumeist preu\u00dfischen Offiziers kommt um 1900 auf und kann sich \u2013 wie im vorliegenden Fall \u2013 unter anderem durch dessen wiederholte, popkulturelle Thematisierung ikonisch setzen sowie erhalten. In dieser Figur kommt das \u00bbMonokel als Erzieher\u00ab (Franz Wolfgang Koebner) von Mimik, K\u00f6rper und innerer Einstellung zur vollen Entfaltung. Doch Weiners \u00bbSingle-Use Monocle\u00ab schafft durch seine optisch unn\u00fctzen, st\u00e4rkelosen Einmal-Eingl\u00e4ser in kondomtypischer Verpackung zugleich einen ironischen Kommentar zur vermeintlichen Standhaftigkeit vermeintlicher Eliten. Der Spa\u00dfartikel macht dabei Ironie und Hinterfragung m\u00e4nnlicher sowie m\u00e4chtiger Stereotype massenhaft tragbar. Hier wird \u2013 vergleichbar der Sicht von <a title=\"titel simpliciccismus\" href=\"http:\/\/www.simplicissimus.info\/uploads\/tx_lombkswjournaldb\/pdf\/1\/01\/01_37.pdf\" target=\"_blank\">Eduard Th\u00f6ny <\/a>1896 und <a title=\"bild grosz st\u00fctzen der gesellschaft\" href=\"http:\/\/germanhistorydocs.ghi-dc.org\/sub_image.cfm?image_id=4253&amp;language=german\" target=\"_blank\">George Grosz<\/a> 1926 auf die einsichtigen \u00bbSt\u00fctzen der Gesellschaft\u00ab \u2013 deutlich, dass Haltung oftmals auch mit Schaden einhergeht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.kickstarter.com\/projects\/weiner\/the-gentlemans-single-use-monocle\/widget\/video.html\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-4705\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/Bildschirmfoto-2015-06-21-um-13.00.52-1024x624.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2015-06-21 um 13.00.52\" width=\"695\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/Bildschirmfoto-2015-06-21-um-13.00.52-1024x624.png 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/Bildschirmfoto-2015-06-21-um-13.00.52-300x183.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/Bildschirmfoto-2015-06-21-um-13.00.52-768x468.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/Bildschirmfoto-2015-06-21-um-13.00.52.png 1134w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">127.156 $ f\u00fcr das Einmal-Einglas: \u00bb<a href=\"https:\/\/www.kickstarter.com\/projects\/weiner\/the-gentlemans-single-use-monocle\/widget\/video.html\" target=\"_blank\">The Gentleman\u2018s Single-Use Monocle<\/a>\u00ab, 2015<\/p>\n<p>Einen solchen Erfolg k\u00f6nnen monokulare Sehhilfen auf dem Laufsteg nicht verzeichnen. Ihr letzter, gr\u00f6\u00dferer Auftritt ist schon ein paar Jahre her. Es ist Yohji Yamamoto, der get\u00f6nten und klarsichtigen Modellen in seiner Pariser Pr\u00e4sentation der Damenkollektion f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.vogue.co.uk\/fashion\/spring-summer-2007\/ready-to-wear\/yohji-yamamoto\" target=\"_blank\">Fr\u00fchjahr\/Sommer 2007<\/a> einen prominenten Platz einr\u00e4umt. Genau genommen handelt es sich hierbei nicht um klassische Monokel, weisen sie doch neben dem Monokelband in den meisten F\u00e4llen auch Stege auf, die von binokularen Brillen her bekannt sind.<\/p>\n<p>Der Designer bedient sich gekonnt zahlreicher historischer Verweise, wobei das Einglas \u2013 in Kombination mit den Schnitten, den Materialien und dem modisch-modifizierten, bezopften Bob \u2013 deutlichen Bezug auf die 1920er Jahre nimmt. Obwohl das Monokel nach Oskar Franz Scheuer m\u00e4nnlich konnotiert ist, weist er 1926 auf einen Wandel hin: \u00bbDas Sch\u00f6nheitsideal tendiert bei der Frau nach der knabenhaften Figur hin. Der Busen verschwand; die Bubenkopffrisur trat in Erscheinung. Das schrie nach einem Monokel.\u00ab Dieser modische und zugleich gesellschaftliche Wandel l\u00e4sst sich auch im Portr\u00e4t der <a href=\"https:\/\/www.centrepompidou.fr\/id\/cjyXKB7\/r7GMzj7\/de\" target=\"_blank\">Sylvia von Harden<\/a> erkennen, das Otto Dix im selben Jahr anfertigt. Hier wird das monokulare M\u00e4nnlichkeitsbild hinter sich gelassen und zu einem modernen Frauenbild transformiert, sodass das Einglas \u2013\u00a0vergleichbar der Entw\u00fcrfe Yamamotos \u2013 zu einem exklusiven Ausstattungsst\u00fcck fern jedweder geschlechtlicher Zuordnung avancieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">[youtube id=&#8220;RQQu7QITIk4&#8243; align=&#8220;center&#8220; mode=&#8220;normal&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Modetrend (?) von gestern (?). Monokel bei Yohji Yamamoto, F\/S 2007<\/p>\n<p>Neben der Benennung von optischen Ger\u00e4ten findet sich der englischsprachige Terminus \u00bbMonocle\u00ab auch f\u00fcr anderes. Es gibt beispielsweise ein so benanntes <a href=\"http:\/\/monocle.com\/\" target=\"_blank\">Medienunternehmen<\/a> mit dazugeh\u00f6rigem Magazin, welches 2007 von Tyler Br\u00fbl\u00e9, dem Begr\u00fcnder sowie jahrelangen Chefredakteur der Zeitschrift \u00bbWallpaper*\u00ab, ins Leben gerufen wurde und sich dem \u00bbbriefing on global affairs, business, culture &amp; design\u00ab f\u00fcr eine global-kulturelle Generation widmet. Oder auch \u00bb<a href=\"http:\/\/www.monocleorder.com\/\" target=\"_blank\">The Monocle Order<\/a>\u00ab, einem Shop und \u00bbonline members club for sunglass lovers\u00ab, der seinen Mitgliedern neben den aktuellen Brillenmodellen auch Zugang zu angesagten Partys bieten will.<\/p>\n<p>An diesen Beispielen f\u00e4llt auf, dass das Einglas als realer Gegenstand keine Rolle mehr spielt. So findet sich bei \u00bbThe Monocle Order\u00ab keines im Sortiment. Und auch als Logo wird lieber auf eine der typischen Hornbrillen gesetzt, die seit geraumer Zeit als \u00bbNerd-Brillen\u00ab bezeichnet werden und sich anhaltender Beliebtheit erfreuen, wobei nur eine H\u00e4lfte der Brille hervorgehoben, die andere skizzenhaft angedeutet wird. Bei aller Ferne zum Einglas, kann f\u00fcr beide F\u00e4lle festgestellt werden, dass f\u00fcr sie charakteristisch ist, was auch das Einglas ausmacht: Sie setzten auf die Sichtbarkeit durch ein monokulares Blickregime, das weniger zum Sehen denn zum Gesehen-Werden animiert. In beiden F\u00e4llen wird somit eher auf die elit\u00e4ren und exklusiven Zuordnungen des Monokels verwiesen sowie versucht, diese auf die jeweiligen Marken zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">[youtube id=&#8220;XorMkg-wyHM&#8220; align=&#8220;center&#8220; mode=&#8220;normal&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">(Non) Monocle-Order-Party (Members only!), 2013<\/p>\n<p>Die Idee eines Monokels wider Willen, das aus einer urspr\u00fcnglich zweiglasigen Brille entsteht, findet sich nicht nur grafisch, sondern auch gegenst\u00e4ndlich. So bietet etwa der \u00bbBookmarc\u00ab-Shop von Marc Jacobs seit diesem Jahr das \u00bb<a href=\"http:\/\/www.marcjacobs.com\/magnifying-eye-glass\/S0000334.html\" target=\"_blank\">Magnifying Eye Glass<\/a>\u00ab an, eine Lupe in Gestalt einer zerbrochenen Hornbrille. Hier besteht \u00c4hnlichkeit zur \u00bb<a href=\"http:\/\/www.atelierdexercices.com\/catalog\/product\/view\/id\/1059\/s\/lunette-loupe\" target=\"_blank\">La Lunette loupe<\/a>\u00ab der Maison [Martin] Margiela, die vermutlich seit 2010 \u00fcber \u00bbL\u2018Atelier d\u2018exercices\u00ab auf den Markt gebracht wird. Bei der halben, kaputt erscheinenden Lorgnette handelt es sich ebenfalls um ein Vergr\u00f6\u00dferungsglas. Diese Produkte setzen auf \u00e4sthetische Zerst\u00f6rung und vielleicht auch \u00dcberwindung der seit Jahren ebenso etablierten wie immer wieder beschworenen Retro(brillen)mode.<\/p>\n<p>Doch rekurrieren die beiden Designer damit \u2013\u00a0wohl unbewusst \u2013 auf ein historisches Vorbild, das ebenfalls einen Wandel markiert: Die dickrandige Brille ist auch ikonisches Attribut des chilenischen Pr\u00e4sidenten Salvador Allende, der \u2013 mit theoretischer Hilfe des Monokeltr\u00e4gers Karl Marx und praktischer Unterst\u00fctzung des Monokeltr\u00e4gers Fidel Castro \u2013 1970 die erste marxistische Regierung der Welt bildet, die demokratisch legitimiert ist. Diese findet am 11. September 1973 ein j\u00e4hes Ende: \u00bbDas Erdbeben in Chili\u00ab in Form eines Putsches f\u00fchrt Allende in den Suizid, l\u00e4sst seine Brille zerbrechen und den sonnenbebrillten General Augusto Pinochet an die Macht kommen. Nach dem Ende der Milit\u00e4rdiktatur wurde die Brille Allendes zum starken politischen Symbol. Die <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=8NYtPornUJU\" target=\"_blank\">verbliebene H\u00e4lfte<\/a> wird in die Dauerausstellung des Museo Hist\u00f3rico Nacional in Santiago de Chile aufgenommen, Carlos Altamirano errichtet ihr und damit auch ihrem Tr\u00e4ger ein auf 6 Meter vergr\u00f6\u00dfertes, mobiles <a href=\"http:\/\/www.fundacionsalvadorallende.cl\/wp\/wp-content\/uploads\/2010\/05\/plaza-de-la-constitucion-1.jpg\" target=\"_blank\">Monument<\/a> und Manuel Garc\u00eda besingt mit seiner Band Mec\u00e1nica Popular diese \u00bb<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=U3VopR2u7Ew\" target=\"_blank\">Lentes de Allende<\/a>\u00ab. Hier changiert das Einglas zwischen nostalgischer Erinnerung und hoffnungsvoller Zukunftsgestaltung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/20120101_0639421.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter  wp-image-4712\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/20120101_0639421-768x1024.jpg\" alt=\"20120101_063942#1\" width=\"428\" height=\"571\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/20120101_0639421-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/20120101_0639421-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/06\/20120101_0639421.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 428px) 100vw, 428px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00bbLa Lounette loupe\u00ab der Maison [Martin] Margiela, vermutlich seit 2010<\/p>\n<p>Als ein letztes Moment monokularer Moden wird ein Ph\u00e4nomen angef\u00fchrt, das sich ebenfalls zwischen Geschichte, Gegenwart und Zukunft bewegt: In den retro-futuristischen Industriewelten des Steampunk spielen Goggles, also Schutzbrillen, eine besondere Rolle. Maschinen\u00e4sthetisch modifiziert sind sie eines der augenf\u00e4lligsten Accessoires. Neben den binokularen Modellen gibt es hier auch <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CCuRA4CfOE4\" target=\"_blank\">Eingl\u00e4ser<\/a>. Nicht selten sind diese in Verbindung mit diversen <a href=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/5\/5a\/Steampunk_outfit_mask.jpg\" target=\"_blank\">Waffen<\/a> zu sehen. Selbiges gilt auch f\u00fcr den Dieselpunk, einer Spielart, die sich nicht am Zeitalter der Dampfmaschine, sondern dem des Dieselmotors orientiert. Diesbez\u00fcglich liefert der Youtube-User Dan Wahl ein ebenso erschreckendes wie auch interessantes Beispiel: Eine Uniform aus der ehemaligen DDR, eine Armbinde in entlehnter NS-\u00c4sthetik, ein zweil\u00e4ufiges, selbstgebautes Repetiergesch\u00fctz sowie ein mechanisiertes Mono-Goggle werden hier zur Ausstattung eines futuristischen K\u00e4mpfers kompiliert.<\/p>\n<p>Dieses Kost\u00fcm zeigt einerseits den problematischen Hang von Steam- und Dieselpunk zu Uniformierung sowie Militarisierung. Andererseits verdeutlicht es aber auch popkulturelle Kreativit\u00e4t und spielerischen Umgang mit Realit\u00e4t. Oder sagen wir lieber: erweiterter Realit\u00e4t. Denn das hier verwendete Einglas ist nicht nur als Verweis auf die historische Offizierskultur zu lesen, sondern auch als Hinweis auf die zukunftstr\u00e4chtige Technologie monokularer Kriegsf\u00fchrung. So wird von einer Vielzahl an Firmen, wie etwa \u00bb<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=tBfcVSM-86I\" target=\"_blank\">Six 15 Technologies<\/a>\u00ab und \u00bb<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=P_yVHX4qkj8\" target=\"_blank\">Raytheon Company<\/a>\u00ab, daran gearbeitet, die zivil genutzte Technik der \u00bbaugmented reality\u00ab, wie sie etwa vom vorerst gescheiterten \u00bbGoogle Glass\u00ab bekannt ist, f\u00fcr milit\u00e4rische Zwecke weiterzuentwickeln. Dadurch wird der Kampf zum Computerspiel und der Soldat als Cyborg zur <span class=\"Apple-style-span\">ein\u00e4ugigen<\/span> \u00bbSehmaschine\u00ab (Paul Virilio) im Zeichen einer kyklopischen Kultur des Krieges.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">[youtube id=&#8220;6zbOxcTZlIg&#8220; align=&#8220;center&#8220; mode=&#8220;normal&#8220; autoplay=&#8220;no&#8220;]<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Kyklopische Popkultur: Die erweiterte Realit\u00e4t des \u00bbDan Wahl\u00ab, 2010<\/p>\n<p>Angesichts dieser skizzierten Momente monokularer Moden soll dem Monokel als singul\u00e4rem Modetrend widersprochen und vielmehr die Andersartigkeit der diversen sowie divergenten Erscheinungsformen betont werden. Sie wirklich zu durchblicken braucht es aber wohl die Sehst\u00e4rke eines George Grosz, \u00bbder mit Monokel, Mikroskop und zwei gesunden Augen neu, neu und noch einmal neu sieht\u00ab (Kurt Tucholsky).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jan C. Watzlawik ist Kulturanthropologe und Kunstwissenschaftler. Er forscht zur Analyse materieller sowie visueller Kultur an den Schnittstellen von Mode-, Konsum- und Protestkulturen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Sache: Das Einglas oder Momente monokularer Moden<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[1541,1556,1557],"class_list":["post-4704","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-mode","tag-monocle","tag-monokel"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4704","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4704"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4704\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4704"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4704"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4704"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}