{"id":4820,"date":"2015-08-21T20:56:39","date_gmt":"2015-08-21T18:56:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=4820"},"modified":"2015-08-21T20:56:39","modified_gmt":"2015-08-21T18:56:39","slug":"die-arbeit-am-koerper-die-produktion-der-seelevon-justine-schmitz21-8-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2015\/08\/21\/die-arbeit-am-koerper-die-produktion-der-seelevon-justine-schmitz21-8-2015\/","title":{"rendered":"Die Arbeit am K\u00f6rper \u2013 Die Produktion der Seelevon Justine Schmitz21.8.2015"},"content":{"rendered":"<p>Fitnessstudio<!--more--><\/p>\n<p>Als ich vor einigen Jahren einkaufen ging, stie\u00df ich auf ein neuer\u00f6ffnetes Fitnessstudio. Es lag im Erdgeschoss, in einem Haus nahe des Supermarkts. Wenn man den B\u00fcrgersteig passierte, konnte man durch die gro\u00dfen Fenster, kaum zwei Meter entfernt, menschliche K\u00f6rper auf Crosstrainern und Spinbikes beobachten. Die fast vollkommen verglaste Fassade und die helle Beleuchtung im Innern zeigten die Absicht, Menschen, aber vor allem deren K\u00f6rper und Bewegungen, auszustellen. In regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden waren Ger\u00e4te positioniert, deren dominante Ordnung den Raum strukturierte.<\/p>\n<p>Sie erinnerte mich an Fabrikdarstellungen aus dem 19. Jahrhundert, an deren strenge Geometrie, die durch die kantigen K\u00f6rper einer Vielzahl von Maschinen verursacht wird. In seiner Raum- und Zeitorganisation schien das Fitnessstudio von den gleichen Prinzipien durchdrungen und damit das gleiche Ziel einer Disziplin- und Effizienzsteigerung zu verfolgen. Michel Foucault beschrieb diese Form der Arbeitsorganisation als eine Manifestation der Disziplinargesellschaft, in der Prinzipien wie Parzellierung, genaue Platzzuweisung, \u00dcbersichtlichkeit und Takt zum Tragen kommen.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Die harmonische Innenraumgestaltung und ihre sanft abgestimmten Farbt\u00f6ne mildern jedoch die mechanische H\u00e4rte. Das Fitnessstudio wandelt sich in eine sinnlich-\u00e4sthetisch aufbereitete Fabrik, deren Arbeiter offenbar nicht mit, sondern, unter hoher Anstrengung, gegen eine Maschine, die man auch einfach abstellen oder ignorieren k\u00f6nnte, arbeiten.<\/p>\n<p>Beeindruckend dabei ist vor allem ihre ernsthafte Haltung: Ehrgeizig und konzentriert widmen sie sich ihrer T\u00e4tigkeit, als w\u00fcrden sie ein direkt vor Augen liegendes Ziel verfolgen. Dieses Ziel muss jedoch im Verborgenen liegen, da sich \u2013 sichtbar \u2013 ihre M\u00fchen in endlosen Wiederholungen aufl\u00f6sen oder durch das Drehen des Laufbandes abgefangen werden. Es wird kein offensichtlicher Zweck erf\u00fcllt. Das Treiben erh\u00e4lt den Anschein einer meditativen \u00dcbung, der sich nur einem Blick von au\u00dfen (fern jeglichen Pragmatismus eines Trainierenden) angemessen erschlie\u00dft und ihm einen anderen Aspekt k\u00f6rperlichen Trainings andeutet.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Fitnesstraining als rituelles Handeln<\/p>\n<p>Die Theologische Realenzyklop\u00e4die enth\u00e4lt eine Begriffserkl\u00e4rung des Ritus, die den Kontext der Religion zu seiner Definition nicht erfordert. Sie legt vier konstitutive Elemente fest, die erm\u00f6glichen sollen, den religi\u00f6sen Ritus vom repetitiven Alltagsverhalten (einer \u201eRitualisierung\u201c) abzugrenzen:<\/p>\n<p>Der erste Punkt bezieht sich auf die k\u00f6rperliche Ausf\u00fchrung, die, obwohl der Ritus \u201eLeib, Seele und Geist\u201c des Gl\u00e4ubigen involviert, nicht durch das Wort oder die Intention ersetzt werden kann.<\/p>\n<p>Des Weiteren wird sein repetitiver Charakter, der immer wieder auf ein urspr\u00fcngliches Ereignis verweist, als entscheidendes Merkmal genannt: \u201eDer Ritus wieder-holt. Er macht das Urgeschehen, z. B. das Hervortreten der Gottheit oder allgemein eine Offenbarung, pr\u00e4sent und l\u00e4sst als gegenw\u00e4rtiges Geschehen wirksam werden, was im Ursprung war.\u201c<\/p>\n<p>Drittens wird die Bedeutung des Wortes als Teil des Rituals hervorgehoben. \u201eDer Mythos konstituiert nicht den Ritus, aber er begleitet, verdeutlicht, interpretiert ihn. Er legt seinen Sinn fest.\u201c<\/p>\n<p>Das vierte Element zeichnet den Ritus als einen Symboltr\u00e4ger aus, in dem jeder Teil von einem Verweis durchdrungen wird. \u201eDer Ritus wird durch eine F\u00fclle von Einzelsymbolen konstituiert und muss als eine mehrdimensionale Symbolhandlung verstanden werden.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Neben einer k\u00f6rperlichen Ausf\u00fchrung und der regelm\u00e4\u00dfigen Wiederholung wird also zun\u00e4chst ein Urgeschehen oder eine Offenbarung vorausgesetzt, auf welche die Handlung immer wieder Bezug nimmt, um best\u00e4ndig daran zu erinnern.<\/p>\n<p>Parallel hierzu m\u00f6chte ich auf eine Angabe des Brockhaus verweisen, die das Fitnessstudio als Ergebnis einer Wandlung, w\u00e4hrend der eine urspr\u00fcnglich sportwissenschaftliche Teststation zu einer permanenten Trainingseinrichtung umfunktioniert wurde, beschreibt. Infolgedessen entsteht eine Situation, in der der K\u00f6rper des Trainierenden st\u00e4ndig getestet und in Form von Zahlen erfasst wird.<\/p>\n<p>Die Zahlen sagen dabei selbst nichts aus, sondern verweisen lediglich auf andere Zahlen: Zum einen auf Idealwerte, die f\u00fcr Fitness und Gesundheit stehen, und zum anderen auf die eigenen Werte, die zu Trainingsbeginn dokumentiert wurden. Die erste Erfahrung n\u00e4mlich eines dem Fitnessstudio neu beitretenden Mitglieds bildet ein Beratungsgespr\u00e4ch, in dessen Verlauf auch sein K\u00f6rper analysiert wird. In gewisser Weise wird ihm hier die Wahrheit \u00fcber seinen K\u00f6rper offenbart.<\/p>\n<p>Die best\u00e4ndigen Messungen w\u00e4hrend des Trainings (Puls, Kalorienverbrauch, Schwierigkeitsstufen\/ Gewichte, Geschwindigkeit, Wiederholungen etc.) nehmen immer zugleich Bezug auf Vergangenheit und Zukunft. Sie zeigen an, von wo das Individuum kommt und wie weit es vom Ziel entfernt ist. Das Training wird somit um einen Akt des Erinnerns \u2013 vielleicht an den traumatischen Moment der Offenbarung \u2013 erg\u00e4nzt und unterscheidet sich dadurch beispielsweise von anderen k\u00f6rperlich und rituell vollzogenen Alltagshandlungen, wie etwa dem Z\u00e4hneputzen.<\/p>\n<p>Die Fitnesszeitschrift <em>Shape<\/em> liefert ein anschauliches Beispiel f\u00fcr Ereignisse mit bewusstseins\u00e4ndernder Wirkung. Im Rahmen einer Kolumne unter dem Titel \u201eApplaus: Abnehmererfolge\u201c ver\u00f6ffentlichte sie 16 Artikel \u00fcber Frauen, die an einem gewissen Punkt beschlossen haben, mit ihrem bisherigen Lebensstil Schluss zu machen. Alle Autorinnen haben ca. 30kg in kurzer Zeit abgenommen und schildern, wie ihr neues Leben, das \u201efitte\u201c Leben begonnen hat und wie es sich im Vergleich zu dem \u201ealten Leben\u201c anf\u00fchlt.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p>Was in nahezu allen Darstellungen \u00fcbereinstimmt, ist die Kategorie des \u201eausschlaggebenden Ereignisses\u201c, einer Art Erweckungserlebnis. Einmal ist das z. B. der Moment, in dem man nach dem Mittagessen im Korbstuhl einer Restaurantterrasse stecken bleibt, dann jener, in dem man auf dem Urlaubsfoto sich selbst im Bikini erkennt. In diesen augenscheinlichen Momenten wird immer klar, dass es so nicht weitergehen kann. Ern\u00e4hrungsumstellung, Fitnessprogramm und Sport folgen. Weiter, verbindet das Wort \u201eBelohnung\u201c alle Berichte. Jeder Erfolg (-10kg-15kg-20kg) wird belohnt, meist mit einem aktiveren Leben \u2013 mit Shopping, Urlaub, Kurztrips etc. Die Gef\u00fchle, die mit dieser \u00c4nderung assoziiert werden, \u00e4hneln sich ebenfalls. Es handelt sich oft um ein \u201eneues\u201c Selbstvertrauen, Stolz auf die eigene Leistung, Ausgeglichenheit, h\u00f6here Lebensqualit\u00e4t usw.<\/p>\n<p>Diesen Ereignissen die Offenbarung einer g\u00f6ttlichen Wahrheit zu unterstellen, ginge vielleicht etwas zu weit. Dennoch bilden sie einen Augenblick, in dem ein neues Lebensgef\u00fchl erschlossen wird. Die Erinnerungsfunktion der Zahlen richtet sich so immer wieder an den \u00dcbertritt in einen neuen Lebensstil und best\u00e4tigt, wie das Individuum zu einem besseren Menschen wird.<\/p>\n<p>Das Beispiel der <em>Shape<\/em>-Erfolgsgeschichten er\u00f6ffnet nicht nur Einblicke in pers\u00f6nliche Lebensausschnitte und bekehrende Ereignisse, sondern in der generellen Tatsache der Ver\u00f6ffentlichung ist bereits eine Aussage enthalten. Diese Geschichten funktionieren in Bezug auf das Training wie der Mythos auf den Gottesdienst: Es werden Inhalte vermittelt, die die k\u00f6rperliche Ausf\u00fchrung begleiten und Sinn stiften. Zeitschriften, Fernsehsendungen und Ratgeber konstruieren eine gro\u00dfe Erz\u00e4hlung vom vollendeten Leben, vollkommener Gesundheit, Lebensfreude, gesunder Sexualit\u00e4t, beruflichem Erfolg etc. Die Autorinnen der <em>Shape<\/em>-Berichte erz\u00e4hlen alle von einer tiefgreifenden \u00c4nderung und einem besseren Leben.<\/p>\n<p>In den traditionellen Religionen, die sich auf das Jenseits oder die Zeit nach dem Tod beziehen, verweist das Symbol auf etwas Nicht-Greifbares. Beispielsweise sind die symbolischen Elemente einer christlichen Messe \u2013 jede Geste, jedes Wort, jeder Gesang \u2013 von einem Verweis auf etwas Immaterielles, einen Sinnzusammenhang, durchdrungen. So steht das Kreuzzeichen u. a. als Symbol f\u00fcr die Dreifaltigkeit oder den christlichen Glauben insgesamt.<\/p>\n<p>Doch worauf sollte das Rennen auf einem Laufband verweisen? Um das Fitnesstraining als einen religi\u00f6sen Ritus begreifen zu k\u00f6nnen, muss man zugrunde legen, dass die Fitness sich auf das Diesseits statt dem Jenseits konzentriert. Der Fitnessgl\u00e4ubige sorgt sich um seinen K\u00f6rper und nicht um seine Seele und alles Heil soll sich aus der physischen Ver\u00e4nderung entwickeln.<\/p>\n<p>Bei einer ad\u00e4quaten Symbolik m\u00fcsste es sich daher um eine v\u00f6llig andere Verweisstruktur handeln, denn sie wird in ihrer herk\u00f6mmlichen Vorstellung dadurch, dass die Geste und der Referenzgegenstand (also das k\u00f6rperliche Ausf\u00fchren einer \u00dcbung und die Optimierung der Zahlenwerte) identisch sind, aufgehoben. Hier schlie\u00dft sich die Frage an, inwieweit die Handlung an sich symbolischen Wert hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Der menschliche K\u00f6rper als Opfertier<\/p>\n<p>Im Vergleich zu anderen Sportarten besitzt das Fitnessstudio eine besondere Zieldefinition und sich daraus ergebende Wertehierarchie. So spielen eine hohe Leistungsf\u00e4higkeit und ein \u00e4sthetisch geformter K\u00f6rper eine bedeutende Rolle, doch erst in Anschluss an das pers\u00f6nliche Wohlbefinden.<\/p>\n<p>Vergleicht man es beispielsweise mit dem Fu\u00dfball, f\u00e4llt auf, dass die Spieler w\u00e4hrend dem Betreiben bestimmten Regeln unterworfen sind, n\u00e4mlich den Spielregeln, die sich von den Gesundheitsregeln des Fitnesstrainings unterscheiden. Das Ziel des Fu\u00dfballers liegt darin, ein Tor zu schie\u00dfen, und aus diesem endg\u00fcltigen Vorhaben ergibt sich ein ganzes Regelwerk, das die eigentliche Idee erschwert und gestaltet. Man k\u00f6nnte sagen, dass das Ziel \u2013 hier das Torschie\u00dfen \u2013 au\u00dferhalb seines K\u00f6rpers liegt.<\/p>\n<p>Der Fitnesssport dagegen bleibt auf den eigenen K\u00f6rper reduziert, denn au\u00dferhalb wird nichts produziert \u2013 keine Torsch\u00fcsse (Punkte), keine visuell ablesbaren Leistungsergebnisse (Leichtathletik) und keine Darstellung (Tanz) \u2013 die Kraft geht \u00fcber in endliche und letzten Endes in unendliche Wiederholungen, die eher meditativen \u00dcbungen gleichen. Als einziges Ergebnis entstehen Zahlen, die die Gesundheit des Trainings gew\u00e4hrleisten. In dieser Hinsicht l\u00e4sst sich das Fitnesstraining als reiner, nackter Sport bezeichnen, da es nur um die k\u00f6rperliche Bet\u00e4tigung, nicht um Spiel, Wettkampf oder \u00c4sthetik geht.<\/p>\n<p>Die anfangs wahrgenommene \u00c4hnlichkeit zu einer Fabrik legt nahe, dass das Fitnesstraining weniger den Prinzipien von Spiel oder sportlichem Wettkampf folgt, als denen von Disziplin und Arbeit. Man k\u00f6nnte daher die T\u00e4tigkeit des Fitnesstrainings folgenderma\u00dfen beschreiben: Im Mittelpunkt steht in allen Hinsichten der eigene K\u00f6rper. Die von Foucault in dem Kapitel <em>Die gelehrigen K\u00f6rper<\/em><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> untersuchten Prinzipien wie Verteilung, Kontrolle und Organisation der Entwicklung, bestimmen die T\u00e4tigkeit, die kontrolliert und effizient abl\u00e4uft, wie die Arbeit in einer Fabrik und nicht wie eine Freizeitbesch\u00e4ftigung.<\/p>\n<p>Absurderweise ist es aber eine Arbeit, die kein Produkt herstellt. Damit wird das Fitnessstudio zu einem Ort, an dem Verschwendung produziert wird. Diese wird aber nicht exzessiv durchgef\u00fchrt wie bei einem Potlatsch, sondern im gleichen Modus, in dem auch eine Fabrik produziert, mit Ma\u00df und auf Dauer ausgelegt, daf\u00fcr umso effizienter. In gewisser Weise handelt es sich um einen rationalisierten Potlatsch.<\/p>\n<p>Ein Training, in dem es darum geht, mit \u00e4u\u00dferster Disziplin zu trainieren, jedoch ohne direkt ersichtliches Ziel und ohne etwas zu produzieren \u2013 stellt das Training als eine unproduktive Arbeit dar. Als ein Akt der Verschwendung r\u00fcckt es in die N\u00e4he Georges Batailles Begriff der \u201eunproduktiven Verausgabung\u201c, der der normalen Produktivit\u00e4t und dem N\u00fctzlichkeitsprinzip der \u00d6konomie entgegensteht.<\/p>\n<p>Aus diesen \u00dcberlegungen heraus m\u00f6chte ich den Vorschlag machen, dass es sich bei der intensiven Verschwendung von in Fettzellen gespeicherter Energie um eine Gabe handelt, die man an ein h\u00f6heres Prinzip richtet. Nach Bataille entstehen heilige Dinge durch eine Verlusthandlung.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Im Opfer sieht er eine Geste, in der man das profan gewordene Ding stellvertretend f\u00fcr die Welt der Dinge zerst\u00f6rt. Es entrei\u00dft das Opfertier der Mittel-zum-Zweck-Logik, dem Prinzip der N\u00fctzlichkeit und f\u00fchrt es zur\u00fcck zu seinem eigentlichen Besitzer, der Immanenz, deren geistiger Teil vom Menschen nur noch in Form von G\u00f6ttern oder Geistern empfunden werden kann. Das Opferprinzip hat f\u00fcr Bataille die Funktion, den Menschen mit dem Ganzen der Natur, von dem er sich entfremdet hat, auszus\u00f6hnen.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a><\/p>\n<p>In Zusammenhang mit Batailles These positioniert sich die Betrachtung des Fitnessstudios gegen\u00fcber dem Prinzip der N\u00fctzlichkeit. Die Arbeit, aus der nichts entsteht, l\u00e4sst die komplette Handlung wie eine Geste erscheinen. Es wird nicht ein Tier und auch nicht rein symbolisch geopfert, sondern man zerst\u00f6rt einen Teil des eigenen K\u00f6rpers. Der K\u00f6rper, der sich w\u00e4hrend der Arbeit unterordnet und einem Zweck dient, wird im Fitness zum Eigentlichen. An ihm wird ein Opfer vollbracht; das hei\u00dft er wird als Ding \u2013 als Energielieferant f\u00fcr Arbeit \u2013 negiert. Seltsamerweise nutzt man dazu die gleichen Mittel und Rahmenbedingungen wie zur Arbeit und damit \u00fcberhaupt zur Dingwerdung des K\u00f6rpers.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Das g\u00f6ttliche Prinzip und die Seele des K\u00f6rpers<\/p>\n<p>Die Vorstellung einer k\u00f6rperlichen Verausgabung als Opferprozess f\u00fchrt weiter zu den abstrakten Begriffen der Religion, wie denen eines g\u00f6ttlichen Prinzips und einer Seele. An wen k\u00f6nnten sich die Riten richten und was f\u00fcr ein Gott w\u00e4re es, der ein solches Ritual \u2013 ein Opfer am eigenen K\u00f6rper \u2013 von seinen Gl\u00e4ubigen fordert?<\/p>\n<p>In dem Werk <em>Die elementaren Formen des religi\u00f6sen Lebens<\/em><a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> analysiert Emile Durkheim den Totemismus stellvertretend f\u00fcr alle Religionen, um zu einer allgemeing\u00fcltigen Religionsdefinition zu gelangen und zu zeigen, dass sich jede einzelne \u2013 unabh\u00e4ngig ihrer kulturellen Verwurzlung oder ihres Abstraktionsgrades \u2013 aus den gleichen Elementen zusammensetzt.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Anhand der begrifflichen Strukturen, die Durkheim in der Analyse des ethnografischen Materials bildet, lie\u00dfe sich, etwas spekulativ, die Vorstellung einer m\u00f6glichen Fitness-Gottheit entwerfen. Seine Betrachtung findet aus einer rein soziologischen Perspektive statt, allein hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Funktionen und erlaubt damit in bestimmter Weise, seine Ergebnisse auf andere Bereiche zu \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Dem Element der Gottheit (bzw. eines g\u00f6ttlichen Prinzips) n\u00e4hert sich Durkheim anhand einer Analyse des Totemprinzips bzw. manas. Hierbei handelt es sich um eine religi\u00f6se Kraft, die alles \u2013 jedes Tier, jede Pflanze und jeden Stein \u2013 durchflie\u00dft und dem Menschen einen heiligen Kern, seine Seele, der durch die Rituale immer wieder mit neuen Kr\u00e4ften befl\u00fcgelt wird, verleiht. Durkheim interpretiert die religi\u00f6se Kraft als eine verborgene, soziale Kraft. Sie entsteht w\u00e4hrend dem Ausf\u00fchren der Riten; der Einzelne transzendiert sich im Erleben des Kollektivs.<\/p>\n<p>Ihr spezifisches Wesen entsteht, so Durkheim, aus ihrer doppelten Natur, die einen moralischen und einen physischen Aspekt vereinigt.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> Der moralische l\u00e4sst den Clan zu einer Gemeinschaft, in der sich alle Individuen durch Pflichten verbunden sind, verschmelzen. Er zeigt, wie das \u201eKollektivbewusstsein auf das Individualbewusstsein wirkt\u201c,<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> und regelt das gesellschaftliche Leben. Gleichzeitig existiert ein physischer Aspekt. So sind die religi\u00f6sen Kr\u00e4fte auch die \u201eVitalprinzipien\u201c aller Dinge, sie wirken auf die Vermehrung einer Gattung und auf den Regen. Sie revitalisieren den Menschen und k\u00f6nnen Verletzungen oder Krankheiten heilen.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Fitness unter Durkheims doppelten Begriff der Kraft, so lie\u00dfe sich der physische Aspekt darin finden, dass k\u00f6rperliches Training die K\u00f6rperkraft steigert. Diese zun\u00e4chst banale \u00dcbertragung vertieft sich mit einem Blick auf die gel\u00e4ufigen Definitionen. Er zeigt, dass der Begriff der Fitness weit mehr umfasst als reine Muskelkraft. So lautet die Definition der Weltgesundheitsorganisation beispielsweise: \u201eWohlbefinden im psychischen, physischen, intellektuellen Bereich\u201c, die noch Georgios F. Zarotis, Sportwissenschaftler und Autor, erweitert wird: \u201eEr (der Fitnessbegriff) beinhaltet die k\u00f6rperliche Komponente, subjektive Aspekte, sowie psychische und soziale Dimensionen. Zugleich bedeutet er aber auch Gesundheit, Modernit\u00e4t, Erfolg und gesellschaftliche Akzeptanz.\u201c<\/p>\n<p>Faszinierend an diesem modernen Begriffsverst\u00e4ndnis, das sich bereits in den Shape-Berichten spiegelte, ist, dass es nahezu alles, was man sich f\u00fcr ein leidloses Leben w\u00fcnschen kann, integriert. Die Fitness beschreibt einen erstrebenswerten Zustand, der nicht mehr nur eine angenehme k\u00f6rperliche Verfassung verspricht, sondern umfassendes Heil.<\/p>\n<p>Der moralische Aspekt der religi\u00f6sen Kraft verhielte sich dagegen etwas komplizierter. Die Titelbl\u00e4tter der <em>Shape<\/em> von 2009 bis 2012<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> beispielsweise zeigen ein g\u00e4ngiges Sch\u00f6nheitsideal in beeindruckender Deutlichkeit: Auf allen befindet sich in l\u00e4ssiger, selbstbewusster Pose eine schlanke Frau, die ein Vergn\u00fcgen am Sich-pr\u00e4sentieren und einen Stolz bez\u00fcglich des eigenen K\u00f6rpers ausstrahlt. Die langen Haare flattern im Wind, umspielen ein h\u00fcbsches Gesicht und ein strahlendes Lachen. Immer blickt die Dargestellte mit spontaner Freude den Betrachter an; ihrem K\u00f6rper geh\u00f6rt eine Aura von Entspanntheit, Gelassenheit und Leichtigkeit. \u00dcber den K\u00f6rperbau der Dargestellten l\u00e4sst sich folgendes sagen: Sie ist relativ gro\u00df, schlank und besitzt sehr weibliche Proportionen. In der Regel betr\u00e4gt ihre K\u00f6rpchengr\u00f6\u00dfe B bis C, ihre H\u00fcften sind rund. Zudem hat sie einen eher kleinen \u201eApfelpo\u201c und einen flachen Bauch. Ihre Gliedma\u00dfen sind lang und schmal, die Arme werden meistens durch eine bestimmte Haltung hervorgehoben. Die Muskulatur ist \u00fcberall leicht sichtbar, sie tritt an manchen Stellen hervor, doch nicht im Sinne von Masse, sondern von klaren Konturen.<\/p>\n<p>Der Modelk\u00f6rper verbindet so weibliche Attribute wie einen relativ \u00fcppigen Busen, eine schmale Taille und einen runden Po mit einer straffen, festen Physis, die f\u00fcr glatte, scharfe Konturen und ebenm\u00e4\u00dfige Oberfl\u00e4chen, ohne Cellulitis oder h\u00e4ngendem Gewebe sorgt. Die Haut ist immer glatt und gesund. Zwar gibt es hellere und dunklere Typen, aber niemals wirklich blasse oder dunkelh\u00e4utige \u2013 alle Abgebildeten bevorzugen den leicht gebr\u00e4unten Teint. Die Darstellerinnen pr\u00e4sentieren ihren K\u00f6rper in typischen Posen, die H\u00e4nde auf die H\u00fcften gelegt und leicht zur Seite gedreht oder in eine Richtung eingeknickt, um der Starrheit des immer Gleichen einen dynamischen Schwung zu verleihen.<\/p>\n<p>Diese Bilder sind deshalb interessant, weil es sich bei ihnen nicht, wie man vielleicht zun\u00e4chst annehmen k\u00f6nnte, um einfache Fotografien von Menschen handelt; es geht nicht um die Dokumentation und Darstellung eines einzelnen, individuellen K\u00f6rpers. Die individuelle Seite, ob nun blond oder br\u00fcnett, wird v\u00f6llig irrelevant. Das wenige Besondere verschwimmt vor der immer gleichen Inszenierung und in der \u00dcberbetonung bestimmter einheitlicher Merkmale. Des Weiteren muss man im Zeitalter der Digitalit\u00e4t davon ausgehen, dass jede scheinbar authentische Fotografie m\u00f6glicherweise nur noch eine vage Beziehung zu ihrem einstigen Referenten unterh\u00e4lt. Sie ist nicht physikalisch-chemisch determiniert, sondern beliebig ver\u00e4nderbar.<\/p>\n<p>In dieser Hinsicht erf\u00fcllen die in der <em>Shape<\/em> abgebildeten Menschen nur noch die Funktion einer Vorlage, das Bild dagegen wird Resultat sorgf\u00e4ltiger Konstruktion. Die zahlreichen, aus der \u00c4hnlichkeit hervortretenden Merkmale lassen vermuten, dass sich hinter allen einzelnen K\u00f6rperdarstellungen ein allgemeines Konzept verbirgt, an dem sich Models wie auch Bildbearbeiter ausrichten. Die Allgegenw\u00e4rtigkeit der Bildprodukte bezeugt dessen Erfolg und seine breite gesellschaftliche Berechtigung.<\/p>\n<p>Damit scheint diese fiktive Figur als eine von einer Gemeinschaft geformte Vorstellung objektive Werte zu verk\u00f6rpern. Die in den westlichen Gesellschaften hoch angesehenen, immateriellen G\u00fcter wie Gesundheit, Jugend und Unabh\u00e4ngigkeit finden sich in ihr zusammen. Sie existiert um uns herum, in allen Medien, und gleichzeitig in jedem einzelnen Bewusstsein. Ihre starke Attraktivit\u00e4t erh\u00e4lt sie dadurch, dass sie in der Gesellschaft, in der kollektiven Meinung als \u201erichtig\u201c erkannt wird. Andersherum lie\u00dfe sich annehmen, dass, h\u00e4tte die Allgemeinheit beispielsweise entschieden, dass es besonders gut ist, klein, leichenblass und pummlig zu sein, eben Darstellungen dieser Merkmale besondere Attraktivit\u00e4t genie\u00dfen w\u00fcrden.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Unter diesem Blickwinkel lie\u00dfe sich die Anziehungskraft der Figur als eine moralische, von der Gesellschaft ausgehende Kraft interpretieren und damit als Teil jener g\u00f6ttlichen Kraft, an die sich das Opfer des Fitnesstreibenden richtet. Konkret handelt es sich dann um eine soziale Kraft, die von etwas ausgeht, das von der Gesellschaft als \u201erichtig\u201c oder \u201egut\u201c definiert wurde. Sie bettet die Lebensweise des Einzelnen, indem sie festsetzt, was erstrebenswert und gut ist, in eine moralische Kategorie. So schwei\u00dft sie zwar nicht eine Gemeinschaft durch gegenseitige Pflichten zusammen, aber sie legt dem Individuum Pflichten sich selbst gegen\u00fcber auf.<\/p>\n<p>Am Ende m\u00f6chte ich noch einmal an das anf\u00e4ngliche Bild der Fabrik erinnern. Zum einen k\u00f6nnte man nun sagen, dass das Opfer der Fitnesstreibenden sich an die Idealfigur richtet und die religi\u00f6se Kraft als das Produkt dieser unendlichen Arbeit, einer Fabrik der Verschwendung, verstehen.<\/p>\n<p>Zum anderen ist das panoptische Modell, an dem Foucault die \u00dcberwachungs- und Ordnungsstruktur der Disziplinargesellschaft aufzeigte, f\u00fcr beide Orte (Fitnessstudio und Fabrik) grundlegend; folgt man ihm, so ist ihr Prinzip die s\u00e4kularisierte Form einer christlich-religi\u00f6sen Machttechnik. Als Postaralmacht beschreibt er die Beziehung zwischen Hirt und Herde, in der der Hirte \u00fcber jedes seiner Schafe wacht. Er verliert keines aus dem Auge und sorgt sich um jedes Einzelne, denn die damit auferlegte Verpflichtung zur Wahrheit und best\u00e4ndigen Selbst\u00fcberpr\u00fcfung soll jedes zu seinem Seelenheil f\u00fchren. Permanent unter dem Blick Gottes, der alles und jeden sieht, separiert sich die Masse zu einer Ansammlung von Individuen. In <em>Das Subjekt und die Macht<\/em> schreibt Foucault: \u201eDas Wort Subjekt hat einen zweifachen Sinn: vermittels Kontrolle und Abh\u00e4ngigkeit jemanden unterworfen sein und durch Bewusstsein und Selbsterkenntnis seiner eigenen Identit\u00e4t verhaftet sein.\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a><\/p>\n<p>Genau jene Identit\u00e4tskonstruktion betrachtet Stefanie Duttweiler in dem Aufsatz <em>Body-Consciousness \u2013 Fitness \u2013 Wellness \u2013 K\u00f6rpertechnolgien als Technologien des Selbst<\/em><a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> anhand einer Analyse von Ratgebern und Zeitschriften. Nach Duttweiler wird der K\u00f6rper im Body-Consciousness als Quelle der Wahrheit, als das wahre Selbst, definiert. Im Fitness geht es vor allem um eine auf die Zukunft ausgerichtete Selbstoptimierung und Leistungssteigerung. Durch Disziplinierung und Kontrolle des K\u00f6rpers wirkt man auf ihn ein und zwingt ihn zu dauerhafter Produktivit\u00e4t. Wellness dagegen fordert die Balance zwischen K\u00f6rper, Geist und Seele. Gesundheit und Wohlbefinden werden zu einem herstellbaren Zustand, der K\u00f6rper zu einem Ort der Harmonie.<\/p>\n<p>In Duttweilers Text liest sich eine Tendenz im Umgang mit dem K\u00f6rper, die man zugespitzt auch als den Versuch, sich durch vollst\u00e4ndigen Zwang aus seiner Zwangslage der K\u00f6rperlichkeit zu befreien, formulieren k\u00f6nnte. Die Verpflichtung, (im) K\u00f6rper zu sein, wird durch eine \u00dcbererf\u00fcllung der Pflicht negiert. Der K\u00f6rper wird also zum wahren Selbst; gleichzeitig erschafft man sich durch die Disziplinierung des Fitness einen K\u00f6rper, der keine Beschr\u00e4nkungen mehr kennt, und wandelt ihn durch umfassendes Wohlbefinden von der Bedingung unserer Existenz zu einem frei gew\u00e4hlten Ort. Er ist nicht mehr ein vor\u00fcbergehender Aufenthaltsort f\u00fcr die Seele, sondern das, was im irdischen Sein (durch harte Arbeit) eine \u00dcberh\u00f6hung hervorbringen kann.<\/p>\n<p>Doch damit l\u00e4sst sich Foucaults \u201ezweifacher Sinn\u201c verdrehen. Wenn das Individuum diese Machttechnik auf sich selbst anwendet, Kontrolle und Unterwerfung am eigenen K\u00f6rper praktiziert, bewegt man sich weg von einem foucaultschen Subjekt, das sich in der Unterwerfung konstituiert. Denn dieses neue Etwas bildet sich ohne eine Pastoralmacht, nicht in Abh\u00e4ngigkeit von etwas gro\u00dfem \u00dcberm\u00e4chtigen, sondern es konstituiert sich aus sich selbst heraus, also aus dem eigenen K\u00f6rper. In dieser Hinsicht nimmt dieses Etwas gegen\u00fcber dem K\u00f6rper eine g\u00f6ttliche Position ein.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte es als ein Gegenst\u00fcck des Subjekts bezeichnen, das sich durch Unterwerfung und nicht in Unterwerfung konstituiert. Die \u201eSeele\u201c des Fitnessarbeiters ist dann nicht der K\u00f6rper, sondern der spiritualiserte K\u00f6rper und ein Superjekt, das sich w\u00e4hrend dem Ritual und dem Opfer am eigenen K\u00f6rper herausbildet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Foucault, Michel: \u00dcberwachen und Strafen. Die Geburt des Gef\u00e4ngnisses, Frankfurt am Main 1977<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Theologische Realenzyklop\u00e4die Band XXIX, Artikel \u201eRitus\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a>\u00a0\u00a0 Vgl. http:\/\/www.shape.de\/bildergalerie\/b-25091-14\/applaus-abnehmerfolge-der-shape-leserinnen.html (abgerufen am 28.07.2012) Der Untertitel zu dieser Reihe lautet: \u201eTolle Erfolgsgeschichten, motivierende Inspiration und Vorbilder: In der Bildergalerie stellen wir Ihnen die Frauen hinter den \u201eApplaus\u201c-Geschichten vor und erz\u00e4hlen deren Weg in ein neues, schlankes und fittes Leben.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Foucault, Michel: \u00dcberwachen und Strafen, S. 173-209<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. Bataille, George: Der Begriff der Verausgabung in: Die Aufhebung der \u00d6konomie, S. 13: \u201eDie Kulte verlangen eine blutige Vergeudung von Menschen und Tieren als Opfer. Das \u201eSakrifizium\u201c ist jedoch etymologisch nichts anderes als die Erzeugung heiliger Dinge. Damit ist klar, da\u00df heilige Dinge durch eine Verlusthandlung entstehen. Besonders der Erfolg des Christentums mu\u00df durch den Wert der schimpflichen Kreuzigung des Gottessohns erkl\u00e4rt werden, die die menschliche Angst zu einer Vorstellung grenzenloser Verlorenheit und Erniedrigung erweitert.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. Bataille, Georges: Theorie der Religion<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Durkheim, \u00c9mile: Die elementaren Formen des religi\u00f6sen Lebens, Berlin 2007<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. ebd., S. 608<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. Ebd., S. 331: \u201eWeil sie in sich die ganze Wirklichkeit umfa\u00dften, das physische wie das moralische Universum, wurden die Kr\u00e4fte, die den K\u00f6rper, wie jene, die den Geist bewegen, in religi\u00f6ser Form aufgefa\u00dft.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Ebd., S. 330<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. http:\/\/www.zeitschriften-cover.de\/shape-cover-archiv.html (abgerufen am 06.10.2012)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Als Beispiel l\u00e4sst sich hier die vornehme Bl\u00e4sse des 19. Jahrhunderts nennen. War sie damals ein Sch\u00f6nheitsideal und ein Verweis auf eine besonders edle Herkunft, so bedeutet sie heute ungef\u00e4hr das Gegenteil und belegt einen besonders ungesunden Lebensstil aus Fertigessen und Fernsehen, den man vor allem den unteren Schichten zuordnet.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Foucault, Michel: Das Subjekt und die Macht in: Dreyfus, Hubert L.\/ Rabinow, Paul: Michel Foucault. Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik, S. 246<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Duttweiler, Stefanie: Body-Consciousness \u2013 Fitness \u2013 Wellness \u2013 K\u00f6rpertechnolgien als Technologien des Selbst, in: Widerspr\u00fcche. Zeitschrift f\u00fcr sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich. Selbsttechnolgien \u2013 Technologien des Selbst, S. 31-43 Heft 87, Kleine Verlag M\u00e4rz 2003<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Die Bezeichnung dieses Etwas m\u00fcsste statt aus \u201esub-iacere\u201c eher aus \u201esuper-iacere\u201c (darauf, dar\u00fcber legen) gebildet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fitnessstudio<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[762,2009,2103,2375,2449],"class_list":["post-4820","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-fitnessstudio","tag-ritual","tag-selbsttechnologie","tag-training","tag-verausgabung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4820","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4820"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4820\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4820"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4820"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4820"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}