{"id":4853,"date":"2015-09-04T12:53:24","date_gmt":"2015-09-04T10:53:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=4853"},"modified":"2015-09-04T12:53:24","modified_gmt":"2015-09-04T10:53:24","slug":"am-busen-der-kultur-zur-aesthetik-der-maennerbrustvon-joerg-scheller4-9-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2015\/09\/04\/am-busen-der-kultur-zur-aesthetik-der-maennerbrustvon-joerg-scheller4-9-2015\/","title":{"rendered":"Am Busen der Kultur &#8211; Zur \u00c4sthetik der M\u00e4nnerbrustvon J\u00f6rg Scheller4.9.2015"},"content":{"rendered":"<p>Postmoderne K\u00f6rper<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[zuerst erschienen in: Martin H\u00e4hnel\/Marcus Knaup (Hg.): Leib und Leben. Perspektiven f\u00fcr eine neue Kultur der K\u00f6rperlichkeit, Wissenschaftliche Buchgesellschaft: Darmstadt 2013, S. 179-189]<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren macht sich auf den urbanen B\u00fchnen ein neuer Typus Selbstdarsteller breit. Unkonventionell ist sein Auftreten, doch ohne im Geringsten provokativ oder gar agitatorisch zu wirken. Und obwohl er irritiert, erscheint er doch seltsam vertraut. Man kennt schlie\u00dflich sein Erkennungsmerkmal, doch man kennt es, nun ja, von anderswoher. Jene entbl\u00f6\u00dfte Sehnsuchtszone zwischen Schl\u00fcsselbein und Solarplexus, deren \u00e4sthetisch-erotische Durchdringung einst gendertypologisch begrenzt war, hat ihren Geltungsbereich offenbar vergr\u00f6\u00dfert. Die Rede ist, nat\u00fcrlich, vom dekolletierten Mann.<\/p>\n<div id=\"attachment_4856\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb.-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4856\" class=\"size-large wp-image-4856\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb.-1-831x1024.jpg\" alt=\"Anton Graff, Friedrich Schiller, 1791\" width=\"695\" height=\"856\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb.-1-831x1024.jpg 831w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb.-1-243x300.jpg 243w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb.-1-768x947.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb.-1.jpg 1298w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4856\" class=\"wp-caption-text\">Anton Graff, Friedrich Schiller, 1791<\/p><\/div>\n<p>Zwar signalisierten bereits Denker der Aufkl\u00e4rung wie Denis Diderot oder Friedrich Schiller durch ihre aufgekn\u00f6pften Hemdkragen, dass eine neue \u00c4ra der Offenheit angebrochen sei. Doch es blieb bei ein paar offenen Kn\u00f6pfen. <em>De facto<\/em> erreichte die Aufkl\u00e4rung nie die m\u00e4nnliche Pektoralregion \u2013 mochte Schiller auch noch so hymnisch die \u201eSch\u00e4tze\u201c preisen \u201edie lange Zeit dein Busen dir verschwieg\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a>.<\/p>\n<p>Um die \u00c4sthetisierung oder Kultivierung dieser verschwiegenen K\u00f6rperregion des Mannes soll es im Folgenden gehen. Was hat es zu bedeuten, in \u00e4sthetischer aber auch in ethischer Hinsicht, dass die M\u00e4nnerbrust zunehmend ins Licht der \u00d6ffentlichkeit r\u00fcckt? Dass sie trainiert, rasiert, inszeniert, fetischisiert und reproduziert wird? Und wer sind die historischen Vorl\u00e4ufer des heutigen dekolletierten Mannes?<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u201eZwei Argumente\u201c \u2013 f\u00fcr was?<\/p>\n<p>Als der preu\u00dfischst\u00e4mmige Bodybuilder Eugen Sandow im England des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts die \u00c4sthetik der Metrosexualit\u00e4t mitbegr\u00fcndete, die heute von Protagonisten wie David Beckham gepflegt wird, ging er nat\u00fcrlich noch nicht so weit, seine damals schon rasierte M\u00e4nnerbrust durch entsprechende Kleidung im Alltagsleben zu betonen. In viktorianischen Zeiten w\u00e4re das ein Ding der Unm\u00f6glichkeit gewesen \u2013 vor allem ohne didaktischen R\u00fcckbezug auf die Antike. Einzig auf der B\u00fchne, in Hinterzimmern oder vor Fotografen entbl\u00f6\u00dfte sich der Verfechter einer modernen klassizistischen K\u00f6rperkultur bis aufs Feigenblatt oder posierte in einem Body mit tiefem U-f\u00f6rmigem Ausschnitt. Solche Gewichtheber-Dekollet\u00e9s waren h\u00e4ufig mit Stoff hinterlegt, sodass von einem Ja-aber-Ausschnitt gesprochen werden muss.<\/p>\n<p>Selbst die Frauen trugen im sp\u00e4ten Viktorianismus hohe Kragen und verzichteten \u00fcberwiegend auf das Dekollet\u00e9.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Mit dieser Mode grenzte sich England nicht zuletzt vom freiz\u00fcgigen Stil des revolution\u00e4ren Frankreichs ab. Um 1800 hatten dort die weibliche Brust und das Dekollet\u00e9 eine neue soziopolitische Bedeutung erhalten. Ausschlaggebend waren Jean-Jacques Rousseaus Schriften \u00fcber die Wonnen der Muttermilch und die antikisierenden K\u00f6rperideale der progressiven Kr\u00e4fte. Teilweise oder g\u00e4nzlich entbl\u00f6\u00dfte Br\u00fcste \u2013 davon sollten die 1968er lernen \u2013 galten als fortschrittlich, Stillen in der \u00d6ffentlichkeit als Simultanspeisung aufkl\u00e4rerischer Ideale, ja als \u201ecollective manifestation of civic duty\u201c<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a>.<\/p>\n<p>Personifiziert wurde die Republik als Frau mit blankem Busen, die ihre b\u00fcrgerlichen Kinder f\u00fcrsorglich n\u00e4hrt. Dass auf Eug\u00e8ne Delacroix&#8216; Gem\u00e4lde <em>Die Freiheit f\u00fchrt das Volk <\/em>(1830) die Personifikation der Freiheit explizit barbusig auftritt, war im erotischen <em>und<\/em> im politischen Sinne aufreizend gemeint.<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Bei den revoltierenden M\u00e4nnern auf dem Gem\u00e4lde gen\u00fcgten wie bei Diderot und Schiller offene Hemdkragen, um den Willen zur politischen \u00d6ffnung zu betonen. Umso besch\u00e4mender also, dass ab 1804 die neuen B\u00fcrgerrechte aus Napol\u00e9ons <em>code civil<\/em> zwar f\u00fcr religi\u00f6se Minderheiten, nicht aber f\u00fcr Frauen galten.<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<p>Heute haben sich Shirts oder Pullover mit tiefem V-oder U-Ausschnitt in der M\u00e4nnermode zumindest vor\u00fcbergehend etabliert und hinterlassen dort einen widerspr\u00fcchlichen Eindruck. Einerseits wecken sie unweigerlich Assoziationen an herk\u00f6mmliche Damenmoden und damit an die Fetischisierung und politische Vereinnahmung der weiblichen Brust. Viele zeitgen\u00f6ssische M\u00e4nnerbr\u00fcste erweisen sich \u00fcberdies als penibel enthaart und haben wenig gemein mit den urw\u00fcchsigen Virilit\u00e4tsmatten, welche man in einer versunkenen Epoche, als noch Telefonzellen und Schamhaare existierten, am Busen von Tom Selleck oder David Hasselhoff bestaunen durfte.<\/p>\n<p>Andererseits offenbart das M\u00e4nnerdekollet\u00e9 mitnichten nur zarte, depilierte oder gar epilierte Haut. Es ist auch kompatibel mit geh\u00e4rtetem Formfleisch. Ein klischeehaft weiblich konnotierter Ausschnitt und kriegerisch zuckende, scharf konturierte Brustmuskeln schlie\u00dfen sich nicht aus. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die Brustmuskeln prim\u00e4r f\u00fcr Druck- und Sto\u00dfbewegungen ausgelegt sind \u2013 Bewegungen, die zum Ziel haben, etwas vom K\u00f6rper abzusto\u00dfen, wegzuschieben oder hochzuwerfen, kurzum: Distanz zu erzeugen. Mit Aby Warburg gilt: \u201eDistanzschaffen zwischen sich und der Au\u00dfenwelt darf man wohl als Grundakt menschlicher Zivilisation bezeichnen [\u2026].\u201c<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Dahingehend k\u00f6nnen <em>pectoralis major <\/em>und <em>pectoralis minor<\/em> als prometheische \u2013 und damit als klischeehaft m\u00e4nnlich konnotierte \u2013 Instrumente der Kulturalisation im erweiterten Sinne interpretiert werden.<\/p>\n<p>Durch die Offenlegung der m\u00e4nnlichen Brustpartien mittels geeigneter Moden kann folglich sowohl eine Ann\u00e4herung an feminin als auch maskulin codierte Stereotypen erzielt werden. Es w\u00e4re deshalb zu einfach, angesichts des M\u00e4nner-Dekollet\u00e9s in Jubelrufe des Kulturoptimismus auszubrechen und zu verk\u00fcnden: Das Ende der Gendergeschichte ist erreicht, am Busen der Kultur laben sich f\u00fcrderhin M\u00e4nner und Frauen traut vereint! Alle Menschen wurden Br\u00fcder \u2013 nun werden alle Br\u00fcder Schwestern! Was die \u00c4sthetik und nicht zuletzt die Semantik der M\u00e4nnerbrust betrifft, so l\u00e4sst sich vielmehr vermuten, dass, im \u00fcbertragenen Sinne, Bruder und Schwester hier im Dauerclinch liegen.<\/p>\n<p>Dass dieser Clinch Unbehagen unter denjenigen verursacht, die klare Differenzen sch\u00e4tzen, ist wenig verwunderlich. So warnte die deutsche Modekolumnistin und selbsternannte \u201eYoga Bitch\u201c<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> Danijela Pilic ihre Leserinnen und Leser im Jahr 2010, dem Boomjahr des M\u00e4nner-Dekollet\u00e9s, eindringlich vor ebendiesem: \u201eSeit zwei N\u00e4chten raubt mir Adrien Brody den Schlaf. Ich w\u00fcrde an dieser Stelle gerne etwas Spannenderes berichten. Doch was mich wach h\u00e4lt, ist der Anblick von Brodys Dekollet\u00e9, das sich grauenvoll in mein Ged\u00e4chtnis eingebrannt hat. [\u2026] Ein, zwei Kn\u00f6pfe eines Hemdes aufzulassen geht in Ordnung. Typen aber, die ihr Hemd bis zum Bauchnabel ge\u00f6ffnet tragen, sind entweder mexikanische Zuh\u00e4lter oder Internatsknilche, die einen auf Kerl machen wollen. Dekollet\u00e9s wurden nun mal f\u00fcr Frauen gemacht. Und daf\u00fcr gibt es zwei gute Argumente, die M\u00e4nner nicht haben.\u201c<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a><\/p>\n<p>Auch auf der seri\u00f6seren Seite herrschte Skepsis. Jess Cartner-Morley, Moderedakteurin der linksliberalen britischen Zeitung <em>The Guardian<\/em>, erkl\u00e4rte sich in ihrem Artikel <em>The male cleavage: put it away, boys!<\/em> (2010) zwar bereit, der neuen Mode gewisse Fortschritte in Richtung \u201egender equality\u201c zu attestieren. Ansonsten war die Autorin, wie Pilic, einfach nur entsetzt: \u201eNot since the glory days of Eva Herzigova and the Wonderbra have we seen a display quite like this. At every turn, bare chests are being thrust into our consciousness. [\u2026] The difference this time is that the cleavage in question is male.\u201c<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a><\/p>\n<p>Es ist frappant, wie hier aufs Neue Gender-Reviere markiert werden \u2013 nur dass diesmal die andere Seite das Beinchen hebt. Dass die von Pilic besungenen \u201ezwei Argumente\u201c in Zeiten avancierter Gestaltungsm\u00f6glichkeiten des K\u00f6rpers nicht zwingend an das weibliche Geschlecht gebunden sind, legt kein Geringerer als Arnold Schwarzenegger in seiner zweiten (!) Autobiographie <em>Total Recall. Die wahre Geschichte meines Lebens <\/em>nahe. Sein Komiker-Kumpel Milton Berle, so Schwarzenegger, habe ihn in den 1970er Jahren darauf hingewiesen, \u201edass ich gr\u00f6\u00dfere Titten h\u00e4tte als meine Freundin\u201c<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a>. Die Stichhaltigkeit dieses Befundes ist durch Fotografien gesichert.<\/p>\n<p>Es ist dem h\u00e4ufig genug chauvinistisch auftretenden Ex-Bodybuilder, Ex-\u201eGovernator\u201c und heutigem \u201eSperminator\u201c<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> hoch anzurechnen, dass er freim\u00fctig \u00fcber solche Episoden berichtet und selbst seine schmerzhaften Erfahrungen mit Brasilian Waxing \u00f6ffentlich machte.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a> Ein wahrer Macho verwandelt auch eine Intimepilation und eine Brustvergr\u00f6\u00dferung in veritable Heldensagen. Wie ich weiter unten zeigen werde, ist es gerade unter Bodybuildern \u00fcblich, sich mit der Brust zu br\u00fcsten, ja kann das Bodybuilding als eigentlicher Katalysator der \u00c4sthetisierung der M\u00e4nnerbrust bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sei festgehalten: Die Ausweitung unserer somaesthetischen Kampfzonen von den Achselh\u00f6hlen \u00fcber den Intimbereich bis hin zur M\u00e4nnerbrust, die steigende Polyvalenz der Codes beim Selbst-Design und der intensivierte Transfer ehemals genderspezifischen Symbolkapitals hat nicht ins gelobte Land der Differenzlosigkeit gef\u00fchrt. Von der Kommodifizierung des K\u00f6rpers, \u00fcber die bereits genug geschrieben wurde und weiterhin mehr als genug geschrieben wird, gar nicht erst zu sprechen.<\/p>\n<p>Gleichwohl eignet der hybriden K\u00f6rperkultur eine emanzipatorische Kraft, vielleicht nicht trotz, sondern <em>aufgrund<\/em> von Frivolisierung und Karnevalisierung. Was eine \u201eweibliche\u201c und was eine \u201em\u00e4nnliche\u201c Optik auszeichnet, mag in Grillfleischwerbung weiterhin klar umrissen sein. Doch mitunter ist die Realit\u00e4t, zumindest was den Dekollet\u00e9-Trend und die diesen \u2013 historisch betrachtet \u2013 erst erm\u00f6glichende \u00c4sthetisierung der M\u00e4nnerbrust betrifft, dem Mythos voraus. Erstaunlicherweise waren es die als hypermaskulin geltenden Bodybuilder, die hier ganze Vorarbeit geleistet haben.<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Die M\u00e4nnerbrust als Snob und die Remanzipation<\/p>\n<p>Die Zeit um 1900 war eine \u00dcbergangsperiode zwischen Kraftsport (leistungsorientiert) und Bodybuilding (\u00e4sthetikorientiert). Diejenigen Kraftathleten, die noch im 19. Jahrhundert geboren worden waren, verdingten sich f\u00fcr gew\u00f6hnlich als Ringer und Zirkusartisten. Ihre Muskelmassen stellten sie allenfalls nebenbei zur Schau. Und oft gab es da auch wenig zu bestaunen. Einem ber\u00fchmten <em>strongman <\/em>wie dem Kanadier Louis Cyr (1863\u20131912) sah man seine enormen Kr\u00e4fte nicht direkt an. Cyr war kompakt und massig, trug ein stattliches Doppelkinn. Wer seine legend\u00e4ren <em>feats of strength<\/em> nicht selbst miterlebte, h\u00e4tte ihn auch f\u00fcr einen korpulenten Kneipier halten k\u00f6nnen \u2013 tats\u00e4chlich bet\u00e4tigte sich Cyr kurze Zeit als Gastronom, bevor es ihn wieder auf die B\u00fchne zog.<\/p>\n<p>Von allen gr\u00f6\u00dferen Skelettmuskeln fristete vor allem der Brustmuskel im 19. Jahrhundert und in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts ein glanzloses Dasein. Kraftathleten wie Hermann G\u00f6rner (1891-1956) oder Arthur Saxon (1878-1921) wiesen zwar beeindruckende Arme, Schultern, Rumpf- und Beinpartien auf. Doch was die Brustregion betraf, hatten sie wenig Anschauungsmaterial zu bieten. Der Grund daf\u00fcr liegt auf der Hand: Der Brustmuskel wurde schlicht weniger beansprucht als andere Muskeln.<\/p>\n<p>Auch Sandow, der \u00fcber eine \u2013 f\u00fcr seine Zeit \u2013 verbl\u00fcffend umfassend trainierte und \u00e4sthetisierte Muskulatur verf\u00fcgte, war eher schwach auf der Brust. Wenn er und seine Kollegen G\u00fcterwaggons herumschoben, Ketten zerrissen, Konzertfl\u00fcgel schleppten, ein Dutzend M\u00e4nner auf dem R\u00fccken trugen oder Pferde stemmten, ben\u00f6tigten sie starke Beine, Schultern und Arme sowie eine verl\u00e4ssliche Rumpfmuskulatur, um die Lasten zu balancieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_4857\" style=\"width: 589px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb-2-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4857\" class=\"size-large wp-image-4857\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb-2--579x1024.jpg\" alt=\"Eugen Sandow in Melbourne, 1902\" width=\"579\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb-2--579x1024.jpg 579w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb-2--170x300.jpg 170w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb-2--768x1358.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/abb-2-.jpg 1102w\" sizes=\"auto, (max-width: 579px) 100vw, 579px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4857\" class=\"wp-caption-text\">Eugen Sandow in Melbourne, 1902<\/p><\/div>\n<p>An Sandows K\u00f6rper l\u00e4sst sich ablesen, wof\u00fcr er verwendet wurde. So ist der Mittelbau mit <em>rectus abdominis<\/em>, <em>obliquus externus <\/em>und <em>obliquus internus<\/em> besonders stark entwickelt, was darauf hinweist, dass Sandow Balance\u00fcbungen ausf\u00fchrte, bei welchen die Rumpfmuskulatur gro\u00dfen Belastungen ausgesetzt war. Sandows K\u00f6rper wirkt wie eine robuste S\u00e4ule. Im Vergleich erscheint die Brustmuskulatur nachgerade unterentwickelt.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich vermarktete auch Sandow die schon im sp\u00e4ten 19. Jahrhundert beliebten <em>chest expander<\/em>.<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a> Es handelte sich dabei um zwei Handgriffe, die durch elastische Seile miteinander verbunden waren. Sie haben sich bis heute auf dem Markt gehalten, wenngleich sie eher \u2013 und zweckm\u00e4\u00dfiger \u2013 f\u00fcr Schulter- und R\u00fccken\u00fcbungen eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Den Thorax bezeichnete Sandow, der es mit seinen Posing-Shows, seinen Trainingsratgebern und seinen weltweit vertriebenen Fitness-Produkten zu Reichtum und zu Einfluss in der britischen Politik brachte, als \u201epower chamber of the body\u201c<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a>. Doch nicht etwa hinsichtlich der Muskulatur als solcher, sondern dessen, was darunter liegt, n\u00e4mlich der Lungen. Wenn Sandow \u00fcber die Brust schrieb, so \u00fcberwiegend im Zusammenhang mit der Atmung: \u201eI wish to treat of the chest and its development with special reference to the lungs. Experience has taught me that, as regards both health and strength, the first and most important part to be attended to is the chest.\u201c<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a> Von der \u00c4sthetik der M\u00e4nnerbrust ist hier noch keine Rede.<\/p>\n<p>Das sollte sich \u00e4ndern, als 1946 in Kanada der erste Bodybuilding-Verband gegr\u00fcndet wurde. Weil die Athleten-\u00c4stheten der <em>International Federation of Bodybuilding <\/em>(IFBB, heute: <em>International Federation of Bodybuilding and Fitness<\/em>) keine Kraftwettbewerbe mehr gewinnen mussten, konnten sie sich der vollumf\u00e4nglichen Durchgestaltung ihrer K\u00f6rper widmen. Bis in die letzte Muskelfaser. An die Stelle der Kraft trat das Bild der Kraft.<\/p>\n<p>Arnold Schwarzenegger fasst den Wandel vom funktionalen zum piktoralen K\u00f6rper in seiner <em>New Encyclopedia of Modern Bodybuilding <\/em>pr\u00e4zise zusammen: \u201e[Sigi] Klein, along with Sandow and influential physical culturists like [Bernarr] Macfadden [sic], gradually began to convince people that the look of a man&#8217;s physique \u2013 not just his ability to perform feats of strength \u2013 was worthy of attention \u2026 But the era in which the male physique would be judged purely on an aesthetic basis was still a few years away.\u201c<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a> Besagte \u00c4ra sollte den Namen \u201eSchwarzenegger\u201c tragen.<\/p>\n<p>Erst mit der \u201e\u00f6sterreichischen Eiche\u201c als Galionsfigur wurden die Wettk\u00e4mpfe der IFBB zu \u00f6ffentlichkeits- und medienwirksamen Ereignissen. Zun\u00e4chst aber kam Gegenwind auf. Entru\u0308stet diffamierten die Gewichtheber die Separatisten der Bodybuilder als \u201esissies\u201c oder, bezeichnenderweise, als \u201eboobybuilder\u201c.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a> Die blo\u00dfe Zurschaustellung des skulpturalen K\u00f6rpers und insbesondere nie gesehener quellender Muskelbr\u00fcste passte nicht in ihr Selbstverst\u00e4ndnis. War dieses Gepumpe und Gepose nicht irgendwie schwul? Bildeten die Bodybuilder nicht blo\u00df ab, was die Kraftsportler <em>in realiter <\/em>auszeichnete, n\u00e4mlich Kraft? Waren ihre akribisch gemei\u00dfelten K\u00f6rper nicht blo\u00df ein schwacher Abglanz des wahren, also des funktionalen, leistungsf\u00e4higen K\u00f6rpers?<\/p>\n<p>Wir haben es hier mit einem bemerkenswerten Fall von Bilderstu\u0308rmerei in der j\u00fcngeren K\u00f6rperkultur zu tun. Die Gewichtheber gaben sich gleichsam als Platoniker zu erkennen, die in den Body-Bildern der Body-Builder nichts als eine defizit\u00e4re Simulation des Lebens erkannten. So kam es zum Schisma zwischen Ikonoklasten (Gewichthebern) und Ikonodulen (Bodybuildern). W\u00e4re Jean Baudrillard ein Theoretiker der K\u00f6rperkultur gewesen \u2013 tats\u00e4chlich schrieb er mitunter \u00fcber postmoderne Selbstert\u00fcchtigungsformen wie Jogging und erw\u00e4hnte dabei auch Bodybuilding<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a> \u2013, so h\u00e4tte er Bodybuilding mit Leichtigkeit unter dem Begriff \u201eHyperrealit\u00e4t\u201c verbuchen k\u00f6nnen. Die K\u00f6rper der Bodybuilder schwitzen, bluten, atmen, sind also offenbar lebendig, und doch g\u00e4nzlich aufgegangen in ihrem leblosen K\u00f6rperbild. Sie sind, was herk\u00f6mmliche Aufgaben betrifft, eher nutzlos und werden f\u00fcr ihre Erschaffer doch zur absoluten Notwendigkeit.<\/p>\n<p>Aufgrund seiner \u2013 relativen \u2013 Nutzlosigkeit war vor allem der Brustmuskel f\u00fcr k\u00fcnstlerische Aufgaben pr\u00e4destiniert. Zwecklosigkeit ohne Zweck konnte ihm, dem Adeligen unter den Skelettmuskeln, der bislang eher selten gearbeitet hatte, nicht fremd sein. Deshalb \u00fcberzeugen die Passagen \u00fcber das Brustmuskeltraining und die \u00c4sthetik der Brustmuskulatur aus dem einflussreichen Bodybuildingbuch <em>Pumping Iron <\/em>(1974) nur bedingt: \u201eTwo clean downward sweeps from the windpipe to the armpits and then an open flaring into the shoulders that give the body ovalness and depth above the waist. For some reason, maybe because they lie so close to vital organs, or because of the warm, dense, quick pump they take, the pecs are probably the most satisfying part of the body to work.\u201c<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a> Wenn es stimmt, dass sich Brustmuskeltraining besonders gut anf\u00fchlt, warum wurde dann nicht fr\u00fcher damit begonnen?<\/p>\n<div id=\"attachment_4869\" style=\"width: 644px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb.-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4869\" class=\"size-full wp-image-4869\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb.-3.jpg\" alt=\"Closeup einer Bodybuilder-Brust, 2012\" width=\"634\" height=\"390\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb.-3.jpg 634w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb.-3-300x185.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 634px) 100vw, 634px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4869\" class=\"wp-caption-text\">Closeup einer Bodybuilder-Brust, 2012<\/p><\/div>\n<p>Da der Brustmuskel gerade in den liberalen Wohlstandskulturen der Postmoderne aus seinem Dornr\u00f6schenschlaf erwachte, als \u201edas Ausbrechen der Kunst aus ihren institutionellen Grenzen\u201c<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[xxi]<\/a> virulent wurde, liegt die Kunst-These n\u00e4her. Der Brustmuskel wurde prominent, weil er sich von allen Muskeln am besten als Luxusmuskel eignete. Luxus bedeutet, verknappt ausgedru\u0308ckt, etwas zu brauchen, ohne es brauchen zu <em>mu\u0308ssen<\/em>. Kunst ist derjenige Luxus, den wir der Sph\u00e4re des M\u00fcssens abringen <em>k\u00f6nnen<\/em>.<\/p>\n<p>Das steigende Interesse der Bodybuilder am Brustmuskel signalisierte, dass sein jeweiliger Besitzer es sich erlauben <em>konnte<\/em>, eine stattliche Brust mit sich herumzutragen, ohne sie fu\u0308r irgendetwas anderes zu ben\u00f6tigen als daf\u00fcr, sie mit sich herumzutragen. Daf\u00fcr ben\u00f6tigte er weder blaues Blut noch Geldverm\u00f6gen. Das symbolische Pektoralkapital stand prinzipiell jedem zur Verf\u00fcgung, der bereit war, in eine Mitgliedschaft in irgendeinem Kraftraum oder wenigstens in Energie f\u00fcr ein paar Liegest\u00fctze zu investieren.<\/p>\n<p>Der Brustmuskel wurde auf diese Weise zum autoplastischen Pendant eines Ferraris, einer Havanna-Zigarre, eines Penthouse oder eines Barsois \u2013 das somatische Statussymbol oder die Visitenkarte posthistorischer Body-Snobs. Bodybuilder brachten ihre erhoffte privilegierte Stellung durch gewaltige, erhabene Br\u00fcste zum Ausdruck, die nichts anderes taten, als die gewaltigen Br\u00fcste zu erhalten. Wie sich ein reicher Gesch\u00e4ftsmann ein kostspieliges Hobby um dessen selbst willen erlaubt \u2013 man spielt Golf, um Golf zu spielen und sammelt Kunst, um Kunst zu sammeln \u2013, so gestatteten sich die Bodybuilder den Luxus, die Brust f\u00fcr die Brust sprechen zu lassen. Sie wurde zur Adelsgeste einer Subkultur, ein karnevalisierter Rekurs auf st\u00e4ndische \u00dcberlegenheit. Karnevalesk insbesondere mit Blick auf die Gender-Komponente, die hier insofern nicht \u00fcberrascht, als es in historischer Sicht gerade die Adelsh\u00f6fe waren, wo M\u00e4nner Per\u00fccken und hochhackige Schuhe trugen, sprich, in effeminierter Form auftraten.<\/p>\n<p>Der K\u00f6rper des Pop-Aristokraten Schwarzenegger, der exemplarisch f\u00fcr das Bodybuilding stehen kann, erinnerte mit seiner Wespentaille unter den massiven Bru\u0308sten an eine Sanduhr \u2013 und damit an die Ideal-Silhouette eines Pin-Ups.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Wer da noch einseitig von der \u201eMaskulinisierung\u201c im Bodybuilding spricht, der u\u0308bersieht, dass es gerade der maskuline Bodybuilder ist, der mit Wespentaille und u\u0308ppigem Vorbau wuchert und sich vor dem Publikum bis auf einen winzigen Slip entbl\u00f6\u00dft, was ein &#8218;echter Kerl&#8216;, sagen wir, ein Farmer aus dem mittleren Westen der USA, nicht tun wu\u0308rde. Abkehr vom Kraftbeweis? Fokus auf die K\u00f6rper\u00e4sthetik? Wespentaille? Mega-Br\u00fcste? Endlose Selbstbetrachtung vor dem Spiegel? Enthaarung der Achseln, der Beine, der Bikinizone?<\/p>\n<p>Das Klischee \u2013 die Betonung liegt erneut auf <em>Klischee<\/em> \u2013 schreibt dies dem weiblichen Geschlecht zu. Analysiert man Bodybuilder zu stark auf Basis herk\u00f6mmlicher Geschlechterbilder (muskul\u00f6s = m\u00e4nnlich), so verwechselt man sie mit ihrer Renarrativierung im Action-Film \u2013 die letztlich nichts anderes zur Aufgabe hat, als die im Bodybuilding <em>de facto <\/em>verlorene &#8218;M\u00e4nnlichkeit&#8216; zuru\u0308ckzugewinnen.<\/p>\n<p>In seinem Buch <em>Von Flederm\u00e4usen und Muskelm\u00e4nnern<\/em> hat Helmut Merschmann diesen Umstand richtig erkannt. So schreibt er u\u0308ber den K\u00f6rper Schwarzeneggers: \u201eDer K\u00f6rper stellt sich hier als eine sexuell konnotierte Projektionsfl\u00e4che zur Schau, wie es bis dato nur Frauenfiguren gestattet war beziehungsweise abverlangt wurde. [\u2026] Diese &#8218;Femininisierung&#8216; wird freilich im Actionfilm relativiert, und zwar durch \u00e4u\u00dferliche M\u00e4nnlichkeitsattribute \u2013 eben [der] musculinity.\u201c<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a> Der Sandow-Biograph David L. Chapman assoziiert die Muskeln der Bodybuilder sogar mit Kosmetik: \u201eIn the early years of weight training there was a great deal of opposition to systems that created purely cosmetic muscles without corresponding strength. A thick and muscular physique was all very well, but the true test of a strongman was what he could lift.\u201c<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[xxiii]<\/a> Kunst hebt allenfalls Konventionen aus den Angeln.<\/p>\n<p>N\u00fcchtern betrachtet, einen gerade die Skelettmuskeln die Geschlechter. Frauen und M\u00e4nner m\u00f6gen sich in mancherlei Hinsicht unterscheiden, etwa was den jeweiligen Hormoncocktail betrifft \u2013 am wenigsten unterscheiden sie sich in Anzahl und Art ihrer Muskeln. Es gibt keine &#8218;m\u00e4nnlichen&#8216; Muskeln, es gibt keine &#8218;weiblichen&#8216; Muskeln. Muskeln sind geschlechtsneutral, abgesehen von wenigen Ausnahmen wie dem <em>musculus cremaster<\/em>.<\/p>\n<p>Im wirklichen Leben hat diese n\u00fcchterne Sicht selbstredend einen wackeligen Stand. Gerade aufgrund der Geschlechtsneutralit\u00e4t der Skelettmuskulatur sind Brustimplantate bei Bodybuilderinnen weit verbreitet. An diesem Punkt verwandelt sich das pektorale \u201eemancipium\u201c in ein \u201eremancipium\u201c (lat. <em>e<\/em> \u201eaus\u201c, <em>mancipium<\/em> \u201eSklave\u201c, <em>re<\/em> \u201ewieder\u201c). Denn Neutralit\u00e4t bedeutet Differenzlosigkeit. Und Differenzlosigkeit verunsichert, wie oben bei Cartner-Morley und Pilic deutlich wurde. Der Grad der Verunsicherung wiederum variiert von Hormoncocktail zu Hormoncocktail.<\/p>\n<p>Bodybuildende M\u00e4nner haben es bislang einfacher. Stolz bergen sie in ihrem Busen widerspr\u00fcchliche Gender-Codes, die ihnen in metrosexuellen Zeiten Aufmerksamkeits- und Fortpflanzungsvorteile bieten. So gelang es Schwarzenegger, seine \u201eTitten\u201c (siehe oben) in eine Selbstinszenierung als Macho miteinzubeziehen und sowohl f\u00fcr ein hetero- wie auch homosexuelles Zielpublikum anschlussf\u00e4hig zu bleiben.<\/p>\n<p>In umgekehrter Richtung funktioniert diese Taktik offenbar \u2013 noch \u2013 nicht. Bodybuilderinnen bauen mit ihrem Fettgewebe ein sekund\u00e4res Geschlechtsmerkmal ab, sprich, sie entwickeln eine M\u00e4nnerbrust. Diese wird, anders als die effeminierte Heldenbrust der m\u00e4nnlichen Bodybuilder, nicht als Zugewinn interpretiert, sondern als Defizit.<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[xxiv]<\/a> Ein Beleg daf\u00fcr sind die Wettkampfregeln der IFBB. Dort findet man die schwammige Forderung, Bodybuilderinnen m\u00fcssten eine \u201eideal female physique\u201c aufweisen, w\u00e4hrend bei den M\u00e4nnern keine Rede ist von \u201emale physique\u201c<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[xxv]<\/a>. Es scheint, als st\u00fcnde <em>per se<\/em> fest, was eine \u201em\u00e4nnliche\u201c und was eine \u201eweibliche\u201c Physis ist. M\u00e4nnern sind <em>jegliche<\/em> Implantate verboten. Bei Frauen werden Brustimplantate geduldet. So schreitet die Hybridisierung zwar voran, doch in asymmetrischen, asynchronen Konstellationen. Zwei Schritte vorw\u00e4rts, ein Schritt zur\u00fcck.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Epilog: YouTube und YouPec<\/p>\n<p>Das Bodybuilding ist die Formel-1 der postmodernen K\u00f6rperkultur. Hier werden Extreme geschaffen, hier werden Rekorde im Exzess aufgestellt. Und wie die technischen Innovationen der Formel-1 oder die \u00e4sthetischen Experimente der Haute Couture sich gem\u00e4\u00df dem Trickle-Down-Prinzip auf den Massenmarkt auswirken, so entstehen Feedbackschleifen zwischen Profibodybuildern und Amateurbodybuildern. Wer sich f\u00fcr die Faszination der M\u00e4nnerbrust abseits der Wettkampftrib\u00fcnen und der Modeschauen interessiert, dem bieten Webcam-Clips auf YouTube einen erhellenden Einblick in halbprivate Busenschmieden.<\/p>\n<p>Im Web 2.0 begegnen wir jungen \u2013 aber nicht nur jungen \u2013 M\u00e4nnern, die, mit nackten Oberk\u00f6rpern vor ihren Computern sitzend, der digitalen Welt\u00f6ffentlichkeit die gest\u00e4hlte Brust geben. Als w\u00fcrden sie von galvanischen Str\u00f6men durchpulst, zucken die Protagonisten mit ihren Brustmuskeln, mal rhythmisch im Takt von Rammsteins <em>Du hast<\/em><a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[xxvi]<\/a>, mal lautlos vor Ikea-Regalen, Postern, Gardinen, ungemachten Betten und schweigsamen Raufasertapeten.<\/p>\n<div id=\"attachment_4870\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-4870\" class=\"size-large wp-image-4870\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb-4-1024x930.jpg\" alt=\"Collage aus YouTube-Screenshots, 2013\" width=\"695\" height=\"631\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb-4-1024x930.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb-4-300x273.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb-4-768x698.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/09\/Abb-4.jpg 1266w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-4870\" class=\"wp-caption-text\">Collage aus YouTube-Screenshots, 2013<\/p><\/div>\n<p>Mit ihren \u201e<em>pec bounces<\/em>\u201c oder \u201e<em>pec dances<\/em>\u201c kn\u00fcpfen sie wissentlich oder wohl doch eher unwissentlich an den ber\u00fchmten <em>quivering biceps<\/em> von Eugen Sandow an. Der Begr\u00fcnder des Bodybuildings pflegte in seinen Vari\u00e9t\u00e9-Shows mit den Bizepsmuskeln ein T\u00e4nzchen aufzuf\u00fchren, das die heutigen metrosexuellen Bodybuilder nun mit ihren Brustmuskeln fortsetzen. Sie verwenden letztere, \u00e4hnlich wie Sandow den Bizeps, nicht als blo\u00dfe Instrumente f\u00fcr Kraftbeweise, sondern setzen sie als Kunstgegenst\u00e4nde ein \u2013 seht, was ich geschaffen habe! Es mag v\u00f6llig nutzlos sein, aber diesen Luxus g\u00f6nne ich mir!<\/p>\n<p>Es ist ein so beeindruckendes wie verst\u00f6rendes Schauspiel, wie da tausende verpixelter Busen unabh\u00e4ngig voneinander zucken und wackeln, auf Reize reagieren, die nur mehr virtueller Natur sind, Widerst\u00e4nde bew\u00e4ltigen, die g\u00e4nzlich imagin\u00e4r sind, Energie verbrennen, die nicht verbrannt werden m\u00fcsste \u2013 vergleichbar mit modernen K\u00fcnstlern, die ihre Lebenszeit der Herstellung von Dingen widmen, die nicht gebraucht, aber bedurft werden.<\/p>\n<p>In den Online-Foren ist das Bewusstsein f\u00fcr die \u00e4sthetische Dimension der Brustmuskulatur durchaus gegeben. So schreibt der registrierte User Alex2010, um nur ein Beispiel zu nennen, im Forum von bodybuilding.com: \u201eyou can have 17 inch arms, shredded abs, huge back, name it. but if you dont have a decent chest, ur whole aestheticness will fall to chit [sic].\u201c<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[xxvii]<\/a> Zur Untermauerung dieser Norm postet er das Foto eines jungen asiatischen Bodybuilders und bemerkt: \u201ehere we have an example, dude is not small, u can tell he works out, prbly doesnt look bad with a shirt on, but look how horrible his chest makes his whole body look.\u201c<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[xxviii]<\/a> Als Kontrastfolie folgt die bekannte Aufnahme von James-Bond-Darsteller Daniel Craig, wie er mit entbl\u00f6\u00dftem Oberk\u00f6rper im Meer steht: \u201enow look at james bond here, fairly small arms, small traps, u cant even see his abs, but he has a nice built chest which gives him much more aestheticness than that dude.\u201c<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[xxix]<\/a> Die Botschaft ist klar: \u201eAestheticness\u201c ist Brustsache.<\/p>\n<p>Ob man die Brustbildhauer des Internet nun Fetischisten oder \u00c4stheten nennen m\u00f6chte \u2013 auf jeden Fall sind sie zun\u00e4chst einmal selbstbez\u00fcgliche Kunsthandwerker, die dem Publikum einen Teil ihres Werks vorf\u00fchren. Die meist lieblos ausgestatteten Interieurs, in denen sich die <em>pec bouncer <\/em>pr\u00e4sentieren, kontrastieren dabei auf eigent\u00fcmliche Weise mit den sorgsam kultivierten K\u00f6rpern. Sie nehmen sich aus wie gest\u00fcrzte K\u00f6nige in einem unw\u00fcrdigen Exil.<\/p>\n<p>Dass moderne Kunst und Fetisch keinen Widerspruch bilden, sondern einander kongenial sind, hat Adorno \u00fcberzeugend dargelegt. Im Vokabular der <em>\u00c4sthetischen Theorie<\/em> m\u00fcsste die durchgestaltete M\u00e4nnerbrust analog zum modernen Kunstwerk als \u201eabsolute Ware\u201c gelten, da sie im Gebrauch nicht verbraucht wird und prim\u00e4r f\u00fcr symbolische Zwecke geschaffen wird. Mit Adorno gilt: \u201eNeue Kunst ist so abstrakt, wie die Beziehungen der Menschen in Wahrheit geworden sind. Die Kategorien des Realistischen und des Symbolischen sind gleicherma\u00dfen au\u00dfer Kurs gesetzt.\u201c<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[xxx]<\/a><\/p>\n<p>In der fetischisierten Objekthaftigkeit der \u00e4sthetisierten M\u00e4nnerbrust, die sich in den drei hier vorgestellten Beispielen der Mode, des Bodybuildings und der Webcamwelten offenbart, spiegelt sich genau diese Vertauschung von \u201eRealistischem\u201c und \u201eSymbolischem\u201c. Ein St\u00fcck des realen, lebendigen, biologischen K\u00f6rpers wird \u00fcberf\u00fchrt ins Reich des Symbolischen, wird abstrahiert, \u00e4sthetisiert und ausgestellt, wird Teil eines Kunst-Leibs, dessen Gebrauchswert mit seinem Ausstellungswert zusammenf\u00e4llt. Dabei wird die M\u00e4nnerbrust einerseits effeminiert und insofern der weiblichen Brust angen\u00e4hert, als sie nun ebenfalls einen Fetisch darstellt. Man(n) rasiert und cremt sie, begutachtet sie im Spiegel, inszeniert sie als Distinktionsmerkmal des Body-Snobs, wei\u00df um ihre ambivalente Erotik.<\/p>\n<p>Andererseits wird diese durchaus progressive Hybridisierung durch \u00fcberkommene Gender-Klischees konterkariert, da die M\u00e4nnerbrust mit prometheischen Attributen wie Kraft und H\u00e4rte aufgeladen wird. Da sie nicht passiv empfangen, sondern aktiv produziert wurde, stellt sie ein Objekt der m\u00e4nnlich konnotierten \u201eKultur\u201c dar, w\u00e4hrend die Frau traditionell dem Reich der \u201eNatur\u201c zugeordnet wurde \u2013 bezeichnend also, dass die muskul\u00f6se Brust nur bei Frauen, nicht jedoch bei M\u00e4nnern problematisiert wird.<\/p>\n<p><em>Last but not least<\/em> ist die Muskelbrust eine organische Sch\u00f6pfung, stellt also keinen Fremdk\u00f6rper dar, der den in sich geschlossenen, in sich selbst verpanzerten Kunst-oder Kultur-Leib des Mannes &#8218;penetrieren&#8216; w\u00fcrde. Die Brustvergr\u00f6\u00dferung erfolgt auf endogene Weise, aus dem Inneren des Subjekts nach au\u00dfen.<\/p>\n<p>Anders verh\u00e4lt es sich mit den Brustimplantaten aus Silikon oder Kochsalzl\u00f6sung, die Bodybuilderinnen beziehungsweise Frauen im Allgemeinen einsetzen, um den Verlust eines sekund\u00e4ren Geschlechtsmerkmals zu kompensieren oder ein sekund\u00e4res Geschlechtsmerkmal zu betonen. In diesem Fall erfolgt die Brustvergr\u00f6\u00dferung auf exogene Weise, vom \u00c4u\u00dferen des Subjekts nach innen. Die Geschlossenheit des K\u00f6rpers wird aufgebrochen, das &#8218;Andere&#8216; dringt in ihn ein. Stereotypen wie \u201em\u00e4nnlich = aktiv, produktiv, selbstidentisch\u201c und \u201eweiblich = passiv, reproduktiv, heteronom\u201c lassen sich damit auf komfortable Weise wiederbeleben.<\/p>\n<p>Immerhin bleiben die Dinge in Bewegung. Klare Zuschreibungen \u2013 Kunst? Fetisch? Maskulin? Feminin? K\u00f6rper? Leib? \u2013 haben es in den liberaldemokratischen Konsumkulturen schwer, was nicht bedeutet, dass nicht mehr zugeschrieben w\u00fcrde. Im Gegenteil. Je flie\u00dfender die Grenzen, desto gr\u00f6\u00dfer die Verunsicherung bei den Haltsuchenden \u2013 und desto vielf\u00e4ltiger und komplexer die Grenzziehungen. Anstatt <em>einer<\/em> Grenze \u2013 etwa zwischen der \u00c4sthetik eines m\u00e4nnlichen und eines weiblichen K\u00f6rpers \u2013 besteht ein Pluriversum von Grenzen und Differenzen, die im Takt der Trends und Moden neu verhandelt werden.<\/p>\n<p>Die \u00c4sthetik der M\u00e4nnerbrust ist ein gutes Beispiel f\u00fcr die Gleichzeitigkeit von Emanzipation und Remanzipation und damit f\u00fcr die impliziten Folgen der Hybridisierung: Wenn sich Differenzlosigkeit am Horizont abzeichnet, darf man sicher sein, dass neue Differenzen nicht fern sind. So scheint es, als solle Niklas Luhmann mit Blick auf die zeitgen\u00f6ssische K\u00f6rperkultur Recht behalten. Die Differenz <em>ist<\/em> die Essenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. v. a. das Cover von Schwarzeneggers erster Autobiographie <em>Education of a Bodybuilder<\/em>\/<em>Karriere eines Bodybuilders<\/em>, 1977\/1984.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schiller (1838), 104.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Trend, den wir auch in der zeitgen\u00f6ssischen Mode wieder beobachten, vgl. u.a. Pr\u00fcfer (2012).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Yalom (1997), 117.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. ebd. 122.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Stollberg-Rilinger (2011), 283: \u201eAn diesem Punkt zeigt sich, dass es falsch w\u00e4re, dem Zeitalter der Aufkl\u00e4rung einen linearen Fortschritt zu immer mehr Gleichheit und Freiheit zu bescheinigen. Vielmehr war es umgekehrt eher so, dass die zunehmende Rechtsgleichheit der M\u00e4nner in der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, die von der Revolution auf den Weg gebracht wurde, zun\u00e4chst gerade mit einer desto sch\u00e4rferen Ausgrenzung der Frauen vom politischen Leben einherging.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Warburg (2010), 629.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Pilic (2010).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/www.derberater.de\/fashion-style\/mode\/mode-kolumne\/manner-dekollet-das-vau-lieber-fur-die-frau.htm. Letzter Zugriff: 06.11.2012.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/www.guardian.co.uk\/lifeandstyle\/2010\/aug\/24\/male-cleavage-put-it-away. Letzter Zugriff am 11.11.2012.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schwarzenegger (2012), 371.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Spitzname wurde Schwarzenegger verliehen, als 2011 bekannt wurde, dass er mit seiner Haush\u00e4lterin einen Sohn gezeugt und diesen vierzehn Jahre lang vor seiner Ehefrau Maria Shriver geheim gehalten hatte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. http:\/\/www.time.com\/time\/magazine\/article\/0,9171,2029491,00.html. Letzter Zugriff 12.12.2012.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ich beschr\u00e4nke mich in den folgenden Ausf\u00fchrungen auf den europ\u00e4ischen und angloamerikanischen Raum. Zum einen weil ich schlicht nicht qualifiziert bin, andere Bereiche seri\u00f6s abzudecken, zum anderen, weil von diesen Regionen aus jene globale \u00c4sthetisierungswelle zu rollen beginnen sollte, welche erst Konsumg\u00fcter und Lebenswelten, schlie\u00dflich den menschlichen K\u00f6rper erfassen sollte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Chapman (1994), 114-115.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Sandow (1905), 30.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[xvi]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ebd., 29.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[xvii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schwarzenegger (1998), 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[xviii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Weider &amp; Weider (2006), 40.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[xix]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Baudrillard (1988), 38: \u201eLike dieting, body-building, and so many other things, jogging is a new form of voluntary servitude (it is also a new form of adultery). Decidedly, joggers are the true Latter Day Saints and the protagonists of an easy-does-it Apocalypse. Nothing evokes the end of the world more than a man running straight ahead on a beach, swathed in the sounds of his walkman, cocooned in the solitary sacrifice of his energy, indifferent even to catastrophes since he expects destruction to come only as the fruit of his own efforts, from exhausting the energy of a body that has in his own eyes become useless.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[xx]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Butler, G. und Gaines, C. (1991), 40.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[xxi]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vattimo (1990), 59.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[xxii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Merschmann (2000), 83.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[xxiii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Chapman (1994), 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[xxiv]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. Langer, 88: \u201eDa aber viele von ihnen [den Bodybuilderinnen, Anm. J. S.] im Zwiespalt zwischen Weiblichkeit und Muskulosit\u00e4t und auch von den Kampfrichtern keine klare Wertungslinie vorgegeben wird, lassen sich manche Bodybuilderinnen Brustimplantate einsetzen, um doch wieder durch weibliche Rundungen das m\u00e4nnliche Auge zu erfreuen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[xxv]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. das <em>IFBB Rule Book<\/em> auf www.ifbb.com.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[xxvi]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Vgl. http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=CFs93ohja_0. Letzter Zugriff 26.12.2012.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[xxvii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 http:\/\/forum.bodybuilding.com\/showthread.php?t=147914763&amp;page=1. Letzter Zugriff 12.12.2012.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[xxviii]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[xxix]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[xxx]<\/a>\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Adorno, T. W. (1970), 54.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Adorno, T. W.: <em>\u00c4sthetische Theorie<\/em>, Frankfurt a.M. 1970.<\/p>\n<p>Baudrillard, J.: <em>America<\/em>. London\/New York 1988.<\/p>\n<p>Butler, G. und Gaines, C.: <em>Pumping Iron: The Art and Sport of Bodybuilding, <\/em>London 1991.<\/p>\n<p>Chapman, D.L.: <em>Sandow the Magnificent. Eugen Sandow and the Beginnings of Bodybuilding<\/em>, Urbana\/Chicago 1994.<\/p>\n<p>Langer, R.: \u201eStahl statt Pudding. Bodybuilding als Weg zu Kraft, Sch\u00f6nheit und Erfolg\u201c, in: <em>Fit &amp; Fun-Kultur \u2013 zwischen Leistung und Freude<\/em>, hrsg. von Gerda E. Moser, M\u00fcnster 2005, 81\u2013104.<\/p>\n<p>Merschmann, H.: <em>Von Flederm\u00e4usen und Muskelm\u00e4nnern, <\/em>Berlin 2000.<\/p>\n<p>Pilic, D.: <em>Yoga Bitch. Wie Yoga nicht nur meinen Hintern, sondern auch mein Leben ver\u00e4nderte<\/em>, M\u00fcnchen 2010.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfer, T.: \u201eKleiner Ausschnitt eines gro\u00dfen Themas. Tillmann Pr\u00fcfer \u00fcber das Dekollet\u00e9\u201c, in: <em>Zeit Magazin<\/em>, Nr. 52, 19.12.2012, S. 53.<\/p>\n<p>Sandow, E.: <em>Strength and how to obtain it<\/em>, London 1905.<\/p>\n<p>Schiller, F.: \u201eDie K\u00fcnstler\u201c, in: <em>Schillers s\u00e4mmtliche Werke in 12 B\u00e4nden. Erster Band<\/em>, T\u00fcbingen 1838.<\/p>\n<p>Schwarzenegger, A.: <em>Total Recall. Die wahre Geschichte meines Lebens<\/em>, Hamburg 2012.<\/p>\n<p>Schwarzenegger, A.: <em>The New Encyclopedia of Modern Bodybuilding: The Bible of Bodybuilding, Fully Updated and Revised<\/em>, New York 1998.<\/p>\n<p>Stollberg-Rilinger, B.: <em>Die Aufkl\u00e4rung. Europa im 18. Jahrhundert<\/em>, Stuttgart 2011.<\/p>\n<p>Vattimo, G.: <em>Das Ende der Moderne<\/em>, Stuttgart 1990.<\/p>\n<p>Warburg, \u201eMnemosyne Einleitung\u201c, in: <em>Aby Warburg, Werke in einem Band<\/em>, hrsg. von Martin Treml, Sigrid Weigel und Perdita Ladwig, Berlin 2010.<\/p>\n<p>Yalom, M.: <em>A History of the Breast<\/em>, New York 1998.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abbildungsnachweise<\/strong><\/p>\n<p>Abb. 1: https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/1\/1d\/Friedrich_Schiller_by_Anton_Graff.jpg<\/p>\n<p>Abb. 2: Scan aus: Chapman (1994), Bildteil.<\/p>\n<p>Abb. 3: Aufnahme des Autors<\/p>\n<p>Abb. 4: Collage des Autors<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft.<\/p>\n<p>Weitere Hinweise zum Sammelband \u201eLeib und Leben\u201c, in dem der Aufsatz zuerst erschienen ist, <a title=\"verlagshinweis leib und leben\" href=\"http:\/\/www.wbg-wissenverbindet.de\/shop\/ProductDisplay?urlRequestType=Base&amp;catalogId=10051&amp;categoryId=&amp;productId=182870&amp;urlLangId=-3&amp;langId=-3&amp;top_category=&amp;parent_category_rn=&amp;storeId=10151\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn Sie den Aufsatz im wissenschaftlichen Zusammenhang zitieren wollen, benutzen Sie bitte die Buchfassung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage scheller\" href=\"http:\/\/www.joergscheller.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">J\u00f6rg Scheller<\/a> ist Dozent f\u00fcr Kunsttheorie und Kunstgeschichte im Departement Kunst &amp; Medien, Bachelor Medien &amp; Kunst, Vertiefung Fotografie an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Postmoderne K\u00f6rper<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[363,833,1436,1519,1785],"class_list":["post-4853","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-bodybuilding","tag-gender","tag-maennerbrust","tag-metrosexualitaet","tag-plastische-chirurgie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4853","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4853"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/4853\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=4853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=4853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}