{"id":5070,"date":"2015-11-05T16:28:29","date_gmt":"2015-11-05T14:28:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5070"},"modified":"2015-11-05T16:28:29","modified_gmt":"2015-11-05T14:28:29","slug":"vom-ethos-des-kopierensvon-wolfgang-ullrich5-11-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2015\/11\/05\/vom-ethos-des-kopierensvon-wolfgang-ullrich5-11-2015\/","title":{"rendered":"Vom Ethos des Kopierensvon Wolfgang Ullrich5.11.2015"},"content":{"rendered":"<p>Jeder Mensch ist ein Kopierer<!--more--><\/p>\n<p>Es f\u00e4llt nicht schwer, die gegenw\u00e4rtige soziokulturelle Lage in Form einer Paradoxie zu beschreiben. W\u00e4hrend n\u00e4mlich einerseits mehr als je zuvor Kreativit\u00e4t, also das Verm\u00f6gen, Neues zu schaffen, als eine Eigenschaft angesehen wird, die grunds\u00e4tzlich jedem Menschen zukommen soll und kann, bl\u00fchen andererseits in allen Sparten der Kultur Spielarten des Kopierens, Remixens, Variierens und Wiederholens.<\/p>\n<p>Dass 2011\/12 innerhalb weniger Monate beim selben Verlag ein Buch mit dem Titel <em>Mashup. Lob der Kopie<\/em> und ein anderes mit dem Titel <em>Die Erfindung der Kreativit\u00e4t<\/em> erschienen ist, wundert niemanden, da beides \u2013 die Kultur des Remakes und der Kult um das Neue \u2013 gleicherma\u00dfen evident ist. So kann der eine Autor \u2013 Dirk von Gehlen \u2013 behaupten, \u201ewir k\u00f6nnen nicht nicht kopieren\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, w\u00e4hrend der andere \u2013 Andreas Reckwitz \u2013 bemerkt, dass es \u201edie Grenzen des Verstehbaren sprengt, [\u2026] nicht kreativ sein zu wollen\u201c.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Beide Diagnosen sind auch mehr als eine intellektuelle Mode, vielmehr lassen sie sich mehrere Jahrzehnte r\u00fcckverfolgen. Man landet schlie\u00dflich bei zwei gleicherma\u00dfen ber\u00fchmten Formulierungen, die ihrerseits zur selben Zeit, am Ende der 1960er Jahre aufkamen. \u201eJeder Mensch ist ein K\u00fcnstler\u201c lautet das ausgehend von Joseph Beuys verbreitete Mantra einer Kreativit\u00e4tsapotheose, wohingegen das Schlagwort vom \u201eTod des Autors\u201c, zuerst von Roland Barthes gepr\u00e4gt, von allen zitiert wird, die Begriffe wie \u201aKreativit\u00e4t\u2018 und \u201aOriginalit\u00e4t\u2018 dekonstruieren und Kultur als ursprunglose Abfolge von Wiederholungen und Variationen begreifen.<\/p>\n<p>Aktuell \u2013 und auf \u00f6konomischem Feld \u2013 zeigt sich die Paradoxie am deutlichsten daran, dass auf der einen Seite von kaum einer Branche so gro\u00dfe Wachstumsraten erwartet und erreicht werden wie von der Kreativwirtschaft, auf der anderen Seite aber Urheber- und Verwertungsrechte sich in der schwersten Legitimationskrise ihrer Geschichte befinden.<\/p>\n<p>Doch was nur als Widerspruch erscheint, l\u00e4sst sich als zusammengeh\u00f6rig aufzeigen: Die Demokratisierung und Aufwertung von Kreativit\u00e4t sowie die Konjunktur von Formen des Kopierens und Wiederholens finden nicht parallel und unbeeinflusst voneinander statt; es handelt sich dabei nicht um zwei getrennte Ph\u00e4nomene innerhalb einer pluralen Gesellschaft. Vielmehr \u2013 so die These dieses Vortrags \u2013 lassen sich heute weit verbreitete Spielarten des Kopierens und Variierens als Konsequenz des Paradigmas der Kreativit\u00e4t identifizieren.<\/p>\n<p>Die Herleitung und Ausf\u00fchrung dieser These erfolgt in mehreren Schritten. Im ersten sei dabei auf eine weitere Paradoxie hingewiesen, die sich aus der Demokratisierung und Aufwertung der Kreativit\u00e4t ergibt und darin besteht, dass es zugleich zu viel und zu wenig Kreativit\u00e4t gibt.<\/p>\n<p>Zu viel Kreativit\u00e4t gibt es, weil so zahlreiche Menschen wie wohl nie zuvor kreativ t\u00e4tig sind \u2013 dies oft zwar nicht hauptberuflich, sondern nur in ihrer Freizeit, doch mit gro\u00dfem zeitlichem, manchmal auch \u00f6konomischem Aufwand. Die demokratische Wohlstandsgesellschaft erlaubt es ihnen, ihren Willen zu eigenen Sch\u00f6pfungen auszuleben; \u201aAuthentizit\u00e4t\u2018, \u201aSelbstverwirklichung\u2018, \u201aDIY\u2018 sind dabei nur einige der Schlagworte, von denen das Kreativsein begleitet wird, das zu unz\u00e4hligen Produkten \u2013 von Gedichtb\u00e4nden bis zu Blogs, von Gem\u00e4lden \u00fcber Theaterauff\u00fchrungen bis zu Gartenanlagen und selbstentworfenen M\u00f6beln \u2013 gef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p>Zu wenig Kreativit\u00e4t gibt es, weil der Imperativ, selbst kreativ zu sein, bei vielen das Gef\u00fchl eines Ungen\u00fcgens ausl\u00f6st: Ist man vielleicht doch nicht begabt genug? Sind andere nicht viel kreativer, produktiver, besser? Fehlt es einem nicht an Ideen? Aus der Bef\u00fcrchtung, die Anspr\u00fcche auf Kreativit\u00e4t nicht erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, resultiert eine mehr oder weniger hektische Suche nach Quellen der Inspiration. Die als knapp empfundene Ressource \u201aKreativit\u00e4t\u2018 soll gesch\u00f6pft werden, wo auch immer sie aufzusp\u00fcren sein k\u00f6nnte: in der Wellness-Industrie, bei diversen Konsumprodukten und vor allem auch in der Kunst.<\/p>\n<p>Beides aber, die Erfahrung von zu viel wie die Erfahrung von zu wenig Kreativit\u00e4t, tr\u00e4gt letztlich zu einer Schw\u00e4chung der Idee und des Begriffs vom k\u00fcnstlerischen Werk bei, was wiederum die Akzeptanz und Attraktivit\u00e4t von Spielarten des Wiederholens und nicht-autonomen Artefakten erh\u00f6ht. In der Konsequenz der Demokratisierung und Aufwertung von Kreativit\u00e4t kommt es also \u2013 dies die mittlerweile dritte Paradoxie \u2013 zu einer Erosion gerade dessen, was lange Zeit mehr als alles andere als Ziel und Ergebnis eines sch\u00f6pferischen Prozesses galt: Das abgeschlossen-originale Werk ist nicht l\u00e4nger zentraler Ma\u00dfstab f\u00fcr die Beurteilung einer kreativen Leistung.<\/p>\n<p>Diese Paradoxie bedarf einer etwas ausf\u00fchrlicheren Erl\u00e4uterung, wobei die beiden Ph\u00e4nomene des Zu-wenig-Kreativit\u00e4t und Zu-viel-Kreativit\u00e4t nacheinander behandelt seien.<\/p>\n<p>Zu wenig Kreativit\u00e4t hat die Folge, dass Kunst und K\u00fcnstler (wie auch diverse konsumistische Angebote) vor allem gefragt sind, weil sie ansteckende Atmosph\u00e4ren der Kreativit\u00e4t zu schaffen und so das empfundene Defizit zu kompensieren verhei\u00dfen. Etliche K\u00fcnstler nehmen diese ihnen entgegengebrachte Erwartung auch sehr ernst und richten sich in ihrem Tun danach.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt gilt das f\u00fcr Joseph Beuys, der die Durchsetzung des egalit\u00e4ren Konzepts von Kreativit\u00e4t mehr als andere zu verantworten hat. Anders als es vielleicht zuerst erscheinen mag, stellt sein eigenes Auftreten als Schamane, Heiland und Prophet, mit dem er sich von den \u00fcbrigen Menschen distanzierte, ja \u00fcber sie erhob, dabei gerade keinen Widerspruch zum Diktum \u201eJeder Mensch ist ein K\u00fcnstler\u201c dar. Vielmehr ging es ihm darum, eine starke kreative Atmosph\u00e4re sp\u00fcrbar werden zu lassen, um m\u00f6glichst vielen Menschen ihre sch\u00f6pferische Potenz bewusst zu machen. Dank seiner herausgehobenen Aura wollte Beuys also inspirierend wirken.<\/p>\n<p>Andere K\u00fcnstler derselben Zeit setzten hingegen auf Partizipation statt auf Charisma; sie versuchten, passive Rezipienten in aktive Teilnehmer zu verwandeln, die im praktischen Umgang mit Artefakten auf Ideen kommen und auf diese Weise kreativ werden. Die Werks\u00e4tze von Franz Erhard Walther \u2013 Objekte mit bewusst offen gehaltener Funktion \u2013 entstanden etwa mit dem Ziel, jeder Rezipient m\u00f6ge \u201eseine EIGENEN kreativen F\u00e4higkeiten ein[\u2026]setzen\u201c.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup><sup>[3]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wieder andere K\u00fcnstler vertrauen auf eine Verbindung von Aura und Partizipation, so etwa Marina Abramovi\u0107 bei ihrer Retrospektive im <em>Museum of Modern Art<\/em> in New York im Jahr 2010, als sie w\u00e4hrend der gesamten dreimonatigen Ausstellungszeit stumm an einem Tisch im Atrium des Museums sa\u00df und sich auf dem Platz ihr gegen\u00fcber Besucher niederlassen konnten, um f\u00fcr ein paar Minuten die Anwesenheit der K\u00fcnstlerin zu sp\u00fcren und deren Kr\u00e4fte ganz auf sich gerichtet zu erfahren. Passend dazu hie\u00df die Performance \u201eThe Artist Is Present\u201c; die sch\u00f6pferische Potenz sollte als Gabe an andere fungieren, die gest\u00e4rkt, beschwingt, ihrerseits kreativ disponiert wurden. Sie k\u00f6nne \u201eeine st\u00e4rkere Motivation bewirken\u201c, bemerkt Abramovi\u0107,<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup><sup>[4]<\/sup><\/sup><\/a> und entsprechend begl\u00fcckt \u00e4u\u00dfern sich Besucher, die die Begegnung mit ihr als Geschenk und \u201eincredible inspiration\u201c erfuhren.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup><sup>[5]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wie diese Beispiele zeigen, besteht Kunst, die kreativit\u00e4tsstimulierend wirken soll, weniger in materiellen, abgeschlossenen Werken als in performativen Prozessen. Bei denjenigen, die sich um ihre eigene Kreativit\u00e4t sorgen, tritt das Bed\u00fcrfnis, sich auf die Werke von K\u00fcnstlern als genuine eigene Sch\u00f6pfungen einzulassen, gegen\u00fcber dem Wunsch in den Hintergrund, so viel Kreativit\u00e4t wie m\u00f6glich f\u00fcr sich selbst zu sichern. Zumal gro\u00dfe Meisterwerke werden nicht mehr gerne studiert, wirken sie doch oft eher einsch\u00fcchternd. Rezipienten sp\u00fcren dann ihre eigene Kleinheit, f\u00fchlen sich gar ohnm\u00e4chtig und begrenzt in ihren Optionen. Michel Houellebecq bezeichnet ein Meisterwerk daher als \u201eSackgasse\u201c: in seiner \u00dcberlegenheit Spielverderber eines egalit\u00e4ren Verst\u00e4ndnisses von Kreativit\u00e4t.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup><sup>[6]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dagegen k\u00f6nnen K\u00fcnstler mit etwas, das keinen in sich abgeschlossenen Charakter besitzt, inspirieren. Es stimuliert, wenn der Rezipient den Eindruck gewinnt, es werde ihm statt eines fertigen Werks eine frische Idee geliefert, ja er k\u00f6nne direkt an der Kreativit\u00e4t des K\u00fcnstlers teilhaben.<\/p>\n<p>Beliebt sind daher etwa Making-of-Dokumente. Filmaufnahmen eines Regisseurs am Set oder eines Malers beim Arbeiten in seinem Atelier, die Pr\u00e4sentation von Entw\u00fcrfen und Skizzen in einer Ausstellung oder auch Interviews, in denen \u00fcber Hintergr\u00fcnde und Begleitumst\u00e4nde einer k\u00fcnstlerischen Arbeit gesprochen wird, wecken die Lust, selbst \u00c4hnliches zu tun. Die Empathie reicht gar so weit, dass der Rezipient den Eindruck hat, die jeweilige Sch\u00f6pfung ereigne sich ebenso in ihm wie im K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>Generell verwandeln K\u00fcnstler sich also \u201evom Werkproduzenten zu Initiatoren von Atmosph\u00e4ren\u201c, wie auch Reckwitz feststellt.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup><sup>[7]<\/sup><\/sup><\/a> Aus dem K\u00fcnstler wird der Funktion nach eine Muse: jemand, der weniger \u00fcber eigene Werke als dar\u00fcber definiert ist, anderen die M\u00f6glichkeit zu Werken zu er\u00f6ffnen. Statt selbst Musen anzurufen oder auf eine Gunst zu warten, haben die K\u00fcnstler nun Ansporn und Inspiration f\u00fcr Kreativit\u00e4tswillige zu sein.<\/p>\n<p>Zumindest erwartet man von ihnen eine palliative Wirkung, die darin besteht, denjenigen, die gerne selbst kreativ w\u00e4ren, die Angst zu nehmen, sie seien es nicht, ihnen also das sch\u00f6ne und beruhigende Gef\u00fchl zu vermitteln, sie k\u00f6nnten, wenn sie nur wollten, jederzeit auch etwas Bedeutsames entdecken oder Gro\u00dfes vollbringen. Die K\u00fcnstler sollen in eine Stimmung versetzen, in der man sich vielf\u00e4ltig disponiert, im Besitz starker Optionen f\u00fchlt, gleichsam in einem Modus des Potenzialis.<\/p>\n<p>Dass nicht zuletzt aufgrund der vielen Formen von Inspiration durch K\u00fcnstler mehr Menschen als in fr\u00fcheren Zeiten zu eigenen kreativen Leistungen angeregt werden, f\u00fchrt \u2013 auf der anderen Seite \u2013 zu jenem Zu-Viel an Kreativit\u00e4t. Es gibt so viele Ausstellungen, werden so viele B\u00fccher gedruckt, finden so viele Events statt, werden so viele Musikst\u00fccke eingespielt und so viele Blogbeitr\u00e4ge verfasst, dass selbst jemand, der sich in klassischem Sinne als Rezipient begreift, keine Chance mehr hat, auch nur in einem Bereich halbwegs nachzukommen. Vielmehr ist Rezipientenaufmerksamkeit gemessen an der Produktivit\u00e4t der Kreativen eine h\u00f6chst knappe Ressource.<\/p>\n<p>Das gesamte Kultursystem ist, wie die Autoren des 2012 publizierten Buchs <em>Der Kulturinfarkt<\/em> diagnostizieren, \u201eeinseitig auf Produktion fixiert\u201c und steht daher, so die drastische These, vor dem Kollaps, der nur durch massive Einschnitte in der Kulturf\u00f6rderung zu vermeiden sei.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup><sup>[8]<\/sup><\/sup><\/a> Bazon Brock schlug angesichts des relativen Nachfragemangels sogar vor, nicht l\u00e4nger die Kreativen, sondern das Publikum zu entlohnen, das die kostbare Rezeptionsarbeit leistet. Zugespitzt und weitergedacht w\u00fcrde das \u201ehonorierte Zuh\u00f6ren\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> bedeuten: Statt eines Urheberrechts, das die Anspr\u00fcche der Kreativen sichert, br\u00e4uchte es ein Rezipientenrecht, das die Leistungen derer, die sich auf Artefakte anderer einlassen, unter Schutz stellt.<\/p>\n<p>Die hartn\u00e4ckigen und engagierten Debatten \u00fcber das Urheberrecht sind nicht zuletzt Folge davon, dass Werke allein aufgrund ihrer un\u00fcbersehbaren Anzahl an Wertsch\u00e4tzung einzub\u00fc\u00dfen drohen. Vielleicht wird der traditionell sch\u00f6pferisch T\u00e4tige, der nicht auf den Rezipientenmangel reagiert und weiterhin unbeirrt dicke Romane schreibt, verschl\u00fcsselte Bilder malt, CDs produziert, Theaterst\u00fcck um Theaterst\u00fcck auff\u00fchrt, bald sogar altmodisch erscheinen. K\u00f6nnte es nicht als sozial r\u00fcckst\u00e4ndig und selbstverliebt wahrgenommen werden, wenn jemand nicht \u00fcber herk\u00f6mmliche Werkformen hinauszudenken vermag? Und ist das unbedingte Originellseinwollen dann nicht auch eine etwas peinliche Art und Weise der Selbstbehauptung?<\/p>\n<p>Wer die Zeichen der Zeit erkannt hat, setzt also auf offenere Formen, um seinerseits anregend und stimulierend auf andere wirken zu k\u00f6nnen. Und statt Rezipienten zur Last zu fallen und sich als eitel oder r\u00fccksichtslos kritisieren lassen zu m\u00fcssen, n\u00fctzt man die eigenen kreativen Energien lieber dazu, anderen gezielt eine Freude zu machen. Gerade die neuen Medien und Sozialen Netzwerke bieten hierf\u00fcr viele M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p>In ihnen werden Bilder, literarische Texte oder Musikst\u00fccke zu Spielarten der Kommunikation, in ihnen ist es aufgrund des Koinzidierens von \u201eProduktion, Pr\u00e4sentation und Distribution von Kunst\u201c aber auch zur Option geworden, wie Boris Groys hervorhebt, \u201edass ein K\u00fcnstler kein finales Produkt, kein Kunstwerk mehr produzieren muss\u201c.<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup><sup>[10]<\/sup><\/sup><\/a> Vielmehr steht alles jederzeit zur Disposition und l\u00e4sst sich je nach Anlass, Kontext, Adressat und Interesse variieren.<\/p>\n<p>Exemplarisch hat David Hockney in den letzten Jahren vorgemacht, was es hei\u00dfen kann, als K\u00fcnstler nicht nur Werke mit dem Anspruch auf Originalit\u00e4t und Dauer zu schaffen, sondern sich genauso darauf zu verlegen, die eigene produktive Kraft f\u00fcr musenartige Geschenke an andere Menschen fruchtbar zu machen. So hat er, zuerst auf dem iPhone, dann auf dem iPad zu zeichnen begonnen, um die so entstandenen Bilder an Freunde zu verschicken.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Wer ein solches Bild, dessen Charakter skizzenhaft ist und den Entstehungsprozess nicht verbrigt, zugesendet bekommt, erlebt das Gl\u00fcck der Teilhabe, f\u00fchlt sich pers\u00f6nlich angesprochen und inspiriert.<\/p>\n<p>Hockney selbst beschreibt diesen Akt so: \u201eIch zeichne t\u00e4glich Blumen und schicke sie an Freunde, damit sie jeden Morgen frische Blumen bekommen. Und meine Blumen halten sich. Ich zeichne sie nicht nur in ein Skizzenbuch, sondern ich kann sie an f\u00fcnfzehn oder zwanzig Leute verschicken, die sie alle gleichzeitig erhalten. Und beim Aufwachen sagen sie: \u201aSchauen wir mal, was uns David geschickt hat\u2018.\u201c <a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><sup><sup>[12]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<p>An die Stelle k\u00fcnstlerischen Werkstolzes tritt hier etwas, das man als Netzwerkstolz titulieren k\u00f6nnte: Der K\u00fcnstler will mit dem, was er tut, nicht l\u00e4nger die Kunst revolutionieren, sondern seine Begabung dazu nutzen, in engere Verbindung zu anderen Menschen zu treten, denen er das Gef\u00fchl vermittelt, sie seien Teil einer Gemeinschaft, die von ihm zu neuen Wahrnehmungen gebracht und mit zus\u00e4tzlichen Anregungen versorgt wird. Digitale Kommunikationstechnik erm\u00f6glicht Hockney also Musenk\u00fcsse von ungeahnter Wirksamkeit.<\/p>\n<p>Haben die Kreativit\u00e4tsimperative mit der Konsequenz sowohl eines Zu-Viel als auch eines Zu-Wenig an Kreativit\u00e4t letztlich zu einer Werkd\u00e4mmerung gef\u00fchrt, so wurden damit zugleich Werte wie \u201aAutonomie\u2018 und \u201aOriginalit\u00e4t\u2018 geschw\u00e4cht, die mit dem Werkbegriff fest verkn\u00fcpft waren. Von zwei Seiten \u2013 den Produzenten wie den Rezipienten \u2013 ist die Vorstellung, eine sch\u00f6pferische Leistung m\u00fcsse in einem Werk \u2013 bestenfalls einem originellen Meisterwerk \u2013 kumulieren, blass geworden. Es gibt auf einmal Alternativen dazu.<\/p>\n<p>Deshalb braucht auch nicht l\u00e4nger r\u00e4tselhaft zu sein, wie die erste der konstatierten Paradoxien aufzul\u00f6sen ist. Zur Erinnerung: Es hie\u00df, der Wunsch nach Kreativit\u00e4t und das Interesse an Formen des Kopierens seien gleicherma\u00dfen typisch f\u00fcr die Kultur der Gegenwart. Im Folgenden sei gezeigt, wie Spielarten des Kopierens \u2013 gerade in der digitalen Welt \u2013 h\u00e4ufig Ausdruck und Folge davon sind, dass sich jemand inspiriert f\u00fchlt und die eigene Kreativit\u00e4t zumindest als M\u00f6glichkeit erf\u00e4hrt.<\/p>\n<p>Im Kopieren \u2013 das die These \u2013 wird das Inspiriertsein sichtbar und real, in ihm bew\u00e4hrt sich eine Atmosph\u00e4re der Kreativit\u00e4t. So wird ein Musenkuss entweder in eine Gestaltung \u00fcbersetzt, die seinen Charakter bewahrt, oder er wird unmittelbar und unver\u00e4ndert weitergegeben, um das selbst erfahrene Gl\u00fcck teilen und so noch bewusster erleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Fall der digitalen Bilder Hockneys bedeutet das, dass es zum einen Menschen gibt, die, angeregt von der Technik, Faktur und Motivik, damit beginnen, selbst \u00e4hnliche Bilder auf einem iPhone oder iPad anzufertigen.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> Es wurden sogar bereits eigene Apps und Kursangebote entwickelt, mit denen sich Bilder im Hockney-Stil machen lassen. Zum anderen aber teilen manche das Gef\u00fchl von \u00dcberraschung, Teilhabe und Evidenz, das bei Zusendung eines Hockney-Bildes aufkommt, anderen dadurch mit, dass sie ihnen dasselbe Bild weiterleiten, es also digital kopieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_5072\" style=\"width: 1370px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5072\" class=\"size-full wp-image-5072\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-1.png\" alt=\"Abb. 1: Screenshots von Tumblr-Blogs mit Hockney-Motiven\" width=\"1360\" height=\"687\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-1.png 1360w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-1-300x152.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-1-768x388.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-1-1024x517.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1360px) 100vw, 1360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5072\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 1: Screenshots von Tumblr-Blogs mit Hockney-Motiven<\/p><\/div>\n<p>F\u00fchrt ein intensiver Moment h\u00e4ufig zu einem Gef\u00fchlsausbruch, in dem die erfahrene Inspiration noch nicht neu gestaltet, sondern erst einmal nur spontan-begl\u00fcckt mitgeteilt wird, so beg\u00fcnstigen die Features von Smartphones oder Plattformen der Sozialen Medien solche Gesten sofortiger \u00c4u\u00dferung. Das Posten, Rebloggen und Retweeten \u2013 dies alles Formen des Kopierens \u2013 dient oft dazu, andere an etwas teilhaben zu lassen, das in diesem Moment als stark, \u00fcberw\u00e4ltigend, besonders emotional erlebt wird.<\/p>\n<p>So finden sich Hockneys digitale Bilder auf vielen Websites und Blogs der Sozialen Medien wieder, werden dort weiter und weiter verbreitet, landen durch vielf\u00e4ltiges Rebloggen in unterschiedlichen Zusammenh\u00e4ngen, werden dort wieder von anderen entdeckt, die sich ihrerseits stimuliert f\u00fchlen und dies ausdr\u00fccken, indem sie schnell den Reblog-Button klicken und das Bild auf ihrem eigenen Blog reproduzieren.<\/p>\n<div id=\"attachment_5073\" style=\"width: 1370px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5073\" class=\"wp-image-5073 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-2.png\" alt=\"Abb. 2: Screenshots von Tumblr-Blogs mit Hockney-Motiven\" width=\"1360\" height=\"692\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-2.png 1360w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-2-300x153.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-2-768x391.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-2-1024x521.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1360px) 100vw, 1360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5073\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 2: Screenshots von Tumblr-Blogs mit Hockney-Motiven<\/p><\/div>\n<p>Weitergeben und Sich-Aneignen von Bildern \u2013 beides Akte des Kopierens \u2013 erfolgen also aus demselben Impuls: dem emotionalen Kick, den es darstellt, wenn man sich pl\u00f6tzlich inspiriert f\u00fchlt und die Lust versp\u00fcrt, die in diesem Augenblick als stark empfundene eigene Kreativit\u00e4t auszuleben.<\/p>\n<p>Dasselbe passiert mit Bildern aller Art, die ihrerseits das Gef\u00fchl ausl\u00f6sen, es sei mehr und noch ganz anderes als gewohnt m\u00f6glich. Auf mittlerweile Millionen von Accounts und Blogs der Sozialen Medien \u2013 bei <em>Facebook<\/em>, <em>Tumblr<\/em> oder <em>Pinterest<\/em> \u2013 werden fortw\u00e4hrend Bilder (und anderes) weitergepostet und rebloggt, also kopiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele ist es in den letzten Jahren zu einer selbstverst\u00e4ndlichen Besch\u00e4ftigung geworden, allt\u00e4glich Blogs zu durchforsten, immer auf der Suche nach Bildern oder auch kurzen Videos, Zitaten und Wortspielen, von denen sie sich anregen und in eine Stimmung der Kreativit\u00e4t versetzen lassen. Kunst und K\u00fcnstler sind dadurch inzwischen auch blo\u00df noch ein marginaler Faktor der Inspiration; gemessen an Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t von Blogs, die allein dank der Infinite-Scrall-Funktion Unersch\u00f6pflichkeit suggerieren, ist ihnen h\u00f6chstens eine Nebenrolle geblieben.<\/p>\n<p>Die Reblogs, die man auf seinem Blog sammelt, sind Spuren der eigenen Inspirationserlebnisse. Tats\u00e4chlich gibt es zahlreiche Blog-Akteure, die sogar niemals eigene Bilder oder Dokumente hochladen, sondern sich ganz \u2013 manchmal mehrere Stunden t\u00e4glich \u2013 dem Rebloggen hingeben, dabei aber mit dem, was sie \u2013 mehr oder weniger sorgf\u00e4ltig und gezielt \u2013 aneinanderreihen, wieder inspirierend auf andere wirken. Man steckt sich wechselseitig an, entsprechend oft und schnell zirkulieren als anregend empfundene Bilder. Sie versetzen eine offene Community in einen Flow-Zustand, das Rebloggen wird zu einer \u2013 f\u00fcr viele zur mit Abstand besten \u2013 Kreativit\u00e4tstechnik.<\/p>\n<p>Fragt man die Betreiber solcher Blogs danach, welche Rolle die Praxis des Rebloggens f\u00fcr sie spielt, taucht in den Antworten tats\u00e4chlich keine andere Vokabel so h\u00e4ufig auf wie \u201ainspirierend\u2018.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><sup><sup>[14]<\/sup><\/sup><\/a> Es gehe darum, auf dem Blog Bilder zu versammeln, von denen man besonders angeregt werde (\u201eIt\u2019s a place for me to gather images I like and am inspired by\u201c<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><sup><sup>[15]<\/sup><\/sup><\/a>), der eigene Blog sei als \u201eeine Art Wunderkammer\u201c, die \u201esehr viel inspirativen Input\u201c bietet,<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><sup><sup>[16]<\/sup><\/sup><\/a> oder als eine Pinwand zu sehen, auf der man teile, was einen inspiriere (\u201elike a pinboard where I share inspirations\u201c<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a>). Manche sagen von sich, Bilderblogs nur anzuschauen, wenn sie Langeweile h\u00e4tten und eine Anregung br\u00e4uchten (\u201eI only get on tumblr when I\u2019m bored or when I want inspiration\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a>), manchmal fallen die Antworten auch markanter aus. Dann ist davon die Rede, das Rebloggen sei eine \u201efreundliche Droge\u201c (\u201ea gentle drug\u201c), die \u201eentspannend\u201c (\u201esoothing\u201c) wirke und \u201eDruck\u201c (\u201epression\u201c) nehme wie sonst \u201eSchwimmen und Sex\u201c (\u201eswimming and sex\u201c).<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><sup><sup>[19]<\/sup><\/sup><\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_5074\" style=\"width: 1372px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5074\" class=\"wp-image-5074 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-3.png\" alt=\"Abb. 3: Screenshot Tumblr-Blog tiziano\/mitchpeter\" width=\"1362\" height=\"693\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-3.png 1362w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-3-300x153.png 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-3-768x391.png 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-3-1024x521.png 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1362px) 100vw, 1362px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5074\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 3: Screenshot Tumblr-Blog tiziano\/mitchpeter<\/p><\/div>\n<p>Reblogger erleben ihr Tun \u2013 das Kopieren \u2013 also als intensive und begl\u00fcckende Erfahrung, es ist f\u00fcr sie nicht blo\u00df ein passives Genie\u00dfen, sondern ein Sich-Ausdr\u00fccken, vor allem aber begleitet von der Vorstellung, jederzeit wirklich aktiv, n\u00e4mlich aus eigener Kreativit\u00e4t heraus gestaltend t\u00e4tig werden zu k\u00f6nnen. Im Rebloggen finden sie, was sie sonst von der Kunst erwarten (oder erwartet haben): Momente der Begeisterung, aber auch Gef\u00fchle der Erleichterung und Entspannung.<\/p>\n<p>Wird Kopieren hier also synonym mit Inspiriert-Sein, so fungieren die Urheber der rebloggten Bilder genauso wie die Reblogger, die diese sammeln und weiterverbreiten, ihrerseits als Musen. Selbst wenn ihre Bilder von ihnen selbst als Werke gedacht sein m\u00f6gen, deren Originalit\u00e4t gew\u00fcrdigt und deren Gehalt interpretiert werden soll, kommen sie nicht als solche zur Geltung.<\/p>\n<p>Vielmehr geht es in den Sozialen Medien darum, wie oft, wie schnell und in wie vielen unterschiedlichen Kontexten Bilder rebloggt werden. Wer sich auf die dort herrschende Logik einl\u00e4sst, ist stolz auf Follower, so wie man bisher stolz auf eine Rezension war, freut sich \u00fcber einen Reblog-Rekord, so wie man sich sonst \u00fcber die Einladung zu einer wichtigen Ausstellung gefreut hat.<\/p>\n<p>Aber wenn sogar selbst schon traditionell werkstolze K\u00fcnstler sich im Zuge der Kreativit\u00e4tsimperative darauf einzustellen beginnen, heute mehr als Musen denn als Sch\u00f6pfer von Meisterwerken gefragt zu sein, dann trifft man erst recht in den Sozialen Medien auf viele Akteure, die ihre Produkte von vornherein darauf abstimmen, inspirierend zu wirken und entsprechend h\u00e4ufig rebloggt zu werden.<\/p>\n<p>So jung die Kulturtechnik des Rebloggens noch ist, so deutlich lassen sich bereits Muster erkennen, denen Bilder folgen, die Reblog-Karrieren machen. Gerade viele Fotografen lernen aus den Reaktionen auf ihre Bilder und legen diese zunehmend so an, dass sie bei Betrachtern den Impuls ausl\u00f6sen, mit anderen geteilt oder auf dem eigenen Blog reproduziert zu werden.<\/p>\n<p>Annekathrin Kohout, selbst Bloggerin und Fotografin, hat die wegen ihrer inspirierenden Qualit\u00e4ten oft kopierten Bilder genauer als \u201eKick-Off-Bilder\u201c beschrieben. Aus ihrer Sicht sind Bilder erfolgreich, wenn sie \u201evon festen Bedeutungen frei sind, um individuell angeeignet werden zu k\u00f6nnen\u201c. Zugleich aber sollte die Bedeutungsfreiheit nicht als Mangel erscheinen, sondern den Rezipienten dazu anspornen, das Bild eigens mit einer Bedeutung zu versehen. Das Bild sollte also, so Kohout, von \u201emotivischer Einfachheit\u201c und damit \u201eemblematisch\u201c sein. Am Beispiel eines oft rebloggten Fotos eines ukrainischen Fotografen-Trios veranschaulicht sie ihre \u00dcberlegungen.<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> So seien zwei an der Spitze mit einem Piercing versehene Zitronen genauso \u201edenkbar als Zeichen f\u00fcr Punk, BDSM, Veganismus oder einfach nur kleine Br\u00fcste\u201c.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a><\/p>\n<p>Das Foto suggeriert Symbolhaftigkeit und damit kann es inspirieren, weil jeder Rezipient den sich \u00f6ffnenden semantischen Raum individuell zu f\u00fcllen vermag und nicht den Eindruck haben muss, die Fotografen wollten mit ihrem Foto eine bestimmte Intention zum Ausdruck bringen, ja ein abgeschlossenes Werk schaffen, auf das man sich interpretierend einzustellen habe.<\/p>\n<p>Der emblematische Charakter der Bilder wird durch \u00fcberraschende und r\u00e4tselhafte Kombinationen von Sujets noch gesteigert.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a> Dann wird man dazu verf\u00fchrt, Tiefsinniges oder Existenzielles zu assoziieren, kann sich also als derjenige, der die Bedeutung verleiht, auch umso mehr als kreativ empfinden: als jemand, der selbst die gr\u00f6\u00dften Themen zu reflektieren versteht. Damit unterscheiden sich Kick-Off-Bilder von Stock-Fotos, die zwar auch jeweils f\u00fcr unterschiedliche Kontexte verwendet werden k\u00f6nnen, das aber eher einer Eigenschaftslosigkeit \u2013 einer Unverbindlichkeit und semantischen Bl\u00e4sse \u2013 zu verdanken haben als einer Aura starker Bedeutsamkeit.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a><\/p>\n<p>Die inspirierende Qualit\u00e4t eines Kick-Off-Bildes nimmt auch dann weiter zu, wenn es nicht nur emblematisch, sondern zugleich simpel angelegt ist.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\">[24]<\/a> Dann weckt es den Eindruck, man h\u00e4tte die Bildidee jederzeit auch selbst haben k\u00f6nnen. Beliebte Motive sind daher Dinge, die sich in jedem Haushalt finden und jederzeit zur Verwendung anbieten: Obst, Teppiche, Aluminiumfolie. Im Idealfall kommt es zu einer ungew\u00f6hnlichen \u2013 mal nur absurd-\u00fcberraschenden, mal auch provokant-frechen \u2013 Einbettung der Motive in Situationen: Eine Frau liegt unter einem Teppich, ein Mann wickelt sich mit Aluminiumfolie ein, das weibliche Geschlechtsorgan wird durch aufgeschnittenes Obst ersetzt.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\">[25]<\/a><\/p>\n<p>Das wirkt auflockernd, sorgt f\u00fcr ein Gef\u00fchl von \u201aAlles-ist-M\u00f6glich\u2018 und erzeugt wegen der Allt\u00e4glichkeit der Mittel den Eindruck, Kreativit\u00e4t sei gar nicht so schwer. Ein einmal geschaffenes Motiv wird entsprechend innerhalb weniger Tage zahlreich variiert, man trifft also nicht nur immer wieder auf Reblogs eines Bildes, sondern genauso auf Spielarten davon.<\/p>\n<p>Kick-Off-Bilder sind somit die idealen Artefakte f\u00fcr eine kreativit\u00e4tsselige Kultur. Den meisten gen\u00fcgt dabei die im Akt des Rebloggens erlebte Atmosph\u00e4re von Kreativit\u00e4t, um schon alle Sorgen, selbst nicht sch\u00f6pferisch genug zu sein, zu vertreiben. Diese Atmosph\u00e4re braucht nicht in der Erschaffung eigener Werke zu m\u00fcnden; es reicht, sie zu bewahren, neu anzufachen und anderen weiterzugeben. Der Vergleich des Rebloggens mit einer \u201efreundlichen Droge\u201c ist daher passend, das Gef\u00fchl eigener, jederzeit disponibler Kreativit\u00e4t ist wichtiger als deren Beweis in Form gro\u00dfartiger \u2013 mit M\u00fche erarbeiteter \u2013 Erzeugnisse.<\/p>\n<p>Wer beobachtet, wie in den Sozialen Medien Bilder pr\u00e4sentiert, gepostet und rebloggt werden, Produzenten und Rezipienten sich aufeinander einstellen und voneinander profitieren, hat keine M\u00fche, von einem Ethos des Kopierens zu sprechen. Jedes Mal, wenn der Reblog-Button geklickt wird, ereignet sich ein Musenkuss. Der eine freut sich, als inspirierend empfunden zu werden, der andere, inspiriert worden zu sein. Und beide wollen, dass das kein einmaliges oder seltenes Erlebnis ist, sondern sich m\u00f6glichst oft wiederholt.<\/p>\n<p>Dabei wird das Zusammenspiel als eines von Gabe und Gegengabe erfahren: Der Reblogger begreift die Inspiration, die ein Bild ihm bereitet, als ein Geschenk \u2013 als etwas, das sich nicht konfektionieren und beanspruchen, also auch nicht kommodifizieren l\u00e4sst. Der Rebloggte umgekehrt empfindet das Gl\u00fcck, das er bereiten kann, seinerseits als ein Geschenk, die Aufmerksamkeit und Anerkennung, die ihm mit dem Rebloggen zuteil wird, als etwas, das sich w\u00fcnschen, aber nicht einfordern oder gar erzwingen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Ethos des Kopierens, wie es in den Sozialen Medien praktiziert wird, besteht somit in einem wechselseitigen Gunstverh\u00e4ltnis. Es l\u00e4sst sich weder auf kommerzielle Bedingungen noch auf rechtliche Normen reduzieren. Damit aber wird das Rebloggen auch als etwas empfunden, das sich jenseits der Geltung von Urheber- und Verwertungsrechten abspielt.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich werden Urheberrechte nirgendwo sonst h\u00e4ufiger missachtet, als Hindernis wahrgenommen oder grunds\u00e4tzlich in Zweifel gezogen als auf dem Feld der Sozialen Medien. Gerade sofern Bilder oder andere Artefakte inspirierend wirken und beim Rezipienten das Gef\u00fchl erzeugen, selbst \u00fcber die kreativen Kr\u00e4fte zu verf\u00fcgen, um dasselbe oder \u00c4hnliches schaffen zu k\u00f6nnen, bleibt kaum Raum f\u00fcr die Vorstellung, man w\u00fcrde fremdes Eigentum unerlaubt in Anspruch nehmen. Durch die Gunst der Inspiration verschmilzt das, was man rezipiert, mit dem, was man selbst damit assoziiert. So wenig ein Kuss nur einem der K\u00fcssenden geh\u00f6rt, so wenig ein inspirierendes Bild nur dem, der es gemacht hat.<\/p>\n<p>Das wird nicht nur von vielen derer so gesehen, die Bilder rebloggen, sondern genauso von deren Urhebern. Bei ihnen hat sich Werkstolz ebenfalls in Netzwerkstolz verwandelt, was durch die hochentwickelte Foto- und Bildbearbeitungstechnik weiter beg\u00fcnstigt wird. Mit ihr ist kann mittlerweile n\u00e4mlich jeder schnell gute Fotos machen und online verbreiten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ein Maler oft Wochen, gar Monate f\u00fcr ein Gem\u00e4lde brauchte, aber auch Fotografen im analogen Zeitalter f\u00fcr Vorbereitung und Entwicklung eines Fotos ziemlich viel Zeit aufwenden mussten, bevor sie \u2013 vielleicht \u2013 ein sehenswertes Bild zustande brachten, ist es heute oft nur eine Angelegenheit weniger Sekunden, um ein interessant und professionell wirkendes Foto zu erzeugen. Die Technik erlaubt es selbst nicht spezifisch Begabten, effektstarke Bilder zu machen. Wo aber so wenig Lebenszeit und Herzblut eingesetzt wurde, so wenig Risikobereitschaft und Ambition n\u00f6tig ist, wird der Urheber auch kaum eine enge Bindung zu seinen Bildern aufbauen. Er f\u00fchlt sich nicht l\u00e4nger ausdr\u00fccklich als ihr Eigent\u00fcmer und kann sie entsprechend leicht loslassen.<\/p>\n<p>Doch selbst wer beim Rebloggen an Urheberrechte denkt, wird sie kaum wahren. Handelt es sich um ein bereits erfolgreiches, von anderen oft rebloggtes Bild, ist es n\u00e4mlich m\u00fchsam, zu rekonstruieren, bei wem die Urheberrechte liegen. In dem Ma\u00dfe, in dem es leichter denn je geworden ist, sich Bilder anzueignen, ist es schwieriger geworden, sich dabei im Sinne des Urheberrechts korrekt zu verhalten.<\/p>\n<p>Daher braucht nicht zu verwundern, dass viele Nutzer von Bildern in den Sozialen Medien sich nicht mehr die M\u00fche machen, Urheberrechten eigens nachzugehen. Sie k\u00f6nnen keinen Sinn darin erkennen, mit gro\u00dfem Aufwand und unsicherem Ergebnis etwas zu tun, das mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht erwartet wird. Vor allem aber w\u00fcrde es die spezifische Qualit\u00e4t des Rebloggens \u2013 den Moment der Inspiration \u2013 zerst\u00f6ren, h\u00e4tte man sich jeweils erst um Urheberrechte zu k\u00fcmmern. Die gerade gewonnene Spontaneit\u00e4t im Umgang mit Bildern w\u00fcrde sogleich wieder zunichte gemacht.<\/p>\n<p>Es spricht somit viel daf\u00fcr, das Posten und Rebloggen von Bildern zumindest innerhalb der Sozialen Medien freizugeben und nicht l\u00e4nger unter den Schutz des Urheberrechts zu stellen. Eine Plattform wie <em>Tumblr<\/em> geht in ihrer Konstruktion bereits in diese Richtung. So erkl\u00e4ren die Mitglieder mit dem Akzeptieren der Nutzungsbedingungen, dass sie die von ihnen hochgeladenen Bilder f\u00fcr weitere Verwendungen auf <em>Tumblr<\/em>-Blogs freigeben. Wer rebloggt, ist also nicht mehr haftbar zu machen, sondern h\u00f6chstens derjenige, der selbst keine Rechte an einem erstmalig hochgeladenen Bild besitzt.<\/p>\n<p>Die neue Kultur- und Kreativit\u00e4tstechnik des Rebloggens stellt allerdings nur eine Spielart innerhalb der vielen Formen des Wiederholens dar, die gegenw\u00e4rtig eine Konjunktur oder Renaissance erleben. Andere, vor allem im Bereich der Kunst verbreitete Praktiken lassen sich aber ebenfalls mit der konstatierten Werkd\u00e4mmerung erkl\u00e4ren \u2013 damit, dass Ideen von Autonomie und Originalit\u00e4t in eine Krise geraten sind, f\u00fcr die insbesondere der Kreativit\u00e4tshype der letzten Jahrzehnte verantwortlich zu machen ist. K\u00fcnstler, auf Opposition getrimmt, verweigern sich also eher als andere dem Originalit\u00e4tskult, und auch wenn sie nicht im Musendienst aufgehen wollen, loten sie aus, welche M\u00f6glichkeiten es f\u00fcr sie jenseits der Fetischisierung von Werken gibt.<\/p>\n<p>In den wenigsten F\u00e4llen geht es bei den Spielarten des Wiederholens jedoch um reines Kopieren; vielmehr wird variiert und parodiert, verfremdet und transferiert, es geht um Medien- oder Formatwechsel, um \u201aaemulatio\u2018, \u201aReenactment\u2018 oder \u201aMimikry\u2018. Aber auch hier l\u00e4sst sich fast immer davon sprechen, dass derjenige von dem, was er wiederholt, eigenwillig ber\u00fchrt und inspiriert wurde. Das Bewusstsein eigener Kreativit\u00e4t wird dann gerade nicht in eigenm\u00e4chtigen Gesten gefeiert, sondern an das r\u00fcckgebunden, was es geweckt oder gef\u00f6rdert hat. In jeder Variation lebt das, was inspiriert hat, fort; es l\u00e4sst sich, wenn auch nicht von einem Ethos des Kopierens, so zumindest von einem Ethos des Wiederholens sprechen.<\/p>\n<p>In manchen F\u00e4llen kommen K\u00fcnstler aber einer reinen Kopie zumindest nahe. Klaus Mosettig etwa zeichnet seit einigen Jahren sehr exakt bereits vorhandene Bildwerke ab. Gem\u00e4lde Jackson Pollocks wiederholte er formatgetreu, nur in Bleistift \u00fcbersetzt, Selbstbildnisse anderer K\u00fcnstler zeichnete er nach, blo\u00df dass sie bei ihm keine Selbstbildnisse mehr sind. Zuletzt widmete er sich den Zeichnungen seiner einj\u00e4hrigen Tochter, die er kopierte, allerdings auch vergr\u00f6\u00dferte (wobei er den Gr\u00f6\u00dfenunterschied zwischen sich und der Tochter einbezog).<\/p>\n<div id=\"attachment_5075\" style=\"width: 705px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5075\" class=\"wp-image-5075 size-large\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-4-1024x726.jpg\" alt=\"Abb. 4: Klaus Mosettig: Informel 6 (2015)\" width=\"695\" height=\"493\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-4-1024x726.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-4-300x213.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/bielefeld-4-768x545.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5075\" class=\"wp-caption-text\">Abb. 4: Klaus Mosettig: Informel 6 (2015)<\/p><\/div>\n<p>Hier hier die Vorstellung persifliert, wonach sch\u00f6pferische Kr\u00e4fte an die jeweils folgende Generation weitergegeben werden. Ferner handelt es sich um ein Spiel mit dem Klischee, moderne Kunst k\u00f6nne jedes Kind machen. Schlie\u00dflich erinnert Mosettig an die Idee vom \u201aunschuldigen Auge\u2018, die gerade Kindern die Urspr\u00fcnglichkeit zugesteht, die Erwachsene l\u00e4ngst verloren haben. Der Vater holt sich also bei seiner Tochter Inspiration; sie als seine biologische Sch\u00f6pfung wird zur Quelle seiner k\u00fcnstlerischen Sch\u00f6pfung. Diese aber tritt zugleich ganz in den Dienst der W\u00fcrdigung des Kindes.<\/p>\n<p>K\u00f6nnte es ein besseres Beispiel geben, um zu zeigen, was \u201aEthos des Kopierens\u2018 bedeutet? Es geht hier weder um Abkupfern noch um Ausn\u00fctzen, es geht weder um Handels- noch um Rechtsverh\u00e4ltnisse. Geradezu absurd mutet die Frage an, ob Mosettig hier vielleicht Urheberrechte verletzt: Als Rechtsvertreter seiner unm\u00fcndigen Tochter m\u00fcsste er gegen sich selbst prozessieren.<\/p>\n<p>So sehr Mosettig also \u00fcbliche Gedankeng\u00e4nge au\u00dfer Kraft setzt, so sehr macht er mit diesem Projekt die soziale Dimension von Kreativit\u00e4t zum Thema, die sich gerade im Kopieren \u2013 in Formen des Wiederholens \u2013 zeigt. Bei ihm wird auf andere Weise als bei Millionen von Rebloggern deutlich, dass das Kopieren sehr viel mit Gef\u00fchlen von Gl\u00fcck und Gunst, mit Geben und Schenken zu tun haben kann. Eine Ethik des Kopierens sollte dieses Ethos des Kopierens ernst nehmen und darauf aufbauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dirk von Gehlen: <em>Mashup. Lob der Kopie<\/em>, Berlin 2011, S. 179.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Andreas Reckwitz: <em>Die Erfindung der Kreativit\u00e4t. Zum Prozess gesellschaftlicher \u00c4sthetisierung<\/em>, Berlin 2012, S. 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Franz Erhard Walther: \u201eGedanken zur Wahrnehmung von Kunst\u201c, in: Germano Celant (Hg.): <em>Ars Povera<\/em>, T\u00fcbingen 1969, S. 174.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Sarah Thornton: <em>33 K\u00fcnstler in 3 Akten<\/em>, Frankfurt\/Main 2015, S. 320f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Katarina Waldenstrom (2015), auf: http:\/\/www.katarinawaldenstrom.com\/the-journal\/kw-woman-therese-alshammar.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Michel Houellebecq: <em>Unterwerfung<\/em>, K\u00f6ln 2015, S. 32.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Reckwitz, a.a.O. (Anm. 2), S. 114.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Dieter Haselbach\/ Armin Klein\/ Pius Kn\u00fcsel\/ Stephan Opitz: <em>Der Kulturinfarkt. Von allem zu viel und \u00fcberall das Gleiche. Eine Polemik \u00fcber Kulturpolitik, Kulturstaat, Kultursubvention<\/em>, M\u00fcnchen 2012, S. 12.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Bazon Brock (Hg.): <em>Musealisierung als Zivilisationsstrategie<\/em>, Karlsruhe 2009, S. 41.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Boris Groys:\u201cKunstarbeiter: zwischen Utopie und Archiv\u201c, in: Schweizer Monat Nr. 1023 (2015), S. 70 \u2013 77, hier S. 72.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> http:\/\/www.cityam.com\/219765\/chance-see-hockney-s-ipad-doodles<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> David Hockney, in: Martin Gayford: <em>A Bigger Message. <\/em><em>Gespr\u00e4che mit David Hockney<\/em>, Bern 2012, S. 88.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. z.B. http:\/\/jeremysutton.com\/inspired-by-hockney.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Im folgenden Zitate einer Umfrage, die vom Autor im Januar 2015 bei Usern von <em>Tumblr<\/em> durchgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> http:\/\/minorgods.tumblr.com.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> http:\/\/herrensauna.tumblr.com.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> http:\/\/hldky.tumblr.com.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> http:\/\/mexiranger.tumblr.com.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> http:\/\/mitchpeter.tumblr.com.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> https:\/\/sofrischsogut.files.wordpress.com\/2015\/07\/tumblr_nlilj0gnmi1tdakygo1_1280.jpg<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Annekathrin Kohout (2015), auf: https:\/\/sofrischsogut.wordpress.com\/2015\/07\/05\/kick-off-bilder.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> http:\/\/similarlyobscure.tumblr.com\/image\/121020901790<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Vgl. Wolfgang Ullrich: \u201eBilder zum Vergessen. Die globalisierte Industrie der \u201astock photography\u2018\u201c, in: Andreas Baur\/ Ludwig Seyfarth (Hgg.): <em>Recherche \u2013 entdeckt! Bildarchive der Unsichtbarkeiten<\/em>, Katalog zur 6. internationalen Foto-Triennale Esslingen, Frankfurt\/Main (Revolver Verlag) 2004, S. 49 \u2013 55.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> http:\/\/selena11selena.tumblr.com\/post\/105341060853\/vogueanon-guinevere-van-seenus-photographed<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> https:\/\/sofrischsogut.files.wordpress.com\/2015\/07\/obst_audi.jpg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Aufsatz ist das Manuskript eines Vortrags, den Wolfgang Ullrich zur Er\u00f6ffnung der Konferenz <a title=\"hinweis tagung\" href=\"https:\/\/www.uni-bielefeld.de\/ZIF\/FG\/2015Copying\/Events\/10-06-Schmuecker.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Towards an Ethics of Copying<\/a> gehalten hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage ullrich\" href=\"https:\/\/ideenfreiheit.wordpress.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wolfgang Ullrich<\/a> ist freier Autor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeder Mensch ist ein Kopierer<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[43,1288,1297,1959,2433,2558],"class_list":["post-5070","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-blog","tag-kopieren","tag-kreativitat","tag-rebloggen","tag-urheberrecht","tag-wolfgang-ullrich"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5070","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5070"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5070\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}