{"id":5140,"date":"2015-11-21T19:01:32","date_gmt":"2015-11-21T17:01:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5140"},"modified":"2015-11-21T19:01:32","modified_gmt":"2015-11-21T17:01:32","slug":"avant-barteine-frisierte-geschichte-des-vollbarts-in-der-popmusik-und-in-ihren-nischenvon-joerg-scheller21-11-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2015\/11\/21\/avant-barteine-frisierte-geschichte-des-vollbarts-in-der-popmusik-und-in-ihren-nischenvon-joerg-scheller21-11-2015\/","title":{"rendered":"Avant-BartEine frisierte Geschichte des Vollbarts in der Popmusik und in ihren Nischenvon J\u00f6rg Scheller21.11.2015"},"content":{"rendered":"<p>Verbergen und zeigen<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[zuerst erschienen in: J\u00f6rg Scheller\/Alexander Schwinghammer (Hg.): Anything Grows. 15 Essays zur Geschichte, \u00c4sthetik und Bedeutung des Bartes. Stuttgart 2014, Franz Steiner Verlag, S. 127-166]<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">And here, kind (bearded, or beardless, or shaven) reader! I took out my case of razors; I looked at them for a moment; I saw they were marked \u201eWade and Butcher\u201c on the blade; a most significant and ominous legend: and I said, \u201eNo more shall you wade over my face, or butcher my beard!\u201c and quietly pitched them into the stove.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0Prolog. The Beardles<\/p>\n<p>Es ist fast zu einfach, um wahr zu sein. Als die Beatles am Anfang ihrer Karriere standen, spielten sie dudeligen Schlager-Rock\u2019n\u2019Roll, dem Theodor W. Adorno attestierte, \u201eden Umkreis des Festgelegten in gar keiner Weise [zu] \u00fcberschreiten\u201c.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Nicht ganz zu unrecht. So glatt und unbedarft wie ihre Musik wirkten die Beatles selbst. Alle Mitglieder der Band waren in der Fr\u00fchphase bartlos, wie \u00fcbrigens auch Adorno. Das Cover des Deb\u00fctalbums <em>Please Please Me<\/em> von 1963 zeigt vier junge M\u00e4nner, die freundlich l\u00e4chelnd im Treppenhaus von EMI London posieren. Auch auf den Covers von <em>With the Beatles<\/em> (1963), <em>A Hard Day\u2019s Night<\/em> (1964), <em>Beatles for Sale<\/em> (1964), <em>Rubber Soul<\/em> (1965) und <em>Revolver<\/em> (1965) sind die Gesichter, abgesehen von Koteletten, Augenbrauen und unauff\u00e4lligen Stoppeln, haarfreie Zone. Im bartf\u00e4higen Alter waren die Musiker damals durchaus.<\/p>\n<p>Nachdem sie ihre Livekonzerte eingestellt hatten, widmeten sich die Beatles dem freien Experiment, nutzten alle M\u00f6glichkeiten des Tonstudios und gaben mit dem genialischen Album <em>Sgt. Pepper&#8217;s Lonely Hearts Club Band<\/em> (1967) das Leitmotiv der Postmoderne vor: die nonchalante Synthese von Pop und Avantgarde. Zeitgleich begannen alle Bandmitglieder, mit Barttrachten zu experimentieren. Ein Foto von Henry Grossman, das unter anderem die Titelseite des <em>Life Magazine<\/em> (Asia Edition) vom Juli 1967 zierte, zeigt die Beatles mit <em>copstash standard beards<\/em>, Harrison wagt sich sogar vor zu <em>friendly mutton chops<\/em>, einer Vollbartvariante, die das Kinn ausspart und dergestalt in wuchtiger W-Form lange Koteletten und Schnurrbart verbindet.<\/p>\n<p>Bald schon sollten Vollb\u00e4rte den H\u00f6hepunkt der Kreativit\u00e4t der Beatles, aber auch ihr Ende besiegeln. In dem Moment, da die Band ihre Identit\u00e4t als Mittlerin zwischen Pop-Petitesse und Prog-Raffinesse gefunden hatte, machte sie das, was Kunstabenteurern beim Einlaufen in den sicheren Hafen des Identifiziertwerdens seit jeher am besten zu Gesicht steht: Schluss. Das Coverfoto von <em>Abbey Road<\/em> (1969) beinhaltet diverse Stadien der Vollb\u00e4rtigkeit, vom imposanten Guru-Gespinst John Lennons \u00fcber die Schnurrbart-Kinnbart-Kombination Ringo Starrs bis hin zum Hollywoodian-Bart George Harrisons. Einzig Paul McCartney schert mit b\u00fcbchenhaft nackten Wangen aus. Doch beim Abschiedskonzert auf dem Londoner Apple Corps Geb\u00e4ude im Januar 1969 trug selbst er, der f\u00fcr die zug\u00e4nglicheren Seiten der Beatles zust\u00e4ndig war, einen Vollbart. Bei der letzten Fotosession der Beatles im Tittenhurst Park (1969) wiederum waren alle Musiker bis auf McCartney vollb\u00e4rtig. Die Beatles waren nicht nur die wichtigste Popband aller Zeiten. Sie waren auch eine der wichtigsten Bart-Bands aller Zeiten. \u201eThe Beardles\u201c w\u00e4re kein ganz abwegiger Bandname gewesen. F\u00fcr sie galt: je Avantgarde, desto Vollbart.<\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=oNLSLJ7umE8<\/p>\n<p>Parallel zur Pluralisierung und Ausdifferenzierung der Bart\u00e4sthetik der Beatles vollzog sich die Pluralisierung und Ausdifferenzierung der Popmusik in den 1960er Jahren. Mit den Beatles wurde der Pop erwachsen \u2013 oder so erwachsen wie Pop eben sein kann. Der alteurop\u00e4ische Purist Adorno hingegen pr\u00e4sentierte sich weiterhin bartlos, als h\u00e4tte er gehofft, dass der hybride Pop angloamerikanischer Pr\u00e4gung und das ihm kongeniale <em>anything goes<\/em> von seinem teflonartigen Antlitz abperlen w\u00fcrden. Kurz vor der Aufl\u00f6sung der Beatles und kurz nach Beginn der Studentenproteste starb er. In der ostentativ zotteligen 68er-Generation war kein Platz mehr f\u00fcr ihn.<\/p>\n<ol>\n<li style=\"text-align: center\">Ausscheren, ungeschoren. Der Vollbart als Differenzgenerator<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nun mag es verwegen sein, einen Kausalzusammenhang zwischen Bartlosigkeit und <em>I want to hold your hand<\/em>, B\u00e4rtigkeit und <em>Sgt. Pepper&#8217;s Lonely Hearts Club Band<\/em> sowie Vollb\u00e4rtigkeit und <em>Abbey Road<\/em> zu unterstellen. Die Gleichungen \u201eVollbart in der Popmusik = Differenz\/Experiment\/Avantgarde\/Identit\u00e4t\/Reife\u201c und \u201eBartlosigkeit in der Popmusik = Indifferenz\/keine Experimente\/Beliebigkeit\/Gef\u00e4lligkeit\u201c w\u00e4ren sicherlich zu einfach. Wissenschaftstheoretiker w\u00fcrden monieren, dass man allenfalls von einer punktuellen Korrelation sprechen k\u00f6nne, die keine R\u00fcckschl\u00fcsse auf gr\u00f6\u00dfere Kontexte erlaube. Als Gegenbeispiel zu den Beatles k\u00f6nnten sie auf Mot\u00f6rhead verweisen.<\/p>\n<p>Die Wegbereiter des Speed Metal starteten 1975 mit einem archaischen, betont uninspirierten Bastard aus Punk, Blues und Rock&#8217;n&#8217;Roll. Schon damals trug Bandboss Ian \u201eLemmy\u201c Kilmister seine mittlerweile ikonischen und feuilletongepr\u00fcften <em>friendly mutton chops<\/em>. Irgendwann in den 1990er Jahren, einer kommerziellen Durststrecke f\u00fcr Mot\u00f6rhead, rasierte Lemmy seinen Bart ab. Am Prinzip Mot\u00f6rhead \u00e4nderte sich jedoch wenig, sieht man einmal von den technischen Finessen des neuen Schlagzeugers Mikkey Dee ab \u2013 die Band als solche war so weit von Originalit\u00e4tskult und Avantgardismus entfernt wie eh und je.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> Dem Bartwandel entsprach somit kein Kulturwandel innerhalb der Band, wie es bei den Beatles der Fall war. In den Nullerjahren war Lemmys Bart zur\u00fcck und mit ihm der Markterfolg. 2012 stellte die Zeitschrift <em>Metal Hammer<\/em> die rhetorische Frage: \u201eRemember when he [Lemmy] shaved it off? It sucked. Lemmy needs that handlebar like we need Mot\u00f6rhead. Which is loads.\u201c<a href=\"#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Ruft man sich in Erinnerung, dass Gott in den christlich gepr\u00e4gten Kulturen als b\u00e4rtiger \u00e4lterer Herr imaginiert wird, und dass Lemmy von seinen Anh\u00e4ngern, nur halb ironisch, als Gott verehrt wird, so liegt es auf der Hand, dass es den g\u00f6ttlichen Lemmy ohne Bart nicht geben kann. Die zahlreichen Lemmy-is-God- oder Lemmy-for-Pope-Bilder seiner Fans zeigen ihn folgerichtig stets mit Bart.<\/p>\n<div id=\"attachment_5147\" style=\"width: 746px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5147\" class=\"size-full wp-image-5147\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/1.jpg\" alt=\"Lemmy\" width=\"736\" height=\"794\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/1.jpg 736w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/1-278x300.jpg 278w\" sizes=\"auto, (max-width: 736px) 100vw, 736px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5147\" class=\"wp-caption-text\">Lemmy<\/p><\/div>\n<p>Nichtsdestotrotz verweist die Bartpolitik der Beatles auf eine signifikante, wiederkehrende Tendenz in der Popmusik. Es w\u00e4re auch verwunderlich, h\u00e4tten die Beatles als die einflussreichste und einfallsreichste Popband des 20. Jahrhunderts nicht die Bart-Konventionen der Pop-Semiotik ma\u00dfgeblich und nachhaltig gepr\u00e4gt. Wenn sie ihre experimentelle, avantgardistische, individualistische, idiosynkratische und rebellische Phase in der zweiten H\u00e4lfte der 1960er Jahre durch individuelle (Voll)Barttrachten unterstrichen, so schienen sie \u2013 bewusst oder unbewusst \u2013 das unb\u00e4ndige Wuchern ihrer Ideen und ihre k\u00fcnstlerische Autonomie symbolisieren zu wollen.<\/p>\n<p>Der Mut zum Vollbart stand f\u00fcr die neue Reife und Freiheit und verwies auf die kulturkritische Seite der Band: \u201eWhat was different [in den 60ern] was that men were sprouting facial hair as an expression of individualism and creativity, rather than out of unquestioning allegiance to an authoritarian religious, political, or socioeconomic group.\u201c<a href=\"#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> Hatten die spiegelblanken Gesichter der Jung-Beatles als barrierefreie Projektionsfl\u00e4chen f\u00fcr Teeenagertr\u00e4ume gedient, so musste nun, wer zu Musik und Musikern vordringen wollte, sich gleichsam durch das Unterholz ihrer Gesichtsbehaarung schlagen. Echte Auseinandersetzung war gefragt, nicht komfortable Konsumtion. Kein Wunder, dass die ungleich uninspirierteren Rolling Stones den Beatles nicht nur in musikalischer Hinsicht, sondern auch in Sachen Bart-Vielfalt nicht das Wasser reichen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Folgenden sei in einer ikonologischen <em>tour d&#8217;horizon<\/em> der Versuch unternommen, anhand exemplarischer Fallstudien grob sechzig Jahre Popmusikgeschichte auf ihre Vollbart-Codes zu befragen. Dabei erhebe ich keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit \u2013 im Pop-Pluriversum ist dies schlechthin unm\u00f6glich. Es kann einzig darum gehen, einige markante Verdichtungen und wesentliche Ver\u00e4nderungen in den Bartkulturen des Popul\u00e4ren herauszupr\u00e4parieren. Als Grundlage dienen mir vor allem Fotos von Plattencovern und -booklets sowie offizielle Musikvideos, da diese am ehesten die angestrebte Langzeitwirkung zur Geltung bringen und manifesterer Natur sind als inflation\u00e4re, schnell vergessene Pressefotos. Die <em>Bravo<\/em> landet irgendwann im M\u00fcll, die LP bleibt im Regal. Ungeachtet der Gegenbeispiele, die der st\u00e4ndigen Modemetamorphosen unterworfene Pop zwangsl\u00e4ufig hervorbringt, vertrete ich die These, dass Vollb\u00e4rte in der Popmusik \u2013 siehe die Beatles \u2013 h\u00e4ufig f\u00fcr die Inszenierung von Identit\u00e4t\/Alterit\u00e4t<a href=\"#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a>, Dissens, Differenz, Avantgardismus, Neuorientierung, aber auch Elitismus zum Einsatz kamen und kommen \u2013 und damit klar vom Gewohnheitsvollbart des bummelig-brummeligen B\u00fcrgers unterscheidbar sind. Das bedeutet nat\u00fcrlich nicht, dass es in der Popmusik keine indifferenten Vollb\u00e4rte oder keine anderen Mittel und Wege g\u00e4be, um \u201aauszuscheren\u2019. Doch als somatisch-semiotischer Zwitter hat der (Voll)Bart \u2013 wie auch die frisierbare Kopfbehaarung, die br\u00e4unbare Haut oder die trainierbaren Skelettmuskeln \u2013 eine andere Stellung im Arsenal des Selbstdesigns als Kleidung, Schminke, Piercings, T\u00e4towierungen, k\u00fcnstliche Fingern\u00e4gel und sonstige exogene Applikationen.<\/p>\n<p>Der Bart ist ein endogener Teil des K\u00f6rpers. Wuchsst\u00e4rke, Wuchsbereiche, Haarfarbe und -form sind weitestgehend durch die Gene vorgegeben und ohne kosmetisch-chirurgische Eingriffe nicht dauerhaft modifizierbar. Wer den Bart gestaltet, operiert somit entlang der Grenze zwischen Natur und Kultur, zwischen Pr\u00e4destination und Selbstsetzung. Den Bart in die Selbstgestaltung miteinzubeziehen hei\u00dft, ob wissentlich oder unwissentlich: Anstatt etwas blo\u00df unverbindlich zu symbolisieren, verk\u00f6rpert sein Tr\u00e4ger etwas. Er meint es ernst. Je voller, je l\u00e4nger, desto \u00fcberzeugender. Doch trotz der kulturalisierenden Ma\u00dfnahme \u2013 gesetzt also den Fall, es handelt sich nicht um einen schierer Verwahrlosung geschuldeten Bart \u2013 bleibt er dabei \u201anat\u00fcrlich\u2019 und \u201aecht\u2019. Der Vollbart steht \u00fcberdies fast nur M\u00e4nnern, und nicht einmal allen M\u00e4nnern, zur Verf\u00fcgung, was seine Aura des Exklusiven zus\u00e4tzlich verst\u00e4rkt.<a href=\"#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> All das macht den Vollbart, \u00e4hnlich wie maximal aufgepumpte Muskeln, so geeignet f\u00fcr die erw\u00e4hnten Zwecke: Identit\u00e4t\/Alterit\u00e4t (auch im Sinne von Reife), Differenz, Dissens, Avantgardismus, Individualit\u00e4t, Neuorientierung, Elitismus, wobei letzterer auch gegenkultureller Art sein kann (siehe Mot\u00f6rhead, die der Trash-Aristokratie angeh\u00f6ren). Weil der Funktionalit\u00e4tsgrad des Vollbarts \u2013 zum Beispiel im Hinblick auf W\u00e4rmed\u00e4mmung \u2013 in den Wohlstandsgesellschaften gegen Null tendiert, l\u00e4sst er sich zudem bestens f\u00fcr Strategien der Selbstadelung durch K\u00f6rper\u00e4sthetik einsetzen. Vergleichbar einem Kunstwerk ben\u00f6tigt man einen Vollbart nicht. Man erlaubt ihn sich. Man <em>will<\/em> ihn.<\/p>\n<p>Die Stichhaltigkeit dieser Thesen vorausgesetzt, stehen Popvollb\u00e4rte in einer langen Tradition der Abgrenzungs- und Identit\u00e4tsbildungsstrategien durch Fazialdesign, wie sie unter anderem aus der Politik und aus der Religion bekannt sind. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen Vollb\u00e4rte auch schlicht biographische oder Karriere-Wendepunkte signalisieren. Ein prominentes Beispiel aus der Popmusik ist Robbie Williams, der sich 2007 auf seinem vor\u00fcbergehenden R\u00fcckzug vom Popzirkus hinter einem Vollbart versteckte. Ein Schelm, wer dabei an die \u00fcberkommenen Eremiten-Ikonographien denkt. Oder nehmen wir Cat Stevens, dessen einer Gesundheits- und Sinnkrise (1969) entsprossener Vollbart seine Konversion zum Islam (1977) vorwegzunehmen schien.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Cat Stevens Yusuf Islam Interview The Island Records Story Channel 4 1980&#039;s\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/HtrlvOMjkM4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Nicht zuletzt erm\u00f6glichen Vollb\u00e4rte nat\u00fcrlich auch die Flucht in falsche Identit\u00e4ten \u2013 man denke nur an den Chauvinisten Radovan Karad\u017ei\u0107, der mit etwas Biegen und Brechen in diesen Text passt, da er sich zun\u00e4chst \u2013 ohne Erfolg \u2013 in der Dichtung und in der Volksmusik umtat, bevor er in die Psychiatrie, in die Politik und sp\u00e4ter ins Kriegsverbrechen wechselte. Nach der Anklage durch das Den Haager Tribunal kam der ehemalige Pr\u00e4sident der Republik Srpska im wahrsten Sinne des Wortes ungeschoren davon \u2013 er tauchte unter und lebte von 1996 bis 2008 unter dem Pseudonym Dragan David Dabi\u0107 als umtriebiger, sogar \u00f6ffentlich auftretender Wunderheiler in Belgrad, verl\u00e4sslich protegiert durch einen Karl-Marx-trifft-auf-griechisch-orthodoxen-Patriarchen-Vollbart. Das so Perfide wie, zugestanden, Geniale an Karad\u017ei\u0107s neuer Identit\u00e4t und seinem portablen Versteck war, dass Dabi\u0107 irgendwie doch auch Karad\u017ei\u0107 war. Seinen Hang zu v\u00f6lkischen Mythen, zur Mystik und zum Spirituellen lebte der verkrachte Poet, Dusle-Spieler und Politiker nun im Reich der Volksmedizin und der Esoterik aus, wof\u00fcr sich ein Guru-Bart nat\u00fcrlich bestens eignete. Somit erlaubte ihm der Vollbart sowohl Tarnung im Sinne von Alterit\u00e4t \u2013 optisch war er ein anderer \u2013 als auch ad\u00e4quater Selbstdarstellung im Sinne von Identit\u00e4t \u2013 er war noch immer derselbe. Identit\u00e4t und Alterit\u00e4t sind mitunter nur ein paar Haaresbreiten voneinander entfernt.<\/p>\n<p>Die Identit\u00e4ts-\/Alterit\u00e4ts-, Differenz-, Dissens-, Neuorientierungs- und Avantgarde-These gilt sogar f\u00fcr religi\u00f6s inspirierte Country-Vollb\u00e4rte wie jenen des Geigenspielers, Gitarristen und S\u00e4ngers Charlie Daniels aus North Carolina. Obzwar er mit Idolen der Linksprogressiven wie Bob Dylan und Leonard Cohen musizierte, entwickelte er sich zu einer der f\u00fchrenden Figuren der US-amerikanischen Redneck-Bewegung.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Devil Went Down to Georgia - The Charlie Daniels Band (Live) [2011]\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/-o4di8T6ZSw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Mit der Single <em>The Devil Went Down to Georgia<\/em> (1979) erreichte er den dritten Platz der US-Pop-Charts und erfuhr Aufmerksamkeit weit \u00fcber die Country-Szene hinaus. Die \u00dcberzeugungen des Tea-Party-Anh\u00e4ngers sind reaktion\u00e4r und zielen auf Konformit\u00e4t mit naiven, mythischen Identit\u00e4ts-Narrativen der USA ab.<a href=\"#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a> Daniels selbst versteht sich jedoch als so freiheitsliebender wie gottesf\u00fcrchtiger Rebell und Nonkonformist, sozusagen als K\u00e4mpfer einer Retro-Avantgarde. Distanzierten sich die Klosterbr\u00fcder des Mittelalters durch Rasuren von den b\u00e4rtigen Laienbr\u00fcdern und gei\u00dfelten Teile der katholischen Kirche des 19. Jahrhunderts die in Mode gekommenen Klerikerb\u00e4rte als Ausdruck von Eitelkeit und Durcheinander, so grenzt sich Daniels qua Retro-Bart und dezidiert als bodenst\u00e4ndiger Laie von der vermeintlichen Beliebigkeit und Unverbindlichkeit postmoderner Lebensentw\u00fcrfe ab. Wenn er mit grimmigen Maulwurfs\u00e4uglein aus seinem mosaischen Haargeflecht blinzelt, fungiert der Bart als Barriere zwischen dem Eigenen und dem Anderen, zwischen uns oder besser: zwischen U.S. und denen da (Russen, Drogendealern, etc.), zwischen stolzem Dissens und m\u00fcder Affirmation des angeblich verderbten Bestehenden. Der Vollbart markiert Differenz und steht, wie seit anno dazumal, f\u00fcr m\u00e4nnliche Reife, Kraft, Virilit\u00e4t und Unersch\u00fctterlichkeit. In dieser Hinsicht sind fundamentalistische Christen und radikalislamistische Taliban traut vereint.<\/p>\n<p>Den experimentellen Str\u00f6mungen der Popmusik und der Hybridit\u00e4t der Popkultur im Allgemeinen ist es mitzuverdanken, dass Vollb\u00e4rte aus der Umklammerung des Patriarchats gerettet und f\u00fcr ein differenzierteres Differenzverst\u00e4ndnis gewonnen werden konnten. Heute tr\u00e4gt auch der s\u00e4kulare Schluffi Vollbart. \u00dcberhaupt lassen sich wohl viele M\u00e4nner aus purer Langeweile einen Vollbart stehen, nur, um ihn aus purer Langeweile wieder abzurasieren. Man ahnt schon: Manches von dem, was auf den folgenden Seiten im Ton der Gewissheit periodisiert, kategorisiert und interpretiert werden wird, entspringt eher dem Wunsch des Wissenschaftlers nach Ordnung als einer real existierenden, unverbr\u00fcchlichen Ordnung. In der Popmusik w\u00e4chst sich nichts aus. Dahingehend ist das Gesch\u00e4ft des Wissenschaftlers nicht grunds\u00e4tzlich verschieden von dem des Barbiers. Wo gerade noch widerborstige Zotteln ins Kraut schossen, prangt nach dem Eingriff ein s\u00e4uberlich gegliedertes Visageng\u00e4rtchen. Doch ein paar Wochen sp\u00e4ter hat der Dschungel seine Gebiete zur\u00fcckerobert. Und so beginnt also unsere frisierte Geschichte des Vollbarts in der Popmusik.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a0III. Vollbart und Popmusik. Ein kurzer historischer \u00dcberblick<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">\u00a03.1 Pop I, Rock\u2019n\u2019Roll, Woodstock, Folkrevival, Hippie-Rock<a href=\"#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a><\/p>\n<p>Die urspr\u00fcngliche Bartlosigkeit der Beatles steht in der Tradition der Anf\u00e4nge der Popmusik in den 1950er Jahren, mit Stilen wie Calypso, Swing, Soul, Twist, Rock\u2019n\u2019Roll, Rockabilly, usf. Ob Harry Belafonte, Fats Domino, Jerry Lee Lewis, Chuck Berry, Buddy Holly oder Elvis Presley \u2013 B\u00e4rte trugen sie zum Auftakt ihrer Karrieren allenfalls in Ans\u00e4tzen, darunter Koteletten. Warum h\u00e4tten sie auch sollen. Pop war amerikanisch und amerikanisch bedeutete: <em>forever young<\/em>. Vollb\u00e4rte, aber auch herrische Schnurrb\u00e4rte, waren V\u00e4tersache, Ausw\u00fcchse \u00e4lterer Zeiten und Merkmale diskreditierter Ideologien \u2013 siehe Marx, Lenin, Stalin, Hitler \u2013, alles in allem also Gestr\u00fcppe des Gestrigen. Und Popmusik, das war lautstarker Vatermord, eine Feuerwalze auf den Feldern des sozialen Anciennit\u00e4tsprinzips. Die Popmusik war zudem \u2013 noch \u2013 andersartig und k\u00f6rperbetont genug, als dass man sie durch Bartexperimente h\u00e4tte komplettieren m\u00fcssen. In Kombination mit exzentrischer Kleidung oder einer neckischen <em>Greaser<\/em>-Haartolle gen\u00fcgte sie vollauf, um aufzufallen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Jerry Lee Lewis -Great balls of fire &amp; Breathless (Live 1958)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/j4NquCaWIQI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Mit der Transparenz der juvenilen Popmusik korrespondierte die Gl\u00e4tte der Popgesichter trefflich. Im Fr\u00fchpop war alles klar vernehmbar und identifizierbar \u2013 die Stimme, die Gitarre, das Piano, der Bass, das Schlagzeug, die Bl\u00e4ser, usf. Die auf Opulenz und Facettenreichtum abzielende, vom Kleistermeister Richard Wagner inspirierte Produktionstechnik <em>wall of sound<\/em>, bei der Kl\u00e4nge wie \u00d6lfarben auf der Leinwand \u00fcbereinander geschichtet oder miteinander vermischt werden, pr\u00e4gte Phil Spector erst in den 1960er Jahren, dem ersten Jahrzehnt der vollb\u00e4rtigen Popmusik.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Grateful Dead on Playboy After Dark - January 18, 1969\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/P05TCXp6CKA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die adulte Pop- und vor allem die Woodstock-Generation brachte den Vollbart und exzentrische Barttrachten respektive subversive Umcodierungen althergebrachter Bartsymboliken aufs Tapet der Popkultur. Stilrichtungen wie Folkrevival oder Psychedelic Rock, ja der gegen- und subkulturelle Flower-Power-Pop der 1960er und 70er Jahre mit Bands wie The Grateful Dead oder Barden wie Cat Stevens sind untrennbar mit (Voll)B\u00e4rten verbunden \u2013 auch \u00fcber die Musik hinaus. In der Studenten- und APO-Szene Europas lie\u00df man sich nicht nur in ideologischer Hinsicht von Che Guevara inspirieren. In den USA trug der Poet Allen Ginsberg zum Protest einen, wie man im Englischen so sch\u00f6n sagt, \u201eunruly beard\u201c. Klar, dass sein gro\u00dfes Vorbild Walt Whitman nicht nur gro\u00dfe Literatur, sondern auch einen gro\u00dfen Bart hervorbrachte. Kurzum: Wer gegen das geschniegelte Establishment der 1950er rebellieren, sich w\u00e4hrend des Vietnamkriegs von aalglatten Politikern distanzieren, eine revolution\u00e4re Einstellung ausdr\u00fccken oder die Rock\u2019n\u2019Roll-Rebellen der ersten Stunde optisch \u00fcberbieten wollte, musste Haar bekennen und dergestalt, ob bewusst oder unbewusst, an die abenteuerliche Tradition von Demokraten-, Demagogen-, Renegaten- und Revolution\u00e4rsvollb\u00e4rten des 19. Jahrhunderts \u2013 etwa an die von Friedrich Ludwig Jahn, Karl Marx, Michail Bakunin oder Giuseppe Garibaldi \u2013 ankn\u00fcpfen.<a href=\"#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a> Siehe die Beatles im avantgardistischen Sp\u00e4tstadium.<a href=\"#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Selbst der fr\u00fch schon sein eigenes Verm\u00e4chtnis recycelnde Chuck Berry tanzte den <em>duckwalk<\/em> nun mit Koteletten, die bald zur Gesichtsmitte vordrangen. Und nat\u00fcrlich war da Frank Zappa, nicht nur barttechnisch eine Art Salvador Dal\u00ed des Rockzirkus\u2019. Obwohl er nicht zu den vollb\u00e4rtigen Popmusikern z\u00e4hlt, ist sein Bart es wert, genauer betrachtet zu werden.<\/p>\n<div id=\"attachment_5148\" style=\"width: 553px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5148\" class=\"size-full wp-image-5148\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/2.jpg\" alt=\"Zappa\" width=\"543\" height=\"352\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/2.jpg 543w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/2-300x194.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 543px) 100vw, 543px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5148\" class=\"wp-caption-text\">Zappa<\/p><\/div>\n<p>Zappas Bart nimmt insofern eine Sonderstellung in der Popmusikgeschichte ein, als er mit seiner ausgekl\u00fcgelten Oberlippe-Unterlippe-Dialektik perfekt die dal\u00ed-eske Mischmentalit\u00e4t seines Tr\u00e4gers repr\u00e4sentierte. Oft f\u00e4lschlicherweise mit dem Van-Dyck-Bart gleichgesetzt, trug Zappa eine breitere Variante des als \u201e<em>soul patch<\/em>\u201c bekannten Unterlippenb\u00e4rtchens in Kombination mit einem \u00fcber die Mundwinkel hinaus nach unten weisenden, vollen Macker-Schnurrbart.<a href=\"#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a> Die Oberlippenzone vertrat mit ihren Anspielungen auf <em>mad dictators<\/em>, Polizisten und Militaristen Zappas eigenwilligen Konservatismus. Der Antikommunist sprach sich aus f\u00fcr freie Marktwirtschaft, Unternehmertum und Nachtw\u00e4chterstaat, konsumierte keine harten Drogen, arbeitete viel und lebte in Ehe. Die Unterlippenzone hingegen wies ihn als jenen Exzentriker, Liberalen und Radikaldemokraten aus, dem die bis dato beeindruckendste Symbiose aus Vaudeville und Avantgarde in der Popmusik gelang, der sich zum Atheismus bekannte, der <em>political correctness<\/em> verabscheute und der folgerichtig das <em>juste milieu<\/em> immer wieder mit derben sexuellen Provokationen (etwa \u201eCatholic Girls\u201c, 1979) aufr\u00fcttelte. F\u00fcr diese freakige Seite Zappas eignete sich der <em>soul patch<\/em> bestens, war er, wie auch der <em>goatee<\/em>, doch im als verrucht geltenden Jazzmilieu der Nachkriegszeit sehr beliebt.<\/p>\n<p>Anders als die Beatles blieb Zappa seiner Bartkombination, vom Vollbart w\u00e4hrend seiner schweren Krebserkrankung am Ende seines Lebens einmal abgesehen, immer treu. Heute wird sein Barttyp unter dem Begriff \u201eZappa\u201c regul\u00e4r in Bart-Kompendien gef\u00fchrt. Der Rasiererhersteller Philips gibt sogar Ratschl\u00e4ge f\u00fcr die korrekte Zappa-Rasur. Denn: \u201eZappa\u2019s beard, like the man, was a true original.\u201c<a href=\"#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a> Und Originale sollte man nicht durch dilettantische Schnitte verf\u00e4lschen.<\/p>\n<p>Durch seine Best\u00e4ndigkeit trug Zappas Bart nicht zuletzt dazu bei, ein Symbol im Sinne Walter Benjamins \u2013 Symbole stiften diesem zufolge Einheit \u2013 zu etablieren. Mochte sich Zappa auch durch alle Genres spielen und diese durcheinander wirbeln \u2013 Klassik, Jazz, Rock, Fusion, usf. \u2013, so blieb doch sein Bart \u00fcber allen Wandel erhaben und sicherte die Koh\u00e4renz des Heterogenen, \u00e4hnlich wie unter dem Mercedes-Stern eine Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeuge vom Band l\u00e4uft.<\/p>\n<p>Und wie verh\u00e4lt es sich mit Bob Dylan, einer weiteren, wenn nicht <em>der<\/em> ikonischen Figur der 1960er Jahre? \u201eVietnam, Woodstock: Alles fand ohne ihn statt. Kein Kommentar zu den Morden an Robert Kennedy und Martin Luther King, kein Song.\u201c Aber! \u2013 \u201eEr l\u00e4sst sich einen Bart wachsen \u2026\u201c<a href=\"#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a> So nahm Dylan immerhin auf dem Gebiet der Fazialbehaarung an der hei\u00dfen Phase der 1960er teil. Seine Karriere als Coverboy der eigenen Alben folgt dabei dem zeitlichen Schema der Beatles. Bis 1966 (<em>Blonde on Blonde<\/em>) posierte er bartlos, ab 1967 (<em>John Wesley Harding<\/em>) mit Bart. Das Cover von <em>New Morning<\/em> (1970) zeigt ihn erstmals mit sch\u00fctterem Vollbart, den schon Fotografien von 1968 und 1969 belegen. Doch selbstredend w\u00e4re der enigmatische Barde der letzte, dessen Bartvorlieben sich ikonographisch und ikonologisch klar verorten und semantisch festzurren lie\u00dfen. Sein Bart war nicht zuletzt ein Versteck, in das er sich von Zeit zu Zeit zur\u00fcckzog.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.2 Mod, Punkrock, Hardcore<\/p>\n<p>Die in den 1950er Jahren wurzelnde Mod-Subkultur der 60er Jahre war bezeichnenderweise bartlos, hatte sie doch im Gegensatz zu den Hippies und Folkies keine politischen Bekenntnisse und keine sozialreformerische Agenda vorzuweisen. Anz\u00fcge, Musik, Drogen und Motorroller gen\u00fcgten vollauf. Indirekt politisch waren die Mods zwar, weil sie sich, \u00e4hnlich wie die Beatniks und Hipster, mit der \u201aschwarzen Popmusik\u2019, darunter Soul, Jazz und R&amp;B, identifizierten, und sich zudem die Stilinsignien der <em>upper class<\/em> aneigneten. Doch genau genommen war der Lebensstil dieser postmodernen Boh\u00e8me eben das: <em>Stil<\/em>. Die \u201elower class dandies\u201c, wie Dick Hebdige die Mods mit einem Begriff Albert Goldmans nannte,<a href=\"#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a> traten dahingehend tats\u00e4chlich die Nachfolge der Dandys des 19. Jahrhunderts \u2013 etwa Oscar Wilde \u2013 an, dass sie Stil \u00fcber Moral und Ideologie stellten. Avantgardistisch im Sinne einer Kunst-Leben-Ineinssetzung, die Wilde sogar in den Kerker brachte, waren sie jedoch nicht: \u201eThe mods invented a style which enabled them to negotiate smoothly between school, work and leisure, and which concealed as much as it stated. Quietly disrupting the orderly sequence which leads from signifier to signified, the mods undermined the conventional meaning of \u201acollar, suit and tie\u2019, pushing neatness to the point of absurdity.\u201c<a href=\"#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a> Im Song \u201eDas waren Mods\u201c (2008) der Hamburger Band Superpunk hei\u00dft es entsprechend: \u201eSie trugen winzige Sch\u00fchchen\/Und enge Hosen\/Sie ern\u00e4hrten sich\/Aus Pillendosen\/Das waren Mods [\u2026] Sie gingen zur Uni\/Oder zur Schicht\/Sie waren so m\u00e4nnlich\/Und doch wieder nicht\/Das waren Mods.\u201c M\u00e4nnlich und doch wieder nicht \u2013 da w\u00e4re der Vollbart fraglos ein St\u00f6rfaktor gewesen. Au\u00dferdem l\u00e4sst er sich nicht so einfach an- und ablegen wie \u201ewinzige Sch\u00fchchen\u201c und \u201eenge Hosen\u201c.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Superpunk - Das waren Mods\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/eAsq-ezuZ28?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Der teilweise aus der Mod-Subkultur hervorgegangene, doch ungleich radikalere Punkrock der 1970er Jahre war eine Reaktion auf die Feierabend-Rebellion der Mods wie auch auf den zunehmend barocken Bombast und den artifiziellen Schwulst vieler Pop-Produktionen, die nicht nur die <em>walls of sound<\/em>, sondern auch die Ikonographien des Rock mit sich brachten. Akademisch gef\u00e4rbte, wie besessen ihre Tonleitern \u00fcbende Profi-Rockbands \u00e0 la Yes, Pink Floyd oder Procol Harum hatten kein Problem damit, sich auf Plattencovern und Plakaten im Stil der Art Nouveau ank\u00fcndigen zu lassen \u2013 als zielten sie auf ein untotes Publikum der Jahrhundertwende ab. All das f\u00fchrte weg vom egalit\u00e4ren Pop-Prinzip der Einfachheit, der Transparenz, der Unmittelbarkeit und der Gegenw\u00e4rtigkeit. Die Bedeutung des lateinischen Bandnamens \u201eProcol [eigentlich: procul] Harum\u201c brachte es auf den Punkt: \u201efern vom Hier und Jetzt.\u201c<\/p>\n<p>Dass die Sex Pistols (voll)bartlos waren, mag auf den ersten Blick nicht zum postulierten Zusammenhang zwischen Vollbart und verk\u00f6rperter Differenz passen \u2013 immerhin strebten die Punks die gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Differenz zu den \u00fcberwiegend adrett rasierten Normalb\u00fcrgern an. Warum sich also nicht einen tollk\u00fchnen Renegatenbart stehen lassen? <em>De facto<\/em> hatten die Punks keine andere Wahl. Zum einen waren sie oft schlicht zu jung f\u00fcr einen Bart, geschweige denn f\u00fcr einen Vollbart. Zum anderen hassten sie die Hippies. Nebst diesen hatten Folkies, Biker und New-Ager den Vollbart und mehr noch das wallende Kopfhaar (siehe u.a. Charles Manson oder den Film <em>Easy Rider<\/em>, 1969) als Symbole der Gegen- und Alternativkultur schon besetzt, sodass eigentlich nur noch die Flucht in die Reduktion blieb, in musikalischer wie auch rasurtechnischer Hinsicht. Was die Kopfhaare betrifft, so galt im Punkrock das Prinzip der Inversion: Die Hippies lie\u00dfen sich und ihre Haare h\u00e4ngen, also mussten letztere bei den Punks vom Kopf abstehen. Bekiffte Nostalgie auf der einen Seite, energetisiertes Draufg\u00e4ngertum auf der anderen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Sex Pistols - Anarchy In The U.K (official video)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/cBojbjoMttI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Beim stichprobenartigen Durchbl\u00e4ttern des <em>Punkband-Quartetts<\/em> (2013) von Andre Kerres erh\u00e4rtet sich die Diagnose: gerade mal vier B\u00e4rte. Und selbst die sind nicht eindeutig dem Punkrock zuzuordnen. Einer davon entsprie\u00dft The Velvet Underground, die nicht Punkrock spielten, sondern zu dessen Wegbereitern z\u00e4hlen, einer den Bad Brains und einer den Minutemen, die beide den avantgardistischen, synkretistischen Str\u00f6mungen des Punk und mehr noch des aus dem Punk hervorgegangenen Hardcore angeh\u00f6ren. Nur ein Musiker von G.B.H. tr\u00e4gt zum standesgem\u00e4\u00dfen Mohawk einen irritierenden Backenbart. Es w\u00e4re auch absonderlich, bediente sich der Punkrock, der wie kaum eine andere Form der Popmusik einen Kult aus der Jugend im Sinne pubert\u00e4ren Trotzes macht, eines \u00fcblichen Merkmals der Reife und der W\u00fcrde. F\u00fcr die Bad Brains indes, \u201ejener einzigartigen Fusion aus Core und Reggae\u201c<a href=\"#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a>, waren und sind Vollb\u00e4rte insofern naheliegend, als letztere im Reggae (vgl. u.a. Bob Marley, Jimmy Cliff, Max Romeo, U-Roy) weit verbreitet sind und die Band sich als spirituellen Leuchtturm im prosaischen Popmusikbetrieb versteht. Vor diesem Hintergrund schwang sich der charismatische Bad-Brains-Frontmann H.R. zu einem sendungsbewussten Rastafarianismus-Verfechter auf, der wiederholt Homosexuelle diffamierte.<a href=\"#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a> Sein alttestamentarischer Vollbart, den er heute noch tr\u00e4gt, war da passend.<a href=\"#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_5149\" style=\"width: 693px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5149\" class=\"size-large wp-image-5149\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/3-683x1024.jpg\" alt=\"H.R.\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/3-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/3-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/3-768x1152.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/3.jpg 1365w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5149\" class=\"wp-caption-text\">H.R.<\/p><\/div>\n<p>Trotz der Entstehung des bartphobischen Punk waren die 1970er Jahre ein ziemlich haariges Jahrzehnt \u2013 dass die vollb\u00e4rtigste Popgruppe aller Zeiten, ZZ Top, im Jahr 1969 gegr\u00fcndet wurde und in den 70er Jahren ihren Durchbruch feierte, ist kein Zufall. Der Stil der Folkies und Hippies waberte seinerzeit in die Mode und damit in die Mitte der \u2013 adoleszenten und berufsjugendlichen \u2013 Gesellschaft. Au\u00dferdem wurde mit der \u00d6lkrise von 1973 das wirtschaftliche Klima deutlich rauer, da konnte eine selbst\u00e4ndig nachwachsende Barriere zwischen Ich und Welt nicht schaden. So stammen denn auch die b\u00e4rtigsten Fotografien von Bruce Springsteen, dem unverw\u00fcstlichen Feigenblattrebellen der amerikanischen Pickup-Truck-Philister, aus den 1970er Jahren. Oder nehmen wir das Musikvideo zu Mungo Jerrys Hit \u201eIn the Summertime\u201c (1970). Es wirkt wie ein Schulungsfilm f\u00fcr angehende Barbiere: diverse Stadien der Kotelettierung, ein nachgerade obsz\u00f6n buschiger Backenbart, ein beh\u00e4biger Studienratsvollbart, ein Schn\u00e4uzer und eine obskure Mischung aus Fu-Manchu-Bart und <em>friendly mutton chops<\/em>. Und das bei einer nur vierk\u00f6pfigen Band!<\/p>\n<p>Etwa gleichzeitig schw\u00e4ngerte der Porno mit Publikumserfolgen wie <em>Behind the Green Door<\/em> (1972) und <em>Deep Throat<\/em> (1972) den Mainstream und verhalf neben dem \u201ePornobalken\u201c \u2013 einem schmalen Oberlippenbart wie ihn der Pornostar John Holmes zu tragen pflegte \u2013 auch der Intim- und sonstigen K\u00f6rperbehaarung zu ungeahnter Sichtbarkeit. Gerade weil nun alle nur erdenklichen Haare omnipr\u00e4sent waren, scheint es im R\u00fcckblick logisch, dass Intimrasuren und Bartphobien die Folge waren. Wenn etwas dialektisch ist, dann die Popul\u00e4rkultur seit der Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>G\u00e4nzlich im Mainstream aufgegangen war der Vollbart aber mitnichten, trotz ABBA (siehe 3.3) und dem ewig vollb\u00e4rtigen Vater des Schmusesoul Barry White, dessen warme Glanzzeit die 1970er Jahre waren: \u201eUnfortunately, people of the disco era were too focused on his music and not enough on his beard, causing them to miss the best nickname of all: Beardy White.\u201c<a href=\"#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a> Die Ambivalenz des Vollbarts in den 1970er Jahren bringt eine Bemerkung Bob Colacellos auf den Punkt. \u00dcber eine Ausgabe des <em>Interview<\/em>-Magazins des Jahres 1979 schrieb der damalige Mitarbeiter Andy Warhols: \u201eThe all-time worst seller [des Interview-Magazins] was a bearded Brad Davis. I wanted to make him shave, but Robert Hayes said that was going too far. After it sank on the news-stands, I had a new rule: no beards.\u201c<a href=\"#_edn21\" name=\"_ednref21\">[xxi]<\/a> Einerseits war der Vollbart zu gegenkulturell, andererseits zu konservativ konnotiert, als dass ihn ein Soap-Opera-Darsteller wie Davis so mir nichts, dir nichts h\u00e4tte zur Schau stellen k\u00f6nnen. Warhol, der die kapitalistische Gegenwart feierte und Affirmation an Stelle der Kritik setzte, aber alles andere als ein Konservativer war, blieb entsprechend bartlos. Hippies liebten Natur. Er liebte Plastik. Auf Plastik spross kein Bart.<\/p>\n<p>Geste und Haltung, Protest und Profit, Subkultur und Mainstream, Privates und \u00d6ffentliches wurden in den 1970er Jahren mehr und mehr ununterscheidbar. Der Kunsthistoriker Beat Wyss weist diese Entwicklung anhand einer Fotografie aus dem Jahr 1972, die den K\u00fcnstler Joseph Beuys, seine Studenten an der Kunstakademie D\u00fcsseldorf und Polizisten zeigt, \u00fcberzeugend nach: \u201eDie beiden Gruppen unterscheiden sich durch ihr Bekleidungsetikett, tragen zweierlei Uniformen \u2013 und dennoch: Man merkt jenseits der habituellen Unterschiede zwischen Rebellen und Polizisten die Mode der siebziger Jahre, deren Ruf nach Freiheit und Abenteuer auch an den Polizisten Spuren hinterlassen hat. Sie tragen \u00fcppige Koteletten, Backenb\u00e4rte, einen Ansatz von Haarpracht im Nacken, was sich mit der normativen Polizeim\u00fctze eigentlich nicht gut vertr\u00e4gt.\u201c<a href=\"#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a> Der (Voll)Bart als gegenkulturelles Distinktionsmerkmal war damit, in diesem Fall in Deutschland, fraglich geworden.<\/p>\n<p>Renegaten aus der Hardcore- und Straight-Edge-Szene kn\u00fcpften in den 1980er Jahren dahingehend ungebeten an das adornitische Selbstdesign (siehe Prolog) an, dass sie sich nicht nur musikalisch und textlich, sondern auch optisch, mit kahlrasierten Sch\u00e4deln, Kinnen und Wangen, als Puristen auswiesen. Dahinter steckte vor allem der \u2013 begr\u00fcndete \u2013 Verdacht, dass der Punk in einen selbstzerst\u00f6rerischen Karneval der \u00c4u\u00dferlichkeiten gem\u00fcndet sei: \u201eObwohl Punk im Gegensatz zur Oi-Bewegung \u201agrunds\u00e4tzlich links\u2019 (Campino\/DIE TOTEN HOSEN) gepr\u00e4gt war, empfanden viele Nachwachsende die Bewegung Mitte der Achtziger als theoriefeindlich, die Gesellschaft nicht analysierend, sondern sich haupts\u00e4chlich durch \u00c4u\u00dferlichkeit abgrenzend, was weder zur eigenen Entwicklung noch zu einer Ver\u00e4nderung der Gesellschaft beitragen konnte.\u201c<a href=\"#_edn23\" name=\"_ednref23\">[xxiii]<\/a> Minor Threat aus Washington, D.C., machten in ihrem genrebegr\u00fcndenden Song \u201eStraight Edge\u201c (1981) klar: \u201eDon\u2019t smoke\/Don\u2019t drink\/Don\u2019t fuck\/At least I can fucking think.\u201c<\/p>\n<p>Eine verbindliche, integre, r\u00fccksichtsvolle Lebenspraxis war also angesagt. Vorbei war es auch mit Malcolm McLarens aufw\u00e4ndigen, von avantgardistischen Kunsttheorien inspirierten B\u00fchnenkost\u00fcmen f\u00fcr die New York Dolls und die Sex Pistols, ganz zu schweigen von der Punk-Couture aus dem Hause Vivienne Westwood. Die Hardcore-Adepten fielen eher durch einen paramilit\u00e4rischen oder kl\u00f6sterlichen Look (<em>hoodies<\/em>) auf. \u201ePurity of the mind and body\/To keep the resistance moving on\u201c war einer der Slogans, den die Hardcore-Band Strife zur Zeit, da sich die Szene radikalisierte, in ihrem Song \u201eArms of the Few\u201c (1994) pr\u00e4gte. Der Strife-S\u00e4nger Rick Rodney br\u00fcllte diese Zeilen ganz ohne Kopfhaar, als habe er sich f\u00fcr die Hauptrolle in <em>Die 36 Kammern der Shaolin <\/em>bewerben wollen.<\/p>\n<p>Nach einer mehrj\u00e4hrigen Auszeit der Band trug Rodney zum Comeback (2012) einen langen Vollbart und schlug mildere, reflektiertere T\u00f6ne an \u2013 als wollte er mit seinem Apostel- oder W\u00fcstenv\u00e4ter-Bart unterstreichen, dass er gereift sei und seine wahre Identit\u00e4t gefunden habe. Auch das kann Avantgarde bedeuten: die Abwendung vom \u00dcbereifer der Anf\u00e4nge. \u00dcberdies ruft die R\u00fcckkehr mit Rauschebart Erinnerungen an die Einsiedelei und die innere Einkehr aus der Kirchengeschichte wach. Die in der Isolation gewonnene Erkenntnis konkretisiert sich somatisch und dient der Gemeinde als Nachweis von Ernsthaftigkeit und Authentizit\u00e4t, wobei die L\u00e4nge und das Volumen des Barts mit der Tiefe der Erkenntnis korrelieren. Bei Rodney muss letztere betr\u00e4chtlich gewesen sein.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Strife - Carry The Torch (Official Video)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/1fTzR2FKwJg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Sinnigerweise trug das neue Strife-Album den Titel <em>Witness a Rebirth<\/em>. \u201eZuende geboren\u201c, um eine Formulierung Klaus Theweleits aufzugreifen, sind manche M\u00e4nner eben erst durch eine Wiedergeburt mit Bart. Sie haben erkannt, dass es wichtigeres gibt im Leben als die zeitaufw\u00e4ndige, eitle und dekadente Rasur, deren schreckliche Folgen schon 1859 in einem Artikel der Zeitschrift <em>The Crayon<\/em> wie folgt aufgelistet wurden: \u201eThe pain suffered by many in shaving, the ridiculous faces made during the barbarity, the dread of beginning the vile operation, especially in those who have pimples, an unsteady hand, and an obtuse instrument; the bad humor for half a day, which is the consequence of the torture, and which is handed round to those about them; or the bleeding spots or patches, the smarting evidences of sin.\u201c Der Vollbart erspart dem Mann so manches Ungemach und erm\u00f6glicht ihm die Konzentration aufs Wesentliche, anstatt sich mit blutenden Pickeln herumzuschlagen<a href=\"#_edn24\" name=\"_ednref24\">[xxiv]<\/a> \u2013 aber wichtiger noch: Erst der Vollbart pr\u00e4sentiert den Mann in seiner nat\u00fcrlichen, gottgegebenen Sch\u00f6nheit und W\u00fcrde: \u201eThe beard that has never been cut is beautiful in all the stages of its growth. [\u2026] There is, now, the distinguishing feature of a man. And in the autumn of life what dignity, what gravity does not its massive length give to the man laden with wisdom\u2019s fruit matured? When half a hundred winters have blown their snows and sleets upon it, until it has become as white as they are, how venerable does the patriarch look!\u201c<a href=\"#_edn25\" name=\"_ednref25\">[xxv]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.3 Pop II, R&amp;B, Soul, Glam<a href=\"#_edn26\" name=\"_ednref26\">[xxvi]<\/a><\/p>\n<p>Zu den sp\u00e4ten 1970er und vor allem zu den 80er Jahren mochte die vorangegangene Vollbart-Euphorie im Gro\u00dfen und Ganzen nicht mehr so recht passen: \u201e \u2026 by the end of the decade [der 70er Jahre] the prevailing look was either scrubbed-face preppy or disco-smarmy.\u201c<a href=\"#_edn27\" name=\"_ednref27\">[xxvii]<\/a> Wie zum Beweis l\u00e4sst sich in Frankie Goes To Hollywoods Video zur Single \u201eRelax\u201c (1983) ein dickleibiger, nur in eine r\u00f6mische Toga gewandeter Imperator von seinen Adlaten mehrere Minuten lang rasieren \u2013 eine der wenigen ausf\u00fchrlichen Rasurszenen in der bisherigen Geschichte des Musikvideos.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Frankie Goes To Hollywood -  Relax (Restored Version)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/mCpz3LAjxek?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Vollb\u00e4rte trugen nun nicht mehr die Aufbegehrenden und Gegenkulturellen, sondern die Gestrigen, die H\u00e4ngengebliebenen, die Angepassten, die Biederen, die Gem\u00fctlichen, die Verschnarchten und Verklemmten \u2013 Typen wie Roger Whittaker etwa, der im Kaminfeuerbariton sedative Schnulzen durch seinen unsterblichen Spie\u00dferbart brummelte. Letzterem war sein Song \u201eAbschied ist ein scharfes Schwert\u201c (1983) sicherlich nicht gewidmet \u2013 eher schon \u201eLeben mit Dir\u201c (1985) oder \u201eLass mich bei Dir sein\u201c (1987).<\/p>\n<p>\u00dcberhaupt hatte sich die kulturelle Gro\u00dfwetterlage merklich ver\u00e4ndert. Die Avantgarden und Neo-Avantgarden lagen um 1980 in den letzten Zuckungen, die Utopien wichen der Ern\u00fcchterung, das Weltanschauliche dem Spiel, die gro\u00dfen Erz\u00e4hlungen der Selbsthistorisierung, wie Diedrich Diederichsen nahelegt: \u201e1982 war ein rundum gutes Jahr. Das Projekt, durch Historisierung und Relativierung aller Musikelemente eine neue Pop-Musik-Art auf die Beine zu stellen, zeitigte in Form von ABC u. a. seine sch\u00f6nsten Erfolge. Niemand glaubte mehr an den nat\u00fcrlichen Ausdruck. Alle Elemente waren referentiell, bezogen sich auf die Historie der Pop-Kultur, nichts war mehr unschuldig, alles \u00fcberspitzt bewusst, intellektuell, campy und trotzdem sch\u00f6n und ber\u00fcckend.\u201c<a href=\"#_edn28\" name=\"_ednref28\">[xxviii]<\/a> Nun erreichte die Postmoderne und die bereits in den fr\u00fchen 1970er Jahren angelegte \u00c4ra anorganischer Kl\u00e4nge den H\u00f6hepunkt, darunter die weiterhin rollende Disco-Welle mit ihren hitzig-maschinellen Four-on-the-floor-Exzessen und ihrem Kult des schwulen Macho-Schn\u00e4uzers<a href=\"#_edn29\" name=\"_ednref29\">[xxix]<\/a> \u2013 Freddie Mercury verschaffte ihm p\u00fcnktlich zu Beginn der 1980er Jahre einen weiteren Bekanntheitsschub \u2013, der minimalistisch-emotionslose Elektro-Pop Kraftwerks, der theatralische Rap-Rock Falcos, der New-Romantic-Pop Boy Georges, der dunkel-erotische Synthie-Sound von Depeche Mode und der exzentrische R&amp;B von Prince (zu dessen Bart siehe weiter unten). Keiner der hier involvierten Musiker gilt auch nur ann\u00e4hernd als Vollbart-affin, schon gar nicht <em>die<\/em> Symbolfigur der 1980er Jahre \u00fcberhaupt, der androgyne \u201eKing of Pop\u201c Michael Jackson.<\/p>\n<p>In seiner hybriden Selbstinszenierung bediente sich Jackson zwar bei allen m\u00f6glichen Moden und Stilen bis hin zu Ethnien, nicht jedoch bei den entsprechenden Bartmoden. Mag sein, dass er von Natur aus nicht zum Bartwuchs neigte oder dass eine Autoimmunerkrankung zu Haarausfall f\u00fchrte. H\u00e4tte er jedoch Wert auf einen Bart gelegt, so legt seine lange Geschichte plastisch-chirurgischer Transformationen nahe, dass er vor einer Haartransplantation nicht zur\u00fcckgeschreckt h\u00e4tte.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Michael Jackson - Thriller (Official 4K Video)\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/sOnqjkJTMaA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Prince wiederum setzte den f\u00fcr ihn typischen Miniatur-Moustache als raffiniertes Kontrast- und Irritationsmittel ein. Die d\u00fcnne Linie \u00fcber seiner Oberlippe \u2013 <em>pencil thin beard<\/em> \u2013 verst\u00e4rkte die im Zusammenspiel mit dem exponierten Brusthaar bereits verwirrende Wirkung seiner geschminkten Augen und der effeminierten Frisur sowie K\u00f6rpersprache, mit denen er sich unter anderem auf den Covern von <em>Prince<\/em> (1979) und <em>Lovesexy<\/em> (1988) f\u00fcr Ambivalenzliebhaber empfahl.<\/p>\n<p>Es war also unausweichlich, dass sich ABBA 1982, angesichts des allgemeinen Vollbartr\u00fcckgangs, aufl\u00f6sten. Der heimelig-antikisierende Vollbart Bj\u00f6rn Ulvaeus\u2019, den er als Anh\u00e4nger humanistischer Ideale seit jeher hartn\u00e4ckig zur Schau gestellt hatte, war nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df. Als sich dann auch noch sein Kompagnon Benny Andersson Anfang der 1980er \u2013 und damit vollends zur Unzeit \u2013 einen Vollbart zulegte, war es klar, dass der flotte Vierer, bei dem die Geschlechterrollen so klar verteilt waren wie Sieg und Niederlage in Waterloo, seinen Zenit \u00fcberschritten hatte.<\/p>\n<p>Das Augenmerk der 1980er Jahre lag ferner nicht mehr auf den moderneskeptischen Hippies, sondern auf den modernebejahenden Yuppies. W\u00e4hrend es die Hippies, aber auch die Beatniks, Folkies und New-Age-Fans hinaus in die Natur gezogen hatte, lebten Yuppies in einer urbanen Umgebung, feierten den Hedonismus, gaben sich dem Konsum hin und legten Wert auf ein Aussehen, das dem Gesicht der modernen Gro\u00dfstadt entsprach. Klar, dass die Hardcore-Band Yuppicide nicht irgendwann, sondern Ende der 1980er Jahre gegr\u00fcndet wurde. Mit ihrer Unbedarftheit beschworen Yuppie-Teenie-Bands wie George Michaels Wham! harsche Gegenreaktionen geradezu herauf. Wham! begannen 1981 bartlos, f\u00fcr alles andere w\u00e4re das Duo vielleicht auch zu jung gewesen. Als Michael sich jedoch von Wham! zu emanzipieren begann und auf seine Solo-Karriere zusteuerte, legte er sich, \u00dcberraschung, den f\u00fcr ihn und die 1980er Jahre typischen <em>designer stubble look<\/em> zu, welcher im Philips-Bartratgeber wie folgt beschrieben wird: \u201eHair 0.5 mm to 5mm long on your moustache and beard area, and preferably none on your neck (below your Adam\u2019s apple) or on your upper cheeks. Once your facial hair starts to lie flat, curl or hide your skin, you\u2019re disqualified.\u201c<a href=\"#_edn30\" name=\"_ednref30\">[xxx]<\/a><\/p>\n<p>https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=lu3VTngm1F0<\/p>\n<p>Dieser Look, den auch Mr. T. aus der TV-Serie <em>A-Team<\/em> kultivierte, war die ultimative Ja,-aber-dann-doch-nicht-Konzession der 1980er Jahre an den Vollbart. Man lie\u00df sich einen Vollbart wachsen, den man allerdings so stark und so pr\u00e4zise trimmte, dass er den postnaturellen Gegebenheiten gerecht wurde. Leerer kann ein Vollbart nicht sein.<\/p>\n<p>Denkt man bei den 1960er Jahren unweigerlich an Festivals unter freiem Himmel und auf gr\u00fcnen Wiesen, so wecken die 80er Jahre gew\u00f6hnlich Assoziationen an dunkle, verrauchte Clubs, an Synthesizer-Kl\u00e4nge, an Neonlicht und an Nebelmaschinen, die etwa bei den \u2013 soweit sie in den Nebelschwaden denn \u00fcberhaupt zu erkennen waren: bartlosen \u2013 Sisters of Mercy exzessiv zum Einsatz kamen. Am Vorabend des digitalen Zeitalters und der avancierten Gentechnik, die die Grenzen zwischen Geo-, Bio- und Artefakten verschieben sollte, war Natur nicht mehr glaubhaft.<\/p>\n<p>Auch der Geist des postindustriellen Kapitalismus, der in der Reagan-Thatcher-\u00c4ra (\u201eReaganomics\u201c) wie ein Dschinn aus der Flasche gelassen wurde, erforderte allenfalls ein s\u00e4uberlich getrimmtes Oberlippenb\u00e4rtchen oder einen dezenten Flaum, in dem keine Kokskr\u00fcmel h\u00e4ngen blieben. Wer als Broker an der B\u00f6rse spekulierte, tat gut daran, dem Wildwuchs des k\u00f6rperlosen Kapitals nicht durch einen wild wuchernden Bart ein verr\u00e4terisches Gesicht zu geben. Immerhin h\u00e4tte ein solcher Bart auch an die skrupellosen, raubeinigen, patriarchalischen Fabrikanten und Eisenbahnbarone des 19. Jahrhunderts erinnern k\u00f6nnen. Besser, man passte die Symbolik seines Borstenbesatzes der luftigen Post-Bretton-Woods-Zeit an.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt waren die ambivalenten Geschlechterbilder der Postmoderne \u2013 siehe Prince und Michael Jackson \u2013 mit Voll- oder sonstigen gesichts\u00fcbergreifenden B\u00e4rten nicht wirklich kompatibel. Ihre entscheidenden Rollen bei der Dekonstruktion tradierter Geschlechterrollen w\u00e4ren auch Andy Warhol, Lou Reed und David Bowie mit Schifferkrausen oder Rauscheb\u00e4rten wohl ungleich schwerer gefallen. \u201eNot sure if you\u2019re a boy or a girl\u201c hei\u00dft es schon in Bowies Song \u201eRebel, Rebel\u201c (1974) \u2013 wer wollte diese Zeilen vollb\u00e4rtig singen! Im Musikvideo posiert Bowie mit Vokuhila-Schnitt, Ohrring, Augenklappe, hautengem rotem Overall, schwarzen High-Heels und E-Gitarre wie ein Mischwesen aus Seer\u00e4uber und Drag Queen. Wangen, Kinn und Brust \u2013 haarlos.<\/p>\n<p>Als der Bassist Trevor Bolder (sp\u00e4ter Uriah Heep) Anfang der 1970er Jahre zu Bowies Begleitband stie\u00df, sp\u00fcrte er, dass eines an ihm nicht so recht zum Hermaphroditen-Image des Bandleaders passen wollte: \u201eWhen I joined I had a full beard, \u2019cos I was in a blues band. Fleetwood Mac and the Beatles had full beards, and I shaved the middle and the \u2019tache off and was left with droopy, long sideburns.\u201c<a href=\"#_edn31\" name=\"_ednref31\">[xxxi]<\/a><\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"David Bowie - Starman (1972) HD 0815007\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4B5zmDz4vR4?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>An anderer Stelle machte Bolder noch deutlicher, dass es tats\u00e4chlich die Beatles waren, die seinen Bart-Look direkt inspiriert hatten, was den am Anfang dieses Essays postulierten ma\u00dfgeblichen Einfluss der Band auf die Bart-Codes der Popmusik unterstreicht: \u201eBecause of the Beatles, I\u2019d grown a full beard.\u201c<a href=\"#_edn32\" name=\"_ednref32\">[xxxii]<\/a> So kam es, dass Bolder seinen Vollbart und seine Verbundenheit mit den Beatles f\u00fcr Bowie, den gesichtspolierten \u201eStarman\u201c, opferte. Die besagten \u201esideburns\u201c (Koteletten) hingegen behielt er bei. Allerdings spr\u00fchte er sie f\u00fcr Konzerte und Fotos mit Silberfarbe an, sodass sie wie zwei feiste, unf\u00f6rmige Raketen an Hals und Kopf emporzusteigen schienen. Der Kompromiss zwischen Space-Glam und Earth-Blues war perfekt. Bowie und seine Band waren eine Ikone der 1980er Jahre, lange bevor diese begannen. Die Differenz, die sie darstellten, war nicht mehr ideologisch und essentialistisch, sondern performativ und transitorisch.<\/p>\n<p>Dass es f\u00fcr Bowie m\u00f6glich gewesen w\u00e4re, auch Vollb\u00e4rte in seine Metamorphosen einzubeziehen, belegen Aufnahmen aus diversen Schaffensphasen. Dabei handelt es sich selten um offizielle Fotos, sondern meist um Kollateralia von \u00f6ffentlichen Anl\u00e4ssen, etwa einer Premiere des <em>Hannibal<\/em>-Films 2001, die er vollb\u00e4rtig und mit langen Haaren besuchte. Eine Ausnahme bildet die Tin-Machine-Phase zwischen 1988 und 1992. Tin Machine war eine Band, die Bowie in einer Krisenstimmung gr\u00fcndete: \u201eBy the end of 1987 Bowie was all too aware that he was in danger of becoming a laughing stock. [\u2026] He considered retiring from music altogether to concentrate on his painting. Instead, \u2026 he chose a radical course of action to drag himself bodily out of the mainstream, and in the process took one of the most controversial and massively derided leaps of his career.\u201c<a href=\"#_edn33\" name=\"_ednref33\">[xxxiii]<\/a><\/p>\n<p>Die radikale L\u00f6sung bestand darin, zu den Wurzeln des Rock\u2019n\u2019Roll zur\u00fcckzukehren, Spontaneit\u00e4t und Rohheit zuzulassen \u2013 und sich einen gestutzten Vollbart (<em>short boxed beard<\/em>) stehen zu lassen.<a href=\"#_edn34\" name=\"_ednref34\">[xxxiv]<\/a> Bowie bezeichnete den Kompositionsprozess des Deb\u00fctalbums <em>Tin Machine<\/em> (1989) als \u201eimpressionistical\u201c und nannte Jimi Hendrix, Cream, John Coltrane und Miles Davis als Einfl\u00fcsse.<a href=\"#_edn35\" name=\"_ednref35\">[xxxv]<\/a> Statt in Stadien spielte er wieder in Clubs. Im Video zur ersten Tin-Machine-Single \u201eUnder the God\u201c (1989) wird Pogo getanzt und stagegedivet, Nebel wallt, Gitarren greinen, kurz: die Band sch\u00f6pft tief aus dem Fundus testoster\u00f6ser Rockstarposen. Bekanntlich ist der Bartwuchs direkt an den Testosteronspiegel gekoppelt. Erneut greift die Identit\u00e4ts-\/Alterit\u00e4ts- und Differenz-These: Bowies Vollbart akzentuierte die Abkehr von seinem seit <em>Let\u2019s Dance<\/em> (1983) erreichten Megastar-Status und stand f\u00fcr die Besinnung auf einen \u201anat\u00fcrlicheren\u2019, \u201am\u00e4nnlicheren\u2019 Ansatz.<\/p>\n<p>Da B\u00e4rte nicht nur als Reifezeugnisse eingesetzt werden, sondern auch, um virile Vitalit\u00e4t zu demonstrieren, ist es nur logisch, dass Bowie in einer Phase, die in der Presse als \u201erevitalizing\u201c bezeichnet wurde, Bartwuchs zulie\u00df. Sein fr\u00fcheres Alter Ego Ziggy Stardust war artifiziell und futuristisch-avantgardistisch gewesen, der Sound des neuen Bowie verspr\u00fchte Holzf\u00e4ller-Charme.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"TIN MACHINE Under The God\" width=\"625\" height=\"469\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ivRtxulMics?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.4 Heavy Metal<\/p>\n<p>Die ansonsten \u00fcberaus haarfixierte Heavy-Metal-Szene, die in den 1980er Jahren sogar das Subgenre \u201eHair Metal\u201c gebar, steuerte anf\u00e4nglich wenig Neues zum Feld des Pop-Vollbarts bei. Ob Slayer, Metallica, Kreator, Celtic Frost oder Iron Maiden \u2013 keine der stilpr\u00e4genden Bands der 1980er Jahre stach durch besonders auff\u00e4llige, lange oder volumin\u00f6se B\u00e4rte hervor.<a href=\"#_edn36\" name=\"_ednref36\">[xxxvi]<\/a> Dominante Signature-B\u00e4rte wie der des Anthrax-Gitarristen Scott Ian (Barttyp: bunter Mega-Goatee) und des Slayer-Gitarristen Kerry King (Barttyp: Santa-Claus-meets-Mega-Goatee-meets-Bodkin-Beard) sind sp\u00e4tere Erfindungen. Zu Beginn seiner Anthrax-Laufbahn war Ian bartlos, w\u00e4hrend King in den Anfangstagen von Slayer einen biederen, kurzen Vollbart trug, der auch einem Tankwart oder einem Postbeamten gut zu Gesicht gestanden h\u00e4tte. Der Rest der Musiker zog blank.<\/p>\n<p>Judas Priest aus Birmingham, England, hatten zwar eine Schw\u00e4che f\u00fcr B\u00e4rte. So war Bassist Ian Hill bereits bei seinem Einstieg 1970 moderat vollb\u00e4rtig und sollte es weiterhin bleiben. Doch Metal im engeren Sinne spielten Judas Priest damals \u2013 noch \u2013 nicht. Ihren Namen entlehnte die Band von einem Songtext Bob Dylans aus dessen erster Bartphase (siehe 3.1), ihre Musik war vom bartfreundlichen Blues (siehe 3.3) beeinflusst. Der Song \u201eCheater\u201c vom Deb\u00fctalbum <em>Rocka Rolla<\/em> (1974) etwa kombiniert tern\u00e4re Rhythmen mit Mundharmonika-Einw\u00fcrfen und dem klassischen Blues-Thema des betrogenen Liebhabers. Die eher punkrock- und hardcoreinspirierten \u2013 und damit, siehe weiter oben, eher bartfernen \u2013 Vertreter des US-amerikanischen Bay Area Thrash Metal spezialisierten sich auf die Kopfhaarkultur. Ein Bart, etwa das Biker-Modell, mochte hinzukommen, war jedoch nicht ausschlaggebend. Der monumentale Henriquatre-Bart, den der Judas-Priest-S\u00e4nger Rob Halford gegenw\u00e4rtig tr\u00e4gt, ist wie Kerry Kings Bart der sp\u00e4teren, crossovernahen \u00c4ra des Heavy Metal entwachsen. In dieser Phase wurde das althergebrachte Kopfdesign des Heavy Metal vielfach umgekehrt: rasiertes Haupt plus langer Bart (siehe n\u00e4chster Absatz). Das hatte nat\u00fcrlich mit der schleichenden Vergreisung des Genres zu tun. Bevor die Haare ausfielen und man beim Headbangen alberne M\u00fctzchen tragen musste, erledigte man die Sache lieber selbst, griff zum Rasierer, und kompensierte Haarlosigkeit oben durch Haarigkeit unten.<\/p>\n<p>Der Hang der internationalen Metal-Szene zu Mythos, Pathos und Vormoderne, und damit zur antimodernen Kulturkritik, barg gleichwohl den Keim f\u00fcr die sp\u00e4tere Hochkonjunktur von heroischen Vollb\u00e4rten etwa im Viking (u.a. bei Amon Amarth) oder Pagan Metal (u.a. bei Skyforger).<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Skyforger - Meln\u0101s Buras (OFFICIAL VIDEO)\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/v5hDhkVEboY?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Lange B\u00e4rte, lange Haare \u2013 zum klassischen Heavy Metal der 1980er h\u00e4tte die doppelte Haardr\u00f6hnung der sp\u00e4teren Neuheiden und Wahlwikinger nicht wirklich gepasst. Er pflegte, wohl unwissentlich, eine \u00e4hnliche Haar-Dialektik wie Frank Zappa (siehe 3.1). Das lange Haupthaar stand f\u00fcr Rebellion, Unb\u00e4ndigkeit, Aggression. Die rasierten Gesichter f\u00fcr Kontrolle, Disziplin, Zivilisation. Oben Barbaren, unten R\u00f6mer. Diese paradoxale Harmonie spiegelt den grundlegenden Wesenszug des klassischen Heavy Metal, der ihn vom fr\u00fchen, auf Enthemmung abzielenden Punkrock unterscheidet. Bruce Dickinson, der S\u00e4nger von Iron Maiden, bringt diesen Zug wie folgt auf den Punkt: \u201eThe aggression is there. But it is contained and it is controlled and it is focused.\u201c<a href=\"#_edn37\" name=\"_ednref37\">[xxxvii]<\/a> Auf Punk angesprochen, \u00e4tzt Bassist Steve Harris: \u201eWe hated everything about it.\u201c<a href=\"#_edn38\" name=\"_ednref38\">[xxxviii]<\/a><\/p>\n<p>Ruft man sich die eingangs formulierte These in Erinnerung, derzufolge vor allem der Vollbart \u2013 je l\u00e4nger, desto besser \u2013 f\u00fcr die Verk\u00f6rperung einer Haltung besonders geeignet sei, so ist die Bartschw\u00e4che des fr\u00fchen Heavy Metal nur folgerichtig. Im Gegensatz zu Punk und Hardcore, die zumindest in ihren orthodoxen Sparten das Prinzip \u201epractice what you preach\u201c vertreten und nach einem glaubw\u00fcrdigen Lebensstil verlangen, war Heavy Metal nie an eine bestimmte Lebenspraxis, an eine Ideologie oder an eine politische Haltung gebunden. Er funktioniert(e) bestens als Parallelwelt, auf der Ebene von Codes, Symbolen, \u00c4sthetiken: \u201eAlles [im Metal] bleibt Show, so sehr diese auch ins Privateste dringt und sein Extrem bei Metallern findet, die nie ohne Kutte und Gitarren-Schlumpf ins Bett gehen. \u201aMetal ist eine Lebenseinstellung\u2019, h\u00f6rt man es raunen. Naja, aber f\u00fcr und gegen was? Mit welchem Inhalt? Gerade weil es innerhalb der Metal-Szene keine tiefer verwurzelte Systemkritik gibt, kein nennenswertes oder gar gemeinschaftliches politisches Bewu\u00dftsein, verwischen die Grenzen von rechts und links je nach musikalischen Vorlieben.\u201c<a href=\"#_edn39\" name=\"_ednref39\">[xxxix]<\/a><\/p>\n<p>W\u00e4hrend den ewig jugendlich ihre Jugend verschwendenden Punks aufgrund der haarigen Woodstock-Generation der Vollbart als Bekenntnisinstrument verwehrt blieb \u2013 Punks sind gewisserma\u00dfen verhinderte Vollbarttr\u00e4ger \u2013, w\u00e4re er f\u00fcr die Metal-Musiker, die sich ja ihrerseits durch ein ausgepr\u00e4gtes, altv\u00e4terliches Handwerksethos vom Punk abgrenzten, zwar grunds\u00e4tzlich eine Option gewesen. Instinktiv, und instinktiv richtig, sahen sie jedoch davon ab. Im j\u00fcngeren, globalisierten und pluralisierten Metal spiegelt die Vielfalt der Barttrachten, \u00e4hnlich wie in den 1960er Jahren bei den Beatles, die Auff\u00e4cherung des Genres in Subgenres, zu denen auch politisch, ideologisch und weltanschaulich impr\u00e4gnierte geh\u00f6ren, von den ironischen ganz zu schweigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.5 Hip-Hop<\/p>\n<p>In den 1980er Jahren stellten sich nicht nur erste nennenswerte kommerzielle Erfolge des Heavy Metal, sondern auch der Rapmusik und der Hip-Hop-Kultur im Allgemeinen ein. Denkt man an die Stars des heutigen Rap, so sind Eminem, Snoop Dogg, LL Cool J, Lil Wayne oder Pharrell Williams nicht gerade f\u00fcr ihre B\u00e4rte und schon gar nicht f\u00fcr ihre Vollb\u00e4rte bekannt. Die <em>Forbes<\/em>-Liste der 20 erfolgreichsten Rapper des Jahres 2012 weist den aktuellen Rap-Olymp als eine \u00fcberwiegend vollbartfreie Zone aus.<a href=\"#_edn40\" name=\"_ednref40\">[xl]<\/a> Herausgegriffen seien nur die ersten zehn Olympier.<\/p>\n<p>Dr. Dre, der die Liste anf\u00fchrt, scheint \u00fcberhaupt ein Bartskeptiker zu sein, insofern keine biologischen Hindernisse ausschlaggebend sind. Ein Schatten \u00fcber seiner Oberlippe, der auf Fotos erkennbar ist, legt jedoch nahe, dass dem nicht so ist. Die Nummer zwei, Diddy, konzentriert sich ausdauernd auf den in der Szene dominierenden Barttypus <em>rap industry standard<\/em>. Darunter versteht man ein schmales B\u00e4rtchen, das in der Tradition des Henriquatre-Barts ovalf\u00f6rmig Oberlippe und Kinn umhegt und, optional, wie eine gez\u00e4hmte Variante der <em>friendly mutton chops<\/em> entlang der Kinnlade zum Kopfhaaransatz emporw\u00e4chst. Auf Platz drei rangiert der bei allen \u00f6ffentlichen Auftritten sorgf\u00e4ltig rasierte oder von Natur aus bartlose Jay-Z. Erst auf Platz vier taucht mit Kayne West ein Teilzeitbarttr\u00e4ger auf, der auch vor Ausfl\u00fcgen in die ma\u00dfvolle, distinguierte Vollb\u00e4rtigkeit nicht zur\u00fcckschreckt. Bezeichnenderweise gilt West innerhalb des Hip-Hop-Mainstreams als ein kunstliebender Intellektueller, der sich f\u00fcr seine Albencover schon mal Inspiration aus dem Louvre holt, den zivilisationskritischen Song \u201e21<sup>st<\/sup> Century Schizoid Man\u201c (1969) der britischen Prog-Rocker King Crimson sampelt, und sich \u00fcberhaupt als ein Gesellschafts-, ja sogar als ein Konsumkritiker geb\u00e4rdet \u2013 die Tischgespr\u00e4che mit seiner Ehefrau Kim Kardashian, ihres Zeichens ein bislang nicht als besonders zeitkritisch aufgefallenes It-Girl, m\u00fcssen k\u00f6stlich sein. Wie dem auch sei: Hier passt der Vollbart im Sinne der Identit\u00e4ts-\/Alterit\u00e4tsbekundung und der kritischen Haltung, also als Differenzgenerator, dann doch wieder. Lil Wayne auf Platz f\u00fcnf ist, von einem winzigen Kinntupfer abgesehen, bartlos. Mit Drake hat es immerhin ein Liebhaber des <em>short boxed beard<\/em> und des <em>designer stubble style<\/em> auf Platz sechs geschafft, w\u00e4hrend Lil Waynes Ziehvater Birdman auf Platz sieben Tattoos den Vorzug gibt. Die achtplatzierte Nicki Minaj ist erwartungsgem\u00e4\u00df bartlos, Eminem (Platz neun) sowieso, erst auf Platz zehn pr\u00e4sentiert Ludacris minuti\u00f6s ausgefr\u00e4ste, wie aufgemalt wirkende Bartstreifen. Diese aber verhalten sich zum wogenden Hippie-Bart wie konkrete Malerei zur gestischen Malerei oder der Park zum Dschungel.<\/p>\n<p>Warum The Roots als eine der wenigen altgedienten, bis heute im Mainstream erfolgreichen Hip-Hop-Gruppen ein Faible f\u00fcr kurze wie auch lange Vollb\u00e4rte haben, beantwortet eigentlich schon ihr Name, aber mehr noch die f\u00fcr sie h\u00e4ufig verwendete Stilbezeichnung \u201eorganic hip-hop\u201c. The Roots m\u00f6chten n\u00e4her dran sein an den Wurzeln und am \u201aEchten\u2019 als ihre kn\u00f6pfchendrehenden und mausklickenden Kollegen, weshalb sie mit \u201aechten\u2019 Musikern auftreten und einen erdigen, eben \u201eorganischen\u201c Vintage-Sound favorisieren. Dar\u00fcber hinaus sind sie dem Intellektuellen zugeneigt, wie von Belesenheit und Diskursgewandtheit zeugende Albentitel, etwa <em>Phrenology<\/em> (2002) oder <em>Game Theory<\/em> (2006), demonstrieren.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"The Roots - The Next Movement\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/qm7Xt2Qsjcg?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Verm\u00f6ge seiner historischen Konnotationen, die sowohl die Bilder des weisen Gelehrten wie auch des urigen Bergbauern umfassen, ist der Vollbart das probate Zeichen f\u00fcr The Roots. Er verweist auf Geist wie auch Materie, Fortschritt wie auch Tradition. \u00dcber den Roots-Schlagzeuger und -MC Questlove (geboren als Ahmir Khalib Thompson) schreibt <em>drummerworld.com<\/em>, er sei ein \u201eliving link between the digital science of modern hip-hop and the flesh-and-blood textures of vintage R&amp;B.\u201c<a href=\"#_edn41\" name=\"_ednref41\">[xli]<\/a> Doch Questlove verbindet noch mehr miteinander. Auf einem Bandfoto posiert er in einem T-Shirt, das den Schriftzug \u201eJohn &amp; Paul &amp; Ringo &amp; George\u201c tr\u00e4gt. Es ist logisch, dass sich gerade das vollb\u00e4rtigste Mitglied der Roots in die Tradition der Beatles oder besser gesagt der \u201eBeardles\u201c stellt (siehe Prolog). Unter den Beatles trug John Lennon den dicksten und rauschendsten Vollbart. Zugleich war er derjenige, der in der Flower-Power-\u00c4ra am intensivsten \u201equestions\u201c an die Gesellschaft richtete und sich der \u201equest for love\u201c zuwandte. Thompsons K\u00fcnstlername \u201eQuestlove\u201c wirkt vor diesem Hintergrund umso plausibler. Seine Autobiographie tr\u00e4gt den Titel <em>Mo\u2019 Meta Blues<\/em> (2013), kn\u00fcpft also rhetorisch an das Vollbart-Genre Blues an. Zu Beginn des Buchs erkl\u00e4rt Thompson: \u201eExperimenting is more interesting than just telling the story straight from A to Z.\u201c<a href=\"#_edn42\" name=\"_ednref42\">[xlii]<\/a> So kommt denn eines um eines zum anderen: Der Vollbart, der Differenz-Anspruch, das Erbe der Beatles und des Blues, Gegenwart und Vergangenheit, das Experimentelle und das Intellektuelle \u2013 das Cover von Questloves Autobiographie zieren bunte Fragezeichen, die einen b\u00e4rtigen Kopf umw\u00f6lken.<\/p>\n<p>Abseits des Rap-Olymps haben Vollb\u00e4rte im Hip-Hop des 21. Jahrhunderts durchaus Konjunktur; sei es, dass der um jeden Preis auffallen wollende Bl\u00f6del-Rapper MC Fitti einen Alp\u00f6hi-Bart zur Baseballm\u00fctze tr\u00e4gt (\u201eHey, ich bin MC Fitti, voll der Bart und auf dem Kopp ein K\u00e4ppi\u201c), sei es, dass k\u00fcnstlerisch-avantgardistische Rapper wie der Predigersohn und Poet Saul Williams ihre Kritik an der Korruption des kommerziellen Hip-Hops mit einem w\u00fcrdevollen Vollbart verst\u00e4rken: \u201eNiggas used to buy their families out of slavery\/Now we buy chains and links, smokes and drinks\u201c (\u201ePenny for a Thought\u201c, 2001). Williams erh\u00e4rtet die These, dass der Vollbart eine beliebte Geste der Identit\u00e4t\/Alterit\u00e4t, der Differenz und des Avantgardismus ist \u2013 was nicht hei\u00dft, dass Avantgardisten, Aktivisten, Dissidenten und Pioniere wie der Hip-Hop-Vision\u00e4r Afrika Bambaataa (siehe weiter unten) nicht auch problemlos ohne ihn auskommen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Alles in allem scheinen f\u00fcr den j\u00fcngeren Hip-Hop die ungeschriebenen Bart-Gebote zu gelten: B\u00e4rte, sch\u00f6n und gut, doch bitte kein spontanes Hervorbrechen unverf\u00e4lschter Energien wie bei der 68er-Generation; auch keine R\u00fcckbesinnung auf verlorene Urspr\u00fcnge oder goldene Zeitalter, wie es im 19. Jahrhundert die vollb\u00e4rtigen sozialistischen Kulturkritiker und mittelalterbegeisterten Galionsfiguren der britischen Arts &amp; Crafts-Bewegung, John Ruskin und William Morris, vorgemacht hatten. Waren deren Vollb\u00e4rte <em>gepflegt <\/em>und als Zeichen auf die Natur und auf eine goldene Vergangenheit bezogen, so waren und sind die Vollb\u00e4rte der Hip-Hopper <em>designt <\/em>und verwiesen auf den st\u00e4dtischen Raum und die Gegenwart. Das gilt auch f\u00fcr die meisten Mitglieder von The Roots, die im Gegensatz zu Questlove einen kurzen, urbanistischen Vollbart bevorzugen. Mag sich Hip-Hop auch gegen\u00fcber bestimmten Auspr\u00e4gungen der Moderne kritisch verhalten, so bejaht er die Moderne und den Fortschritt doch grunds\u00e4tzlich \u2013 in der Vergangenheit der afroamerikanischen Kultur liegen Sklaverei und Segregation, betrieben von vollb\u00e4rtigen wei\u00dfen Herrenmenschen, und nicht etwa die \u201egute alte Zeit\u201c, in die sich wei\u00dfe, westliche Kulturkritiker mitunter gerne zur\u00fccktr\u00e4umen.<a href=\"#_edn43\" name=\"_ednref43\">[xliii]<\/a> Die scheinbar unbegrenzten M\u00f6glichkeiten der Moderne hei\u00dft die auf \u201e<em>positivity<\/em>\u201c<a href=\"#_edn44\" name=\"_ednref44\">[xliv]<\/a> \u2013 konstruktives, aktives Verhalten \u2013 abzielende Hip-Hop-Szene gut. Damit steht sie im Gegensatz zum in weiten Teilen \u201e<em>negativity<\/em>\u201c kultivierenden Heavy Metal, der mit seiner Faszination f\u00fcr die Vormoderne einen virtuellen Keil zwischen sich und die Gegenwart treibt.<\/p>\n<p>Unter den Hip-Hop-Pionieren der 1970er und 80er Jahre in New York City bietet sich kein grundlegend anderes Bild.<a href=\"#_edn45\" name=\"_ednref45\">[xlv]<\/a> Einer der Gr\u00fcndungsv\u00e4ter des Hip-Hop, DJ Kool Herc, trat zwar schon in den 1970er Jahren mit Vollbart auf \u2013 ikonographisch war das schl\u00fcssig, ist sein K\u00fcnstlername doch eine verk\u00fcrzte Form von \u201eHercules\u201c, dessen popul\u00e4rste Darstellungen einen kr\u00e4ftigen Mann mit Vollbart zeigen (Herkules Farnese). Au\u00dferdem stammt Kool Herc aus dem vollb\u00e4rtigen Jamaika und legte zu Beginn seiner DJ-Laufbahn Reggae-Platten auf (siehe die Ausf\u00fchrungen zu The Bad Brains in 3.2).<a href=\"#_edn46\" name=\"_ednref46\">[xlvi]<\/a> Grandmaster Melle Mel wiederum trug als Markenzeichen einen auff\u00e4lligen Kinn-, Backen- und Schnurrbart, der im psychedelischen Video zu \u201eStepp Off\u201c (1984) durch Close-Ups ins Rampenlicht ger\u00fcckt wurde.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Grandmaster Melle Mel &amp; The Furious Five - Step Off\" width=\"625\" height=\"352\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/-_g7CZJMnJA?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Bei Grandmaster Flash and the Furious Five herrschte \u00fcberhaupt Bartvielfalt, vom <em>chin curtain<\/em> \u00fcber den Schnurrbart und Koteletten bis hin zum Ziegenb\u00e4rtchen. Doch als Afrika Bambaataa in den 1970er Jahren mit seiner Organisation Universal Zulu Nation den Stra\u00dfengangs der Bronx das Wasser abzugraben begann und \u201ekriminelle[n] Aktionismus \u2026 in kulturellen transformiert[e]\u201c<a href=\"#_edn47\" name=\"_ednref47\">[xlvii]<\/a>, war er nicht auf ehrfurchtgebietende, lange Vollb\u00e4rte angewiesen. Die politischen Stichwortgeber des fr\u00fchen sozialkritischen und agitatorischen Hip-Hop wie Martin Luther King (African-American Civil Rights Movement), Elijah Muhammad oder Louis Farrakhan (beide Nation of Islam) taten sich ebenfalls nicht durch Voll-, sondern allenfalls durch Schnurrb\u00e4rte (Luther King) hervor. Malcolm X (Nation of Islam) trug zeitweilig einen kompakten Henriquatre-Bart, den sich auch Vertreter der Black-Panther-Partei (u.a. Bobby Seale und Huey P. Newton) stehen lie\u00dfen, und aus dem sich vermutlich der minimalistischere <em>rap industry standard beard<\/em> entwickelt hat.<\/p>\n<p>Im Hip-Hop sind gepflegte, also nicht hippie\u2019eske Vollb\u00e4rte somit eine Option \u2013 heute, zur Zeit des milieus\u00fcbergreifenden Vollbart-Booms, mehr denn je<a href=\"#_edn48\" name=\"_ednref48\">[xlviii]<\/a> \u2013, doch weder haben sie einen besonderen Stellenwert noch haben sie zwingend jenen ins Allgemeine verweisenden Charakter der wirklich <em>vollen<\/em> Vollb\u00e4rte, die man aus der Hippie-Zeit etwa vom The-Grateful-Dead-S\u00e4nger Jerry Garcia kennt.<\/p>\n<p>Irgendwie \u201aanders\u2019 scheinen vollb\u00e4rtige Rapper aber dennoch zu sein. Den ersten Platz der Rangliste \u201eThe Largest Vocabulary in Hip Hop\u201c, die der Programmierer Matt Daniels berechnet hat, belegt, klar, ein reimender Vollbarttr\u00e4ger: der Rapper Aesop Rock, auch genannt \u201eMr. Complex\u201c. Er hat laut Michaels knapp 7400 eigene W\u00f6rter kreiert. Damit steckt er selbst Shakespeare \u2013 5170 eigene W\u00f6rter \u2013 locker in die Tasche.<a href=\"#_edn49\" name=\"_ednref49\">[xlix]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.6 Neo-Neo-Folk, Singer-Songwriter, Beard Rock<\/p>\n<p>Seit den letzten zwei Dekaden tragen neben den <em>anything goes beards<\/em> des Crossover<a href=\"#_edn50\" name=\"_ednref50\">[l]<\/a> diverse Indie- und Alternative-Pop-Protagonisten zur Renaissance des Vollbarts bei: Retrorocker, Singer-Songwriter, Neo-Neo-Folk-Musiker, die oft eine Low-Fi-\u00c4sthetik verfechten und die sich an den Liedermachern der 1960er und 70er Jahre orientieren. Waren Vollb\u00e4rte in der Kultur der elektronischen Musik, etwa in Techno und House, zumindest in den Anf\u00e4ngen f\u00f6rmlich diskriminiert worden, so feiern sie nun ein Comeback zu Klampfenkl\u00e4ngen und introvertierten Rezitativen. Auch hier kommt die Identit\u00e4ts-\/Alterit\u00e4tsgeste deutlich zur Geltung: Der Vollbart bezeichnet Abkehr, R\u00fcckkehr, Umkehr, aber auch (innere) Einkehr. Es \u00fcberrascht nicht, dass diejenigen Bands und Musiker, die oft als \u201everschroben\u201c charakterisiert werden, eine \u00fcberdurchschnittlich hohe Vollbartdichte aufweisen \u2013 man denke nur an Mark Everett von The Eels oder an die Musiker von Grandaddy mit ihrem vertr\u00e4umten Waldschrat-Image. Der Musiker und K\u00fcnstler Devendra Banhart tr\u00e4gt seinen Vollbart wie eine Hommage an die 1960er und 70er Jahre, als die Freaks zur Avantgarde wurden und dem Alltag ihren Stempel aufdr\u00fcckten. Guru-Reminiszenzen sind ausdr\u00fccklich gew\u00fcnscht. Konsequenterweise nennt man die Szene um Banhart \u201eFreak Folk\u201c. Songtexte \u00fcber f\u00fcr den Pop \u2013 auch f\u00fcr den subkulturellen \u2013 eher exotische Themen wie Hildegard von Bingen (Banhart) sind da keine Seltenheit. Mystik und Vollbart gehen eben gut miteinander einher \u2013 beide verbergen und zeigen, schweigen und kommunizieren gleichzeitig.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/paul.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5151\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/paul.jpg\" alt=\"4\" width=\"900\" height=\"900\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/paul.jpg 900w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/paul-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/paul-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/paul-768x768.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2015\/11\/paul-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Bei Singer-Songwritern wie Bonnie Prince Billy und William Fitzsimmons, den Taktgebern des \u201eBarden-Booms der vergangenen Jahre\u201c<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><\/a><a href=\"#_ednref51\" name=\"_edn51\">[li]<\/a>, steht der Vollbart f\u00fcr eine neue Sensibilit\u00e4t des Mannes jenseits des herk\u00f6mmlichen haarlosen Softietums, wie es die CD-Cover der <em>Bravo<\/em>&#8211;<em>Kuschelrock<\/em>-Reihe gepr\u00e4gt haben. Der Vollbart ist bei ihnen kein Wahrzeichen des Machismo wie bei Charlie Daniels, sondern bildet einen Schutzwall, hinter den sich diejenigen zur\u00fcckziehen k\u00f6nnen, denen die Hektik der Zeiten und die \u00d6ffentlichkeit des Privaten zu viel wird. Ungebrochen indes ist die Symbolik des Barts als Zeichen von Reife, Ernst und Identit\u00e4t\/Alterit\u00e4t.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu den idyllischen Bartlandschaften \u00e0 la ABBA sind die neuen Bardenb\u00e4rte nicht mitAssoziationen an humanistische Tugenden und sonnige Urlaube in Sm\u00e5land befrachtet. Ihre Tr\u00e4ger kn\u00f6deln ihre Songs auch nicht bei den schrillen Eurovision-Wettbewerben. Der Bardenbart der Gegenwart entfaltet seine Wirkung nur in Kombination mit einem Habitus des Versonnenen und Intimen sowie mit br\u00fcchigen, empfindsamen Stimmen, weshalb in der Presse bereits von der \u201eBruderschaft B\u00e4rtige-M\u00e4nner-mit-du\u0308nner-Stimme\u201c die Rede war.<a href=\"#_ednref52\" name=\"_edn52\">[lii]<\/a> Das <em>Urban Dictionary<\/em> hat daf\u00fcr das naheliegende Lemma \u201eBeard Rock\u201c aufgenommen: \u201eThe difference from regular indie\/folk music is that each group tends to sport facial hair \u2026 These artists emphasize the importance of the environment, overall camaraderie and independent thinking, making Henry David Thoreau look like a demigod. Examples of bands are: Fleet Foxes, Midlake, The Decemberists, Band of Horses, Mojave 3 and many more. One thing is for sure though, the beard is key to defining Beard Rock.\u201c<a href=\"#_ednref52\" name=\"_edn52\">[lii]<\/a> Mag die letzte Feststellung auch tautologisch sein, so verweist sie doch auf ein wesentliches Merkmal der Popmusik: Wenn die Musik an ihre Grenzen st\u00f6\u00dft, was schnell einmal der Fall ist, erledigt das Visuelle den Rest. Und sei es, dass man zu drastischen Mitteln wie dem langen Vollbart greifen m\u00fcsste. Die Art seines Einsatzes im <em>beard rock<\/em> entspricht der dort g\u00e4ngigen Abkehr von den flamboyanten, selbstherrlichen Gesten der Rockstars: \u201eDer triumphale H\u00f6hepunkt des Abends, den man noch bei starken S\u00e4ngern wie Little Richard oder konventionellen Pr\u00e4-Pop-Showgr\u00f6\u00dfen inszenierte, kommt nicht infrage. Stars des Typus Dylan oder Neil Young und ihre Millionen Nachfahren in Indie-Rock und Singer\/Songwriter-Kultur bis heute m\u00fcssen sich langsam und scheinbar passiv aus den Aufbauten der B\u00fchne heraussch\u00e4len.\u201c<a href=\"#_ednref54\" name=\"_edn54\">[liv]<\/a> Nicht anders verh\u00e4lt es sich mit den Gesichtsz\u00fcgen und der Mimik der Barden, die zwischen den dichten \u201aAufbauten\u2019 ihrer B\u00e4rte erst ersp\u00e4ht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">IV. Epilog<\/p>\n<p>Trotz unbestreitbarer ideologischer und habitueller Aufladungen in unterschiedlichen Phasen gleicht das Unterfangen, den Vollbart in der Popmusik ikonologisch bestimmen zu wollen, dem Versuch, einen Pudding an die Wand zu nageln. Gerade in unserer zunehmend vollb\u00e4rtigen Gegenwart l\u00f6sen sich viele der postulierten Zusammenh\u00e4nge zwischen Vollb\u00e4rten, Differenz, Dissens und Avantgarde in unverbindlichem Rundumgewuschel auf. Ob Techno-DJ, Metal-Mucker oder Folk-Barde, ob heterosexuell, homosexuell oder metrosexuell, ob Fetischobjekt oder Gem\u00fctlichkeitsverst\u00e4rker \u2013 der Vollbart, insbesondere der gestutzte und gepflegte, ist mehr denn je ein Accessoire unter vielen, seine Semantik weniger denn je verortbar. Die Frage lautet nicht mehr: warum einen Vollbart? Sondern: warum keinen Vollbart? Wem es w\u00e4chst, der lasse wachsen.<\/p>\n<p>So stellt sich denn beim Autor, \u00fcbern\u00e4chtigt und unrasiert in einem Warschauer Hotelzimmer diese Zeilen tippend, ein Gef\u00fchl der Vergeblichkeit, ja der Scham ob seiner naiven Beflissenheit ein \u2013 alles, was sich in den Popikonographien zu einem Paradigma zu verfestigen scheint, wird im n\u00e4chsten Moment appropriiert, revidiert, persifliert, transformiert. Im Vergleich mit der Popkultur war Ovid ein blutiger Anf\u00e4nger. Der Pop-Vollbart ist mal revolution\u00e4rer, mal religi\u00f6ser, mal ironischer, mal reaktion\u00e4rer, mal introvertierter, mal beliebiger Art. Nur wer die Kontexte kennt, in denen er getragen wird, wei\u00df um seine jeweilige Bedeutung \u2013 und so ist es am\u00fcsanterweise gerade der Pop, der etwas so biederes, so anachronistisches wie Kennerschaft verlangt. <em>Sorry, party people<\/em>.<\/p>\n<p>Gleichwohl bleibt der Vollbart, insbesondere der lange, \u00fcppige und rauschende, als Identit\u00e4ts-\/Alterit\u00e4ts- und Differenzgeste sowie als Marker von biographischen Wendepunkten relevant. Aus systemtheoretischer Sicht ist er weiterhin man\u00f6vrierf\u00e4hig: als Medium des Unterscheidens in seiner basalsten Form und als Statement jenseits von semantischen Essenzen, aber durchaus im Sinne der avantgardistischen Verk\u00f6rperung einer Haltung. Und selbstverst\u00e4ndlich taugt der Vollbart \u2013 anders als der auch unter Frauen verbreitete Oberlippenbart \u2013 immer noch zum Beweis souver\u00e4ner Geschlechtsidentit\u00e4t, weshalb er f\u00fcr Androgyne wie David Bowie oder Michael Jackson nicht oder nur ausnahmsweise in Frage kam.<\/p>\n<p>F\u00fcr die 1960er und, mit Abstrichen, f\u00fcr die 70er Jahre scheint der Zusammenhang zwischen Vollbart und Avantgarde in der Popmusik am klarsten ausgepr\u00e4gt zu sein, was den sp\u00e4teren Pop-Avantgarden, etwa in Punkrock und Hardcore, den Vollbart verunm\u00f6glichte. Innerhalb vollbartarmer oder -indifferenter Szenen wie dem Hip-Hop oder dem Heavy Metal, k\u00f6nnen Vollb\u00e4rte zur Binnendifferenzierung eingesetzt werden, siehe The Roots, Saul Williams, Amon Amarth oder Skyforger. Der Vollbartr\u00fcckgang in den tonangebenden R\u00e4ngen der Popmusik der 1980er Jahre k\u00f6nnte, mit der bei Periodisierungen stets gebotenen Vorsicht, als Best\u00e4tigung von Diederichsens These, dass sich um diese Zeit der \u00dcbergang von \u201ePop I\u201c (alternativ, gegenkulturell) zu \u201ePop II\u201c (affirmativ, massenkulturell) vollzieht, angesehen werden. Das gewisserma\u00dfen \u201avollbart\u2019eske\u2019 Element des <em>designer stubble look<\/em> korreliert mit dem damaligen Aufkommen des Avantgarde\u2019esken, der Quasi-Avantgarde. Die Wiedergeburt des langen Vollbarts unter den neuen Singer-Songwritern und Folkies gibt dem Vollbart wenigstens einen Teil seines Statement-Charakters zur\u00fcck, wenngleich dieses Statement nun leiser, verhaltener, apolitischer ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Eines aber ist erstaunlich: Wirklich durchgeknallte und exaltierte Vollbarttrachten, etwa B\u00e4rte in Form eines Vogelk\u00e4figs oder des Brandenburger Tors \u2013 ja, das soll schon vorgekommen sein \u2013, hat die Popmusik weder im Mainstream noch in ihren Nischen hervorgebracht. Paradoxerweise sind irre Over-the-Top-B\u00e4rte eher in den als konservativ bis hin zu reaktion\u00e4r geltenden Bartvereinen verbreitet, wo gerne auch mal dem Kaiser gedacht, Hymnen geschmettert und Humpen gestemmt werden. Hier gilt es f\u00fcr die Popmusik, Defizite wettzumachen. Der Avantbart sollte nicht der Retrogarde \u00fcberlassen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>[i] B., \u201eThe Beard\u201c, in: <em>The Crayon<\/em>, Vol. 6, Nr. 3, M\u00e4rz 1859, S. 70.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Zitiert nach: Hecken, Thomas, <em>Theorien der Popul\u00e4rkultur: Drei\u00dfig Positionen von Schiller bis zu den Cultural Studies<\/em>, Bielefeld: transcript, 2007, S. 44.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Gerade aufgrund ihrer Innovationsskepsis sind Mot\u00f6rhead andererseits wiederum avantgardistisch \u2013 in etwa so wie der jahrzentelang Zahlenreihen malende Konzeptk\u00fcnstler Roman Opa\u0142ka oder wie die Konzeptk\u00fcnstlerin Elaine Sturtevant, die Arbeiten anderer K\u00fcnstler appropriiert. Zum Verh\u00e4ltnis Mot\u00f6rhead und Post-Originalit\u00e4t siehe Scheller, J\u00f6rg, \u201eDie Pudel des Pops: Das neue Album von Mot\u00f6rhead will keine Experimente\u201c, in: <em>Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung<\/em>, Nr. 42, 2013, S. 46.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.metalhammer.co.uk\/news\/movember-2012-the-top-ten-best-rockheavy-metal-moustaches-ever\/10\/\">www.metalhammer.co.uk\/news\/movember-2012-the-top-ten-best-rockheavy-metal-moustaches-ever\/10\/<\/a> (Zugriff: 04.07.2013).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Peterkin, Allan, <em>One Thousand Beards. A Cultural History of Facial Hair<\/em>, Vancouver: Arsenal Pulp Press, 2002, S. 183.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> \u201eAlterit\u00e4t\u201c wird hier und im Folgenden im Sinne des \u201eAnderen\u201c einer Identit\u00e4t, welches diese erst bedingt, gebraucht. \u201eAlterit\u00e4t\u201c ist innerhalb einer bipolaren Struktur wesenhaft auf das Gegen\u00fcber bezogen und dahingehend nicht gleichbedeutend mit \u201efremd\u201c. Deshalb verwende ich das Wortpaar Identit\u00e4t\/Alterit\u00e4t und nicht nur eines der W\u00f6rter.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> Erst mit der M\u00f6glichkeit der Barttransplantation, die aktuell an Popularit\u00e4t gewinnt, beginnt sich dies zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Siehe Daniels, Charles, <em>Ain\u2019t No Rag. Freedom, Family, and the Flag<\/em>, Washington, D.C.: Regnery, 2003.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> Unter \u201ePop I \u201c versteht Diedrich Diederichsen den Pop als ein B\u00fcndel kritischer, gesellschaftspolitisch orientierter Sub- und Gegenkulturen in den, grob gesagt, 1960er und 70er Jahren, unter \u201ePop II\u201c den durchkommerzialisierten Massen-Pop seit, erneut grob gesagt, den 80er und vor allem den 90er Jahren, siehe Diederichsen, Diedrich, <em>Der lange Weg nach Mitte. Der Sound und die Stadt<\/em>, K\u00f6ln: Kiepenheuer &amp; Witsch, 1999, S. 272ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> Siehe Peterkin, S. 184: \u201eIndeed, the wearing of all various forms of facial hair increasingly signified discontent over the the Vietnam War which raged on during this period. Long hair, lamb chops, and beards, together with love beads and ethnic garb, became the uniform of the conscientious objector and draft dodger\u201c; siehe auch das Musical <em>Hair<\/em>, 1967.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> Am\u00fcsant ist, dass in Deutschland gleichzeitig mit den Beatles und den Rolling Stones das B\u00fcbchenwunder Heintje mit Songs wie \u201eHeidschi Bumbeidschi\u201c oder \u201eMama\u201c die Hitparaden anf\u00fchrte. Der Popmusik sind gnostische Szenerien nicht fremd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a> Ike Turner hatte in den fr\u00fchen 1950ern bereits die Vorlage geliefert, allerdings trug er zus\u00e4tzlich ein Ziegenb\u00e4rtchen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.philips.com\/e\/male-grooming\/how-to\/beards\/zappabeard.html\">www.philips.com\/e\/male-grooming\/how-to\/beards\/zappabeard.html<\/a> (Zugriff 11.04.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a> Winkler, Willi, <em>Bob Dylan. Ein Leben<\/em>, Reinbek: Rowohlt, Digitalbuch, 01.04.2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a> Hebdige, Dick, <em>Subculture. The Meaning of Style<\/em>, London\/New York: Routledge, 1988, S. 52.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref16\" name=\"_edn16\">[xvi]<\/a> Ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref17\" name=\"_edn17\">[xvii]<\/a> B\u00fcsser, S. 44.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref18\" name=\"_edn18\">[xviii]<\/a> Siehe u.a. Blush, Steven, <em>American Hardcore. A Tribal History<\/em>, Port Townsend, WA: Feral House, <sup>2<\/sup>2010, S. 141; Ensminger, David A., <em>Visual Vitriol. The Street Art and Subcultures of the Punk and Hardcore Generation<\/em>, Jackson, MS: University Press of Mississippi, 2011, S. 170.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref19\" name=\"_edn19\">[xix]<\/a> Die Rastafari-Glaubensrichtung basiert ma\u00dfgeblich auf dem Alten Testament.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref20\" name=\"_edn20\">[xx]<\/a> <a href=\"http:\/\/pioneersofbearddom.com\/2012\/11\/03\/barry-white\/\">http:\/\/pioneersofbearddom.com\/2012\/11\/03\/barry-white\/<\/a> (Zugriff 22.04.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref21\" name=\"_edn21\">[xxi]<\/a> Colacello, Bob, <em>Holy Terror: Andy Warhol Close Up<\/em>, New York: First Cooper Square Press, 2000, S. 252.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref22\" name=\"_edn22\">[xxii]<\/a> Wyss, Beat, <em>Nach den gro\u00dfen Erz\u00e4hlungen<\/em>, Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2009, S. 93.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref23\" name=\"_edn23\">[xxiii]<\/a> B\u00fcsser, Martin, <em>If the kids are united&#8230; Von Punk zu Hardcore und zur\u00fcck<\/em>, Mainz: Ventil, <sup>7<\/sup>2006, S. 31.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref24\" name=\"_edn24\">[xxiv]<\/a> Vgl. hierzu die Aussagen Fidel Castros, der seinen Erfolg als Revolutionsf\u00fchrer nicht zuletzt auf den Zeitgewinn durch Rasurverzicht zur\u00fcckf\u00fchrt, in: Stone, Oliver, <em>Comandante<\/em>, Mediaproduccion\/Pentagrama Films\/Morena Films: 2003.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref25\" name=\"_edn25\">[xxv]<\/a> B., 1859, S. 69.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref26\" name=\"_edn26\">[xxvi]<\/a> Zum Begriff \u201ePop II\u201c siehe Fu\u00dfnote 9.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref27\" name=\"_edn27\">[xxvii]<\/a> Peterkin, S. 184\u2013185.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref28\" name=\"_edn28\">[xxviii]<\/a> Diederichsen, Diedrich, <em>Sexbeat. 1972 bis heute<\/em>, K\u00f6ln: Kiepenheuer &amp; Witsch, 1985, S. 41.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref29\" name=\"_edn29\">[xxix]<\/a> Siehe ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref30\" name=\"_edn30\">[xxx]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.philips.com\/e\/male-grooming\/blog\/the-sensational-stubble-beard.html\">www.philips.com\/e\/male-grooming\/blog\/the-sensational-stubble-beard.html<\/a> (Zugriff 22.04.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref31\" name=\"_edn31\">[xxxi]<\/a> Zitiert nach: <a href=\"http:\/\/www.nme.com\/blogs\/nme-blogs\/remembering-trevor-bolder\">www.nme.com\/blogs\/nme-blogs\/remembering-trevor-bolder<\/a> (Zugriff: 08.04.2014)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref32\" name=\"_edn32\">[xxxii]<\/a> Jones, Dylan, <em>When Ziggy Played Guitar. David Bowie and Four Minutes that Shook the World<\/em>, London: Preface Publishing, 2012, S. 118.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref33\" name=\"_edn33\">[xxxiii]<\/a> Pegg, Nicholas, <em>The Complete David Bowie<\/em>, London: Titan Books, 2011, S. 374.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref34\" name=\"_edn34\">[xxxiv]<\/a> Siehe ebd., S. 375.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\">[xxxv]<\/a> Siehe ebd.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref35\" name=\"_edn35\">[xxxvi]<\/a>\u00a0Eine gute \u00dcbersicht bietet die Musikvideo-Kompilation <em>80&#8217;s Metal Music \u2013 A Trip Through 80s Metal 1980-1989<\/em> auf YouTube: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=dHrF946hGbI\">www.youtube.com\/watch?v=dHrF946hGbI<\/a> (Zugriff: 12.03.2014)<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref37\" name=\"_edn37\">[xxxvii]<\/a> Interview mit Bruce Dickinson, auf: Dunn, Sam\/McFayden, Scott, <em>Metal Evolution. Die komplette Serie<\/em>, DVD, Disc 1, 2012.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref38\" name=\"_edn38\">[xxxviii]<\/a> Ebd., Disc 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref39\" name=\"_edn39\">[xxxix]<\/a> B\u00fcsser, S. 50; vgl. Scheller, J\u00f6rg, \u201eWiderstand ist zwecklos. Heavy Metal kennt keine politischen Ideologien und pflegt neben seinen Ritualen ein fast schw\u00e4bisches Handwerksethos \u2013 so ist die Musik der gro\u00dfen Akkorde und noch gr\u00f6\u00dferen Gesten auf dem besten Wege, zu Kunst zu werden\u201c, in: <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, Nr. 176, 01.08.2012, S. 11.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref40\" name=\"_edn40\">[xl]<\/a> Siehe <a href=\"http:\/\/hiphop.de\/magazin\/news\/forbes-ver%C3%B6ffentlicht-die-20-erfolgreichsten-rapper-172544\">http:\/\/hiphop.de\/magazin\/news\/forbes-ver%C3%B6ffentlicht-die-20-erfolgreichsten-rapper-172544<\/a> (Zugriff 05.04.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref41\" name=\"_edn41\">[xli]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.drummerworld.com\/drummers\/Ahmir_Thompson.html\">www.drummerworld.com\/drummers\/Ahmir_Thompson.html<\/a> (Zugriff 24.04.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref42\" name=\"_edn42\">[xlii]<\/a> Thompson, Ahmir \u201eQuestlove\u201c, <em>Mo\u2019 Meta Blues: The World According to Questlove<\/em>, New York: Grand Central Publishing, 2013, S. 2.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref43\" name=\"_edn43\">[xliii]<\/a> Dass (Voll)B\u00e4rte in den USA des 19. Jahrhunderts ein Zeichen von <em>white supremacy<\/em> waren, zeigt Sean Trainor in seinem Artikel \u201eThe Racially Fraught History of the American Beard\u201c: \u201eThe 19th-century beard may have sprouted from a fear of razors and a distaste for black barber shops. But it grew into a symbol that set white American men apart from smooth-faced foreigners as well as powerful women at home\u201c, auf: <a href=\"http:\/\/www.theatlantic.com\/national\/archive\/2014\/01\/the-racially-fraught-history-of-the-american-beard\/283180\/\">www.theatlantic.com\/national\/archive\/2014\/01\/the-racially-fraught-history-of-the-american-beard\/283180\/<\/a> (Zugriff: 22.05.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref44\" name=\"_edn44\">[xliv]<\/a> Siehe Kage, Jan, <em>American Rap. Explicit Lyrics. US-HipHop und Identit\u00e4t<\/em>, Mainz: Ventil, <sup>4<\/sup>2014, S. 49.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref45\" name=\"_edn45\">[xlv]<\/a> Siehe Kugelberg, Johan (Hg.), <em>Born in the Bronx. Die Anf\u00e4nge des Hip Hop<\/em>, Hamburg: Edel, 2010.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref46\" name=\"_edn46\">[xlvi]<\/a> Siehe ebd., S. 47.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref47\" name=\"_edn47\">[xlvii]<\/a> Ebd., S. 50.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref48\" name=\"_edn48\">[xlviii]<\/a> Siehe <a href=\"http:\/\/article.wn.com\/view\/2013\/03\/20\/The_20_Coolest_Beards_In_HipHop_Right_Now\/\">http:\/\/article.wn.com\/view\/2013\/03\/20\/The_20_Coolest_Beards_In_HipHop_Right_Now\/<\/a> (Zugriff 22.04.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref49\" name=\"_edn49\">[xlix]<\/a> Siehe <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/wortschatz-im-vergleich-hip-hop-schlaegt-shakespeare-1.1950261\">www.sueddeutsche.de\/kultur\/wortschatz-im-vergleich-hip-hop-schlaegt-shakespeare-1.1950261<\/a> (Zugriff 05.08.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref50\" name=\"_edn50\">[l]<\/a> Siehe Peterkin, S. 190\u2013195.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref51\" name=\"_edn51\">[li]<\/a> Hanske, Paul-Philipp, \u201eKuscheltechno\u201c, in: <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, Nr. 78, 04.04.2013, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref52\" name=\"_edn52\">[lii]<\/a> Fellmann, Max, \u201eScott Matthew\u201c, in: <em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>, Nr. 145, 26.06.2013, S. 13.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref53\" name=\"_edn53\">[liii]<\/a> <a href=\"http:\/\/de.urbandictionary.com\/define.php?term=Beard%20Rock\">http:\/\/de.urbandictionary.com\/define.php?term=Beard%20Rock<\/a> (Zugriff: 30.03.2014).<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref54\" name=\"_edn54\">[liv]<\/a> Diederichsen, Diedrich, <em>\u00dcber Popmusik<\/em>, K\u00f6ln: Kiepenheuer &amp; Witsch, 2014, S. 157.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags Frank Steiner.<\/p>\n<p>Weitere Hinweise zum Sammelband \u201eAnything Grows\u201c, in dem der Aufsatz zuerst erschienen ist, <a title=\"verlagsinformation\" href=\"http:\/\/www.steiner-verlag.de\/titel\/60218.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn Sie den Aufsatz im wissenschaftlichen Zusammenhang zitieren wollen, benutzen Sie bitte die Buchfassung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"homepage scheller\" href=\"http:\/\/www.joergscheller.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">J\u00f6rg Scheller<\/a> ist Dozent f\u00fcr Kunsttheorie und Kunstgeschichte im Departement Kunst &amp; Medien, Bachelor Medien &amp; Kunst, Vertiefung Fotografie an der Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verbergen und zeigen<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[292,1541,1848],"class_list":["post-5140","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-bart","tag-mode","tag-popmusik"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5140","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5140"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5140\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5140"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5140"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5140"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}