{"id":5234,"date":"2015-12-23T16:39:32","date_gmt":"2015-12-23T14:39:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5234"},"modified":"2015-12-23T16:39:32","modified_gmt":"2015-12-23T14:39:32","slug":"mode-dezembervon-stefanie-roenneke23-12-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2015\/12\/23\/mode-dezembervon-stefanie-roenneke23-12-2015\/","title":{"rendered":"Mode Dezembervon Stefanie Roenneke23.12.2015"},"content":{"rendered":"<p>K\u00f6rpertrends: die Vielfalt der weiblichen Sch\u00f6nheit?<!--more--><\/p>\n<p>Die Frage nach dem \u00e4sthetisch Gelungenen unterliegt sowohl in der Kunst als auch am menschlichen K\u00f6rper einem steten kulturellen Wandel. War das Sch\u00f6ne bei Kant die Aussage eines subjektiven interessenlosen Geschmacksurteils, dass sich auf \u203areizlose\u2039 Werke oder Gegenst\u00e4nde bezieht, k\u00f6nnen eigenst\u00e4ndig integrale Erfahrungen, visuelle Reize der K\u00f6rperformen oder eine intensive Ver\u00e4nderung des Weltbildes ebenfalls als \u203asch\u00f6n\u2039 verstanden werden.<\/p>\n<p>Ansichten \u00fcber einen sch\u00f6nen Menschen ver\u00e4ndern sich ebenfalls regelm\u00e4\u00dfig. Dabei nimmt der K\u00f6rper eine besondere Rolle innerhalb der Sch\u00f6nheitskultur ein. Zeitlos erscheint demgegen\u00fcber die Pr\u00e4ferenz bestimmter Gesichtsproportionen. Die ber\u00fchmten Gesichter der Nofretete (1340 v. Chr.), der Venus von Botticelli (1485-86) oder Michelangelos David (1501-04) werden heute ebenso als sch\u00f6n empfunden wie die Gesichter zeitgen\u00f6ssischer Models.<\/p>\n<p>Abseits von Bodyma\u00dfindex und K\u00f6rperfettanteil ist zu beobachten, dass sch\u00f6n ist, was Individualit\u00e4t und Aufmerksamkeit schafft \u2013 sei es in TV-Shows, Werbung oder in denen mit Bildern durchsetzten sozialen Netzwerken. Es tritt dort oftmals ein \u00bbSch\u00f6nheitseffekt der Abweichung\u00ab (Macho 2014, 49) hervor. Dieser wird dadurch beg\u00fcnstigt, dass \u00bb[j]eder K\u00f6rperteil [&#8230;] nun als Fragment so dominant werden [kann], wie es jahrhundertelang dem Gesicht vorbehalten war\u00ab (Posch 2010, 199). Ein besonders popul\u00e4res Ph\u00e4nomen ist die Ges\u00e4\u00df-Inszenierung von Kim Kardashian. Das zur Schau gestellte Extreme erinnert aber gleichzeitig an die groteske Darstellung des Weiblichen, die der Parodie zugeordnet wird. Jedoch steht bei Kim Kardashian nicht die alternde Weiblichkeit oder das exzessive Andere im Vordergrund, das auf k\u00f6rperlichen Verfall verweist.<\/p>\n<blockquote class=\"instagram-media\">\n<div style=\"padding: 8px\">\n<div style=\"background: #f8f8f8 none repeat scroll 0% 0%;line-height: 0;margin-top: 40px;padding: 62.5143% 0px;width: 100%\"><\/div>\n<p style=\"color: #c9c8cd;font-family: Arial,sans-serif;font-size: 14px;line-height: 17px;margin-bottom: 0;margin-top: 8px;overflow: hidden;padding: 8px 0 7px;text-align: center\"><a style=\"color: #c9c8cd;font-family: Arial,sans-serif;font-size: 14px;font-style: normal;font-weight: normal;line-height: 17px;text-decoration: none\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/-6rJhCpwnW\/\" target=\"_blank\">Ein von Paper Magazine (@papermagazine) gepostetes Foto<\/a> am 5. Dez 2015 um 8:26 Uhr<\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p>Die Prominenz des Fragments besteht auch bei der lettischen S\u00e4ngerin Viktoria Modesta: extravagante Prothesen ersetzen ihren fehlenden linken Unterschenkel. Was jahrhundertelang als Krankengeschichte verfasst worden w\u00e4re, erh\u00e4lt bei ihr eine besondere Beachtung als \u203aSch\u00f6nheitsfleck\u2039. Die Amputation wird nicht verschleiert, sondern zur Schau gestellt. Zwar wird dadurch die K\u00fcnstlichkeit betont, jedoch verschmilzt die Prothese mit ihrer Tr\u00e4gerin zugleich. Der vermeintliche Makel wird zum unverwechselbaren Markenzeichen stilisiert.  Das kanadische Model Winnie Harlow alias Chantelle Brown-Young w\u00fcrde sich unbemerkt in die Reihe unz\u00e4hliger Kandidatinnen der Show <em>America\u2019s Next Topmodel<\/em> einreihen. Jedoch hebt sie sich durch ihre Pigmentst\u00f6rung Vitiligo von der Masse ab. Anstatt Camouflage-Make-up zu benutzen, betont sie vielmehr ihre Andersartigkeit. Das Fehlen einer gleichm\u00e4\u00dfigen Pigmentierung wird hier nicht zum Hindernis f\u00fcr eine Modellkarriere, sondern als Chance f\u00fcr ebendiese genutzt, beg\u00fcnstigt dadurch, dass sich bei ihr die Pigmentst\u00f6rung gleichm\u00e4\u00dfig ausgepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<blockquote class=\"instagram-media\">\n<div style=\"padding: 8px\">\n<div style=\"background: #F8F8F8;line-height: 0;margin-top: 40px;padding: 38.7037037037% 0;text-align: center;width: 100%\"><\/div>\n<p>\u00a0 <a style=\"color: #c9c8cd;font-family: Arial,sans-serif;font-size: 14px;font-style: normal;font-weight: normal;line-height: 17px;text-decoration: none\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/_huBH6Hug_\/\" target=\"_blank\">Ein von \u2654Winnie\u2654 (@winnieharlow) gepostetes Foto<\/a> am 20. Dez 2015 um 12:21 Uhr\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p>Das Sch\u00f6ne als Form der Abweichung wird auch bei moderaten bis hin zu extremen Piercings, Schmucknarben, Implantaten oder Tattoos angestrebt, die lange Zeit als soziales Stigma gewertet wurden. Hinzu kommt, dass \u00bbdie Darstellung der Schmerzen tats\u00e4chlich oft der Hervorbringung einer besonderen, unverwechselbaren Sch\u00f6nheit\u00ab (Macho 2014, 49) dient. Gotthold Ephraim Lessing hat am Beispiel der Laokoon-Gruppe ausgef\u00fchrt, dass er im dargestellten Todeskampf Laokoons und seiner S\u00f6hne eine \u00bbSeelensch\u00f6nheit\u00ab wahrgenommen hat. Da aber der Glaube an den Dualismus von K\u00f6rper und Seele hinf\u00e4llig ist, bleibt dann nur die reale Schmerzerfahrung als Distinktionsmoment.<\/p>\n<p>Neben der Abweichung durch das K\u00f6rperfragment und den Schmerz wird das Sch\u00f6ne zudem mit dem Urspr\u00fcnglichen, Verg\u00e4nglichem oder Erlebten in Relation gesetzt. In diesem Fall ist es eine R\u00fcckkehr des Kreat\u00fcrlichen (im besten Sinne) in die Kultur, indem die Natur in der Gesellschaft betont wird. Seit 2004 r\u00fcckt Dove mit den \u00bbReal Beauty\u00ab-Kampagnen \u203anat\u00fcrliche\u2039 weibliche K\u00f6rper in den Fokus. Sogar RTL war Anfang 2015 zusammen mit Guido Maria Kretschmer auf der Suche nach <em>Deutschlands sch\u00f6nster Frau<\/em>. Sch\u00f6nheit wurde zwar mit Begriffen wie Aussehen, Style, Ausstrahlung und Sex-Appeal besetzt, jedoch sollten Herz, Verstand und Pers\u00f6nlichkeit eine ebenso gro\u00dfe Rolle spielen. Entgegen des immer noch anhaltenden Anti-Aging-Hypes zierte eine Werbekampagne von C\u00e9line die 80 Jahre alte Autorin Joan Didion, und f\u00fcr den Pirelli-Kalender 2016 setzte Annie Leibovitz unter anderem die K\u00fcnsterlin Yoko Ono, die Musikerin Patti Smith und die Sportlerin Serena Williams in Szene. Der Teaser auf <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/stil\/pirelli-kalender-annie-leibovitz-fotografiert-frauen-a-1065388.html\" target=\"_blank\">Spiegel Online<\/a> lautete: \u00bbSie zeigt mollige Frauen, alte Frauen und angezogene Frauen. Wie sch\u00f6n!\u00ab.<\/p>\n<blockquote class=\"instagram-media\">\n<div style=\"padding: 8px\">\n<div style=\"background: #F8F8F8;line-height: 0;margin-top: 40px;padding: 62.5% 0;text-align: center;width: 100%\"><\/div>\n<p style=\"color: #c9c8cd;font-family: Arial,sans-serif;font-size: 14px;line-height: 17px;margin-bottom: 0;margin-top: 8px;overflow: hidden;padding: 8px 0 7px;text-align: center\"><a style=\"color: #c9c8cd;font-family: Arial,sans-serif;font-size: 14px;font-style: normal;font-weight: normal;line-height: 17px;text-decoration: none\" href=\"https:\/\/www.instagram.com\/p\/-vcBlwqZFH\/\" target=\"_blank\">Ein von @chloekellymiller gepostetes Foto<\/a> am 30. Nov 2015 um 23:42 Uhr<\/p>\n<\/div>\n<\/blockquote>\n<p>Doch das andere Sch\u00f6ne bleibt die kurzweilige Abweichung von der Norm: d\u00fcnn, jung, nackt, makellos \u2013 wie sch\u00f6n. Zudem scheint die Betonung der Wiederherstellung der \u203aNorm\u2039 bei einer nat\u00fcrlichen k\u00f6rperlichen \u203aAbweichung\u2039 ein wichtiges Ritual: regelm\u00e4\u00dfig pr\u00e4sentiert am Beispiel flacher B\u00e4uche, die kurz nach der Geburt eines Kindes in die Kamera gehalten werden: Die kontinuierliche K\u00f6rperarbeit durch Sport und Vermeidung eines Exzesses bei der Nahrungsaufnahme \u00fcberh\u00f6ht inszeniert durch das Verschwundene.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Literaturnachweise<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Thomas Macho, \u00bbWas passiert, wenn wir uns in ein Bild verwandeln\u00ab, in: Philosophie Magazin Nr. 3 April\/Mai 2014, S. 48-49.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">Waltraud Posch, Gesellschaft auf dem Laufsteg. Neun Thesen zur K\u00f6rperarbeit und Sch\u00f6nheitshandeln aus soziologischer Sicht, in: Was ist sch\u00f6n?, Wallstein Verlag 2010, S 198-205.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>K\u00f6rpertrends: die Vielfalt der weiblichen Sch\u00f6nheit?<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[95111,1289,1549,2079],"class_list":["post-5234","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-abweichung","tag-korper","tag-modetrends","tag-schoenheitsideal"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5234","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5234"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5234\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5234"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5234"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5234"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}