{"id":5306,"date":"2016-01-04T21:27:26","date_gmt":"2016-01-04T19:27:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5306"},"modified":"2016-01-04T21:27:26","modified_gmt":"2016-01-04T19:27:26","slug":"good-platform-political-reasons-for-bad-platform-datavon-johannes-passmann-und-carolin-gerlitz4-1-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/01\/04\/good-platform-political-reasons-for-bad-platform-datavon-johannes-passmann-und-carolin-gerlitz4-1-2016\/","title":{"rendered":"\u201aGood\u2018 platform-political reasons for \u201abad\u2018 platform-datavon Johannes Pa\u00dfmann und Carolin Gerlitz4.1.2016"},"content":{"rendered":"<p>Fav, Retweet und Like<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">[leicht \u00fcberarbeitete Fassung eines Aufsatzes aus: Mediale Kontrolle unter Beobachtung 3.1 \/ 2014]<\/p>\n<p>Social-Media-Plattformen wie Twitter oder Facebook erm\u00f6glichen Nutzerinteraktionen durch eine Vielzahl vordefinierter Handlungs\u00adoptionen: Auf Twitter k\u00f6nnen Nutzer durch Retweets, @replies oder Favorites auf Inhalte reagieren, bei Facebook gibt es Likes, Shares und Kommentare als Reaktionsm\u00f6glichkeiten. In der Big-Data-Diskussion wird dabei oft herausgestellt, dass Plattformen damit nicht nur bestimm\u00adte Nutzeraktivit\u00e4ten strukturieren, hervorbringen oder beschr\u00e4nken, sondern diese Interaktionen damit gleichzeitig in vergleichbare Daten \u00fcberf\u00fchren (Savage und Burrows 2007). Nutzeraktivit\u00e4ten und ihre Erfassung fallen also zusammen und produzieren transaktionale Daten. Diese sind auch f\u00fcr die Forschung von besonderem Interesse, da Akti\u00advit\u00e4ten automatisch und standardisiert erfasst werden. Damit geht die Hoffnung einher, Soziales in seiner Ganzheitlichkeit erfassen zu k\u00f6nnen: \u201eVirtual worlds, which by their nature capture a complete record of indi\u00advi\u00addual behavior, offer ample opportunities for research \u2013 experi\u00admen\u00adtation that would otherwise be impossible or unacceptable\u201c (Lazer et al. 2009: 722).<\/p>\n<p>Die Voraussetzungen hierf\u00fcr kann man in Anlehnung an den Infor\u00adma\u00adtionswissenschaftler Philip Agre beschreiben, der f\u00fcr solche Ph\u00e4no\u00admene den Begriff der \u201aGrammar of Action\u2018 gepr\u00e4gt hat (1994). Diese Grammatik bezieht sich auf einen Katalog von vorstrukturierten Optio\u00adnen, die Aktionsm\u00f6glichkeiten von Nutzern auf Plattformen definieren und die \u00dcberf\u00fchrung dieser Aktivit\u00e4ten in Datens\u00e4tze erm\u00f6glichen. Nutzeraktivit\u00e4ten sind, so Agre, nur im Rahmen dieser Optionen m\u00f6glich, die jedoch beliebig kombiniert werden k\u00f6nnen. Dieses System erlaubt eine besondere Form der Datenerfassung, die Agre als \u201aCapture System\u2018 bezeichnet und vom Prinzip \u201aSurveillance\u2018 abgrenzt. W\u00e4hrend bei \u201aSurveillance\u2018 Aktivit\u00e4ten und ihre Erfassung zeitlich und r\u00e4umlich auseinanderfallen, was Agre mit der Disziplinargesellschaft assoziiert, fallen Handlung und deren Erfassung im \u201aCapture System\u2018 zusammen und bilden demnach das Erfassungsprinzip der Kontrollgesellschaft. Wollte man Plattformaktivit\u00e4ten als eine solche Grammatik konzep\u00adtu\u00adali\u00adsieren, stie\u00dfe man bei der Morphologie dieser Grammatiken auf unter\u00adschied\u00adliche Plattformpolitiken: Manche Plattformen nutzen eine grobk\u00f6rnige Gram\u00admatik, die sie \u00fcber die Zeit wenig ver\u00e4ndern, wie zum Beispiel Twitter. Andere Plattformen, wie Facebook, zeichnen sich durch eine h\u00f6here Granularit\u00e4t aus.<\/p>\n<p>In diesem Aufsatz m\u00f6chten wir uns solchen Plattformaktivit\u00e4ten<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><sup>[1]<\/sup> <\/a>in einem datenkritischen Sinne nicht vom Kern ihrer Chancen und Probleme f\u00fcr Forschung und \u00dcberwachung, sondern von den R\u00e4ndern ihrer Potenziale her n\u00e4hern. Die dabei entstehenden Daten \u00fcber Nutzer\u00adaktivit\u00e4ten d\u00fcrften nur scheinbar einen \u201ecomplete record of individual behavior\u201c erzeugen (Lazer et al. 2009) und damit auch nur scheinbar ein \u201eCapture System\u201c (Agre 1994) erm\u00f6glichen: Indem Plattformaktivit\u00e4ten eine direkte Verbindung zwischen Praktiken und den dabei erzeugten Daten herstellen, werden Daten von Nutzeraktivit\u00e4ten aggregierbar. Inwiefern dabei aber tats\u00e4chlich Verhalten erfasst werden kann und wenn ja, welches, erscheint disputabel: Es handelt sich zwar um vor\u00adstruk\u00adturierte Aktivit\u00e4ten, doch diese sind zugleich unterbestimmt.<\/p>\n<p>\u00dcberlegungen, die darauf verweisen, dass es sich bei Plattformaktivi\u00adt\u00e4ten nicht um Abbilder von \u201aVerhalten\u2018 handelt, sondern dass es einen Spielraum zwischen tats\u00e4chlichen Praktiken und ihrer Verdatung gibt, finden sich bereits bei Jos\u00e9 van Dijck (2012). Van Dijck spricht in diesem Kontext in Anlehnung an Pinch und Bijker von einer <em>interpretativen Flexibilit\u00e4t<\/em>, die typisch f\u00fcr jede technologische Entwicklung sei: \u201e[&#8230;] each technological artefact, during the first stages of development, has diffe\u00adrent meanings and interpretations for various relevant social groups\u201c (van Dijck 2012: 333). In ihrer Analyse der Anfangsjahre von Twitter (2006-2011) zeichnet van Dijck nach, wie die Plattform unterschiedliche Nutzerszenarien schafft und bedient, welche sich im Laufe der Zeit stabilisieren oder diversifizieren k\u00f6nnen. Auf diese Entwicklung nimmt nicht nur die Plattform Einfluss, vielmehr stellt sie ein komplexes Zu\u00adsam\u00admenspiel von Nutzerpraktiken, Business-Modellen, Plattformpo\u00adli\u00adtik, Drittanbietern und externen Entwicklern dar (ebd.: 18, siehe f\u00fcr \u00e4hnliche \u00dcberlegungen auch Halavais 2014, Bodle 2010, Bechmann 2013).<\/p>\n<p>Bisher sind solche Aushandlungsprozesse jedoch nur teilweise in einer kollektiven \u00dcbereinkunft \u00fcber Nutzungsweisen und Bedeutung von Plattformaktivit\u00e4ten gem\u00fcndet; so stellt van Dijck fest: \u201eTwitter\u2019s meaning has not stabilized yet\u201c (2012: 19), da sich jede \u00c4nderung der Nutzung, des Designs und der Ertragsmodelle auf die anderen Akteure auswirken kann. Plattformen selbst hingegen stellen diesen komplexen Prozess in der Regel vereinfacht als \u201abottom-up\u2018 bzw. nutzergetrieben dar (vgl. kritisch dazu Halavais 2014), unter anderem auch, um dadurch den Blick von ihren eigenen Interessen wegzulenken.<\/p>\n<p>Handelt es sich bei dieser interpretativen Flexibilit\u00e4t, bei diesem Spiel\u00adraum zwischen Praktiken und deren Verdatung um einen Mangel, der bald behoben sein wird, wenn sich \u201adie Bedeutung Twitters\u2018 (und ver\u00adgleichbarer Ph\u00e4nomene) stabilisiert hat? Unsere These lautet: F\u00fcr die Unterbestimmtheit oder Vagheit von Daten gibt es gute Gr\u00fcnde \u2013 nicht nur f\u00fcr Nutzer, sondern auch f\u00fcr Plattformen. In gewisser Hinsicht k\u00f6nnte man diese Nutzerdaten als \u201aschlechte\u2018 Daten bezeichnen, \u00e4hnlich wie Harold Garfinkel in seinem Aufsatz \u201e\u201aGood\u2018 organizational reasons for \u201abad\u2018 clinical records\u201c (1967a) herausgestellt hat, dass Krankenakten prinzipiell \u201aschlechte\u2018 Aufzeichnungen enthalten. \u00dcber mehrere Jahre hinweg hatte Garfinkel zusammen mit Egon Bittner untersucht, nach welchen Kriterien Patienten in der Psychiatrie des Klinikums der Uni\u00adver\u00adsity of California in Los Angeles f\u00fcr eine Behandlung ausgew\u00e4hlt wurden. Daf\u00fcr werteten sie Anfang der 1960er-Jahre Krankenakten aus, also Daten, die \u2013 \u00e4hnlich wie bei Plattformdaten \u2013 per Selbstbericht \u00fcber ein Formular ausgef\u00fcllt wurden. Wichtiger als ihre Ergebnisse \u00fcber Krankenhauspopulationen erscheint aus unserer Sicht ihr Befund, \u201edass die Inhalte von Krankengeschichten aus Respekt vor der M\u00f6glichkeit gesammelt werden, dass die Therapeut-Patient-Beziehung vielleicht ein\u00admal konstruiert werden muss als eine Beziehung, die den Erwartungen sanktionierbarer Leistungen durch Klinikmitarbeiter und Patienten entsprochen hat. Darin liegen die \u201aguten Gr\u00fcnde\u2018, \u201aschlechte\u2018 Klinikakten herzustellen\u201c (Garfinkel 2000: 111). Je \u201aschlechter\u2018, d.h. je ungenauer die Akten sind, umso leichter werden sich \u00c4rzte in Zukunft f\u00fcr das rechtfertigen k\u00f6nnen, was in den Akten steht \u2013 wenn es etwa zu einem Gerichtsprozess kommt.<\/p>\n<p>Unsere Annahme ist dabei zun\u00e4chst, dass es Parallelen zwischen den von Garfinkel erforschten Formularen und Plattformdaten gibt, wie es Tristan Thielmann (2012) nahelegt. Dies erscheint aus unserer Perspektive plausibel, da es auch bei Plattformen darum geht, \u201edass einheitliche Informationen f\u00fcr zuk\u00fcnftige, aber unbekannte Zwecke gewonnen werden\u201c (Garfinkel 2000: 115). Diejenigen, die die Formulare \u00fcber ihre eigenen Aktivit\u00e4ten f\u00fcr unbekannte Zwecke ausf\u00fcllen, werden also auch auf Social-Media-Plattformen gute Gr\u00fcnde haben, sie so auszu\u00adf\u00fcllen, dass sie sich in Zukunft anders rechtfertigen k\u00f6nnen, als dies zum Zeitpunkt des Ausf\u00fcllens vorhersehbar war. Auf der anderen Seite d\u00fcrfte es damit auch f\u00fcr eine Plattform von zentralem Interesse sein, ihre Platt\u00adform\u00adaktivit\u00e4ten so zu gestalten, dass Nutzer sie in einer solch vagen, antizipierenden Weise ausf\u00fcllen k\u00f6nnen, ohne dabei die Plattform selbst unattraktiv zu machen.<\/p>\n<p>Trotz dieser Parallele k\u00f6nnen Krankenakten und Plattformdaten nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden. Krankenakten zu erzeugen, ist eine selbstberichtende Praxis, die in vielerlei Hinsicht eher der Logik der Disziplinargesellschaft folgt: Krankenhausangestellte <em>m\u00fcssen<\/em> Akten f\u00fchren, weil sie Angestellte mit Arbeitsvertr\u00e4gen sind, die Weisungen zu erf\u00fcllen haben. Plattformen allerdings \u2013 zumindest aufseiten der Endnutzer \u2013 folgen vielmehr der Logik der Kontrollgesellschaft: Nutzer <em>d\u00fcrfen<\/em> Tweets schreiben, faven, retweeten etc.; einfordern kann man dies von Nutzern allerdings nicht. Im Gegenteil: Man kann ihnen h\u00f6chstens die Teilhabe verweigern, wenn sie sich nicht an die (epistemischen, sozialen oder technischen) Protokolle einer Plattform halten (siehe hier\u00adzu Galloway 2004 bzw. Deleuze 1992). Dieser zentrale Unterschied tritt insbesondere dann zutage, wenn man sich der Frage zuwendet, wie die interpretative Offenheit in den Formularen \u2013 auf denen sowohl Krankenakten als auch Plattformaktivit\u00e4ten beruhen \u2013 genutzt wird. W\u00e4hrend sich Krankenhausangestellte eher in Richtung von <em>Regelverst\u00f6\u00dfen<\/em> bewegen, je mehr sie den Spielraum ausnutzen, den ihre Vorgesetzten ihnen vorschreiben, wird die Nutzung der interpretativen Freiheit durch Plattformnutzer meist als <em>Aneignung<\/em> oder <em>Innovation <\/em>konzeptualisiert (Halavais 2014). So zeichnen sich viele erfolgreiche Plattformen dadurch aus, dass sie Nutzer geradezu ermutigen, die Vorgaben der Plattform zu \u00fcberschreiten und neue Nutzungspraktiken zu entwickeln, sodass die Plattform sich selbst und ihre \u201aAkten\u2018 an die Praktiken der Nutzer anpas\u00adsen und entsprechend der Nutzerw\u00fcnsche entwickeln kann \u2013 immerhin ste\u00adhen sie in Konkurrenz zu anderen Plattformen, die auch um Nutzer werben.<\/p>\n<p>Beide Formulararten \u2013 Krankenakten und Social-Media-Interfaces \u2013 m\u00fcssen zwischen zwei entgegengesetzten Anspr\u00fcchen verhandeln: Im Fall der Krankenakten ist dies einerseits die Pflicht, den medizinischen Sachverhalt zu erfassen, andererseits diese Erfassung so vage zu halten, dass man unter noch nicht bekannten zuk\u00fcnftigen Umst\u00e4nden darlegen k\u00f6nnen wird, sich im von einem selbst beschriebenen Sachverhalt vertragskonform verhalten zu haben. Garfinkel stellt daher fest, Kranken\u00adakten h\u00e4tten stets eine <em>aktuarielle<\/em> Dimension als informierende Beschrei\u00adbung eines Sachverhalts und eine <em>kontraktuelle<\/em> als Vorwegnahme m\u00f6glicher zuk\u00fcnftiger Rechtfertigungen (vgl. Garfinkel 2000: 118). Eine solche dilemmatische Stellung zwischen Pr\u00e4zision und Vagheit nehmen Tarleton Gillespie (2010) zufolge auch Plattformen und Plattformdaten ein. Sie seien \u201especific enough to mean something, and vague enough to work across multiple venues for multiple audiences\u201c (ebd.: 349). Wie Gillespie herausstellt, m\u00fcssen Plattformen zwischen einer ganzen Reihe von Funktionen vermitteln; sie sind Schnittstellen zu einer Vielzahl von Akteuren (ebd.: 358). Denn sie richten sich nicht nur an die Endnutzer, sondern m\u00fcssen auch Relevanz f\u00fcr Werbepartner schaffen und Schnitt\u00adstellen zu Drittanbietern, Social-Media-Analysten, App-Entwicklern und weiteren Akteuren herstellen. Dies h\u00e4ngt mit dem f\u00fcr Plattformen im Allgemeinen grundlegenden Prinzip zusammen, dass es sich bei ihnen um Kooperationsmedien handelt, die konkrete Zusammenh\u00e4nge wie Netzwerke nicht einfach beinhalten, wie Keating und Cambrosio (2003) vor dem Hintergrund biomedizinischer Plattformen feststellen: \u201erather, they account for the generation of networks or, at the very least, they are a condition of possibility for the very existence and transfor\u00admation of networks\u201c (ebd.: 324).<\/p>\n<p>Die Mittelstellung, die Plattformen als Kooperationsmedien einneh\u00admen, ist eng mit der Frage verwoben, was f\u00fcr Daten solche Plattformen erzeugen. Im Folgenden m\u00f6chten wir daher versuchen, nachzuzeichnen, wie Plattformen zwischen diesen diversen Anspruchshaltungen vermit\u00adteln, indem wir uns auf Plattformaktivit\u00e4ten, die daraus resultierenden Daten und ihre De- und Rekontextualisierung durch verschiedene Ak\u00adteure konzentrieren und betrachten, wie Plattformen ihre \u201eGrammar of Action\u201c (Agre 1994) innovieren und entwickeln. Solche Prozesse er\u00adschei\u00adnen manchmal von Plattformen vorangetrieben, wie in unserem ersten Beispiel, Facebooks Like-Button. In anderen F\u00e4llen werden sie als Nutzer-Innovation pr\u00e4sentiert, wie dies f\u00fcr unser zweites Beispiel \u2013 den Retweet-Button \u2013 \u00f6ffentlichkeitswirksam diskutiert wurde. Den gr\u00f6\u00dften Anteil dieses Aufsatzes nimmt allerdings ein dritter Fall ein, der nicht derart eindeutig gelagert zu sein scheint: Die Geschichte des Fav-Buttons vollzieht sich weder von \u201aunten\u2018 nach \u201aoben\u2018 noch andersherum und verdeutlicht, dass neben Plattformen und ihren Nutzern die Relevanz einer weiteren Anspruchsgruppe anerkannt werden muss: die Drittanbie\u00adterplattformen oder, wie wir sie im Folgenden nennen m\u00f6chten, Satellitenplattformen. Die Komplexit\u00e4t dieses Falls demonstriert nicht nur die guten Gr\u00fcnde f\u00fcr schlechte Plattformdaten, sondern wirft auch die Frage auf, in welcher Weise man davon sprechen kann, dass Plattfor\u00admen Praktiken regulieren, wie dies Cambrosio und Keating (2003: 324) konstatieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">1. Social-Buttons und Facebooks Like: \u201aSchlechte\u2018 Gr\u00fcnde f\u00fcr \u201agute\u2018 Daten?<\/p>\n<p>Das bekannteste Beispiel f\u00fcr Plattformaktivit\u00e4ten d\u00fcrfte Facebooks Like-Button sein (Gerlitz und Helmond 2013). Dieser verzeichnet nicht nur eine wachsende Pr\u00e4senz im gesamten Internet, sondern erregte Auf\u00admerksamkeit durch die zahlreichen Debatten um Cookies oder den feh\u00adlenden Dislike-Button, der Likes als Plattformaktivit\u00e4t nicht als zu vage, sondern als zu konkret \u2013 weil zu normativ \u2013 erscheinen l\u00e4sst. Obwohl die Geschichte von Social-Buttons nur sp\u00e4rlich dokumentiert ist, l\u00e4sst sich die Entstehung der Buttons auf Social-Bookmarking-Diens\u00adte wie Digg und Reddit zur\u00fcckf\u00fchren (ebd.: 4). Diese Anbieter populari\u00adsierten nicht nur das soziale Speichern, Teilen, Annotieren und Kategorisieren von Web-Inhalten im Kontext ihrer Plattform, sondern f\u00fchrten im Herbst 2006 als erste Web 2.0-Angebote Social-Buttons ein. Mit ihnen konnten Nutzer mit nur wenigen Klicks Webinhalte auf den assoziierten Diensten speichern, taggen und teilen. Nach der Einf\u00fchrung durch Digg und Reddit externalisierten immer mehr Plattformen wie Twitter, Facebook oder Google spezifische, plattforminterne Funk\u00adtio\u00adnen. An\u00adhand von Social-Buttons k\u00f6nnen Nutzer beinahe alle Webinhalte mit ihren Plattform-Profilen verkn\u00fcpfen und strukturierte Verbindungen zwischen den jeweiligen Plattformen und dem externen Web erstellen.<\/p>\n<p>Nur kurz nach Digg und Reddit f\u00fchrte Facebook im Oktober 2006 den sogenannten \u201eShare Icon\u201c ein (<a href=\"http:\/\/blog.facebook.com\/blog.php?post=165161437130\">Kinsey 2009<\/a>). Dieser konnte von Webmastern in deren Webseiten integriert werden und erlaubt Face\u00adbook-Nutzern, URLs mit ihrem Netzwerk zu teilen. W\u00e4hrend Social-Buttons zun\u00e4chst auf das blo\u00dfe Speichern und Teilen abzielten, kam sp\u00e4ter auch eine wertende Dimension hinzu. Im Jahr 2009 f\u00fchrte Facebook plattform-intern den heute sehr verbreiteten Like-Button ein. Ziel war es laut Facebook, eine standardisierte und schnelle Option f\u00fcr Kommentare wie \u201aSuper!\u2018 oder \u201aGratulation!\u2018 anzubieten (<a href=\"http:\/\/blog.facebook.com\/blog.php?post=53024537130\">Perlman 2009<\/a>). Der Like-Button ist also eine Antwort der Plattform auf weitverbreitete Nutzerpraktiken, die diese in eine vordefinierte Form (oder gar Grammatik) \u00fcberf\u00fchrt. Der Klick auf das \u201aGef\u00e4llt-mir\u2018 war zun\u00e4chst nur plattform-intern m\u00f6glich, dort aber in Bezug auf unterschiedlichste Inhalte \u2013 ob Links, Status-Mitteilungen, Fotos oder Aktivit\u00e4ten, sp\u00e4ter auch auf Kommentare. 2010 externalisierte Facebook den Like-Button und bot diesen wie auch den Share-Button als Teil der sogenannten Social Plugins zur Implementierung f\u00fcr alle Webmaster an.<\/p>\n<p>Interessanterweise existierten der Share- und der Like-Button eine Zeit lang parallel, obwohl beide \u00e4hnlich funktionierten. Lediglich die wertende Dimension war unterschiedlich: W\u00e4hrend das Teilen von Inhalten keine Stellungnahme oder Beziehung impliziert, ist das Liken positiv denotiert. Seit 2011 stellt Facebook graduell die Entwicklung des Share-Buttons ein und hat begonnen, den Like-Button st\u00e4rker zu bewerben und die Sichtbarkeit von gelikten Inhalten auf der Plattform zu erh\u00f6hen (<a href=\"http:\/\/mashable.com\/2011\/02\/27\/facebook-like-button-takes-over-share-button-functionality\/\">Lavrusik 2011<\/a>). Seither werden gelikte Inhalte nicht mehr nur als URL, sondern als prominenter Post inklusive Bild, Snippet und Titel der Webseite angezeigt, zu der Nutzer auch einen Kommentar hinzu\u00adf\u00fcgen k\u00f6nnen. Facebook verfolgt also eine Plattformpolitik (Gillespie 2010), die nicht das normativ unentschiedene Teilen favorisiert, sondern die wertende Empfehlung von Inhalten.<\/p>\n<p>Hier stellt sich die Frage, wieso Facebook den Like-Button dem Share-Button vorzieht. Dies liegt m\u00f6glicherweise daran, dass die Daten, die der Like-Button hervorbringt, einen gr\u00f6\u00dferen Wert f\u00fcr Facebook und externe Webmaster haben, indem er dazu animiert, lediglich positiv bewertete Inhalte zu teilen und die konfliktbelasteten eher zu vernachl\u00e4ssigen (vgl. Gerlitz und Helmond 2013). Dies kann als eine (plattformpolitische) Entscheidung f\u00fcr Werbung und gegen Debatten betrachtet werden. Vage sind die dadurch produzierten Daten allerdings nach wie vor, denn gerade die Abwesenheit von alternativen Ein-Klick-Aktivit\u00e4ten und das Verschwinden des Share-Buttons f\u00fchren zu unterschiedlichen Nutzungspraktiken. Diese werden allerdings nicht von der Plattform selbst, sondern von einer Reihe von Drittanbieterplattfor\u00admen bedient. Obwohl von Facebook als affektiv aufgeladene und kurz\u00adweilige Aktivit\u00e4t gestaltet, kann der Like-Button mit Hilfe von Drittan\u00adbietern auch als Bookmark genutzt werden, um Inhalte systematisch zu speichern und zu ordnen. Eine solche Nutzungspraktik wird von Platt\u00adformen wie Likejournal gef\u00f6rdert: Durch eine Browser-Erweiterung k\u00f6nnen Nutzer gelikte Inhalte speichern und teilen, sowie den Like-Aktivit\u00e4ten anderer Nutzer folgen.<\/p>\n<p>Neben verschiedenen Anspruchsgruppen wie Nutzern und Webmastern spielt auch die Entwicklung von nutzergenerierten Web-Inhalten eine Rolle. Die ersten Social-Buttons von Digg und Reddit bezogen sich haupts\u00e4chlich auf das Speichern und Teilen von URLs externer Seiten. Der Like-Button hingegen entwickelte sich als Reak\u00adtions\u00adform auf plattform-interne, kleinteiligere Inhalte wie einzelne Status-Meldungen, Bilder und Kommentare. Die zentrale Entit\u00e4t war vor der Einf\u00fchrung des externen Like-Buttons nicht die gesamte Webseite, bestimmt durch ihre URL, sondern der Inhalt einzelner Seiten, auf welche Nutzer nun direkt reagieren k\u00f6nnen. Neue und sich st\u00e4ndig weiter ausdifferenzierende Inhalte tragen also auch zur Pr\u00e4gung der Plattform-Aktivit\u00e4ten bei. Der fehlende Dislike-Button, die schwindende Bedeutung des Share-Buttons und die Expansion des Likes ins gesamte Web verdeutlichen, dass die Entwicklung dieser \u201aGrammar of Action\u2018 stark von plattformpolitischen Motiven gepr\u00e4gt war und nur wenig auf die sich ausdifferenzierenden Nutzerpraktiken und W\u00fcnsche reagiert (Gerlitz und Helmond 2013: 14f.).<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">2. Der Retweet-Button und die Spur der Nutzer<\/p>\n<p>Als geradezu gegens\u00e4tzlich zum Like-Button erscheint die \u00f6ffentliche Darstellung des Entstehungsprozesses des Retweet-Buttons von Twitter. In der Ank\u00fcndigung seiner Einf\u00fchrung schrieb Twitter auf seinem Unternehmensblog am 13. August 2009: \u201eRetweeting is a great example of Twitter teaching us what it wants to be.\u201c (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2009\/project-retweet-phase-one\">Stone 2009a<\/a>) Die Firma r\u00fchmt sich regelrecht damit, dass sie bestehende Nutzungspraktiken von \u201aunten\u2018 (also von den Nutzern) nach \u201aoben\u2018 (also in die Plattform) integriert hat. Und so begr\u00fcndet Twitter die beginnende Implementie\u00adrung des Retweet-Buttons damit, dass bestehende Nutzungspraktiken per Button <em>allen<\/em> Nutzern zug\u00e4nglich gemacht und damit vereinfacht werden sollen: \u201eThe process works although it\u2019s a bit cumbersome and not everyone knows about it.\u201c (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2009\/project-retweet-phase-one\">Ebd.<\/a>)<\/p>\n<p>In der Twitter-Forschung wird das Narrativ der nutzergetriebenen \u201aBottom-Up-Innovation\u2018 kritischer betrachtet. So argumentiert van Dijck, dass Twitter gerade in der Anfangsphase von \u201ecompeting usage, interface adjustment, change in content and variable business models\u201c (van Dijck 2012: 333) gekennzeichnet war. Halavais f\u00fchrt an, dass die Formalisierung von Nutzerpraktiken in Plattformaktivit\u00e4ten nicht als ein\u00adfache Integration bestehender Praktiken verstanden werden kann:<\/p>\n<p>[&#8230;] there is a wrinkle in this story. In incorporating these changes, Twitter did more than merely make formal the informal workarounds of its users. These appropriations often displaced social practices that better represented the diversity of users and their needs, replacing them with model uses (and users) imagined. (Halavais 2014: 30)<\/p>\n<p>In diesem Sinne wollen wir die Entstehungsgeschichte des Retweet-Buttons genauer in den Blick nehmen, um zu fragen, ob die von Twitter behauptete Geschichte der Nutzerinnovation nicht nur komplexer verl\u00e4uft, sondern auch im Kontext einer sich formierenden Plattformpo\u00adlitik verstanden werden kann.<\/p>\n<p>Retweeten entstand zun\u00e4chst in der Tat als \u201areine\u2018 Nutzungspraktik durch das erneute Tweeten von Inhalten in Anf\u00fchrungszeichen, wobei der Retweet durch \u201eReTweet @username\u201c markiert wurde. Solche manuellen Retweets lassen sich bis ins Jahr 2007 zur\u00fcckverfolgen. Bald wurde das \u201eReTweet\u201c durch ein verk\u00fcrztes \u201eRT\u201c ersetzt, und es dauerte nicht lange, bis ein Drittanbieter einen Button f\u00fcr das auto\u00adma\u00adtische Retweeten anbot (<a href=\"http:\/\/www.quora.com\/Twitter-Retweets\/Who-first-used-the-term-RT-on-Twitter\">Quora.com 2011<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.annehelmond.nl\/2013\/01\/19\/on-retweet-analysis-and-a-short-history-of-retweets\/\">Helmond 2013<\/a>). Den Schritt, diese Praktik in einen Button zu \u00fcberf\u00fchren, schreibt Twitter dem Drittanbieter TweetMeMe zu (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/pushing-our-tweet-button\">Twitter 2010<\/a>). Dessen Gr\u00fcnder Nick Halstead f\u00fchrt aus: \u201eWe also introduced the original retweet button used by news organisations and other 400,000 websites to promote their stories. Seeing the success of it, Twitter partnered with us and integrated the retweet button into their platform.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.londonlovesbusiness.com\/entrepreneurs\/fast-growing-businesses-and-sme\/meet-the-man-who-invented-the-re-tweet-button\/4002.article\">Tripathi 2012<\/a>)<\/p>\n<p>Bei der Einf\u00fchrung des Retweet-Buttons auf der eigenen Plattform schlug Twitter einen deutlich zur\u00fcckhaltenderen Ton an. Wie der Ank\u00fcndigung vom 6. November 2009 zu entnehmen ist, erschien die neue Funktion zun\u00e4chst nur als \u201aLimited Rollout\u2018, in der die neue Funktion zun\u00e4chst nur einer kleinen Nutzergruppe zug\u00e4nglich gemacht wird: \u201eWe\u2019ve just activated a feature called retweet on a very small per\u00adcentage of accounts in order to see how it works in the wild.\u201c (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2009\/retweet-limited-rollout\">Stone 2009b<\/a>) Wenige Tage sp\u00e4ter schrieb Twitters damaliger CEO Evan Williams auf seinem privaten Blog ein aufwendiges Pl\u00e4doyer f\u00fcr den Re\u00adtweet-Button. Seine Begr\u00fcndung: \u201eI&#8217;m making this post because I know the design of this feature will be somewhat controversial\u201c (Williams 2009). Twitter hat gute Gr\u00fcnde f\u00fcr eine solche Vorsicht, denn bereits zuvor hatte die Einf\u00fchrung eines formalisierten @replies Kontro\u00adversen unter den Nutzern ausgel\u00f6st (siehe hierzu auch Halavais 2014: 35).<\/p>\n<p>Mit seiner Bef\u00fcrchtung sollte Williams Recht behalten: Es beschwer\u00adten sich viele unzufriedene Nutzer. Kritikpunkte lauteten etwa: \u201eA major sticking point for some users is the loss of the ability to edit or append comments to the tweet you are retweeting. This is a big change from old skool retweeting and has some users in knots.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.ask-kalena.com\/articles\/twitter%E2%80%99s-new-retweet-and-why-you-shouldn%E2%80%99t-hate-it\/\">Jordan 2009<\/a>) Ein anderer twitterte: \u201eTwitter stole retweets from the community. Sigh. It was fun while it lasted.\u201c (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/SebastianX\/statuses\/5600851824\">@SebastianX 2009<\/a>) Eine Umfrage unter den Teilnehmern des \u201aLimited Rollout\u2018, an der sich 292 Accounts beteiligten, spiegelt diese Skepsis wider: Auf die Frage, was sie von der Retweet-Funktion halten, antworteten 17 Stimmen (6 %) mit \u201eLove it! It\u2019s perfect!\u201c, 147 (50 %) mit \u201eIt\u2019s got potential but it still needs some work\u201c und 128 (also 44 %) votierten f\u00fcr \u201eNo thanks, I prefer to use the original method\u201c(<a href=\"http:\/\/www.ask-kalena.com\/articles\/twitter%E2%80%99s-new-retweet-and-why-you-shouldn%E2%80%99t-hate-it\/\">Jordan 2009<\/a>).<\/p>\n<p>Folgt man der Darstellung Twitters, so k\u00f6nnte die Einf\u00fchrung des Retweet-Buttons als blo\u00dfe Formalisierung bestehender Praktiken ver\u00adstanden werden, da die Plattform Nutzerpraktiken aufnimmt und im Sinne Agres in die explizite Grammatik eines Buttons \u00fcberf\u00fchrt. Retwee\u00adten, so suggeriert Twitters Narrativ, ist als nutzergenerierte Praktik entstanden, und alles, was die Plattform machen musste, war, diese Praktik in einen Button zu \u00fcberf\u00fchren, sie Teil ihrer formalen Plattform\u00adaktivit\u00e4ten zu machen. Dies w\u00e4re der Idee einer \u201aGrammar of Action\u2018 im Sinne Agres noch mehr zutr\u00e4glich, weil sich das Capture-System in einem solchen Falle gleichsam geschmeidig an die Nutzerpraktiken angepasst h\u00e4tte und diese so gewisserma\u00dfen in ihrer \u201anat\u00fcrlich\u2018 vorkommen\u00adden Form erfassen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dies ist allerdings nicht der Fall: Was in die Plattform integriert wurde, war nicht die Nutzerpraktik. Diese wurde durch den Button vielmehr erschwert, und so gab es nicht nur bei seiner Einf\u00fchrung auf dem Webinterface von Twitter Ende des Jahres 2009 Beschwerden. Auch als Twitter seine erste eigene App <em>Twitter for Android 1.0<\/em> ver\u00f6ffent\u00adlichte, kritisierten App-Rezensenten, dass es mit ihr nicht mehr m\u00f6glich sei, Tweets f\u00fcr einen Retweet zu modifizieren.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Die einzige Praktik, die in dem neu eingef\u00fchrten Button einigerma\u00dfen aufging, war n\u00e4mlich, den Button von TweetMeMe oder eines anderen Drittanbieters zu nutzen. Damit es <em>diese<\/em> Praktik des Dr\u00fcckens eines Retweet-Buttons geben konnte, brauchte es aber erst den Drittanbieter, der ihn zur Nutzung anbot. Dies ist allerdings eine dezidiert <em>andere<\/em> Praktik, als jene, die die Nutzer erfunden haben, wie die vielen Beschwerden verdeutlichen. Halavais betrachtet diesen Fall \u00e4hnlich \u2013 er konzeptualisiert es nicht als \u201aAush\u00e4r\u00adtung\u2018 von Nutzer\u00adprak\u00adti\u00adken oder \u00c4hnliches, sondern als <em>Antwort auf<\/em> Nutzerpraktiken: \u201eAs with @replies, it seems clear that Twitter responded to emergent retweeting practices within the community. And as with @replies, it seems clear that the platform-level solution to the problem only partially reflected the intentions and desires of a diverse user community\u201c (2014: 36). Von \u201aBottom-Up\u2018 kann hier also nicht die Rede sein.<\/p>\n<p>Der Retweet-Button ist nicht von den Nutzern (\u201aunten\u2018) zu den Drittanbietern (\u201aMitte\u2018) zur Plattform (\u201aoben\u2018) gewandert (und von dort aus auf weitere \u201aoben\u2018 liegende Plattformen). Es gibt hier zwar das Moment des Starren, der partiellen Stabilisierung, doch eine Bottom-Up-Integration von Nutzerpraktiken findet nicht statt. Denn die Praktik des \u201aold skool retweeting\u2018 ist <em>kein<\/em> Code, sondern eben eine Praktik, das hei\u00dft, wenn es eine vordefinierte Plattformaktivit\u00e4t in Form eines Buttons gibt, ist dies die <em>Einf\u00fchrung einer<\/em> <em>neuen Praktik<\/em>, da sie Retweets anders darstellt und keine Modifikation erlaubt. Die Bottom-Up-Narration der Button-Geschichte von Twitter erweckt allerdings den Eindruck einer Kontinui\u00adt\u00e4t zwischen Praktik und Software: Dieselbe Praktik w\u00fcrde demnach lediglich verdichtet oder beschleunigt. Dies ist allerdings eine empirieferne Vorstellung. Software kann Nutzerpraktiken nicht im direkten Sinne \u201aaufnehmen\u2018. Sie kann vordefinierte Formen anbieten, die sich an Nutzerpraktiken anlehnen, und diese damit in vorstrukturierte Bahnen umlenken, die im besten Fall in den Augen der Nutzer dieselbe oder eine bessere Funktion erf\u00fcllen als ihre alten Praktiken. Ver\u00e4nderungen in der Plattform-Software f\u00fchren also einen interpretativen Sprung ein und fordern damit die Nutzer auf, ebenfalls einen Sprung in den Praktiken zu vollziehen \u2013 oder mit Halavais gesprochen: Die Software kann auf Praktiken lediglich <em>antworten<\/em>.<\/p>\n<p>Twitters Narrativ suggeriert hingegen, die Plattform h\u00e4tte lediglich auf Nutzerpraktiken reagiert und deren W\u00fcnsche in sich einschreiben lassen. Diese Erz\u00e4hlung erw\u00e4hnt allerdings nicht, dass es die Dritt\u00adan\u00adbie\u00adter\u00adplattform TweetMeMe war, die ihren relativ wenigen Nutzern den Vor\u00adschlag gemacht hat, deren Praktiken zu ver\u00e4ndern, und dass Twitter diese Praktik in kleinen Schritten \u00fcbernommen hat, um den Sprung, den Nutzer vollziehen m\u00fcssen, im Sinne eines \u201eperpetual beta\u201c (<a href=\"http:\/\/oreilly.com\/pub\/a\/web2\/archive\/what-is-web-20.html?page=4\">O\u2019Reilly 2005: 4<\/a>) kontinuierlicher und mehr nutzerbestimmt erscheinen zu lassen. Twitter wiederholte den Schritt von TweetMeMe also eine Stufe h\u00f6her, mit dem \u201aLimited Rollout\u2018 f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Nutzergruppen und wie\u00adder\u00adholte dies an immer mehr Stellen, so zum Beispiel auch bei der Ein\u00adf\u00fch\u00adrung der Version 1.0 der Twitter-for-Android-App. Die Be\u00adschwer\u00adden der Nutzer und Rezensenten \u00fcber den schrittweisen Verlust des \u201aold skool retweeting\u2018 zeigt schlie\u00dflich, dass diese neue Funktion das Re\u00adtwee\u00adten in eine Form bringt, in der alte Elemente verloren gegangen sind.<\/p>\n<p>Dieses Problem ist ein altes, das nicht erst durch die Digitalisierung und erst recht nicht durch Social-Media-Plattformen in die Welt gekom\u00admen ist. Es handelt sich um ein \u00e4hnliches Problem, wie es Bruno Latour in seinen Abhandlungen \u00fcber die \u201aZirkulierende Referenz\u2018 aufwirft \u2013 nur dass es bei ihm nicht um Praktiken und Buttons geht, sondern um die Welt und ihre wissenschaftliche Beschreibung, bzw. in seinem konkreten Fall um die Erde der Savanne von Boa Vista und das Diagramm, welches sie wissenschaftlich beschreibbar macht: \u201eMan sollte sich vielmehr fragen, um wieviel man die Welt ver\u00e4ndern mu\u00df, damit sie zu Papier und \u2013 ohne allzu gro\u00dfe Verzerrungen \u2013 mit der ebenfalls papierf\u00f6rmigen Geometrie <em>\u00fcberlagert<\/em> werden kann. Den gro\u00dfen Abgrund zwischen den Ideen und den Dingen hat noch keine Mathematik jemals \u00fcberbr\u00fcckt [&#8230;]\u201c (2002: 68f.). Latours eigene Antwort darauf lautet, dass es eben keinen kontinuierlichen \u00dcbergang zwischen der Welt und ihrer Erfassung gibt. Vielmehr habe sich eine \u201eradikale Zustandsver\u00e4nde\u00adrung vollzogen: Ein Zeichen erscheint an der Stelle eines Dings. Es handelt sich also nicht um eine Reduktion, eher um eine Transsubstan\u00adtiation\u201c (ebd.: 78). Ebenso wie es keinen kontinuierlichen \u00dcbergang von \u201aden Dingen\u2018 oder \u201ader Welt\u2018 zum \u201aPapier\u2018 gibt, gibt es auch keinen kontinuierlichen \u00dcbergang von den Praktiken zur Software, sondern immer nur \u00dcbersetzungen einer (von einigen betriebenen) Praktik in eine davon unterschiedliche (von vielen genutzte) Software. Die Formalisie\u00adrung, die zwischen Praktik und Software stattfindet, l\u00e4sst die Vorstellung einer Bottom-Up-Innovation undenkbar erscheinen: Eine solche Forma\u00adlisierung kann nicht \u201avon unten\u2018 kommen.<\/p>\n<p>Bereits van Dijck merkt an, dass radikale \u00c4nderungen der Plattform, zum Beispiel auf Grund ver\u00e4nderter Business-Modelle, Gefahr laufen, Nutzer zu verschrecken und daher meist graduell eingef\u00fchrt werden (2012: 17f.). Dieses Verschrecken ist dabei ein Effekt genau dieses Umstandes, dass Praktiken nicht in Software \u00fcberf\u00fchrt werden k\u00f6nnen, sondern Software stets neue Praktiken vorschl\u00e4gt. Insofern scheint es eine praktikable Plattform-Politik zu sein, diesen Sprung zwischen Praktiken und Software zu verdecken, indem man ihn klein h\u00e4lt, so klein wie Pixel. Die meist nicht ganz gelingende Kunst besteht dabei darin, diese kleinen Schritte so anzuordnen, dass sie von Weitem wie etwas anderes aussehen \u2013 so wie Pixel in der Summe eine neue, von ihnen selbst unterschiedliche Gestalt abbilden k\u00f6nnen. Was Twitter also als Bottom-Up-Gestalt konturiert, entpuppt sich bei n\u00e4herem Hinsehen als eine Ansammlung unterschiedlicher Prozesse, die vielmehr top-down verlaufen, aber dabei stets kleinschrittig sind, sodass sie in der Summe wie ein Bottom-Up-Prozess aussehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Politik ist nicht notwendigerweise Ergebnis eines ausgekl\u00fc\u00adgelten strategischen Plans eines kalifornischen Unternehmens, sondern vielmehr die m\u00f6glicherweise emergente L\u00f6sung eines f\u00fcr Plattformen (und zwar nicht nur Social-Media-Plattformen) typischen Problems: Wenn man m\u00f6chte, dass eine gr\u00f6\u00dfere Gruppe die Praktiken einer kleineren Gruppe annimmt, muss man das Problem l\u00f6sen, dass diese Praktiken ein Wissen voraussetzen, das man erlernen muss. Daf\u00fcr muss man f\u00fcr Teile der Praktiken alternative Abfolgen anbieten, die automati\u00adsiert, also zum Beispiel durch vorgefertigte Buttons, ablaufen und daher nicht mehr erlernt werden m\u00fcssen. Man muss die Praktiken also ver\u00e4n\u00addern, um sie einer gr\u00f6\u00dferen Gruppe zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3. Plattformaktivit\u00e4ten vs. Nutzungspraktiken: Der Fav-Button<\/p>\n<p>Neben dem Retweet-Button bietet Twitter noch weitere vordefinierte Interaktionsm\u00f6glichkeiten. Darunter f\u00e4llt auch der \u201aFavorisieren-Button\u2018, der von Nutzern h\u00e4ufig kurz als \u201aFav-Button\u2018 bezeichnet wird. Sobald Nutzer den Button bet\u00e4tigen, wird dies unterhalb des Tweets verzeichnet, und Nutzer werden im sogenannten @Connect-Tab benach\u00adrichtigt. Diese Anzeige von Favs wurde vor etwa drei Jahren in die Plattform integriert. Davor waren erhaltene Favs nur \u00fcber Drittanbieter-Plattformen wie Favstar oder Tweetster sichtbar. W\u00e4hrend der Retweet Button verdeutlicht, dass bereits die Implementierung von vordefinierten Plattformaktivit\u00e4ten kleinschrittig verl\u00e4uft, so zeigt das Zusammenspiel zwischen Drittanbietern, Nutzern und Plattformdesign in Bezug auf den Fav-Button, dass auch die Aushandlung der Bedeutung von Social-Buttons keineswegs ein linearer Prozess ist, vorstrukturierte Buttons durchaus nicht eindeutige Daten herstellen und dies nicht in einer Aufl\u00f6sung interpretativer Flexibilit\u00e4t m\u00fcnden muss. Somit kehren wir zur Ausgangsfrage des Aufsatzes zur\u00fcck, inwiefern wir es mit \u201aschlechten\u2018 Daten zu tun haben und welche Rolle sie f\u00fcr die Plattformpolitik spielen.<\/p>\n<p>In den Jahren 2011 und 2012 konnte man in Bezug auf Favs immer h\u00e4ufiger folgendes Ph\u00e4nomen beobachten: Twitternutzer beklagten sich dar\u00fcber, dass ein von ihnen geschriebener Tweet \u201aentfavt\u2018 worden sei, das hei\u00dft, dass ein bestimmter Nutzer eine Favorisierung eines Tweets wieder zur\u00fcckgenommen hat. Der Tweet einer pseudonymen Nutzerin in Abbildung 1 zeigt exemplarisch eine solche Beschwerde.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5296\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_1.png\" alt=\"Passmann_Abb_1\" width=\"639\" height=\"308\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_1.png 639w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_1-300x145.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 639px) 100vw, 639px\" \/><\/a>Abb. 1: Screenshot eines Tweets der Nutzerin @nuohooja vom 1. Februar 2011.<\/p>\n<p>Solche und \u00e4hnliche Tweets konnte man vor allem unter einer speziellen Nutzergruppe finden, der von uns sogenannten Favstar-Sph\u00e4re; dort ist n\u00e4mlich die wichtigste Praktik, f\u00fcr \u201agelungene\u2018 Tweets Favs zu vergeben (Pa\u00dfmann\/Boeschoten\/Sch\u00e4fer 2014). Diese Praktik hat sich in Deutschland um die Drittanbieter-Plattform <em>favstar.fm<\/em> entwickelt, die f\u00fcr diese Gruppe auch heute noch der mit gro\u00dfem Abstand wichtigste Ort f\u00fcr die Dokumentation und den Vergleich erfolgreicher Tweets ist. Plattformaktivit\u00e4ten im Allgemeinen und Favs im Besonderen k\u00f6nnen in diesem Zusammenhang als spezielle, sich oft wandelnde und teils stark hierarchisierte Form des Gabentauschs verstanden werden (vgl. ebd. sowie J\u00f6rissen 2011). Und eine Gabe zur\u00fcckzunehmen, ist in der Tat eine ziemliche Gemeinheit \u2013 dies erkl\u00e4rt das Ausma\u00df der Entr\u00fcstung, mit der sich @nuohooja \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr diesen Aufsatz ist jedoch weniger die Frage, ob oder inwiefern man es beim Faven mit einer Form des Gabentauschs zu tun hat. Wichtiger ist in unserem Kontext die Tatsache, dass in dem zitierten Tweet bestimmte Erwartungen \u00fcber die Verwendung des Fav-Buttons offenbar werden, die entt\u00e4uscht worden sind. Handelt es sich hier um eine gezielte Provokation oder um ein Missverst\u00e4ndnis zwischen zwei verschiedenen Verwendungsweisen desselben Buttons? Auf Nachfrage nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr Entfavungen bei 14 Nutzern, bei denen \u00fcber die Satelliten-Plattform Tweetster beobachtet werden konnte, dass sie Tweets entfavt hatten,<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><sup>[3]<\/sup><\/a> erhielten wir in einzelnen F\u00e4llen die Antwort, dass man Tweets entfavt habe, weil man mit einer Person gro\u00dfen Streit gehabt habe und dies als Sanktion verwende. Eine Nutzerin sagte etwa, ein anderer Nutzer habe ihr einen Tweet \u201egeklaut\u201c: Er hatte einen ihrer erfolgreichsten Tweets umformuliert und als seine eigene Idee ausgegeben. Daraufhin habe sie eine Menge seiner Tweets entfavt. Die Mehrzahl der befragten Entfaver (10 von 14) gab allerdings an, dass sie sich mit dem Fav-Button Lesezeichen-Listen erstellten, die sie eben regelm\u00e4\u00dfig wieder leerten, um nicht die \u00dcbersicht \u00fcber die Tweets zu verlieren, die sie sich merken wollten. Insofern konnten sie nicht ahnen, dass andere Nutzer dieses Entfaven als Gemeinheit betrachten.<\/p>\n<p>Die Entr\u00fcstung \u00fcber das Entfaven basiert demnach zum gr\u00f6\u00dften Teil auf einem Missverst\u00e4ndnis zwischen verschiedenen Nutzungspraktiken des Fav-Buttons, wovon es mindestens zwei gibt. Eine Gruppe verwen\u00addet den Button eher als (privaten) Bookmark und eine andere eher als (\u00f6ffentliche) Gabe.<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\"><sup>[4]<\/sup><\/a>Dar\u00fcber hinaus gibt es einige weitere Verwendungs\u00adwei\u00adsen: manche nutzen den Fav-Button etwa als Signal daf\u00fcr, dass sie einen Tweet gelesen haben, ohne explizit auf ihn zu antworten. Insbe\u00adsondere reichweitenstarke Twitterer halten so ihre kommunikativen Verpflichtungen ein, demonstrieren damit aber gleichzeitig jenen \u201akleine\u00adren\u2018 Twitterern, die sie angesprochen haben, ihre hierarchische \u00dcberle\u00adgen\u00adheit, da sie ihre Ansprachen lediglich zur Kenntnis nehmen, aber nicht explizit beantworten.<\/p>\n<p>Wie auch immer man die Nutzungspraktiken und deren Funktion im Spezifischen konzeptualisiert: Der Tweet aus Abb. 1 und die starke Zustimmung, die er erhalten hat, demonstriert, dass diese Verwendungs\u00adweisen und die damit einhergehenden Erwartungen fundamental unter\u00adschiedlich sind: Es gibt eine Nutzergruppe, die dem Fav eine soziale Dimension zuschreibt, und eine andere, die ihn lediglich funktional verwendet, um Informationen abzuspeichern. Die heftige Reaktion und die Zustimmung dazu in Abb. 1 kann man als Indiz daf\u00fcr lesen, dass es \u00fcber die soziale Dimension dieses Buttons in der betreffenden Gruppe recht eindeutige Erwartungen gibt; so eindeutige, dass ihre Entt\u00e4uschung als starke Normverletzung angesehen wird. Der Fav-Button erfasst also unterschiedliche Nutzerpraktiken, die im Moment des Klicks jedoch in dieselbe Datenform \u00fcberf\u00fchrt werden. Dies erzeugt nicht nur potenziell vage Daten, sondern kann im Fall des Entfavens auch Spannungen unter Nutzern ausl\u00f6sen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.1 Zur Geschichte des Fav-Buttons<\/p>\n<p>Aus datenkritischer Perspektive lohnt es sich, die Entwicklung des Fav-Buttons historisch etwas genauer abzuschreiten. Dabei soll das Narrativ um die Einf\u00fchrung und Ver\u00e4nderung des Buttons, die Rolle von Drittanbietern und die Darstellung der Daten im Nutzer-Interface in den Blick genommen werden. Wir verfolgen also wie van Dijck auch die Auffassung, dass \u201eTwitter\u2019s interface has indeed been modified to promote certain types of usage over others\u201c (van Dijck 2012: 9).<\/p>\n<p>Seit seinem Launch im Juli 2006 hat Twitter neben der M\u00f6glichkeit, kurze Statusmeldungen mit 140 Zeichen zu verfassen, eine ganze Reihe vordefinierter Plattformaktivit\u00e4ten eingef\u00fchrt, die es gestatten, auf Tweets (oder wie man sie damals noch nannte: Twitter updates) anderer Nutzer zu reagieren. Der Fav-Button wurde bereits vier Monate nach Start der Plattform eingef\u00fchrt (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2006\/six-more-twitter-updates\">Stone 2006<\/a>). Twitter schrieb damals zur Einf\u00fchrung des Buttons: \u201eWhen you come across a Twitter update that you really like you can save it by clicking the little star. We collect your favorites for you so you can get back to them any time.\u201c (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2006\/six-more-twitter-updates\">Ebd.<\/a>) Die Plattform selbst beschrieb die Fav-Option also als M\u00f6glichkeit zum Speichern ausgew\u00e4hlter Tweets. Es ging in der ersten Konzeption darum, auf Tweets zur\u00fcckzukommen, und nicht um das t\u00e4glich bis zu hundert- und tausendfache Faven, welches heute in der Favstar-Sph\u00e4re g\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p>Trotz der fr\u00fchen Implementierung des Fav-Buttons blieb diese Aktivit\u00e4t lange Zeit weitgehend unbeachtet \u2013 im Vergleich zu Optionen wie Retweets und @replies, angeblich auch, weil Twitter sich wenig M\u00fche machte, diese Funktion zu bewerben oder eindeutige Nutzungs\u00adpraktiken zu etablieren (<a href=\"http:\/\/techcrunch.com\/2009\/07\/12\/favstarfm-makes-the-twitter-favorite-less-of-an-unwanted-step-child\/\">Siegler 2009<\/a>). Von manchen Autoren wird der Fav als \u201aKonvergenz-Feature\u2018 betrachtet, das eine Vielzahl von Nutzungspraktiken vereint. So unterteilt Dash (<a href=\"http:\/\/dashes.com\/tag\/permalinks\">2011<\/a>) zwischen den drei Funktionen \u201aAcknowledging good work\u2018, \u201aRetaining for the future\u2018 und \u201aImplicit sharing\u2018 \u2013 letzteres bezieht sich auf den Umstand, dass es im Gegensatz zum Retweet recht umst\u00e4ndlich herauszufinden ist, welche Tweets ein Account gefavt hat. Er fasst zusammen: \u201eIn short, favoriting or liking things for me is a performative act, but one that&#8217;s accessible to me with the low threshold of a simple gesture.\u201c (Ebd.)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.2 Die Rolle der Satelliten-Plattformen<\/p>\n<p>Im Kontext des Favs haben wir es also mit vagen Daten zu tun, da diese unterschiedliche Nutzungspraktiken adressieren. Obwohl eine solche Vagheit zun\u00e4chst als problematisch f\u00fcr die Plattform erscheint, k\u00f6nnte sie aber auch als L\u00f6sung f\u00fcr die Frage betrachtet werden, wie Platt\u00adformen die Interessen ihrer multiplen Zielgruppen vereinen k\u00f6nnen. Fav-Buttons bannen Nutzeraktivit\u00e4ten in vordefinierte Formen, welche jedoch den Spielraum f\u00fcr neue, heterogene Nutzungsformen er\u00f6ffnen, die nicht notwendig miteinander harmonieren \u2013 dies f\u00e4llt erst dann auf, wenn Favstar-Nutzer \u00fcber den Nischen-Dienst <em>Tweetster<\/em> sehen k\u00f6nnen, dass jemand einen Tweet entfavt hat, und darauf harsch reagieren (Abb. 1). Der Normalfall ist eher, dass alle den Fav-Button auf ihre eigene Weise benutzen und erhaltenen Favs die Bedeutung zuschreiben k\u00f6nnen, die sie auch ihren vergebenen Favs zuschreiben. Die Unterdeterminiert\u00adheit des Buttons macht es also m\u00f6glich, dass zwischen Nutzern der Eindruck von Konsens besteht, obwohl es diesen Konsens nicht gibt. Sie macht den Prozess gegenseitiger Bezugnahme opak und erm\u00f6glicht so Reziprozit\u00e4t, wo Reziprozit\u00e4t unwahrscheinlich ist, d.h. wo die Regeln gegenseitiger Bezugnahme eigentlich miteinander inkommensurabel sind. Dies bricht erst auf, als die Satellitenplattform Tweetster Entfavungen sichtbar macht und die opake Reziprozit\u00e4t derart belichtet, dass die einstmals durch unterdeterminierte Daten verdeckten, miteinander inkommensurablen Praktiken sich in ihrer Inkommensurabilit\u00e4t offen gegen\u00fcberstehen.<\/p>\n<p>Die Unterdeterminiertheit erm\u00f6glicht es auf der anderen Seite Drittanbietern, die Daten in neue Kontexte, Zusammenh\u00e4nge und Sichtbarkeiten zu \u00fcberf\u00fchren. Erst dadurch k\u00f6nnen sich die Praktiken so weit auszudifferenzieren, dass sie miteinander derart inkommensurabel werden, dass ihr Hervortreten mit dem Adjektiv \u201ahitler\u2018 aus Sicht vieler offenbar trefflich beschrieben wird. Es gibt daher zwei gute Gr\u00fcnde f\u00fcr schlechte Daten: Erstens verk\u00fcrzen oder gl\u00e4tten sie das Soziale und machen so den Eindruck von Reziprozit\u00e4t wahrscheinlicher. Zweitens er\u00f6ffnen sie ein Bet\u00e4tigungsfeld f\u00fcr Drittanbieter, die diese Vagheit in kleinerem Ma\u00dfstab als Twitter selbst ausdeuten und ihr sozusagen im lokalen Rahmen eine st\u00e4rkere Determiniertheit verleihen. Was f\u00fcr Endnutzer gilt, trifft allerdings auch f\u00fcr Datenanalysten zu: Je vager die Plattformaktivit\u00e4ten sind, umso leichter kann man ihnen Bedeutungen zuschreiben, die mit den tats\u00e4chlichen Nutzungspraktiken nicht unbe\u00addingt \u00fcbereinstimmen, denn die Daten sind eben durch ihre Vagheit flexibel und unter Umst\u00e4nden <em>falsch<\/em> interpretierbar.<\/p>\n<p>Die Pr\u00e4sentationsform der erhaltenen und vergebenen Favs im Interface der Plattform Twitter selbst bleibt bis heute vage: Vergebene Favs werden in umgekehrt chronologischer Reihenfolge im Favourites-Tab angezeigt, erhaltene Favs erscheinen mit allen anderen Interaktionen im Connect- bzw. auf Deutsch Verbinden-Tab. Um tats\u00e4chlich als Bookmark dienen zu k\u00f6nnen, br\u00e4uchte man eine zus\u00e4tzliche Such-, Sortier-, Annotier- und Exportfunktion, wie sie zum Beispiel von Book\u00admarking-Diensten wie Delicious angeboten wird. Diese L\u00fccke wurde seit der Einf\u00fchrung des Favs nicht von Twitter selbst geschlossen, sondern von externen Drittanbietern, die bereits vorher Bookmarking-Dienste anboten, wie etwa Pinboard oder eben Delicious. Diese erlaubten es, gefavte Tweets systematisch in Datenbanken zu \u00fcberf\u00fchren, dort zu ordnen und zu kategorisieren. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen Favs anderer Nutzer als RSS Feeds abonniert oder in Feed-Readern angezeigt werden, wie zum Beispiel im 2013 eingestellten Dienst Google Reader oder heute im Digg Reader. In beiden F\u00e4llen sind es Drittanbieter, die das Potenzial des Favs als Bookmark f\u00fcr Nutzer tats\u00e4chlich nutzbar machen. Wir schlagen vor, diese Drittanbieter als <em>Satellitenplattformen<\/em> zu bezeichnen, weil sie in erster Linie keine eigenen Nutzerdaten generieren, sondern vielmehr vorstrukturierte Daten aus anderen Plattformen aufnehmen und in neue Zusammenh\u00e4nge bringen.<a href=\"#_edn3\" name=\"_ednref3\"><sup>[5]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Eine andere Gruppe von Satellitenplattformen hat sich einer anderen Bedeutung des Favs zugewendet und Infrastrukturen geschaffen, um die Nutzung des Favs als Zeichen der Anerkennung weiter auszudifferenzie\u00adren. Dies erfolgte vor allem durch die Aggregation einzelner Favs zu Fav-Hitlisten, Rankings und Popularit\u00e4tskennzahlen. W\u00e4hrend Book\u00admark-Dienste die von einem Nutzer vergebenen Favs speichern, aggre\u00adgiert die andere Gruppe von Satellitenplattformen die Favs, die ein Nut\u00adzer von anderen erh\u00e4lt. Je mehr Favs einzelne Nutzer oder einzelne Tweets erhalten haben, umso popul\u00e4rer sind sie \u2013 eine Bedeutungszu\u00adschreibung, die haupts\u00e4chlich durch die Aggregation und Darstellung der Fav-Daten in Rankings erzeugt wird.<\/p>\n<p>Einer der ersten Fav-Aggregatoren war Favotter. Eingef\u00fchrt im Jahr 2007 pr\u00e4sentierte die Seite am meisten gefavte Tweets und zeigte an, welche Nutzer dabei insgesamt am erfolgreichsten waren. Mehr Popularit\u00e4t erreichte ein kurz danach eingef\u00fchrter Service: Favrd. Neben Nutzer- und Tweet-Rankings f\u00fcr unterschiedliche Zeitintervalle bot diese Plattform auch einen Echtzeit-Stream mit Tweets an, die drei oder mehr Favs erhalten hatten. Zur Zeit der Gr\u00fcndung galt Favrds Vorgehen noch als Innovation, da der Fav zu dieser Zeit haupts\u00e4chlich als Book\u00admark wahrgenommen wurde: \u201eMost people think of stars as a way to keep a personal library of favorites. But according to a regular Favrd user we spoke to, \u201aFavrds\u2018 (people who used Favrd frequently) throw them like confetti and rarely look back at their own stream of favorites.\u201c (<a href=\"http:\/\/readwrite.com\/2009\/12\/06\/favrd_shuts_down_show_goes_on_thank_you_textism#awesm=~ojBFs1w1DIZAts\">MacManus 2009<\/a>) Allerdings war das Angebot begrenzt, da Favrd nur registrierte Nutzer erfasste und daher ein einigerma\u00dfen repr\u00e4sentativer Popularit\u00e4tswettbewerb nicht m\u00f6glich war. Im Jahr 2009 wurde der Dienst eingestellt.<\/p>\n<p>2009 wurde auch Favstar gegr\u00fcndet, jene Plattform, die ma\u00dfgeblich zur Etablierung des Favs als Popularit\u00e4tsindikator beitrug. Anders als Favrd setzte sich Favstar das Ziel, alle Tweets und alle Nutzer zu erfassen, um ein umfassendes Ranking dar\u00fcber zu erstellen, welche Nutzer und welche Tweets die meisten Favs erhalten. Der Service orga\u00adnisiert seine Rankings in sprachspezifischen Leaderboards \u2013 momentan f\u00fcr englische, deutsche, spanische und japanische Tweets \u2013 zu unter\u00adschiedlichen Kategorien, die sich \u00fcber die Jahre regelm\u00e4\u00dfig gewandelt haben. Nutzer k\u00f6nnen die Toptweets der letzten 24 Stunden sehen, sowie die popul\u00e4rsten aller Zeiten. Inzwischen werden neben Favs auch Retweets in das Popularit\u00e4tsranking integriert, um auch die Anerkennung jener Nutzer zu ber\u00fccksichtigen, die dies nur mit dem Retweet-Button demonstrieren (und den Fav nur als Bookmark nutzen). Einzelne Nutzerseiten zeigen die Tweets der Nutzer geordnet nach den meisten Favs und Retweets. In der Fachpresse wurde Favstar als R\u00fcckkehr der angeblichen Ursprungsidee des Favs diskutiert: Der Service erlaube es, die unterdeterminierten Potenziale des \u201aTwitter-Stiefkinds\u2018 als Populari\u00adt\u00e4ts-Messwert auszubauen und ihn dadurch \u201azu seinen Wurzeln\u2018 zur\u00fcckzuf\u00fchren (<a href=\"http:\/\/techcrunch.com\/2009\/07\/12\/favstarfm-makes-the-twitter-favorite-less-of-an-unwanted-step-child\/\">Siegler 2009<\/a>). Dieses Potenzial hat Favstar bis heute allerdings nur in bestimmten Kreisen der deutschen und US-amerika\u00adnischen Twittergemeinde realisiert.<\/p>\n<p>Aus eben jener deutschen Twittersph\u00e4re stammt die folgende Reflexion eines Twitterers. Der Nutzer @infinsternis (mittlerweile hei\u00dft er @noemata) lie\u00df im Fr\u00fchling und Sommer 2013 einige Nutzer, die zum engeren Kreis der Favstar-Sph\u00e4re gez\u00e4hlt werden k\u00f6nnen, auf\u00adschreiben, was Retweets und Favs f\u00fcr sie bedeuten. Auf seiner Webseite <a href=\"http:\/\/twitterhuder-abendblatt.de\/\"><em>Twitterhuder Abendblatt<\/em><\/a> \u2013 die er selbst einen \u201eBlog f\u00fcr Twitterkultur\u201c nennt \u2013 ver\u00f6ffentlichte @infinsternis unter der Kategorie \u201aF\u00fcnf Twitterer, ein Stichtwort: Fav\u2018 (<a href=\"http:\/\/twitterhuder-abendblatt.de\/?p=663\">Baumer 2012<\/a>) diese Beschreibungen. Eine davon stammt von @formschub \u2013 einem hoch angesehenen Mit\u00adglied dieser Gruppe. Es lohnt sich, @formschubs Beschreibungen beinahe vollst\u00e4ndig abzubilden, denn hier wird deutlich, dass auch Nutzer den Satellitenplattformen eine zentrale Rolle in der Ausdeutung von Plattformaktivit\u00e4ten zuschreiben. Daneben zeigt das Zitat aber auch, dass es nicht allein die vordefinierten Handlungsoptionen in Form eines Buttons sind, welche Praktiken pr\u00e4gen, sondern auch die Art und Weise, wie die resultierenden Daten dargestellt und zug\u00e4nglich gemacht werden:<\/p>\n<p>Ach, Favs \u2026 Als ich mich 2008 bei Twitter anmeldete und am 15. September meinen denkw\u00fcrdigen ersten Tweet eintippte, wusste ich nicht, was das kleine Sternsymbol \u00fcberhaupt bedeutete. Ich war zwar nicht mehr jung, aber ahnungslos. Erst, als in den Tweets meiner Followings das seltsame Wort \u201aFavs\u2018 immer h\u00e4ufiger auftauchte, fand ich heraus, was es mit dieser Funktion auf sich hat. \u201aAh, ein Gutfindbutton!\u2018 dachte ich und nutzte dieses neue Feature fortan, um im Strom der vorbeiziehenden Tweets kleine Anker zu setzen, damit mir die geistreichsten davon nicht unauffindbar entschwanden. Doch dann tauchte die erste Schlange im Twitterparadies auf. Sie nannte sich Favotter und stellte die Fremdbesternung von Tweets in einem virtuellen Schaufenster aus. Fortan konnte man (ich) sehen, welche der unschuldig eingetippten Belanglosigkeiten bei besonders vielen Mittwitterern auf Anerkennung stie\u00dfen. Und \u2013 ich gebe zu \u2013 ich erlag der Versuchung dieses Popularit\u00e4tsspiegels, stellte mich mehrmals t\u00e4glich davor und sonnte mich im goldgelben Glanz der erhaltenen Sterne. Es folgten Favrd, Favstar, die deutschen Favcharts und zuletzt Tweetster. Klicken, gucken, z\u00e4hlen, vergleichen. Ja, ich habe sogar irgendwo auf der Festplatte noch ein paar Screenshots, als ich mal den einen oder anderen Tag lang auf Platz 1 der deutschen Favcharts stand. Mal ehrlich: genie\u00dft es nicht jeder, im unglaublichen, endlosen Rauschen des Netzes auf diese oder andere Art ein kleines Glanzlicht aufgesetzt zu bekommen? Ist doch okay \u2013 und es schadet ja keinem. Peinlich wird es, finde ich, wenn Favs eingefordert werden. [&#8230;] Oder wenn Besternungsmeldungen der Favdienste eigenh\u00e4ndig retweetet werden, um den Scheinwerfer auf die eigene Originalit\u00e4t zu richten. Der Glanz der Sterne, die darauf folgen, ist ein matter. [&#8230;] (<a href=\"http:\/\/twitterhuder-abendblatt.de\/?p=663\">@formschub 2012<\/a>)<\/p>\n<p>Der Kommentar verdeutlicht, dass der Nutzer den Fav-Button im Rahmen der Plattform allein kaum wahrgenommen hat, sondern dass es erst der Darstellung von Fav-Daten in Satellitenplattformen bedurfte, um faven zu einer emotionalen, sozialen, aber auch kompetitiven Praxis zu formen. Im n\u00e4chsten Abschnitt wenden wir uns daher eben jener Politik der Sichtbarmachung zu und fragen, wie die Darstellung von Aktivit\u00e4ten in spezifischen Z\u00e4hlern und Rankings ihre interpretative Flexibilit\u00e4t nutzt und formt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.3 Die Plattform-Politik der Sichtbarmachung<\/p>\n<p>Mit der zunehmenden Beliebtheit von Favstar ver\u00e4nderte Twitter seine eigene Darstellungsweise von Favs. Dies erfolgte wie im Fall der Retweets schrittweise und wurde im Rahmen eines gro\u00df angelegten Redesigns eingef\u00fchrt, das Twitter am 8. Dezember 2011 unter dem Namen <em>Fly<\/em> vorstellte.<\/p>\n<p>Bei diesem Redesign ging es laut dem Mitbegr\u00fcnder Jack Dorsey darum, dass Twitter vor allem auch f\u00fcr jene Nutzer benutzbar werden sollte, die sich nicht besonders gut mit den vielen Konventionen auskennen, die Twitternutzer erfunden h\u00e4tten: \u201eTwitter should be usable for people who know the shortcuts and also equally usable for those who don\u2019t.\u201c (<a href=\"http:\/\/allthingsd.com\/20111208\/twitter-redesigns-to-be-simpler-and-faster\/\">Gannes 2011<\/a>) Fr\u00fche Nutzer h\u00e4tten \u201econventions\u201c etabliert, die zentral f\u00fcr die Weise geworden seien, wie Twitter funktioniert. Aber viele Nutzer h\u00e4tten keine Ahnung, was diese bedeuteten (vgl. <a href=\"http:\/\/allthingsd.com\/20111208\/twitter-redesigns-to-be-simpler-and-faster\/\">ebd.<\/a>, vgl. <a href=\"http:\/\/bits.blogs.nytimes.com\/2011\/12\/08\/twitter-tries-to-simplify-its-service\/?_r=0\">Sengupta 2011<\/a>). Das neue Design soll also Praktiken per Interface jenen zug\u00e4nglich machen, die sich diese nicht m\u00fchsam angeeignet haben, w\u00e4hrend die Neuerungen f\u00fcr erfahrene Nutzer nicht zum Hindernis werden sollten. <em>Fly<\/em> war laut <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em> auch dadurch motiviert, dass Facebook und Google Plus in jener Zeit von Twitter einige \u201eIdeen kopiert\u201c hatten und man sich so auf seine \u201aKernkompetenzen\u2018 konzentrieren wollte (<a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/digital\/twitter-redesign-1.13571480\">Steier 2011<\/a>). Dorsey selbst hat diese Profilsch\u00e4rfung gegen\u00fcber der Konkurrenz mit Google Plus und Facebook kommentiert mit: \u201eWe will offer simplicity in a world of complexity.\u201c (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kap3mCwXFC8\">Slate News Channel 2011<\/a>)<\/p>\n<p>Das Redesign beinhaltete viele \u00c4nderungen, wie zum Beispiel die, dass man nur noch sehr schwer eigene \u201avergebene\u2018 Retweets direkt aufrufen konnte, w\u00e4hrend erhaltene Retweets besser sichtbar wurden (vgl. <a href=\"http:\/\/www.mediabistro.com\/alltwitter\/new-twitter-old-retweets_b16648\">Bennett 2011<\/a>). Zum Redesign des Connect-Tabs (oder auf Deutsch: Verbinden-Tabs) schrieb Twitter damals: \u201eIt\u2019s the place to see who has followed or mentioned you, retweeted or favorited one of your Tweets.\u201c (<a href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20111209201632\/http:\/\/fly.twitter.com\/\">Twitter 2011b<\/a>) Hier wird also \u00fcber Favs ganz anders gesprochen als noch in obigem Zitat aus dem Jahr 2006, wo es um die <em>Speicherung<\/em> fremder Tweets ging und nicht, wie hier, um das <em>Erhalten<\/em> von Favs f\u00fcr eigene Tweets. Solche erhaltenen Favs sind heute im Verbinden- bzw. Connect-Tab mit einem einzigen Klick von der Start\u00adseite her auffindbar. So kann man, nachdem man einen Tweet geschrie\u00adben hat, mit einem Klick sehen, wie viele Favs er erhalten hat und von wem diese kommen. Um die \u201avergebenen\u2018 Favs oder vielmehr <em>abgespei\u00adcherten<\/em> Tweets zu sehen, muss man erst auf \u201aAccount\u2018 klicken und dort in einer Liste auf der linken Seite \u201aFavoriten\u2018 ausw\u00e4hlen (siehe Abb. 2).<\/p>\n<p>Diesen Umstand muss man nicht notwendigerweise als eine Priorisie\u00adrung der Gebe- und Empfangspraktiken gegen\u00fcber den Abspeicherprak\u00adtiken ansehen, also als eine Stabilisierung der interpretativen Flexibilit\u00e4t des Fav-Buttons. Die durch Favs gespeicherten Tweets sind zwar schwieriger auffindbar, allerdings erscheint die schnelle Auffindbarkeit weniger wichtig, wenn man den Fav-Button zum Speichern nutzt. Im Redesign <em>Fly<\/em>, das so umfassend angelegt war, dass viele Nutzer daf\u00fcr damals das Hashtag #NewTwitter nutzten, werden <em>beide<\/em> Nutzungspraktiken erm\u00f6glicht bzw. teilweise vereinfacht. Die interpretative Flexibilit\u00e4t des Fav-Buttons wird nicht aufgel\u00f6st, sondern sie besteht auch acht Jahre nach Er\u00f6ffnung der Plattform weiterhin.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\"><\/a><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-5297\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_2.png\" alt=\"Passmann_Abb_2\" width=\"627\" height=\"362\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_2.png 627w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_2-300x173.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 627px) 100vw, 627px\" \/><\/a>Abb. 2: Das Favoriten-Tab befindet sich im heutigen Webinterface (Stand Januar 2014)<br \/>\nauf der linken Seite, wenn man vorher auf \u201aAccount\u2018 (oben) geklickt hat.<\/p>\n<p>Wenn Twitter selbst den Fav-Button zun\u00e4chst lange Zeit als Bookmark pr\u00e4sentiert hat (es also zun\u00e4chst <em>keine<\/em> interpretative Flexibilit\u00e4t dieses Buttons gab), stellt sich hier die Frage, seit wann das Faven von der Plattform als Gebepraktik unterst\u00fctzt und damit sichtbar gemacht wird bzw. ab wann Twitter die interpretative Flexibilit\u00e4t des Fav-Buttons und damit Fav-Daten als \u201aschlechte\u2018 Daten anerkannt hat.<\/p>\n<p>Wie schon beim Retweet-Button nutzte Twitter hier wieder die schritt\u00adweise Strategie des \u201aLimited Rollouts\u2018. Am 10. August 2011 schrieb Twit\u00adter auf seinem Blog: \u201eToday, we\u2019re rolling out two new features on Twitter.com that help you discover more on Twitter. You can now see when someone favorites or retweets one of your Tweets\u201c (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2011\/show-me-more\">Twitter 2011a<\/a>). Dieses neue Feature er\u00f6ffne einen einfachen Weg, \u201e[&#8230;] to see what\u2019s happening on Twitter in relation to you\u201c (ebd.). F\u00fcr alle sichtbar wurde diese Funktion allerdings erst am 14. November 2011 (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/twitter\/status\/136230349058490368\">@twitter 2011<\/a>c).<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit, auch \u00fcber Twitter selbst und nicht mehr nur \u00fcber Drittanbieter Favs zu \u201aerhalten\u2018 (d.h. zu sehen, dass ein Tweet \u201agefavt wird\u2018), gab es bereits im Fr\u00fchling desselben Jahres. Am 23. Mai 2011 schrieb Twitter von seinem offiziellen Account @twitter: \u201eStarting today, we&#8217;re rolling out an email notification that lets you know if someone you follow retweets or favorites one of your Tweets\u201c (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/twitter\/status\/72775840978571264\">2011a<\/a>). Interessant sind daran zwei Aspekte. Zum einen lagert man die Information \u00fcber erhaltene Favs zu diesem Zeitpunkt noch aus der Plattform aus. Zum anderen enth\u00e4lt diese Praxis mindestens eine Annah\u00adme, wenn nicht gar eine Strategie: Nicht wenige Favstar-Twitterer erhalten t\u00e4glich viele hundert Favs \u2013 ein Umstand, der die Praxis, E-Mails f\u00fcr jeden Fav zu verschicken, einigerma\u00dfen absurd macht, weshalb erfolgreichere Favstar-Twitterer diese Funktion damals sofort deaktivierten. Wer Favs allerdings nicht in solcher Weise nutzt, wird durch E-Mails m\u00f6glicherweise aktiv auf die Idee gebracht, dass ihm mit diesem Fav gerade jemand Anerkennung ausgesprochen hat. Die M\u00f6glichkeit, dies als Gabe zu interpretieren, d\u00fcrfte durch den Umstand, dass man eine E-Mail <em>bekommt<\/em>, wahrscheinlicher erscheinen; die Gabe wird einem mithin bis ins E-Mail-Postfach gebracht. Wenn Jack Dorsey, wie oben bemerkt, im Dezember desselben Jahres darauf hinwies, das Fly-Redesign solle es vor allem wenig erfahrenen Nutzern erlauben, die Praktiken der erfahreneren Nutzer aufzunehmen, passt dies genau in diese Strategie: Die Nutzungspraktiken der Favstar-Sph\u00e4re sollten so durch kleinschrittige Updates im Jahre 2011 unter gr\u00f6\u00dferen Nutzergruppen zun\u00e4chst bekannt gemacht und dann verbreitet werden.<\/p>\n<p>Diese schrittweise Einf\u00fchrung des Favs als Gebepraktik durch ver\u00e4nderte Sichtbarkeiten endete nicht mit dem Fly-Redesign, sondern zeigt sich auch in der Darstellung, wie viele Favs und Retweets ein Tweet genau bekommen hat. Im Herbst des Jahres 2011 wurde diese Zahl zwar unterhalb der Tweets angezeigt \u2013 dies aber nur bis zu einer Obergrenze von 50 St\u00fcck. Erst am 18. Juni 2012 schrieb @twitter: \u201eNow you can see a Tweet&#8217;s total number of retweets and favorites, rather than \u201a50+\u2018\u201c (<a href=\"https:\/\/twitter.com\/twitter\/status\/214780418887659520\">2011b<\/a>).<\/p>\n<p>Am Beispiel des Fav-Buttons wird klar: Die Politik der Sicht\u00adbarkeit tr\u00e4gt, wie schon das oben diskutierte Zitat von @formschub verdeut\u00adlicht, ma\u00dfgeblich zur Etablierung neuer Nutzerpraktiken bei und wird sowohl von der Plattform selbst, als auch von Satellitenplattformen bestimmt. Dabei sind es oft letztere, die neue Formen der Sichtbarkeit explorieren (Bodle 2011, <a href=\"http:\/\/computationalculture.net\/article\/objects-of-intense-feeling-the-case-of-the-twitter-api\">Bucher 2013<\/a>, van Dijck 2012). Doch das Verh\u00e4ltnis zwischen Plattform und Drittanbietern ist ebenfalls von komplexen Aushandlungen gepr\u00e4gt: Bei der Beziehung zwischen Twitter und seinen Satellitenplattformen handelt es sich nicht um eine teleologische Ann\u00e4herung, in der die Plattform erfolgreiche Optionen direkt \u00fcbernimmt, sondern um eine selektive Auswahl und Pr\u00e4sentation von Features im Sinne der eigenen Plattformpolitik. Twitter braucht zumindest bisher Satellitenplattformen. Dies wird unter anderem in der Tatsache deutlich, dass sie APIs (Application Programming Interfaces) f\u00fcr Entwickler anbieten, \u00fcber die diese strukturierten Zugang zu Plattformdaten erhalten, um diese zu analysieren, aber auch in neue Kontexte und Sichtbarkeiten zu \u00fcberf\u00fchren (<a href=\"http:\/\/computationalculture.net\/article\/objects-of-intense-feeling-the-case-of-the-twitter-api\">Bucher 2013<\/a>).<\/p>\n<p>Bereits zwei Monate nach dem Launch der Plattform stellte Twitter eine API Schnittstelle zur Verf\u00fcgung (<a href=\"http:\/\/computationalculture.net\/article\/objects-of-intense-feeling-the-case-of-the-twitter-api\">ebd.<\/a>), und Bodle (2011) argumen\u00adtiert, dass diese \u00d6ffnung die Entwicklung der Plattform ma\u00dfgeblich beeinflusst hat, da seitdem zahlreiche kommerzielle und nicht-kommerzielle Entwickler zur Innovation von Plattform, Software und Nutzerpraktiken beitrugen:<\/p>\n<p>Twitter, the popular micro-blogging short message service that was launched in 2006, provided Open APIs upon its inception, which has resulted in the development of a thriving ecosystem of developers that have released a proliferation of Twitter applications, including TweetDeck, Twhirl, Seesmic, and Twitterrific. (Bodle 2011: 327)<\/p>\n<p>Obwohl mit APIs eine solche Entwicklung aus der Plattform \u201aausgelagert\u2018 wird, nehmen Plattformen weiterhin Einfluss, indem sie entscheiden, welche Daten auf welche Art und Weise \u00fcber ihre APIs zug\u00e4nglich sind.<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><sup>[6]<\/sup><\/a> So sind Satellitenanbieter in ihrer Entwicklung neuer Apps oder Clients von der Konstanz der APIs abh\u00e4ngig, denn \u00c4nderungen k\u00f6nnen existentielle Probleme f\u00fcr Drittanbieter bedeuten, wenn Zugang zu Daten verwehrt oder eine Anpassung ihrer Dienste nicht m\u00f6glich ist (<a href=\"http:\/\/computationalculture.net\/article\/objects-of-intense-feeling-the-case-of-the-twitter-api\">Bucher 2013<\/a>). APIs, so argumentiert Taina Bucher, stellen also einen zentralen Ansatzpunkt f\u00fcr Plattformpolitik dar, um im Zusammenspiel mit Satellitenplattformen die M\u00f6glichkeiten ihrer interpretativen Flexibilit\u00e4t auszuloten: \u201eaimed at harnessing and regulating the capacity of the field, that is, of ensuring that there exists a pool of yet to be actualized potential. A potential, that in actuality, is to be actualized in an anticipated way\u201c (ebd.: 15).<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">3.4 Die Rolle von Apps in der Politik der Sichtbarmachung<\/p>\n<p>Die Ver\u00e4nderung in Twitters Politik der Sichtbarmachung von Favs l\u00e4sst sich auch anhand der offiziellen Twitter-Apps f\u00fcr die unterschiedlichen Smartphone-Betriebssysteme nachvollziehen. \u201aOffizielle\u2018 Apps ver\u00f6f\u00adfent\u00adlichte Twitter, das sehr lange Zeit noch auf die Nutzung per SMS gesetzt hatte, im Jahr 2010. Die relativ sp\u00e4te Ver\u00f6ffentlichung einer \u201aoffiziellen\u2018 Smartphone-App ist \u00fcberdies aufschlussreich f\u00fcr das Ver\u00adh\u00e4ltnis Twitters zu Satellitenplattformen und anderen Drittanbietern, die lange vor Twitter selbst Apps entwickelten \u2013 und dies mit Erfolg: Die kanadische Social-Media-Analyse-Firma Sysomos konstatiert etwa, dass im Jahr 2009 mehr als 50 % aller Tweets \u00fcber Drittanbieter versen\u00addet wurden. Knapp 20 % aller Tweets wurden dabei \u00fcber die App <em>Tweet Deck<\/em> versendet, die Twitter mittlerweile aufgekauft hat (vgl. <a href=\"https:\/\/www.sysomos.com\/docs\/Inside-Twitter-BySysomos.pdf\">Sysomos 2009<\/a>).<\/p>\n<p>Twitters Engagement in Apps begann im Jahr 2010. Als Erstes erschien eine offizielle Twitter-App f\u00fcr Blackberry, die von RIM (heute BlackBerry) entwickelt worden war. Dies wurde am 9. April 2010 auf dem Blog mobile.blog.twitter.com bekannt gegeben \u2013 interessanterweise ist die Bekanntmachung bis heute der einzige Eintrag auf diesem Blog. Einen Tag sp\u00e4ter gab man auf dem Hauptblog bekannt, dass Twitter die iPhone-App <em>Tweetie<\/em> gekauft habe, die eine der f\u00fchrenden Apps f\u00fcr das iPhone sei. Diese habe man in <em>Twitter for iPhone<\/em> umbenannt und statt f\u00fcr einen Preis von 2,99 $ sei sie nun kostenlos zu nutzen (vgl. <a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/twitter-iphone-0\">Williams 2010<\/a>). Knapp drei Wochen sp\u00e4ter vermeldete man schlie\u00dflich, dass es nun auch eine offizielle Twitter-App f\u00fcr Android gebe (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/twitter-for-android-robots-like-to-share-too\">rechis 2010b<\/a>). Demnach ist <em>Twitter for Android<\/em> zwar die dritte offizielle Twitter-App, aber die erste, an deren Entwicklung Twitter laut eigener Aussage selbst beteiligt war und von deren Interface aus man \u00fcber die Plattform-Politik Twitters argumentieren kann.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5298 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_3.png\" alt=\"Passmann_Abb_3\" width=\"277\" height=\"461\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_3.png 277w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_3-180x300.png 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 277px) 100vw, 277px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_4.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5299 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_4.png\" alt=\"Passmann_Abb_4\" width=\"277\" height=\"461\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_4.png 277w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_4-180x300.png 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 277px) 100vw, 277px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 3\/4: Version 1.0 der offiziellen Twitter-App f\u00fcr Android. Links die Start-Ansicht.<br \/>\nRechts die Timeline mit Plattformaktivit\u00e4ten in einem gesonderten Fenster<br \/>\n\u00fcber einem Tweet von Barack Obama.<\/p>\n<p>In der Start-Ansicht der Version 1.0 der Twitter App f\u00fcr Android sind zwei Plattform-Aktivit\u00e4ten aufgef\u00fchrt: Mentions (also Erw\u00e4hnungen des eigenen Twitter-Namens) und Retweets. Unter Retweets erscheinen drei Tabs: Im ersten sieht man die Retweets, die man selbst get\u00e4tigt hat, im zweiten Retweets, die Accounts get\u00e4tigt haben, denen man folgt, und im dritten eigene Tweets, die von anderen Nutzern retweetet wurden. In dieser ersten Version werden allerdings keine H\u00e4ufigkeiten genannt; es erscheinen schlicht die Tweets selbst. Auf Favs \u2013 ob gegebene oder erhaltene \u2013 kann von derStart-Ansicht aus nicht zugegriffen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_5.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5300 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_5.png\" alt=\"Passmann_Abb_5\" width=\"252\" height=\"373\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_5.png 252w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_5-203x300.png 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 252px) 100vw, 252px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_6.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5302\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_6.png\" alt=\"Passmann_Abb_6\" width=\"232\" height=\"370\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_6.png 233w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_6-188x300.png 188w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 4: Version 1.0 der offiziellen Twitter-App f\u00fcr Android. Links sieht man die eigene Timeline, von dort aus kann man auf die eigenen, \u201avergebenen\u2018 Favs zugreifen. Rechts sieht man das Profil eines fremden Accounts. Man kann sich dessen Follower, Listen und vieles mehr ansehen. Ganz am Ende der Optionen kann man sich auch ansehen, wessen Tweets er favorisiert hat.<\/p>\n<p>Die Timeline-Ansicht zeigt die Tweets, die jene User geschrieben haben, denen man folgt. Klickt man auf einen dieser Tweets, erscheinen die m\u00f6glichen Aktivit\u00e4ten: Man kann auf den Tweet antworten, ihn retweeten<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\"><sup>[7]<\/sup><\/a>, faven oder \u201ateilen\u2018, was bedeutet, dass man ihn auf anderen Wegen als Twitter verbreitet \u2013 per E-Mail oder auf Facebook etwa. Zentral f\u00fcr uns ist hier: \u201aErhaltene\u2018 Favs kann man nicht sehen.<\/p>\n<p>Vergebene Favs kann man hingegen einsehen \u2013 dies geht \u00fcber den Button \u201aTweets\u2018 in der Start-Ansicht in Abb. 3. Oben links \u00fcber den Tweets sieht man einen kleinen Vogel, unter dem ein kleiner, dreieckiger Pfeil erscheint. Klickt man auf diesen Pfeil, erh\u00e4lt man die Ansicht aus Abb. 4 links. Das Gleiche kann man tun, wenn man die Profilseite eines anderen Accounts aufruft. In der ersten offiziellen App, an deren Entwicklung Twitter beteiligt war, wird der Fav also als Bookmarking-Praktik interpretiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_7.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5301 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_7.png\" alt=\"Passmann_Abb_7\" width=\"217\" height=\"361\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_7.png 217w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_7-180x300.png 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 217px) 100vw, 217px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_8.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5303 size-full\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_8.png\" alt=\"Passmann_Abb_8\" width=\"424\" height=\"367\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_8.png 424w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_8-300x260.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 424px) 100vw, 424px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 5: Aktuelle offizielle Twitter App f\u00fcr Android (Version 5.0.4). Was nach dem Fly-Redesign \u201eConnect\u201c bzw. \u201eVerbinden\u201c hie\u00df, hei\u00dft hier \u201eMitteilungen\u201c (links und Mitte). An dieser Stelle sieht man erhaltene Favs bis zu einer Maximalh\u00f6he von 15 (Mitte). Klickt man darauf, kann man genau nachsehen, wie viele Favs der Tweet insgesamt erhalten hat und von welchen Accounts diese Favs kommen (rechts). Unter den unkenntlich gemachten Fl\u00e4chen in der Mitte stehen die Tweets, auf die sich die Favs beziehen.<\/p>\n<p>Vergleicht man dies mit der aktuellen Version dieser App (5.0.4), sieht man, dass sich in dieser Hinsicht sehr viel ge\u00e4ndert hat: Etliche Plattform-Aktivit\u00e4ten werden einem Account zugerechnet, aufaddiert und sichtbar gemacht. Diese erscheinen per Default-Einstellung auch als Push-Benachrichtigung. Man wird \u00fcber erhaltene Favs und \u00c4hnliches aktiv informiert, wenn man es nicht selbst anders einstellt.<\/p>\n<p>Durch die explizite Darstellung von erhaltenen Favs in der aktuellen App wird die Nutzungsvariante als Gabe im Vergleich zur Version 1.0 nicht nur grunds\u00e4tzlich erm\u00f6glicht, Nutzer werden auch erstmals auf erhaltene Favs und damit die M\u00f6glichkeit, diese als Gaben zu nutzen, aufmerksam gemacht. Dar\u00fcber hinaus ist die Nutzung des Favs als Bookmark weiterhin \u00e4hnlich wie in Version 1.0 m\u00f6glich: Unten auf der eigenen Profilseite findet man sechs m\u00f6gliche Men\u00fcpunkte; darunter \u201aFavoriten\u2018 (Abb. 6, links). W\u00e4hrend erhaltene Favs quasi auf der Startseite angezeigt werden, bedarf es mehrerer Klicks, die vergebenen Favs zu sehen. Damit treten die Sortier-Aktivit\u00e4ten eines Nutzers zugunsten des Austauschs mit anderen Nutzern in den Hintergrund: Wichtiger als die Frage, wie man die von anderen getweeteten Infor\u00admationen organisiert, wird, wie oben bereits erw\u00e4hnt, \u201e[&#8230;] to see what\u2019s happening on Twitter in relation to you\u201c (<a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2011\/show-me-more\">Twitter 2011a<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_9.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5304 size-full alignnone\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_9.png\" alt=\"Passmann_Abb_9\" width=\"238\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_9.png 238w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_9-180x300.png 180w\" sizes=\"auto, (max-width: 238px) 100vw, 238px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5305 size-full alignnone\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_10.png\" alt=\"Passmann_Abb_10\" width=\"235\" height=\"396\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_10.png 235w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Passmann_Abb_10-178x300.png 178w\" sizes=\"auto, (max-width: 235px) 100vw, 235px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 6: In der Profilansicht der Version 5.0.4 kann man nach wie vor (relativ umst\u00e4ndlich) die eigenen Favoriten aufrufen (links). Die Favoriten derjenigen, denen man folgt, kann man relativ leicht im Tab \u201aAktivit\u00e4t\u2018 sehen (rechts). Wenn jemand mehrere Tweets favt, wird dies bis zu einem Maximum von 15 numerisch angezeigt.<\/p>\n<p>Doch auch die Nutzung des Favs als Bookmark hat im Vergleich zu Version 1.0 eine soziale Dimension erhalten: Im direkt von der Startseite ansteuerbaren Tab \u201eAktivit\u00e4t\u201c kann man sehen, welche Tweets diejenigen favorisiert haben, denen man folgt. Man kann dies sicher auch nutzen, um anderen Accounts beim Vergeben von Favs zuzusehen. Dessen ungeachtet ist diese Ansicht f\u00fcr jene Nutzergruppen sehr praktikabel, die den Fav eher als Bookmark f\u00fcr erinnernswerte Informationen nutzen: Man kann sehen, auf welche Tweets jene, denen man folgt, sp\u00e4ter noch einmal zur\u00fcckkommen wollen. Die Politik der Sichtbarkeit der Twitter-App erm\u00f6glicht also die Nutzung von Favs als Gaben <em>und<\/em> Bookmarks und unterst\u00fctzt damit weiterhin beide Nutzungs\u00adweisen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\">4. (Gute) plattform-politische Gr\u00fcnde f\u00fcr schlechte Daten<\/p>\n<p>Halten wir zusammenfassend fest: Die Darstellung von Favs auf Twitter, Twitters Apps und auf Satellitenplattformen macht nicht blo\u00df bereits bestehende Gebeprozesse beobachtbar, sondern <em>erzeugt<\/em> diese in gewisser Hinsicht, weil die Sichtbarmachung von Favs es nahe legt, dieselben Aktivit\u00e4ten anders zu deuten. Ein dem Gegen\u00fcber sichtbar gemachter Fav fungiert als eine Gabe, wenn alle Beteiligten sich (a) dieser Sichtbarkeit und (b) der Sichtbarkeit auch f\u00fcr den anderen bewusst sind (womit freilich noch nichts dar\u00fcber gesagt ist, welchen Wert man ihr zuschreibt). Bei dem Fav wurde dies erst in kleinen Schritten von den Satellitenplattformen geleistet, um dann sp\u00e4ter teilweise von der \u201aHauptplattform\u2018 Twitter \u00fcbernommen zu werden. Das Gleiche gilt dabei nicht nur f\u00fcr das Faven, sondern insbesondere auch f\u00fcr das Entfaven: Erst nachdem die Satellitenplattform Tweetster es sichtbar machte, wenn ein Tweet entfavt wurde, <em>gab<\/em> es \u00fcberhaupt Entfaven als soziale Praktik. Obwohl das Entfaven vorher technisch m\u00f6glich war, war es aufgrund mangelnder Sichtbarkeit schwierig, dieses \u00fcberhaupt zu registrieren oder gar zu verfolgen.<\/p>\n<p>Plattformen, so hielten wir zu Beginn mit R\u00fcckgriff auf Gillespie (2010) fest, operieren als Schnittstellen, die zwischen Erwartungen unterschiedlichster Anspruchsgruppen vermitteln m\u00fcssen und dabei ihre ganz eigene Politik verfolgen. Die Akteure, die wir in diesem Aufsatz in den Blick genommen haben, waren Nutzer, Plattformen, Entwickler und vor allem Satellitenplattformen. Gegenstand der Plattform-Politik waren die Plattform-Aktivit\u00e4ten Retweet, Like sowie insbesondere Fav und ihre jeweiligen Buttons.<\/p>\n<p>Diese Buttons erm\u00f6glichen Nutzern zwar neue, formalisierte Praktiken, doch Twitter verzichtet auf eine vollst\u00e4ndige Stabilisierung ihrer Bedeutung. Man l\u00e4sst so nicht nur mehrere Nutzungsweisen zu, sondern gibt Satellitenplattformen auch die M\u00f6glichkeit, diese auf verschiedene Weisen mit herzustellen, und er\u00f6ffnet damit ein Feld f\u00fcr Plattform-Politik zwischen Twitter und seinen Satellitenplattformen. Der Fav-Button ist heute zwar nicht mehr so vage wie etwa im Jahr 2011, als Twitter begann, faven als geben und als bookmarken zu bewerben. Aber es wird eben keine der beiden Praktiken ausgeschlossen. Die Daten des Buttons selbst bleiben weiterhin ein Kompromiss zwischen zwei verschiedenen Verwendungsweisen und damit auch f\u00fcr verschiedene Sinn-Zuschreibungen der Endnutzer. Sie k\u00f6nnen so lange als Objekte funktionieren, die opake Reziprozit\u00e4t vermitteln, bis der (unwahr\u00adscheinliche) Fall eintritt, dass sie Gegenstand eines Konflikts werden: So lange es keinen sichtbaren Anlass gibt, zu hinterfragen, ob der Fav ein Zeichen der Anerkennung oder eine Praktik des Informations-Managements darstellt, kann jeder Fav als Demonstration von Anerkennung aufgefasst werden.<\/p>\n<p>Neben der Vagheit von Plattformdaten stellte die Entwicklung von Plattformen im Spannungsfeld ihrer Anspruchsgruppen den zweiten Fokus des Aufsatzes dar. Hier lassen sich Resonanzen zur Diskussion von Plattformen in der Medizinsoziologie feststellen (Keating\/Cam\u00adbro\u00adsio 2003). Auch dort geht es darum, wie Standards auf Plattformen ge\u00e4ndert werden. Sie w\u00fcrden \u201eproduced and reproduced on the plat\u00adform. Platforms supply networks with conventions, generate novel enti\u00adties, and entrench them in clinical routines\u201c (ebd.: 324). Der Unterschied liegt bei Social-Media-Plattformen lediglich darin, dass an diesem Prozess gleich eine ganze Reihe von Plattformen beteiligt sind: Satelliten\u00adplatt\u00adfor\u00admen, aber auch Konkurrenten wie WordPress, Facebook, Google Plus, tumblr, Amazon und einige mehr, die entweder Plattforminteraktionen wie Favs und Retweets aufgenommen oder Twitter mit ebensolchen versorgt haben. Betrachtet man vor dem Hintergrund unserer Beobach\u00adtungen Plattformen mit Gillespie (2010) als Schnittstelle einer breiteren \u00d6kologie von Akteuren, so wird deutlich, dass Unterdeterminiertheit von Daten einer Plattformpolitik in vielerlei Hinsicht zutr\u00e4glich ist. Vage Daten erlauben eine kontrollierte Offenheit. Kontrolliert, da interpretative Flexibilit\u00e4t eben keine Einladung ist, die Plattform beliebig zu formen \u2013 obwohl sich Twitter gern mit dem Narrativ der Nutzerinnovation schm\u00fcckt: Welche Innovationen einge\u00adladen werden und welche nicht, ist allein die Entscheidung der Platt\u00adform-Betreiber.<\/p>\n<p>Vage Daten erlauben ihre retrospektive Neu-Interpretation und Neu-Kontextualisierung, zum Beispiel durch eine Politik der Sichtbarkeit, und erm\u00f6glichen es dadurch, die gleichen Daten und Aktivit\u00e4tsoptionen f\u00fcr eine Vielzahl von Akteuren und deren Praktiken relevant zu machen, ohne vorher zu wissen, wie diese Praktiken genau aussehen k\u00f6nnten. Dies sind \u201agute\u2018 Gr\u00fcnde f\u00fcr \u201aschlechte\u2018 Plattformdaten.<\/p>\n<p>W\u00e4re es also falsch anzunehmen, dass man mit solchen Daten \u201ea complete record of individual behavior\u201c protokollieren kann, wie Lazer et al. in dem eingangs zitierten Beitrag in <em>Science <\/em>behaupten? K\u00f6nnte man sogar sagen, dass Philip Agres Vorstellung eines \u201aCapture System\u2018 nicht eingetreten ist? F\u00fcr die Plattformaktivit\u00e4ten kann man dies zun\u00e4chst bejahen. Es gibt kein \u201anat\u00fcrliches\u2018 Verhalten, das mit solchen Plattform\u00adaktivit\u00e4ten abgebildet wird, denn wir haben es auch bei transaktionalen Daten nicht mit \u201aungefilterten\u2018 Daten zu tun, auch wenn diese nicht in einem Forschungskontext entstanden sind (Savage und Burrows 2007). Dass digitale Plattform-Daten keineswegs roh oder unstrukturiert, sondern durch Metadaten und \u00e4hnliches vorstrukturiert sind, konsta\u00adtieren auch Marres und Weltevrede (2013). Unser Aufsatz setzt allerdings einen Schritt vorher und einen Schritt sp\u00e4ter an: Einerseits werden diese Daten zus\u00e4tzlich dadurch verkompliziert, dass ihnen verschiedene Nut\u00adzungs\u00ad\u00adprak\u00adtiken zugrunde liegen. Andererseits werden sie aber dadurch aussagekr\u00e4ftiger, dass sich Nutzer in mancher Hinsicht an die Vorstruk\u00adtu\u00adrierung anpassen. Man kann also bei solchen Plattformdaten nur sehr schwer genau wissen, ob man es mit Daten zu tun hat, die die Stan\u00addar\u00addi\u00adsie\u00adrungsform der Plattform eher angenommen haben oder die sie eher unter\u00adlaufen. Inwiefern vage Daten von Analysten und Drittan\u00adbietern tat\u00ads\u00e4ch\u00adlich als solche behandelt werden, ist eine Frage, die noch gekl\u00e4rt wer\u00adden m\u00fcsste.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p><sup>[1] <\/sup>Unter Plattformaktivit\u00e4ten verstehen wir hier nur die Optionen, die Plattformen Nutzern zur Interaktion anbieten, also Retweets, Likes, Favs etc. Diese m\u00f6chten wir von den tats\u00e4chlichen Nutzungsprak\u00adtiken unterscheiden.<\/p>\n<p><sup>[2]<\/sup> So etwa die am h\u00e4ufigsten angeklickte Video-Rezension dieser App von Android Central (<a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=411Sx99S4NE\">2010<\/a>).<\/p>\n<p><sup>[3]<\/sup> Die zugrunde liegende empirische Feldforschung in der deutsch\u00adsprachigen Favstar-Sph\u00e4re ist Teil der Dissertation von Johannes Pa\u00dfmann. Die ,Entfaver\u2018 wurden alle \u00fcber die Satellitenplattform <em>Tweetster.de<\/em> identifiziert, die ihren Dienst mittlerweile eingestellt hat (\u00fcber Twitter und Favstar sind Entfavungen in der Regel nicht sichtbar). Dabei wurden in einem Zeitraum von zwei Wochen alle Nutzer befragt, bei denen auf Tweetster sichtbar wurde, dass sie einen Tweet entfavt hatten. Drei der Nachfragen erfolgten per Telefon bzw. Skype, da es sich um Personen handelte, die Johannes Pa\u00dfmann im Laufe seiner Feldforschung n\u00e4her kennengelernt hatte. F\u00fcnf weitere erfolgten per Direct Message (DM) \u00fcber Twitter, da die Adressaten Follower seines Accounts waren. Die restlichen sechs wurden per Tweet befragt, da es keine andere M\u00f6glichkeit der Kontaktaufnahme gab. Dabei gab es zwei weitere per Tweet Befragte, die keine Antwort gaben und in der obigen Rechnung nicht ber\u00fccksichtigt sind.<\/p>\n<p><sup>[4] <\/sup>Der Fav schlie\u00dft wohl auch etymologisch an eine Bookmarkfunktion an, und zwar an eine, die sich au\u00dferhalb von Plattformen entwickelt hat. Denn als ;Favourites\u2018 oder \u201aFavicons\u2018 wurde schon Jahre vorher ein Button f\u00fcr das browserinterne Speichern von Webseiten bezeichnet: \u201eDas Kunstwort aus \u201aFavorites\u2018 und \u201aIcon\u2018 verweist einerseits auf die Lesezeichen des Browsers, andererseits auf die im Computerbereich verbreiteten Piktogramme. Favicons treten in der Lesezeichenleiste links neben dem Titel der Webseite und in der Adresszeile links von der URL auf\u201c (Bendel 2009: 9).<\/p>\n<p><sup>[5]<\/sup> Eine andere Konzeptualisierung findet sich bei John Batelle, der 2011 den Begriff des Metaservices pr\u00e4gte, um Anbieter zu bezeichnen, die auf Daten anderer Plattformen aufgebaut sind (Batelle 2011). Dieser Begriff verkennt allerdings einerseits die Abh\u00e4ngigkeit, in der diese Anbieter zu den ,Mutterplattformen\u2018 stehen, die die Daten erzeugen und ihnen Zugang zu ihren Schnittstellen gestatten, diese erweitern oder verengen k\u00f6nnen. Andererseits betont der Begriff der Satelliten\u00adplattform, dass es sich dabei nicht blo\u00df um dienliche Services, sondern in der Tat auch um Plattformen handelt, die Verhaltenswei\u00adsen ihrer Nutzer standardisieren. So gilt es in der Favstar-Sph\u00e4re etwa als Erfolg, einen Tweet zu schreiben, der 50, 100 oder 250 Favs bekommt, weil genau dies die Anzahlen sind, bei denen ein Favstar-Bot diese Tweets automatisch retweetet; Favstar ist also insofern auch eine Plattform, als es Erfolgsma\u00dfst\u00e4be standardisiert. Viel wichtiger aber: Es gibt eine Gruppe von Nutzern, von denen sich ein betr\u00e4cht\u00adlicher Teil regelm\u00e4\u00dfig haupts\u00e4chlich in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten trifft, die die Selbstbeschreibung als Favstar-Sph\u00e4re f\u00fcr angemessen erach\u00adtet und deren Identit\u00e4t zu anderen Gruppen auf Twitter sich auch quantitativ zeigen l\u00e4sst (vgl. Pa\u00dfmann\/Boeschoten\/Sch\u00e4fer 2014). Insofern passt Favstar zum Plattformbegriff von Keating\/Cambrosio (2003), die betonen, dass Plattformen f\u00fcr die Generierung von Netzwerken verantwortlich bzw. Bedingung der M\u00f6glichkeit ihrer Existenz und Transformation seien (vgl. ebd.: 324).<\/p>\n<p><sup>[6]<\/sup> Mehr zur Plattformpolitik durch APIs siehe Puschmann\/Burgess 2014.<\/p>\n<p><sup>[7]<\/sup> Beim Launch dieser App beklagten sich viele Nutzer dar\u00fcber, dass diese App nur \u201eNative Retweets\u201c bzw. \u201eOrganic Retweets\u201c erm\u00f6g\u00adlicht. Man kann den Tweet nicht modifizieren, und wenn man ihn re\u00adtweetet, erscheint er als Tweet des Urhebers und nicht als ein eigener. Twitter promotet hier, wie bereits angesprochen, also ganz klar seinen Retweet-Button und nicht die \u00e4ltere Retweet-Weise, bei der man \u201aRT\u2018 vor einen Tweet schreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Agre, Philip E. (1994): \u201eSurveillance and Capture \u2013 Two Models of Privacy\u201c, in: <em>The Information Society<\/em> 10 (2), S. 101-127.<\/p>\n<p>Android Central (2010): \u201eOfficial Android Twitter app\u201c, in: <em>YouTube: Android Central<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=411Sx99S4NE\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=411Sx99S4NE<\/a>, publ. 30.04.2010, zit. 15.06.2014.<\/p>\n<p>Bennett, Shea (2011): \u201eCan\u2019t Find Your Retweets On The New Twitter.com? Here\u2019s How To Get The Old Ones Back\u201c, in: <em>All Twitter<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.mediabistro.com\/alltwitter\/new-twitter-old-retweets_b16648\">http:\/\/www.mediabistro.com\/alltwitter\/new-twitter-old-retweets_b16648<\/a>, publ. 12.12.2011, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Baumer, S. (2012): \u201eF\u00fcnf Twitterer, ein Stichwort: Fav.\u201c, in: <em>Twitterhuder Abendblatt, <\/em><a href=\"http:\/\/twitterhuder-abendblatt.de\/?p=663\">http:\/\/twitterhuder-abendblatt.de\/?p=663<\/a>, publ. 27.06.2012, zit. 10.03.2014.<\/p>\n<p>Bendel, Oliver (2009): \u201ePixel um Pixel: Favicons erobern das Web\u201c, in: Manfred Blohm(Hg.): <em>Texte zur Medienkunst<\/em>, Flensburg, S. 9-18.<\/p>\n<p>Bodle, Robert (2011): \u201eRegimes of Sharing\u201c, in: <em>Information, Communication &amp; Society<\/em> 14(3), S. 320-337.<\/p>\n<p>Bucher, Taina (2013): \u201eObjects of Intense Feeling: The Case of the Twitter\u201c, in: <em>Computational Culture<\/em> 3, <a href=\"http:\/\/computationalculture.net\/article\/objects-of-intense-feeling-the-case-of-the-twitter-api\">http:\/\/computationalculture.net\/<br \/>\narticle\/objects-of-intense-feeling-the-case-of-the-twitter-api<\/a>, publ. 16.11.2013, zit. 10.06.2014.<\/p>\n<p>Dash, Anil (2011): \u201eAll in Favor\u201c, in: <em>Anil Dash: A Blog About Making Culture, <\/em><a href=\"http:\/\/dashes.com\/tag\/permalinks\">http:\/\/dashes.com\/tag\/permalinks<\/a>, publ. 09.06.2011, zit. 10.03.2014.<\/p>\n<p>Deleuze, Gilles (1992): \u201ePostscript on the Societies of Control\u201c, in: <em>October<\/em> 59, S. 3-7.<\/p>\n<p>Dijck, Jose van (2012): \u201eTracing Twitter: The Rise of a Microblogging platform\u201c, in: <em>International Journal of Media and Cultural Politics<\/em> 7 (3), S. 333-348.<\/p>\n<p>@formschub (2012): N.N., in: <em>Twitterhuder Abendblatt,<\/em> <a href=\"http:\/\/twitterhuder-abendblatt.de\/?p=663\">http:\/\/twitterhuder-abendblatt.de\/?p=663<\/a>, publ. 27.06.2012, zit. 10.03.2014.<\/p>\n<p>Galloway, Alexander (2004): <em>Protocol. How Control Exists after Decentralization<\/em>, Cambridge\/MA.<\/p>\n<p>Gannes, Liz (2011): \u201eTwitter Redesigns to Be Simpler and Faster\u201c, in: <em>All Things D<\/em>, <a href=\"http:\/\/allthingsd.com\/20111208\/twitter-redesigns-to-be-simpler-and-faster\/\">http:\/\/allthingsd.com\/20111208\/twitter-redesigns-to-be-simpler-and-faster\/<\/a>, publ. 08.12.2011, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Garfinkel, Harold (1967a): \u201e\u201aGood\u2018 organizational reasons for \u201abad\u2018 clinical records\u201c, in: <em>Studies in Ethnomethodology<\/em>, Cambridge\/MA, S. 186-207.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (1967b): \u201eStudies of the routine grounds of everyday activities\u201c, in: <em>Studies in Ethnomethodology<\/em>, Cambridge\/MA, S. 35-75.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (2000): \u201e\u201aGute\u2018 organisatorische Gr\u00fcnde f\u00fcr \u201aschlechte\u2018 Krankenakten\u201c, \u00fcbs. v. Astrid Hildenbrand, in: <em>System Familie<\/em> 13, S. 111-122.<\/p>\n<p>Gerlitz, Carolin\/Anne Helmond (2013): \u201eThe Like economy: Social buttons and the data-intensive web\u201c, in: <em>New Media &amp; Society<\/em> 15 (8), S. 1348-1365.<\/p>\n<p>Gillespie, Tarleton (2010): \u201eThe politics of \u201aplatforms\u2018\u201c, in: <em>New Media &amp; Society<\/em> 12 (3), S. 347-364.<\/p>\n<p>Halavais, Alexander (2014): \u201eStructure of Twitter: Social and Technical\u201c, in: Katrin Weller et al. (Hgg.): <em>Twitter and Society<\/em>, New York, S. 29-42.<\/p>\n<p>Helmond, Anne (2013): \u201eOn Retweet Analysis and a Short History of Retweets\u201c, in: <em>Anne Helmond: New Media Research Blog<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.annehelmond.nl\/2013\/01\/19\/on-retweet-analysis-and-a-short-history-of-retweets\/\">http:\/\/www.annehelmond.nl\/2013\/01\/19\/on-retweet-analysis-and-a-short-history-of-retweets\/<\/a>, publ. 19.01.2013, zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>Jordan, Kalena (2009): \u201eTwitter\u2019s New Retweet and Why You Shouldn\u2019t Hate It\u201c, in: <em>Ask Kalena: Your Daily Search Engine Advice Column, <\/em><a href=\"http:\/\/www.ask-kalena.com\/articles\/twitter%E2%80%99s-new-retweet-and-why-you-shouldn%E2%80%99t-hate-it\/\">http:\/\/www.ask-kalena.com\/articles\/twitter%E2%80%99s-new-retweet-and-why-you-shouldn%E2%80%99t-hate-it\/<\/a>, publ. 18.11.2009, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>J\u00f6rissen, Benjamin (2011): \u201eTransritualit\u00e4t im Social Web. Performative Gemeinschaften auf Twitter.com\u201c, in: Johannes Billstein et al. (Hgg.): <em>Rituale der Kunst \u2013 Moyl\u00e4nder Diskurse zu Kunst und Wissenschaft<\/em>, Oberhausen, S. 75-86.<\/p>\n<p>Keating, Peter und Cambrosio, Albert (2003): <em>Biomedical Platforms. Realigning the Normal and the Pathological in Late-Twentieth-Century Medicine<\/em>. Cambridge\/MA.<\/p>\n<p>Kr\u00e4mer, Sybille (1998): \u201eDas Medium als Spur und als Apparat\u201c, in: Dies. (Hg.): <em>Medien \u2013 Computer \u2013 Realit\u00e4t. Wirklichkeitsvorstellungen und Neue Medien<\/em>, Frankfurt a.M., S. 73-94.<\/p>\n<p>Kinsey, Mark (2009): \u201eKeeping Count of Sharing Across the Web\u201c, in: <em>Facebook Blog,<\/em> <a href=\"http:\/\/blog.facebook.com\/blog.php?post=165161437130\">http:\/\/blog.facebook.com\/blog.php?post=<br \/>\n165161437130<\/a>, publ. 26.10.2009, zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>Lampland, Martha\/Susan L. Star (Hgg.) (2009): <em>Standards and their stories. How quantifying, classifying and formalizing practices shape everyday life<\/em>, Ithaca.<\/p>\n<p>Latour, Bruno (2005): <em>Die Hoffnung der Pandora. Untersuchungen zur Wirklichkeit der Wissenschaft<\/em>, Frankfurt a.M.<\/p>\n<p>Lavrusik, Vadim (2011): \u201eFacebooks Like Button Takes Over Share Button Functionality\u201c, in: <em>Mashable, <\/em><a href=\"http:\/\/mashable.com\/2011\/02\/27\/facebook-like-button-takes-over-share-button-functionality\/\">http:\/\/mashable.com\/2011\/02\/<br \/>\n27\/facebook-like-button-takes-over-share-button-functionality\/<\/a>, publ. 27.02.2011, zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>Lazer, David et al. (2009): \u201eComputational Social Science\u201c, in: <em>Science<\/em> 323 (5915), S. 721-723.<\/p>\n<p>MacManus, Richard (2009): \u201eFavrd Shuts Down \u2013 Not Twitter\u2019s Last Laugh\u201c, in: <em>readwrite<\/em>, <a href=\"http:\/\/readwrite.com\/2009\/12\/06\/favrd_shuts_down_show_goes_on_thank_you_textism#awesm=~ojBFs1w1DIZAts\">http:\/\/readwrite.com\/2009\/12\/06\/<br \/>\nfavrd_shuts_down_show_goes_on_thank_you_textism#awesm=~ojBFs1w1DIZAts<\/a>, publ. 06.12.2009, zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>Marres, Noortje\/Esther Weltevrede (2013): \u201eScraping the Social? Issues in live social research\u201c, in: <em>Journal of Cultural Economy<\/em> 6 (3), S. 313-335.<\/p>\n<p>O\u2019Reilly, Tim (2005): \u201eWhat Is Web 2.0. Design Patterns and Business Models for the Next Generation of Software\u201c, in: <em>O\u2019Reilly, <\/em><a href=\"http:\/\/oreilly.com\/pub\/a\/web2\/archive\/what-is-web-20.html?page=1\">http:\/\/oreilly.com\/pub\/a\/web2\/archive\/what-is-web-20.html?<br \/>\npage=1<\/a>, publ. 30.09.2005, zit. 01.07.2014.<\/p>\n<p>Pa\u00dfmann, Johannes\/Thomas Boeschoten\/Mirko Tobias Sch\u00e4fer (2014): \u201eThe Gift of the Gab. Retweet Cartels and Gift Economies on Twitter\u201c, in: Katrin Welleru.a. (Hg.): <em>Twitter and Society<\/em>, New York, S. 331-344.<\/p>\n<p>Perlman, Leah (2009): \u201e\u201aI Like This\u2018\u201c, in: <em>Facebook Blog<\/em>, <a href=\"http:\/\/blog.facebook.com\/blog.php?post=53024537130\">http:\/\/blog.facebook.com\/blog.php?post=53024537130<\/a>, publ. 10.02.2009, zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>Puschmann, Cornelius\/Jean Burgess (2014): \u201eThe Politics of Twitter Data\u201c, in: Katrin Weller et al. (Hgg.): <em>Twitter and Society<\/em>, New York, S. 43-54.<\/p>\n<p>Quora.com (2011): \u201eWho first used the term RT on Twitter\u201c, in: <em>Quora, <\/em><a href=\"http:\/\/www.quora.com\/Twitter-Retweets\/Who-first-used-the-term-RT-on-Twitter\">http:\/\/www.quora.com\/Twitter-Retweets\/Who-first-used-the-term-RT-on-Twitter<\/a>, publ. 2011 (?), zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>rechis, leland (2010): \u201eTwitter for Android. Robots like to share too\u201c, in: <em>Twitter Blog, <\/em><a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/twitter-for-android-robots-like-to-share-too\">https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/twitter-for-android-robots-like-to-share-too<\/a>, publ. 30.04.2010, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Savage, Mike\/Roger Burrows (2007): \u201eThe Coming Crisis of Empirical Sociology\u201c, in: <em>Sociology<\/em> 41 (5), S. 885-899.<\/p>\n<p>Savage, Mike (2009): \u201eContemporary Sociology and the Challenge of Descriptive Assemblage\u201c, in: <em>European Journal of Social Theory<\/em> 12 (1), S. 155-174.<\/p>\n<p>@SebastianX (2009): \u201eTwitter stole retweets from the community. Sigh. It was fun while it lasted. Back to the fav-star-button. Enjoy my RTs at FriendFeed.\u201c, in: <em>Twitter, <\/em><a href=\"https:\/\/twitter.com\/SebastianX\/statuses\/5600851824\">https:\/\/twitter.com\/SebastianX\/statuses\/<br \/>\n5600851824<\/a>, publ. 10.11.2009, zit. 10.09.2014.<\/p>\n<p>Sengupta, Somini (2011): \u201eTwitter Tries to Simplify Its Service\u201c, in: <em>New York Times<\/em>, <a href=\"http:\/\/bits.blogs.nytimes.com\/2011\/12\/08\/twitter-tries-to-simplify-its-service\/?_r=0\">http:\/\/bits.blogs.nytimes.com\/2011\/12\/08\/twitter-tries-to-simplify-its-service\/?_r=0<\/a>, publ. 08.12.2011, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Slate News Channel (2011): \u201eNew Twitter Design Promises \u201aSimplicity in a World of Complexity\u2018\u201c, in: <em>YouTube, <\/em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=kap3mCwXFC8\">http:\/\/www.youtube.com<br \/>\n\/watch?v=kap3mCwXFC8<\/a>, publ. 09.12.2011, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Steier, Henning (2011): \u201eSo sieht das neue Twitter aus. Dreikampf der Social Networks\u201c, in: <em>Neue Z\u00fcrcher Zeitung<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/digital\/twitter-redesign-1.13571480\">http:\/\/www.nzz.ch\/aktuell\/<br \/>\ndigital\/twitter-redesign-1.13571480<\/a>, publ. 09.12.2011, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Stone, Biz (2006): \u201eSix more Twitter updates\u201c, in: <em>Twitter Blog, <\/em><a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2006\/six-more-twitter-updates\">https:\/\/blog.twitter.com\/2006\/six-more-twitter-updates<\/a>, publ. 14.11.2006, zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (2009a): \u201eProject Retweet: Phase One\u201c, in: <em>Twitter Blog, <\/em> <a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2009\/project-retweet-phase-one\">https:\/\/blog.twitter.com\/2009\/project-retweet-phase-one<\/a>, publ. 13.08.2009, zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (2009b): \u201eRetweet Limited Rollout\u201c, in: <em>Twitter Blog<\/em>, <a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2009\/retweet-limited-rollout\">https:\/\/blog.twitter.com\/2009\/retweet-limited-rollout<\/a>, publ. 06.11.2009, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Siegler, MG (2009): \u201eFavstar.fm Makes The Twitter ,Favorite\u2018 Less Of An Unwanted Step-Child\u201c, in: <em>Techcrunch, <\/em><a href=\"http:\/\/techcrunch.com\/2009\/07\/12\/favstarfm-makes-the-twitter-favorite-less-of-an-unwanted-step-child\/\">http:\/\/techcrunch.com\/2009\/07\/12\/favstarfm-makes-the-twitter-favorite-less-of-an-unwanted-step-child\/<\/a>, publ. 12.06.2009, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Sysomos (2009): \u201eInside Twitter\u201c, <a href=\"https:\/\/www.sysomos.com\/docs\/Inside-Twitter-BySysomos.pdf,\">https:\/\/www.sysomos.com\/docs\/<br \/>\nInside-Twitter-BySysomos.pdf,<\/a> publ. Juni 2009, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Thielmann, Tristan (2012): \u201eTaking into Account. Harold Garfinkels Beitrag f\u00fcr eine Theorie sozialer Medien\u201c, in: <em>Zeitschrift f\u00fcr Medienwissenschaft<\/em> 6 (1), S. 85-102.<\/p>\n<p>Tripathi, Shruti (2009): \u201eMeet the man who invented the retweet button\u201c, in: <em>London loves Business<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.londonlovesbusiness.com\/entrepreneurs\/fast-growing-businesses-and-sme\/meet-the-man-who-invented-the-re-tweet-button\/4002.article\">http:\/\/www.londonlovesbusiness.<br \/>\ncom\/entrepreneurs\/fast-growing-businesses-and-sme\/meet-the-man-who-invented-the-re-tweet-button\/4002.article<\/a>, publ. 26.11.2012, zit. 30.09.2013.<\/p>\n<p>@twitter (2011a): \u201eStarting today, we&#8217;re rolling out an email notification that lets you know if someone you follow retweets or favorites one of your Tweets.\u201d, in: <em>Twitter<\/em>, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/twitter\/status\/72775840978571264\">https:\/\/twitter.com\/twitter\/status\/72775840978571264<\/a>, publ. 23.05.2011, zit. 10.09.2014.<\/p>\n<p>\u2013\u2013 (2011b): \u201eNow you can see a Tweet&#8217;s total number of retweets and favorites, rather than &#8222;50+&#8220;. An example from <a href=\"https:\/\/twitter.com\/keselowski\"><span style=\"text-decoration: underline\">@keselowski<\/span><\/a>\u201d, in: <em>Twitter<\/em>, https:\/\/twitter.com\/twitter\/status\/214780418887659520, publ. 18.06.2011, zit. 10.09.2014.<\/p>\n<p>\u2013\u2013 (2011c): \u201eIt\u2019s Activity Monday! Everyone now has the Activity &amp; @username tabs. Learn more about these features in our blog post: <a href=\"http:\/\/blog.twitter.com\/2011\/08\/show-me-more\">http:\/\/blog.twitter.com\/2011\/08\/show-me-more<\/a>\u201d, in: <em>Twitter<\/em>, <a href=\"https:\/\/twitter.com\/twitter\/status\/136230349058490368\">https:\/\/twitter.com\/twitter\/status\/136230349058490368<\/a>, publ. 15.11.2011, zit. 10.09.2014.<\/p>\n<p>Twitter (2010): \u201ePushing our tweet button\u201c, in: <em>Twitter Blog,<\/em> <a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/pushing-our-tweet-button\">https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/pushing-our-tweet-button<\/a>, publ. 12.08.2010, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (2011a): \u201eShow me more\u201c, in: <em>Twitter Blog, <\/em><a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2011\/show-me-more\">https:\/\/blog.twitter.com\/2011\/show-me-more<\/a>, publ. 10.08.2011, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>\u2013\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 (2011b): \u201eYours to discover. A faster, simpler way to stay close to everything you care about\u201c, in: <em>Internet Archive,<\/em> <a href=\"http:\/\/web.archive.org\/web\/20111209201632\/http:\/\/fly.twitter.com\/publ\">http:\/\/web.archive.org\/web\/20111209201632\/http:\/\/fly.twitter.com\/publ<\/a>. 09.12.2011, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>Williams, Evan (2009): \u201eWhy retweet works the way it does\u201c, in: <em>Ev Williams,<\/em> <a href=\"http:\/\/evhead.com\/2009\/11\/why-retweet-works-way-it-does.html\">http:\/\/evhead.com\/2009\/11\/why-retweet-works-way-it-does.html<\/a>, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>\u2013 (2010): \u201eTwitter for iPhone\u201c, in: <em>Twitter Blog, <\/em><a href=\"https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/twitter-iphone-0\">https:\/\/blog.twitter.com\/2010\/twitter-iphone-0<\/a>, publ. 10.04.2010, zit. 30.11.2013.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Abdruck mit freundlicher Genehmigung der Online-Zeitschrift \u201e<a title=\"website zeitschrift \" href=\"http:\/\/www.medialekontrolle.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mediale Kontrolle unter Beobachtung<\/a>\u201c.<\/p>\n<p>Weitere Hinweise zur Ausgabe \u201eDatenkritik\u201c, in dem der Aufsatz zuerst erschienen ist, <a title=\"homepage mediale kontrolle\" href=\"http:\/\/www.medialekontrolle.de\/ausgaben\/3-12014-datenkritik\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn Sie den Aufsatz im wissenschaftlichen Zusammenhang zitieren wollen, benutzen Sie bitte die paginierte Fassung bei \u201eMediale Kontrolle unter Beobachtung\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fav, Retweet und Like<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[503,701,1378,1988,2407],"class_list":["post-5306","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-data","tag-facebook","tag-like","tag-retweet","tag-twitter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5306","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5306"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5306\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}