{"id":5329,"date":"2016-01-14T22:32:23","date_gmt":"2016-01-14T20:32:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5329"},"modified":"2016-01-14T22:32:23","modified_gmt":"2016-01-14T20:32:23","slug":"pop-archiv-januarvon-anne-kurr14-1-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/01\/14\/pop-archiv-januarvon-anne-kurr14-1-2016\/","title":{"rendered":"Pop-Archiv Januarvon Anne Kurr14.1.2016"},"content":{"rendered":"<p>Beginn einer neuen Reihe. Im Pop-Archiv werden jeden Monat Fundst\u00fccke aus der Pop- und Popul\u00e4rkulturgeschichte dokumentiert und kommentiert. Den Anfang macht die Zeithistorikerin Anne Kurr mit Anmerkungen und Analysen zur Zeitschrift <em>Elaste<\/em>, einem Zeitgeist-Magazin aus der ersten H\u00e4lfte der 1980er Jahre.<!--more --><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><em>Elaste<\/em> 1981-1986<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-1..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-5331\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-1.-791x1024.jpg\" alt=\"Abb. 1.\" width=\"695\" height=\"900\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-1.-791x1024.jpg 791w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-1.-232x300.jpg 232w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-1.-768x994.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-1..jpg 927w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 1 <em>Elaste Magazine<\/em> (1\/1981) Cover<\/p>\n<p>F\u00fcr den aufkommenden Pop-Journalismus der 1980er Jahre werden in der Geschichtsschreibung vorwiegend die Musikmagazine <em>Sounds<\/em> und <em>Spex<\/em> als Medienquellen angef\u00fchrt, in denen auf neuartige Weise \u00fcber Pop gesprochen wurde. Insbesondere die selbsternannten Pop-Intellektuellen werden darin als Protagonisten einer neuen politisch linken Denkfigur betrachtet.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Obwohl einige dieser Akteure auch im <em>Elaste Magazine<\/em> publizierten, wies dieses weniger einen theorieges\u00e4ttigten Pop-Diskurs auf und z\u00e4hlte eher zu den Lifestyle-Zeitschriften der Zeit. Sie zeichnete sich dennoch durch einen \u00e4hnlichen pop-journalistischen Schreibstil aus. Junge Journalisten, Grafiker und Fotografen waren auf der Suche nach der jetztzeitlichen Kunst und Kultur (<em>Elaste Magazine<\/em> 3\/1982) und gestalteten diese in einer neuen \u00c4sthetik. F\u00fcr die historische Betrachtung liefert <em>Elaste<\/em> dadurch einen Zugang zu den lebensweltlichen Konzepten einer pop-affinen Jugendsubkultur wei\u00dfer Mittelschichtsangeh\u00f6riger im Westdeutschland der 1980er Jahre.<\/p>\n<p>\u201eZentralorgan deutscher Insider\u201c nannten die Herausgeber Christian Wegner, Michael Reinboth und Thomas Elsner in der ersten Ausgabe ihr Magazin. Einblicke bekommen die Leser*innen in die damalige hannoveranische Kunst- und Kulturszene.<\/p>\n<p><em>\u201ePlaste und Elaste. Das Magazzin zur V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung gibt sich der Vorstellung hin, den Twist zwischen Dir und Mir abzubauen. Ratsam w\u00e4re an dieser Stelle, wenn Du diese Zeitschrift liest oder wie ein Bilderbuch betrachtest und Wir Sie f\u00fcr Dich stylen. (\u2026) Elaste, substantiviert von elastisch, ist in allen Trends und avantgardistischen Entwicklungen ein Plastischmacher. Wir zimmern und f\u00fcgen. A Magazzin for Media Mutante. Mut zur Mutation. Hannover, eine Stadt wie Gummi, so beweglich vielschichtig in Scenen, Kultur, Musik, Film, Literatur, Mode, Kunst und Dir. (\u2026)\u201c <\/em>(<em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> 1\/1981)<\/p>\n<p>Der Schreibstil \u00e4hnelt von Beginn an sehr jenem des um sich greifenden Popjournalismus: flapsig, ironisch, assoziativ und distinktiv. Die Autoren und Gestalter dr\u00fcckten in ihren Beitr\u00e4gen ihre Zugeh\u00f6rigkeit zur Szene aus und grenzten zugleich die Leser*Innen aus. Insidersprache und -wissen verst\u00e4rken diesen Eindruck. Bez\u00fcge zur politischen Situation in Deutschland wie zum Beispiel der Name Elaste, die Mauer muss weg oder Zentralorgan werden aufgeworfen, sind jedoch reine Worth\u00fclsen, die in ihrer assoziativen Aneignung jeglichen Sinn verlieren und nur als posenhafter Schreibstil dienen.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\" wp-image-5332 size-full aligncenter\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-2.jpg\" alt=\"Abb. 2\" width=\"567\" height=\"283\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-2.jpg 567w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-2-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 567px) 100vw, 567px\" \/><\/a>Abb. 2 Impressum, <em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> (4\/1982)<\/p>\n<p>Die Selbstreferenzialit\u00e4t der Texte, Fotos und Formate ist ein dominantes Merkmal des Magazins. Diese zeigt sich vor allem in den publizierten Interviews mit lokalen Gr\u00f6\u00dfen und internationalen Stars. Die Interviewsituationen, nach einer Show oder in einer Bar, nehmen einen gro\u00dfen Anteil des Inhalts ein und \u00fcberh\u00f6hen nicht nur den Interviewten zum Star, sondern adeln die Interviewer (die Herausgeber) als Cool Kids der damaligen Szene.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.1..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5333 size-medium\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.1.-193x300.jpg\" alt=\"Abb. 3.1.\" width=\"193\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.1.-193x300.jpg 193w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.1.-768x1191.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.1.-660x1024.jpg 660w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.1..jpg 1408w\" sizes=\"auto, (max-width: 193px) 100vw, 193px\" \/><\/a>\u00a0<a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.2..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-5334 size-medium\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.2.-232x300.jpg\" alt=\"Abb. 3.2.\" width=\"232\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.2.-232x300.jpg 232w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.2.-768x993.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.2.-792x1024.jpg 792w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-3.2..jpg 1684w\" sizes=\"auto, (max-width: 232px) 100vw, 232px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 3 Interview mit Dieter Meier von der Schweizer Band Yello, <em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> (3\/1982)<\/p>\n<p>Die Themen, Texte und Bilder lassen trotz der \u00fcbersteigerten Coolness eine Suchbewegung durchscheinen. Diese offenbaren eine Suche nach dem Stil, den R\u00e4umen und Helden der Subkultur, die sich in den Formaten der Beitr\u00e4ge, und insbesondere in der assoziativen Gestaltung, die massenmedial vermittelte Bilder aufgreift, ausdr\u00fcckt. Die Herausgeber des Magazins betrieben eine lebensweltliche Selbstbeobachtung, die sie in Bilder \u00fcbersetzten. Die produzierten Abbildungen werden in Bezug auf Musikvideos von Nadja Geer als nichtauthentische Authentizit\u00e4tsposen bezeichnet, die im Alltagsleben \u00fcbernommen werden.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-5335\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-4-1024x768.jpg\" alt=\"Abb. 4\" width=\"695\" height=\"521\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-4-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-4-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-4-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-4.jpg 1138w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 4 <em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> (5\/1982)<\/p>\n<p>Modestrecken bebilderten den Lifestyle, und die Leser*innen konnten sich daran orientieren, was gerade in der Szene getragen wurde. Die Klamottenl\u00e4den, in denen man diese Mode kaufen und wo man die Leute aus der Szene antreffen konnte, wurden zugleich mitgeliefert. In Texten und Fotostrecken von Bars, Clubs und Kunstgalerien kartografierte das Magazin die Szene und besetzte dadurch eigene R\u00e4ume, meist nur Insidern bekannte Off-Spaces der Stadt.<\/p>\n<p><em>\u201e\u00bbJust what is it that makes today\u00b4s home so different, so appealing?\u00ab <\/em><em>(Richard Hamilton, 1956) Wenn der Postmann zweimal klingelt, liegt meist ein kleines K\u00e4rtchen in meinem Flur. So auch diesmal \u00bbBasement\u00ab Hannover Raschplatz. Er\u00f6ffnung Freitag 12.6.81 22h. Knapp am dreizehnten vorbei, dachte ich und lenkte meinen Wagen einige Tage sp\u00e4ter durch die trostlose Gegend hinter dem Bahnhof. Beinahe am Ziel angelangt ging\u00b4s dann auch noch in den Keller. (\u2026) Glei\u00dfende Leuchtstoffr\u00f6hren, Pirelligummi auf dem Boden, die Decke bleibt unverkleidet, hier und da ein bi\u00dfchen Chrom. (\u2026) der erste Blick signalisiert sofort, hier wollte jemand der verh\u00e4rmten Caf\u00e9 \u2013 und Diskothekenszene mit ihren pastellfarbig schimmernden Barocktempeln eine schallende Ohrfeige verpassen.\u201c<\/em> (<em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> 1\/1981)<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5336\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-5.jpg\" alt=\"Abb. 5\" width=\"1386\" height=\"1040\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-5.jpg 1386w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-5-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-5-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-5-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1386px) 100vw, 1386px\" \/><\/a>Abb. 5 Blixa Bargeld, <em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> (4\/1982)<\/p>\n<p>Die Suche nach den neuen Intellektuellen &#8211; die neuen Helden der Jugend &#8211; offenbart sich in den vielen Interviews oder Beschreibungen von coolen Typen fast ausschlie\u00dflich m\u00e4nnlich. Die neuen Helden waren Hip-Intellektuelle, unter denen die Herausgeber (Lebens-)K\u00fcnstler, Kuratoren, Journalisten, Regisseure oder auch Nachtlebenfiguren wie Blixa Bargeld aus der westdeutschen Kreativ-Szene verstanden. Frauen spielten dagegen eine passive Rolle und kamen meist nur als Modeobjekte oder als Beute der n\u00e4chtlichen Abendgestaltung vor.<\/p>\n<p>Auf allen drei skizzierten Ebenen ging es um das Jetztzeitliche der Subkultur, um eine Zugeh\u00f6rigkeit zu ihr in Form von bestimmten Moden, Musik, R\u00e4umen und gemeinsamen Leitbildern. Dieser vermeintlich verengte Fluchtpunkt auf einen lokalen Mikrokosmos weist zur gleichen Zeit in der neuen \u00c4sthetik des Magazins eine transnationale Orientierung auf. Die assoziative Gestaltung der <em>Elaste<\/em> adaptierte vor allem die amerikanischen Pop Art und den Stil der (Post)Punk\/New Wave Szene in London. Besonders das erste Cover ist ein ironisches Pastiche der Portraits von Andy Warhol, der von den Herausgebern nach wie vor als Kultfigur gefeiert wurde. (<em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> 3\/1982) Alltags\u00e4sthetische Gegenst\u00e4nde wurden von ihnen ihrer Kontexte enthoben und zum Bestandteil des Layouts. Sie verarbeiteten und mixten die Bilder- und Produktflut der Massenkultur \u2013 und erhoben sie im Sinne der Pop Art zu Kunst. \u00c4ltere Pop Art-Arbeiten der 1960er Jahre, die nun zur Hochkultur geh\u00f6rten, wurden auch aufgegriffen und ironisch nachgeahmt, wie zum Beispiel Warhols \u00bbDance Diagram\u00ab von 1962.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-6-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-5338\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-6-1-789x1024.jpg\" alt=\"Abb. 6 -1\" width=\"695\" height=\"902\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-6-1-789x1024.jpg 789w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-6-1-231x300.jpg 231w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-6-1-768x996.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-6-1.jpg 1716w\" sizes=\"auto, (max-width: 695px) 100vw, 695px\" \/><\/a><br \/>\nAbb.6 <em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> (1\/1981)<\/p>\n<p>Das Design der <em>Elaste<\/em> kann als postmodern beschrieben werden. Nicht nur die ironischen Nachahmungen, sondern die verwendeten grafischen Muster erinnern sehr an postmoderne Klassiker wie zum Beispiel an den Designer Ettore Sottsass und die Gruppe Memphis. In der variierenden Gestaltung der Cover zeigt sich ein postmodernes Konzept, dass postmoderner Stil eine Anh\u00e4ufung aller Stile sei.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-7.1.-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5339\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-7.1.-1-225x300.jpg\" alt=\"Abb. 7.1.-1\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-7.1.-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-7.1.-1.jpg 654w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-7.2..jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-5337\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-7.2.-225x300.jpg\" alt=\"Abb. 7.2.\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-7.2.-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-7.2..jpg 655w\" sizes=\"auto, (max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a><br \/>\nAbb. 7 Variierende Werbung f\u00fcr Marie Jo, Hannover, <em>Elaste<\/em> <em>Magazine<\/em> (1\/1981 &#8211; 2\/1981)<\/p>\n<p>Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Arbeit der Grafiker und Fotografen an der Gestaltung des Magazins und der darin abgebildeten Werbung. Es stellt sich die Frage, welche Rolle die Gestalter im Aufkommen des Pop-Journalismus und der Lifestylemagazine gespielt haben. Das Magazin <em>Elaste<\/em> hat m\u00f6glicherweise nicht nur sich etablierenden Journalisten eine Plattform gegeben, ihre Texte zu publizieren, sondern auch Gestaltern eine M\u00f6glichkeit geboten, sich auf dem wachsenden Medien- und Werbemarkt durch ihr \u201esubkulturelles Kapital distinkter Kennerschaft\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> zu positionieren. Anhand der Liste der Auftraggeber des Studios Thomas Elsner in M\u00fcnchen l\u00e4sst sich dies zumindest vermuten.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Einer der Gr\u00fcnde f\u00fcr den Erfolg der <em>Elaste <\/em>war die Gestaltung des Magazins. Die verhandelten Bilder in Form von Typen, R\u00e4umen, Moden, Musik und Einrichtungsstilen zeigten und pr\u00e4gten zugleich die \u00c4sthetik der neuen pop-affinen Subkultur, deren Anh\u00e4nger sich aus wei\u00dfen, mittelschichtszugeh\u00f6rigen Kunststudierenden und urbanen Kreativen zusammensetzte. Die Gestaltung der ersten Ausgaben ist in ihrem assoziativen Charakter bemerkenswert und zeigt ein bildnerisches Pendant zum pop-journalistischen Schreibstil der Zeit.<\/p>\n<p>Das Konzept des Magazins <em>Elaste<\/em> \u00fcber den Lifestyle, die Akteure und R\u00e4ume der lokalen \u201eSzene\u201c zu publizieren, ging auf und die Auflage stieg in den ersten Jahren. Nach dem Umzug der Chefredaktion nach M\u00fcnchen 1982 erweiterte sich das Themenspektrum auf die westdeutsche Kultur- und Kunstszene. Sich etablierende und etablierte Popjournalisten (Diedrich Diederichsen, Kid P., Andreas Dorau, Thomas Meinecke, Maxim Biller, Thomas Hecken \u2013 nur um einige zu nennen), Grafiker und Fotografen beteiligten sich in unterschiedlichen Formaten am <em>Elaste Magazine<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><a href=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-8-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-5341\" src=\"http:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-8-1.jpg\" alt=\"Abb. 8-1\" width=\"1386\" height=\"1339\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-8-1.jpg 1386w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-8-1-300x290.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-8-1-768x742.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/files\/2016\/01\/Abb.-8-1-1024x989.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1386px) 100vw, 1386px\" \/><\/a>Abb. 8 <em>Elaste<\/em> (Cover der Ausgaben 2\/1981 \u2013 13\/1986)<\/p>\n<p>H\u00f6hepunkt und zugleich Wendepunkt bildet das Jahr 1984. Die Zeitschrift gewann den <em>European Design Award for Print Magazine<\/em>, jedoch wurde das Design in den folgenden Jahren professioneller (langweiliger) und verlor dadurch seinen jugendlich wilden DIY-Charakter. Zudem werfen das Coverbild und die Fotostrecke \u201eDurch Wald und Wiesen. Eine kleine Pilzkunde\u201c (<em>Elaste<\/em> 9\/1984) mit nackten 10- bis 12-j\u00e4hrigen M\u00e4dchen Fragen auf. Sie wirken verst\u00f6rend und sollten im Kontext der vor kurzem aufgekommenen Debatte \u00fcber den Umgang mit P\u00e4dophilie und den Diskurs der sexuellen Freiheit in den 1980er Jahren diskutiert werden.<\/p>\n<p>Die letzte Ausgabe von\u00a0<em>Elaste<\/em> erschien 1986. Im selben Jahr begannen finanzkr\u00e4ftigere Verlage, in Deutschland Zeitgeist-Magazine &#8211; <em>Tempo<\/em> und <em>Wiener<\/em> &#8211; auf den Markt zu bringen, die \u00fcber eine wesentlich h\u00f6here Auflage verf\u00fcgten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. exemplarisch, Detlef Siegfried, Das Subversive retten. Eine Denkfigur der 1980er Jahre, in: APuZ (46\/2015), S. 15f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. Nadja Geer, \u00bbIf you have to ask, you can\u00b4t afford it\u00ab. Pop als distinktiver intellektueller Selbstentwurf der 1980er Jahre, in: Bodo Mrozek, Alexa Geisth\u00f6vel, J\u00fcrgen Daniel (Hg.), Popgeschichte, Bd.2, Zeithistorische Fallstudien 1958-1988, Bielefeld 2014, S. 345.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Postmodernism, Style and Subversion, 1970-1990, hrsg. von Glenn Adamson and Jane Pavitt, London 2011.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Bodo Mrozek, Subkultur und Cultural Studies. Ein kulturwissenschaftlicher Begriff in zeithistorischer Perspektive, in: Bodo Mrozek, Alexa Geisth\u00f6vel (Hg.), Popgeschichte, Bd. 1, Konzepte und Methoden, Bielefeld 2014, S. 120.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. http:\/\/www.thomaselsner.com<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a title=\"website kurr\" href=\"https:\/\/www.geschichte.uni-hamburg.de\/arbeitsbereiche\/deutsche-geschichte\/personen\/kurr.html\" target=\"_blank\">Anne Kurr<\/a> ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Seminar der Universit\u00e4t Hamburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beginn einer neuen Reihe. Im Pop-Archiv werden jeden Monat Fundst\u00fccke aus der Pop- und Popul\u00e4rkulturgeschichte dokumentiert und kommentiert. Den Anfang macht die Zeithistorikerin Anne Kurr mit Anmerkungen und Analysen zur Zeitschrift Elaste, einem Zeitgeist-Magazin aus der ersten H\u00e4lfte der 1980er Jahre.<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[622,1376,1821,2586,2587],"class_list":["post-5329","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-elaste","tag-lifestyle","tag-pop-archiv","tag-zeitgeist","tag-zeitgeist-magazin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5329","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5329"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5329\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}