{"id":5356,"date":"2016-01-16T00:05:48","date_gmt":"2016-01-15T22:05:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.pop-zeitschrift.de\/?p=5356"},"modified":"2016-01-16T00:05:48","modified_gmt":"2016-01-15T22:05:48","slug":"selfie-betrachtungen-rezension-zu-alain-bieber-hg-ego-update-die-zukunft-der-digitalen-identitaetvon-christian-schulz15-1-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/2016\/01\/16\/selfie-betrachtungen-rezension-zu-alain-bieber-hg-ego-update-die-zukunft-der-digitalen-identitaetvon-christian-schulz15-1-2016\/","title":{"rendered":"Selfie-Betrachtungen Rezension zu Alain Bieber (Hg.), \u00bbEgo Update \u2013 Die Zukunft der digitalen Identit\u00e4t\u00abvon Christian Schulz15.1.2016"},"content":{"rendered":"<p>Narzissmus, Selbsttechniken etc.<!--more--><\/p>\n<p>Die Popularit\u00e4t des Selfies ist ungebrochen. Auch die medienkulturwissenschaftliche Forschung widmet sich verst\u00e4rkt der Praxis der mobilen Selbst-Fotografie. Mit dem Katalog zur Ausstellung \u201eEgo Update\u201c in D\u00fcsseldorf (19.09.15 \u2013 17.01.16) ist nun eine interessante Publikation mit internationaler Ausrichtung erschienen, die sich dem Thema interdisziplin\u00e4r ann\u00e4hert.<\/p>\n<p>Die wissenschaftliche Rezeption des Selfie-Ph\u00e4nomens steht noch am Anfang; besonders aber aufgrund der mediendynamischen Implikationen l\u00e4sst sich derzeit noch nicht absch\u00e4tzen, ob es sich beim Selfie nur um eine vor\u00fcbergehende Modeerscheinung des Web 2.0 handelt. Gegenw\u00e4rtig spricht jedoch nichts daf\u00fcr, dass sich die Selfie-\u00c4ra bald wieder dem Ende zuneigt.<\/p>\n<p>Im Gegenteil: es wurden wohl noch nie so viele Selfies geschossen, und auch im medienkulturwissenschaftlichen Diskurs avanciert das Ph\u00e4nomen zu einem wichtigen Forschungsgegenstand, wie eine steigende Zahl einschl\u00e4giger Publikationen und Forschungsverb\u00fcnde, v.a. aus dem angels\u00e4chsischen Sprachraum, belegt.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Aber auch im deutschsprachigen Raum gewinnt das Selfie zunehmend an Aufmerksamkeit in der kulturwissenschaftlichen Forschungslandschaft.<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Auch wenn die Zug\u00e4nge (historisch, psychologisch, empirisch) sehr heterogen sind, oszilliert die diskursive Einordnung des Selfie-Ph\u00e4nomens zwischen zwei Extrempolen: Zum einen wird fast immer ein Narzissmus der Selbstdarstellung konstatiert; er zeige sich der sich in einem mitunter entgrenzten, nach \u00f6konomischen Prinzipien des Selbstmanagements funktionierenden Bed\u00fcrfnis der Selbstinszenierung, die nach Ansicht mancher Diagnostiker pathologische Z\u00fcge annehme.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Zum anderen werden die subjektkonstitutiven Elemente wie der Kommunikationsaspekt oder die M\u00f6glichkeiten des \u201eEmpowering\u201c und der spielerischen Erkundung des Selbsts betont.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Innerhalb dieses diskursiven Rahmens wird gegenw\u00e4rtig auch dar\u00fcber diskutiert, ob Selfies die genuin erste Kunstform des Web 2.0 darstellen und darum in der Kunsthistorie des Selbstportr\u00e4ts verortet werden k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/p>\n<p>Der von Alain Bieber herausgegebene Band zur \u201eEgo Update\u201c-Ausstellung hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Selfie \u201eacross the disciplines\u201c zu untersuchen. Diesem Credo entsprechend f\u00e4llt das thematische Spektrum der acht Beitr\u00e4ge sehr weit aus. Der Schriftsteller Douglas Coupland etwa gibt Prognosen zur zuk\u00fcnftigen Selbstdarstellung ab und prophezeit das Selfie zum \u201eAnfassen\u201c (in Form von zu Hause mit dem 3D-Drucker hergestellten B\u00fcsten; S. 28) \u2013 und Karen Ann Donnachie stellt Reflexionen \u00fcber die \u201erekursive Selbstbest\u00e4tigung\u201c sowie den damit einhergehenden Narzissmus an (S. 50-78).<\/p>\n<p>Eher technischen Fragen nach der protokollarischen Architektur des Internets bzw. der Social-Media-Plattformen und den mit jedem Selfie entstehenden Meta-Daten gilt der besonders erw\u00e4hnenswerte Beitrag von Adam Levin, \u201eThe Networked Self(ie)\u201c. Er widmet sich einem in der bisherigen Rezeption der Selfie-Fotografie eher unterbelichteten Aspekt, der technische, politische und epistemologische Dimensionen aufweist. Levin macht anhand des Selfies zwei Formen von Protokollen bzw. von Kontrolle aus. Zum einen \u201eVerhaltensprotokolle\u201c (prim\u00e4re Ebene), die z.B. essentiell f\u00fcr die Bildung von Kollektivgef\u00fcgen sind und damit ein selbstkonstitutives bzw. subjektivierendes Moment darstellen. Exemplarisch l\u00e4sst sich dies anhand von Kommentaren, Likes\/Hearts etc. auf den jeweiligen Social-Media-Plattformen nachverfolgen. Zum anderen \u201eKontrolle durch Internetprotokolle\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> (sekund\u00e4re Ebene), d. h. dem Einsatz der Web-Protokolle TCP\/IP (Transmission Control Protocol\/Internet Protocol), die \u201eden Fluss regulieren\u201c und den \u201eWebspace lenken\u201c<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>. Sie sind ein essentieller Baustein in der Internetarchitektur und geben den Providern in Form von DPI (Deep Packet Inspection), d. h. dem \u00d6ffnungsvorgang der \u00fcbertragenen Datenpakete, die M\u00f6glichkeit an die Hand, Zugang zu den Metadaten zu gew\u00e4hren oder zu verweigern (S. 110\/111).<\/p>\n<p>Der Beitrag von Levin zeigt anschaulich die Verkn\u00fcpfung von Verhaltens- und Internetprotokollen auf. Das Selfie erscheint vor diesem (\u00fcberwachungs-)technischen Hintergrund als eine Subjektivierungsweise, die von \u201eSelbsttechniken\u201c und automatisierten \u201eMikroentscheidungen\u201c betroffen ist, wie sie Florian Sprenger unl\u00e4ngst herausgestellt hat.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Deutlich wird, dass die \u201eNicht-Orte der Steigerung\u201c, als die Levin Selfies in Anbetracht der damit verkn\u00fcpften Like-, Tagging- und Ranking-Funktionen charakterisiert (S. 114), auch auf Protokoll-Ebene Orte von menschlichen und technischen Entit\u00e4ten sind, die nur durch dieses Zusammenwirken \u00fcberhaupt denkbar sind.<\/p>\n<p>Ebenfalls den Meta-Daten, nur weitaus spezifischer, widmet sich der informative Beitrag \u201eDissemination\u201c von Brooke Wendt. Es geht um jene Hashtags, die Selfies nach dem Upload zumeist begleiten (S. 80-95). Wendt reflektiert die Verwendungsweisen des Hashtags kritisch und deutet diesen als zus\u00e4tzlichen Individualisierungs-Mechanismus, der es gem\u00e4\u00df \u00f6konomischen Parametern den Nutzern erlaubt, mehr Likes oder Kommentare zu ernten, indem die Chance auf Sichtbarkeit auf Twitter oder Instagram erh\u00f6ht wird. Empirisch unterf\u00fcttert wird dies exemplarisch anhand einer kurzen Fallanalyse der Instagram-Nutzerin \u201elilyelixirmakeup\u201c.<\/p>\n<p>Unter Rekurs auf Vil\u00e9m Flusser beschreibt Wendt den Hashtag als \u201eImperativ der Effizienz\u201c (S. 92), der die Bilder viel st\u00e4rker \u201everstellt\u201c als \u201edarstellt\u201c und bei dem es prim\u00e4r um die Verbreitung des Selfies auf der jeweiligen Plattform geht. Interessant w\u00e4re hier bei aller Schl\u00fcssigkeit der Argumention eine zweite konterkarierende Analyse, z. B. einer eher politisch konnotierten Hashtag-Verwendung, gewesen, um eine noch differenziertere Beschreibung der Hashtag-Funktion zu erm\u00f6glichen. Auch lie\u00dfe sich die aus der strukturalistischen Literaturtheorie stammende Paratext-Analyse f\u00fcr Hashtags sicher fruchtbar machen.<\/p>\n<p>Etwas entt\u00e4uschend mutet dagegen der Beitrag der New Yorker Medienwissenschaftlerin und Gr\u00fcnderin des \u201eSelfie Research Networks\u201c, einer Facebook-Gruppe zum wissenschaftlichen Austausch \u00fcber Selfies, Theresa M. Senft an. Diese rahmt ihren Beitrag, \u201eThe Skin of the Selfie\u201c, mit der Geschichte der afroamerikanischen \u201eBlack Lives Matter\u201c-Aktivistin Sandra Bland, die sich nach Polizei-Angaben in ihrer Zelle erh\u00e4ngt hat, nachdem sie bei einer routinem\u00e4\u00dfigen Verkehrskontrolle festgenommen wurde. Senft sinniert anhand dieses brisanten politischen Beispiels \u00fcber die \u201eArt des Gesehenwerdens\u201c und definiert Selfies als \u201eMachtdemonstration\u201c (S. 136), \u201eGef\u00fchlsobjekt\u201c (S. 138) und als einen \u201eDialog zwischen Auge und Finger\u201c (S. 142).<\/p>\n<p>Auch wenn das Zusammenspiel zwischen Sehen und Ber\u00fchren einen interessanten Ankn\u00fcpfungspunkt bietet und unterstreicht, dass aus Lacans Spiegelstadium gewisserma\u00dfen ein Displaystadium<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> geworden ist, verliert sich Senft allzu oft in anekdotenhaften, h\u00e4ufig ihre eigenen Forschungen reflektierenden Beobachtungen und Erfahrungen und schneidet dabei viele Aspekte des Selfies \u2013 wie Metadaten, Hashtags oder Normierungen \u2013 lediglich an, ohne dabei wirklich in die Tiefe zu gehen. Auch die von Senft verwendete Haut-Metapher bleibt fragw\u00fcrdig, weil doch gerade die Metadaten, die von Senft als \u201eUnterhaut\u201c bezeichnet werden (S. 146), Spuren hinterlassen.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Wahrnehmung des Selfies als erstes Kunstwerk des Netzwerkzeitalters pl\u00e4dieren die Beitr\u00e4ge des Kunstkritikers Jerry Saltz und des Philosophen Daniel Rubinstein. Ersterer bietet mit seinem Aufsatz eine erweiterte Version seines letzten Jahres im <em>New York Magazine<\/em> erschienenen Essays \u201eAt Arm\u00b4s Length: A History of the Selfie\u201c.<\/p>\n<p>Saltz arbeitet an einschl\u00e4gigen Beispielen aus der Geschichte des Selbstportr\u00e4ts (Parmigianino, Van Gogh) zentrale Selfie-Merkmale wie das Gesicht, den verl\u00e4ngerten Arm oder die \u201egreifbare Intimit\u00e4t\u201c heraus (S. 40) und zieht von diesen historischen Gem\u00e4lden gewisserma\u00dfen eine Kausalit\u00e4tslinie zu den scheinbar banalen Selfie-Fotografien des Web 2.0. Obwohl sich diese Form des Selbstportr\u00e4ts von allen anderen bisher dagewesenen unterscheidet (S. 32) und oft \u201ealbern, typisch und langweilig\u201c (S. 34) ist, wie er betont, markiert sie f\u00fcr ihn dennoch eine Art bodenst\u00e4ndigere Form des klassischen Selbstportr\u00e4ts insofern, als es nicht dessen Ewigkeitsanspr\u00fcche teilt (S. 38).<\/p>\n<p>Am Beispiel eines \u201eMirror-Selfies\u201c von Kim Kardashian offenbart sich f\u00fcr ihn ein \u201edritter Sinn\u201c (EU, S. 42), der nichts mit den zweifelsohne als narzisstisch lesbaren Elementen ihrer K\u00f6rperinszenierung zu tun hat, sondern vielmehr auf ein Bed\u00fcrfnis nach Privatsph\u00e4re verweist, weil sie au\u00dfer ihrem K\u00f6rper nichts Privates im Hintergrund des Bildes preisgibt. Es sind dann f\u00fcr Saltz auch gerade diese im Subtext der Selfies mitschwingenden Botschaften, die Selfies als kurzlebige \u201eQuasi-Performances\u201c f\u00fcr ihn oft wertvoller als \u201ewahre Kunst\u201c machen (S. 46).<\/p>\n<p>Bei aller angebrachten Vorsicht gegen\u00fcber seiner Argumentation, gerade gegen\u00fcber der Gefahr einer historischen R\u00fcckprojektion \u2013 wenn er z.B. Velazquez&#8216; <em>Las Meninas <\/em>das auf der Beerdigung von Nelson Mandela entstandene Selfie von Obama, Cameron und Thorning-Schmidt gegen\u00fcberstellt (ebd.) \u2013, ist sein Beitrag dennoch ein erfrischendes Pl\u00e4doyer gegen eine Vorverurteilung des Selfies als Motor kulturellen Werteverlusts (obgleich man sich \u00fcber die \u201eKunstform Selfie\u201c in zuk\u00fcnftigen Diskursen weiter streiten kann und muss, wie auch der Beitrag von Wolfgang Ullrich an anderer Stelle unterstreicht).<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a><\/p>\n<p>In eine \u00e4hnliche Kerbe schl\u00e4gt der Beitrag von Daniel Rubinstein, \u201eThe Gift of the Selfie\u201c. Rubinstein h\u00e4lt es ebenso wie Saltz f\u00fcr m\u00f6glich, dass das Selfie die genuin erste Web 2.0-Kunstform darstellt. Im Gegensatz zu Saltz kommt er allerdings auch auf die entscheidende, sich im Selfie manifestierende Aufl\u00f6sung der Subjekt-Objekt-Dichotomie zu sprechen. Die Technik, so Rubinstein, ist immer in gleichem Ma\u00dfe wie der Bildinhalt zu reflektieren (S. 168), womit nat\u00fcrlich auch die Subjektivit\u00e4tsproduktion der Individuen von und durch Selfies unter diesen Vorzeichen betrachtet werden muss. Unter Rekurs auf Foucaults \u201eSelbstsorge\u201c deutet Rubinstein das Selfie als \u201eLustpraktik\u201c, die als Zusammenspiel von Mensch und Technik der fragmentierten postmodernen Identit\u00e4t der Individuen vor\u00fcbergehend etwas Stabilit\u00e4t verleiht (S. 170); der Upload des Selfies auf eine Social-Media-Plattform ist deshalb konstitutiv f\u00fcr die Gattung des Selfies (S. 172).<\/p>\n<p>Wenn Rubinstein semiotischen Analysen aus der Medien- und Kulturwissenschaft das Deutungspotential f\u00fcr das Selfie abspricht, so klingt dies zun\u00e4chst radikal, er\u00f6ffnet implizit aber auch Forschungsperspektiven, die das Selfie eben nicht nur als Mittel zur Selbstdarstellung wahrnehmen.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> Gerade der Ansatz einer \u201eAkteur-Medien-Theorie\u201c<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> mit einer Verschr\u00e4nkung aus mikroanalytischer Medienethnographie und medienhistorischer Makroanalyse lie\u00dfe sich hier anschlie\u00dfen. Auch um die in der wissenschaftlichen Rezeption oftmals vorhandene Dichotomie von narzisstischer Selbstdarstellung und Subjektkonstitution medienempirisch zu widerlegen und nicht nur auf Makroebene den \u201ekonstitutiven Narzissmus\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> des Selfies herauszuheben, wie dies im vorliegenden Band beispielsweise Karen Ann Donnachie (S. 50-76) tut.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt deshalb war es durchaus sinnvoll, den Beitrag Rubinsteins ganz ans Ende der Publikation zu setzen, rahmt er doch zum einen mit dem Verweis auf die sich im Selfie aufl\u00f6sende Subjekt-Objekt-Dichotomie die anderen Beitr\u00e4ge und mahnt zum anderen als logische Konsequenz daraus, sich bei der Analyse des Selfies nicht (nur) auf die klassischen semiologischen, \u00e4sthetischen, (sozio-) \u00f6konomischen oder kulturellen Forschungsans\u00e4tze zu beschr\u00e4nken. Hierin besteht dann auch gewisserma\u00dfen die \u201eGabe\u201c von Rubinsteins Beitrag.<\/p>\n<p>Bleibt erg\u00e4nzend hinzuzuf\u00fcgen, dass die \u00fcberwiegend theoretischen und wesentliche Selfie-Merkmale herausstellenden Beitr\u00e4ge um einen pointierten Essay des Journalisten Jo Berlien (\u201eDie Kanzlerin nackt\u201c, S. 178-187) bereichert werden. Dieser sinniert darin \u00fcber das Publikum \u201eunterfordernde\u201c Fotografien und handelt dabei von Instagram-Profilen bekannter Fotografen wie Stephen Shore \u00fcber Nackt-Selfies bis hin zu schlechten Foto-Fakes s\u00e4mtliche die digitale Sph\u00e4re \u00fcberflutenden Bilder in einem mehr oder weniger am\u00fcsant gestalteten Panorama (kurz) ab und stellt ganz nebenbei die alte Gretchenfrage der Bildwissenschaft nach Authentizit\u00e4t und Qualit\u00e4t von digitalen Bildern im Vergleich zu ihren analogen Artverwandten. Der theoretische Mehrwert bleibt hier im Vergleich zu den anderen Beitr\u00e4gen des Bandes zwar auf der Strecke, was dem Lesevergn\u00fcgen jedoch keinen Abbruch tut.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich festhalten, dass der Band trotz fehlender \u00fcbergeordnet-argumentativer Stringenz und somit bei aller Disparatheit einen guten \u00dcberblick zum wissenschaftlichen Forschungsstand des Selfie-Ph\u00e4nomens liefert und durchaus neue Forschungsimpulse aufzeigen kann, wovon v.a. die Beitr\u00e4ge von Adam Levin und Daniel Rubinstein zeugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center\"><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. f\u00fcr einen \u00dcberblick Theresa M. Senft &amp; Nancy K. Baym (Ed.): Studying Selfies: Evidence, Affect, Ethics, and the Internet\u2019s Visual Turn (International Journal of Communication 9, 2015).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> z.B. Cornelia Brantner &amp; Katharina Lobinger: \u201eWeil das absolute Poserbilder sind\u201c: Die Wahrnehmung expressiver Authentizit\u00e4t digitaler Selbstbilder und Selfies, in: Oliver Hahn et al. (Hg.): Digitale \u00d6ffentlichkeiten, Konstanz 2015, S. 267-283; Ram\u00f3n Reichert: Selfie Culture. Kollektives Bildhandeln 2.0, in: Pop. Kultur und Kritik, Heft 7, Herbst 2015, S. 86-96; Christian Stiegler: Selfies und Selfie Sticks: Automedialit\u00e4t des digitalen Selbstmanagements, in: ders. et al. (Hg.): New Media Culture. Mediale Ph\u00e4nomene der Netzkultur, Bielefeld 2015, S. 67-81.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Jesse Fox &amp; Margaret C. Rooney: The dark triad and trait self-objectification as predictors of men\u2019s use and self-presentation behaviors on social networking sites, in: Personality and Individual Differences, 76 (2015), S. 161\u2013165.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Theresa M. Senft &amp; Nancy K. Baym: What does the Selfie say? Investigating a Global Phenomenon, in: dies. (Ed.): Studying Selfies: Evidence, Affect, Ethics, and the Internet\u2019s Visual Turn (International Journal of Communication 9, 2015), 1588-1606.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Jerry Saltz: At Arm\u00b4s Length: A History of the Selfie, New York Magazine February 2014, online: http:\/\/www.vulture.com\/2014\/01\/history-of-the-selfie.html (abgerufen am 11.12.15).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. zum Internetprotokoll Alexander R. Galloway: Protocol. How Control exists after Decentralization, Cambridge 2004.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Ebd., S. 74f.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Florian Sprenger: Politik der Mikroentscheidungen: Edward Snowden, Netzneutralit\u00e4t und die Architekturen des Internets, L\u00fcneburg 2015, S. 68.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. zum Begriff und der Geschichte des Displays Tristan Thielmann: Statt einer Einleitung: Eine Mediengeschichte des Displays, in: Jens Schr\u00f6ter, Tristan Thielmann (Hg.): Display I: Analog (= Navigationen. Zeitschrift f\u00fcr Medien- und Kulturwissenschaften, Jg. 6, H. 2, 2006), 2006, S. 13-30.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Wolfgang Ullrich: Selfies als Weltsprache, in: Pia M\u00fcller-Tamm, Dorit Sch\u00e4fer (Hg.): Ich bin hier! Von Rembrandt zum Selfie, Ausstellungskatalog Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, K\u00f6ln 2015, S. 32-41.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> \u00c4hnlich argumentieren auch Edgar G\u00f3mez-Cruz &amp; Helen Thornham: Selfies beyond self-representation: the (theoretical) f(r)ictions of a practice, in: Journal of Aesthetics &amp; Culture, Vol. 7, 2015, online: <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.3402\/jac.v728073\">http:\/\/dx.doi.org\/10.3402\/jac.v728073<\/a> (abgerufen am 11.12.15).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Tristan Thielmann, Erhard Sch\u00fcttpelz (Hg.): Akteur-Medien-Theorie, Bielefeld 2013.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Jean-Luc Nancy: Das andere Portr\u00e4t, Z\u00fcrich-Berlin 2015, S.38.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bibliographischer Nachweis:<\/strong><br \/>\nAlain Bieber (Hg.)<br \/>\nEgo Update \u2013 Die Zukunft der digitalen Identit\u00e4t [Ausstellungskatalog]<br \/>\nNRW-Forum<br \/>\nD\u00fcsseldorf 2015<br \/>\nISBN: 978-3-86335-831-0<br \/>\n324 S.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christian Schulz ist Doktorand im Graduiertenkolleg \u201eMaterialit\u00e4t und Produktion\u201c an der Heinrich-Heine-Universit\u00e4t D\u00fcsseldorf. Die Rezension ist die leicht \u00fcberarbeitete Fassung eines Beitrags, der auf dem <a title=\"rezension blog\" href=\"http:\/\/grk1678.hypotheses.org\/765#more-765\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blog<\/a> des Graduiertenkollegs erschienen ist.<\/p>\n<p>[Nachtrag vom 1.3.2016: Inzwischen ist dort auch noch eine <a title=\"selfie teil zwei\" href=\"http:\/\/grk1678.hypotheses.org\/794\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">weitere Rezension<\/a> zum Selfie-Thema erschienen.]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Narzissmus, Selbsttechniken etc.<\/p>\n","protected":false},"author":391,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[57],"tags":[614,2105],"class_list":["post-5356","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-ego-update","tag-selfie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5356","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/users\/391"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5356"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5356\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5356"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5356"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-siegen.de\/pop-zeitschrift\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5356"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}